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#1

Eine Geschichte meiner Schulzeit

in DDR Zeiten 20.01.2017 21:03
von hartmannsteffen | 6 Beiträge
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Schuldisko



Bin ziemlich aufgeregt. Am Nachmittag, Schuldisko in unserem Klassenzimmer. Weiß nicht, was ich anziehen soll. Meine Mama hat mir Sachen rausgelegt. Die hässlichen grauen Schlaghosen und den noch hässlicheren karierten Westover. Frage mich, wer so mit mir tanzen soll. Sicher nur meine Lehrerin und das auch nur aus Mitleid. Egal.

Im Unterricht alle schon in Gedanken bei der Disko. Mischa hat seine Westklamotten an. Der kommt bei den Mädels an. Peter rennt noch mal auf Klo. Zum vierten Mal. Ich mache wieder 'nen Strich in mein Mathe-Heft. Gut so. Karsten baggert immer noch an Konstanze und schenkt ihr ne ganze Packung Westkaugummi. Alles klar. Die tanzt heute mit ihm. Ich hab nichts zu bieten. Vielleicht einen selbst gehäkelten Topflappen?

Vierzehn Uhr. Der geordnete Wahnsinn. Die Gardinen sind zu, irgend so ein Typ aus der Zehnten machte Musik. Das ist der Typ, der immer an Konstanze baggert und die kleinen in den Dreck schubst. So ein Arschloch, denke ich mir und setze mich neben Mischa. Der kaute seinen Westkaugummi und grinste zu Evi. Aha, so geht das also.

Evi hat wieder ihr T-Shirt mit der Werbung an. Sie muss es aber nicht ausziehen, denn sie hat nichts drunter …glaube ich. Simone tanzt mit Moni nach 'nem Lied von Smokie. Beide haben hautenge Jeans an. Bei Moni sieht man den West-Lippenstift und bei Simone die Schlüpfer. Wirklich schön und nicht egal.

Jetzt tanzt Peter mit Moni. Tatsächlich hält die Blase das ganze Lied über. Ich zeige Peter meinen Daumen und mein Mathe-Heft. Der grinst und kuschelt sich an Moni. Mischa greift an und tanzt mit Evi. Seine Hände an ihrem Arsch. Wenn das die Lehrerin sieht, wird sie vielleicht neidisch. Egal.

Siebzehn Uhr und ich hab noch nicht einmal getanzt. Peter war dafür gerade wieder auf Klo und Mischa mit Evi draußen. Jetzt hat die plötzlich 'nen roten Fleck am Hals. Das Arschloch aus der Zehnten war verschwunden und Konstanze auch. Die Musik lief weiter. Meine Lehrerin schaute zu mir. Hoffentlich würde sie mich nicht …nein. Bloß gut.

Das Arschloch aus der Zehnten ist wieder da und Konstanze auch. Die hatte 'nen hochroten Kopf. Vielleicht vom 60-Meter Lauf? Auch egal. Ich langweilte mich und malte Simones Arsch auf ein Löschblatt. Jetzt kam Moni und wollte mit mir tanzen. Ich gab ihr 'nen Korb weil ich mit der Zeichnung noch nicht ganz fertig war. Die zeigte mir 'nen Vogel und ging zu Karsten. Ich grinste blöd und wischte mir den Rotz an mein Hemd. Taschentuch hatte ich vergessen. Egal.

Ende der Veranstaltung. Alle am Nörgeln, weil schon Schluss war. Mischas Hände noch immer an Evis Arsch, Karsten hatte die Hände um Monis Hüfte und war feuerrot im Gesicht. Peter war wieder mal pulleren, denke ich. Konstanze quatschte mit dem Arschloch der Zehnten und ich? Ich hatte wieder etwas fürs Leben gelernt. Ziehe deine beschissensten Klamotten an und dir bleiben rote Flecken am Hals erspart. Fertig.



andyman, Klauspeter und prignitzer haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#2

RE: Eine Geschichte meiner Schulzeit

in DDR Zeiten 21.01.2017 11:57
von Klauspeter | 1.283 Beiträge | 1878 Punkte
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Eine hübsche Geschichte aus Deiner Schulzeit und gut geschrieben.
Schuldisko in einem DDR-Klassenzimmer; sicherlich warst Du damals fast oder schon 14 Jahre alt.

