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#16 RE: Eisbrecher SAMLAND sucht seine (Flucht?)-Geschichte im Raum Berlin / Rüdersdorf von Samland 06.03.2016 09:42

Zitat von andyman im Beitrag #14
Einige Möglichkeiten die bisher vielleicht unbeachtet geblieben sind.Die festen Einbauten im Schiff z.B.Motor Getriebe Kompass usw. müssen eigentlich Typenschilder haben und es lassen sich dadurch Hersteller, Baujahr o.ä. ermitteln.Da es sich um größere Objekte handelt wie z.B. den Motor könnten in dem Herstellungsbetrieb noch Unterlagen existieren.
Lgandyman



Guter Ansatz. Hierzu folgende ergänzende Informationen:
Ich gehe davon aus, dass das Schiff beim Bau eine Dampfmaschine hatte, ganz einfach weil noch keine Dieselmotoren im Jahr 1907 existierten oder allenfalls in Versuchsreihen, jedoch keinesfalls zum Einbau in serienmäßig hergestellte Schlepper.

Laut einem Zeitzeugen, der leider längst verstorben ist, wurde - wann ist unklar, jedoch deutlich vor 1966 ein Zweizylinder Glühkopfdiesel eingebaut. Ein Vor-Vor Besitzer des Schiffs hat mir dies in einem Telefonat mitgeteilt. Im Sommer 1966 wurde von einer Berliner Firma ein Mercedes Benz 0M 346 LKW Motor in der Einspritzerversion (damals ein echtes Highlight) mit ca, 150 PS in sog. marinisierter (wassergekühlt statt luftgekühlt) Form eingebaut. Mir liegt die Teileliste und die Umbauliste in Kopie vor. Weiters wurde ein Reintjes Getriebe auf den Motor abgestimmt und eingebaut. Die Firma Reinjes gibt es noch, hat aber keine Unterlagen mehr zu diesem Umbau.

Der Auftraggeber für diesen Umbau war die Firma Behrendt Tauch und Bergeunternehmen. Der Grund war, für diese Umrüstung war, dass der 2-Zylinder Glühkopfdiesel mit seinen ca. 70 PS zu wenig Leitung brachte und störungsanfällig war. Diese Information stammt sowohl von einem Vor-Vorbesitzer, als auch vom Enkel des Herrn Helmut Behrend mit dem ich in Kontakt bin. Dieser Motor treibt das Schiff bis heute an.

Aber dieser Umbau fand eben erst 1966 statt. D.h. seit 1958 (durch Fotos belegbar) war das Schiff in Besitz der Firma Behrend und die dürften damals noch einige Jahre mit dem Glühkopfdiesel gefahren sein. Zum Glühkopfdiesel liegen mir keine Unterlagen vor, diese "Info" wurde alleine mündlich an mich weitergetragen.

Ein Gespräch mit einem Maschinisten aus einem Verein der sich mit der Restaurierung alter Schiffe und Loks beschäftigt, ergab, dass ein Zweizylinder Glühkopfdiesel in einem Schiff wie dem unseren zu der Zeit (ab ca. 1935) nicht ungewöhnlich war.

.Ein sog. Berliner Original ... sein Nachame war "Möriz", Schrotthändler, soll, wenn man dem Enkel des Herrn Behrendt glauben kann, immer wieder auf diesem Schiff geschraubt haben und hat dieses letztendlich nach dem Tod des Herrn Behrendt Anfang der 80iger auch von seinen Erben gekauft. In weiterer Folge soll Herr Möriz einige Jahre auf der Samland gewohnt haben.

Vielleicht sagt der Name Möriz Schrotthändler - der Mann soll ein echtes Berliner Unikat gewesen sein - dem einen oder anderen Berlin noch etwas.

#17 RE: Eisbrecher SAMLAND sucht seine (Flucht?)-Geschichte im Raum Berlin / Rüdersdorf von Samland 06.03.2016 10:13

Zitat von coff im Beitrag #12
Irgendwie klingt das alles konfus, der Enkel weiß nicht wo der Großvater das Schiff her hat aber der Senat hat es versteigert... ?
Da müssen doch davon Dokumente vorhanden sein was der Senat da wann versteigert hat. Ein Baujahr ist bekannt, der alte Namen aber nicht...

