#301

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 22.06.2014 11:22
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #296
Zitat von Gert im Beitrag #289
Wenn die sowjetischen Panzer am 17.Juni 53 in den Kasernen geblieben wären, was ihr eigentliche Aufgabe als Besatzungstruppe gewesen wäre, wäre das vaterlandslose, internationale Proletenpack um Ulbricht an dem Tag weg vom Fenster gewesen. Das steht so fest wie das Amen in der Kirche.
Es war nämlich nicht Aufgabe der 4 Besatzungsmächte in Deutschland, die Regierungsform, die vom Volk gewählt wurde, zu beseitigen sondern lediglich zu verhindern, dass wieder ein faschistische Staat entsteht.Die Deutungshoheit, wer faschistisch ist, lag nicht allein bei den Kommunisten. Bei denen waren nämlich alle Faschisten, die die Internationale nicht fehlerfrei in 3 Minuten absingen konnten.




Hallo Gert!
Ich denke mal, dass sich Ulbricht und ein Großteil der anderen Funktionäre vom Proletariat = die ganz normalen Arbeiter, mental bereits "Lichtjahre" entfernt hatten.
Theoretisch hätte die DDR bereits 1953, ohne die Mithilfe der Sowjetarmee, zusammenbrechen können. Höchstwahrscheinlich wäre sie es auch. Aber was wäre danach gekommen? Eine deutsche Wiedervereinigung? Das wollten zu diesem Zeitpunkt auch die Westmächte nicht wirklich. Die Gefahr eines wiedererstarkten Deutschlands erschien der Welt damals, nur wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, noch viel zu groß.
Andererseits soll es ja die Offerte Stalins gegeben haben, Deutschland die Wiedervereinigung zu gewähren. Um den Preis einer dauerhaften Neutralität. Das könnte man jetzt als politische Finte abtuen. Überliefert ist aber auch, dass dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer ein relativ starkes, ins westliche Bündnis integriertes "halbes Deutschland" wichtiger erschien, als ein neutrales, jedoch wiedervereinigtes Deutschland.
Meiner Ansicht nach war die Zeit 1953 für eine Wiedervereinigung Deutschlands noch nicht reif. Unabhängig vom Ausgang des Arbeiteraufstands.

Viele Grüße von der Oder an den Rhein
Uwe




wahrscheinlich hast du recht, dass die Zeit nicht reif war. Das kann ich letztlich nicht beurteilen. Ich habe zwar die politische Entwicklung damals schon mitbekommen, auch in Diskussionen meiner Eltern aber den größeren Zusammenhang und Schlüsse daraus konnte ich mit 9 - 10 Jahren nicht erkennen. Adenauer lag mit seinem Misstrauen gegenüber den Sowjets sicher richtig frei nach dem Sprichwort lieber den Spatz in der Hand ........


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#302

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 22.06.2014 11:26
von damals wars | 12.186 Beiträge

Lieber ein halbes Deutschland ganz als ein ganzes Deutschland halb ging der Spruch des Spalters.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#303

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 22.06.2014 11:28
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #300
Zitat von Gert im Beitrag #297

schön dass du dir so viel Arbeit gemacht hast, aber das Lied was du zitierst war nicht mein Thema sondern die "Internationale". Beginnt mit dem Text: wacht auf Verdammte dieser Erde.......


Aber da siehste mal wie beratungsristent Du bist. Denn wenn Du gründlich gelesen hättest und ein wenig nachgedacht hättest, dann wäre Dir vielleicht endlich ein Licht aufgegangen, was unter anderem die Folgen des 17.Juni waren. Ulbricht - hat seine Macht gefestigt. Aber wie?

LG von der Moskwitschka



das ist richtig. Die Sowjets hatten zuvor geplant ihn abzusetzen. Durch die Ereignisse des 17. Juni wurde seine Macht gefestigt, weil die Sowjets sich keine Gesichtsverlust leisten wollten/konnten, so unterliessen sie ihr ursprüngliches Vorhaben.. Denn die Gegenseite hätte das sicher propagandistisch ausgenutzt um zu sagen : siehste der war doch unfähig-
Wieso ich in deinen Augen beratungsresistent bin, wenn ich dich darauf hinweise, dass du ein falsches Lied zitierst, erschließt sich mir nicht


.
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#304

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 22.06.2014 11:29
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #302
Lieber ein halbes Deutschland ganz als ein ganzes Deutschland halb ging der Spruch des Spalters.


und das war gut so, denn am Ende hat seine Politik Früchte getragen. Hätte ihm gegönnt dass er es noch erlebt.


