Flucht über die Demarkationslinie

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14.12.2017 22:22
#31
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... zurückgelassenes pesönliches Eigentum ...
Vor 1961 konnte eine Flucht, jedenfalls im Raum Berlin, einigermaßen geplant werden.
Wer es nicht aus besonderen Gründen sehr eilig hatte, hat versucht, möglichst viel von seinem Eigentum in mehreren Portionen
nach und nach über die Grenze zu bringen. Dazu brauchte man auf der Westseite einen Lagerplatz, aber über die zahlreichen
verwandschaftlichen Beziehungen wurde ja schon geschrieben. Mitunter gab es Fluchthilfe derart, dass Freunde oder Verwandte
beim Transport kleiner Mengen über die Grenze mitgeholfen haben, damit es schneller ging. Der ganze Prozess durfte nicht allzulange dauern.
Wenn im Osten aufgefallen ist, dass eine Wohnung ohne plausiblen Grund immer leerer geworden ist, wurde natürlich Verdacht geschöpft.
Was nicht über die Grenze gebracht werden konnte, wurde oft von Freunden und Verwandten in der letzten Nacht aus der Wohnung geschafft.
Wenn die Abwesenheit der Flüchtlinge bemerkt wurde, war die Wohnung im Idealfall leer. Das hat natürlich nicht immer funktioniert und zurückgebliebene Gegenstände wurden m.W. von staatlichen Stellen einer Verwertung zugeführt. Betroffen waren auch viele Grundstücke. Die blieben zunächst im Eigentum der Flüchtlinge. Ohne Bebauung mit Wohnraum sind sie meist verwildert und wurden sog. Westgrundstücke, Wohnraum wurde von der zuständigen Staatlichen Stelle vermietet.

Gruss Wolfgang


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14.12.2017 22:54
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#32
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Guten Abend, Wolfgang.

Das muss auch eine offensichtlich einfache Möglichkeiten gewesen sein, eventuelle Schulden loszuwerden !!
Weißt du was über nachfolgende behördliche Untersuchungen über betroffene Mittäter/-wisser, gem. Gesetzeslage (Link von eisenringtheo) waren die auch schuldig und mußten Untersuchungen befürchten, verloren die Flüchtlinge z.B. die Rechte aus der Rentenversicherung ?

Gruß
Jan


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14.12.2017 23:25
#33
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Hallo Jan,

Schulden? In der DDR war es für Privatpersonen nicht so einfach, Schulden in Größenordnung anzusammeln.
Außer vielleicht beim Hausbau, aber das konnte man nicht mitnehmen.

Mir ist nicht bekannt geworden, dass gegen wahrscheinlich vermutete Mitwisser und Helfer ernsthaft ermittelt wurde.
Auch das Spitzelsystem der IM muss wohl noch am Anfang gestanden haben weil mir auch nicht bekannt geworden ist,
dass Verhaftungen am Wohnort mitten in den Vorbereitungen erfolgt sind. Das kam wohl so richtig erst nach dem Mauerbau in Schwung.

Über die Rentenversicherung weiß ich nicht viel, aber es war sicher nicht vorgesehen, dass Jemand seine Rente aus DDR-Ansprüchen in den Westen nachgeschickt bekommt. Umgekehrt ging das schon. Es gab DDR-Rentner mit Westrentenanspruch, z.B. aus einer Tätigkeit in Westberlin als Grenzgänger.
Ich kenne Fälle, da wurde die Rente im Westen auf einem Westkonto gesammelt und die Inhaber konnten bei Besuchen oder über Dritte darüber verfügen. Es gab andere Fälle, wo die DDR Behörden davon Wind bekommen haben und der Ost-Rentner musste die West-Rente in die DDR überweisen lassen. Da gab es dann ein Westgeldkonto, über das der Inhaber nur eingeschränkt verfügen konnte.

Gruss Wolfgang


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14.12.2017 23:26
#34
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Zitat von Viehler im Beitrag #30
http://www.verfassungen.de/de/ddr/strafrechtsergaenzungsgesetz57.htm

Guten Abend, eisenringtheo,

im o.a. Link ist eine Befehlsverweigerung ein Straftatbestand, sollte das nicht eine Gehorsamsverweigerung sein, zumindest. das Soldatengesetz der Bundesrepunlik kennt den Begriff.

Gruß
Viehler

Das Stratrechtsergänzungsgesetz ist eine Ergänzung des Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich von 1871. Was dort drin steht weiss ich nicht. Gehorsamsverweigerung ist nichts anderes als Befehlsverweigerung, zumindest in der Armee, wo alles durch Dienstvorschriften geregelt ist, die eigentlich als Befehle zu betrachten sind.


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14.12.2017 23:33
#35
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Zitat von diefenbaker im Beitrag #33
(...)
Über die Rentenversicherung weiß ich nicht viel, aber es war sicher nicht vorgesehen, dass Jemand seine Rente aus DDR-Ansprüchen in den Westen nachgeschickt bekommt.(...)
Gruss Wolfgang

WIMRE kriegten selbst DDR Rentner, die legal übersiedelten, keine Rente aus der DDR überwiesen. Die Rentenanwartschaften von Übersiedlern in die BRD wurden vermutlich als sogenannter Mutationsgewinn in den Büchern der DDR Rentenkasse verbucht.


