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#1 Naturerlebnisse an der ehemaligen Grenze von birx20 02.11.2020 08:59

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Viele ehemalige Grenzsoldaten, Zoll-und BGS Beamte als auch Polizeibeamte haben während ihrer Dienstzeit an der innerdeutschen Grenze interessante und relativ seltene Naturerlebnisse erlebt. Heute trägt dieser geschützte Naturraum zu Recht den Namen "Grünes Band".
Ich möchte euch mein Naturerlebnis - "Die Balz der Birkenhähne am Grabenberg bei Frankenheim/Birx"- hier schildern.
Es war Anfang oder Mitte April 1977 eine meiner letzten Nachtschichten am Grabenberg bei Birx. Zur damaligen Zeit stand der BT 11 (der heute noch dort vorhanden ist) noch nicht und wir mussten eine meist witterungstechnisch ungemütliche Nachtschicht am Wasserbehälter Grabenberg ungefähr ca. 1000 m entfernt vom Naturschutzgebiet " Schwarzes Moor" zubringen. Die fast hinter uns liegende Nachtschicht war ruhig und verlief ohne besondere Vorkommnisse (Postenkontrollen etc.).
So gegen 04:00 Uhr begann es zu dämmern und plötzlich wurde es unruhig in unserer Nähe. Circa gute 100 m entfernt vom Grabenberg feindwärts Richtung " Schwarzes Moor" auf den angrenzenden extensiven sumpfigen Weideflächen, die mit einzelnen kleinen Birken und Fichten bestanden waren, kam Bewegung auf.
Ich griff zu meinem Dienstfernglas und konnte nach einigem Absuchen die Verursacher erkennen. Auf einer Weidefläche hatten sich ca. 4 oder 5 Birkhähne zur Balz versammelt.
Ein imposantes Schauspiel dieser sehr seltenen Rauhfußhühnerart.
Die Hähne mit ihrem feuerroten Kamm hatten die schwarzen Flügel gespreizt und ihre weißen Schwanzfedern zu einem Fächer aufstellt und balzten mit lauten kollernden Rufen um die Gunst einer Birkhuhnhenne, welche in der Nähe die Balz der Hähne auf einem Gebüsch sitzend verfolgte. Die Hähne gingen mit ihrem Imponiergehabe aufeinander los und es war ganz schön Action auf der Hohen Rhön.
Dieses Schauspiel verfolgten wir abwechselnd mit dem Dienstfernglas ca. eine knappe Stunde bis sich auf dem Kolonnenweg der LO mit der Ablösung uns näherte.
Aufgeschreckt durch den LO verließen die sehr scheuen Birkhähne den Balzplatz und flogen Richtung "Schwarzes Moor".
Das war ein einmaliges Naturerlebnis, welches mir den oftmals monotonen und witterungstechnisch ziemlich anstrengenden Grenzdienst auf der Hohen Rhön, etwas verschönerte.
Wie ich jetzt nachgelesen habe, waren die Birkhühner im Gebiet des Schwarzen Moor bis 2010 wohl fast erloschen. Danach hat man mit Importen aus Schweden den Bestand stabilisieren können und nunmehr hält sich eine kleine Population im Gebiet um das Schwarze Moor stabil.
Mit viel Glück kann man dort bei einer Wanderung entlang des Grünen Bandes in den sehr frühen Morgenstunden im April auf den Weiden zwischen dem innerdeutschen Dreiländereck bei Birx, dem Schwarzen Moor sowie dem Grabenberg die Balz der Birkhähne beobachten.
Falls diese Schilderung eines Naturerlebnisses euch gefallen hat, kann ich euch noch von zwei anderen interessanten Tierbeobachtungen im Grenzgebiet zwischen Kaltenwestheim bis Stedtlingen berichten.
Sicher können auch andere naturbegeisterte Kameraden ähnliche interessante Erlebnisse während ihrer Dienstzeit an der Grenze schildern.

#2 RE: Naturerlebnisse an der ehemaligen Grenze von Gert 02.11.2020 09:08

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Falls diese Schilderung eines Naturerlebnisses euch gefallen hat, kann ich euch noch von zwei anderen interessanten Tierbeobachtungen im Grenzgebiet zwischen Kaltenwestheim bis Stedtlingen berichten.
Sicher können auch andere naturbegeisterte Kameraden ähnliche interessante Erlebnisse während ihrer Dienstzeit an der Grenze schildern.

@birx20 Ja mach mal, bitte

#3 RE: Naturerlebnisse an der ehemaligen Grenze von GKUS64 02.11.2020 09:45

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Mein Erlebnis ist weniger romantisch, eher etwas robust!

