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#361

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 25.10.2017 12:39
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da sind gute Leute gefragt,aber nein,was macht dein Verein,
schickt aussortierte und zu nichts mehr gebrauchende Mitarbeiter ausgrechnet
zur Beobachtung ausländischen Botschaften,kein Wunder das sich viele Mitarbeiter
alles andere als professionell dabei verhalten haben
Lutze


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#362

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 25.10.2017 13:28
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Du hast ja einen Haufen Ahnung und scheinst viele dieser ehemaligen MA gekannt zu haben, um so ein Urteil abgeben zu können.



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#363

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 25.10.2017 13:30
von Alfred | 7.906 Beiträge | 3988 Punkte
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Zitat von Lutze im Beitrag #361
Genau,Probleme mit der Politik,
da sind gute Leute gefragt,aber nein,was macht dein Verein,
schickt aussortierte und zu nichts mehr gebrauchende Mitarbeiter ausgrechnet
zur Beobachtung ausländischen Botschaften,kein Wunder das sich viele Mitarbeiter
alles andere als professionell dabei verhalten haben
Lutze


Lutze,

dass waren keine "aussortierten " und auch keine für nichts anderes zu gebrauchenden Mitarbeiter.

Beschäftige dich ganz einfach mal mit der Problematik, dann wirst Du erkennen, welche Diensteinheiten des MfS, mit welchen Aufgaben betraut waren. Es gab z.B. eine HA II / 3 , eine HA II / 12 , HA II/ 17, HA II / 18 nur mal als kleinen Hinweis.



zuletzt bearbeitet 25.10.2017 13:35 | nach oben springen

#364

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 25.10.2017 13:35
von Merkur | 1.239 Beiträge | 910 Punkte
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@Lutze, Du solltest die Sache schon umfassend und hintergründig betrachten. Das da nun ein paar auffällig unauffällige Mitarbeiter rumstanden ist geschenkt und war letztlich gewollt, um Präsenz zu demonstrieren. Es ging bei der Sicherung von ausländischen diplomatischen Vertretungen allerdings bei Weitem nicht nur darum, irgendwelche Besetzungen und dergleichen zu verhindern. Die HA II hatte vor allem die Sicherheit der in der DDR ansässigen diplomatischen Vertretungen unter allen Lagebedingungen zu gewährleisten. Und dazu verfügte sie im Sicherungsbereich Berlin-Mitte über professionelle Terrorabwehrkräfte, die jederzeit hätten eingreifen können. Diese Kräfte waren in entsprechenden Stützpunkten vor Ort und handelten für Dritte nicht wahrnehmbar. Dazu kam die Sicherung mit technischen Maßnahmen usw. Und es ist ja heute auch kein Geheimnis mehr, dass das MfS einen Schlüssel für die StäV hatte....



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zuletzt bearbeitet 25.10.2017 13:41 | nach oben springen

#365

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 25.10.2017 14:16
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Es muss wirklich eine "tolle Truppe" WKM gewesen sein,was man hier so liest,
trotz alledem,meine Hochachtung hält sich in Grenzen
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#366

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 25.10.2017 14:30
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Soweit mir bekannt, ist jeder Staat zum Schutz ausländischer Vertretungen verpflichtet.
Trotzdem werden nicht alle Botschaften oder Konsulate durch Wachpolizei gesichert, dass richtet sich immer nach dem
Gefährdungsgrad, der durch das BKA ermittelt wird.

Wurden denn ALLE westlichen Botschaften durch WKM gesichert ?

Was mich immer etwas verwundert, ist, dass man auf staatlicher Ebene wohl tatsächlich daran geglaubt hat, dass es einen bewaffneten Anschlag auf eine dieser
Botschaften hätte geben können.
Daraus ergab sich dieser immense Aufwand sogar Terrorabwehrkräfte dafür vorzuhalten.
Ich frage mich jedoch, welcher ernsthaft überlegende "Terrorist" wäre denn auf die Idee gekommen in der Zone einen Anschlag auf eine Botschaft zu verüben?!?!
Dieses Unternehmen wäre doch von vornherein völlig zum scheitern verurteilt.
Selbst wenn eine Geiselnahme erfolgreich gewesen wäre, eine Flucht wäre ja nun unmöglich gewesen.

Gruß Frank



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#367

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 25.10.2017 14:47
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Es soll meines Wissens Terroristen geben, denen es egal ist, ob sie bei/nach einem Anschlag umkommen oder für was auch immer auf der Strecke bleiben. Diese Fanatiker planen keine Flucht und es geht einzig um die aus ihrer Sicht erfolgreiche Durchführung der Aktion.



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zuletzt bearbeitet 25.10.2017 14:54 | nach oben springen

#368

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 25.10.2017 15:08
von Alfred | 7.906 Beiträge | 3988 Punkte
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Zitat von Zkom IV im Beitrag #366
Soweit mir bekannt, ist jeder Staat zum Schutz ausländischer Vertretungen verpflichtet.
Trotzdem werden nicht alle Botschaften oder Konsulate durch Wachpolizei gesichert, dass richtet sich immer nach dem
Gefährdungsgrad, der durch das BKA ermittelt wird.

Wurden denn ALLE westlichen Botschaften durch WKM gesichert ?

