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#80 Verschwiegenheit über Grenztätigkeit von Zermatt 21.11.2009 16:10

Hallo

Wie war das eigentlich über die Auskunftfreudigkeit des Grenzsoldaten was seine Tätigkeit betrifft ?
Was und wieviel konnte man im privaten Bereich,also in der Familie,im Bekanntenkreis,im Freundeskreis usw erzählen.
Es galt ja keinen Weidezaun zu schützen,sondern die Schnittstelle Ost-West.

#81 RE: Verschwiegenheit über Grenztätigkeit von LEGO 21.11.2009 21:34

Zitat von Rainer-Maria-Rohloff
Lego, die Frage mit dem " Schießen auf Mitbürger" kam komischerweise nie auf, nicht im Kreis meiner Freunde, nicht im Kreis meiner Arbeitskollegen, noch in der Familie.
Da rannte keiner mit dem roten Tuch vor der Nase durch die Gegend.
Das könnte jetzt wieder zu Reaktionen reizen, aber es war so, es war die Realität.

Gruß Rainer- Maria




Hallo Rainer -Maria,

ich möchte hier ganz bestimmt keinen Streit von Zaun brechen, aber war es nicht so?

Die Bevölkerung der DDR war doch nicht blöd und wußte schon, daß es an der Grenze nicht ganz ungefährlich war.
Und das nicht nur wegen Minen, Stacheldraht und SM 70, sondern auch wegen lebender Menschen, die dort mit Kalaschnikow rumspaziert sind.

Also, ich persönlich wäre mit der Info: "Ich bin Grenzsoldat" recht sparsam umgegangen.

Dies ist natürlich nur die Sichtweise eines Wessis.


Gruß LEGO

#82 RE: Verschwiegenheit über Grenztätigkeit von EK 82/2 21.11.2009 21:37

Zitat von LEGO
Ich mutmaße mal, daß man mit der Aussage "Ich bin bei den Grenztruppen (und schieße ggf. auch auf Mitbürger, die Ihrem Freiheitsdrang folgen)" wohl auch nirgendwo einen Blumentopf gewinnen konnte.


LEGO



Eindeutig negativ was mich betrifft.
Wir hatten im Ausgang ein gutes Verhältnis zu der Grenzbevölkerung(Ausnahmen gibt es immer)und das war nicht gespieltes geplänkel.Zuhause hatte ich keine Probleme im Urlaub da alle wusten das jeder zur Fahne muß und es sich nicht aussuchen konnte wohin.
Also kann ich nicht sagen das mich jemand wegen der Grenzuniform angemacht hätte.

Andy

#83 RE: Verschwiegenheit über Grenztätigkeit von Rainer-Maria-Rohloff 21.11.2009 21:47

Lego, ich will es mal so formulieren.
Bevor ich an diese Grenze kam, hatte ich Null Ahnung vom Aufbau dieses tiefgestaffelten Systems, Punkt um.
Genauso wird es jemanden gegangen sein, der losrannte, ohne jegliche Information und dann stand er um Mitternacht vor diesen dunklen kleinen Kästen am ZaunI, wenn er es denn soweit geschafft hatte.
Ob er überlegte, was das da sein könnte, keine Ahnung?
Seine nächsten paar Schritte entschieden dann über Leben und Tod...
Wir schliefen nicht weit weg vom Zaun I,mit offenem Fenster, eine Stube von zehn Mann und an das Geräusch, wenn die Minen auslösten, kann ich mich heute noch erinnern.

Gruß Rainer- Maria

#84 RE: Verschwiegenheit über Grenztätigkeit von heiner2 21.11.2009 22:48

Zitat von karl143
@S51,

das ist was ganz Neues, was ich da von lese. Es gab hier kein Kontaktverbot für Verwandtschaft in der DDR.
Und wenn der Pol. Beamte nicht gerade in der Staatsschutzabteilung gearbeitet hat, bin ich mir da auch durch
eigene Erfahrung innerhalb der Verwandtschaft sicher. Auch Beamte des gehobenen Dienstes konnten jederzeit
in die DDR reisen, bzw. durchreisen, nur mußten sie sich die Reisen vorher genehmigen lassen. Diese Praxis
war auch beim BGS gängig. In Braunschweig gab es Kollegen, die in Berlin wohnten, und mind. 1 mal im Monat
nach Hause fuhren.




