#21

RE: das schwarze Schaf in der Familie

in DDR Zeiten 23.06.2013 18:41
von DoreHolm | 7.703 Beiträge

Zitat von Ameisenferdinand im Beitrag #3
Das schwarze Schaf in der Familie war ich. Meine Eltern SED- Mitglieder, mein Vater Major bei den GT, unter anderem als Politoffizier und Kompaniechef. Meine Schwestern in der SED, eine auch noch FDJ- Funktionär und gewählte Abgeordnete im Rat der Stadt, mein Bruder Unteroffizier bei der NVA und ich als Republikflüchtling im Knast.....................................

Andreas


Na da war´s wenigstens nicht langweilig bei den Familienfeiern, als Du wieder draußen warst. Wie bei meinem Opa und seinen beiden Brüdern: Einer Kommunist, einer Sozi, der Andere Deutsch-Nationaler.



nach oben springen

#22

RE: das schwarze Schaf in der Familie

in DDR Zeiten 23.06.2013 18:53
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Ameisenferdinand im Beitrag #7
@Lutze
Vielleicht lag es daran das ich immer ein unbequemer Mensch war, mich nicht anpassen lasse wenn es meine eigenen moralischen Prinzipien wiederspricht. Ich habe einen Kopf zum Denken und sah in der DDR den Wiederspruch zwischen der offiziellen Selbstdarstellung der DDR (alles für das Wohl des Volkes....) und der realen Umsetzung der Politik die in einem, nun sagen wir mal, pervertiertem Unterdrückungsapperat endete. Es wurden Duckmäuser, nickende Jasager und Denunzianten protegiert und jedes selbständige Denken und Meinungen unterdrückt.
Wohlgemerkt, es ging mir nie um eine Kritik an der Gesellschaft und der Idee vom Sozialismus an sich, mir wiederstrebten nur die Pervertierung der Umsetzung die in einer totalitären Funktionärsbürokratie endete.Und das konnte ich nicht mit meinen eigenen moralischen und ethischen Prinzipien vereinbaren.

Andreas


Andreas, früher hätte ich Leute wie dich gemieden. Heute bewundere ich deine Haltung jedoch. Hat wahrscheinlich auch etwas mit Meinungsbildung, oder Meinungsänderung zu tun. Es war j nun nicht so, dass ich bis 1989 mit Scheuklappen durch die Gegend gerannt bin. Vieles von dem woran die DDR so krankte und schließlich unterging, war mir durchaus bekannt. Trotzdem hatte ich das alles mehr oder weniger hingenommen. So erging es vielen, gerade bei der VP. Dazu ein Beispiel: während einer Parteiversammlung, im Mai 1989, unmittelbar nach den Kommunalwahlen, machte ein Oberleutnant der Feuerwehr, vor versammelter ( Partei)Mannschaft, auf die eklatanten Versorgungsmängel hinsichtlich von Ersatzteilen, in der Landwirtschaft des Kreises aufmerksam. Der Mann meinte, " wir sollten nicht nur immer das Gute sehen. Sondern auch die Dinge ansprechen, die überhaupt nicht gut sind." Dem Parteisekretär, einen fast sechzigjährigen Hauptmann, verschlug es beinahe die Sprache. Lediglich zwei Polizisten, von dreißig, standen dem Oberleutnant bei, brachten eigene, nicht minder gravierende Erfahrungen ins Spiel. Der Rest hüllte sich in betretenem Schweigen. Obwohl die angesprochenen Probleme jedem einzelnen bekannt waren. Wir lebten ja schließlich nicht im " luftleeren Raum".
Mit den Worten: " Genossen, wir wollen doch hier keine Fehlerdiskussion machen", riss der Parteisekretär, wieder die Initiative an sich. Der Oberleutnant wurde in diesem Zusammenhang als " undankbar" beschimpft. Hatte er doch vor kurzem ein Eigenheim bezogen. " Wem verdankst du dein Eigenheim?", fragte der Parteisekretär. Resigniert abwinkend, hüllte sich der Oberleutant nun seinerseits in Schweigen. Später, auf dem Flur, außer Sichtweite des Parteisekretärs, hat jeder dem Oberleutant auf die Schulter geklopft. Statt dem Parteisekretär sie Meinung zu geigen.
So etwas passierte in der ganzen DDR, nicht nur im Rahmen von Parteiversammlungen. Desto mehr ziehe ich den Hut vor Leuten, die den ganzen Quatsch nicht mehr mitmachen wollten.

