Stasi in den Truppen

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23.11.2008 08:15von ( gelöscht )
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Stasi in den Truppen

Mich würde mal interessieren, ob Ihr als Soldaten wußtet, dass die Stasi so massiv in der Truppe war.
Mir wurde von einem Prof. des Stolpe-Untersuchungsauschusses die sagenhafte Durchdringen von 1/8 mitgeteilt - sprich 1 IM auf 8 Soldaten.

02.09.2009 20:10von Alfred
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Zu den Zahlen,

im Jahr 1987 waren für die HA I genau 12.585 inoffizielle Mitarbeiter der verschiedensten Kategorie erfasst.

02.09.2009 20:16von ( gelöscht )
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Zitat von Alfred
Zu den Zahlen,
im Jahr 1987 waren für die HA I genau 12.585 inoffizielle Mitarbeiter der verschiedensten Kategorie erfasst.


... das ist zusaetzlich zu den ungefaehr 2.300 hauptamtlichen Mitarbeitern der HA I, richtig?
-Th

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02.09.2009 20:27von Alfred
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Captn,

ja, von den 2.300 Mitarbeitern waren dann wieder rund 1.000 Mitarbeiter, die IM s führten.

Sprich, im Durchschnitt führte ein IM führender MA 12 IM s.

02.09.2009 20:32von ( gelöscht )
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Alfred,

Nun wuerde mich noch interessieren: Gibt's da 'ne Verteilung wieviele IM's auf die Grenztruppen angesetzt waren, und wieviele auf 'den Rest' der NVA?
-Th

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03.09.2009 07:31von sentry
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Zitat von CaptnDelta
Gibt's da 'ne Verteilung wieviele IM's auf die Grenztruppen angesetzt waren, und wieviele auf 'den Rest' der NVA?




Ich habe 'mal online in einem offiziellen Dokument gelesen (leider nicht abgespeichert), dass in den Grenztruppen ein IM-Anteil von 20% angestrebt war.
Bei ca. 50.000 GT-Angehörigen(?) wären das 10.000 IM's gewesen.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass die 20%-Quote bei GT annähernd erreicht wurde. Ich vermute, die Gesamtsumme aller IM's in den bewaffneten Organen zu irgendeinem Stichtag wird höher gewesen sein als 12.585, denn gute 2.500 für alle anderen (außer GT) ist doch ein bisschen knapp, denke ich. Aber vielleicht waren ja auch nicht alle der HA I zugeordnet.

03.09.2009 08:15von ( gelöscht )
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Zitat von sentry

Zitat von CaptnDelta
Gibt's da 'ne Verteilung wieviele IM's auf die Grenztruppen angesetzt waren, und wieviele auf 'den Rest' der NVA?

Ich habe 'mal online in einem offiziellen Dokument gelesen (leider nicht abgespeichert), dass in den Grenztruppen ein IM-Anteil von 20% angestrebt war.
Bei ca. 50.000 GT-Angehörigen(?) wären das 10.000 IM's gewesen.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass die 20%-Quote bei GT annähernd erreicht wurde. Ich vermute, die Gesamtsumme aller IM's in den bewaffneten Organen zu irgendeinem Stichtag wird höher gewesen sein als 12.585, denn gute 2.500 für alle anderen (außer GT) ist doch ein bisschen knapp, denke ich. Aber vielleicht waren ja auch nicht alle der HA I zugeordnet.



Sentry,
Danke fuer die Info. 5:1 waere ja eine Riesenquote, haette ich nicht so hoch vermutet. Waere gut das Dokument zu haben, ansonsten gibt's hier bestimmt bald Zweifler.
Die NVA hatte zuletzt ~155.000 Aktive. 2.500 IM wuerden "nur" eine Verhaeltniss von ~ 60 : 1 ergeben. Waere zwar noch nicht das gleiche Verhaeltniss wie beim Rest der Bevoelkerung, aber so weit weg (nach manchen Angaben) waers auch nicht mehr.

Soweit ich weiss war keine andere Abteilung auser der HA I fuer NVA/GT zustaendig. Vielleicht kann ja der eine oder andere MfS Experte aushelfen wie die Verhaeltnisse tatsaechlich waren.

