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#341

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 07.07.2017 22:54
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Zwei von den Autoren kenne ich und zur aktiven Zeit waren dies sachliche Leute.

Aber warten wir das Buch ab.



zuletzt bearbeitet 07.07.2017 22:54 | nach oben springen

#342

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 08.07.2017 10:14
von Heckenhaus | 8.274 Beiträge | 15575 Punkte
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Zitat von Kalubke im Beitrag #330
Wenn ich mal meinen Senf als eingeborener Ostberlner dazu geben darf: Das Ahornblatt war m. E. damals keine Speisegaststätte sondern (neudeutsch) eine Location, in der Abends Disco-Veranstaltungen liefen. An das tschechische Knödelrestaurant in der Leipziger Straße kann ich mich auch noch erinnern, nur ncht mehr genau wo. Außerdem gabs da noch den Tschechenladen, in dem allerlei böhmische Raritäten verkauft wurden (Böhmisches Kristallglas, schwer zu bekommende Buch-Prachtausgeben von tschechischen Verlagen, etc.).

Gruß Kalubke

Im Ahornblatt befand sich eine recht große SB-Gaststätte, tagsüber fürs Ministerum für Bauwesen und für Schulen als Betriebsgaststätte.
Als wir damals in den Siebzigern im PdR arbeiteten, gab es dort Mittagessen.
Abends war das dann eine normale Gaststätte und auch Veranstaltungsort.
Eine Disco wurde dieses Bauwerk erst nach der Wende unter dem Namen "Exit".
Außerdem befand sich unter gleichem Dach eine Ladenpassage, in der dortigen Kaufhalle gab es jeweils mittwochs Negerküsse.
Ja, die hießen damals noch so, und es gab sie lose in der Tüte.

Gruß vom gebürtigen Ostberliner


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#343

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 22.10.2017 22:40
von ABV | 4.325 Beiträge | 963 Punkte
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Nach längerer Auszeit, nun wieder eine Fortsetzung:

Das Jahr 1987 hatte ungewöhnlich warm, mit viel Regen begonnen. Gleich in den ersten Stunden des neuen Jahres "erschütterte" ein schweres Vorkommnis unsere Wachabteilung. Was war geschehen? Hauptmann Bosch, der erst seit kurzem an der Spitze der " Wachabteilung 4 B" in Berlin-Pankow stand, hatte den Posten vor der Niederlassung des ANC ( African National Congress" schlafend, obendrein völlig betrunken, in dessen Wachhäuschen erwischt. Bei dem besagten Wachtmeister handelte es sich um eine durchaus bemerkenswerte Persönlichkeit. Groß, schlank und dunkelhaarig, wirkte er wie der " Alain Delon der Volkspolizei". Ein regelrechter Frauentyp. Der alle Frauen haben konnte. Davon erfuhr jeder, egal ob er es nun hören wollte oder auch nicht, ausgiebig in den Pausengesprächen. Die Weisheit " ein Gentleman genießt und schweigt", gehörte nicht zu seinen Lebensmaximen. Seitdem bekannt wurde das ein nicht geringer Teil des für DDR-Verhältnisse durchaus üppigen Polizistengehaltes für Alimente drauf ging, hielt sich die Anzahl der Neider ohnehin sehr engen Grenzen. Man hielt ihn, nicht zu Unrecht und im doppelten Sinn, für ein " armes Würstchen".
Als die Dienstschicht am 01. Januar 1987 erneut zur Dienstschicht antrat, wollte Hauptmann Bosch das Vorkommnis vor versammelter Mannschaft auswerten. Verborgen geblieben war der Fauxpas ohnehin niemanden. Schließlich musste der "Zecher" aus dem Dienst herausgelöst und sein Bereich von einem anderen Posten übernommen werden.