hallo karl,

bin bestimmt etwas off topic, aber.....als junger mann (west berlin) wollte ich in den end 60 zur bundeswehr, nach 1 1/2 jahren schriftwechsel ueber "deck addresse" wurde ich fuer drei tage eingeladen, und als sicherheitsrisiko abgelehnt (mutter und drei geschwister im osten)
meine kleine schwester (ostdeutschland) war mit einem major verheiratet, und dene war die verbindung mit uns im westen verboten. erfahren habe ich das erst nach der mauereroeffnung. die beiden sind inzwischen geschieden, und ich habe meinen ehemaligen schwager nie kennengelernt.....

gruss

#85 RE: Verschwiegenheit über Grenztätigkeit von Klaus K 22.11.2009 09:00

Zitat von ek40
Für meine Person gilt,dass ich mich immer mit meinen Bekannten und Verwandten über das Thema unterhalten habe,wenn eine Nachfrage von dieser Seite kam.
Die Familie wußte alles,was ich dort erlebte,wäre ja noch schöner,den Eltern etc.das Vertrauen zu entziehen.
Genauso verhielt sich das auch mit den besten Freunden.
Auch mit den Arbeitskollegen,zu denen man ein gutes Verhältnis hatte,wurde über dieses Thema gesprochen.
Fremde waren und wurden natürlich davon ausgeschlossen.
Ob die Post kontrolliert wurde,entzieht sich meiner Kenntnis.Ich habe viel über Vorgänge geschrieben und wurde nie dafür belangt.Im wenigen Urlaub hatte ich zweimal "bösen Feind/Westkontakt" mit einer Tante aus Hannover.(Ich wußte vorher,dass sie bei uns zu Besuch ist)
Nie wurde ich dafür zur Rechenschaft gezogen.
Sogar Weihnachtspost wurde von mir in Richtung Niedersachsen gesendet,aber von zu Haus aus.
Eigentlich dachte ich wirklich immer,wir werden alle überprüft,habe es drauf ankommen lassen.Es passierte wieder nichts. Vielleicht hatte ich nur Glück.Mit 19 Jahren war man noch sehr naiv.
Oder man war ein zu kleiner Fisch für die Herr'n der Abteilung HuG.
Ein Kumpel von mir war bei den Pio's Minenräumer.Der hatte dann einen Unfall.Als er solch Scheißding entschärfen mußte ging sie hoch und verletzte ihm im Gesicht schwer.
Der Kumpel hat nie über den Vorfall gesprochen,aus Angst vor Repressalien seinen Eltern gegenüber und auch um sein Studium nicht zu gefährden.Wie er mir dann später erzählte,wurde er sehr eingeschüchtert,damit er den Mund hält.
Also abschließend nochmal: Meiner "Auskunftsfreudigkeit" war im genannten Personenkreis kaum Grenzen gesetzt.
Die Grenze(n) hatte ich lange genug vor der Nase!
Jeder hat letztendlich für sich entschieden,was und wieviel er zum besten gibt,aus welchen Gründen auch immer.

ek40



Ich habe es auch so erlebt. In Briefen habe ich manchmal über Dinge geschrieben die nicht für jederman bestimmt waren. Also wurde nicht jeder Brief kontrolliert. Meine Eltern waren in meiner Zeit für eine Woche im Westen auf Besuch. Ich war in dieser Zeit sogar vorgelagert eingesetzt. Die Überwachung war wohl doch nicht so perfekt. Allerdings war meine Frau und meine Tochter zu Hause. Was ich zu Hause oder bei Bekannten oder Freunden erzählt habe, habe ich mir aber doch überlegt. Bei meiner Familie habe ich nichts verschwiegen.

