#381

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 17.06.2015 21:22
von ehem. Hu | 466 Beiträge

Zitat von andy im Beitrag #373
Interessant in dem Zusammenhang ist auch die Aussage von E. Bahr, der als damaliger Chefredakteur des RIAS einschätzte, dass es den 17. Juni ohne den RIAS nie gegeben hätte:
andy
http://www.deutschlandradiokultur.de/bah...ticle_id=132181

Auch nachzulesen in "Zu meiner Zeit", Egon Bahr, Kapitel 17. Juni 1953

"Zum erstenmal wurden Verantwortung und Macht eines elektronischen Mediums deutlich, das, ohne den zeitraubenden Vorgang des Denkens und ohne von Grenzen aufgehalten zu werden, Menschen verbindet, die am Lautsprecher hängen, und sie innerhalb weniger Stunden zu gleichem Verhalten veranlasst."

friedliche Grüße Andreas


zuletzt bearbeitet 17.06.2015 21:22 | nach oben springen

#382

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 18.06.2015 00:54
von StabsfeldKoenig | 2.656 Beiträge

Zitat von ehem. Hu im Beitrag #381
Zitat von andy im Beitrag #373
Interessant in dem Zusammenhang ist auch die Aussage von E. Bahr, der als damaliger Chefredakteur des RIAS einschätzte, dass es den 17. Juni ohne den RIAS nie gegeben hätte:
andy
http://www.deutschlandradiokultur.de/bah...ticle_id=132181

Auch nachzulesen in "Zu meiner Zeit", Egon Bahr, Kapitel 17. Juni 1953

"Zum erstenmal wurden Verantwortung und Macht eines elektronischen Mediums deutlich, das, ohne den zeitraubenden Vorgang des Denkens und ohne von Grenzen aufgehalten zu werden, Menschen verbindet, die am Lautsprecher hängen, und sie innerhalb weniger Stunden zu gleichem Verhalten veranlasst."

friedliche Grüße Andreas



Der 17. Juni 1953 ist der einzige, mir bekannte "Aufstand" in der jüngeren Geschichte (abgesehen von den ganz modernen Internet-Aufständen in Nordafrika), bei dem es keine namentlich bekannten Anführer bzw. Organisationsstrukturen gab. Ein paar Bauarbeiter beschließen, daß sie streiken wollen, latschen zum Rias, quatschen ins Mikro und am nächsten Tag gibt es einen "Volksaufstand". Da verschweigt man uns was. Und woher hatten die "Flitzer" (junge Männder in Westklamotten) die neuen, verchromten Fahrräder? Für den Arbeiter in der DDR war damals ein gebrauchtes Fahrrad noch etwas wertvolles.



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#383

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 18.06.2015 09:34
von eisenringtheo | 9.191 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #382
(...)


Der 17. Juni 1953 ist der einzige, mir bekannte "Aufstand" in der jüngeren Geschichte (abgesehen von den ganz modernen Internet-Aufständen in Nordafrika), bei dem es keine namentlich bekannten Anführer bzw. Organisationsstrukturen gab. Ein paar Bauarbeiter beschließen, daß sie streiken wollen, latschen zum Rias, quatschen ins Mikro und am nächsten Tag gibt es einen "Volksaufstand". Da verschweigt man uns was. Und woher hatten die "Flitzer" (junge Männder in Westklamotten) die neuen, verchromten Fahrräder? Für den Arbeiter in der DDR war damals ein gebrauchtes Fahrrad noch etwas wertvolles.