Wenn es nach dem Hauptmann Bosch, von Hause aus ein sehr väterlicher Offizier der bedingungslos zu seinen Leuten stand, gegangen, wäre, wäre der " Alain Delon für Arme" mit einem mordsmäßigen Zusammenschiss davongekommen. " Ich habe selbst einige Male in einer Silvesternacht auf Posten gestanden", begann er seine Rede mit eindringlicher Stimme, " wer von sich behauptet, bei solchen Anlässen niemals im Dienst einen Schluck Alkohol getrunken zu haben, ist ein Lügner. Wer aber, als Waffenträger vor einer ausländischen Vertretung für deren Sicherheit er Verantwortlich ist, sich den Arsch derart vollsäuft das er nicht einmal mehr seinen Vorgesetzten erkennt, ist ein verdammter Idiot."
Unter den Umstehenden herrschte betretenes Schweigen. Mir fiel in diesem Moment die gemeinsam mit den jungen MfS-Leuten verputzte Flasche Sekt ein. Tatsächlich hatte wohl jeder ein Gläschen auf das neue Jahr geleert. Einige sogar mit einem der Botschafter. Ein Gläschen in Ehren konnte im WKM niemand verwehren.
Solange es bei dem einem Gläschen blieb.

Wer jetzt glaubt das "Alain Delon" schamvoll sein Haupt neigte, der irrte sich. " Genosse Hauptmann, das verbitte ich mir", rief er selbstbewusst. " Der Ton macht die Musik. Es wird sich wohl noch zeigen, wer hier der Idiot ist."
Zuerst glaubte ich mich verhört zu haben. Den anderen erging es ähnlich. Leises Raunen breitete sich aus. Das freundliche Gesicht des Hauptmanns verfärbte sich dunkelrot. " Sie verbleiben bis auf weiteres in der Dienststelle. Geben Sie ihre Waffe ab und warten auf weitere Anweisungen!"
Dem Hauptmann blieb, wenn er sein Gesicht wahren wollte, nichts anderes übrig als das Vorkommnis " an die Große Glocke zu hängen". Damit setzte er eine Lawine in Gang, die dem " Schönling" innerhalb weniger Wochen den Job bei der Volkspolizei kostete. Wie sich herausstellte, hatte es in dessen vorheriger Dienststelle, einem VP-Revier in Berlin-Mitte, mit ihm bereits ähnliche Vorkommnisse gegeben. Das war auch der Grund für seine Versetzung zum WKM. Die ihm Warnung und letzte Chance zugleich sein sollte.
Ich habe nie erfahren, was aus ihm geworden ist. Möglicherweise hat er sich von irgendeiner Frau aushalten und bedauern lassen. Es bleibt nur zu hoffen, dass seine Kinder nicht unter etwaig ausfallenden Unterhaltszahlungen leiden mussten. Denn die Kleinen konnten nun wirklich nichts für ihren Erzeuger.

Das Jahr 1987 nahm seinen Lauf. Noch immer wurden die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen an allen diplomatischen Objekten der USA und Groß Britanniens fortgesetzt. An meiner Absicht so schnell wie möglich dem WKM den Rücken zu kehren, hielt ich unverändert fest. Salopp gesagt: Mich kotzte der Laden regelrecht an. Dieses öde auf einem Fleck stehen. Diese Hoffnung das endlich einmal etwas passiert. Obwohl ja eigentlich nichts passieren durfte. Mir fehlte auch die Kreativität eines VP-Meister Montag, aus jeder Nichtigkeit eine "Information" zu basteln.

An dieser Stelle noch eine interessante Anmerkung zu dem Verbleib der von den WKM-Posten gelieferten Informationen. Wir gingen davon aus, dass die so genannten Kfz-Zettel und die schriftlichen Informationen direkt in der Zentrale des WKM, im " Kommando Kaulsdorf" ausgewertet wurden. So hatte man es uns jedenfalls seitens der Vorgesetzten wissen lassen. Durch Zufall erfuhr ich viele Jahre später bei einer Recherche im Internet, dass sämtliche von den Posten gefertigte Unterlagen, direkt zur Hauptabteilung II des MfS gingen. Also, zur Spionageabwehr. Die selbe Truppe kümmerte sich auch um die " Sicherheit des WKM". Während die "normale" Volkspolizei von der Hauptabteilung VII "bearbeitet" wurde. Ungeachtet des gewöhnlich öden Alltags, besaß das WKM im Sicherheitskonzept der DDR einen durchaus einen hohen Stellenwert. Derart, dass es im MfS Überlegungen gab das WKM aus dem Verantwortungsbereich der VP-Präsidiums (Ost)-Berlin herauszulösen und ganz der Staatssicherheit zu unterstellen.