Für mich war interessant, was für eine Rolle damals für Jugendliche Westklamotten, Westkaugummi, ein West-T-Shirt oder West Lippenstift spielten. Zu dieser Zeit war ich fast 40 Jahre; Offizier der NVA und da waren Pakete aus dem Westen nicht drin. Manchmal taten mir meine Kinder etwas leid - meine Tochter hätte sicher gern so ein paar moderne West-Jeans gehabt oder ein T-Shirt mit Werbung. Ging nicht, wegen der Dienstvorschriften. Ich beklage mich auch nicht aber meine beiden Kinder taten mir manchmal doch etwas leid, weil ich sah, wie modern ihre Freunde und Freundinnen gekleidet waren. Sie jammerten nicht, maulten nicht herum, sondern hielten zu ihren Eltern.

Leider gab es hier im Forum keine Reaktionen auf Deine Geschichte. Nicht einmal einen Ein- oder Zweizeiler gab es. Du hast Dich angestrengt und fleißig getippt - aber Null-Reaktion.
Lass Dich nicht entmutigen und schreib weiter hier.

Gruß Klaus



hartmannsteffen hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#3

RE: Eine Geschichte meiner Schulzeit

in DDR Zeiten 21.01.2017 12:22
von Freienhagener | 7.537 Beiträge | 16570 Punkte
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Die Geschichte von Steffen berichtet von ganz normalen Abläufen, wie sie logischerweise überall, auch im Westen vorkamen: Konkurrenz um die Gunst von Mädels.
Die damalige offizielle Praxis, Äußerlichkeiten, wie Haar- und sonstige Mode, zum Problem zu mache, hat unnötigen Verdruß erzeugt und die Jugend erst politisiert.
In einer Filmdoku fiel der Satz: "Wir wollten doch nur frei sein, unsere Musik hören". Dabei war mit Freiheit zunächst nicht die politische Kategorie gemeint.

Ich war zu jung, um die "Leipziger Beatdemo" mitzubekommen.

Danach waren entsprechende Livekonzerte selten, mir unbekannt.

1969 erlebte ich deswegen zuerst die "Konserve", also Disko, von der FDJ organisiert. Um die Leute anzulocken, war der Eintritt anfangs frei und der Zuspruch so groß, daß man sich im Gedränge kaum rühren konnte. Aber man erlebte mit Begeisterung, daß die ansonsten nur im Radio gehörten Titel laut in einem Saal erklangen.

Kurz danach begannen wieder Rockbands Livekonzerte zu geben.
Meine Firma (Energiekombinat) hatte im Kraftwerk "Thälmann" in Connewitz (für die Leipziger erwähnt) einen großen, modernen Saal mit Bühne.
Einige Lehrlinge aus Marienbrunn, welche die "Klaus-Renft-Combo" persönlich kannten, organisierten dort 1970 ein "Blues-Konzert".
Das interessierte mich zunächst kaum. Aber zu Feierabend haben mich die Töne der Proben angelockt.
Ich hinein in den Saal und total erstaunt:
Da spielte eine richtige Rockband, mit Elektrogitarre usw. ............Wahnsinn.
Abends bin ich dann zu meinem ersten Rockkonzert.

Gruß
Micha

Hallo Klaus, Deine Altersangabe und auch Dein Foto offenbaren, daß Du (fast) zu meiner Elterngeneration gehörst. Meine Eltern waren in Sachen Musik und Mode auch tolerant, ohne darüber ein Wort zu verlieren.
Vielleicht, weil sie in ihrer Jugend den von den Alten ebenso verpönten Swing hörten und tanzten.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


Klauspeter, furry und prignitzer haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 21.01.2017 12:38 | nach oben springen



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