Meine Meinung dazu:
Wenn man die Schwerpunkte der Unruhen in Berlin ansieht, ist unbestritten, dass sich wohl viele Westberliner daran beteiligt haben. Es gab ja offziell noch keine Grenzen
http://www.hdg.de/lemo/bestand/medien/video-17-juni.html
Viele Westberliner waren verärgert, weil sie seit Mai/Juni 1952 nicht mehr in die DDR reisen durften. Es wurden Kontrollpassierpunkte eingerichtet, damit das auch durchgesetzt werden konnte. Westberlin war nun zu einer "Insel" geworden.
Die Frage ist nun, ob der Aufstand vom Westen organisiert worden ist (durch einen oder mehere der vielen Geheimdienste in Westberlin), oder ob diese bei den Unruhen einfach tatkräftige Unterstützung geleistet haben, wobei die ohnehin ausgebrochen wären, weil die Ursachen dafür in der DDR lagen: die Unzufriedenheit über die Leistungsnormenerhöhungen in den Betrieben. Gleichzeitig gab es Erleichterungen für private Betriebe
Am 11. Juni wurde der „Neue Kurs“ des Politbüros schließlich im Neuen Deutschland, dem Zentralorgan der SED, verkündet: Darin war durchaus Selbstkritik enthalten. Einige Maßnahmen zum Aufbau des Sozialismus wurden zurückgenommen. So sollten Steuer- und Preiserhöhungen aufgehoben werden. Handwerker, Einzelhändler und private Industriebetriebe konnten die Rückgabe ihrer Geschäfte und Betriebe beantragen. Mittelbauern bekamen ihre zuvor konfiszierten Landmaschinen zurück. Alle Verhaftungen und Urteile sollten überprüft werden. Abschaltungen des elektrischen Stromes erfolgten nicht mehr.
Der Kampf gegen die Junge Gemeinde wurde eingestellt. Pastoren und kirchliche Mitarbeiter wurden aus der Haft entlassen, konfiszierte Gebäude zurückgegeben. Wegen kirchlichen Bekenntnisses von der Oberschule verwiesene Schüler mussten wieder aufgenommen und zum Abitur zugelassen werden. Zu dem kurz danach in Hamburg stattfindenden 5. Deutschen Evangelischen Kirchentag wurden großzügig Interzonenpässe vergeben und sogar Sonderzüge eingesetzt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Aufstand_des_17._Juni
Aus Sicht eines Arbeiters in einem staatlichen Betrieb war das nun nicht gerade das, was er wünschte...selber mehr schuften und mehr Freiheit für "Kapitalisten".
Dass russische Truppen und Panzer, speziell an der Sektorengrenze zum Einsatz kamen, ergab sich aus der speziellen Situation Berlins. Nach den Potsdamer Abkommen durften in Berlin keine deutschen Truppen sein, vor allem traute man der DDR Regierung nicht und befürchtete wohl eine "Verbrüderung" an der Sektorengrenze mit Westberlinern.
Theo


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#384

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 18.06.2015 10:02
von Freienhagener | 3.879 Beiträge

Wir haben doch gelernt: Voraussetzung ist eine revolutionäre Situation: Die Regierung kann nicht mehr, das Volk will nicht mehr.
Ohne diese Voraussezungen sind Provokationen vergebliche Mühe.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
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#385

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 18.06.2015 10:38
von DoreHolm | 7.714 Beiträge

War es nicht auch so, daß die Beschlüsse zur Normerhöhung bereits am 16. Juni aufgehoben wurden und somit eigentlich der Hauptgrund, weshalb zum Aufstand ausgerufen wurde, entfallen war ? Da wurde daran gedreht, daß es doch noch wie geplant lief. Wie in einem Drehbuch. Mein Vater war damals in einer Erfurter Möbelfabrik BGLer. Lt. seinen Memoieren gab es ein paar, die Stunk machten, wurden aber schnell durch ihre eigenen Kollegen isoliert und alle gingen ihrer Arbeit nach.



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#386

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 18.06.2015 11:35
von Lutze | 8.042 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #385
War es nicht auch so, daß die Beschlüsse zur Normerhöhung bereits am 16. Juni aufgehoben wurden und somit eigentlich der Hauptgrund, weshalb zum Aufstand ausgerufen wurde, entfallen war ? Da wurde daran gedreht, daß es doch noch wie geplant lief. Wie in einem Drehbuch. Mein Vater war damals in einer Erfurter Möbelfabrik BGLer. Lt. seinen Memoieren gab es ein paar, die Stunk machten, wurden aber schnell durch ihre eigenen Kollegen isoliert und alle gingen ihrer Arbeit nach.