Was mich immer etwas verwundert, ist, dass man auf staatlicher Ebene wohl tatsächlich daran geglaubt hat, dass es einen bewaffneten Anschlag auf eine dieser
Botschaften hätte geben können.
Daraus ergab sich dieser immense Aufwand sogar Terrorabwehrkräfte dafür vorzuhalten.
Ich frage mich jedoch, welcher ernsthaft überlegende "Terrorist" wäre denn auf die Idee gekommen in der Zone einen Anschlag auf eine Botschaft zu verüben?!?!
Dieses Unternehmen wäre doch von vornherein völlig zum scheitern verurteilt.
Selbst wenn eine Geiselnahme erfolgreich gewesen wäre, eine Flucht wäre ja nun unmöglich gewesen.

Gruß Frank



Ein kleiner Auszug:



" Nach dem Anschlag auf die Diskothek »La Belle« in Westberlin ersuchte
der Botschafter der USA die DDR-Behörden um besonderen Schutz für in
Westberlin stationierte Angehörige der US-Army. Man habe – so hieß es
von offizieller Seite der USA – Informationen, daß gegen Busse der USTruppen
Terroranschläge geplant seien. Die GI fuhren damals häufig mit
Bussen zu Einkäufen, zum Besuch von Kulturveranstaltungen und Sehenswürdigkeiten
in die Hauptstadt der DDR und nach Potsdam. Dort sollten
Haftladungen an den Bussen angebracht werden, welche in Westberlin
gezündet würden. Daraufhin führte das MfS etwa ein Jahr lang die Aktion
»Bus« durch. Neben inoffizieller Aufklärungsarbeit wurden alle Busse mit
US-Soldaten und ihren Angehörigen ununterbrochen gesichert. Fahrzeuge,
besetzt mit spezifischen militärisch-operativen Kräften der Abteilung XXII,
begleiteten die Busse von der Ein- bis zur Ausreise. Nach groben Schätzungen
waren es etwa 37.000 Uniformierte und rund 36.000 Zivilisten, die in diesem
Zeitraum besonderen Schutz durch das MfS erhielten. Die USA-Botschaft
empfand den gewährten Schutz wohl kaum als paranoides Sicherheitsdenken,"

Quelle. Die Sicherheit - Zur Abwehrarbeit des MfS "

Und es gab noch einiges mehr an Drohungen, so u.a. gegen Botschafter, Mitarbeiter von Botschaften etc.

Das einiges den Mitarbeitern des WKM komisch oder seltsam vorkam möchte ich schon glauben. Nur kannten die bestimmte Zusammenhänge nicht. So konnte es vielleicht seltsam wirken, wenn es hieß, wir benötigen die Zeit, wenn der Mitarbeiter XY der Botschaft diese verlässt. Man konnte ja dem MA kaum auf die Nase binden, dass es sich bei XY um einen erkannten Mitarbeiter eines Geheimdienstes handelte.

Und so lassen sich noch viele Beispiele bringen.



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zuletzt bearbeitet 25.10.2017 15:17 | nach oben springen

#369

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 25.10.2017 15:12
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Zitat von Lutze im Beitrag #365
Es muss wirklich eine "tolle Truppe" WKM gewesen sein,was man hier so liest,
trotz alledem,meine Hochachtung hält sich in Grenzen
Lutze

Wenn ich das richtig verstanden habe, waren die vom WKM die Uniformierten VP-Angehörigen und nicht die in zivil vom MfS.
Letztere waren sicherlich in der Gesamt-Hierarchie etwas höher einzustufen.


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#370

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 25.10.2017 15:24
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Immerhin fand ein sozialistischer Wettbewerb beim WKM statt,
wer am meisten aufschreibt,kann mit einer Geldprmie rechnen,
da war sicherlich die Motivation ungebrochen
Lutze


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#371

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 25.10.2017 17:59
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Zitat von Blitz_Blank_Kalle im Beitrag #369
Zitat von Lutze im Beitrag #365
Es muss wirklich eine "tolle Truppe" WKM gewesen sein,was man hier so liest,
trotz alledem,meine Hochachtung hält sich in Grenzen
Lutze

Wenn ich das richtig verstanden habe, waren die vom WKM die Uniformierten VP-Angehörigen und nicht die in zivil vom MfS.
Letztere waren sicherlich in der Gesamt-Hierarchie etwas höher einzustufen.


Da musst Du unterscheiden.

Bei der StäV handelt es sich um das WKM. Bei der sow. Botschaft tugen die Herren die identische Uniform des WKM, jedoch gehörten die Herren zum MfS, hier zur HA II / 20.



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#372

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 25.10.2017 18:41
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@Lutze: Du musst dir das nicht so vorstellen, dass die betreffenden Mitarbeiter nun ständig für jede Information Geldprämien bekamen. Prämien, Orden und Beförderungen gab es in aller Regel nur am 01. Juli. Dem " Tag der Deutschen Volkspolizei", von einigen auch " Tag der langen Gesichter" genannt.
Aber die Infos konnten bei der Verteilung schon einmal eine Rolle spielen. Wer selten oder gar nichts "lieferte", ging dann eben auch leer aus. Wobei die Posten vor den Einrichtungen "befreundeter Staaten" ohnehin kaum " wertvolle Informationen" erbringen konnten. Eine versuchten mit den Informationen ihrer sehr gut bezahlten, aber dennoch langweiligen Tätigkeit irgend einen Sinn abzutrotzen.

