Als Deutschland Deutschland schlug – wie die DDR einige der besten Spieler der deutschen Geschichte hervorbrachte

30.09.2020 14:43
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Was hat Toni Kroos, was Sammer und Ballack nicht haben. Genau, einen Weltmeistertitel. Und was macht ihn so besonders? Die Tatsache, dass er der einzige Spieler ist, der im Osten geboren wurde und diesen Titel gewinnen konnte. Und es ist wohl nicht mehr zu erwarten, dass ein weiterer hinzukommt. Denn mehr als 30 Jahre ist der Mauerfall bereits alt, oft genau das letzte Alter von Profifußballern, um noch aktiv zu sein. Hatte der Kaiser Franz Beckenbecker nach der Wende noch gesagt, dass Deutschland aufgrund der „neuen“ Spieler auf Jahrzehnte uneinholbar sein wird, so ist die Realität doch aber eine andere. Wagen wir einen Blick nach vorn und zurück.

Chancen ergriffen – oder auch nicht

Als die Berliner Mauer am 9. November 1989 plötzlich geöffnet wurde, war klar, dass nichts in Ostdeutschland jemals wieder so sein würde wie zuvor. Das galt auch für den Fußball, obwohl es unwahrscheinlich war, dass dies der erste Gedanke vieler in dieser historischen Nacht vor 30 Jahren war. "Das war ein Glücksfall für alle, die dann den Sprung in die Bundesliga geschafft haben", sagte der ehemalige Weltklasse- Stürmer Ulf Kirsten einst in einem Interview. Der bullige Stürmer gehörte zusammen mit Andreas Thom, Matthias Sammer und Thomas Doll zur ersten Generation, um aus der DDR-Liga nach Westen zu fliehen und den Schritt in die neue Nationalmannschaft zu vollenden. "Früher in der DDR hatten wir auch gute Spieler wie Dixie Dörner oder Reinhard Häfner, unzählige Nationalspieler und Olympiasieger", sagte die mittlerweile 54 Jahre alte Kirsten. Aber sie hatten nicht alle das Glück, das andere damals hatten, als 1990 die Gelegenheit kam.

1974 – ein ganz besonderes Jahr für innerdeutsche Angelegenheiten

Die WM 1974 im Westen Deutschlands würde mehr als nur spannenden Sport mit sich bringen; denn wie es das Schicksal so wollte, wurde die DDR und der Westen in die gleiche Gruppe gelost, und dann auch noch als letztes Spiel. Solche Zufälle findet man sonst nur selten. Denn anders wären die beiden Nationalmannschaften vielleicht nie in den Genuss gekommen, vor einem Weltpublikum zu spielen.

Das Turnier sollte Mitte April beginnen, aber einen Monat zuvor glaubte Spieler aus Ostdeutschland noch, dass ihr Fußball vielleicht einen neuen Höhepunkt erreicht habe, als der FC Magdeburg unter dem klugen und ikonoklastischen Trainer Heinz Krügel den Pokal der Pokalsieger gewann. Damit wurde der FCM der erste und letzte – auch wenn andere Teams noch nah herankommen würden in den nächsten 26 Jahren der Teilung – einzige ostdeutsche Verein, der einen großen europäischen Pokal gewann. Die Vereine im Westen hatten jedoch kaum Probleme, da Bayern München wenige Tage nach Magdeburgs Triumph den Europapokal gewann. Sie würden auch für die nächsten zwei Jahre Europas führenden Klubpokal behalten, ähnlich wie es Toni Kroos mit Real Madrid geschafft hatte. Damals waren es aber noch andere Zeiten. Wird Kroos 2022 dann auch der erste – und wieder letzte – Fussballer aus dem ehemaligen Osten, der zweimal Weltmeister wurde? Bei Fußball Wetten Tipps kann man sich diese und ähnliche spannende Fragen stellen.

