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#106 RE: Stintenburg von Historiker84 12.11.2016 14:00

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Bevor Stintenburg Mitte der siebziger Jahre"Zentralschule" wurde, existierte dort schon die Grenzaufklärerschule "Nord". Diese wurde 1968/69 gebildet.
Zeitweilig wurden bei der AGM (2 Schulen) und bei der Hauptabteilung I (4 Schulen) Grenzaufklärer ausgebildet. Die AGM beendete die Ausbildung und die Schule bei der VM wurde 1976 aufgelöst. Danach existierten nur noch 3 Einrichtungen (Stintenburg, Schiedungen, Blankenstein). Nach Stintenburg kamen die Uffz. von Perleberg, in Schiedungen wurden Unteroffiziere ausgebildet ,die bereits Diensterfahrungen hatten und in Blankenstein wurden Soldaten (GWD) ausgebildet. Dieses stimmt aber nur für einen bestimmten Zeitraum.

Und die Auflösung der Einsatzkompanie erfolgte nicht, weil Kleinjung pensioniert wurde. Es waren die geburtenschwachen Jahrgänge und die Aufstellung der Sicherungskompanien 26 (1976) und die Sicherungskompanien 25 bzw. 27 (1980). Ein Teil der Aufgaben der Einsatzkompanie wurde von der Sicherungskompanie der HA I in Treptow bzw. der IME-Gruppe der Äußeren Abwehr übernommen (Erhöhung der Planstellen auf 35).
Die Planstellen in Treptow wurden von ca. 65 auf ca. 100 erhöht.

#107 RE: Stintenburg von Fritze 12.11.2016 15:14

Danke @Historiker84

das ist doch schon mehr als bei Wiki steht !

MfG Fritze

#108 RE: Stintenburg von Historiker84 13.11.2016 21:50

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Ich hatte schon vor längerer Zeit in einem anderen Forum darüber geschrieben. Jetzt noch einige Ergänzungen.
Im Januar 1967 wurde die 2. GK vom GR 7 nach Lassahn verlegt. Das Objekt sollte abgerissen werden. Mit Befehl Chef GTvom 4.April 1968 sollte ab Mai 1968 je eine Ausbildungseinheit für Unteroffiziere für Truppenaufklärung in Stintenburg und Heldburg formiert werden. In Stintenburg wurden Uffz. der 3., 5. und 7. Grenzbrigade ausgebildet, ab 1971 für das GKN. Anfangs die 10. Kompanie, später die 8. UAK, ab 1973 die 18.AbK der US-6,
ab 1976 die Ausbildungskompanie 46. Ab 1974 "Lehrgang für Grenzaufklärer I" ( II Schiedungen, III Blankenstein).

Die Lehrgänge Nord liefen bis September 1973. Von November 73 bis Oktober 86 existierte die Zentralschule in Stintenburg. Anfangs war die Kapazität auf 40 Kursanten ausgelegt. Für die Zentralschule waren es 45 (30 Uffz. von GT , 5 MfNV, 5 LSK/LSV, 5 Landstreitkräfte). Ab ? waren es nur noch 30 Uffz. von Perleberg. Zentralschule war die interne MfS-Bezeichnung. Als 46. AbK wurde die Einheit bei den GT geführt. Die Versorgung erfolgte durch das GR 6.

Eine Ergänzung : Im Keller waren die Duschen und eine Sauna. Die Sauna war besonders nach mehrtägigen Übungen sehr begehrt.


Die Ausbildung stand von Anfang an unter der Leitung des MfS. Anfangs kam der Leiter von der Abt. IV, danach von der HA I. Erst in der Zentralschule wurden alle Planstellen vom MfS gestellt und bezahlt. Vorher waren nur der Leiter und Stellv. vom MfS. Erst nach Beendigung des Lehrganges an der Zentralschule erfolgte die Versetzung zum MfS oder auch nicht (Einsatzkompanie, Sicherungskompanie, IME Gruppen Äußere Abwehr bzw. zeitweilig Abt. VIII der HA I (Beobachtung) bzw. zu den GT). Bei den Lehrgängen bis 73 erfolgte in der Regel die Rückversetzung zu den alten Einheiten. Die Ausbildung für den Einsatz bei der Einsatzkompanie bzw. Sicherungskompanie erfolgte bis 1972/74 in Görzke und Biesenthal (Schulen der Abt. IV der AGM).