Was die " ausgesonderten Mitarbeiter" angeht: Ich weiß nicht wie es in dieser Frage im MfS zuging, aber beim " richtigen WKM", also bei der Volkspolizei, gab es zumindest in bestimmten Wachenbereichen einen sehr hohen Teil von Polizisten, die anderswo nicht mal mehr die Pforte gehütet hätten. So krass muss man das einmal sagen. Es gab auch auffallend viele "verkrachte Existenzen". Zum Beispiel "Trinkfreudige", denen ihre "Leidenschaft" schon im Gesicht geschrieben stand.
Diese kamen vor allem in abgelegeneren aber durch die Dichte von diplomatischen Einrichtungen ( vor allem Residenzen und Wohnhäuser), sehr personalintensiven Bereichen zum Einsatz. Anderswo, vor allem in "Mitte" sowie den Schwerpunktobjekten "StÄV" oder WKM-intern "Posten 80" und der USA-Botschaft achtete man bei der Auswahl des Personals schon darauf, dass dort keine "Problemfälle" zum Einsatz kamen. Aber auch dort bestätigten Ausnahmen die berühmte Regel.

P.S. Falls an meinen Aussagen gezweifelt werden sollte: Meine Angaben beruhen auf eigenem Erleben und nicht aus dem Studium von Akten oder den diesbezüglichen Aussagen von Zeitzeugen.

Viele Grüße an alle
Uwe


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http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


Lutze, Ehli, EK87II, vs1400 und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#373

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 25.10.2017 18:43
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Wenn ich das richtig verstanden habe, waren die vom WKM die Uniformierten VP-Angehörigen und nicht die in zivil vom MfS.
Letztere waren sicherlich in der Gesamt-Hierarchie etwas höher einzustufen.


Das WKM besaß eine Beobachtergruppe, die ausschließlich in Zivil agierte. Diese bestand ausschließlich aus VP-Angehörigen und wurde oft mit dem MfS verwechselt.

Gruß Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

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Lutze, 94, vs1400 und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#374

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 25.10.2017 19:39
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Auch unsere DE mußte zeitweise MA zum Missionsschutz abstellen.Das waren generell junge und belastungsfähige MA nichts von ausgemustert. Kaum ein Dienststellenleiter schickt MA ,auf die man sich nicht verlassen kann, zu irgendwelchen Einsätzen, denn wenn es Vorkommnisse gibt, fällt das auf die Dienststelle zurück und speziell auf den Leiter.Das ist dann nicht gerade angenehm,wenn man z.B. zur Leitertagung vor versammteltem Gremium aller KD und Abt. Ltr. der BV aufstehen muß und einen Anschiß bekommt.Von den Konsequenzen mal bei positiven Anlässen bescheiden übergangen zu werden ganz zu schweigen.Und das derjenige nach seiner Kommandierung ja wieder zurück mußte,konnte er sich nach einem Disziplinarvergehen auch ausrechnen, daß er nicht mit dem Vaterländischen dekoriert wurde.
Unsere Kaderabt. war da nicht zimperlich.



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#375

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 26.10.2017 02:10
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@ABV es wäre nett, wenn Du noch auf die Fragen aus #348 eingehen könntest.

Gruss Wolfgang



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#376

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 26.10.2017 14:07
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Zur Frage 348: Meiner Erinnerung nach gab es für die Fahrzeuge des Diplomatischen Korps eigens gekennzeichnete Parkplätze vor den Objekten. Es konnte also gut sein, dass ein diplomatisches Fahrzeug direkt vor einer Botschaft parkte. Fremdfahrzeuge hatten dort definitiv nichts zu suchen. Es gehörte zu den Aufgaben eines WKM-Posten, die Kraftfahrer dezent aber bestimmt darauf hinzuweisen. Etwaige " Gebührenpflichtige Verwarnungen" musste jedoch niemand fürchten-Die WKM-Polizisten besaßen schlichtweg keine Verwarnblöcke. Das soll in den Anfangzeiten des WKM noch anders gewesen sein. Später wurden die Blöcke nicht mehr ausgegeben, weil man darin ein Sicherheitsrisiko sah. Die Polizisten könnten sich vom " Gebühren eintreiben" allzu sehr von ihren eigentlichen Aufgaben ablenken lassen.

Gruß an alle

Uwe


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#377

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

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Wie war die Situation wenn ein DDR-Bürger es in eine Botschaft des NSW geschaft hätte und dort um Asyl nachgesucht hätte?

Könnte hier ein Grund für die sichtbare Präsenz der Sicherheitskräfte zu finden sein, um solche Fälle zu verhindern?


Ein Ausspruch von A. Schopenhauer: "Seit ich die Menschen kenne liebe ich die Tiere"


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#378

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

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Wie ich den Weltfrieden gefährdete

Im Frühjahr 1987 bestellte mich Hauptmann Bosch in sein Dienstzimmer. Mit ausladener Geste bat er mich Platz zu nehmen, kramte in einem vor ihm liegenden Aktenstück herum, ehe er zur Sache kam: " Ich habe gehört, dass du im vergangenen Jahr ein Versetzungsgesuch nach Seelow gestellt hast. Stehst du noch zu deinem Versetzungsantrag? Oder hast du es dir inzwischen anders überlegt?"
Aha, daher weht der Wind, dachte ich mir. Hauptmann Bosch goss mir einen Kaffee ein, bot mir sogar eine Zigarette an. " Nein Danke. Ich rauche seit einem Jahr nicht mehr", antworte ich. Den Kaffee nahm ich jedoch an. Irgendwie musste ich das obligatorische "Aufweichen" meines Vorhabens schließlich überstehen. Kaffee kann durchaus ein guter psychologischer Helfer sein.