Gruß Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


thomas 48 hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#23

RE: das schwarze Schaf in der Familie

in DDR Zeiten 23.06.2013 18:56
von DoreHolm | 7.703 Beiträge

Zitat von Ameisenferdinand im Beitrag #13
@Lebensläufer
Ich meine, das jeder der etwas werden wollte sich entweder anpassen musste, oder tatsächlich wirklich an das ganze Zeuchs glaubte. Und die meisten haben sich angepasst. Man hat zugesehen das man den Arsch an die Wand bekam, um den eigenen Vorteil willen in die Partei eingetreten, das hat doch kaum einer gemacht weil er überzeugt war. Nein, es ging ums Studium, oder Meisterschule, eine bessere Position im Beruf, etc.
Ich kann mich an eine Begebenheit im Betrieb erinnern, der Obersteiger kam an und sagte das einer aus der Brigade "Aktivist" wird. Und wollte Vorschläge, fügte gleich hinzu, das es aber nur jemand sein darf, der in der "Partei" ist. Also ging es bei der Auszeichnung nicht darum wer am besten arbeitet sondern nur darum wer das richtige Parteibuch hat. Denn rein Arbeitsmässig war ich selber um Längen besser als der Rest, mit einer durchschnittlichen Normerfüllung von 120 bis 150%. Und das habe ich nicht gemacht um den Sozialismus zu stärken sondern um mehr Geld zu verdienen.
Die meisten, ich will nicht sagen alle, waren doch auch nur um ihren eigenen Vorteil bedacht oder auch nur um keine Nachteile zu haben.

Andreas


Solche Verfahrensweisen gab es leider. Vornehmlich wohl eher in größeren Betrieben mit hauptamtlichen Funktionären, vermute ich. War bei uns anders, in unserem 200-Leute-Betrieb. Als BPO-Sekretär (nebenamtlich) hatte ich da ein Wort mitzureden. Die SED-Mitgliedschaft hat da wimre so gut wie keine Rolle gespielt. Entscheidend war die Arbeitseinstellung, Qualität, Zuverlässigkeit und gesellschaftliches Engagement. Arbeiter waren dabei klar im Vorteil. Ich selbst wurde ein mal vorgeschlagen. Eine Kollegin aus unserer Abteilung (Laborantin), parteilos, christlich (katholisch) aktiv, nebenamtlich Schöffin, sollte zu einem 1. Mai ausgezeichnet werden. Da sie allerdings vorher verlautbaren ließ, daß sie nicht zur Mai-Demo erscheinen wird, habe ich dagegengestimmt. Grund: Nicht weil ich sie nicht für würdig befand, sondern weil ich schon die gehässigen Bemerkungen der Nichtausgezeichneten hörte "Na, wo sind denn nun unsere Aktivisten heute zur Demo ?" Ich sagte in der Kommission: Nicht zum 1. Mai, aber ganz klar zum Tag d. Chemiearbeiters,d er immer im November stattfand. Es wurde so akzeptiert und auch gemacht. Sie wurde ein halbes Jahr später ausgezeichnet. Irgendwann sage ich es ihr auch noch mal. Übrigens, sie war wider Erwarten doch zur Demo erschienen. War mir etwas peinlich, aber nicht mehr zu ändern.