Pläne wie diese dürften jedoch bereits am hohen Personalaufwand gescheitert sein. Denn das MfS hätte zwar das WKM und dessen Aufgabenbereich als solches, nicht aber den überwiegend größten Teil des Mitarbeiterstammes übernehmen können. In den letzten Jahren seines Bestehens war das WKM mehr und mehr zu einem Auffangbecken für " gestrandete Existenzen" aus den Reihen der Volkspolizei, der Feuerwehr und des Strafvollzugs geworden. Vereinzelt fanden sich im WKM auch frühere MfS-Mitarbeiter wieder, die aus " kaderpolitischen Gründen" von der Staatssicherheit zur VP wechseln mussten. Sollte sich das MfS diese, aus ihrer Sicht, Sicherheitsrisiken, wieder zurück ins Boot holen? Wohl kaum!

Eines Tages zog ich mit "Arnold" auf Posten. Arnold war nicht sein richtiger Name. Da er jedoch ständig von dem Schauspieler Arnold Schwarzenegger schwärmte, nannte ihn die Dienstschicht bald nur noch nach dem Vornamen des österreichischen Muskelpaktes.
Arnold, seinen richtigen Namen habe ich vergessen, stammte aus Erfurt. Dort hatte er bei der Berufsfeuerwehr gedient. Dorthin wollte er nach nun mehr drei Jahren Dienst im WKM auch wieder zurück. " Weißt du", vertraute er mir an, " was mich hier am meisten anstinkt? Das du von keinen geachtet wirst. Zuhause, wenn ich erzähle das ich bei der Berufsfeuerwehr bin, wollen mir alle ein Bier ausgeben. Jeder haut mir auf die Schulter, erkennt meine Arbeit an. Du kannst Menschen helfen, sogar Menschen retten. Und hier? Hier sitzt du dir den Arsch breit, oder stehst dir die Beine in den Bauch. Völlig sinnlos. Für die Leute hier bist du nur ein dämlicher Bulle. Mit denen keiner etwas zu tun haben will. Nicht einmal die anderen dämlichen Bullen aus den Revieren. WKM ist ja nun wirklich das letzte."

Der Mann hatte mir aus dem Herzen gesprochen. " Ich habe ja auch einen Versetzungsantrag zu laufen", erwiderte ich. " Oh, dass ist gut. Da kann ich dir nur alles Gute und einen langen Atem wünschen." " Aber du hast es doch auch geschafft." " Genau. Ich hatte mich aber von Anfang nur für drei Jahre verpflichtet. Bei Direkteinstellungen wie dir, sieht die Sache ein wenig anders aus."

Arnold warf mir einen bedauernden Blick zu. " Gib die Hoffnung nicht auf, mein Junge", versuchte er mich aufzumuntern. Ich fühlte mich wie eine Fliege im Spinnennetz. Es gibt wohl kaum etwas schlimmeres, als einen Job auszuüben, mit dem man sich immer weniger identifizieren konnte.
Meine Strategie mir die Wichtigkeit der Tätigkeit krampfhaft selbst zu suggerieren, löste bei Arnold Heiterkeit aus. Als ich aufmerksam nach links und rechts schauend, am Zaun der Residenz des US-amerikanischen Botschafters patrouillierte, schlug sich Arnold vor lauter Begeisterung auf die Schenkel. " Bravo, mein Junge. Gib dem Klassenfeind keine Chance!"

Spätestens jetzt wurde mir die Unsinnigkeit meines Tuns bewusst. Auf der einen Seite der Residenz-Garten und auf der anderen Seite Ödland. Dazwischen ein unbefestigter Weg auf dem Arnold und ich im Wechsel Streife liefen. Von potentiellen "Gefährdern" weit und breit keine Spur. Verdammt noch mal, ich würde verrückt werden, wenn mein Postendienst nun auch noch den letzten Sinn verliert!