.
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#305

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 22.06.2014 11:31
von damals wars | 12.186 Beiträge

Er lebt doch in Mutti weiter.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#306

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 22.06.2014 11:36
von Kalubke | 2.299 Beiträge

...ja unsere Mutti... hätte sich das jemand damals träumen lassen, dass eine FDJ-Sekrätärin mal Bundeskanzlerin wird?

Gruß Kalubke



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#307

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 22.06.2014 11:43
von Rostocker | 7.726 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #296
Zitat von Gert im Beitrag #289
Wenn die sowjetischen Panzer am 17.Juni 53 in den Kasernen geblieben wären, was ihr eigentliche Aufgabe als Besatzungstruppe gewesen wäre, wäre das vaterlandslose, internationale Proletenpack um Ulbricht an dem Tag weg vom Fenster gewesen. Das steht so fest wie das Amen in der Kirche.
Es war nämlich nicht Aufgabe der 4 Besatzungsmächte in Deutschland, die Regierungsform, die vom Volk gewählt wurde, zu beseitigen sondern lediglich zu verhindern, dass wieder ein faschistische Staat entsteht.Die Deutungshoheit, wer faschistisch ist, lag nicht allein bei den Kommunisten. Bei denen waren nämlich alle Faschisten, die die Internationale nicht fehlerfrei in 3 Minuten absingen konnten.




Hallo Gert!
Ich denke mal, dass sich Ulbricht und ein Großteil der anderen Funktionäre vom Proletariat = die ganz normalen Arbeiter, mental bereits "Lichtjahre" entfernt hatten.
Theoretisch hätte die DDR bereits 1953, ohne die Mithilfe der Sowjetarmee, zusammenbrechen können. Höchstwahrscheinlich wäre sie es auch. Aber was wäre danach gekommen? Eine deutsche Wiedervereinigung? Das wollten zu diesem Zeitpunkt auch die Westmächte nicht wirklich. Die Gefahr eines wiedererstarkten Deutschlands erschien der Welt damals, nur wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, noch viel zu groß.
Andererseits soll es ja die Offerte Stalins gegeben haben, Deutschland die Wiedervereinigung zu gewähren. Um den Preis einer dauerhaften Neutralität. Das könnte man jetzt als politische Finte abtuen. Überliefert ist aber auch, dass dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer ein relativ starkes, ins westliche Bündnis integriertes "halbes Deutschland" wichtiger erschien, als ein neutrales, jedoch wiedervereinigtes Deutschland.
Meiner Ansicht nach war die Zeit 1953 für eine Wiedervereinigung Deutschlands noch nicht reif. Unabhängig vom Ausgang des Arbeiteraufstands.

Viele Grüße von der Oder an den Rhein
Uwe




Das sehe ich genauso. Um nun mal etwas weiter zu spinnen und zu spekulieren. Ich glaube auch nicht das den Westalliierten damals an einer Wiedervereinigung dran gelegen war.Man stelle sich mal vor,zu dieser Zeit in gesamt Deutschland eine starke KPD und SPD-- wo dann wahrscheinlich die CDU gelandet wäre durch Wahlen.Und ich glaube auch dann wäre so Manches anders verlaufen in der Geschichte.Aber wie schon am Anfang erwähnt, das sind alles nur Spekulationen zu damaligen Zeit. Heute müssen wir die Geschichte und die Zeit so akzeptieren und nehmen wie sie war und ist.


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#308

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 22.06.2014 11:52
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Gert im Beitrag #303

Wieso ich in deinen Augen beratungsresistent bin, wenn ich dich darauf hinweise, dass du ein falsches Lied zitierst, erschließt sich mir nicht




Falsches Lied? Immerhin soll es am 17. Juni 1953 von nicht wenigen Demonstranten gesungen worden sein. Also wenn Du schon Lieder ins Spiel bringst, dann die zum Thema.

LG von der Moskwitschka


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#309

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 22.06.2014 12:56
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #306
...ja unsere Mutti... hätte sich das jemand damals träumen lassen, dass eine FDJ-Sekrätärin mal Bundeskanzlerin wird?

