#121

RE: Egon Krenz: Walter Ulbricht

in DDR Grenze Literatur 28.06.2013 10:20
von Gelöschtes Mitglied
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@Gert, auch ich würde Dich als streitbaren und nicht immer einfachen "Poltergeist" hier vermissen. Sogar uns beiden ist es mit Abstrichen gelungen, sich mit Respekt im Forum zu begegnen.
Also schön an Bord geblieben -
von einem nicht gerade von Dir geliebten Kommunisten.

Vierkrug


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#122

RE: Egon Krenz: Walter Ulbricht

in DDR Grenze Literatur 28.06.2013 13:02
von seaman | 3.487 Beiträge

Um mal wieder zum Thema zu kommen:

Trotz vieler Widersprüchlichkeiten begann das Neue Ökonomische System(NÖSPL) Mitte der 1960er Jahre zu greifen.Ulbricht konnte sich in dieser Phase auf seinem Weg bestätigt sehen.Auch die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.
Die Akkumulationsrate,die 1963 auf 17,6% abgesackt war,überschritt ab 1965 regelmässig die 20-Prozent-Marke.Die Steigerung des produzierten Nationaleinkommens,1963 lag dieses bei ca.3%,stieg im Folgejahr um mehr als 5%.
Nicht umsonst wurden ab 1966 in den Betrieben Jahresendprämien gezahlt.Diese in Abhängigkeit zum Betriebsergebnis.
Kostenbezogenes Denken wurde hierbei durch die Differenziertheit der Prämienhöhe zwischen den Mitarbeitern gefördert.Betriebsfunktionäre bekamen leistungsabhängige Gehälter.Das war neu.
Noch ein paar Worte zum privaten Sektor.
Während der Reformperiode unterblieben alle Kampagnen in Richtung Verstaatlichung-bzw. Vergenossenschaftlichkeit.Ab jetzt ging es darum,nicht mehr den sog."nichtsozialistischen Sektor"zu liquidieren, sondern in die gesamte Volkswirtschaft zu integrieren.
Auch hier sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache.
Gerade in diesem Bereich stieg die Arbeitsproduktivität besonders steil an:
Bei privaten Unternehmen ergab diese Steigerung im Zeitraum von 1965-1969 den Wert von 44,6 %.Diese Zahl im Vergleich zu der Etappe von 1959-1964 als die Arbeitsproduktivität lediglich in diesem Bereich 17,9 % betrug.
Bei Betrieben mit staatlicher Beteiligung sah es ähnlich aus.
1959-1964 lag die AP bei 39,5% von 1965-1969 bei 65%.
Dieser Reformprozess entwickelte also Eigendynamik.Der Vater dieser Entwicklung war wohl Ulbricht und sein Beraterstab.

seaman


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#123

RE: Egon Krenz: Walter Ulbricht

in DDR Grenze Literatur 28.06.2013 13:22
von Gelöschtes Mitglied
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Und was willst Du mit diesen Zahlen beweisen ??? Dann muß man Dir wohl nicht erst beweisen, wie oft es Plankorrekturen in der Volkswirtschaft der DDR gegeben hat, um die entsprechenden Zahlen und Entwicklungen aufweisen zu können. Die Kennziffer Entwicklung Arbeitsproduktivität wurde in verschiedenen Formen und auf unterschiedlichen Basen ausgewiesen und spiegelte nie den realen Stand wieder.
Bei der Entwicklung der Akkumulationsrate, entschuldige bitte, mußte ich schmunzeln. Im welchem Verhältnis stand sie denn zur Konsumtionsrate ??? Vielleicht noch einmal bei Marx nachlesen über das Verhältnis von Akkumulation und Konsumtion.
Statistiken werden nicht auf der Grundlage objektiver Realitäten gefertigt - sie sind immer subjektiver Natur, denn ich kann die Ausgangswerte so verändern, wie ich das Ergebnis letztendlich haben möchte.
Wie heißt es auch anders, der Graben war im Durchschnitt 80 cm tief, trotzdem ist die Kuh darin ersoffen.
Noch ein kleiner Hinweis - wenn Du Dich schon mit der der NÖP beschäftigst, dann greife doch gleich auf das Original zurück und das heißt Lenin.