Das der Dienst im WKM durchaus gefährlich sein konnte, zeigt dieses Beispiel. Dabei handelte es sich allerdings um keine der Gefahren, welche der Polizistenberuf gewöhnlich mit sich bringt:
VP-Meister Peter P. , von allen nur " Peter Paul" genannt, bewachte seit etlichen Jahren die in der Wilhelm-Wolff-Straße gelegene Residenz des Botschafters der CSSR. Die Lage der Residenz in einer ruhigen abgelegenen Seitenstraße passte zu deren " operativen Bedeutung. " Peters einzige Aufgabe bestand in seiner Anwesenheit. Anders als die Posten vor den Niederlassungen des " BBKF", des Bitterbösen Klassenfeindes, brauchte der VP-Meister kein Personal zwecks Informationsbeschaffung "abschöpfen", nicht die An und Abfahrtszeiten des Botschafters notieren und dem Diensthabenden melden. Ja, er hätte es nicht einmal gedurft. Schließlich gehörte die CSSR ´zu den besten Freunden der DDR. Abwechslung brachten allein die diplomatischen Empfänge, die der Botschafter in unregelmäßigen Abständen zu geben pflegte. Dann rückte ein Gruppenführer zusammen mit der Besatzung des WKM-eigenen Streifenwagens zur Absicherung der Feierlichkeit an.
Peters Privatleben verlief in ähnlich ruhigen Bahnen. Als bekennender Junggeselle lebte er völlig allein, in einer Neubauwohnung im Norden Berlins.
Im Frühjahr 1987 erkrankte Peter plötzlich. Er litt an immer wiederkehrenden Schwindelanfällen. Die Ärzte im VP-Krankenhaus gaben sich alle Mühe die Ursache der Beschwerden zu finden. Das EKG ergab auch unter Belastung keine Auffälligkeiten. Bei einem Blutdruck von 125:80 dürfte eigentlich niemandem schwindlig werden.
OK, Peter rauchte wie ein Schlot. Sollten die unheimlichen Attacken nur an den vielen Fluppen liegen?
Nein. Auch wenn einige "Weißkittel" gerne zunächst die Wurzel allen Übels in den Schwächen der Patienten suchen-Daran lag es definitiv nicht. Sondern am Stress, wie ein engagierter, fähiger Mediziner bald feststellen sollte.
Stress, wieso Stress, mag sich der aufmerksame Leser an dieser Stelle sicherlich fragen. Hatte ich doch weiter oben von Peters ruhigem Leben berichtet. Ihr habt richtig gelesen. Der Auslöser für Peters Schwindelanfälle war nicht ein Übermaß an Stress, sondern zu wenig Stress. Er litt quasi an " chronischer Unterforderung", was auf Dauer seine Gesundheit ruinierte.
Im Sommer 1987 erhielt Peter einen neuen Job bei der Sportvereinigung Dynamo. Sein weiterer Werdegang verlief im Dunkeln. Viele Jahre nach der Wiedervereinigung entdeckte ich seinen Namen, zu meiner großen Verwunderung, auf einen dieser " Stasilisten" im Internet. Eine Verwechslung oder Namensgleichheit schließe ich aus, da sein Nachname zu den seltenen in Deutschland gehört. Wahrscheinlich wird ihn das MfS nach seinem Wechsel zu " Dynamo" übernommen haben. Ein Schritt den er höchstwahrscheinlich bald bitter bereuen sollte.

Fortsetzung folgt..

Gruß an alle

Uwe


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#344

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 22.10.2017 23:57
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Schön, dass Du die Zeit für eine Fortsetzung gefunden hast.

Gruss Wolfgang



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#345

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 23.10.2017 10:14
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ABV schrieb:
"An dieser Stelle noch eine interessante Anmerkung zu dem Verbleib der von den WKM-Posten gelieferten Informationen. Wir gingen davon aus, dass die so genannten Kfz-Zettel und die schriftlichen Informationen direkt in der Zentrale des WKM, im " Kommando Kaulsdorf" ausgewertet wurden. So hatte man es uns jedenfalls seitens der Vorgesetzten wissen lassen. Durch Zufall erfuhr ich viele Jahre später bei einer Recherche im Internet, dass sämtliche von den Posten gefertigte Unterlagen, direkt zur Hauptabteilung II des MfS gingen. Also, zur Spionageabwehr. Die selbe Truppe kümmerte sich auch um die " Sicherheit des WKM". Während die "normale" Volkspolizei von der Hauptabteilung VII "bearbeitet" wurde. Ungeachtet des gewöhnlich öden Alltags, besaß das WKM im Sicherheitskonzept der DDR einen durchaus einen hohen Stellenwert. Derart, dass es im MfS Überlegungen gab das WKM aus dem Verantwortungsbereich der VP-Präsidiums (Ost)-Berlin herauszulösen und ganz der Staatssicherheit zu unterstellen."