#86 RE: Verschwiegenheit über Grenztätigkeit von karl143 22.11.2009 10:46

@Heiner2,
ich glaube dir das. Du sprichst aber von der Zeit Ende 60er Anfang70er. Ich kenne ja nur den Zeitraum ab ca. 73. Zum einen war da schon etwas mehr Normalität im gesamten Verhalten. Zum anderen kann ich nichts über das Verhalten der BW sagen. Es ist aber auch ein Unterschied zwischen militärischen Belangen und polizeilichen wie z. B. Landespolizei oder BGS. Ich war in meiner Zeit in Braunschweig 2 mal in Westberlin mit dem Auto. Und ich weiß davon, das die Zöllner von HE-BAB mal irgendwann zu einem UEFA-Cup Spiel mit einem Bus nach Magdeburg gefahren sind.

#87 RE: Verschwiegenheit über Grenztätigkeit von Danny_1000 22.11.2009 12:32

Zitat von LEGO
....ich möchte hier ganz bestimmt keinen Streit von Zaun brechen, aber war es nicht so?

Die Bevölkerung der DDR war doch nicht blöd und wußte schon, daß es an der Grenze nicht ganz ungefährlich war.
Und das nicht nur wegen Minen, Stacheldraht und SM 70, sondern auch wegen lebender Menschen, die dort mit Kalaschnikow rumspaziert sind.


LEGO, die „DDR- Bevölkerung“ als homogene Masse gab es damals (in den Siebzigern) genauso wenig wie heute „Die Deutschen“. Und ich bin mir heute gar nicht mal so sicher ob bei einer Umfrage damals – wenn es die denn gegeben hätte – eine deutliche Mehrheit der DDR- Bürger die innerdeutsche Grenze in Frage gestellt oder die sogar abgelehnt hätte.

Die Grenzer waren natürlich nicht die „Helden des Friedens“, zu denen sie die Parteipropaganda oft gemacht hat. Sie waren aber auch nicht die gehaßte Truppe, zu der sie einige Medien heute machen.

Zitat von LEGO
.Also, ich persönlich wäre mit der Info: "Ich bin Grenzsoldat" recht sparsam umgegangen...


Siehst du, so hätten das die meisten vermutlich in ihrem zivilen Umfeld gar nicht erzählt. Ich zum Beispiel habe gesagt, ich bin bei Nachrichten bei den Grenztruppen in Berlin.

Während meiner 3 Jahre hatte ich intensiven Briefkontakt mit meinen damaligen Arbeitskollegen und die interessierte natürlich, was ich denn da so treibe. Darüber durfte ich nun wirklich nicht schreiben oder später sprechen.

Gruß
Daniel aus Hamburg

#88 RE: Verschwiegenheit über Grenztätigkeit von Zermatt 22.11.2009 15:34

Also eine einheitliche Meinung scheint es nicht zu geben,es reicht von:

ja,reden war möglich,im kleinen Kreis,nur auf Anfrage-bis zu
lieber "Schnautze" halten,kein Wort zu viel sagen-reden ist silber und schweigen Gold.

Bis hierhin schon mal Danke.

#89 RE: Verschwiegenheit über Grenztätigkeit von Rainer-Maria-Rohloff 22.11.2009 15:41

Daran siehst du am Besten, Zermattone, wie unterschiedlich es in der DDR zuging, also mit IM im Bettkasten und Horchposten am Kneipentisch und Wuhlmaus bei der Post, nein, nein, so war das nicht, es war Anders, halt so wie da geschrieben steht.

Gruß Rainer- Maria

#90 RE: Verschwiegenheit über Grenztätigkeit von sentry 23.11.2009 08:15

avatar

Zitat von Zermatt
Wie war das eigentlich über die Auskunftfreudigkeit des Grenzsoldaten was seine Tätigkeit betrifft ? Was und wieviel konnte man im privaten Bereich,also in der Familie,im Bekanntenkreis,im Freundeskreis usw erzählen.



Die erste Frage kann man sicher nicht pauschal beantworten. Jeder Mensch ist anders. Natürlich waren alle Grenzer strengstens belehrt, nichts über den Grenzdienst oder die Grenzsicherung weiterzutragen. Inwieweit sich der Einzelen daran gehalten hat, lässt sich wohl kaum allgemeingültig beantworten.

Die zweite Frage ist nicht ganz eindeutig. Erzählen können konnte man natürlich alles, erzählen dürfen durfte man nichts.
Und da man nichts erzählen durfte, musste man sich natürlich irgendwelcher Konsequenzen bewusst sein, wenn man gegen dieses Verbot verstieß. Wer einem dabei ein Bein stellte, konnte man natürlich nicht wissen - sonst wäre man wohl kaum so blöd gewesen, ausgerechnet dem was zu erzählen.