-Th

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03.09.2009 08:19von Alfred
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Sentry,
die Zahl um die 12.000 ist von verschiedenen Quellen belegt.

Du schreibst ja selbst, angestrebt, dass bedeutet aber auch, dass die Zahl nicht erreicht wurde.

Man sollte auch nicht vergessen, dass es unter den 1 1/2 Jahre Angehörigen im Grundwehr dienst in der NVA nur eine sehr geringe zahl der IM gab. Rein aus organisatorischen gründen.

Es galt immer das Schwerpunktprinzip.

03.09.2009 09:23von sentry
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Zitat von Alfred
Es galt immer das Schwerpunktprinzip.



Was bedeutet das?
Wenn ich davon ausgehe, dass die Hauptaufgabe der IM's bei GT war, potenzielle Republikflüchtlinge frühzeitig aufzuklären bzw. ohnehin schon als "staubig" erkannte bzw. verdächtigte AGT zu überwachen, dann sollte doch der Schwerpunkt bei den Soldaten gelegen haben.

Zwei "meiner" drei Kontrolettis, die mich bei GT überwacht haben, haben im 1. und 2. DHJ lückenlos aneinander gereiht mit mir im Zimmer gewohnt - vermutlich die Idealkonstellation der Überwachung.
Wenn man das induktiv weiter denkt, scheint es eher unwahrscheinlich, dass es unter den 1 1/2-jährigen "nur eine sehr geringe Zahl" IM's gab.
Aber ich gebe natürlich zu: Nix genaues weiß ich nicht.
Vielleicht wurden ja tatsächlich nur 1, 2 Soldaten zu meiner Zeit in meiner Kompanie überwacht. Dann hätten auch 1, 2 soldatische IM's gereicht, also 1-2% der Mannschaftsstärke so einer Kompanie.

03.09.2009 09:31von Alfred
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Sentry,

ich hatte geschrieben "NVA" !! Die GT bildeten wenn man so möchte eine Ausnahme.

Auch die GT gehörten zu den Schwerpunkten.

Zu den Schwerpunkten gehörten immer die Bereiche, die auch für den "Gegner" von Intersse waren. Raketentruppen, das Ministerium für nationale verteidigung und andere wichtige Bereiche, die jeder selbst einschätzen kann.

03.09.2009 11:18von sentry
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Zitat von Alfred
ich hatte geschrieben "NVA"



Ja ok, akzeptiert, die kleine Feinheit war mir entgangen
Dann passt dat schon.

03.09.2009 11:38von Alfred
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Sentry,

wenn ich richtig informiert bin,bezogen sich die ca. 12.000 IM auf den gesamten Bereich der NVA und GT.
Nur gab es eben eine unterschiedliche Dichte der IM, bezogen nach Schwerpunkten.

Und Du mußt beachten, dass bezog sich ja nun nicht nur auf die reine TRUPPE , sondern unter diesen IM waren sicher auch Personen, die im Freizeitbereich tätig waren u.a..


I n einen entsprecheden Beitag schreibt der ehemalige Ltr. der HA folgendes:

Dateianhänge
03.09.2009 12:02von ( gelöscht )
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Hi @ sentry,

hast du per Akteneinsicht deine " Kontrolleure " identifiziert?
Ich habe bereits zwei mal eine solche erfolglos durchgeführt...

Ich weiß nicht, was ich noch machen soll!

MfG

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03.09.2009 12:28von sentry
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Zitat von werraglück
hast du per Akteneinsicht deine " Kontrolleure " identifiziert?



Ja, habe ich. Allerdings weiß ich, dass dieses Ansinnen nicht immer erfolgreich ist, selbst wenn nachgewiesen ist, dass der Betreffende Berichte über Dich verfasst hat.
Die Identifikation des in meinen Ausschnitten genannten FIM "Helmut Müller" wurde mir durch die BStU z.B verweigert, weil eben keine Anzeichen da waren, dass er etwas über mich berichtet hat. Aus dem Kontext heraus kann man nur vermuten, dass es sich um den Kompaniechef oder den Polit gehandelt hat.
In vielen Fällen scheinen allerdings auch einfach keine Möglichkeiten der Identifikation mehr vorzuliegen.

