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#21

RE: Hysterie oder nicht?

in Themen vom Tage 24.09.2011 11:51
von Rainman2 | 5.816 Beiträge | 365 Punkte
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Dass es Menschen gibt, die beim Erklingen Vereinnahmter Lieder ein ungutes Gefühl haben und dies dann artikulieren, ist die eine Sache. Aber darum geht es hier nicht. Hätte der Typ "Lilly Marlen" gepustet, hätte vielleicht Kommentare gegeben. Ein kollektiver Aufschrei wäre aber tatsächlich Hysterie gewesen.

Man mag auch hinterfragen, ob der mediale Terz im vorliegenden Fall nicht lediglich Heuchelei ist. Das wäre eine Auseinandersetzung mit der medialen Öffentlichkeit. Meinetwegen.

Aber hier geht es noch um eine andere Ebene. Und da wird es wichtig. Das Horst-Wessel-Lied ist in seinem Text reine, unverfälschte und eindeutige Naziideologie. Dieser Ideologie darf nicht ein Quentchen Öffentlichkeit gegeben werden. Wäre es um den Text gegangen, wären wir uns hier auch schnell einig, hoffe ich. Nun haben wir bei einem Lied es Problem der Melodie. Die Melodie eines Liedes assoziiert den Text. Für die Selbstkontrolle: Selbst wenn man das berühmte Streichquartett von Haydn hört, schwingt im Inneren die Hymne der Bundesrepublik mit. Kann ich also annehmen, dass die Melodie eines Propagandaliedes seinen Text assoziiert? Ja, das kann ich. Kann ich das auch dann unterstellen, wenn der Interpret eigentlich eine andere Absicht hatte, diese aber im Vorfeld nicht darstellte? Ja, auch das kann ich. Die Melodie hat das Problem, dass sie nicht eindeutig ist. Solange sich der Interpret nicht durch Erklärung oder Interpretation von der Möglichkeit der Assoziation abgrenzt, ermöglicht er die Assoziation. Im besten Fall für den Interpreten gesteht man ihn zu, dass er nichts von all dem wusste. Dann kann man ihm keine Schuld geben. Und genau das geschieht im vorliegenden Fall. Aber egal ob Schuld oder Unschuld, bewusst oder unbewusst. Mit der Möglichkeit der Assoziation kann das als öffentliche Darstellung faschistischer Ideologie bewertet werden.

Ich habe hier überall das Wörtchen "kann" verwendet. Es muss nicht so gemacht werden. Das Problem der Sache ist die Abgrenzung. Wo fängt man mit solchen Auseinandersetzungen an, wo lässt man sie. Tja, da gibt es in einer Demokratie nunmal keine harte Abgrenzung. Jedem steht sein eigenes Urteil frei. Am besten, man diskutiert die Sache offen und mit Respekt.

Ciao Rainma2


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#22

RE: Hysterie oder nicht?

in Themen vom Tage 24.09.2011 13:00
von Nostalgiker | 2.743 Beiträge | 682 Punkte
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Den von Rainman2 eingebrachte Aspekt das eine bestimmte Melodie bestimmte "Bilder" oder Texte assoziiert kann ich vorbehaltlos zustimmen.
Es ist wie er richtig sagte ein "kann" Problem und kein muß Problem.

Die Schwierigkeiten mit einem anderen Musikstück, einer Melodie gab es bei mir beim ersten hören der symphonische Dichtung "Le Préludes" von Liszt. Beim Finale dachte ich mir was ist denn jetzt loß? Siegen wir wieder an der Ostfront?
Ganz einfach, die Siegesmeldungen im zweiten Weltkrieg wurden im Rundfunk/Wochenschau genau mit dieser Musik angekündigt.
Ich kannte das aus Dokumentarfilmen über die Zeit und dachte bis dahin das diese Musik nur für diese Art Meldungen extra geschrieben wurde.

Eine LP mit diesem Werk erschien wohl erstmalig 1986 in der DDR, ansonsten wurde es in Konzerten nicht gespielt. jedenfalls ist mir nichts bekannt.
Beim ersten hören der Platte, genau als die Schlußfanfare einsetzt; klack und ich sehe die visuelle Einleitung in der Wochenschau zur Siegesmeldung und Frontberichterstattung vor meinem geistigen Auge.
Obwohl ich die Zeit des Dritten Reiches selbst nicht erlebt habe, einfach noch nicht auf der Welt gewesen, ist dieses Bild beim hören der Melodie da. Ob ich will oder nicht.

Übrigens wurde das Werk in der BRD bereits seit Ende der 60er Jahre wieder gespielt und das war natürlich ein gefundenes Fressen für die ideologische Kriegsführung aus offizieller DDR Sicht.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler


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