Wurde wirklich Stunk gemacht?oder wollten einige Kollegen die Wahrheit
nicht hören?klingt nach,gebt Ruhe,oder ihr seit weg vom Fenster
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#387

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 18.06.2015 12:58
von Klauspeter | 991 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #384
Wir haben doch gelernt: Voraussetzung ist eine revolutionäre Situation: Die Regierung kann nicht mehr, das Volk will nicht mehr.
Ohne diese Voraussezungen sind Provokationen vergebliche Mühe.

Du bringst es auf den Punkt. Entscheidend sind die inneren Widersprüche; werden sie nicht gelöst, dann kommt es zur Explosion. Von "außen" kann man Öl ins Feuer gießen, damit es größer wird, aber das Feuer muss erst einmal im inneren des Landes lodern.

2 entgegengesetzte Tendenzen zeigten sich in den letzten Jahren, wenn es um die Wertung des 17.Juni 1953 ging:

Zum einen eine Verniedlichung der Bedeutung des 17.Juni 1953, wie sie bereits zu DDR-Zeiten Mode war: Konterrevolutionärer Putsch mit eingeschleusten Provokateuren aus Westberlin und getragen von ehemaligen Nazis, die sich in manchen Betrieben unter den Arbeitern konzentrierten. Die Absicht wird deutlich: Es konnte nicht sein, dass Arbeiter, die fest zu Partei und Regierung standen, gegen die Parteipolitik vorgingen.

Die 2.Tendenz, die m.E. gegenwärtig immer deutlicher wird, ist eine Überhöhung dieser Ereignisse vom Juni 1953. Das zeigt sich schon im Sprachgebrauch: Lange Zeit wurde der Begriff "Putsch" verwendet, dann wurde vom "Arbeiteraufstand" gesprochen und gegenwärtig heißt es "Volksaufstand".

Ich habe als 14jähriger den 17.Juni 1953 in Halle/Saale erlebt. Gleich neben unserer Schule (damals die Dr.-Kurt-Fischer-Schule) befand sich das Gefängnis (Der rote Ochse"). Die Gefängnismauer war eingefahren - jeder konnte rein und raus, wie er wollte. Von Polizei war nichts zu sehen.
Ich bin dann über die Geiststr. und Große Ulrichstr. zum Marktplatz. Ziemlich viele Menschen waren da. In der Nähe des Rathauses standen einige bewaffnete KVP-Angehörige -angeblich von Torgelow - Passanten diskutierten mit ihnen. Plötzlich Unruhe unter den Menschen - Rotarmisten auf Motorrädern mit Beiwagen und vorn einem MG fuhren langsam zwischen den Menschen durch, die sich zurückzogen. In der Zeit als ich dort als Beobachter war, wurde nicht geschossen. Es waren auch keine Verletzten zu sehen.

Am nächsten Tag wollte ich wieder zum Markt. Ich traf auf meinen Vater, Arbeiter in einem Betrieb, der bestreikt wurde. Er war zu Fuß auf dem Heimweg, weil die Straßenbahn nicht fuhr. Er sagte zu mir: " Mit der Sache haben wir nichts zu tun. Komm mit nach Hause!"

Am 3.Tag war wieder Schule. Die Lehrer versuchten uns etwas zu erklären, aber sie wussten selbst nicht so richtig, was los war. Es hatte sich schon alles wieder "normalisiert".
Klaus


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#388

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 18.06.2015 13:12
von Sperrbrecher | 1.663 Beiträge

Zitat von andy im Beitrag #378
Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #375
Zitat von Pit 59 im Beitrag #372
Wenn es doch so wenig waren,warum mussten denn dann Russenpanzer
auffahren ? Hatten wir für die "Paar Hanseln" nicht genug eigene Sicherheitskräfte ?