ABV hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#24

RE: das schwarze Schaf in der Familie

in DDR Zeiten 23.06.2013 19:08
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #20
Sehr geehrte grenzgaengerin,

es geht nicht um das Einschlagen auf die SED ,sondern um die SED selbst.
Deine Bemerkung vermittelt den Eindruck die DDR bzw. SED hätte damals nur vergessen die Andersdenkenden mit einzubeziehen.
Das war überhauptnicht so! Eine Partei die durch Wahlbetrug an die Macht kam und deren Ideologie nach sowjetischen Vorbild auf Unterdrückung und Terror aufgebaut war und sich ständig von Feinden umgeben sah kann keine Andersdenkenden mit einbeziehen. Diese Anderdenkenden wären für sie zu einer existenziellen Gefahr geworden.Das wußten Ulbricht,Mielke und Honecker ganz genau.


Alle diese Themen haben jetzt überhaupt nichts mit dem Problem einzelner mit ihrer Familie zu tun. Es geht hier um zwischenmenschliche, tiefe familiäre Beziehungen, die zum Teil stark gelitten haben. Der Riss ging nicht nur durch Ost und West , sondern oft quer durch Familien in der DDR.

Sollte ich meinem Vater 2007 mit Mielke, Ulbricht und Honecker kommen? Sollte ich ihn als Feigling bezeichnen, weil er nicht zu seiner Tochter gestanden hat? Sollte ich ich ihn durch die BILD - Zeitung anprangern lassen? Er mein Vater, Genosse ist Schuld, dass mir, seiner Tochter in der DDR Unrecht geschah?

Das einzige was ich ihm vorwerfen kann, ist, dass er es unterlassen, versäumt hat, mir den Rücken zu stärken, sondern mir damals, vor über 30 Jahren, Vorwürfe gemacht hat.

Alles andere ist Aufarbeitung der Geschichte der DDR. Und wenn man das qualifiziert tun möchte, dann muss man sich bemühen - Sein Wissen erweitern, Wissen austauschen. Zu dieser Kommunikation gehört nicht nur mitteilen, sondern auch einfühlen. Und nicht bei jedem Wort, dass nicht in die eigene Schablone passt, wieder alles mit Allgemeinplätzen überlagern.

LG von der grenzgaengerin


Küchenbulle 79, Kurt, DoreHolm und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 23.06.2013 19:08 | nach oben springen

#25

RE: das schwarze Schaf in der Familie

in DDR Zeiten 23.06.2013 19:31
von seaman | 3.487 Beiträge

Dieser Riss durch Familien wurde nach einer Republikflucht oft noch durch persönliche Nachteile für in der DDR verbliebene Angehörige zementiert und in manchen Fällen dadurch endgültig.
Abgesehen von diesem "schwarzen Schaf",das bei zurückbleibenden Angehörigen mitunter Scham bzw. persönlich-menschliche Enttäuschung hervorrief,da sie integriert im Staat DDR waren,kamen noch diverse andere Dinge hinzu.
Geschwister,die nicht oder verspätet,unter Auflagen, zum Studium zugelassen wurden bzw. sich vom Flüchtling lossagen mussten.
Verwandte,die als NSW-Reisekader,ihren Job verloren.Zerplatzte Berufs-und Reiseträume usw.
Ausgelöst,durch das egoistische "schwarze Schaf"....

seaman


ABV, Küchenbulle 79 und thomas 48 haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#26

