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#16 RE: StasiDeutsch von Rainman2 22.09.2011 15:08

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Ich weiß nicht, ich find die Frage gar nicht mal so dumm. Wann beginnt ein bestimmter Sprachgebrauch eine eigene Sprache zu werden? Mal sehen, was ich meiner mir zugewiesenen Linguistin für Geständisse entlocken kann )*. Ansonsten generell zur Sprache in der DDR nochmal den kleinen Hinweis: Wir hatten ernsthaft ein "Kleines Zeitungsleserlexikon". Und das war nicht mal gar so klein. So etwas würde sogar die Annahme rechtfertigen, dass es ein DDR-Zeitungsdeutsch als eigenständige Sprache gab.

ciao Rainman2

)* ... und wieviel ich davon verstehe.

#17 RE: StasiDeutsch von eisenringtheo 22.09.2011 15:21

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Zitat von Rainman2
Ich weiß nicht, ich find die Frage gar nicht mal so dumm. Wann beginnt ein bestimmter Sprachgebrauch eine eigene Sprache zu werden? Mal sehen, was ich meiner mir zugewiesenen Linguistin für Geständisse entlocken kann )*. Ansonsten generell zur Sprache in der DDR nochmal den kleinen Hinweis: Wir hatten ernsthaft ein "Kleines Zeitungsleserlexikon". Und das war nicht mal gar so klein. So etwas würde sogar die Annahme rechtfertigen, dass es ein DDR-Zeitungsdeutsch als eigenständige Sprache gab.

ciao Rainman2
)* ... und wieviel ich davon verstehe.



Offenbar gab es in ND/AK Deutsch, das mir als westlicher Tourist rätselhaft blieb. Besonders die "Planüberfüllung" war ein wichtiges Wort. In der Produktion verständlich (100'000 Plüschtiere statt 50'000 produziert ergibt 100 Prozent Übererfüllung), aber wie rechnete man das in der Dienstleistung aus? Bei Polizei, Bahn, Armee, usw???

(Titel ist falsch, die hübsche Frau redet hochdeutsch...oder?)
Theo

#18 RE: StasiDeutsch von brummitga 22.09.2011 15:31

wie wäre es mit "Minus-Wachstum" ? (sorry, ich schäme mich ja schon, dass das nichts mit "Stasi" zu tun hat.)

#19 RE: StasiDeutsch von Rainman2 22.09.2011 16:43

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Zitat von eisenringtheo
... (Titel ist falsch, die hübsche Frau redet hochdeutsch...oder?) ...


Deo, jedsd hädd'sch beinahe losgegriedschd vor feix'n!

Das ist ein wunderschönes Fundstück!!! Klar, kein Stasideutsch, aber auch ein Deutsch, das, in welchem Dialekt auch immer gesprochen, merkwürdig daherkommt und eine eigene Bezeichnung verdient. Für so etwas brauchte man auch ganz klar ein eigenes Lexikon.

Die Dame kommt übrigens aus dem Vogtland, spricht im "Hintergrundrauschen des Dialekts" also ein gestochenes "Vuuchtländsch". Das kann man bei saxozentristischer Auslegung des Sächsischen als eine der 48 sächsischen Dialektgrundformen verstehen. Das bedeutet aber nicht, dass ein Sachse versteht, was die Guudsde da sagt. Bei dem "Jugendprojekt Schagard-Rasche-Technologie in Mehlteuer" (oder wie auch immer das Ding heißen soll), blieb selbst bei mir der sprachliche Lumpenklumpen im Sprachzentrum hängen.

Auf jeden Fall Danke, Theo!
ciao Rainman2


PS: Apropos Mehlteuer - das liegt ca. 6 Kilometer nordwestlich von Plauen, nördlich vom Übungsplatz Schneckengrün. Auf unseren "netten Spaziergängen" zum Übungsplatz in Pöllwitz durchquerten wir so manchesmal diesen Ort mit heitrem Sinn und wundem Hintern ...