Doch wie so oft im Leben, nahm das Gespräch eine andere Wendung an als zunächst erwartet: " Ich würde mich natürlich freuen, wenn du uns erhalten bleibst, Genosse Bräuning. Gleichzeitig bin ich aber auch ein Gegner der Methode Leute um jeden Preis, gegen deren erklärten Willen, im WKM zu halten. Du wirst es nicht glauben, aber ich verstehe ich dich sehr gut. Der Dienst ist wirklich nicht das, was sich ein junger Polizist vor der Einstellung vorstellt. Er ist, sagen wir es mal so, sehr spezifisch."

Bosch legte eine kurze Pause ein, zog an seiner Zigarette, sah mich dabei eindringlich an, ehe er fortsetzte: " Der Dienst ist natürlich sehr wichtig und von hoher Bedeutung. Daher kann ich dich auch nicht sofort nach Seelow lassen."
Die Worte des Offiziers hatten bei mir zunächst große Hoffnungen erweckt. Der letzte Satz sorgte jedoch für eine Ernüchterung. Hauptmann Bosch sorgte sofort wieder für einen Anstieg meiner Stimmung: " Du weißt, dass die Mindestdienstzeit im WKM drei Jahre beträgt. Zu welchem Datum wurdest du eingestellt?" " Zum 01.06. 1985", antwortete ich wie aus der Pistole geschossen. " In Ordnung", lächelte Bosch, " dann bist du ab dem 01.06. 1988 im VPKA Seelow. Hältst du es noch solange aus?" " Selbstverständlich, Genosse Hauptmann", strahlte ich voller Glückseligkeit. Der Offizier streckte mir de Hand entgegen: " Dann erwarte ich bis dahin eine maximale Dienstdurchführung, Genosse Bräuning!"
Im VPKA Seelow nahm man die unerwartete Neuigkeit freudig auf. Auch auf dem " platten Land" wurden schließlich Polizisten benötigt. Aber noch war es ja nicht soweit.

Vom 01. Juni 1988 trennte mich noch fünfzehn Monate. Eine, wie ich fand, durchaus überschaubare Zeit. Plötzlich besaß ich wieder eine Perspektive. Jetzt, wo ein Ende in Sicht war, erschien mir der Dienst im WKM gar nicht mehr so grau und eintönig.
Acht Wochen später lernte ich meine spätere (Ex)Frau kennen. Sie lebte damals frisch geschieden, in Libbenichen. Einem kleinen Dorf südöstlich von Seelow.
Dienstlich bedingt konnten wir uns nur alle zwei Wochen, an meinen freien Wochenenden, sehen. So schön wie es ist eine Freundin zu haben, so unendlich lang erschienen mir nun wieder die Dienste. Irgendwie wollte die Zeit jetzt überhaupt nicht mehr vergehen. SMS und Internet über die persönliche Kontakte problemlos in Echtzeit abgewickelt werden konnten, gab es damals bekanntlich noch nicht. Besonders problematisch entwickelte sich die Situation stets dann, wenn das geplante freie Wochenende wegen eines kurzfristig anberaumten Einsatzes " ins Wasser fiel". Was im WKM eher selten vorkam.

An einem Mittwoch im Juli, zwei Tage bevor es ins ersehnte Dienstfrei gehen sollte, erfuhren wir bei der Einweisung, dass das Polizeipräsidium am Sonntag eventuell einen Sondereinsatz geplant hätte. Wie gesagt: Eventuell! Über den Grund des Einsatzes hielt sich Hauptmann Bosch bedeckt. " An der Staatsgrenze soll an dem Tag irgendwas los sein. Vielleicht fällt der Budenzauber aber auch aus? Warten wir erstmal ab."

Normalerweise hätte ich mich über den Einsatz gefreut. Versprach er doch Abwechslung im täglichen Einerlei. Andere runzelten bei dem Stichwort "Staatsgrenze" sorgenvoll die Stirn. Kein Wunder. Am Pfingstmontag 1987 war meine Dienstgruppe bereits vor dem Brandenburger Tor im Einsatz gewesen. Zunächst nur als Reserve in der " Wache Mitte" wartend. Als sich Unter den Linden und vor dem zum Grenzgebiet deklarierten Pariser Platz immer mehr Jugendliche versammelten um den aus Westberlin herüberwehenden Klängen eines auf der anderen Seite von Genesis und Dawid Bowie gebenen Rockkonzertes zu lauschen, wurde die Einsatzleitung zunehmend nervös. Der Anblick der vielen, vielen, vom Konzert im wahrsten Sinn des Wortes ausgesperrten jungen Leute, die ihren Unmut darüber kaum verhehlten, noch dazu unter den Augen der Weltöffentlichkeit, bedeutete einen schweren Imageschaden für die DDR.