Anscheinend war man sich deren Standhaftigkeit nicht ganz sicher
und hat ihnen nicht voll vertraut, dass sie an der Stange bleiben.

Du sprichst in Rätseln.
Wer ist man und wem hat man nicht vertraut, dass sie an der Stange bleiben?
andy

Na die Ulbricht-Truppe, die Regierung, war sich wahrscheinlich nicht ganz sicher, ob
eventuell die Volkspolizei zu den Arbeitern überläuft und mit ihnen gemeinsame Sache macht.
Deshalb hat man die Sowjetarmee um Beistand gebeten.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


eisenringtheo hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 18.06.2015 13:13 | nach oben springen

#389

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 18.06.2015 13:15
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Danke für Deinen Zeitzeugenbericht in #387, @Klauspeter.
Ich habe nur welche aus 2.Hand erhalten, von meinen Eltern, als sie noch lebten.
Der 17. Juni war ein Ereignis wenige Monate vor meiner Geburt.
Meine Eltern berichteten mir, dass in Görlitz sowjetische Panzer, vom Bahnhof kommend, die Berliner Strasse (eine relativ enge Einkaufsstrasse) entlangpreschten und in die Luft schossen. Die Menschen stoben auseinander und flohen in die Hauseingänge.
Ich war oft in dieser Strasse und versuchte mir diese Bilder vorzustellen.
Am Amtsgericht (Berliner Strasse / Postplatz ) ist eine Gedektafel für die Opfer der Ereignisse von damals.
http://www.weltkirche.katholisch.de/medi...d_DDR_730x_.jpg


Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
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zuletzt bearbeitet 18.06.2015 13:55 | nach oben springen

#390

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 18.06.2015 13:39
von DoreHolm | 7.714 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #386
Zitat von DoreHolm im Beitrag #385
War es nicht auch so, daß die Beschlüsse zur Normerhöhung bereits am 16. Juni aufgehoben wurden und somit eigentlich der Hauptgrund, weshalb zum Aufstand ausgerufen wurde, entfallen war ? Da wurde daran gedreht, daß es doch noch wie geplant lief. Wie in einem Drehbuch. Mein Vater war damals in einer Erfurter Möbelfabrik BGLer. Lt. seinen Memoieren gab es ein paar, die Stunk machten, wurden aber schnell durch ihre eigenen Kollegen isoliert und alle gingen ihrer Arbeit nach.

Wurde wirklich Stunk gemacht?oder wollten einige Kollegen die Wahrheit
nicht hören?klingt nach,gebt Ruhe,oder ihr seit weg vom Fenster
Lutze


Lutze, Quatsch mit Soße. Warum willst du mir hier was einreden, was mein Alter Herr nicht hinterlassen hat ? Passt wohl nicht, darum diese Suggestivfrage ?



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#391

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 18.06.2015 13:48
von DoreHolm | 7.714 Beiträge

Zitat von Klauspeter im Beitrag #387
Zitat von Freienhagener im Beitrag #384
Wir haben doch gelernt: Voraussetzung ist eine revolutionäre Situation: Die Regierung kann nicht mehr, das Volk will nicht mehr.
Ohne diese Voraussezungen sind Provokationen vergebliche Mühe.

Du bringst es auf den Punkt. Entscheidend sind die inneren Widersprüche; werden sie nicht gelöst, dann kommt es zur Explosion. Von "außen" kann man Öl ins Feuer gießen, damit es größer wird, aber das Feuer muss erst einmal im inneren des Landes lodern.

2 entgegengesetzte Tendenzen zeigten sich in den letzten Jahren, wenn es um die Wertung des 17.Juni 1953 ging:

Zum einen eine Verniedlichung der Bedeutung des 17.Juni 1953, wie sie bereits zu DDR-Zeiten Mode war: Konterrevolutionärer Putsch mit eingeschleusten Provokateuren aus Westberlin und getragen von ehemaligen Nazis, die sich in manchen Betrieben unter den Arbeitern konzentrierten. Die Absicht wird deutlich: Es konnte nicht sein, dass Arbeiter, die fest zu Partei und Regierung standen, gegen die Parteipolitik vorgingen.