RE: das schwarze Schaf in der Familie

in DDR Zeiten 23.06.2013 19:34
von Alfred | 6.853 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #25
Dieser Riss durch Familien wurde nach einer Republikflucht oft noch durch persönliche Nachteile für in der DDR verbliebene Angehörige zementiert und in manchen Fällen dadurch endgültig.
Abgesehen von diesem "schwarzen Schaf",das bei zurückbleibenden Angehörigen mitunter Scham bzw. persönlich-menschliche Enttäuschung hervorrief,da sie integriert im Staat DDR waren,kamen noch diverse andere Dinge hinzu.
Geschwister,die nicht oder verspätet,unter Auflagen, zum Studium zugelassen wurden bzw. sich vom Flüchtling lossagen mussten.
Verwandte,die als NSW-Reisekader,ihren Job verloren.Zerplatzte Berufs-und Reiseträume usw.
Ausgelöst,durch das egoistische "schwarze Schaf"....

seaman






Dem "schwarzen Schaf" war aber vorher auch bekannt, dass es bestimmte Reaktionen geben konnte.


nach oben springen

#27

RE: das schwarze Schaf in der Familie

in DDR Zeiten 23.06.2013 19:35
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #26
Zitat von seaman im Beitrag #25
Dieser Riss durch Familien wurde nach einer Republikflucht oft noch durch persönliche Nachteile für in der DDR verbliebene Angehörige zementiert und in manchen Fällen dadurch endgültig.
Abgesehen von diesem "schwarzen Schaf",das bei zurückbleibenden Angehörigen mitunter Scham bzw. persönlich-menschliche Enttäuschung hervorrief,da sie integriert im Staat DDR waren,kamen noch diverse andere Dinge hinzu.
Geschwister,die nicht oder verspätet,unter Auflagen, zum Studium zugelassen wurden bzw. sich vom Flüchtling lossagen mussten.
Verwandte,die als NSW-Reisekader,ihren Job verloren.Zerplatzte Berufs-und Reiseträume usw.
Ausgelöst,durch das egoistische "schwarze Schaf"....

seaman






Dem "schwarzen Schaf" war aber vorher auch bekannt, dass es bestimmte Reaktionen geben konnte.


Das sollte man jedem logisch Denkenden zutrauen.

seaman


nach oben springen

#28

RE: das schwarze Schaf in der Familie

in DDR Zeiten 23.06.2013 19:43
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Das "schwarze Schaf" war in der Regel über 18 Jahre alt und für sein Tun selbst verantwortlich mit allen Konsequenzen.

Wenn der Staat dann mit "Schafherdenhaft" reagierte, lag nicht in der Verantwortung des "schwarzen Schafes". Oder gab es ein Gesetz, dass solch eine Reaktion vorschrieb?

LG von der grenzgaengerin

EDIT


zuletzt bearbeitet 23.06.2013 19:48 | nach oben springen

#29

RE: das schwarze Schaf in der Familie

in DDR Zeiten 23.06.2013 19:49
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #28
Das "schwarze Schaf" war in der Regel über 18 Jahre alt und für sein Tun selbst verantwortlich.

Wenn der Staat dann mit "Schafherdenhaft" reagierte, lag nicht in der Verantwortung des "schwarzen Schafes". Oder gab es ein Gesetz, dass solch eine Reaktion vorschrieb?

LG von der grenzgaengerin


Kaderpolitische Richtlinien und Weisungen i.b. auf Westverwandtschaft gab es schon.

seaman


zuletzt bearbeitet 23.06.2013 19:50 | nach oben springen

#30

RE: das schwarze Schaf in der Familie

in DDR Zeiten 23.06.2013 20:00
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Zitat von seaman im Beitrag #29


Kaderpolitische Richtlinien und Weisungen i.b. auf Westverwandtschaft gab es schon.

seaman


Ein wenig schwach Dein Argument. Diese Richtlinien und Weisungen galten dem/der Angestellten. Ich habe bis heute, auch weil ich mir nach 1989 nicht die Mühe gemacht habe, solch eine Richtlinie und Weisung schwarz auf weiß gesehen.

Wurde da auch geregelt wie man mit "schwarzen Schafen" in der Familie umgeht?