Als sich dann der Unmut in nicht zu überhörenden Sprechchören, die unter anderem den sofortigen Abriss der Mauer forderten, Bahn brach, griff die Staatsmacht hart durch. Die Wachabteilung - 4 B- wurde alarmiert und zum Geschehen beordert. Ich befand mich zu diesem Zeitpunkt weit weg vom Geschehen. Und zwar auf einer Jugendtouristreise in Batumi am Schwarzen Meer. Von den Ereignissen erfuhr ich erst viel später, nach meiner Rückkehr.
Hinter vorgehaltener Hand zeigten sich einige Polizisten von den Geschehnissen regelrecht geschockt. Was sich an jenem Abend unweit der Mauer, im Herzen der Hauptstadt, abspielte, war nicht allein der Unmut irgendwelcher gefrusteter Musikfans. Hier hatte sich zum ersten Mal öffentlich und überdeutlich, die tatsächliche Meinung der Jugend über die Situation in der DDR gezeigt. Die " Mauer" wurde nicht als "Schutzwall" sondern vor allem als Hindernis für das Zusammenleben der Menschen empfunden. Wir, die so genannte Staatsmacht, kannte darauf nur eine Antwort: Härte, Gewalt und Strafen.
Bei den Protestlern handelte sich, von den üblichen Ausnahmen abgesehen, um normale Durchschnittsbürger. Punker, Skins, 48-er*, gab es so gut wie keine unter ihnen. Man konnte also durchaus von einer " repräsentativen Meinungsbekundung" sprechen. Quasi das Wetterleuchten für die " Gewitter des Herbstes 1989".



" Aber im Neuen Deutschland steht doch geschrieben, dass es sich lediglich um einige wenige, zumeist angetrunkene Personen handelte", sagte ich während eines diesbezüglichen Gesprächs zu einem älteren VP-Meister, mit dem ich gerade in der Kantine der Wache saß. " Hast du schon mal etwas von den Krawallen am 07.Oktober 1977 auf dem Alexanderplatz gehört? Damals war unsere Truppe ebenfalls mittendrin im Geschehen. Auf Seiten der Polizei gab es jede Menge Schwerverletze. Soviel Hass und Gewalt hatte ich bis dahin noch nie erlebt. Für das ND waren das trotzdem auch damals nur einige wenige Personen. Als ich dann ein paar Wochen später, in einer Parteiversammlung, die Frage stellte warum man sich vor der Wahrheit scheut, hätte mich der Parteisekretär beinahe des Raumes verwiesen. Ob ich die Aussagen der Partei in Zweifel ziehen wolle? Mensch, dabei stand ich stundenlang im Steinhagel! Die hatten Gehwegplatten am Alex herausgerissen, um sie auf die Polizei zu schleudern. Soviel Hass kommt nicht von ungefähr. Da hatte sich etwas aufgestaut, was dann wie durch ein Ventil, nach außen drang."

Sollte sich im Juli 1987, wenige Wochen nach den Pfingstereignissen, wieder Hass und Unmut entladen? Die DDR-Führung wollte die sich daraus ergebenen "hässlichen Bilder" mit aller (Staats)macht verhindern. Zumal sich ganz Berlin, Ost und West, in Mitten der Feierlichkeiten zum 750. Geburtstag befand.
Aber noch hoffte ich, dass der Kelch an uns vorbei ging. Erst am Freitag, wenige Stunden vor dem Abmarsch ins Wochenende, gab Hauptmann Bosch bekannt, dass sich die Wachabteilung 4 B der WKM-Wache Pankow am kommenden Sonntag in der Wache Mitte einzufinden hätte. Wie üblich als Reserve. Angeblich sollte an diesem Tag, auf der anderen Seite des "Eisernen Vorhangs", ein organisierter Spaziergang an der Mauer stattfinden. Bei dem dann immer wieder Luftballons, gewissermaßen als Gruß von West nach Ost, über die Trennlinie fliegen sollten. Die VP-Führung, oder wer auch immer, fürchtete dass DDR-Bürger von der geplanten Aktion Kenntnis erlangt hätten und deshalb am Sonntag unweit der Mauer ihre Sympathie mit den (West)-Berlinern bekunden könnten.
Aus heutiger Sicht eine absurde Befürchtung. Berliner sympathisieren mit Berlinern. Na und? In jener absurden Epoche löste bereits der Gedanke an solche harmlosen Sympathiebekundungen der Bewohner einer, wenn auch geteilten Stadt, einen größeren Polizeieinsatz aus.

Aus begreiflichen Gründen war mir der politische Aspekt des Einsatzes völlig schnurz. Mir kam es in erster Linie darauf an, meine Freundin wenigstens für ein paar Stunden zu sehen. Über Berlin-Biesdorf-Strausberg und Werbig schlug ich mich mit der Reichsbahn nach Libbenichen. Für die Strecke von kaum 100 km benötigte ich einige Stunden. Darunter eine 1,5 Stunden Wartezeit in Strausberg und noch einmal zwei Stunden in Werbig, auf den jeweiligen Anschlusszug. Den gleichen Weg würde ich dann in der Nacht von Samstag zu Sonntag wieder zurück nehmen. Besser als nichts!
Zum Schlafen kam ich vor dem Einsatz nicht. Was macht man wohl, wenn man jung verliebt ist und wenig Zeit hat............ ?
Ohne auf die Details einzugehen: Wir machten es ausgiebig und gründlich. Bis wenige Minuten vor Abfahrt des Zuges, der mich zum Umsteigebahnhof Werbig bringen sollte. Gegen 03:00 Uhr morgens. Gott sei Dank wohnte meine Freundin nur fünf Minuten vom Bahnhof entfernt. Die kleine Station gibt es heute übrigens längst nicht mehr.
Ziemlich kaputt kam ich schließlich pünktlich in der Wache Mitte an. Meine Uniform hatte ich in einer Reisetasche mitgeführt. Unterwegs hatte ich mich in einer engen Zugtoilette umgezogen.