#20 RE: StasiDeutsch von EK87II 22.09.2011 17:50

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@Rainman2

Das bedeutet aber nicht, dass ein Sachse versteht, was die Guudsde da sagt.

Wie darf ich das verstehen?

#21 RE: StasiDeutsch von exgakl 22.09.2011 18:07

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Zitat von EK87II
@Rainman2

Das bedeutet aber nicht, dass ein Sachse versteht, was die Guudsde da sagt.

Wie darf ich das verstehen?



hast Du denn verstanden was die Guudsde da nuschelt? Also ick nich.... habs ich mit Juggel versucht in den unterschiedlichsten Ausführung abba nüscht zu mache... wa!

#22 RE: StasiDeutsch von Rainman2 22.09.2011 19:27

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Zitat von EK87II
@Rainman2

Das bedeutet aber nicht, dass ein Sachse versteht, was die Guudsde da sagt.

Wie darf ich das verstehen?


Dass ich Sachse (Leipziger) von Geblüt bin und dennoch meine Probleme mit dem Mädel hatte

ciao Rainman2

#23 RE: StasiDeutsch von GZB1 22.09.2011 19:38

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Na vom Sächsisch sind doch die Leipscher die Krassesten.

#24 RE: StasiDeutsch von Rainman2 22.09.2011 21:30

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Zitat von GZB1
Na vom Sächsisch sind doch die Leipscher die Krassesten.


Fein beobachtet und wacker geschrieben ... gut gut!

Um dem Thema zunächst einen sanften Streifschuss zu geben: Die Leipziger hatten immerhin auch die einprägsamste Bezeichnung für ihre Bezirksdienststelle des MfS - "Die runde Ecke" (in der Sprache der Eingeborenen: De runde Egge).

Nun nochmal zurück zur Frage der Legitimität des Begriffs: "Stasi-Deutsch". Ein Gespräch mit einer promovierten Sprachwissenschaftlerin ergab das ernüchternde Ergebnis: Kann man so sagen, muss man aber nicht.

Ich bohrte mal beim Ansatz "Fachsprache der Staatssicherheit" nach. Das oberste Kennzeichen einer Fachsprache ist die geschlossene Lexik, die es den Angehörigen der Fachgruppe erlaubt, sich auf der Basis der inhaltlich klar definierten Begriffe in dieser Lexik auszutauschen. Das scheint mir gegeben. Also wäre der Begriff definitiv genauso akzeptabel wie "Fachsprache der SAP-Berater", "Fachsprache der Bahnhofsklopächter" etc.

Also verfolgte ich den nächsten Ansatz. Könnte die wiederkehrende Verwendung bestimmter syntaktischer Strukturen im Kontext mit der Lexik dafür sprechen, dass es sich um eine eigene Sprache handelt. So fragte ich die Syntaktikerin. Ich erntete das milde Lächeln, das einem Laien gewährt wird, wenn er einem Profi auf dessen Feld zu begegnen versucht. Es gibt keine feststehenden Kriterien, nach denen Sprachen voneinander unterschieden werden. Lexik, Syntax, Pragmatik, sogar geografische Aspekte können eine Rolle spielen, damit man eine Sprache als eigenständig ansieht und beispielsweise vom Dialekt unterscheidet. Als Beispiel bekam ich das Bodenseealemannisch (Region um Konstanz) und das Schwyzerdütsch als ebenfalls alemannische Sprache genannt. Warum ist das eine ein Dialekt und das andere eine Sprache? An der Begründung die ich dann suchte und fand, lasse ich Euch gern teilhaben:

Zitat
Der Underschid zwüschem Schwyzerdütschen und den anderen alemannische Dialäkt isch nid en Underschid im Sprachsystem (Syntax), sondern im Sprachgebruuch (Pragmatik). Di schwyzerdütsche Dialäkt underscheide sech also nid daderdür vo den anderen alemannische Dialäkt, das es bestimmti Merkmal oder Isoglosse gub, wo se vo den andere Dialäkt trennti, sondern daderdür, das ds Schwyzerdütsche fasch ohni Yschränkig als einzigi Umgangssprach bbruucht wird, während im Räschte vom alemannische Sprachgebiet näbem Dialäkt o ds Standarddütsche bzw. ds Französische gsproche wärde. E Folg dervo isch, das ds Schwyzerdütsche scharff und ohni d Müglechkeit vo Zwüscheforme vom Standarddütsche trennt isch. I de wenige Situatione, wo i d Standardsprach gwächslet wird, passiert dä Wächsel bi vollem Bewusstsy und wird oft o thematisiert.


