Eine Kindheit in vormaurischer Zeit

02.10.2010 17:02
avatar  Angelo
#1
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Christine Brinck schildert eine Kindheit in der DDR, die trotz aller familiärer Geborgenheit von Angst geprägt ist, eine Kindheit, in der sie sich früh den Fallstricken des Denunziantentums stellen musste. Sie gewährt uns einen ungewöhnlichen und sehr persönlichen Einblick in die ersten zehn Jahre des Regimes, Einblick in eine Kindheit in vormaurischer Zeit.Der sozialistische Alltag bleibt draußen vor der Tür. Beim Jugendpfarrer im Schweriner Dom fühlen sie sich wohler als in den Gruppensitzungen der Jungen Pioniere; in preußisch-tatkräftiger Manier eröffnet die Mutter ein Schülerpensionat, um ihre Kinder satt zu kriegen. So trotzt eine verschworene bürgerlich-protestantische Lebensgemeinschaft erfolgreich der geistigen und materiellen Mangelwirtschaft im deutschen Sozialismus. Doch das Leben im Schwerin der 1950er Jahre dringt unerbittlich in den Privatraum Familie ein. Denn selbst in Freundschaften oder auf dem Pausenhof konnte jedes Wort eines zu viel sein.
Wie Menschen mit bedrohlichen Situationen fertig werden, ohne Humor und Tatkraft zu verlieren, wie Kindheit dennoch voller unbeschwerter Momente sein kann und wie man sich zwischen Auflehnung und Rückzug täglich neu arrangiert, davon erzählt die Autorin ganz ohne Selbstmitleid, aber mit scharfem Blick.In einem zweiten Teil verleiht Christine Brinck sehr unterschiedlichen Stimmen Gehör, die die Sehnsucht nach Freiheit, der Verdruss an der Diktatur und schließlich die Flucht aus der DDR verbindet. Etwa einem Tennis-Crack, der sich der Konkurrenz draußen in der Welt stellen wollte und nicht nur im "sozialistischen Ausland", einem Philosophiestudenten, dem die Wahrheit wichtiger war als die Partei, und einem Schweizer Mädchen, das in die bürokratischen Mühlen einer Diktatur geriet. Unaufgeregt im Ton, aber scharfsinnig in der Sache ist dieses Buch ein Dokument aus fast vergessener Zeit und deshalb Aufklärung im besten Sinne des Wortes.


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02.10.2010 17:54
avatar  seaman
#2
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Vielleicht hat die nur ne Macke...

seaman


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02.10.2010 18:10
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#3
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Viele sagen jetzt: Siehste habe ich es dir doch gesagt wie das war bei den Ossis.

Passt aber zur Meinung über die DDR die in der BRD herrscht.


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02.10.2010 18:23
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#4
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Zitat von SFGA
Viele sagen jetzt: Siehste habe ich es dir doch gesagt wie das war bei den Ossis.

Passt aber zur Meinung über die DDR die in der BRD herrscht.




Du weißt natürlich wieder mal wovon Du sprichst? Ich komme aus der Schweriner Ecke, habe die 50er Jahre dort verbracht und weiß scheinbar weniger wie Du! Könntest Du ja auch mit Deinem Lieblingswort "Delier" abtun.
Schönen Gruß aus Kassel.


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02.10.2010 21:10
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#5
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Ich schrieb schon öfters sinngemäß: "Die DDR bestand aus sehr unterschiedlichen Zeiträumen, so der Nachkriegsphase bis Mitte der 50er Jahre, der Stabilisierungs- und Aufbauphase vom Tag der Grenzschließung bis Ende der 60er,anfangs bis Mitte der 70erJahre, der positiven Ruhephase und Erholungsphase bis Mitte der 80er Jahre, dann der bleiernen Zeit bis 1989."
Deine Zeit Wolfgang oder wosch, immer wieder interessant, aber eben nur ein Zeitraum in Reihenfolge und nicht repräsentativ für die gesammte DDR. Ist keine negative Bewertung, nur eine Feststellung.

Rainer-Maria


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02.10.2010 21:16
avatar  94
#6
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94

You, und um genau diesen 'vormaurischen' Zeitraum geht es in dem Buch.
Das man übrigens vielleicht erstmal anlesen sollte, BEVOR man sich zu Statments über die Autorin hinreißen läßt, odär?


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02.10.2010 21:52
avatar  icke46
#7
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Ich nehme an, der Text, den Angelo eingestellt hat, ist der sogenannte "Waschzettel" des Buches, also der Text, mit dem der Verlag das Buch dem Leser schmackhaft machen will. Von daher würde ich @94 schon zustimmen, dass man das Buch erst verreissen sollte, wenn man es wenigstens angelesen hat.

Auch RMR hat - nach meiner Ansicht - genauso recht wie wosch, auch wenn das nun paradox klingen mag. Es gab - auf die einzelne Person bezogen - für jeden die DDR, wie er sie sah. Will sagen, was wosch aus seiner Zeit erzählt, war die DDR, was RMR erzählt, genauso. Und als Aussenstehender oder nicht dabei gewesener sieht man sich das an, und fragt sich, welches wäre damals meine DDR gewesen?

Gruss

icke


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