Die Story vom Minensuchboot ist Unfug. Ich kann mir auch nicht vorstellen das dieses Unternehmen in der Beräumung von Bombenblindgängern unterwegs war und über die entsprechende Qualifikation zum Entschärfen selbiger verfügte. Minen kommen im Berliner Raum sowieso nicht in Frage, wie sollen diese denn dorthin gekommen sein und zu welchem Zweck auch...
Beräumung von Metallschrott ist da schon plausibler

Welche Details sind denn in der alten Bauliste zu diesem vermuteten Boot angegeben ?




Ich gebe Ihnen durchaus Recht, es ist konfus.

Der Enkel - er ist ist heute ca. 45 Jahre alt, müsste also um 1970 herum geboren worden sein - erinnert sich persönlich an den Großvater eher nur als alten und recht kranken Mann erinnern kann. Beim Tod des Großvaters nach langer Erkrankung 1982 war der Enkel ca. 12 Jahre alt. Dies klingt also sehr plausibel. die Geschichten, die er vom Großvater und seinen Schiffen hat, dürchte wohl eher Hörensagen sein und immer mit den Augen eines Kindes betrachtet, der Abenteuergeschichten von Bomben und Schiffen sicher anders wertet, als jemand der weiss, was das Wort Krieg bedeutet.

Weiters gibt es da noch die Mutter des Enkels respektive die Tochter des Herrn Helmut Behrendt. Sie ist heute 76 Jahre alt und hat mir die ganzen alten Fotos, die ich teilweise meinen Beiträgen beigestellt habe über ihren Sohn (den Enkel des H. Behrendt) zukommen lassen. Weitere Unterlagen zum Schiff als eben diese Fotos habe ich bis zum heutigen Tag nicht. Im Erbbestand der gibt es auch sonst keine Unterlagen mehr zum Schiff. Möglicherweise hängt das damit Zusammen, dass H. Behrend ja in Berlin gelebt hat und seine Tochter nach Tirol in Österreich geheiratet hat. Sie hat sich auch nie für Schiffe interessiert. Eventuell gab es familiäre Spannungen.


Die Story über den Sprengkörpereinsatz halte ich keinesfalls für Unfug, hier habe ich Fotomaterial, die sowohl das Schiff, als auch die Hebeeinrichtungen für die Bomben, Blindgänger und sonstiges zeigen. Dies ist eindeutig der Firma Behrendt zuzuordnen. Ebenso ein Sprengplatz wo diese Bomben nach Bergung entschärft wurden, mit unterschiedlich guten Ergebnissen. Unter anderem liegen mir auch hier zwei Fotos vor aus dem Bestand der Erben Behrendt vor, die eine verunglückte Entschärfung zeigen ..... ein Gebäude weniger in Berlin, Kllateralschaden nennt man das wohl.

Welche Qualifikation Herr Behrendt hatte weiss ich nicht, aber er hat mit zwei Schiffen - der "Klaus" und der "Samland" und aufgebauten Elektromagnetkränen nach Bomben in Berliner Gewässern gefischt. Weiters habe ich ein Foto, das lt. Enkel den Herrn Behrendt in einem stabilen Tauchanzug mit Metall-Tauchglocke und externer Luftschlauchzuführung zeigt. Er ging selbst ins Wasser um Bomben, die vorhanden aber nicht bergbar waren, freizumachen. Der Tauchanzug ist heute im Besitz des Enkels.

Nichts desto trotz:
Mir fehlt nicht die Historie von der Firma Behrendt ab 1958 sondern davor.
Meine Fragen nach wie vor:
Wo hat Herr Behrendt das Schiff erworben?
Wie kam das Schiff Bär-Cement, das wir für die spätere Samland halten aus der Gegend um Rüdersdorf / Niederlehme / Woltersdorf nach Berlin West?
Hartnäckig halten sich in den Erzählungen mehrerer Vor-Besitzer die Gerüchte, dass die Samland ein Fluchtschiff war. Diese Flucht muss zwingend vor 1958 erfolgt sein.
Wo wurde ein herrenloses Schiff in Berlin-West registriert?
Wie heisst die West-Behörde die dafür zuständig war?