Wie war das bei mir? Natürlich wussten wir auch als Zivilisten eine Menge über die Grenze.

Dachten wir...

Als ich nach Marienborn kam, war das überwältigend für mich...diese unglaublich gewaltige Anlage, das ausgeklügelte Sicherungssystem und dann hatte ich nun auch die Gelegenheit, live zu sehen, was es für offene und versteckte Sperreinrichtungen gegen Fahrzeugdurchbrüche gab. In der zivilen Welt erzählte man sich ja die dollsten Dinger. Es gab Mythen von aus dem Boden hochschnellenden Betonwänden, per Sprengladung ausgefahrene Riesenbolzen, die Fahrzeuge von der Straße schleuderten und und und. Immerhin wohnte ich in Checkpoint-Nähe, da war das natürlich ein spannendes Thema unter uns Teenie-Pimpfen.
Was glaubt man nun, was ein kleiner Bengel so für sich behalten kann, wenn er z.B. einen kaum älteren, genauso technisch interessierten Bruder hat?
Natürlich habe ich recht freimütig von dem ganzen System berichtet - war ja auch 'ne unglaublich coole Sache - rein technisch gesehen. Natürlich wussten wir, dass unsere Briefe gelesen werden könnten, aber keiner glaubte tatsächlich an eine lückenlose Mitlese.

Dennoch muss ich Rainer-Maria bei diesen Zitaten widersprechen:

In Antwort auf:
Deswegen bin ich auch sehr im Zweifel, das es eine Briefkontrolle gab?
...
Deswegen bin ich auch heute noch skeptisch, was die ganze Problematik " IM" angeht



Die Abwesenheit persönlicher Erfahrungen ist kein Beweis für die Abwesenheit dieser Sachverhalte, während die Anwesenheit solcher Erfahrungen sehr wohl ein Beweis ist - nicht für die Lückenlosigkeit, aber für die Sache an sich.
Ich habe in meiner Akte neben den angeordneten IM-Einsätzen auch jede Menge Briefe gefunden, die ich verschickt habe, teils mühselig mit der Schreibmaschine abgeschrieben, teils fotokopiert einschließlich Umschlag. Ein Umschlag ist sogar handschriftlich mit dem Wort "Geheimnisverrat" versehen.

Ergibt sich also die ebenfalls von Rainer-Maria aufgeworfene Schwedt-Frage. Hierzu kann ich berichten, dass das MfS seinem damaligen Mythos, einer der besten Geheimdienste der Welt zu sein, alle Ehre machte. Heute wird das gern vergessen - sie werden gern mit den alten Männern des Politbüros in eine Reihe gestellt und als paranoide Truppe dargestellt, die nichts besseres zu tun hatten, als Nachbarn und Verwandte auszuspionieren.
Mit Informationen, die man auf konspirativem Wege erlangte (und dazu muss man wohl auch IM-Berichte und Postkontrolle zählen), ging das Organ sehr sensibel um. Wem hätte es denn genützt, Rainer-Maria einzuschwedten, weil er irgendjemandem über die 501 erzählte? Die meisten dachten doch sowieso, das is' ne Hose oder so. Für das MfS war viel wichtiger, wie sensibel die Information tatsächlich war und (ganz wichtig!) die Quelle nicht zu gefährden. Einen Mann wegen einer kaum verwertbaren Information einzuknasten und damit die Postkontrolle oder gar einen IM zu offenbaren, kam wohl kaum in Frage.
Bei mir war es tatsächlich so, dass in der Folge durch die 2000er angewiesen wurde, die gesamte Truppe (auf keinen Fall nur mich alleine) nochmal eindringlichst zu belehren, dass keine Geheimnisse über das Grenzregime weiterzutragen sind. Auch diese Anordnung findet sich in meiner Akte.
Letztendlich waren zwar die weitergegebenen Informationen geheim, aber wohl eher nicht geeignet (und schon gar nicht dazu gedacht), eine Flucht zu erleichtern oder gar vorzubereiten. Dass hat das MfS auch erkannt und deshalb eher lasch reagiert. Ich wurde weder bestraft noch persönlich darauf angesprochen - nicht einmal hintergründig. Ich vermute allerdings, das ich zeitweise meine "Blutgruppen"-Einsortierung verloren habe, denn ich hatte durchaus auch Phasen, wo ich nur hässliche Posten, wie Objektwache oder am östlichsten Ende der Eisenbahn-GÜSt bezog.
Ähnlich sind die Führungsoffiziere übrigens auch mit IM-Berichten umgegangen. Kleingeistige, übermotivierte Berichte, die den Beschatteten manchmal schon in die "konterrevolutionäre" Ecke drängten, wurden dennoch oft von den Führungsoffizieren ignoriert oder nur stark gekürzt weiterverwendet. Es ging anscheinend doch nicht darum, jeden Polit-Witze-Reisser einzusacken, sondern das mühselig gestrickte Überwachungssystem für das Erhalten echt wichtiger Informationen zu nutzen. Nur so konnte man eben auch die Gefahr der Enttarnung gering halten, die jede Nutzung einer gewonnenen Information mit sich brachte.