Gruß Kalubke

Sie war nicht Sekretärin sie war aber Mitglied der FDJ und Kulturbeauftragter.
Alles andere sind Lügen ihrer Gegner


.
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Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
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#310

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 22.06.2014 12:57
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #308
Zitat von Gert im Beitrag #303

Wieso ich in deinen Augen beratungsresistent bin, wenn ich dich darauf hinweise, dass du ein falsches Lied zitierst, erschließt sich mir nicht




Falsches Lied? Immerhin soll es am 17. Juni 1953 von nicht wenigen Demonstranten gesungen worden sein. Also wenn Du schon Lieder ins Spiel bringst, dann die zum Thema.

LG von der Moskwitschka


Ja, du hast nichts verstanden, also lassen wir das.


.
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John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
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#311

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 22.06.2014 13:14
von glasi | 2.815 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #296
Zitat von Gert im Beitrag #289
Wenn die sowjetischen Panzer am 17.Juni 53 in den Kasernen geblieben wären, was ihr eigentliche Aufgabe als Besatzungstruppe gewesen wäre, wäre das vaterlandslose, internationale Proletenpack um Ulbricht an dem Tag weg vom Fenster gewesen. Das steht so fest wie das Amen in der Kirche.
Es war nämlich nicht Aufgabe der 4 Besatzungsmächte in Deutschland, die Regierungsform, die vom Volk gewählt wurde, zu beseitigen sondern lediglich zu verhindern, dass wieder ein faschistische Staat entsteht.Die Deutungshoheit, wer faschistisch ist, lag nicht allein bei den Kommunisten. Bei denen waren nämlich alle Faschisten, die die Internationale nicht fehlerfrei in 3 Minuten absingen konnten.




Hallo Gert!
Ich denke mal, dass sich Ulbricht und ein Großteil der anderen Funktionäre vom Proletariat = die ganz normalen Arbeiter, mental bereits "Lichtjahre" entfernt hatten.
Theoretisch hätte die DDR bereits 1953, ohne die Mithilfe der Sowjetarmee, zusammenbrechen können. Höchstwahrscheinlich wäre sie es auch. Aber was wäre danach gekommen? Eine deutsche Wiedervereinigung? Das wollten zu diesem Zeitpunkt auch die Westmächte nicht wirklich. Die Gefahr eines wiedererstarkten Deutschlands erschien der Welt damals, nur wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, noch viel zu groß.
Andererseits soll es ja die Offerte Stalins gegeben haben, Deutschland die Wiedervereinigung zu gewähren. Um den Preis einer dauerhaften Neutralität. Das könnte man jetzt als politische Finte abtuen. Überliefert ist aber auch, dass dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer ein relativ starkes, ins westliche Bündnis integriertes "halbes Deutschland" wichtiger erschien, als ein neutrales, jedoch wiedervereinigtes Deutschland.
Meiner Ansicht nach war die Zeit 1953 für eine Wiedervereinigung Deutschlands noch nicht reif. Unabhängig vom Ausgang des Arbeiteraufstands.

Viele Grüße von der Oder an den Rhein
Uwe


Endlich jemand der die Sache auf denn Punkt bringt. Danke UWE.



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#312

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 22.06.2014 13:28
von glasi | 2.815 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #298
Zitat von Gert im Beitrag #295

Meine Einstellung zu Ulbricht und Konsorten ist nicht erst seit heute so. Für mich waren das Russenknechte, nichts weiter.


Auf der einen Seite "Russenknechte", auf der anderen die "Dienstboten der USA", nicht mal das niedere Personal war sich grün.



Das stimmt. Wir sind oder waren Dienstboten der USA. Gerne hätten wir zusammen denn Roten in denn A........ getreten.



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#313

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 22.06.2014 13:30
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Gert im Beitrag #310

Falsches Lied? Immerhin soll es am 17. Juni 1953 von nicht wenigen Demonstranten gesungen worden sein. Also wenn Du schon Lieder ins Spiel bringst, dann die zum Thema.

LG von der Moskwitschka

Ja, du hast nichts verstanden, also lassen wir das.


