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#21

RE: Neu seit heute

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 14.04.2009 19:50
von Pitti53 | 9.918 Beiträge | 6468 Punkte
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sicher gab es dort auch vernünftige.aber die hab ich erst nach der wende kennengelernt


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#22

RE: Neu seit heute

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 15.04.2009 08:29
von sentry | 1.513 Beiträge | 1631 Punkte
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der olle oberst war immer noch da?
Ja war er, Oberst Mann, von (fast) allen nur Obst genannt.

Vielleicht nochmal was zu SiK und PKE.
Prinzipiell war die SiK Marienborn eine ganz normale Grenkompanie mit Offizieren, Unteroffizieren und Soldaten...ca 100 Mann an der Zahl, von denen bestimmt mindestens 80 ganz normale Soldaten im Grundwehrdienst waren. Sie war definitiv keine "Unteroffizierseinheit mit spezieller Ausbildung".
Man muss allerdings SiK und SiK unterscheiden. Es gab bei den Grenztruppen Sicherungskompanien außerhalb des GÜSt-Umfeldes die tatsächlich für besondere Aufgaben bereitgehalten wurden. Diese Einheiten kann man aber nicht unbedingt mit den Sicherungskompanien an den GÜSten in einen Topf werfen.
Sicher waren SiK-Soldaten irgendwie vorsortiert. Zu meiner Zeit war es z.B. so, dass Grundwehrdienstler 3 Monate Grundausbildung in einem Grenzausbildungsregiment (GAR) hatten, bevor sie an die Grenze gingen. Soldaten die an eine GÜSt versetzt werden sollten, wurden im gleichen Regiment in einer gesonderte Ausbildungskompanie mit 6(!) Monaten Grundausbildung überzogen.
So eine GÜSt ist ja naturgemäß ein Loch im Zaun gewesen. Da stellt man sicher nicht jeden hin, wenn man seinem Volk pauschal Fluchtgedanken unterstellt.
Allerdings gilt das sicher für die Grenztruppen im Allgemeinen. Der wesentliche Unterschied des SiK-Soldaten war, dass er im Grenzdienst in der Öffentlichkeit stand. Er konnte täglich von tausenden Reisenden "bei der Arbeit" beobachtet werden. "Jeder Grenzer ist ein kleiner Außenminister", war der immer wieder gehörte Spruch, der uns an ein akurates Auftreten und gute Dienstdurchführung erinnern sollte. Der SiK-Grenzer ging denn auch nicht im Felddienstanzug und russisch anmutenden Knobelbechern sondern in Berufsoldatenuniform mit Schirmmütze, Krawatte, Offiziersstiefeln und Uniform mit Stiefelhosen aus anständigem Material auf Grenzdienst. Diese Klamotten gab es für normale Zeitsoldaten sonst gar nicht in der DDR.
Und wenn ich mich dann an meine ehemaligen Kameraden zurückerinnere, waren das auch keine besonders linientreue, zuverlässige, dunkelrote Genossen. Es war ein ganz normaler Querschnitt junger Männer, wie man sie an jedem anderen Ort der DDR auch hätte finden können. Es gab Junge und Alte, nicht mehr Parteiniks, Abiturienten, Bauern oder Maurer als in anderen Gegenden und alle hatten genauso viel (oder wenig) Schei* im Kopp, wie alle anderen Teens und Twens weltweit eben auch. Selbst die Grenzdienstdurchführung, die dort so enorm hoch angebunden war, war in vielen Fällen sehr leger, wenn nicht sogar sträflich - Beispiele habe ich genug.

PKE...mittlerweile hat sich bei vielen 'rumgesprochen, dass die gesamte Passkontrolle, trotz Grenztruppenuniformen in den Händen des MfS lag. Wir SiK-Soldaten gehörten zu den wenigen, denen dieser Umstand schon immer bekannt war, denn wir mussten alle, auch die PKEler auf dem Weg zur Arbeit beim Betreten der GÜSt kontrollieren. Und sie hatten alle die berühmten kleinen querformatigen Klappausweise, wo eben in der Kopfzeile "Ministerium für Staatssicherheit" stand. Als frischem Soldaten hat einem das noch Herzklopfen beschert, später war es dann normal, als man realsierte, dass die dort bloß Pässe kontrollieren.
Zwischen SiK und PKE gab es auf allen Ebenen so ein bisschen Machtspielchen.
Chef der GÜSt war eigentlich der Kommandant - wir erinnern uns: Obst Mann. Der war strukturell der SiK zugeordnet...Chef war also ein Grenztruppen-Mann, vertreten im Tagesdienst durch den DHO. Das hat sicher einer Menge höhrere MfS-Offiziere gar nicht geschmeckt und so waren die Weisungsbefugnisse innerhalb der GÜSt wphl nicht immer ganz eindeutig. Heutzutage denkt man irgendwie immer in der DDR hatte die Stasi das letzte Wort. Das ist sicher so nicht richtig, aber wie bei allen Legenden ist immer ein Körnchen, na sagen wir mal ein Korn, Wahrheit dabei.
Der SiK-Soldat als niedrigster Dienstgrad wiederum, konnte natürlich einen PKE-Offizier nicht viel anhaben, er musste sogar seinen Anweisungen gehorchen, sofern diese nicht seinem Grenzdienstauftrag am jeweiligen Postenpunkt widersprachen. Aber der Soldat war an der Eingangskontrolle Chef. Er entschied, wer wann und auf welche Art und Weise kontrolliert und eingelassen wurde.
Man kann sich denken, dass sich daraus so ein kleiner Teufelskreis entwickelte, der in gegenseitige Abneigung mündete. Der nicht besonders geliebte MfS-Offizier wird besonders penibel kontrolliert und wo es geht gepiesackt; wenn der Bäcker und der PKEler gleichzeitig kommen, wird erst der Bäcker kontrolliert, Schranke auf, Schranke zu, dann zum PKEler gehen, jedes Wort im Ausweis lesen, langsam zur Schranke....ihr versteht schon.
Im Gegenzug beobachtet der PKEler jeden Schritt genau und meldet alle Verstöße brühwarm an den Kompaniechef... Auch hier kann ich mehrere interessante Anekdoten zum Besten geben.
Interessanterweise hatten wir zu Zöllnern ein sehr gutes Verhältnis. Einerseits hatten die keinen Grund, den Vorgesetzten raushängenzulassen, andererseits, und das war wohl der Hauptgrund, hatten sie eben nicht diesen berühmten kleinen Ausweis im Querformat...