Nur wenn ich diese Schnittstelle habe, kann ich auch belegen, dass die BärCement und die heutige Samland identisch sind und demzufolge das Schiff Baunummer 969 aus Dresden Übigau wirklich die heutige Samland ist.

#18 RE: Eisbrecher SAMLAND sucht seine (Flucht?)-Geschichte im Raum Berlin / Rüdersdorf von Samland 06.03.2016 10:27

Welche Details sind denn in der alten Bauliste zu diesem vermuteten Boot angegeben ?[/quote]


Details in der Bauliste:

Bauliste Dresden Übigau Werft Seite 18

Baunummer: 969
Baujahr: 1907
Name: Bär Cement
Betriebsort: Märkische Wasserstrassen
Schiffsgattung:Schleppdampfer
Länge 16,5 m
Breite 3,7 m
Ind. PS: 80 (Dampfmaschine, 2 Zylinder
Kesseldruck 10 Athmosphären
Auftraggeber Portland Zementfabrik, Rüdersdorf

Anbei noch zwei fotos, die den Einsatz der Samland beim Bombenangeln eindeutig belegen.
Motiv Brücke .... Es soll sich hier um die Buschkrugbrücke handeln|addpics|5p6-7-dd63.jpg,5p6-8-7c4b.jpg|/addpics|

#19 RE: Eisbrecher SAMLAND sucht seine (Flucht?)-Geschichte im Raum Berlin / Rüdersdorf von Samland 06.03.2016 10:37

Zitat von andyman im Beitrag #14
Einige Möglichkeiten die bisher vielleicht unbeachtet geblieben sind.Die festen Einbauten im Schiff z.B.Motor Getriebe Kompass usw. müssen eigentlich Typenschilder haben und es lassen sich dadurch Hersteller, Baujahr o.ä. ermitteln.Da es sich um größere Objekte handelt wie z.B. den Motor könnten in dem Herstellungsbetrieb noch Unterlagen existieren.
Lgandyman



Typenschilder des 1966 eingebauten Mercedes Benz Motors OM 346 gibts. Auftraggeber ist Fa. Behrend.
Kompass :-) ...... Auf einem Flußschiff nicht nötig, da gehts entweder bergauf oder bergab.
Gebtriebehersteller für o.g. Motor: Firma Reintjes. Nach tel. Nachfrage leider keine Unterlagen mehr vorhanden. Ist schließlich 50 Jährchen her, demzufolge eher keine Werksgarantie mehr möglich ;-)

#20 RE: Eisbrecher SAMLAND sucht seine (Flucht?)-Geschichte im Raum Berlin / Rüdersdorf von berlin3321 06.03.2016 10:44

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Morjen...

nur mal was zum Glühkopfmotor: Diese wurden so ab ca. 1920/ 1930 häufiger in Schiffe eingebaut. Guck mal hier:

http://www.ewer-frieda.de/hauptabmessungen-alt/geschichte/
http://www.ewer-johanna.de/Johanna/Das_Schiff.html

Beide erhielten 1928 den ersten Glühkopfmotor.

MfG Berlin

#21 RE: Eisbrecher SAMLAND sucht seine (Flucht?)-Geschichte im Raum Berlin / Rüdersdorf von coff 06.03.2016 11:51

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Stell Deine Fragen doch mal in das Forum Marinearchiv ein
http://forum-marinearchiv.de/

#22 RE: Eisbrecher SAMLAND sucht seine (Flucht?)-Geschichte im Raum Berlin / Rüdersdorf von andyman 06.03.2016 12:24

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Zitat von Samland im Beitrag #19



Typenschilder des 1966 eingebauten Mercedes Benz Motors OM 346 gibts. Auftraggeber ist Fa. Behrend.
Kompass :-) ...... Auf einem Flußschiff nicht nötig, da gehts entweder bergauf oder bergab.
Gebtriebehersteller für o.g. Motor: Firma Reintjes. Nach tel. Nachfrage leider keine Unterlagen mehr vorhanden. Ist schließlich 50 Jährchen her, demzufolge eher keine Werksgarantie mehr möglich ;-)