Der Einsatz dauerte bis 19:00 Uhr. Dann hob das Präsidium die " Alarmbereitschaft" auf. Ohne das es an der Staatsgrenze zu irgend einem erwähnenswerten Vorkommnis gekommen wäre. Von unserem Platz in der Kantine der Wache Mitte aus, hatten wir einen wunderbaren Ausblick auf das Umfeld des Reichtstages. Faszinierend dieser Blick von einer Welt in die andere. Heute finde ich diese Faszination nur noch bescheuert.
Meinen Kumpels war mein desolater Zustand nicht verborgen geblieben. Sie meinten jedoch, dass ich am Abend zuvor wohl "einen über den Durst getrunken hätte". Ich beließ sie in dem Irrglauben. Ersparte er mir doch die anschließende Teilnahme an der "Einsatznachbereitung", sprich dem obligatorischen Besäufnis im Wohnheim.

Wenige Wochen später brachte mich meine persönliche Veränderung erneut in die Bredouille.
Während einer Wochenendtagschicht sollte ich den sich im Urlaub befindlichen strukturmäßigen Posten vor der Residenz des Botschafters von Groß Britannien vertreten. Genau wie die Diplomaten der USA standen auch die britischen Vertreter im Fokus besonderer Sicherheitsvorkehrungen. Für mich bedeutete das unter anderem, die An und Abfahrt des Botschafters und dessen Ehefrau zu protokollieren und sofort telefonisch dem Diensthabenden zu melden.
An diesem Wochenende meinte es Petrus mit den Berlinern wohl besonders gut. Von einem strahlend blauen, fast völlig wolkenlosen Himmel brannte eine goldgelbe Wüstensonne unbarmherzig auf all jene herab, die eben nicht entspannt irgendwo im Schatten oder am Strand liegen konnten.

Wie mich zum Beispiel. Neben der Hitze plagte den Hauptwachtmeister der VP Bräuning einmal mehr die Sehnsucht nach seiner fernen Freundin. Die heutige Generation pflegt bekanntlich in solchen oder ähnlichen Lebenslagen zum Smartphone zu greifen, um via SMS oder Whatsapp " zu schmalzen bis der Arzt kommt."
Mir blieb im August 1987 lediglich der Griff zum Briefpapier. Ich meldete die Übernahme des Postenbereichs, griff dann zum Kugelschreiber, ehe die Lyrik über vier A 4-Seiten nur so aus mir herausfloss. Da wäre selbst der selige Walter von der Vogelweide vor Neid erblasst. Mindestens!

Zwischendurch beäugte ich natürlich immer wieder mein Schutzobjekt. Weniger aus Furcht vor echten Terroristen. Aber ein sich auf Kontrollstreife befindlicher Gruppenführer konnte schließlich jeder Zeit vor dem Postenhaus auftauchen. Fraglich, ob diese Verständnis für meine modernen "Minnegesänge" aufbringen würden.
Nach einiger Zeit fanden meine Schreibereien ein vorläufiges Ende. Natürlich nutzt ein Brief nur etwas, wenn man ihn auch abschickt. Der nächste Briefkasten befand sich allerdings 500 m weit entfernt. Weit, allzu weit außerhalb meines Postenbereichs.
Liebe verleiht bekanntlich Flügel. Man könnte auch sagen: " Wenn der Verstand in die Hose gerutscht ist, wird man leichtsinnig."
Kurz entschlossen klebte ich eine Marke auf den Umschlag, schloss das Postenhaus ab, um danach im Eilschritt zum Briefkasten zu gehen.
Zuvor überzeugte ich mich noch, ob sich das Auto meines noblen Schützlings noch auf dem Hof der Residenz befand. Ja, er stand noch dort. Nichts deutete darauf hin, dass der Botschafter die Residenz in naher Zukunft verlassen wollte. Dachte ich jedenfalls. Ein fataler Irrglaube. Denn der Botschafter würde sich wohl kaum bei mir abmelden.

Egal. Es wird schon schiefgehen. Hastig atmend, stand ich schließlich vor dem gelben Kasten. Glücklich versenkte ich den Umschlag,dann ging es im "Schweinsgalopp" wieder zurück zur Residenz des britischen Botschafters. Unterwegs, in der Nähe des Bürgerparks, begegnete ich Uschi. Einer kleinen liebenswürdigen Person. Wer jetzt " Mensch, hatte der einen Verschleiß" oder " Junge, lass die Angebereien" denkt, dem sei gesagt, dass diese Uschi zu einem kirchlichen Heim gehörte. Dieses Heim hatte seinen Sitz am Bürgerpark. Uschi, die sich selbst " Wanderin zwischen den Welten" nannte, war jedem Posten des WKM wohlbekannt. Die Polizisten hörten der kleinen Frau zu, amüsierten sich heimlich über ihre Missionierungsversuche, aber niemand wagte es ein böses Wort gegen das doch manchmal nervende Wesen zu führen. Uschi gehörte einfach dazu! Sie war so etwas wie das Maskottchen der WKM-Posten. Selbst die dort seit dem Frühjahr 1986 Dienst verrichtenden MfS-Mitarbeiter, von Uschi liebevoll " die Jungs vom FBI" genannt, erwiesen sich gegenüber Uschi gegenüber als geduldige Zuhörer.