Es war während einer Schießübung in der Grundausbildung Eisenach (den genauen Ort habe ich leider vergessen). Es war ein hügliges Gebiet, an das ein dichter Wald anschloss.
Das Schießen war beendet und der sehr lockere Zugführer gönnte uns eine Verschnaufpause am Waldesrand. Wir hockten uns also in Kreisform in die Wiese, unmittelbar an der Waldgrenze und plauderten über Gott und die Welt (Ich glaube, es ging weniger um Gott, aber um die schönen Mädchen aus Eisenach!). Plötzlich raschelte es im Unterholz und in unmittelbarer Nähe von uns im Abstand von ca. 5 Metern, rannte eine Wilschweinhorte von ca. 8 Wildschweinen, an uns vorbei.
Wildschweine in freier Wildbahn hatte ich bis dahin noch nie gesehen, die meisten anderen auch nicht. Ich und die Anderen waren natürlich stark erschrocken und sprangen sofort auf.
„Bleibt ganz ruhig, da passiert nichts!“ rief uns amüsiert der Zugführer zu. Er hatte also schon Erfahrung auf diesem Gebiet.
„Echt Schwein gehabt“ war unser Resümee.

GKUS64

#4 RE: Naturerlebnisse an der ehemaligen Grenze von 02.11.2020 13:46

Hallo @GKUS64 , es ist sehr wahrscheinlich, dass euer Erlebnis am Schießplatz "Böller" zwischen Oberellen und Gerstungen stattgefunden hatte.
Eine aber etwas eher unwahrscheinlichere Alternative wäre der Schießstand "Mosewald" , der aber direkt am nordwestlichen Ortsrand von Eisenach liegt. Da habt ihr wirklich "Schwein gehabt" , so einen Anblick hat man eher selten.

#5 RE: Naturerlebnisse an der ehemaligen Grenze von PF75 02.11.2020 16:43

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Wildschweine hatte zu meiner zeit auch schon ein schlafendes Postenpaar beschnuppert.War bei gefechtsmäßiger Grenzsicherung,openend -Schichten und als wir bißchen verpflegung an die Posten verteilen wolltenhaben wir und gewundert das dprt ein paar Schweine an der Sprechstelle standen,haute aber bei unsrer Annäherung ab.Vor ort stellte man das schlafende postenpaar fest,schön mit Regenmantel abgedeckt(sicherlich zur tarnung ).Die leute waren da wohl schon 24 h im Abschnitt,ich konnte ja auf der Füst bißchen abruhen.

#6 RE: Naturerlebnisse an der ehemaligen Grenze von DoreHolm 02.11.2020 16:52

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In unserem Abschnitt, fast nur Wald, der wildreichste Abschnitt um Westberlin und Stadtkommandant Poppe und H. Hoffmann gingen da ab und zu mal jagen. Da war es keine Seltenheit, daß eine Rotte Sauen mal den Postenweg kreuzte. Ein bischen mit dem Schloss geklappert und sie stoben davon. 1. GK des GR 38 bei Niederneuendorf. Dachse gab es auch und natürlich Rotwild von den angrenzenden Wiesen am Wald.
Jetzt haben sich Bieber am angrenzenden Niederneuendorfer Kanal ausgebreitet. Dort lief der hintere KS mit dem Kradweg lang.

#7 RE: Naturerlebnisse an der ehemaligen Grenze (1965/66 (Oberzella) von Fellos 02.11.2020 17:41

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Wildschweinbegegnungen im Grenzdienst waren seltener dafür aber Begegnungen mit Igeln. Die Igel machten bei ihren Wanderungen so einen Krach, das man annahm jetzt kommt wer schlürfend gelaufen.
Mit Wildschweinen hatte ich eine Begegnung in Schwenge einen Nachbarort in Oberzella. Mein Einsatzgebiet war der Schwenger Teich, wo sich auch in unmittelbarer Nähe eine Sprechgstelle des GMN befand. Es muss gegen 22:00 Uhr gewesen sein. Es fing an zu regnen und der Regen wurde immer stärker. Mein Posten und ich hatten bereits die Umhänge übergezogen und erschraken, als eine Horde Wilschweine, ca. 8 Stück, bei Starkregen, Blltz und Donner kurz neben uns vorbeihazten. Ich denke die hatten genau wie wir auch Angst vor dem Gewitter.
Nun kam die Zeit, wo ich eine Meldung absetzen musste. Die hellen Blitze begleiteden mich bis zur Sprechstelle die ca. 4m weg war und ich klemmte die Krokoklemmen an das GMN an. Als ich die 2. Klemme befestigte, blitze und donnerte es so laut, das ich den Hörer fallen ließ denn ich hatte in diesem Moment einen elektr. Schlag bekommen. Der Hörer war ein Klapphörer aus Metall und tschechischer Produktion. Jetzt baumelte der Hörer an zwei Kabeln am GMN und ich hörte den Offizier im Hörer im Führungspunkt laut rufen. Teilnehmer. ! Ich riss den Hörer an den isolierten Kabeln ab und hütete mich das noch einmal zu probieren.