Vierkrug


damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#124

RE: Egon Krenz: Walter Ulbricht

in DDR Grenze Literatur 28.06.2013 13:32
von Gelöschtes Mitglied
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Nachtrag zur JEP = Jahresendprämie. @seaman, Du schreibst, sie wurde leistungsbezogen bezahlt. Das war so angedacht und anfänglich auch so gehandhabt. Aber dann genauso zur Selbstverständlichkeit geworden, wie viele andere Dinge auch. Wo war denn der Beitrag des Einzelnen meßbar ??? Auf welcher Basis ??? Die IWP = Industrielle Warenproduktion, der NG = Nettogewinn, NP= Nettoproduktion, die AP= Arbeitsproduktivität ??? Wenn diese Kennziffern nach mehrmaligen Planpräzisierungen im Verlaufe eines Jahres korrigiert waren, dann waren auch die Bedingungen zur Zahlung der Jahresendprämie erfüllt. Mal nichts schönreden, wir wissen schon, warum wir wirtschaftlich und ökonomisch dem Westen hinterher liefen.
Es war auch Walter Ulbricht, der den Satz aussprach, " der Imperialismus steht am Abgrund .. wir werden ihn überholen, ohne einzuholen" - was wir letztendlich auch geschafft haben, denn wir lagen vor ihm im Abgrund.

Vierkrug


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zuletzt bearbeitet 28.06.2013 13:45 | nach oben springen

#125

RE: Egon Krenz: Walter Ulbricht

in DDR Grenze Literatur 28.06.2013 14:40
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Hallo Vierkrug, bei deiner Tätigkeit, sind dir da auch, ich nenne es mal so, wirtschaftliche Verwerfungen aufgefallen und hast du solche Informationen weitergeleitet und falls ja wie wurde darauf reagiert?
Das im ND eigentlich nur Quatsch stand wusste ja jeder der Augen hatte und arbeitete.


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#126

RE: Egon Krenz: Walter Ulbricht

in DDR Grenze Literatur 28.06.2013 14:43
von damals wars | 12.212 Beiträge

Die Jahresendprämie war letzten Endes ein dreizehntes Monatsgehalt. Eine Differenzierung war zu aufwändig.
Genau wie heute.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#127

RE: Egon Krenz: Walter Ulbricht

in DDR Grenze Literatur 28.06.2013 14:46
von damals wars | 12.212 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #123

Noch ein kleiner Hinweis - wenn Du Dich schon mit der der NÖP beschäftigst, dann greife doch gleich auf das Original zurück und das heißt Lenin.
Vierkrug



Hatten wir in der DDR Kriegskommunismus?


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#128

RE: Egon Krenz: Walter Ulbricht

in DDR Grenze Literatur 28.06.2013 14:50
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von damals wars im Beitrag #126
Die Jahresendprämie war letzten Endes ein dreizehntes Monatsgehalt. Eine Differenzierung war zu aufwändig.
Genau wie heute.


Es gab eine Differenzierung. Gezahlt wurde die JEP entsprechend der geleisteten Arbeitstage einschl. Urlaub. Es war eine elende Rechnerei mit der anteiligen Berechnung unter Berücksichtigung der Krankheitstage. So sind zumindest meine Erfahrungen in der Lohnbuchhaltung eines Berliner Kombinates in den 80-er Jahren.

Und das alles manuell mit Taschenrechner.

LG von der grenzgaengerin


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#129

RE: Egon Krenz: Walter Ulbricht

in DDR Grenze Literatur 28.06.2013 14:53
von Lutze | 8.040 Beiträge

bei uns in der PGH nannte man das Jahresausschüttung
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#130

RE: Egon Krenz: Walter Ulbricht

in DDR Grenze Literatur 28.06.2013 15:09
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

@Vierkrug , ich kenne den Spruch in dieser Variante "der Kapitalismus steht am Abgrund, wir sind bereits einen Schritt weiter"

Was die JEP betrifft.
Ich hatte ab '80 jedes Jahr das "Vergnügen" selber im Kollegenkreis zu verteilen ......
Es gab immer für den Bereich die Summe X und sie variierte nicht wirklich. Das lag vielleicht daran, wenn die Planerfüllung die Grundlage war, das der Plan selbstverständlich jedes Jahr erfüllt wurde ......
Die Leistungseinschätzungen im nichtproduktiven Bereich gestalteten sich schon ein wenig diffizil..... Ich möchte mich da jetzt nicht in Details verlieren .....
Jedenfalls gab es bei uns folgende, nicht schriftlich festgehaltene Regelung:
Wenn es keine besonderen Vorkommnisse gab; dazu zählte auch Krankheit über die 6 Wochen SVK-Urlaub hinaus; war die JEP des Vorjahres Ausgangspunkt.
Da blieb dann noch ein Sümmchen übrig und das wurde gaaaanz objektiv Anteilmäßig unter allen Verteilt ......