Ausgerechnet dieser Uschi musste ich auf dem Rückweg geradewegs in die Arme laufen. Einen Tag zuvor war sie von einer Reise nach Westberlin zurückgekommen. Davon wollte, nein musste sie mir nun unbedingt erzählen. Es klingt schon reichlich verrückt, wenn die Insassin eines kirchlichen Heims ausgerechnet einem Volkspolizisten voller Begeisterung von einer "Westreise" berichtet, aber das wahre Leben kümmert sich zuweilen nicht immer nach gängigen Klischees.
Fünfzehn Minuten dauerte die Unterhaltung. Dann konnte ich mich endlich "loseisen". Uschi hatte ohnehin neue Opfer gefunden-zwei " Jungs vom FBI".

Jetzt aber schnell zurück. Unterwegs schnarrte unheilverkündend die Stimme des Diensthabenden aus dem Lautsprecher meines Funkgerätes: " Toni 74/45 kommen Sie umgehend über Draht." Die letzten Meter keulte ich regelrecht zum Postenhaus. Mit zitternden Händen, nichts gutes ahnend, fummelte ich den Schlüssel ins Schloss. Noch immer zitternd, nahm ich den Hörer von der Gabel, wählte die Nummer des Diensthabenden und wartete auf das Kommende. Vielleicht wollte mir der Diensthabende ja nur eine wichtige Fahndung übermitteln, versuchte ich mich zu beruhigen.

" Paula 45, Hauptwachtmeister Bräuning", meldete ich mich am Telefon. Die grollende Stimme des Diensthabenden, einem altgedienten Hauptmann, verhieß nichts gutes: " Genosse Hauptwachtmeister, wissen Sie zufällig, wo sich der Botschafter Groß Britanniens im Moment aufhält?" Wenn es weiter nichts ist: " In seiner Residenz." " So? Sind Sie sich da ganz sicher? Wie kommt es, dass der Posten vor der australischen Residenz gerade die Ankunft des britischen Botschafters dort gemeldet hat? Wenn er doch, laut ihrer Aussage, gar nicht von seiner Residenz abgefahren ist?" " Aber, das Auto steht doch noch auf dem Hof der Residenz", wollte ich gerade zu meiner Verteidigung vorbringen. Doch die Verteidgung blieb mir im Halse stecken: Dort wo das Auto des Botschafters die ganze Zeit stand, prangte nun ein leerer Fleck. Autsch! Das gibt Ärger! Aus der Nummer dürfte ich wohl ohne weiteres nicht herauskommen. " Sie sitzen ganz schön in der Scheiße, Genosse Hauptwachtmeister", bekundete der Diensthabende. " Sie werden da wohl einige Fragen zu beantworten haben. Das ist ihnen wohl hoffentlich bewusst?"

Und ob mir das bewusst war. Der Botschafter Groß Britanniens galt als " ganz scharfer". Man erzählte sich, dass er sofort das DDR-Außenministerium informiert, wenn er von einem Posten des WKM nicht ordnungsgemäß gegrüßt wird. Botschafter und deren Gatinnen stand seitens der Posten eine militärische Grußerweisung zu. Sollte der Botschafter meine Abwesenheit bemerkt haben, konnte das ohne Übertreibung zu einem Politikum führen.
Wenige Minuten später fuhr der Funkstreifenwagen vor. Aus dem Fond kletterte Oberwachtmeister Peters. " Ich soll dich herauslösen. Du sollst reinkommen und dich sofort beim WAL ** melden. Du steckst ganz schön in der Scheiße."

Das habe ich heute schon mal gehört, schoss es mir unwillkürlich durch den Kopf. " Wat haste denn anjestellt?", wollte der Fahrer wissen. " Keene Ahnung", berlinerte ich trotzig zurück. " Janz schön dicke Luft für keene Ahnung", erwiderte der Fahrer, ein grauhaariger Hauptwachtmeister.
In der Wache in Blankenfelde angekommen, hörte ich bereits beim Eintreten die Stimme des Wachabteilungsleiters: " Wenn der Genosse Bräuning da ist, soll er sofort zu mir kommen." " Da hat aber jemand Sehnsucht nach dir", feixte der Objektposten, den alle Welt hier nur " Bummi" nannte.

Hauptmann Bosch, der normalerweise die Abteilung führte, befand sich an diesem Wochenende nicht im Dienst. Seinen Posten hatte der normalerweise als Zugführer fungierende Unterleutnant Petrich *** eingenommen. Petrich kannte ich als ruhigen, sachlichen Vorgesetzten. Kein Scharfmacher. An seiner Seite stand VP-Meister Bernd Meier ****. Der VP-Meister war vor einem Jahr vom " ZKS" ***** zum WKM gestoßen. Zunächst lediglich zeitweilig abgeordnet, hatte man ihm mit den Posten eines Gruppenführers zum Bleiben animiert. Einen Posten, den er in seiner vorherigen Verwendung niemals bekommen hätte, wie er selbst eingeräumt hatte.
Beide schauten mich wütend an. " Genosse Bräuning, kannst du mir erklären, aber bitte so, dass ich es auch verstehe, wie der britische Botschafter unbemerkt zur australischen Residenz gelangen konnte?" Tja, da was sollte ich da wohl sagen? Mir blieb nichts anderes übrig, als die Wahrheit zu sagen.
Wobei ich die Begegnung mit Uschi dezent unterschlug. Die Zeit meiner Abwesenheit halbierte ich. Das genügte für eine unbemerkte Abfahrt, klang aber weniger dramatisch als die Wahrheit. Ich konnte nur hoffen, dass mich während meines Postenvergehens niemand beobachtet hatte. Neben dem Botschafter selbst, kam noch das Personal und nicht zuletzt die " Jungs vom FBI" in Betracht.