#109 RE: Stintenburg von Ratze 28.12.2016 10:49

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Moin
Frage an die Fachleute.
Ist die Skizze richtig?
1 Parkplatz
2 Schloss
3 Geräteschuppen
4 Tanklager
6 Garagen
7 Sturmbahn
8 Bootssteg
9 Insel zur Strumbahn
10 Bauernhof
[[File:Objektskizze.pdf]]

Quelle Landesarchiv SH Abt. 561 Nr. 14 vom 20.03.72

#110 RE: Stintenburg von B208 28.12.2016 11:18

moin Ratze ,

die 10 Bauernhof ist der Fischer und die Räucherei .

Der Bauernhof ist auf Kampenwerder , so hab ich es in Erinnerung aus 1990 .

Grüsse nach RZ

#111 RE: Stintenburg von Ratze 28.12.2016 11:27

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Moin @ B208
ja Du kennst das ja auch nur aus der Luft, ich wollte eigentlich die Meinung der Insider von der Insel hören.
Ich habe inzwischen einige Seiten eines Befragungsberichtes eingescannt.
Der Befragte ist im Bereich Helmstedt über die Grenze. Ich gehe davon aus, dass mein Vorgänger diesen Text aus einem BND Protokoll abgeschrieben hat, denn er dürfte bei der Befragung nicht dabei gewesen sein. Die Flucht fand bereits im Februar 72 statt.
Seine Anwesenheit in Stintenburg ist im Bericht, mit März 70 bis 04.10.70 angegeben.
Jetzt füge ich einige Seiten des Berichtes an. Den Teil mit den persönlichen angaben lasse ich weg.
Bin gespannt, ob sich jemand meldet, der den Ausbildungsbetrieb bestätigen kann.
Nachvollziehen kann ich jetzt allerdings auch das Abseilen und "abspringen" ins Wasser und zurückschwimmen zur Insel. Die kleine Insel ist ja erkennbar.
Da wird 20178 mal eine Tour zur Insel notwendig sein, um das Gelände noch mal zu erkunden.

[[File:Bericht S 3.pdf]][[File:Bericht S 4.pdf]][[File:Bericht S 5.pdf]][[File:Bericht S 6.pdf]][[File:Bericht S 7.pdf]][[File:Bericht S 8.pdf]][[File:Bericht S 9.pdf]][[File:Bericht S 10.pdf]]

#112 RE: Stintenburg von B208 28.12.2016 12:02

Ratze ,

nicht nur aus der Luft , ich war bestimmt einer der ersten Westler , der dort Räucheraal gekauft hat .
Hab dabei natürlich auch im Gelände etwas rumgespökert .

Wenn Du auf Erkundungstour gehst gib Nachricht .

B208

#113 RE: Stintenburg von B208 28.12.2016 12:21

Zitat von andy im Beitrag #69
Hallo Hannes,

also ich kann mich an derartiges gar nicht erinnern und selbst wenn, was hätten die aus der Luft schon sehen können? Der Sportgarten war wimre aus der Luft von der Westseite nicht einsehbar, da zum See hin stark mit großen Bäumen bewachsen. In dem Bereich, der einsehbar war, fanden keine Ausbildungsaktivitäten statt, was also hätte der BGS da schon sehen können? Das sie daran interessiert gewesen wären wenn sie gewusst hätten, was da für eine Schule ist, ist ja klar.
Hatte der BGS oder wer auch immer denn Kenntnis von dieser Einrichtung?