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14.12.2017 23:36
#36
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Zitat von diefenbaker im Beitrag #33
Hallo Jan,

Schulden? In der DDR war es für Privatpersonen nicht so einfach, Schulden in Größenordnung anzusammeln.
(...)
Gruss Wolfgang

Fünf Minuten Vergnügen, achtzehn Jahre dafür bezahlen. Ich vermute, Väter haben versucht, sich durch Flucht in den Westen, ihren Verpflichtungen aus der Vaterschaft zu entziehen.


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14.12.2017 23:58
avatar  andyman
#37
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Zitat von eisenringtheo im Beitrag #35

WIMRE kriegten selbst DDR Rentner, die legal übersiedelten, keine Rente aus der DDR überwiesen. Die Rentenanwartschaften von Übersiedlern in die BRD wurden vermutlich als sogenannter Mutationsgewinn in den Büchern der DDR Rentenkasse verbucht.

Von einer Großtante die 1970 als Rentner nach F/Main übergesiedelt ist, weiß ich das ihr Rentenanspruch nach bundesdeutschem Recht neu berechnet wurde und sie davon gut leben konnte.Die bisherige DDR-Rente wurde nicht weitergezahlt.
Lgandyman

Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius


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15.12.2017 00:05 (zuletzt bearbeitet: 15.12.2017 00:09)
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#38
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Zu #32, Hallo Viehler, als Flüchtling aus der DDR, wurden mir meine gesammten Rentenansprüche aus meiner DDR-Zeit laut meinem SV-Ausweis in der BRD so berechnet, als hätte ich diese Zeit in der BRD gearbeitet (auch die Zeit bei der DGP). Also in Rentenpunkte West berechnet, genau wie die Zeit nach meiner Flucht bis zum Rentenbeginn.

Cambrino


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15.12.2017 03:43 (zuletzt bearbeitet: 15.12.2017 11:10)
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#39
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Zu #28 Hallo Viehler, wenn du das meinst, die Durchreise und Aufenthalt von DDR-Militärangehörigen (NVA und DGP), da kann ich dir keine Gesetze nennen, aber so war es. Es gab ja auch vor 1961 direkt in Berlin an der Sektoren Grenze zwischen Ost und West Berlin nicht die Grenzpolizei der DDR, so weit ich weiß.
Das hatte wohl noch was mit dem 4 Mächte Abkommen zu tun(die 4 Sektoren der 4 Siegermächte des 2. WK). Ostberlin war damals noch Sowjet-Sektor von Berlin. Aber es gab auch im Sowj. Sektor natürlich Volkspolizei, AZKW (Zoll), Trapo (Bahnpolizei) u.a. Die DGP war damals nur am Außenring um Westberlin. Mehr kann ich dir dazu auch nicht sagen.

Cambrino


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15.12.2017 19:34 (zuletzt bearbeitet: 15.12.2017 19:36)
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#40
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Es gab auch lange noch (weit in die 70er Jahre) Kontrollposten an den Grenzen von Ost-Berlin zur DDR! An großen Ausfallstraßen. Häuschen mit Schranke und Fahnenmast, so ungefähr, und davor ein Polizist oder sogar GTler(?). Da wurde man mit West-Auto öfter mal kontrolliert, ob man vorher auch die angrenzenden DDR-Bezirke im Passierschein beantragt hatte und nicht etwa nur Ost-Berlin. Dann hätten sie sich gefreut.


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15.12.2017 19:38
avatar  GZB1
#41
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Das waren VP-Posten.


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15.12.2017 20:42
avatar  Ehli
#42
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Die kontrollierten auch DDR-Autos,damit niemand zuviel Lebensmittel aus Ost-Berlin mitnahm(zb.Frühkartoffeln) oder andere Mangelware.
Dann gab es auch das "Berlinverbot" für bestimmte Bürger der DDR.

Ehli
Ich habe es mir nicht ausgesucht, ein Ossi zu sein....
Ich hatte einfach Glück!

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15.12.2017 22:36 (zuletzt bearbeitet: 15.12.2017 22:40)
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#43
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OT: Dann gab es noch die sowjetische Militärpolizei. In Magdeburg kurz vor der Autobahn, wenn man die Strecke von "Reform" kam, gab es zum Beispiel einen Posten. Die kontrollierten aber vor allem "CA"-Militärlaster, die Richtung Autobahn fahren wollten.

Quelle: http://www.fahrzeugbilder.de/bilder/russ...reffen-2002.jpg

Das war meine Harzroute übrigens. Weiter via Halberstadt nach Wernigerode.


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15.12.2017 23:56
#44
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@Harzwanderer

... Es gab auch lange noch (weit in die 70er Jahre) Kontrollposten an den Grenzen von Ost-Berlin zur DDR. ...

Bist Du Dir mit dem Zeitraum sicher? Ich meine, dass es in den 1960er Jahren aufgehört hat.
In den 1970er bin ich als Westbesucher durch Ost-Berlin in die angrenzenden Bezirke gefahren und habe an der Stadtgrenze keine Kontrollen
mehr erlebt.

Gruss Wolfgang


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16.12.2017 08:19 (zuletzt bearbeitet: 16.12.2017 08:23)
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#45
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Das formelle Ende soll erst am 1.1.77 gewesen sein. Aber vorher waren viele Posten schon unbesetzt oder durch fest stationierte Streifenwagen ersetzt worden.


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