Natürlich liefen die Informationen des WKM bei der HA II zusammen und wurden dort auch ausgewertet. Die meisten dieser Informationen waren doch für die VP letztlich nicht wirklich relevant und fielen eher in die Zuständigkeit der HA II des MfS (Bearbeitung legal abgedeckter Residenturen in diplomatischen Vertretungen, Gewährleistung des Schutzes und der Sicherheit diplomatischer Vertretungen vor Terror und anderen Gewaltakten, Bekämpfung feindlicher und subversiver Handlungen bevorrechteter Personen). Und die Führung des WKM war ja schließlich mit der Spionageabwehr eng vernetzt, was bei der Konstellation der Aufgaben logisch und richtig war. Hieraus ergab sich auch die Zuständigkeit für die Abwehrarbeit der HA II/11 im WKM.
Das es Gedanken gab, dass WKM dem MfS zu unterstellen, höre ich zum ersten Mal. Damit hätte man sich m.E. keinen Gefallen getan. Allein schon deswegen, weil man mit Sicherheit die Masse des Personals wohl nicht übernommen hätte und es den Apparat mit eher untypischen Aufgaben belastet und noch weiter aufgebläht hätte. Das man 1978 die äußere Sicherheit für die sowjetische Botschaft vom WKM (auf ausdrücklichen Wunsch der sowjetischen Seite) übernommen hatte und dadurch die HA II/20 bildete, stieß bei vielen Angehören der HA II auf Unverständnis.



diefenbaker, Rainer-Maria Rohloff und Signalobermaat haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#346

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 23.10.2017 22:33
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@Merkur Ich versuche mal die Stelle im Internet herauszusuchen, wo ich von der Überlegung, mehr war es ja nicht, das WKM völlig in das MfS einzugliedern, gelesen habe. Überlegungen gab und gibt es ja bekanntlich viele. Ob diese nun umgesetzt werden oder nicht, steht auf einem anderen Blatt.
Interessant ist aber, dass eine VP-Truppe eigentlich "Geheimdienstarbeit geleistet hat", ohne das es offenbar jemanden bewusst geworden ist. Über den Sinn oder Unsinn der verschiedenen Tätigkeiten hatte man sich damals ohnehin keinen Kopf gemacht. Es gab sogar eine Art " Sozialistischen Wettbewerb" in der Erlangung von Informationen. Da wurde wirklich jeder Quatsch aufgeschrieben, bloß um am Ende der Schicht nicht mit leeren Händen vor dem Diensthabenden zu treten.
Mit Polizeiarbeit hatte das nicht das geringste zu tun. Mir tun heute noch die Auswerter leid, die so manchen wichtigtuerischen Blödsinn lesen mussten.

Gruß Uwe


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Ehli, IM Kressin und der Anderdenkende haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#347

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 23.10.2017 22:43
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Vielen Dank,was Du bist jetzt geschrieben hast.
Jetzt ist mir auch ein Licht aufgegangen,hatte mal einen Freund bei der Truppe.
nun weiß ich,wo ich ihn einordnen muß,wieder etwas,was Licht in meiner Vergangenheit.
Vielen Dank.


„Der Staatshaushalt muss ausgeglichen sein. Die öffentlichen Schulden müssen verringert werden. Die Arroganz der Behörden muss gemäßigt und kontrolliert werden. Die Zahlungen an ausländische Regierungen müssen reduziert werden, wenn der Staat nicht Bankrott gehen will.“
Marcus Tullius Cicero
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#348

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 24.10.2017 21:02
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Bei irgend einer Recherche bin ich auf dieses Bild gestossen und musste an den Aquarienthread denken.
Nick, der Rechteinhaber, hat sich ja auf dem Bild verewigt, so dürften keine Urheberrechte verletzt sein.