LG von der grenzgaengerin

EDIT Und nicht alle "schwarzen Schafe" haben die Weide verlassen.


zuletzt bearbeitet 23.06.2013 20:05 | nach oben springen

#31

RE: das schwarze Schaf in der Familie

in DDR Zeiten 23.06.2013 20:04
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #30
Zitat von seaman im Beitrag #29


Kaderpolitische Richtlinien und Weisungen i.b. auf Westverwandtschaft gab es schon.

seaman


Ein wenig schwach Dein Argument. Diese Richtlinien und Weisungen galten dem/der Angestellten. Ich habe bis heute, auch weil ich mir nach 1989 nicht die Mühe gemacht habe, solch eine Richtlinie und Weisung schwarz auf weiß gesehen.

Wurde da auch geregelt wie man mit "schwarzen Schafen" in der Familie umgeht?

LG von der grenzgaengerin








Trotzdem dürfte es Dir geläufig sein,dass es Berufsgruppen in der DDR gab,bei denen man keine Angehörigen 1.Grades im NSW haben durfte,oder?
So mancher Berufswunsch war dadurch schon zum Scheitern verurteilt bzw. der Job wurde nach einer RF eines Familienangehörigen auf Grund dessen beendet.

seaman


zuletzt bearbeitet 23.06.2013 20:07 | nach oben springen

#32

RE: das schwarze Schaf in der Familie

in DDR Zeiten 23.06.2013 20:19
von DoreHolm | 7.703 Beiträge

Ich bin mir aber sicher, daß bei einem "Schwarzen Schaf" in der Familie, das RF begangen hatte oder eine erhebliche andere absichtliche Tat zum Schaden der Gesellschaft, die Nachteile für die Angehörigen nicht selten eine Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen nicht gegeben war. Es war ja schon immer so, daß es in einer Familie mit mehreren Kindern nicht selten diametral entgegengesetzte Entwicklungen gab, ohne daß auch nur einer der Angehörigen, egal ob Geschwister oder Eltern, das hätten auf Dauer verhindern können. Hatte es schon mal geschrieben: Wenn ich 67 bei meinem "Kurzausflug" nach WB dort geblieben wäre, wäre meinem Vater außer Vernehmung durch das MfS sicher tüchtige Vorwürfe gemacht worden, wie er denn seinen Sohn erzogen hat. Wahrscheinlich wäre er zumindest vorübergehend auf eine niedrigere Leitungsstufe versetzt worden. NSW-Reisekader wäre sicher passe`gewesen, obwohl das völliger Quatsch gewesen wäre. In keiner Weise wäre anzunehmen, daß mein Alter Herr bei seiner nächsten NSW-Reise auch dort geblieben wäre.



nach oben springen

#33

RE: das schwarze Schaf in der Familie

in DDR Zeiten 23.06.2013 20:20
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Zitat von seaman im Beitrag #31


Trotzdem dürfte es Dir geläufig sein,dass es Berufsgruppen in der DDR gab,bei denen man keine Angehörigen 1.Grades im NSW haben durfte,oder?
So mancher Berufswunsch war dadurch schon zum Scheitern verurteilt bzw. der Job wurde nach einer RF auf Grund dessen beendet.




Ich kenne genug Familien, bei denen das kein Problem war. Auch bei meiner Familie nicht. Meine Tante verließ 1955 mit ihrer Familie die DDR. Und alle meine Tanten, Onkel und erst recht mein Vater haben eine steile Karriere in der DDR gemacht. Eine wirklich steile

Das Problem wurde in unserer Familie ganz einfach gelöst. Mein Opa, der als Rentner in den Westen reisen durfte, war der Postillion der Erfüllung der West - Wünsche. Als ich das durch Zufall mitbekommen habe, ist mein Fell noch schwärzer geworden, wegen der Verlogenheit mit der die Richtlinien und Weisungen befolgt wurden. Ich muß zur Ehrenrettung meines Vaters sagen, dass er darin nicht verstrickt war. Aber gewußt hat er es.