Die 2.Tendenz, die m.E. gegenwärtig immer deutlicher wird, ist eine Überhöhung dieser Ereignisse vom Juni 1953. Das zeigt sich schon im Sprachgebrauch: Lange Zeit wurde der Begriff "Putsch" verwendet, dann wurde vom "Arbeiteraufstand" gesprochen und gegenwärtig heißt es "Volksaufstand".

Ich habe als 14jähriger den 17.Juni 1953 in Halle/Saale erlebt. Gleich neben unserer Schule (damals die Dr.-Kurt-Fischer-Schule) befand sich das Gefängnis (Der rote Ochse"). Die Gefängnismauer war eingefahren - jeder konnte rein und raus, wie er wollte. Von Polizei war nichts zu sehen.
Ich bin dann über die Geiststr. und Große Ulrichstr. zum Marktplatz. Ziemlich viele Menschen waren da. In der Nähe des Rathauses standen einige bewaffnete KVP-Angehörige -angeblich von Torgelow - Passanten diskutierten mit ihnen. Plötzlich Unruhe unter den Menschen - Rotarmisten auf Motorrädern mit Beiwagen und vorn einem MG fuhren langsam zwischen den Menschen durch, die sich zurückzogen. In der Zeit als ich dort als Beobachter war, wurde nicht geschossen. Es waren auch keine Verletzten zu sehen.

Am nächsten Tag wollte ich wieder zum Markt. Ich traf auf meinen Vater, Arbeiter in einem Betrieb, der bestreikt wurde. Er war zu Fuß auf dem Heimweg, weil die Straßenbahn nicht fuhr. Er sagte zu mir: " Mit der Sache haben wir nichts zu tun. Komm mit nach Hause!"

Am 3.Tag war wieder Schule. Die Lehrer versuchten uns etwas zu erklären, aber sie wussten selbst nicht so richtig, was los war. Es hatte sich schon alles wieder "normalisiert".
Klaus



Rot: Könnte es sein, daß Dein Vater mit " der Sache" den Vorfall gemeint hat, daß eine aufständische straßenbahnfahrerin absichtlich einen vor ihr auf die Gleise gezerrten Polizisten überfahren hat ? Wimre war das in Halle.



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#392

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 18.06.2015 15:04
von StabsfeldKoenig | 2.656 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #384
Wir haben doch gelernt: Voraussetzung ist eine revolutionäre Situation: Die Regierung kann nicht mehr, das Volk will nicht mehr.
Ohne diese Voraussezungen sind Provokationen vergebliche Mühe.


Und der drite Punkt ist die revolutionäre Organisation. Da sich auch in den letzten 25 Jahren niemand dazu bekannt hat, einer solchen Angehört zu haben, hat offensichtlich die Organisation in den Händen westlicher Organisationen (ob Geheimdienste oder die "Ostbüros" bestimmter Parteien, ist erstmal gleich) lag. Also war es ein von außen hereingetragener Putsch, vergleichbar mit denen heutzutage beleibten "Farben-/Blumen-Revolutionen", die inn früheren Sowjetrepubliken organisiert werden.



der 39. hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#393

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 18.06.2015 15:25
von Lutze | 8.042 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #390
Zitat von Lutze im Beitrag #386
Zitat von DoreHolm im Beitrag #385
War es nicht auch so, daß die Beschlüsse zur Normerhöhung bereits am 16. Juni aufgehoben wurden und somit eigentlich der Hauptgrund, weshalb zum Aufstand ausgerufen wurde, entfallen war ? Da wurde daran gedreht, daß es doch noch wie geplant lief. Wie in einem Drehbuch. Mein Vater war damals in einer Erfurter Möbelfabrik BGLer. Lt. seinen Memoieren gab es ein paar, die Stunk machten, wurden aber schnell durch ihre eigenen Kollegen isoliert und alle gingen ihrer Arbeit nach.

