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06
September
2011

Hey, die DDR war doch gar nicht so schlimm

Da lebt in München ein feiner junger Herr, gefeiert für sein erstes uraufgeführtes Stück, bestaunt von Brecht und hingerissen vom kommunistischen Weltverbesserungsprojekt im Osten. Also verlässt Peter Hacks den Westen ("fauler Apfel"), geht nach Ostberlin ("saurer Apfel") und siedelt 1955 gleich ganz oben - am DDR-Staatstheater. Der 27jährige wird Hausautor des Deutschen Theaters. Hier galt, wie überall im gelobten Land des Peter Hacks, Kunst als Volkserziehung: Der "neue Mensch" wurde gesucht und gefunden. Als Vollstreckung der Revolution. Wie aufregend!

Da lebt in München ein feiner junger Herr, gefeiert für sein erstes uraufgeführtes Stück, bestaunt von Brecht und hingerissen vom kommunistischen Weltverbesserungsprojekt im Osten. Also verlässt Peter Hacks den Westen ("fauler Apfel"), geht nach Ostberlin ("saurer Apfel") und siedelt 1955 gleich ganz oben - am DDR-Staatstheater. Der 27jährige wird Hausautor des Deutschen Theaters. Hier galt, wie überall im gelobten Land des Peter Hacks, Kunst als Volkserziehung: Der "neue Mensch" wurde gesucht und gefunden. Als Vollstreckung der Revolution. Wie aufregend!

Hacks ging flink ans Werk. Doch sein Drama "Die Sorgen und die Macht" war eine schwere Geburt und lebte nur kurz. Es handelt vom Konflikt zwischen Saurem und Faulem, zwischen altem und neuen Adam, zwischen Unten und Oben. Ein kommunistisches Lehrstück, das schlimme Zustände beschreibt, aber glücklich ausgeht. Es wurde - was seinerseits ein Lehrstück ist - verboten. Und jetzt von Tom Kühnel und Jürgen Kuttner am Uraufführungsort, im DT, wieder hervor geholt. Das spannende Motto: Wie es damals war in der DDR.

Und wie war es? Sehr komisch, ziemlich befremdlich, eigentlich ganz aufregend und verrückt und irgendwie gar nicht so schlimm. Zum Schluss gleißt am Bühnenhorizont als letzter Gruß an den gestürzten Staat eine rote Sonne - ist es die des Abends oder die eines leuchtenden Morgens?

Man annoncierte einen "Bunten Abend". Kunterbunt ging es denn auch gut drei Stunden lang ab. Mit einer Zeiten, Figuren, Personen, Dokumente und Poesien verwischend durcheinander wirbelnden kabarettistischen Revue über das politische und ästhetische Grundverständnis des Peter Hacks. Über seine Rezeption damals und heute: Ein schimpfender Walter Ulbricht kommt vor und ein verehrungsvoller Frank Schirrmacher - der Bürgerliche Publizist ist fasziniert vom König der Jamben. Man spielt in Weimars Goethehaus und in Fabriken (Bühne: Jo Schramm). Der Kobold Pittiplatsch vom DDR-Kinderfernsehen, Marcel Reich-Ranicki sowie DDR-Showmaster Hans-Georg Ponesky geistern umher. Und Wolfgang Langhoff liest seine selbstmörderische Selbstkritik. Das schwungvolle Finale zitiert geradezu bewundernd, ausgiebig und geschliffen den bösen Hacks-Hass auf alle Mauer-Einreißer und Verräter von 1989. Soweit die unübersichtlich breitgetretenen Hacks-Paraphrasen. Aber wovon handelt dessen Stück?

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http://www.welt.de/die-welt/kultur/artic...so-schlimm.html



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