Vielleicht nochmal abschließend: Ich habe da nicht wirklich Ahnung von, aber so habe ich das aus meinen eigenen Erfahrungen und eben dem Inhalt meiner Personenakte 'rausinterpretiert.

#91 RE: Verschwiegenheit über Grenztätigkeit von GilbertWolzow 23.11.2009 09:44

Zitat von sentry

Vielleicht nochmal abschließend: Ich habe da nicht wirklich Ahnung von, aber so habe ich das aus meinen eigenen Erfahrungen und eben dem Inhalt meiner Personenakte 'rausinterpretiert.



respekt sentry, sehr gute analyse.
ganz, ganz oben stand der schutz der im´s, der dann 1989 kläglich versagte und der umgang mit den gewonnenen informationen. selbst bei befragungen beim untersuchungsorgan (ha/ abt IX) mussten erst konspirativ erlangte informationen, offiziell gemacht werden. gelang dies nicht, war dies für ein gerichtsverfahren wertlos und nicht zu verwenden.

#92 RE: Verschwiegenheit über Grenztätigkeit von josy95 23.11.2009 11:27

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Zitat von EK 82/2
Ich glaube die wenigsten haben direkt etwas über den Grenzdienst erzählt.Das mag auch ein Grund sein das man sich keine Gedanken machte als es hieß:Eingezogen zur Grenze.

Auch ich habe es vorgezogen über direkte Dinge an der Grenze,selbst nach der Entlassung,lieber nicht zu reden.Wenn ich mich richtig entsinne wurde uns bei der Entlassung gesagt das wir über Vorgänge an der Grenze,deren Aufbau,Ablösungen usw. Schweigepflicht haben und bis 6 Monate nach der Enlassung noch der Militästaatsanwalt zuständig ist.Also hieße das Schwedt.

Hätte man was gesagt und es wäre rausgekommen oder noch schlimmer jemand hätte sich aus dem gehörten Aufzeichnungen gemacht und die wären gefunden worden,da kannste aber Fässer aufmachen.Ein Bayriches Bierzelt wäre zu klein für den Ärger.

Andy




War zwar nicht an der Grenze, aber bei der NVA `war`s nicht anders, wie EK 82/2 hier schreibt.
Hab es selbst genauso gehalten. Man hat schon mal über Erlebnisse erzählt, aber Details was Fahrzeugpark, Bewaffnung, Gefechtsstärke ect. anbelangte, lieber Klappe halten. Die Belehrungen (mit Unterschrift) waren ja da und wurden im "Entlassungsgespräch" nochmals erneuert, u. a. mit dem schon erwähnten Hinweis auf die Verantwortung vor der Militärstaatsanwaltschaft für min. 6 Monate, d. h. das wurde offiziell so mitgeteilt, das man 6 Monate noch (nur) der Gerichtsbarkeit der Militärstaatsanwaltschaft unterliegt. Kann ich mir zwar nicht mehr so recht vorstellen, das man bei einer zivielrechtlichen oder (normal) strafrechtlichen Verfehlung vor dem Militärstaatsanwalt gelandet wär, ist ja auch egal. Anderseits war auch da der Hinweis, das man als Reservist entlassen ist und damit immer noch, wenn auch indirekt, Angehöhriger der NVA war.