LG von der grenzgaengerin

EDIT


zuletzt bearbeitet 23.06.2013 20:31 | nach oben springen

#34

RE: das schwarze Schaf in der Familie

in DDR Zeiten 23.06.2013 21:18
von Anja-Andrea | 902 Beiträge

Zitat von thomas 48 im Beitrag #14
Ameisenferdinand,
Hast ja eine tolle Familie gehabt.! Als du verurteilt wurdest, was hat der Richter deinem Vater vorgeworfen? Wurde er von seiner Stelle abgesetzt? Haben dich deine Eltern jemals verstanden?
Als ich beim MfS verhört wurde, wurde mein Vater zur Kreisleitung vorgeladen, wo die Genossen und mein Vernehmer sich mit ihm unterhielten.
Hat aber seine Stelle nicht verloren.


Ich muss ganz ehrlich sagen das meine Familie zu mir gestanden hat. Obwohl ihnen nahegelegt wurde sich von mir loszusagen. Aber genau diese Forderung hat dann ein Umdenken bei meiner Familie bewirkt. mein Vater wurde aus dem aktiven Grenzdienst entfernt und wurde in eine Werkstatt versetzt in der Pioniertechnik der GT repariert wurde. Jedenfalls habe sie zu mir gestanden und mich auch im Strafvollzug besucht.

Andreas


http://kaube-blog.de/


ABV und thomas 48 haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#35

RE: das schwarze Schaf in der Familie

in DDR Zeiten 23.06.2013 21:56
von utkieker | 2.925 Beiträge

Die "schwarzen Schafe", waren vieleicht Außenseiter aber gerade deswegen auch geliebt. Onkel Jolly war schon in den 50er Jahren nach Westen übergesiedelt, so richtig glücklich war er da aber auch nicht immerhin war er ein begnadeter Musiker mit dem Saxophon und der Gitarre hat er wirklich tollen Rock'n Roll gespielt. Seine "schwarze" Seite war die Trunksucht. Wir Kiddies in Ost und West mochten Onkel Jolly, weil er nicht so bierernst war, wie unsere Eltern es gern gesehen hätten.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
nach oben springen

#36

RE: das schwarze Schaf in der Familie

in DDR Zeiten 23.06.2013 21:56
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #33
Zitat von seaman im Beitrag #31


Trotzdem dürfte es Dir geläufig sein,dass es Berufsgruppen in der DDR gab,bei denen man keine Angehörigen 1.Grades im NSW haben durfte,oder?
So mancher Berufswunsch war dadurch schon zum Scheitern verurteilt bzw. der Job wurde nach einer RF auf Grund dessen beendet.




Ich kenne genug Familien, bei denen das kein Problem war. Auch bei meiner Familie nicht. Meine Tante verließ 1955 mit ihrer Familie die DDR. Und alle meine Tanten, Onkel und erst recht mein Vater haben eine steile Karriere in der DDR gemacht. Eine wirklich steile

Das Problem wurde in unserer Familie ganz einfach gelöst. Mein Opa, der als Rentner in den Westen reisen durfte, war der Postillion der Erfüllung der West - Wünsche. Als ich das durch Zufall mitbekommen habe, ist mein Fell noch schwärzer geworden, wegen der Verlogenheit mit der die Richtlinien und Weisungen befolgt wurden. Ich muß zur Ehrenrettung meines Vaters sagen, dass er darin nicht verstrickt war. Aber gewußt hat er es.

LG von der grenzgaengerin

EDIT





Denke mal,
es wird individuell immer unterschiedliche Erfahrungen dazu geben.
Dabei sollte man auch immer das Zeitfenster betrachten und wer abtrünnig geworden ist.

seaman


nach oben springen

#37

RE: das schwarze Schaf in der Familie

in DDR Zeiten 23.06.2013 22:16
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Zitat von seaman im Beitrag #36


Denke mal,
es wird individuell immer unterschiedliche Erfahrungen dazu geben.
Dabei sollte man auch immer das Zeitfenster betrachten und wer abtrünnig geworden ist.