Wie war es mit den alltäglichen Dingen. Gute Frage nach einer so langen Zeit.
Von Mo. - Fr. wurde morgens 0600 durch den diensthabenden Gruppenführer (GF) geweckt und fünf min später war draussen in EsKs-Hose mit Stiefeln und freiem Oberkörper oder, wenn befohlen in Schwarzkombi anzutreten (übrigens zu jeder Jahreszeit). Dann gab es entweder den obligatorischen 5000 m - Lauf oder andere Spielerein im Sportgarten - es war jedenfalls immer ziemlich schweisstreibend. Danach war schüsseln angesagt und um 0700 gab es Frühstück mit frischen Brötchen, Puddingsuppe, Rührei, Wurst, Käse und Marmelade - es war immer sehr reichhaltig. Ab 0800 ging der Dienstbetrieb mit praktischer oder theoretischer Ausbildung im Sportgarten oder im Lehrkabinett los. In der theroetischen Ausbildung waren dann so Themen wie Regeln der Konspiration, Orientierung in der Natur, Ernährung aus der Natur (mit dem Fang und der Zubereitung von Fischen am offenen Feuer), Grundlagen der Observation, Fotografie verdeckt und offen, Arbeit im Fotolabor, in relatv geringem Umfang Sprengtechnik, die Erstellung von Aufenthaltslegenden und ihre Anwendung und was weiss ich noch alles zu pauken. Zumindest mir wurde das nie langweilig - im Gegenteil, es war neu und spannend. Das ging in der Regel bis gegen 1400, zwischendurch gab es Mittag und am Nachmittag tummelten wir uns dann im Sportgarten: Training an Elementen der Kampfbahn wie oberer und unterer Laufbalken, Drahtseil, Reifentunnel Gitternetz, Leitersprossen, die obligatorische Eskaladierwand, die Häuserwand usw.; dann Kraft- und Ausdauertraining mit Hantel, Kreistrainig, Klimmzüge, Beugestützen usw.; milit. Nahkampf wurde wimre in Stintenburg zwar trainiert, es war aber mehr ein Grundlagentraining als ein Intensivausbildung. Hinzu kamen immer wieder kürzere Eilmärsche (5-10 km), die fast im Laufschritt zu absolvieren waren oder eben längere Märsche mit Aufklärungsaufgaben und immer verbunden mit der Orientierung im Gelände mit oder ohne Karte und mit oder ohne Kompass. Da wurde schon der eine oder andere km zusätzlich gelaufen, weil die Orientierung mit Marschrichtungszahl und Doppelschritten erst gelernt und geübt werden musste. Gegen 1800 war in der Regel Dienstschluss und es gab Abendbrot und danach Freizeit. Die Verpflegung war in meiner Erinnerung sehr gut, immer ausreichend und reichhaltig. Fresspakete von zu Hause waren eigentlich nich nötig. Ich glaube, wir hatten 2 oder 3 UaZ, die abwechselnd für das Futter sorgten und die haben sich immer sehr bemüht, was anständiges auf den Tisch zu bringen. Einmal mussten wir einen von ihnen aber insgeheim abmahnen. Er hatte Nieren geschmort und die stanken so elend dass wir ihm drohten, wenn er so was nochmal macht, würden wir mit ihm in den Sportgarten gehen. Es kam aber nie wieder vor, dass wir was zu meckern hatten. Im Objekt gab es eine kleine Verkaufsstelle, in der man alles mögliche, ausser Alkohol kaufen konnte und was es nicht gab, hat die Verkäuferin dann besorgt. Das Objekt hatte einen Klubraum mit einer kompletten Diskoanlage, Tonbandgeräten und einem Mischpult. Die Anlage habe ich mir sofort unter den Nagel gerissen und die durfte kein anderer bedienen. In der Freizeit und am WE konnte man dort auch mal ein schönes Stück Torte mit einem richtig guten Kaffee geniessen. Der Tagesablauf war insgesamt streng durchorganisiert, an Leerlauf in der Dienstzeit kann ich mich