Wurde wirklich Stunk gemacht?oder wollten einige Kollegen die Wahrheit
nicht hören?klingt nach,gebt Ruhe,oder ihr seit weg vom Fenster
Lutze


Lutze, Quatsch mit Soße. Warum willst du mir hier was einreden, was mein Alter Herr nicht hinterlassen hat ? Passt wohl nicht, darum diese Suggestivfrage ?

Kann doch nicht alles gewesen sein,was dein Vater dazu
aufgeschrieben hat
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#394

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 18.06.2015 16:19
von Pit 59 | 10.165 Beiträge

Zitat von Jobnomade im Beitrag #389
Danke für Deinen Zeitzeugenbericht in #387, @Klauspeter.
Ich habe nur welche aus 2.Hand erhalten, von meinen Eltern, als sie noch lebten.
Der 17. Juni war ein Ereignis wenige Monate vor meiner Geburt.
Meine Eltern berichteten mir, dass in Görlitz sowjetische Panzer, vom Bahnhof kommend, die Berliner Strasse (eine relativ enge Einkaufsstrasse) entlangpreschten und in die Luft schossen. Die Menschen stoben auseinander und flohen in die Hauseingänge.
Ich war oft in dieser Strasse und versuchte mir diese Bilder vorzustellen.
Am Amtsgericht (Berliner Strasse / Postplatz ) ist eine Gedektafel für die Opfer der Ereignisse von damals.
http://www.weltkirche.katholisch.de/medi...d_DDR_730x_.jpg


Gruss Hartmut


Dann müssten sich ja aber die jenigen die hier schreiben das es kein Volksaufstand war dafür einsetzen das diese Gedenktafel weg kommt


zuletzt bearbeitet 18.06.2015 16:49 | nach oben springen

#395

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 18.06.2015 16:38
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

lassen wir noch einen Zeitzeugen zu Wort kommen - ehemaligen DDR-Bürgern sicher kein Unbekannter:


Bertolt Brecht und der 17. Juni 1953

Der Schriftsteller Bertolt Brecht unterstützte auch nach dem 17. Juni 1953 die SED, aber es kam zu einer deutlichen Distanzierung. Noch am Tag des Aufstandes hatte er an Walter Ulbricht geschrieben.



Bertolt Brecht

In diesem Brief bekundete er seine Verbundenheit mit der SED: "Die große Aussprache mit den Massen über das Tempo des sozialistischen Aufbaus wird zu einer Sichtung und zu einer Sicherung der sozialistischen Errungenschaften führen. Es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen in diesem Augenblick meine Verbundenheit mit der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands auszudrücken."

Kurt Barthel beschimpft die Arbeiter

Am 20. Juni erschien im "Neuen Deutschland" eine Abrechnung des Sekretärs des Schriftstellerverbandes Kurt Barthel (KUBA) mit den Bauarbeitern der Stalinallee:


"Schämt ihr euch auch so, wie ich mich schäme? Da werdet ihr sehr viel und sehr gut mauern und künftig sehr klug handeln müssen, ehe euch diese Schmach vergessen wird." Weiter schrieb Barthel: "Zerstörte Häuser reparieren, das ist leicht. Zerstörtes Vertrauen wieder aufrichten ist sehr, sehr schwer."

Brechts Reaktion auf die Bauarbeiter-Schelte


Als Brecht das gelesen hatte, veranlasste es ihn zu dem berühmten bitterbösen Gedicht "Die Lösung":




Nach dem Aufstand des 17. Juni
Ließ der Sekretär des Schriftstellerverbands
In der Stalinallee Flugblätter verteilen
Auf denen zu lesen war, daß das Volk
Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe
Und es nur durch verdoppelte Arbeit
Zurückerobern könne. Wäre es da
Nicht doch einfacher, die Regierung
Löste das Volk auf und
Wählte ein anderes?