Na ja,Motor war also Sackgasse weil nicht mehr Original.Aber kein Kompass?,wie haben die denn navigiert auf den Seen und Wasserstraßen bei schlechter Sicht.Da würde ich noch mal forschen,ist bestimmt irgendwann ausgebaut worden und im Nachlaß gelandet.
Lgandyman

#23 RE: Eisbrecher SAMLAND sucht seine (Flucht?)-Geschichte im Raum Berlin / Rüdersdorf von Samland 06.03.2016 16:09

Zitat von coff im Beitrag #21
Stell Deine Fragen doch mal in das Forum Marinearchiv ein
http://forum-marinearchiv.de/





sehr gute idee !! danke

#24 RE: Eisbrecher SAMLAND sucht seine (Flucht?)-Geschichte im Raum Berlin / Rüdersdorf von LO-Wahnsinn 06.03.2016 20:53

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Wenn das Schiff tatsächlich in Dresden Übigkau gebaut wurde, vielleicht gibts noch Unterlagen irgendwo.
Man findet ja im Internet recht viel über alte Schiffe und auch Unterlagen, irgendwo muss das ja her kommen.
Daher mutmasse ich mal, dass es einen Archivbestand geben könnte, vielleicht ist der noch irgendwo erhalten, irgendwo in Archiven der Stadt Dresden.
Anderseits wurden wohl auch Schiffe in ganzen Serien gebaut, es dürfte also sehr schwer sein ,auch wenn Unterlagen da sein sollten, genau dieses Schiff zuzuordnen.

Was ich im Wikipedia Artikel über die Werft interessant fand...

Zitat
Bereits 1904 war die Kapazität der Werft beachtlich. Im Juli waren damals u. a. ein Schraubenboot und Seetonnen für die Kaiserliche Marine, ein Schleppdampfer, acht Ziegeltransportkähne



Ich kombiniere, Rüdersdorf und Ziegeltransportkahn, auch wenn hier das Baujahr nicht ganz stimmt.
Nun weiss ich nicht ob Rüdersdorf je mit Ziegeln zutun hatte, so weit scheint mir der Gedanke aber nicht, Zement und Ton können nah beieinander sein.

Zumindest wäre es ein Ansatz auch mal in diese Richtung zu forschen.

#25 RE: Eisbrecher SAMLAND sucht seine (Flucht?)-Geschichte im Raum Berlin / Rüdersdorf von damals wars 06.03.2016 21:18

Noch ein Forum: http://www.binnenschifferforum.de/forum/...und-datenbanken

#26 RE: Eisbrecher SAMLAND sucht seine (Flucht?)-Geschichte im Raum Berlin / Rüdersdorf von StabsfeldKoenig 06.03.2016 23:55

Zitat von LO-Wahnsinn im Beitrag #24
Wenn das Schiff tatsächlich in Dresden Übigkau gebaut wurde, vielleicht gibts noch Unterlagen irgendwo.
Man findet ja im Internet recht viel über alte Schiffe und auch Unterlagen, irgendwo muss das ja her kommen.
Daher mutmasse ich mal, dass es einen Archivbestand geben könnte, vielleicht ist der noch irgendwo erhalten, irgendwo in Archiven der Stadt Dresden.
Anderseits wurden wohl auch Schiffe in ganzen Serien gebaut, es dürfte also sehr schwer sein ,auch wenn Unterlagen da sein sollten, genau dieses Schiff zuzuordnen.

Was ich im Wikipedia Artikel über die Werft interessant fand...

Zitat
Bereits 1904 war die Kapazität der Werft beachtlich. Im Juli waren damals u. a. ein Schraubenboot und Seetonnen für die Kaiserliche Marine, ein Schleppdampfer, acht Ziegeltransportkähne


Ich kombiniere, Rüdersdorf und Ziegeltransportkahn, auch wenn hier das Baujahr nicht ganz stimmt.
Nun weiss ich nicht ob Rüdersdorf je mit Ziegeln zutun hatte, so weit scheint mir der Gedanke aber nicht, Zement und Ton können nah beieinander sein.

Zumindest wäre es ein Ansatz auch mal in diese Richtung zu forschen.




Aus Rüderdorf kam auch Kalk-Werkstein, der ähnlich wie Sandstein und Marmor als Baumaterial, vorzugsweise zur Fassadengestaltung, eingesetzt wurde.

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