Abschließend noch meine Zustimmung zu Pitti's letztem Satz:
sicher gab es dort auch vernünftige.aber die hab ich erst nach der wende kennengelernt
Während meines Wehrdienstes ist mir keiner begegnet. Aber heute kenne ich einige, mit denen man absolut ein vernünftiges Wort über das Thema wechseln kann.


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#23

RE: Neu seit heute

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 15.04.2009 09:42
von manudave (gelöscht)
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Sehr interessanter Bericht.

Vielen Dank dafür


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#24

RE: Neu seit heute

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 15.04.2009 11:32
von sentry | 1.513 Beiträge | 1631 Punkte
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Vielleicht einmal ein ganz praktisches Beispiel aus meiner Dienstzeit, die das Verhältnis SiK/PKE hervorragend wiederspielgelt:
Auf der GÜSt Marienborn Eisenbahn wurde der rückwärtige Raum der Sicherstellung durch den Postenpunkt B5 bewacht. Das war an der innerdeutschen Grenze etwas Besonderes, denn auf diesem Postenpunkt stand ein einzelner Soldat im Grundwehrdienst, also nicht wie üblich mindestens ein Postenpaar. Gut, die Eisenbahn-GÜSt lag ca. 5 km im Hinterland und die B5 musste nachts nicht besetzt werden, aber ein einzelner Soldat mit AK-47 und 60 Schuss allein im Grenzgebiet - da schickte man nicht jeden hin.
Er hatte dort alle ein- und ausgehenden Personen zu kontrollieren - PKE, Zoll, Bahner, Lieferanten, Zivilangestellte und Gäste, wie Omis aus dem Dorf, die dort in der Kantine Mittag aßen. Üblicherweise kamen die zu Fuß, für die Einfahrt mit Kfz war zusätzlich zum Berechtigungsausweis eine "Parkkarte" erforderlich, die die Mitnahme des Kfz authorisierte.
Der Posten hatte eine ziemlich geräumige beheizte Bude mit Tisch, Stuhl, Schrank, Telefon und großem Fenster. Die Waffe stand üblicherweise an den Tisch gelehnt und der Posten hat auf dem Stuhl rumgekippelt und sich gelangweilt oder gegen Vorschriften verstoßen (gelesen oder so). Wenn jemand kam, sollte er aufstehen, die Waffe umhängen, rausgehen, kontrollieren, ggf. Tor öffnen und alles wieder auf Anfang.
Eines Tages saß Gefreiter H. auf dem Posten und ein PKE-Offizier wollte mit seinem Lada in die GÜSt einfahren. Gefr. H. startete vorschriftsmäßig und wollte sich den Ausweis und die Parkkarte zeigen lassen. Der Oberleurtnant hielt jedoch nur die Parkkarte bereit.
Gefr. H. bestand zusätzlich auf den MfS-Ausweis, während der Oltn. meinte, die Parkkarte würde als Authorisierung ausreichend sein. Es entspann sich ein kurzer, heftiger werdender Disput. Gefr. H meinte korrekterweise, die Parkkarte gestatte nur die Mitnahme eines Fahrzeuges, sage jedoch nichts über die Authorisierung des Fahrers aus. Das wollte (oder konnte) der Oltn.(dann aber nicht mehr) bestätigen. Das Wortgefecht mündete darin, dass Gefr. H. sagte: "Ich setze mich jetzt dort in meine Hütte, und wenn Sie mir Ihren Ausweis zeigen wollen, können Sie reinkommen und das tun." Darauf der Oltn.: "Dann öffne ich mir das Tor eben alleine." "Das werden Sie nicht tun!", sagte Gefr. H., setzte sich in seine Hütte, legte demonstrativ (und zum erstenmal vorschriftswidrig) seine Waffe auf den Tisch und wartete. Nach kurzer Zeit kam der Oltn. dann wohl oder übel an die Tür, zeigte seinen Ausweis, Gefr. H. öffnete ihm das Tor und ließ ihn lächelnd Haltung annehmend und salutierend ein.
Natürlich beschwerte der Oltn. sich umgehend bei unserem KC, der eigentlich ein Ars* ud so gar nicht soldatenfreundlich war. Trotzdem ließ er nie unberechtigte Kritik auf seine handverlesene Einheit kommen. (Man erzählte sich, der Kommandant würde sich die Leute persönlich aussuchen, die zur SiK Marienborn sollten.)
Der KC hat also die Vorgehensweise von H. anständig verteidigt, weil sie in seinen Augen völlig korrekt war.
Dennoch wurde, durch geheime Mächte veranlasst, nachfolgend festgelegt, dass zum Befahren der GÜSt Eisenbahn für PKEler das Vorlegen der Parkkarte genügen würde.
So hat also trotz der kleinen Demütigung durch einen einfachen Gefreiten letztendlich doch wieder die PKE gewonnen und eine Entscheidung zu ihren Gunsten erwirkt.


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