Ich sehe es von dem Standpunkt meines Großvaters - einen alten Sozialdemokraten. Du schreibst immer von den Prozessen, von der Rolle des MfS bei den Verhören usw.. Was für mich im Zusammenhang mit dem 17.Juni immer wieder zu kurz kommt, ist die anschließende Verdrängung zahlreicher ehemaliger Sozialdemokraten aus den Gremien der SED - Kreis und Bezirksleitungen. Wenn die Vereinigung von KPD und SPD 1946 von vielen Sozialdemokraten in der SBZ noch als Kröte geschluckt wurde, so war das was nach dem 17.Juni für mich der Dolchstoß für die Pluralität der Meinungen innerhalb der SED.

Ich habe letztes Jahr zu den großen Feierlichkeiten der SPD gehofft, die ausgerechnet auch noch in Leipzig zelebriert wurden, dass auch dieser Teil der Geschichte beleuchtet wird. Aber für die Tante SPD gab es in der DDR spätestens nach 1946 keine Sozialdemokraten mehr. Selbst bei der Aufarbeitung der Geschichte zählt da das Vorhandensein eines Parteibuches und nicht die sozialdemokratischen Ideale der Menschen.

Daher mein wink mit der dem Lied und der SPD.

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 22.06.2014 14:07 | nach oben springen

#314

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 22.06.2014 13:47
von Gelöschtes Mitglied
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Arbeiter- oder gar Volksaufstand? Alles Unfug, ich sage euch mal, wie es meiner Meinung nach wirklich abgelaufen ist:

Dank der hervorragenden Arbeit des MfS und seiner erstklassigen Vernetzung in der Bevölkerung wusste Ulbricht ziemlich genau, wie es in seiner noch jungen DDR aussah. Im Gegensatz zu den Blindfischen des Westens war er bestens darüber informiert, dass es ein paar gab, die mit den Normen oder der Zwangskollektivierung nicht einverstanden waren. Und auch einige, die sich eine Wiedervereinigung wünschten. Aber die waren nicht weiter problematisch. Wirklich gefährlich werden konnten ihm die alten Sozialdemokraten und Sozialisten, die die DDR beileibe nicht abschaffen, sondern sie wirklich demokratisch, basisorientiert und menschlich umgestalten wollten. Diese Revisionisten galt es zu bekämpfen, das war der eigentliche, innere Feind! Denn wie sich Moskau nach dem Tod Stalins neu aufstellen würde, das war noch nicht abzusehen.

Also entwickelte er einen kühnen Plan: Über bestens geschulte Agitatoren und Provokateure des MfS würde er einen Aufstand anzetteln. Viele würde er nicht brauchen, er glaubte fest an das "Follow-me"-Prinzip: Wenn ein paar vorwegrennen, finden sich schon genug, die hinterherlaufen. Gleichzeitig band er geschickt RIAS mit ein: Damit wurde der Verdacht von ihm ab- und auf die Amis oder den Westen schlechthin gelenkt.

Das Murren einiger Arbeiter auf der Stalin-Allee brachte dann den gewünschten Anlass: Die Agitatoren dort arbeiteten sehr erfolgreich und ihre Kollegen in anderen Betrieben, Bereichen und Städten wurden ebenfalls aktiv. Und die fanden auch noch ein paar Ex-Nazis, die von ihnen aufgewiegelt wurden und sich hervorragend als Rädelsführer eigneten: Die nächsten Schuldigen waren somit ausgemacht.

Und als dann die Bewegung die erforderliche Eskalationsstufe erreicht hatten, griffen wie erwartet die (nicht in den Plan eingeweihten) sowjetischen Truppen ein: Der "Aufstand" wurde niedergeknüppelt und es war wieder Ruhe im Land. Gleichzeitig wurden noch ein Haufen unliebsamer Führungsgenossen (bei denen er revisionistische Tendenzen vermutete) mit entsorgt und das Volk war so eingeschüchtert, dass es für die nächsten gut 35 Jahre den Kopf lieber in der Deckung ließ.

Die Ziele waren erreicht: Seine Macht war gefestigt, die Sowjets mussten ihn akzeptieren, Feinde und Verräter in den eigenen Reihen wurden ihrer Ämter und Funktionen enthoben, das Volk war ruhig und die Schuld lag eindeutig beim Westen und den alten Nazis.

Genial, nicht wahr?

Ich wollte doch immer schon mal in das Lager der Verschwörungstheoretiker wechseln....