War es normal, dass ein Botschaftswagen einfach vor dem Haus auf der Straße stand?
Gab es keinen Hof mit Parkplätzen oder wie war das geregelt?

Gruss Wolfgang



ABV hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 24.10.2017 21:56 | nach oben springen

#349

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 24.10.2017 21:50
von Blitz_Blank_Kalle | 877 Beiträge | 2179 Punkte
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Wie sollten denn ein oder zwei gelangweilte Volkspolizisten im Notfall überhaupt eine Botschaft schützen ? Ging es da nur darum, dass da keine Unbefugten reingehen, um bspw. als DDR-Bürger in der US-Botschaft Asyl zu beantragen ? Ging es hauptsächlich, um aufzuschreiben, wann der Botschafter nach hause fährt oder was?
Sicherlich muss da jemand vor den Botschaften aufpassen, damit alles seine Ordnug hat, aber wenn die Genossen eh nicht die Motiviertisten waren, was hätten die denn gegen eine kleinere Gruppe Randalier machen sollen , ausser Verstärkung zu rufen?


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#350

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 24.10.2017 22:03
von Hanum83 | 8.569 Beiträge | 15012 Punkte
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Falls es DDR-Bürger irgendwie doch z.B. in die amerikanische Botschaft geschafft hätten, wie wäre denn die Botschaft da mit diesen DDR-Bürgern verfahren?


Im November 1982 zu den Grenztruppen eingezogen und nach Formung zum Grenzsoldaten in Mönchhai ab April 1983 ein Jahr lang die Grenze im Bereich der Grenzkompanie Hanum in der Altmark mitbewacht.
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#351

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 24.10.2017 22:03
von Ehli | 2.656 Beiträge | 12308 Punkte
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Es ging echt nur darum,das keine Personen reingehen,um dann um Asyl zu beantragen.
Vor der Botschaft der BRD,standen unauffällige Zivilisten auf der Strasse,auch im Hinterhof.
Warum,standen sie dort?
Im Ausgang haben wir immer die Straßenseite gewechselt,um nicht in den Verdacht zu kommen,die Botschaft zu stürmen.


„Der Staatshaushalt muss ausgeglichen sein. Die öffentlichen Schulden müssen verringert werden. Die Arroganz der Behörden muss gemäßigt und kontrolliert werden. Die Zahlungen an ausländische Regierungen müssen reduziert werden, wenn der Staat nicht Bankrott gehen will.“
Marcus Tullius Cicero
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#352

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 25.10.2017 07:52
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Hallo!

Die USA war im allgemeinen über Asylsuchende DDR-Bürger nicht!! erfreut. Ich hatte vor längerer Zeit schon von den beiden NVA-Angehörigen berichtet, die mit VS-Dokumenten in den Händen im März 1986 in der USA-Botschaft um Asyl baten. Zu ihrer Überraschung wurden sie von den für die innere Sicherheit der Botschaft zuständigen Marines nicht nur des Hauses verwiesen, sondern obendrein an die draußen postierten Volkspolizisten übergeben.

Ab der Minute 08:20 werden Ausreisewillige vor der USA-Botschaft, im September 1989, gezeigt. Der USA war durchaus bewusst, dass die Aufnahme von Ausreisewilligen zu erheblichen Störungen in den politischen Beziehungen, und nicht zuletzt, zu einer ungeheuren Sogwirkung führt. Darum hielt man sich in dieser Angelegenheit eher zurück. Selbstverständlich nicht offiziell, um keinen Gesichtsverlust zu riskieren. Aber ich habe damals von einigen Beispielen erfahren, in dem Asylsuchende DDR-Bürger ziemlich regide abgewiesen und den DDR-Organen übergeben wurden. In einem Fall hatte sich jemand auf einen Sessel gesetzt. Der Aufforderung sich zu erheben, widersetzte sich der Mann in dem er sich festkrallte. Daraufhin trugen ihn die Marines einfach mit dem Sessel vor die Tür.
Diese Informationen stammen von damaligen Mitarbeitern des WKM. Ich halte sie daher für glaubwürdig.