#8 RE: Naturerlebnisse an der ehemaligen Grenze (1965/66 (Oberzella) von Fred.S. 02.11.2020 17:53

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Das von DDR-Seite aus abgesperrte Elbvorgelände bot vielen Tieren hier einen ungestörten Rückzugsort.
Mit abgesperrt ist der auf der gesamten Elbgrenzlänge errichtete GSZ auf dem Deich gemeint..
In den Morgen und Abendstunden sah man etwas durch die Elbe schwimmen. mal von der BRD-Seite, mal von unserer Seite.
Ohh, ein GV !! Aber falsch gedacht, es war ein Reh oder mehrere, die durch den Fluss zum anderen Ufer schwammen.
Nur der Kopf, wie auf dem Bild, war zu sehen. Wie die es geschafft haben mit ihren dünnen Beinchen, schnurgerade über die Elbe zu schwimmen.
Haben wir mit den Fernglas das Reh erkannt, ließen wie es ungestört seiner Wege ziehen. Kein Bootsführer wäre auf dem Gedanken gekommen, das Reh zu verscheuchen.
Es war immer ein schöner Anblick, der aber auch sehr, sehr selten zu beobachten war. Fred

#9 RE: Naturerlebnisse an der ehemaligen Grenze (1965/66 (Oberzella) von Fall 80 02.11.2020 18:05

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Das beste Naturerlebnis an der ehemaligen Grenze ist die Tatsache wie sich doch die Natur von der Verschandelung und dem Pestizideinsatz erholt hat.

Erstaunlich was da in den 30 Jahren so an Wald durch Sukzession entstanden ist.

Für Flora und Fauna hat sich die unter Schutz Stellung auf jeden Fall gelohnt.

Uli

#10 RE: Naturerlebnisse an der ehemaligen Grenze (1965/66 (Oberzella) von Fred.S. 02.11.2020 18:41

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zu 9.
Das stimme ich Dir voll zu, Fall 80.
Wenn wir an der Trennungslinie lagen, wo die Elbe zur Grenzelbe überging, sah man bis Ende der sechziger Jahre in den Sommermonaten, besonders in den Morgenstunden eine weiße Elbe vorbei ziehen, als wäre sie mit Eisschollen bedeckt.
Es waren aber die ungefilterten Abwässer von Betrieben oberhalb Von Wittenberge und weiter.
Das hat dann langsam nachgelassen . In den siebziger Jahren stellte ich so etwas nicht mehr fest. Fred

#11 RE: Naturerlebnisse an der ehemaligen Grenze (1965/66 (Oberzella) von Gert 02.11.2020 19:00

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Mit Wildschweinen hatten wir in unserem Abschnitt östlich Priwall auch des öftern zu tun. Sie tobten nachts durch den Wald manchmal ganz nah. Mir wurde immer ganz unheimlich und ich hatte ehrlich gesagt auch ein bischen Angst mit ihnen zusammenzutreffen. In letzter Konsequenz vertraute ich dann aber meiner " Braut ", die ich dann von der Schulter Richtung Hüfte bewegte. Hätte ich einen Angriff durch sie erlebt, ich hätte geschossen zur Selbstverteidigung.

#12 RE: Naturerlebnisse an der ehemaligen Grenze (1965/66 (Oberzella) von Rostocker 02.11.2020 19:34

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Wir hatten am Schaalsee--Natur pur --ist auch heute noch .so, dort. Am schönsten war es, in der Frühschicht wenn die Sonne auf ging und in der Spätschicht, wenn es langsam dämmerte. Es gab damals dort einen Postenplatz--dort war man nur über die Beatkiste erreichbar. Nachts wurde es richtig abenteuerlich und interessant für einen Neuen oder die gerade kamen. Man hörte im Unterholz, sonst was von Tiergeräuschen. Genauso war es am Inselzugang Stintenburg, wenn die Wildenten aus dem Uferschilf kamen. Als Neuer--war man da doch etwas unruhig--aber die PF klärten einen schon auf und wiederum tat man es später mit den Posten.