Was hat mir das gebracht?
In einem Fall Genugtuung. Es handelte sich um einen jungen Genossen, den wir von Anfang an in Verdacht hatten, er wäre ein Gummiohr. Er hat's dann auch nicht leicht gehabt in der Kompanie und wurde später aus dem Grenzdienst und der Einheit abversetzt - heute würde man sagen weggemobbt.
Bei den beiden anderen gab's 'ne gute Portion Enttäuschung, weil ich die beiden Kameraden als Freunde angesehen hatte...im Grunde war es mehr so ein "Wow-das-hatte-ich-nicht-erwartet"-Gefühl.
Ich muss aber fairerweise sagen, dass ich in meinen Akten keine negativen Berichte der drei über mich gefunden habe.
Da ich ohnehin zu keinem der Kameraden mehr Kontakt hatte, hatte das auch keine Auswirkungen auf mein weiteres Leben. Sicher würde ich die Kameraden mal damit konfrontieren, aber mehr um rauszukriegen, was da damals wirklich so gelaufen ist.
Ich bin nicht so pauschal-nachtragend, dass ich jemand anspucken würde, nur weil er in dieser Gesellschaft so einen job gemacht hat. Da hätte schon mehr passieren müssen, das mich direkt betrifft.
Viele von den kleinen Schei*ern, die das gemacht haben, hatten sicher gar keine dunkelroten antiimperialistischen Überzeugungsmotive, sondern waren ganz einfach gebauchpinselt, dass die Staatsmacht ausgerechnet sie ausgewählt hat, im Verborgenen Feinde der Arbeiter- und Mauernmacht zu entlarven -
oder waren ganz einfach zu feige, "Nein" zu sagen...

03.09.2009 13:00von ( gelöscht )
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Ok sentry,

ich danke dir für deine offene Antwort.

Vielleicht sind meine Akten vernichtet wurden.
Ich war ja in den Abgesängen der DDR bei den GT, man weiß es nicht und werde es wieder versuchen.
Ich weiß nur, dass ich ewig nicht " raus " durfte, etwa 2 Monate und nur Innendienst oder Hinterlandsdienste hatte.Die Kameraden machten sich schon lustig, von wegen nicht bestätigt und so.
Noch in der Ausbildung hatte ich eine Aussage gemacht in meinem jugendlichen Leichtsinn, die mir das warscheinlich einbrockte.

MfG

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( gelöscht )
03.09.2009 16:26von sentry
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Zitat von werraglück
Vielleicht sind meine Akten vernichtet wurden.



Ach so, bisher las sich das so, als hättest Du Deine Akten. Wenn gar keine gefunden wurde, gibts wohl nichts zu holen bei der BStU.
Üblicherweise ist die Verfahrensweise die, dass Du Deine Personenakte anfordern kannst. Das ist, wie der Name schon sagt, die Akte die eventuell zu Deiner Person (im Gegensatz z.B. zu Vorgangsakten) angelegt wurde.
Wenn in dieser Personenakte IM's erwähnt werden, kannst Du die Offenlegung der Klarnamen der IM's beantragen. Wenn der BStU das möglich ist und sie der Meinung sind, dass es rechtlich in Ordnung ist, schicken sie Dir die Namen zu.
Ich glaube kaum, dass man pauschal beantragen kann, IM's identifiziert zu bekommen, die über einen berichtet haben. Das geht meiner Meinung nach nur, wenn eine Personenakte vorhanden ist.

Darüber hinaus besteht anschließend auch die Möglichkeit Folgeanträge zu stellen, z.B. auf Einsicht in Akten operativer Vorgänge, in die man vielleicht involviert war oder auch Wiederholungsanträge, in der Hoffnung dass über die Jahre vielleicht etwas neues zur Person gefunden wurde.

Definitiv irrig ist allerdings der Glaube, dass man schon eine Akte habe, nur weil man in der Schule ein kleiner Putscher war oder der Politische-Witze-Clown war.
Wir haben in der Schulzeit jede Menge richtigen staubigen Bull* veranstaltet und davon gabs in unseren fetten Akten gar nichts zu lesen.
Ich bin nicht mal sicher, ob der Dienst bei den GT zwingend eine Personenakte erzeugt hat. Ganz so sammelwütig waren die Genossen vom Organ denn doch nicht.

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