Schuddelkind hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#315

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 22.06.2014 13:59
von Georg | 1.027 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #314
Arbeiter- oder gar Volksaufstand? Alles Unfug, ich sage euch mal, wie es meiner Meinung nach wirklich abgelaufen ist:

Dank der hervorragenden Arbeit des MfS und seiner erstklassigen Vernetzung in der Bevölkerung wusste Ulbricht ziemlich genau, wie es in seiner noch jungen DDR aussah. Im Gegensatz zu den Blindfischen des Westens war er bestens darüber informiert, dass es ein paar gab, die mit den Normen oder der Zwangskollektivierung nicht einverstanden waren. Und auch einige, die sich eine Wiedervereinigung wünschten. Aber die waren nicht weiter problematisch. Wirklich gefährlich werden konnten ihm die alten Sozialdemokraten und Sozialisten, die die DDR beileibe nicht abschaffen, sondern sie wirklich demokratisch, basisorientiert und menschlich umgestalten wollten. Diese Revisionisten galt es zu bekämpfen, das war der eigentliche, innere Feind! Denn wie sich Moskau nach dem Tod Stalins neu aufstellen würde, das war noch nicht abzusehen.

Also entwickelte er einen kühnen Plan: Über bestens geschulte Agitatoren und Provokateure des MfS würde er einen Aufstand anzetteln. Viele würde er nicht brauchen, er glaubte fest an das "Follow-me"-Prinzip: Wenn ein paar vorwegrennen, finden sich schon genug, die hinterherlaufen. Gleichzeitig band er geschickt RIAS mit ein: Damit wurde der Verdacht von ihm ab- und auf die Amis oder den Westen schlechthin gelenkt.

Das Murren einiger Arbeiter auf der Stalin-Allee brachte dann den gewünschten Anlass: Die Agitatoren dort arbeiteten sehr erfolgreich und ihre Kollegen in anderen Betrieben, Bereichen und Städten wurden ebenfalls aktiv. Und die fanden auch noch ein paar Ex-Nazis, die von ihnen aufgewiegelt wurden und sich hervorragend als Rädelsführer eigneten: Die nächsten Schuldigen waren somit ausgemacht.

Und als dann die Bewegung die erforderliche Eskalationsstufe erreicht hatten, griffen wie erwartet die (nicht in den Plan eingeweihten) sowjetischen Truppen ein: Der "Aufstand" wurde niedergeknüppelt und es war wieder Ruhe im Land. Gleichzeitig wurden noch ein Haufen unliebsamer Führungsgenossen (bei denen er revisionistische Tendenzen vermutete) mit entsorgt und das Volk war so eingeschüchtert, dass es für die nächsten gut 35 Jahre den Kopf lieber in der Deckung ließ.

Die Ziele waren erreicht: Seine Macht war gefestigt, die Sowjets mussten ihn akzeptieren, Feinde und Verräter in den eigenen Reihen wurden ihrer Ämter und Funktionen enthoben, das Volk war ruhig und die Schuld lag eindeutig beim Westen und den alten Nazis.

Genial, nicht wahr?

Ich wollte doch immer schon mal in das Lager der Verschwörungstheoretiker wechseln....


Bei aller Genialität darf man nicht vergessen, dass monatlich zehntausende, als Flüchtlinge getarnt, in den Westen geschickt wurden. Sozusagen als 5. Kolonne. Die Bande hat aber nich richtich funtioniert, weil außer Kontrolle und Reichweite des MfS und zu wenig Polit- Offiziere vor Ort.


Einen Dummen anzuhören ist anstrengender, als einen Klugen zu widersprechen. ( W.Eckert )
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#316

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 22.06.2014 14:04
von Heckenhaus | 5.147 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #309
Zitat von Kalubke im Beitrag #306
...ja unsere Mutti... hätte sich das jemand damals träumen lassen, dass eine FDJ-Sekrätärin mal Bundeskanzlerin wird?

Gruß Kalubke

Sie war nicht Sekretärin sie war aber Mitglied der FDJ und Kulturbeauftragter.
Alles andere sind Lügen ihrer Gegner

Das reicht doch auch. Und auch sonst hat sie sich gut durchgeschlängelt, andere hatten nicht die Chancen mit Studium ohne Parteiabzeichen,
geschweige dann diese berufliche Karriere im Osten.