nicht erinnern. Die abendliche Freizeit hat man entweder zum regenerieren oder zum lernen genutzt - das theoretisch vermittelte Wissen wurde nämlich in Form von Klassenarbeiten auch abgefragt - eben wie in einer richtigen Schule. Wimre gab es alle drei Wochen Urlaub, immer abwechselnd einen vKU (ab Freitag Mittag) und einen KU (ab Freitagabend). Dazu wurden wir in Zivil zum Bahnhof nach Hagenow gefahren, viele von uns kamen aus dem Berliner Raum sowie Dresden und Leipzig und dann ging es heim. Sonntagabend hatten wir uns bis 2200 wieder in Hagenow einzufinden. Alkohol spielte auf der Rückreise keine große Rolle denn jeder wusste, der Montagfrüh kommt bestimmt (Frühsport).
In der Geländeausbildung wurden dann solche Dinge wie der Bau von Beobachtungsstellen gelernt und auch in der Praxis trainiert. Für die B-Stellen gruben wir uns z.B. an einem Hang an einer Strasse ein und hatten zu Übungszwecken den Verkehr zu dokumentieren. Ein anderes mal legten wir B-Stellen unmittelbar an einem NVA-Objekt an und dokumentierten über drei Tage den UE-Verkehr, vom Zaun bis zum Dorfkonsum. Die Fotodokumentation landete dann wohl über die Militärabwehr auf dem Schreibtisch des Komandeurs ...
Die Orientierungsmärsche hatten i.d.R. gedeckt zu erfolgen, d.h. Ortschaften waren grundsätzlich zu umgehen und das wurde auch kontrolliert. Also mal eben im Dorfkonsum etwas kaufen ging nicht, zumal das mitführen von Geld formal verboten war. Ich kann mich an ein 4tägiges Hungerlager erinnern, zu dem wir mit kleinem "Handgepäck" (Kartentasche und Teil 1 vom Sturmgepäck) ausrücken mussten. Dazu gab es für 7 junge hungrige Männer eine Tüte mit Zwiebeln und so ca 300-400 gr fetten geräucherten Speck - und das für 4 Tage mit Märschen und Aufklärungsaufgaben. Nach dem ersten Tag hatte die Nachtwache, die auch auf die Verpflegung aufzupassen hatte, die Hälfte des Specks aufgefuttert - er konnte nicht an sich halten. Nun hatten wir allerdings in unserer Kartentasche die Möglichkeit, einige nützliche Dinge mitzuführen, verboten waren nur fertige Lebensmittel, Getränke und Geld. So wie wir es gelernt hatten, hatten einige von uns eine Dose Mehl, löslichen Tee, Backpulver und Salz dabei. Daraus stellten wir einen Teig her und backten uns auf dem Feldspaten über offenem Feuer leckere Fladen. Ich hatte in meiner Kartentasche zusätzlich Angelsehne mit Haken und Pose und es gelang uns tatsächlich in einem See zwei Fische zu fangen, die wir ebenfalls über offenem Feuer braten konnten. Dazu gab es Waldfrüchte, Sauerampfer u.ä., verhungert sind wir jedenfalls nicht.
Ein anderes mal wurden wir abends gegen 2200 in der Nähe von Schwerin im Wald mit der Aufgabe abgesetzt, in Schwerin verschiedene Objekte aufzuklären, u.a. die Bezirksbehörde der VP. Dazu waren Lageskizzen und eine Fotodokumentation zu erstellen. 3 Mann mussten zusätzlich zur eigentlichen Ausrüstung Zivilklamotten mitführen. 3 Tage später hatten wir uns am Absetzort wieder einzufinden. Wir suchten uns also am Schweriner Stadtrand eine Art Ausgangsbasis, bauten unser Lager aus (incl. Latrine) und warteten auf den nächsten Morgen. Gegen 0500 wurden wir unsanft durch Motorengedröhn aus dem Schlummerschlaf geweckt und stellten entsetzt fest, dass um uns herum eine Panzerfahrstrecke war und Kolja gerade an diesem Morgen fleissig üben wollte. Da hatten wir wohl alle richtig Angst (ich schrieb das aber irgendwo schon mal).

Während dieser Übungen hatten wir übrigens keinerlei Papiere dabei, mit denen wir uns bei evtl. Kontrollen im Stadtgebiet von SN hätten ausweisen können. Es gab lediglich für jeden von uns einen versiegelten Brustbeutel, den wir bei Kontrollen hätten öffnen müssen. Was da genau drin war weiss ich nicht. Wird aber so etwas wie ein Dienstauftrag mit einer Telefon-Nr. gewesen sein. Musste man den öffnen, galt man allerdings als "tot" und die Übung wurde mit ner 5 bewertet.

Alles in allem waren das aufregende Monate für uns Jungspunde, irgendwie wie Räuber und Gendarm und wir waren immer die Guten...


andy


@andy , wenn man Deinen Bericht mit dem von Ratze eingestellten Protokoll vergleicht , möchte man meinen , Du warst in dem selben Lehrgang .
So übereinstimmend .

B208

#114 RE: Stintenburg von B208 28.12.2016 12:41

Dass was @Fred.S. über die Ausbildungsinhalte schreibt erkenne ich zum Teil wieder. Nur an eine Dusche im Keller kannn´ich mich partou nicht erinnern. Wir haben uns nach dem Sport immer im Waschraum geschüsselt. Kann aber auch sein, dass die Duschen nur zum WE freigegeben wurden - habe ich vielleicht verdrängt.

Andy , Dusche im Keller wird im Protokoll von Ratze bestätigt .

b208

#115 RE: Stintenburg von GKUS64 28.12.2016 12:58

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Also ich bin echt erstaunt in welcher Ausführlichkeit, für mich mit unwichtigen Details überfrachtet, die BND-Protokolle ausgeführt wurden.
Das erinnert mich direkt an die für mich lächerlichen Ausführungen in meiner Stasi-Akte. Hier unterschieden sich die Geheimdienste nicht wesentlich.
Das sind aber nur die Empfindungen eines Laien, der aber das "Glück" hatte, Protokolle aus beiden Systemen zu lesen!

#116 RE: Stintenburg von Ratze 28.12.2016 14:24

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Zitat von GKUS64 im Beitrag #115
Also ich bin echt erstaunt in welcher Ausführlichkeit, für mich mit unwichtigen Details überfrachtet, die BND-Protokolle ausgeführt wurden.
Das erinnert mich direkt an die für mich lächerlichen Ausführungen in meiner Stasi-Akte. Hier unterschieden sich die Geheimdienste nicht wesentlich.
Das sind aber nur die Empfindungen eines Laien, der aber das "Glück" hatte, Protokolle aus beiden Systemen zu lesen!



Ich kenne halt nur die Berichte von den Schlapphüten aus dem Süden. Für die andere Firma war ich zu unwichtig. Da gibt es angeblich nichts über den ehemaligen Sachbearbeiter aus Ratzeburg.
Ich hätte ja gern mal in eine Akte hinein gesehen. Die Berichte, die man in Görslow (Archiv Stasi MV) bei Führungen einsehen kann, sind ja schon interessant, aber halt auch nur bedingt einsehbar. Natürlich verständlich, denn wer will schon, dass seine Daten der Neugier anderer Personen ausgesetzt sind.

#117 RE: Stintenburg von andy 28.12.2016 18:47

Zitat von Ratze im Beitrag #116
...Ich kenne halt nur die Berichte von den Schlapphüten aus dem Süden. Für die andere Firma war ich zu unwichtig. Da gibt es angeblich nichts über den ehemaligen Sachbearbeiter aus Ratzeburg.
Ich hätte ja gern mal in eine Akte hinein gesehen. Die Berichte, die man in Görslow (Archiv Stasi MV) bei Führungen einsehen kann, sind ja schon interessant, aber halt auch nur bedingt einsehbar. Natürlich verständlich, denn wer will schon, dass seine Daten der Neugier anderer Personen ausgesetzt sind.