Bertolt Brecht
aus: BBGA, Bd. 12, Berlin/Frankfurt a. M. 1988, S. 310


Quelle: http://www.mdr.de/damals/siebzehnter-juni140.html

rot: die Idee gefällt mir irgendwie
Brecht konnte das so herrlich auf den Punkt bringen.

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
zuletzt bearbeitet 18.06.2015 17:29 | nach oben springen

#396

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 18.06.2015 17:13
von Fritze | 3.474 Beiträge

. Wäre es da
Nicht doch einfacher, die Regierung
Löste das Volk auf und
Wählte ein anderes?


Das mit dem Auflösen klappt wohl nicht ! Aber so langsam sich ein Volk umzubasteln ,das haben die Regierigen noch nicht aufgegeben !
Und heute mit den Massenmedien ist es einfacher als damals nur mit Reden und Aufrufen !
Ich bin weder Militarist noch Monarchieanhänger ,aber manchmal wünsch ich mir den"Alten Fritz" zurück !
Als erstes müssten paar jetzige Regierungsmitglieder (auch ein paar ehemalige ) SPIESSRUTEN LAUFEN !

MfG Fritze


"Das kann doch überhaupt nur jemand nicht wissen ,der entweder vollkommen ahnungslos ist ,oder ,oder jemand der also bösartig ist !"

"If you get up and walk away, leave the past behind, go ahead and take a ride ,no telling what you find ! "
nach oben springen

#397

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 18.06.2015 17:38
von eisenringtheo | 9.191 Beiträge

Zitat von Fritze im Beitrag #396


Das mit dem Auflösen klappt wohl nicht ! Aber so langsam sich ein Volk umzubasteln ,das haben die Regierigen noch nicht aufgegeben !
Und heute mit den Massenmedien ist es einfacher als damals nur mit Reden und Aufrufen !
Ich bin weder Militarist noch Monarchieanhänger ,aber manchmal wünsch ich mir den"Alten Fritz" zurück !
Als erstes müssten paar jetzige Regierungsmitglieder (auch ein paar ehemalige ) SPIESSRUTEN LAUFEN !

MfG Fritze

Es gab doch den Begriff "sozialistischer Mensch"
https://de.wikipedia.org/wiki/Erziehung_...%C3%B6nlichkeit
Auf Grundlage des Marxismus-Leninismus wurde eine Erziehung zur „wissenschaftlich fundierten, unverrückbaren ‚Klassenposition’“ und die Parteinahme für den Sozialismus erstrebt.
Wie der Ereignisse im Herbst 1989 beweisen, wurde diese Planziel massivst untererfüllt.
Theo


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#398

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 18.06.2015 17:46
von Fritze | 3.474 Beiträge

Wie der Ereignisse im Herbst 1989 beweisen, wurde diese Planziel massivst untererfüllt

Dann musste der Plan korrigiert werden !


"Das kann doch überhaupt nur jemand nicht wissen ,der entweder vollkommen ahnungslos ist ,oder ,oder jemand der also bösartig ist !"

"If you get up and walk away, leave the past behind, go ahead and take a ride ,no telling what you find ! "
eisenringtheo hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#399

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 18.06.2015 17:52
von damals wars | 12.218 Beiträge

Die Bananenfrage als soziales Problem war erkannt worden und sollte mit Hilfe der Nikis (nicaraguanischen Genossen) gelöst werden.
Aber dann kam die Wende.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#400

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 18.06.2015 20:25
von eisenringtheo | 9.191 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #399
Die Bananenfrage als soziales Problem war erkannt worden und sollte mit Hilfe der Nikis (nicaraguanischen Genossen) gelöst werden.
Aber dann kam die Wende.

Wir haben in der Schule gelernt, dass die gewohnte Banane ("Cavendish") ursprünglich aus Vietnam kommt und ich habe mich (nach 1975) immer gewundert, dass man im RGW nicht einfach Bananen aus Vietnam bezieht...Aber egal. Thema ist 17. Juni 1953.
Warum man keine noch grünen Bananen essen soll:
http://www.uni-duesseldorf.de/MathNat/Bi...eien/anbau.html
Theo


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