Quelle: http://als.wikipedia.org/wiki/Schweizerdeutsch

Netter Exkurs, finde ich, aber hilft uns das weiter? Nein, nicht wirklich. Also versuchen wir noch einen Anlauf über das nahezu anerkannte "Beamtendeutsch" oder kurz "Amtsdeutsch". Die Art der Herstellung von Förmlichkeit und die Verklausulierung im Kontext zur Lexik - ist das nicht ein möglicher Ansatz? Die Antwort lautete trocken: Wenn Du wieder bei der "Fachsprache der Staatssicherheit" landen willst, sicher - denn etwas anderes ist das "Amtsdeutsch der Staatssicherheit" auch nicht. In letztem Aufbäumen rief ich: Ja, aber wenn ich das einfach Stasi-Deutsch nenne? "Mach doch, wenn Du willst", lautete die Antwort.

Leute, ich sage Euch, die Intelligenz ist auch nicht mehr das, was sie mal war.

ciao Rainman2
- der Forscher nach Sprachforschern -

#25 RE: StasiDeutsch von EK87II 22.09.2011 21:52

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Also isch habse versdanden!!

#26 RE: StasiDeutsch von SkinnyTrucky 22.09.2011 21:57

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Boar KP...ich liebe deine wirklich wunderbar fundierten Beiträge, der Unterhaltungswert ist sehr groß und das im sehr angemehmen Bereich....der Fred kricht dadurch das, was er kriegen sollte....ich bin begeistert.....

....ja wie gesagt, es ist mir aufgefallen, das gerade das Filmzitat *den Bogen überspannt* halt in eigendlich allen Filmen vorkommt, wo MfS-Leute überspitzt dargestellt wurden und wahrscheinlich gibt es viele andere Redewendungen, die nur in diesem Milleu sehr häufig verwendet wurden....das Wort StasiDeutsch ist da nur ein kurzer Term, den ich gewählt habe um es auf den Punkt zu bringen als völliger Laie, gewisse andere Ausdrücke, die das selbe sagen wollen, kamen ja auch schon vorbei.....

groetjes uit Milano

Mara

#27 RE: StasiDeutsch von icke46 22.09.2011 23:36

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Falls im Forum anwesende Sachsen das Forum gerne in ihrer Muttersprache lesen wollen -
einfach den folgenden Link anklicken - viel Spaß:

https://www.forum-ddr-grenze.de.saxophone.parallelnetz.de/

Gruss

icke

#28 RE: StasiDeutsch von exgakl 23.09.2011 08:16

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Zitat von icke46
Falls im Forum anwesende Sachsen das Forum gerne in ihrer Muttersprache lesen wollen -
einfach den folgenden Link anklicken - viel Spaß:

https://www.forum-ddr-grenze.de.saxophone.parallelnetz.de/

Gruss

icke




#29 RE: StasiDeutsch von Harsberg 23.09.2011 08:59

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Zitat von exgakl

Zitat von icke46
Falls im Forum anwesende Sachsen das Forum gerne in ihrer Muttersprache lesen wollen -
einfach den folgenden Link anklicken - viel Spaß:

https://www.forum-ddr-grenze.de.saxophone.parallelnetz.de/

Gruss

icke








Hatten wir doch schon mal, gibst das noch?

#30 RE: StasiDeutsch von eisenringtheo 23.09.2011 23:37

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Zitat von EK87II
Also isch habse versdanden!!


Und was ist das jetzt für ein Jugendobjekt "Schagard Raschel" in Mehlteuer???
Theo

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