Mehr Politik als Sport

Das legendäre Spiel fand am 22. Juni statt. In 90 Minuten Fußball sollten fünf Monate voller Vorfreude, Angst und Besorgnis gespielt werden. Neben der unvermeidlichen politischen Aufmerksamkeit ist es wichtig anzumerken, dass auf beiden Seiten der Grenze auch ein großes öffentliches Interesse bestand, nicht so sehr, um eine bestimmte politische Philosophie zu fördern, sondern vielmehr ein Berührungspunkt, ein Zusammenhang zwischen dem geteilten Land und, was noch viel wichtiger ist, die geteilten Menschen.

Es wäre nicht verwunderlich, dass einige im Osten lebende Menschen den Triumph Westdeutschlands herbeisehnten. Beide Teams wurden als Repräsentanten Deutschlands angesehen, daher gab es kaum nationale Rivalitäten, und ein Ergebnis auf die andere Weise würde nur ein unpopuläres Regime stärken, das seinen Ruf auf sportliche Leistungen ausbauen möchte, unabhängig davon, wie sie gewonnen wurden, wie spätere Ereignisse in einer Anzahl anderer Sportarten würde offenbaren. Es war also weitaus mehr als nur ein Fußballspiel; es musste ein für alle Mal gezeigt werden, welches Deutschland in Zukunft den Ton angeben würde, und sei es nur im Fußballsport.


Keine Tore zur Pause

Zur Pause blieb das Spiel torlos. Die Westdeutschen waren eindeutig die dominantere Mannschaft gewesen, aber wie so oft hatten ihre Gegner die beste Chance. Aus unterschiedlichen Gründen hätten beide Trainer Grund gehabt, sich an der Torlinie sowohl frustriert als auch erleichtert zu fühlen. Die zweite Halbzeit begann ähnlich wie die erste.

Die Schlacht gewonnen, den Krieg verloren

Der 30-Jährige Hamann auf Seiten der DDR spielte in einem von nur drei Spielen, in denen er sein Land repräsentieren würde, aber in den nächsten Sekunden würde er eine führende Rolle bei einem der größten sportlichen Erfolge Ostdeutschlands spielen. Er rannte vorwärts und sah auf, als er die westdeutsche Hälfte betrat. Der legendäre Sparwasser beschleunigte in eine Lücke, als die Verteidigung zurück in Deckung ging. Hamann hob einen perfekten Ball, um den Lauf des Angreifers zu treffen. Der Magdeburger Spieler schoss an einem ausrutschenden Beckenbauer vorbei und zeigte die weniger als perfekte Verteidigungsstärke des Libero, als er den Strafraum betrat. Dann schoss er mit dem rechten Fuß an Maier vorbei, um der DDR die Führung zu geben. Die Führung hielt, der Osten gewann über den Westen. Und der Rest ist Geschichte. Nämlich jene, dass die DDR direkt danach sang- und klanglos ausschied, und der Westen zum zweiten Mal nach 1954 Weltmeister wurde. Die DDR hatte zwar die Schlacht gewonnen, den „Krieg“ aber verloren. Und so würde es auch für die kommenden Jahre bis zur Wende aussehen. Zwar würde der Osten immer wieder hervorragende Spieler produzieren und auch beispielsweise bei den Olympischen Spielen für Furore sorgen, aber auf lange Sicht war es den Spielern der DDR nicht vergönnt, sich nachhaltig ein Denkmal zu setzen.

Und heute?

Auch ein Toni Kroos wird nicht jünger. Der Sport im Osten hängt immer noch ein wenig zurück, auch wenn sich Leipzig mit viel Sponsorenpower anstellt, vielleicht bald die Dominanz der Münchener Bayern zu beenden; aber Vereine wie Dynamo Dresden und der 1. FC Magdeburg sind nie wieder ganz nach oben gekommen, von Vereinen wie Tennis Borussia Berlin und Chemnitz, Erfurt und wie sie alle hießen ganz zu schweigen. Und dennoch: Einst war der Osten erfolgreicher als der Westen, wenn auch nur kurz.


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