Sie schaffte es problemlos zwei Welten zu vereinen. Kirchliches Ambiente für die Eltern, linientreu DDR Bürgerin für die Karriere. Konfirmation, statt Jugendweihe hier FDJ Kulturfunktionär dort. Auch wenn über ihre Rolle in der FDJ debattiert wird, ob nun Kulturfunktionär oder für Propaganda und Agitation zuständig, sie war im System integriert
http://zombiekingshouse.blogspot.com/201...lerin-eine.html

Übrigens ein sehr interessanter Artikel.
.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
Georg hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#317

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 22.06.2014 14:18
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #316
Zitat von Gert im Beitrag #309
Zitat von Kalubke im Beitrag #306
...ja unsere Mutti... hätte sich das jemand damals träumen lassen, dass eine FDJ-Sekrätärin mal Bundeskanzlerin wird?

Gruß Kalubke

Sie war nicht Sekretärin sie war aber Mitglied der FDJ und Kulturbeauftragter.
Alles andere sind Lügen ihrer Gegner

Das reicht doch auch. Und auch sonst hat sie sich gut durchgeschlängelt, andere hatten nicht die Chancen mit Studium ohne Parteiabzeichen,
geschweige dann diese berufliche Karriere im Osten.

Sie schaffte es problemlos zwei Welten zu vereinen. Kirchliches Ambiente für die Eltern, linientreu DDR Bürgerin für die Karriere. Konfirmation, statt Jugendweihe hier FDJ Kulturfunktionär dort. Auch wenn über ihre Rolle in der FDJ debattiert wird, ob nun Kulturfunktionär oder für Propaganda und Agitation zuständig, sie war im System integriert
http://zombiekingshouse.blogspot.com/201...lerin-eine.html

Übrigens ein sehr interessanter Artikel.
.

Tja Mitleid bekommt man geschenkt Neid muss man sich erst verdienen
Übrigens Heckenhaus in welche Organisation der DDR hast du denn überall mitgewirkt?


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All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#318

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 22.06.2014 14:22
von glasi | 2.815 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #316
Zitat von Gert im Beitrag #309
Zitat von Kalubke im Beitrag #306
...ja unsere Mutti... hätte sich das jemand damals träumen lassen, dass eine FDJ-Sekrätärin mal Bundeskanzlerin wird?

Gruß Kalubke

Sie war nicht Sekretärin sie war aber Mitglied der FDJ und Kulturbeauftragter.
Alles andere sind Lügen ihrer Gegner

Das reicht doch auch. Und auch sonst hat sie sich gut durchgeschlängelt, andere hatten nicht die Chancen mit Studium ohne Parteiabzeichen,
geschweige dann diese berufliche Karriere im Osten.

Sie schaffte es problemlos zwei Welten zu vereinen. Kirchliches Ambiente für die Eltern, linientreu DDR Bürgerin für die Karriere. Konfirmation, statt Jugendweihe hier FDJ Kulturfunktionär dort. Auch wenn über ihre Rolle in der FDJ debattiert wird, ob nun Kulturfunktionär oder für Propaganda und Agitation zuständig, sie war im System integriert
http://zombiekingshouse.blogspot.com/201...lerin-eine.html

Übrigens ein sehr interessanter Artikel.
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Durchgeschlängelt haben sich doch viele in der DDR.



Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#319

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 22.06.2014 14:24
von Heckenhaus | 5.147 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #317

Übrigens Heckenhaus in welche Organisation der DDR hast du denn überall mitgewirkt?



Ich muß dich enttäuschen, war nur Karteileiche bei der FDJ, besaß nicht einmal ein FDJ-Hemd.

Aber wie ich dich kenne, glaubst du das sowieso wieder nicht, denn nach deiner Ideologie müssen alle Ossis schwer aktiv gewesen sein.
Wie kann man von Jenseits aus auch etwas anderes erfahren. (Bild-Zeitung ???)


.
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„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
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#320

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 22.06.2014 14:26
von glasi | 2.815 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #319
Zitat von Gert im Beitrag #317

Übrigens Heckenhaus in welche Organisation der DDR hast du denn überall mitgewirkt?



Ich muß dich enttäuschen, war nur Karteileiche bei der FDJ, besaß nicht einmal ein FDJ-Hemd.

Aber wie ich dich kenne, glaubst du das sowieso wieder nicht, denn nach deiner Ideologie müssen alle Ossis schwer aktiv gewesen sein.
Wie kann man von Jenseits aus auch etwas anderes erfahren. (Bild-Zeitung ???)





Wir Wessis sind schon dumm!!!



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