#13 RE: Naturerlebnisse an der ehemaligen Grenze (1965/66 (Oberzella) von Ehli 02.11.2020 19:41

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Schweine haben wir nicht gehabt in Berlin, dafür aber Kaninchen.
Einige hat mein Hund erwischt.
Ehli

#14 RE: Naturerlebnisse an der ehemaligen Grenze (1965/66 (Oberzella) von zweedi04 02.11.2020 19:51

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Zu Thema Schwein im Grenzgebiet kann ich auch noch etwas beitragen.

Wir Grenzaufklärer haben im Dienst mal gerne Pilze gesammelt und diese gleich an Ort und Stelle zubereitet und verspeist. Dazu hatten wir uns im Wäldchen auf halber Strecke zwischen Schwanheide und dem BT11 Bahnlinie eine Kiste mit Spirituskocher (Campingkocher), Spiritus, Salz, Pfeffer, Speck und Zwiebeln in einem Loch deponiert. Das Loch war abgedeckt und so leicht nicht zu finden.
Eines Tages lag die Kiste zerstört auf dem Waldboden und der gesamte Inhalt lag zerstreut auf dem Waldboden. Es fehlte nur die Spiritusflasche und der Speck. Eine Nahbereichsuche ließ uns dann fündig werden. Der Schraubverschluss der Spiritusflasche war völlig demoliert und der Inhalt war ausgelaufen. Spuren und der gestank nach Wildschwein ließ erahnen wer die Übeltäter waren. Die Schweine haben sich noch tagelang an der Stelle gesuhlt.
Die neue Kiste haben wir danach aber wildschweinsicher über dem Erdboden deponiert.

Auch ist mir in Erinnerung geblieben wie wir links der Bahnlinie Schwanheide – Büchen einen Dachs beobachten konnten. Dieser hatte seinen Bau unmittelbar auf der Grenzlinie. Dort spielten die Jungen (2 oder 3) am tage vor dem Bau. Die Alten hat man meist nur in der Morgendämmerung gesehen.

Es war schon eine heile Natur unmittelbar an der Grenze.

#15 RE: Naturerlebnisse an der ehemaligen Grenze (1965/66 (Oberzella) von harbec 02.11.2020 21:06

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... dazu habe ich noch eine Begebenheit aus meiner Lübecker Zeit in der Grenzschutzausbildungsabteilung so um1977-79.
Jedes Jahr ging es mit den Auszubildenden im 1. Dienstjahr zur grenznahen Ausbildung für 1 Woche an die DDR-Grenze im Grenzabschnitt der Ratzeburger Abteilung. Ich hatte den Abschnitt Hoheleuchte/Ratzeburger See bis Mechower Holz einschließlich. Ich war Gruppenführer der 1. Gruppe des 1. Zuges. Unser Gruppennest lag im Mechower Holz unweit der ehemaligen Ortschaft Neuhof. Wir wurden mit unserem gesamten Gerümpel: Persönliche Ausstattung, Waffen und Munition, Zelte, Verpflegung, Schlafsäcke, Grill, Waschschüsseln, Wasserkanister, Äxte, Sägen, Balken, Drähte, Spaten, Kochmöglichkeiten, Konserven usw. usw. im Mechower Holz vom LKW geschmissen und bauten da dann unser Gruppennest. Von diesem starteten dann die täglichen Streifen- und Kontrollgänge in dem Abschnitt. Und jetzt zum eigentlichen Knackpunkt. Wir hatten natürlich keine Klos dabei. Also Rolle und Spaten unter den Arm und ca. 100m von unserer kleinen Zeltburg in den dichten Wald zum Spatengang. So weit so gut, denn ich hatte genau festgelegt wo gesch..... werden sollte. Es war sogar abtrassiert.
Wir hatten auch gehört, dass es in diesem schönen Wald Wildschweine und sonstiges Viechzeug geben sollte. Interessierte aber keinen von uns so richtig.
Am Abend des 2. Tages saßen wir bei einer Besprechung vor dem Zelt, als plötzlich in einer Entfernung von nicht einmal 30m eine Horde Wildsäue an unserem Gruppennest vorbeipreschte und in dem Waldstück verschwand, wo die Spatengänge stattfinden sollten. Guter Rat war jetzt teuer. Funkverbindung und Handy gab es nicht wegen Meldung usw.. Der Lagerposten saß ab sofort mit durchgeladenem G 1 auf einem Holzstapel. Jeder Gruppenangehörige schlief nachts mit seinem Gewehr am Mann für den Fall X. Meine MP 5 lag nachts geladen und entsichert neben meiner Liege. Zum Glück wurden die Wildschweine noch das eine oder andere Mal gehört. Aber ansonsten blieb es ruhig. Ganz wohl war uns während der Näche nicht und der Schlaf war nicht so dolle.

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