Wie sich herausstellte, war mir jedoch lediglich die Meldung des Postens vor der australischen Residenz zum Verhängnis geworden. Immerhin war durch meine Schuld das engmaschige Netz der Überwachung für einige Zeit gerissen. Der Botschafter Groß Britanniens konnte sich dadurch unbemerkt in der Hauptstadt der DDR bewegen.
Unterleutnant Petrichs dunkle Augen funkelten wütend: " Weiß du eigentlich was du getan hast?", herrschte er mich an. " Du hast wegen eines Briefes an deine Freundin den Weltfrieden gefährdet! Auf eine Gelegenheit wie diese, wartet doch der Klassenfeind. Stell dir vor, der Botschafter wäre auf dem Weg zu seinem australischen Kollegen einem Attentat zum Opfer gefallen. Bald darauf würden Bomberstaffeln, wie im Fall von Tripolis und Bengasi, diesmal DDR-Städte angreifen. "


Mir klappte der Unterkiefer nach unten. Sollte jetzt irgend jemand die Worte des Unterleutnants nicht verstanden haben, gebt euch keine Mühe-Er hat sie wahrscheinlich selbst weder verstanden, noch weniger geglaubt. Er musste, seiner Funktion entsprechend, "funktionieren". Was eben auch bedeutetet, schwülstigen Unsinn abzusondern. Dabei hatte ich mich uzweifelhaft eines Dienstvergehens schuldig gemacht. Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Der Weltfrieden war an jenem Samstag im August des Jahres 1987 nicht mehr oder weniger in Gefahr, als an allen anderen Tagen auch.

Die Strafe fiel, verglichen mit meiner "Schuld", immerhin stand die Welt meinetwegen " am Abgrund", vergleichsweise mild aus. In Niederschönhausen residierten die Botschafter von Iran und Irak nebeneinander, in trauter Nachbarschaft. Blöd nur, dass beide Staaten seit Jahren gegen einander Krieg führten. Obwohl sich die jeweligen Residenten in jeder Hinsicht diplomatisch verhielten, wollte das WKM kein Risiko eingehen. Aus diesem Grund musste ein mit einer Klein-MPI Marke " PM 63" bewaffneter Posten vor den Objekten Wache halten. Aber nicht im Postenhäuschen, sondern als Standposten. Eine Funktion, die ich in den kommenden Wochen " Initiativreich" ausfüllen durfte.
Bei einer Dienstzeit von 12 Stunden und einer gefühlten Temperatur von 40 Grad Celsius eine Tortur. Zusätzlich zu dem WKM-Posten patroullierten in dem Bereich ständig " die Jungs vom FBI". Denen zum Ausruhen immerhin ein Bauwagen zur Verfügung stand.

Das hatte ich nun von meinem Leichtsinn. Statt geruhsam im Postenhäuschen zu sitzen, stand ich mir nun in den nächsten Schichten die Beine in den Bauch. Verdammt noch mal! Immerhin, die Geschichte hätte auch ganz anders, zum Beispiel mit einer Degradierung oder einer anderen fühlbaren Strafe enden können.


* In der DDR regelete der § 48 der STPO den Umgang mit Haftentlassenen, die nicht selten, auf Grundlage dieses Paragraphen, unter "staatliche Kontrolle" gestellt wurden. Bei der Volkspolizei galt der Begriff " 48-er" als Synomym für alle ehemaligen Häftlinge.

** im WKM gebräuchliche Abkürzung für Wachabteilungsleiter.

*** Name geändert

**** Name geändert

***** Zentrale Kräfte Schutzpolizei
Eine dem VP-Präsidium unterstehende, zentrale Einheit der Schutzpolizei. Diese kam an besonderen Brennpunkten und zur personellen Unterstützung der VP-Inspektionen und Reviere zum Einsatz.




Fortsetzung folgt



Gruß an alle

Uwe


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zuletzt bearbeitet 28.10.2017 00:01 | nach oben springen

#379

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 26.10.2017 20:25
von Lutze | 9.375 Beiträge | 6919 Punkte
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Den Dienst quittieren,kam da nicht dieser Gedanke auf?
mal ein geregeltes Leben führen,anstatt ständig den Weltfrieden retten?
Lutze


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wer nicht kämpft hat schon verloren


IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#380

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 27.10.2017 14:01
von ABV | 4.342 Beiträge | 1085 Punkte
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@Lutze
Polizist zu sein war und ist nach nun mehr fast 33 Dienstjahren noch immer mein absoluter Traumjob. Warum sollte ich den aufgeben? Nur weil ich mir mit dem Dienst im WKM nicht identifizieren konnte? Wusste ich doch längst, dass das WKM nicht viel mit richtiger Polizeiarbeit zu tun hatte. Ab Juni 1988 durfte ich diese richtige Polizeiarbeit auch leisten.

Gruß Uwe


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