Diese realistische Leistungseinschätzung führte zu folgenden Verwerfungen welche ich mal an einem Beispiel darstellen möchte:
Kollege A erhielt 700 Mark JEP (wie gesagt im Bereich Büro ....)
Im Folgejahr fiel besagter Kollege durch Krankheit längere Zeit aus und war danach auch nicht sofort wieder 100% einsatzfähig, also: 500 Mark JEP
Im nächsten Jahr glänzte besagter Kollege nicht nur durch Anwesenheit sondern auch durch sehr positiven Arbeitseinsatz, also: 530 Mark JEP
Theoretisch hätte er ja mindestens 730 Mark bekommen müssen, aber die nicht schriftlich fixierte Regelung .......

Das die JEP ein verkapptes 13. war ist nach meinen Erfahrungen nicht an dem. Wenn es so gewesen wäre dann hätte ich mich nicht jedes Jahr mit der Gewerkschaftstante, der Lohntante, dem Vertrauensmann und dem Parteivertreter in die Haare bekommen und regelmäßig um 5 Mark Differenzen gestritten .....
Eine Rechnerei als ob ich ein Hochkomplexes mathematisches Problem lösen möchte und bei der Auszahlung der JEP fühlte sich die Mehrheit finanziell über den Tisch gezogen .....
Ich wäre damals sehr froh gewesen wenn es wirklich ein 13. gewesen wäre .....

Sinnigerweise fand ich im Rahmen der X-ten Kontenklärung vor einigen Jahren einen verschollenen Hefter in dem dies ganze Dilemma JEP von mir abgelegt war .....

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#131

RE: Egon Krenz: Walter Ulbricht

in DDR Grenze Literatur 28.06.2013 15:48
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #125
Hallo Vierkrug, bei deiner Tätigkeit, sind dir da auch, ich nenne es mal so, wirtschaftliche Verwerfungen aufgefallen und hast du solche Informationen weitergeleitet und falls ja wie wurde darauf reagiert?
Das im ND eigentlich nur Quatsch stand wusste ja jeder der Augen hatte und arbeitete.


Die Verwerfungen sind uns auch aufgefallen und sie sind auch ursächlich von uns benannt worden. Sie wurden auch in der HA zusammengefasst und über den HA-Leiter an den Minister weitergeleitet worden. Diese Einschätzungen und Wertungen standen oftmals diametral den Euphoriemeldungen aus den Parteiorganisationen gegenüber. Auf Grund der hohen Objektivität und Realitätsbezogenheit der Komplexanalyse zur Lage in der Volkswirtschaft gab es auch den bekannten Rüffel seitens des Ministers. Sie floss dann später in die Betrachtung und Bewertung, aber da waren schon die Messen gesungen.

@grenzgängerin - ich verstand das Leistungsprinzip in der DDR etwas anders. Nicht die Differenzierung bei der JEP nach Kranktagen u.a. Fehltagen. Ich kenne noch das "Gejammere" bei der Aufteilung der Mittel für die Zahlung der JEP.
Was ich zum Ausdruck bringen wollte, war die echte Bemessung der Leistung jedes Einzelnen. Wo mit Arbeitsnormen gearbeitet wurde, da war es möglich, wenn die Normen dem neuestem Stand der WAO und der Technik entsprachen. Ich komme jetzt nicht mit der Ausweisung der Arbeitsproduktivität in der Naturalform. Somit kam es zu keiner wirklichen Differenzierung der Leistung des Einzelnen und somit wurde das Prinzip - "Jeden nach seinen Leistungen, jeden nach seinen Fähigkeiten" in der Praxis nicht umgesetzt. Vielmehr ging es Richtung Gleichschaltung und somit wurden Eigeninitiative, Schöpfertum und der Leistungsdrang des Einzelnen gehemmt.

@Nostalgiker - danke für die Korrektur, aber sinngemäß kommt selbiges dabei raus.