rot Wolfgang, das kannst Du aber vergessen. Über die Zoll- und die BGS-Dienststellen hat es mit Sicherheit in den UA Aufklärung der HA I, die in den Grenzregimentern sassen Sammelvorgänge gegeben. Da ich aber nicht an der Westgrenze stationiert war, beschreibe ich das mal für den Berliner Raum, konkret für den Raum Zehlendorf.
In meinem Panzerschrank standen mehrere Sammelordner mit umfassenden Informationen über die einzelnen Polizeidienststellen (für Zoll war ich nicht zuständig, die entsprechenden Ordner standen beim Kollegen im Panzerschrank). Zu den Unterlagen gehörten Fotodokumentationen, die jährlich aktualisiert wurden. Des weiteren wurden die rivaten Pkw vom Dienststellen-PP zzgl. pol. Kennzeichen incl. Personenbeschreibung /Fotos erfasst. Die Kennzeichen wurden bei der HA VI in die Fahndung gegeben und wenn ein erfasstes Fahrzeug in die DDR einreiste, bekam ich die zusätzlichen Daten der Insassen. Dadurch haben wir einen Teil der Dienststellenangehörigen identifizieren könne. Ein weiterer Teil der Angehörigen wurde bekannt, in dem wir IM mit der entsprechenden Legende zur Aufklärung direkt in die Objekte geschickt haben. Dort sollten sie Namen in Erfahrung bringen, dazu die entsprechenden Personenbeschreibungen/besondere Merkmale fertigen sowie eine konkrete Ortsbeschreibung mit Lageskizze vornehmen. Von den Dienststellen, für die ich zuständig war hatte ich Namenslisten, zum überwiegenden Teil auch mit den Wohnadressen. Da ist der IM den Polizisten schon mal nach Dienstschluss zuerst in die Stammkneipe und dann nach Hause gefolgt um festzustellen, dass er nach der Kneipentour mächtig Ärger mit der Frau bekommen hat. Wir nutzten u.a. die aktuellsten Telefon- und Adressbücher. In meinen Akten waren die Lage der einzelnen Dienstzimmer mit Ausstattung und Technik, bis hin zur Tapetenart und-farbe vermerkt. Die bekannten Personen wurden in der Abt.XII des MfS erfasst und wenn irgendwo in der DDR etwas zu dieser Person beim MfS bekannt wurde, landete das auf meinem Tisch.
Aus heutiger Sicht kann man sicher darüber schmunzeln, was uns alles interessierte (die Tapetenfarbe interessiert mich eigentlich nicht wirklich, wenn es aber im Aufklärungsberichtstand wurde es eben auch gespeichert) aber so waren die Zeiten eben damals. Wir konnten die einzelnen Dienstwagen über die Kennzeichen auch den Direktionen/Abschnitten zuordnen und wenn an "meinen" Dienststellen Fahrzeuge mit unbekannten Kennzeichen festgestellt wurden, konnten diese über die Auswertung in den meisten Fällen auch den entsprechenden Dienststellen zugeordnet werden. Uns interessierte alles und jeder und bei meinen Kollegen in Schönberg (GR-6) oder Grabow (GR-8) war das mit Sicherheit nicht anders.

Du kannst also davon ausgehen Wolfgang, dass an Deiner Person durchaus Interesse bestand und mglw. lagen über Dich auch weitere Erkenntnisse vor. Die sind dann allerdings im Oktober 1989 komplett durch die Esse gegangen. Vielleicht hast Du ja schon mal Akteneinsicht beantragt. Wenn bei dem BUSt nix gefunden wurde heisst das noch lange nicht, dass nix da war sondern nur, dass nix archiviert war und kein registrierungspflichtiger Vorgang geführt wurde. Trotzdem kann im Sammelordner ein Aktenvermek gelegen haben, dass der HK sowieso dann und dann vom Dienst in die Kneipe sowieso und danach in die Beispielstr nach Beispielort nach Hause gefahren ist. Anschließend wurden dann die durch die Frau zugefügten Bratpfannenverletzungen sowie der zur Hilfe geeilte Hausarzt aufgeführt


andy

#118 RE: Stintenburg von andy 28.12.2016 19:17

gelöscht

#119 RE: Stintenburg von Ratze 28.12.2016 19:21

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Moin @andy, ich habe 2 x nachgefragt.
Wenn Du das so feststellst, dann haben Deine Kollegen sich damit vielleicht die Finger gewärmt. Hätte mich schon interessiert, was die über mich hatten, zumal meine Frau erst seit 61 im Westen wohnte. 😉

#120 RE: Stintenburg von andy 28.12.2016 19:26

gelöscht

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