Die Kammeraden, die in Schwedt gelandet waren, mußten wohl noch ein Extra- Papier zur Verschwiegenheit unterschreiben. Zumindest bei denen, die von Schwedt während meiner Dienstzeit in unsere Einheit zurückkamen, hätte ich an deren Verschwiegenheit keinerlei Zweifel gehabt!

Wir waren auch belehrt/ angewiesen, wenn wir auf Urlaub fuhren und unvorhergesehener Weise auf Besuch/ Verwandte aus dem NSW- Ausland (NSW = nicht sozialistisches Wirtschaftsgebiet) trafen, sofort zurück zur Einheit zu kommen und dies dem Vorgesetzten sofort zu melden.

josy95

#93 RE: Verschwiegenheit über Grenztätigkeit von Rainer-Maria-Rohloff 23.11.2009 12:54

Guter aussagekräftiger Text, Sentry, da muss ich Feliks beipflichten.
Manchmal denke ich, ich war ein Glückspilz und irgendeiner, vielleicht Cousine Susanne beim Verein,die Schreibtischfrau, über sie hatte ich in der Elbgrenze schon zwei, drei Texte eingestellt, hielt ihre schützende Hand über mich.
Ich habe keine Ahnung? Will es auch nicht wissen.
Und ich bin auch der Letzte, der sich diese "Akte" holt, eventuell um anschließend damit meinen Grill anzuzünden, wenn wir Sonnabends die Freunde zum Bratwurstessen vereinen.

Gruß Rainer- Maria

#94 RE: Verschwiegenheit über Grenztätigkeit von sentry 23.11.2009 13:21

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Zitat von Rainer-Maria-Rohloff
Und ich bin auch der Letzte, der sich diese "Akte" holt...



...was in Ordnung geht. Ich hatte eben tausend Fragen, die sich aus meiner DDR-Vergangenheit ergeben haben, von denen ich vielleicht bis heute 800 beantwortet habe. Für 600 davon war der Umstand hilfreich, dass mir durch diese einmalige Möglichkeit in der Geschichte meine Akten aus der Welt der Geheimdienste per Post ins Haus gebracht wurden.
Fuc* the IM, aber wann hat man schon 'mal die Gelegenheit einen Krimi über sich selbst zu lesen

#95 RE: Verschwiegenheit über Grenztätigkeit von josy95 23.11.2009 13:38

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An ein Ding kann ich mich noch gut erinnern es war im Frühjahr (Mai 1979). Die ersten "Spritzer" nach uns hatten ihre (öffentliche) Vereidigung. Wie es so war, Papa, Mama, Onkel und Tantchen & Co kamen bei denen, denen es gefiel, die es wollten... .

Da war einer, der lag noch bei uns auf der Bude, schon ca. 25 und ein kleiner geistiger Tiefflieger. Der hat Dinger gucken lassen, Leute! War auch nur ein halbes Jahr dabei, dann hat man ihn wieder nach Haus geschickt, s. g. "Spritzer mit Bandmaß". Neben seinen geistig- naiven Tiefflugmanövern hatte er auch irgendwelche anderen körperlichen Gebrechen, wofür er hätte eigentlich schon vorher ausgemustert werden müssen. Aber bei der NVA nahm man das ja nicht so genau.

Jedenfalls, es war Vereidigung und danach war ja für die Spruze Ausgang angesagt, hauptsächlich für die, die Besuch hatten.
Der Typ hat es doch tatsächlich fertig gebracht, sich zum Ausgangsende bis vor`s KDP (KDP = Kontrolldurchlaßposten, zu gut deutsch Kasernenwache) von seiner Westverwandtschaft (BRD) mit einem Mercedes forfahren zu lassen!

Ihr glaubt gar nicht, was da los war!!! Sackstand vom Feinsten. Unser Batallionskommandeur ist ausgeflippt, aber total. Obwohl das sonst im allgemeinen eher ein ruhiger, sachlicher Mensch war. Der Typ hat dann noch so wie ein Unschuldslamm getan als wenn das das normalste von der Welt wär!
Herrlich!


josy95

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