Gruß an alle
Uwe


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#353

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 25.10.2017 08:02
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@Ehli Immer wenn DDR-Bürger in die " Ständige Vertretung" gingen um dort politisches Asyl zu beantragen, bedeutete das in den Augen der politischen Führung eine Art von " Super-GAU". Der mit allen Mitteln verhindert werden sollte. Daher der Aufwand an uniformierten und zivilen Posten vor und in der Nähe des Objektes.
Die sichtbare Präsenz sollte wohl in erster Linie abschreckend wirken. Dem wirklichen Schutz dienten die Posten im wahrsten Sinn des Wortes, " mit Sicherheit" nicht. Zumal die Gefährdung für Diplomaten der Bundesrepublik in der DDR sehr gering gewesen dürfte.
Hier ging es in erster Linie darum, " Außenpolitischen Schaden" von der DDR abzuwenden. Das sich die DDR durch die Massenpräsenz von Sicherheitskräften vor einer diplomatischen Vertretung selbst enorm schadete, geradezu ein "Armutszeugnis ausstellte", gehört zu den vielen "Eigentoren" in der Geschichte der DDR.


Gruß an alle
Uwe


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#354

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 25.10.2017 08:32
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Zitat von Hanum83 im Beitrag #350
Falls es DDR-Bürger irgendwie doch z.B. in die amerikanische Botschaft geschafft hätten, wie wäre denn die Botschaft da mit diesen DDR-Bürgern verfahren?


Da gab es verschiedene Möglichkeiten.

Bürger konnten der Botschaft verwiesen werden. Es gab aber auch Fälle, da ging es dann über Rechtsanwalt Vogel weiter, wenn diese Bürger z.B. aus der DDR ständig ausreisen wollten.



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#355

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 25.10.2017 08:36
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Zitat von ABV im Beitrag #352
Die USA war im allgemeinen über Asylsuchende DDR-Bürger nicht!! erfreut

Der ungarische Kardinal verbrachte immerhin 15 Jahre im Schutze der US-Botschaft in Budapest.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43230964.html
Funfzehn Jahre verbrachte Kardinal Mindszenty als sein eigener Gefangener in der US-Botschaft in Budapest.
Mit seinem endgültigen Auszug aus Ungarn tauscht er ein Exil gegen das andere.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 25.10.2017 08:37 | nach oben springen

#356

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 25.10.2017 08:41
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Zitat von Ehli im Beitrag #351
Es ging echt nur darum,das keine Personen reingehen,um dann um Asyl zu beantragen.
Vor der Botschaft der BRD,standen unauffällige Zivilisten auf der Strasse,auch im Hinterhof.
Warum,standen sie dort?
Im Ausgang haben wir immer die Straßenseite gewechselt,um nicht in den Verdacht zu kommen,die Botschaft zu stürmen.


Ganz so was es mit der Ständigen Vertretung aber nicht.

In normalen Zeiten war die STÄV nur ganz normal abgesichert. Auf dem Hof befanden sich gar keine Kräfte der DDR, denn der gehörte zur STÄV. Es gab nur rechts neben der STÄV einen Hof, der wurde aber nur zu den Zeiten abgesichert, wenn es mal wieder größere "Fluchtwellen" in die STÄV gab. Ähnlich sah es mit einen Hinterhof in der Chausseestraße aus.

Das war dann aber auch recht einfach, PKW mit ein bzw. zwei Personen besetzt. ( Hof neben der STÄV ) Die vielen Zivilisten, die einige immer gesehen haben wollen, gab es so nicht.

Und dies kann ich schon recht genau einschätzen, da ich mich mit der Problematik einige Zeit beschäftigen durfte.



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zuletzt bearbeitet 25.10.2017 08:42 | nach oben springen

#357

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 25.10.2017 10:51
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So unauffällig waren die zivilen Beobachter vor der bundesdeutschen Vertretung
nun auch wieder nicht,irdendwie sahen diese Typen alle gleich aus
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren


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#358

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 25.10.2017 11:10
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Lutze,

schon mal auf die Idee gekommen, dass es vielleicht auch gewollt war....



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#359

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 25.10.2017 11:20
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Ob nun mit oder ohne Uniform,die Stasi hatte mit dieser Vertretung ein echtes Problem
Lutze


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#360

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 25.10.2017 11:47
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Lutze,

dass MfS hatte wohl weniger Probleme mit der STÄV, Probleme hatte die Politik.



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