Vierkrug


zuletzt bearbeitet 28.06.2013 15:51 | nach oben springen

#132

RE: Egon Krenz: Walter Ulbricht

in DDR Grenze Literatur 28.06.2013 16:10
von Moskwitschka (gelöscht)
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"Jeden nach seinen Leistungen, jeden nach seinen Fähigkeiten" ist das nicht das Ziel gewesen, das Marx für eine klassenlose Gesellschaft definiert hat? Ich kann mich jetzt täuschen und möchte jetzt nicht unendlich blättern. Und von einer klassenlosen Gesellschaft war man in der DDR weit entfernt.

Dies als Losung, als Maxime des Handelns in den Alltag einfließen zu lassen habe ich damals als Fehler betrachtet. Viele haben es wörtlich genommen bzw. sich in der Praxis daran orientiert.

LG von der grenzgaengerin


zuletzt bearbeitet 28.06.2013 16:12 | nach oben springen

#133

RE: Egon Krenz: Walter Ulbricht

in DDR Grenze Literatur 28.06.2013 16:12
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Auch wenn es etwas weg von Ulbricht und Krenz ist, aber kann mir jemand der auch etwas hinter die Kulissen blicken konnte, irgendeinen plausiblen Grund für diese Art Selbstbetrug wie er in der DDR praktiziert wurde nennen?
Wollten die unteren Kader ihre Ruhe haben und haben so irgendwelche Erfolge nach oben weitergereicht, oder haben die weiter Oben die Erfolgsmeldungen auch noch als wahr hingenommen weil es halt gesetzmäsig nur Vorwärts gehen durfte?
Mit solchen, eigentlich kindlichen Verhaltensweisen war doch keinem gedient und das die Leute dann nur noch schulterzuckend dahinmodelten hat es ja auch nicht besser gemacht.


zuletzt bearbeitet 28.06.2013 16:13 | nach oben springen

#134

RE: Egon Krenz: Walter Ulbricht

in DDR Grenze Literatur 28.06.2013 16:25
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #132
"Jeden nach seinen Leistungen, jeden nach seinen Fähigkeiten" ist das nicht das Ziel gewesen, das Marx für eine klassenlose Gesellschaft definiert hat? Ich kann mich jetzt täuschen und möchte jetzt nicht unendlich blättern. Und von einer klassenlosen Gesellschaft war man in der DDR weit entfernt.

Dies als Losung, als Maxime des Handelns in den Alltag einfließen zu lassen habe ich damals als Fehler betrachtet. Viele haben es wörtlich genommen bzw. sich in der Praxis daran orientiert.

LG von der grenzgaengerin



Ich habe mal für Dich geblättert:

"In einer höheren Phase der kommunistischen Gesellschaft, nachdem die knechtende Unterordnung der Individuen unter die Teilung der Arbeit, damit auch der Gegensatz geistiger und körperlicher Arbeit verschwunden ist; nachdem die Arbeit nicht nur Mittel zum Leben, sondern selbst das erste Lebensbedürfnis geworden; nachdem mit der allseitigen Entwicklung der Individuen auch ihre Produktivkräfte gewachsen und alle Springquellen des genossenschaftlichen Reichtums voller fließen – erst dann kann ... die Gesellschaft auf ihre Fahne schreiben: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“ K. Marx, Kritik des Gothaer Programms, MEW 19, 21.

Vierkrug


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#135

RE: Egon Krenz: Walter Ulbricht

in DDR Grenze Literatur 28.06.2013 16:27
von Rostocker | 7.734 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #132
"Jeden nach seinen Leistungen, jeden nach seinen Fähigkeiten" ist das nicht das Ziel gewesen, das Marx für eine klassenlose Gesellschaft definiert hat? Ich kann mich jetzt täuschen und möchte jetzt nicht unendlich blättern. Und von einer klassenlosen Gesellschaft war man in der DDR weit entfernt.Dies als Losung, als Maxime des Handelns in den Alltag einfließen zu lassen habe ich damals als Fehler betrachtet. Viele haben es wörtlich genommen bzw. sich in der Praxis daran orientiert.

LG von der grenzgaengerin



Und das ist man, in der heutigen Demokratie, für die nächsten 500 Jahre ebenfalls noch.


zuletzt bearbeitet 28.06.2013 16:31 | nach oben springen

#136

RE: Egon Krenz: Walter Ulbricht

in DDR Grenze Literatur 28.06.2013 16:28
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #133
Auch wenn es etwas weg von Ulbricht und Krenz ist, aber kann mir jemand der auch etwas hinter die Kulissen blicken konnte, irgendeinen plausiblen Grund für diese Art Selbstbetrug wie er in der DDR praktiziert wurde nennen?
Wollten die unteren Kader ihre Ruhe haben und haben so irgendwelche Erfolge nach oben weitergereicht, oder haben die weiter Oben die Erfolgsmeldungen auch noch als wahr hingenommen weil es halt gesetzmäsig nur Vorwärts gehen durfte?
Mit solchen, eigentlich kindlichen Verhaltensweisen war doch keinem gedient und das die Leute dann nur noch schulterzuckend dahinmodelten hat es ja auch nicht besser gemacht.



Es war eine Wechselwirkung - sowohl von Unten nach Oben, wie auch umgekehrt. Selbstbetrug, der letztendlich nur der Sache und dem eigentlichem Ziel schadete.

Vierkrug


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#137

RE: Egon Krenz: Walter Ulbricht

in DDR Grenze Literatur 28.06.2013 16:33
von ddr-bürger (gelöscht)
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Ich weiß von meinem Vater, daß er sich öfters mit dem Parteisekretär "überworfen" hatte. als Ökonom im Betrieb wußte er wo es lang geht. Leider war ich damals zu jung und uninteressiert um das wirklich zu verstehen.
Oft spielten da "schwarze" Geschäfte zwischen den Betrieben eine Rolle (wie auch im Privatleben), es wurde im Hintergrund manches möglich gemacht, was "offiziell" nicht ging, er war oft unterwegs um Material zu organisieren. Das ist ihm aber nie zum Nachteil geworden.
Obwohl es da manche Fehlmeldung gab, wurde hinter den Kulissen korrigiert.


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#138

RE: Egon Krenz: Walter Ulbricht

in DDR Grenze Literatur 28.06.2013 16:48
von Moskwitschka (gelöscht)
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"Jeden nach seinen Leistungen, jeden nach seinen Fähigkeiten"

"Befriedigung der materiellen und ideellen Lebensbdürfnisse der Menschen"

VIII. Parteitag der SED?

LG von der grenzgaengein

EDIT Da wären wir dann wahrscheinlich in der Ära nach Ulbricht, alles alles OT und auf Los zurück


zuletzt bearbeitet 28.06.2013 16:52 | nach oben springen

#139

RE: Egon Krenz: Walter Ulbricht

in DDR Grenze Literatur 28.06.2013 17:13
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

@Vierkrug , es war keine Wechselwirkung um es vereinfacht zu sagen sondern es war das Trauma 17.6. .......

Bei aller liebe zum arbeitenden Volk aber in welcher effizient ausgelegten Volkswirtschaft gab es diese Situation das die "Arbeitenden" den 'White Color' auf der Nase rumtanzten und bestimmten was Sache ist?
Ist jetzt übertrieben aber ich kenne genug Situationen von damals im Betrieb wo die 'Arbeiterschaft' sehr offen die Hand aufhielt um das höchstmögliche für sich herauszuschinden ......

Ne Vierkrug der 'neue Mensch' existierte nur in der Propaganda und/oder in der Fantasie der 150% ........
Und es war kein! Selbstbetrug.
Denn Selbstbetrug bedeutet für mich ich weiß wie ich es besser machen kann aber ich mache es nicht ....

Nein! Die sogenannten führenden Genossen sahen das bestimmt nicht so.
Die 'alten' Menschen waren Unkraut welches man vernichten mußte im 'Blumenbeet' des Neuen Menschen ......
So einfach, so brutal, so entsetzlich .....

Entschuldigung für diese Direktheit.

Um es sehr hart zu formulieren, Lenin im Zusammenspiel mit Trotzki war ein psychopatischer Arsch welcher zumindest einen Teil dieser Welt in ein Experiment stürzte welches letztendlich scheiterte....
Klar könne wir jetzt die Fehlerdiskussion antreten ....
Ok, der Fehler an sich in der Umsetzung revolutionärer Ideen war von Lenin das Verbot der Fraktionsbildung innerhalb der Partei.
Diese Entscheidung von ihm begünstigte den Aufstieg von Stalin mit all seinen Konsequenzen.

Ich kann es mir einfach machen indem ich sage, Marx gut und Engels ebenfalls. Bebel und Liebknecht ok. Außerhalb, oh toll Lenin ganz groß und dann Stalin...., bäh!
Wenn es denn so einfach wäre.

Und genauso kann ich nicht sagen Ulbricht war vielleicht doch im Alter ein "Guter" weil er scheinbar wirtschaftlich den Aufstand gegen die verkrustete SU wagte .......

Die zwei, drei Bücher welche ich bisher über Ulbricht gelesen habe, nun ja ....
Ich habe mir auch in Kino vom Historischen Museum Berlin mal den Jubelfilm zum 60. von Walter angesehen .............

Da kannst als DDR Bürger auch Heute noch vor Scham und Peinlichkeit nur noch unter den Kinositz kriechen.
Selten so etwas peinliches gesehen und das auch noch mit einer Frau wie 'Barbara'; also einer West-Assimilierten .......

Es gibt schlimmeres.


Was die Frage von GW62 betrifft, ich denke mal dass das Gegenteil der Fall war ....
Aber wie das so ist mit den durchreichen von Berichten welche auf ihr "wesentliches" gekürzt werden müssen, das was dem Kürzer nichts sagte oder gefiel das fiel unter den Tisch ......


Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

zuletzt bearbeitet 28.06.2013 17:15 | nach oben springen

#140

RE: Egon Krenz: Walter Ulbricht

in DDR Grenze Literatur 28.06.2013 17:18
von furry | 3.580 Beiträge

In Polit-ökonokmie habe ich gelernt, dass gemäß "Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen" in der klassenlosen Gesellschaft die Betriebe zu öffentlichen Bedürfnisanstalten werden.

Aber jetzt zur Prämienzahlung, wie ich sie erlebt habe. Zuvor muss ich aber bemerken, wir hatten einen knallhart rechnenden Direktor, dem es auch nichts ausmachte, seinen Leitern mal ein paar Hunderte vom Gehalt zu streichen. Mir und meinem Chef ist es mal so ergangen. Wir hatten u.a. 20% der in der DDR benötigten Zuchteber in vorgegebener Qualität zu produzieren und somit auch Einfluss auf 20% der Schlachtschweine. An einem schönen Tag im August durften Chef und ich beim Alten antreten, weil wir in der Eberbereitstellung hinterherhingen, was zwar objektive Gründe hatte, aber für den Alten nicht zählte. Der Spruch für mich lautete: Kollege furry, ich ziehe ihnen 400 Mark von ihrem Gehalt ab, sie haben die Chance, sich dieses Geld bis zum Jahresende wieder zu verdienen. Widerspruch wurde nicht geduldet.
Weiterhin hat unser Direktor den Lohnfonds nicht in voller Höhe aufgeteilt, sondern einiges zurückbehalten, dass quartalsweise als Lohnprämie verteilt wurde. Die durchschnittliche Höhe der JEP je Beschäftigten war abhängig von der finanziellen Planerfüllung bei Berücksichtigung des Kostensatzes. Für jede Abteilung gab bei beiden Prämienarten es eine festgelegte Summe. Bei der Verteilung von Lohn- und JE-Prämie sind wir wie folgt vorgegangen: Unter Berücksichtigung der geleisteten Arbeitstage wurde für jeden eine theoretische Summe berechnet. Mit diesem Wissen hatte man als Leiter vor seine Leute zu treten und mit ihnen zu diskutieren, wem etwas abgezogen wird und wer diese Abzüge zugeschlagen bekommt. Eine Bummelschicht kostete bei mir mindestens 300 Mark. Weiterhin wurde diskutiert und bewertet, wer sich wie engagiert hat. Auf jeden Fall haben wir es so geschafft, Leistung zu honorieren. Es war natürlich eine teilweise sehr subjektive Geschichte. Aber es gab auch einige meßbare Größen für die Qualität der Arbeit. Da alle Mitarbeiter einbezogen wurden, hatten auch die, denen etwas abgezogen wurde, die Möglichkeit sich nicht nur mir gegenüber sondern auch gegenüber seiner Kollegen zu verteidigen, wodurch auch der vorgeschlagene Abzug geringer ausfallen konnte.
Manchmal ging es bei diesen Verteilungsdiskussionen hoch her und wenn die Kollegen dann einige Wahrheiten an das Licht befördert haben, haben sie mir als Leiter (schreibt man mit d) sehr geholfen.
Einige werden jetzt sicher anderer Meinung sein als ich, aber wir sind mit dieser Variante sehr gut gefahren.


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