Wahrscheinlich besaß unsere Familie "besondere" Privilegien. Mein Bruder, der über 10 Jahre jünger ist als ich, hatte jedenfalls keine Nachteile nachdem ich in "Ungnade" gefallen bin.

Doch, ein Nachteil hat er einmal formuliert - Er hätte mich sehr gebraucht als reale Schwester.

LG von der grenzgaengerin


zuletzt bearbeitet 23.06.2013 22:17 | nach oben springen

#38

RE: das schwarze Schaf in der Familie

in DDR Zeiten 23.06.2013 22:20
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #37
Zitat von seaman im Beitrag #36


Denke mal,
es wird individuell immer unterschiedliche Erfahrungen dazu geben.
Dabei sollte man auch immer das Zeitfenster betrachten und wer abtrünnig geworden ist.





Doch, ein Nachteil hat er einmal formuliert - Er hätte mich sehr gebraucht als reale Schwester.

LG von der grenzgaengerin




Werden wohl viele so empfunden haben.

seaman


nach oben springen

#39

RE: das schwarze Schaf in der Familie

in DDR Zeiten 23.06.2013 22:26
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #21
Zitat von Ameisenferdinand im Beitrag #3
Das schwarze Schaf in der Familie war ich. Meine Eltern SED- Mitglieder, mein Vater Major bei den GT, unter anderem als Politoffizier und Kompaniechef. Meine Schwestern in der SED, eine auch noch FDJ- Funktionär und gewählte Abgeordnete im Rat der Stadt, mein Bruder Unteroffizier bei der NVA und ich als Republikflüchtling im Knast.....................................

Andreas


Na da war´s wenigstens nicht langweilig bei den Familienfeiern, als Du wieder draußen warst. Wie bei meinem Opa und seinen beiden Brüdern: Einer Kommunist, einer Sozi, der Andere Deutsch-Nationaler.



Oh @Dore, das war aber eine echt brisante Mischung....!


josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
nach oben springen

#40

RE: das schwarze Schaf in der Familie

in DDR Zeiten 23.06.2013 22:36
von DoreHolm | 7.703 Beiträge

Zitat von josy95 im Beitrag #39
Zitat von DoreHolm im Beitrag #21
Zitat von Ameisenferdinand im Beitrag #3
Das schwarze Schaf in der Familie war ich. Meine Eltern SED- Mitglieder, mein Vater Major bei den GT, unter anderem als Politoffizier und Kompaniechef. Meine Schwestern in der SED, eine auch noch FDJ- Funktionär und gewählte Abgeordnete im Rat der Stadt, mein Bruder Unteroffizier bei der NVA und ich als Republikflüchtling im Knast.....................................

Andreas


Na da war´s wenigstens nicht langweilig bei den Familienfeiern, als Du wieder draußen warst. Wie bei meinem Opa und seinen beiden Brüdern: Einer Kommunist, einer Sozi, der Andere Deutsch-Nationaler.



Oh @Dore, das war aber eine echt brisante Mischung....!
josy95



Kann´ste wohl annehmen. Mein Opa war der Sozi. Mein Vater erzählte immer, wie es dort ablief. Die erste halbe Stunde verlief friedlich, dann begannen die selbstgemachten Kirschwein- und Likör ihre Wirkung zu entfalten.
Den Deutschnationalen gibt es heute noch. Seine Nachkommen betreiben einen bekannten Möbelhandel im Raum Cottbus/FF-Oder.



nach oben springen



Besucher
7 Mitglieder und 34 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Oderfischer
Besucherzähler
Heute waren 93 Gäste und 17 Mitglieder, gestern 3936 Gäste und 179 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14372 Themen und 558373 Beiträge.

Heute waren 17 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen