#261

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 20.06.2014 12:08
von Rostocker | 7.731 Beiträge

Im Prinzip, haben wir als Grenzer. Auch immer den 17 Juni 1953 gedacht. Und zwar in Form,von verstärkter Grenzsicherung an den Tag.


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#262

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 20.06.2014 12:13
von glasi | 2.815 Beiträge

Zitat von Rostocker im Beitrag #261
Im Prinzip, haben wir als Grenzer. Auch immer den 17 Juni 1953 gedacht. Und zwar in Form,von verstärkter Grenzsicherung an den Tag.

War denn auf der Westseite irgend was zu erkennen? Zum Beispiel Veranstaltungen?



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#263

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 20.06.2014 12:14
von Moskwitschka (gelöscht)
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Wurden in Westberlin nicht am 17. Juni immer Kerzen in die Fenster gestellt ?

LG von der Moskwitschka


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#264

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 20.06.2014 12:16
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #249
Zitat von Gert im Beitrag #248



richtig, in angewandelter kommunistischer Form , statt Hakenkreuz Hammer und Sichel und natürlich andere Schergen. Statt Roland Freisler sass dort eine Hilde Benjamin. Der Duktus war nahezu der gleiche.


Mensch Gert,
gestern schriebst Du noch,hier ist ein Geschichtsforum und der Wahrheit verpflichtet.
Heute schreibst Du hier,wie intensiv deine Erinnerungen als 9 jähriger Bengel an Hilde Benjamin sind....
Dann kommt solch ein Hammer und Sichel Blödsinn.Schau Dir doch heute im reifen Alter nochmal die Fotos aus dieser Zeit an,ob Deine Aussage so richtig ist.

seaman



natürlich habe ich einige Filme erst Jahre später gesehen. Aber auch wenn man zu der Zeit oder danach ins Kino ging, kam als Vorspann die Wochenschau so ne Art Tagesschau im Kino. Dort hat dieser Staat ganz stolz seine Schauprozesse gezeigt, wo es mir als 9 -10 jährigen schon unheimlich wurde wenn man diese Rechtsverdreher argumentieren hörte und wenn man die total eingeschüchterten "Angeklagten" sah. Im Übrigen habe ich Mitte der 50 er Jahre auch mal einen Prozess vor dem Erfurter Gericht zusammen mit meiner Schulklasse gesehen, wo gegen einen angeblichen oder tatsächlichen Spion verhandelt wurde. Auch das habe ich noch sehr stark in Erinnerung, vor allem die uneingeschränkte Staatsmacht, die die Athmospäre des Raumes beherrschte. Da konntest du als Kind schon eine Gänsehaut bekommen.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#265

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 20.06.2014 12:17
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #263
Wurden in Westberlin nicht am 17. Juni immer Kerzen in die Fenster gestellt ?

LG von der Moskwitschka




Nö, das war meines Wissens nach dem Mauerbau an Weihnachten


.
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#266

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 20.06.2014 12:20
von Heckenhaus | 5.153 Beiträge

Zitat von glasi im Beitrag #262
Zitat von Rostocker im Beitrag #261
Im Prinzip, haben wir als Grenzer. Auch immer den 17 Juni 1953 gedacht. Und zwar in Form,von verstärkter Grenzsicherung an den Tag.

War denn auf der Westseite irgend was zu erkennen? Zum Beispiel Veranstaltungen?

Nach Mödlareuth wurden besondern an diesem Tage, aber nicht nur, Buskolonnen von Menschen gekarrt, um in den Osten zu schauen.
Hätte fast Volksfestcharakter gehabt, wenn es nicht eine Gedenkveranstaltung gewesen wäre.
Der Offizier für Grenzsicherung saß dann im B-Turm an der Mauer und fotografierte wie wild. Kontaktversuche von der Westseite her
wurden kategorisch ignoriert.
.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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zuletzt bearbeitet 20.06.2014 12:20 | nach oben springen

#267

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 20.06.2014 12:22
von Rostocker | 7.731 Beiträge

Zitat von glasi im Beitrag #262
Zitat von Rostocker im Beitrag #261
Im Prinzip, haben wir als Grenzer. Auch immer den 17 Juni 1953 gedacht. Und zwar in Form,von verstärkter Grenzsicherung an den Tag.

War denn auf der Westseite irgend was zu erkennen? Zum Beispiel Veranstaltungen?


Zu erkennen war da nichts,nur das der Besucherstrom etwas stärker war an der Grenze von westlicher Seite aus.In den Abschnitt wo ich diente. Hab den 17 Juni nur zweimal am Zaun zugebracht,das war 1975 im GWD und 1981 als Resi.


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#268

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 20.06.2014 12:22
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Gert im Beitrag #265
Zitat von Moskwitschka im Beitrag #263
Wurden in Westberlin nicht am 17. Juni immer Kerzen in die Fenster gestellt ?

LG von der Moskwitschka




Nö, das war meines Wissens nach dem Mauerbau an Weihnachten


Na ja, was weiß ein Rheinländer schon von Berlin?

Begonnen hat das mit den Kerzen meines Wissens mit der Blockade 1948. Und wurde dann mit verschiedenen Ereignissen zum "Kerzenkult" . Auch zum Gedenken der Opfer und Inhaftierten des 17.Juni.

LG von der Moskwitschka

EDIT Vielleicht kann da @seaman weiterhelfen.


zuletzt bearbeitet 20.06.2014 12:27 | nach oben springen

#269

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 20.06.2014 12:39
von Gelöschtes Mitglied
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Ich erinnere mich auch daran, dass meine Eltern "zum Gedenken an die Brüder und Schwestern in der Zone" eine Kerze ins Fenster gestellt haben. Und wenn ich mich nicht täusche, dann sowohl zum 17.06. wie auch zu Weihnachten.

Damit waren wir übrigens nicht allein: Irgendwann war ich neugierig und bin nach Einbruch der Dunkelheit auf die Straße gegangen - in fast jeder Wohnung brannte so eine Kerze. Das aber nicht im Grenzgebiet, sondern im tiefsten Westen, im linksrheinischen Neuss.


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#270

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 20.06.2014 12:43
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zumindest eine Quelle habe ich gefunden

Kerzen als gesamtdeutsches Symbol: Willy Brandt forderte von allen Bürgern der Bundesrepublik und Westberlins an Heiligabend von 1959 Kerzen an den Fenstern zu entzünden. Dies sollte dem Ausland zeigen, dass die Zusammengehörigkeit aller Deutschen über jegliche Grenzen hinaus geht.

http://www.ksta.de/politik/-willy-brandt...6,25654566.html

Also @Gert Nicht an allem ist die Mauer "schuld"

LG von der Moskwitschka


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#271

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 20.06.2014 13:07
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #264
Zitat von seaman im Beitrag #249
Zitat von Gert im Beitrag #248



richtig, in angewandelter kommunistischer Form , statt Hakenkreuz Hammer und Sichel und natürlich andere Schergen. Statt Roland Freisler sass dort eine Hilde Benjamin. Der Duktus war nahezu der gleiche.


Mensch Gert,
gestern schriebst Du noch,hier ist ein Geschichtsforum und der Wahrheit verpflichtet.
Heute schreibst Du hier,wie intensiv deine Erinnerungen als 9 jähriger Bengel an Hilde Benjamin sind....
Dann kommt solch ein Hammer und Sichel Blödsinn.Schau Dir doch heute im reifen Alter nochmal die Fotos aus dieser Zeit an,ob Deine Aussage so richtig ist.

seaman



natürlich habe ich einige Filme erst Jahre später gesehen. Aber auch wenn man zu der Zeit oder danach ins Kino ging, kam als Vorspann die Wochenschau so ne Art Tagesschau im Kino. Dort hat dieser Staat ganz stolz seine Schauprozesse gezeigt, wo es mir als 9 -10 jährigen schon unheimlich wurde wenn man diese Rechtsverdreher argumentieren hörte und wenn man die total eingeschüchterten "Angeklagten" sah. Im Übrigen habe ich Mitte der 50 er Jahre auch mal einen Prozess vor dem Erfurter Gericht zusammen mit meiner Schulklasse gesehen, wo gegen einen angeblichen oder tatsächlichen Spion verhandelt wurde. Auch das habe ich noch sehr stark in Erinnerung, vor allem die uneingeschränkte Staatsmacht, die die Athmospäre des Raumes beherrschte. Da konntest du als Kind schon eine Gänsehaut bekommen.




Kann mich auch noch an diese (Fox tönende...)Wochenschau erinnern als Vorfilm zum eigentlichen Kinoprogramm.
Heute,mit Abstand betrachtet,muss ich sagen,dass diese auch tatsächlich mitunter Gruselcharakter erzeugte.Es wurde voll auf der Klaviatur des Kalten Krieges gespielt und die Rhetorik ähnelte mitunter wirklich.......der Feind steht im Osten,der Russe kommt .
Erst Ende der 50er jahre entpolitisierte sich in dieser Beziehung die Sendung.Das Fernsehen war auf dem Vormarsch.
In Westdeutschland selber ist diese Wochenschau aus der Anfangszeit überwiegend auf fruchtbaren Boden gefallen und hat das Bild über die "Soffjetzone" bis heute nachhaltig geprägt. In Westberlin war man da schon etwas sensibler und kritischer bei manchen Überzeichnungen.
Das ging soweit,dass vereinzelt Kinobesitzer in Westberlin manche politische Beiträge aus der Wochenschau schnitten,da sie befürchteten Publikum zu verlieren.

seaman


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#272

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 20.06.2014 13:12
von icke46 | 2.593 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #271

Kann mich auch noch an diese (Fox tönende...)Wochenschau erinnern als Vorfilm zum eigentlichen Kinoprogramm.
Heute,mit Abstand betrachtet,muss ich sagen,dass diese auch tatsächlich mitunter Gruselcharakter erzeugte.Es wurde voll auf der Klaviatur des Kalten Krieges gespielt und die Rhetorik ähnelte mitunter wirklich.......der Feind steht im Osten,der Russe kommt .




Nur - wenn Gert die Wochenschau im als 8/9jähriger im Kino gesehen hat, dürfte das wohl kaum die "Fox, tönende Wochenschau" gewesen sein, sondern eher der "DEFA-Augenzeuge". .

Gruss

icke



seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#273

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 20.06.2014 13:12
von Kalubke | 2.301 Beiträge

Hi @Georg,

zu den äußeren Einflüssen äußerten sich Schwanitz, Neiber, Irmler, und Grimmer folgendermaßen:

„Es wäre also absolut ahistorisch und unobjektiv, würde man die aktive Einmischung aus der BRD und Westberlins in Bezug auf die Ereignisse um den 17. Juni 1953 herunterspielen oder gar unberücksichtigt lassen.“

Fazit also: Einmischung von außen ja, aber keine Ursache von außen!!!! Die Frage ist nun, wie sah die Einmischung real aus? Entsprechen alle Zitate aus dem ND, die in dem Tatsachenbericht stehen, tatsächlich der Wahrheit? Sind z.B. wirklich jobsuchende Leute vom Arbeitsamt in Westberlin aus mit Handgeld in der Tasche in den Osten abkommandiert worden? Ist die nachrichtendienstliche Sammlung von Informationen von westlichen Diensten zur Lage in der DDR bereits auch schon als Einmischung zu werten? (verstärkte ND-Tätigkeit gegen den Westen hat z.B. auch Ulbricht vom MfS als Reaktion auf den 17. Juni gefordert, siehe unten) Nachdem Ulbricht das ND durch die Absetzung von Herrnstadt wieder auf „Linie“ gebracht hatte (siehe weiter unten), kann nicht völlig ausgeschlossen werden, dass die Objektivität der Berichterstattung im ND hinter anderen Interessen zurückstand. @gert hatte ja schon ein Beispiel gebracht.

Zur Bewertung der Unruhen gaben die Autoren folgende Einschätzung:

„Nach allem, was an Erkenntnissen dazu vorlag und bekannt geworden ist, hatten vielleicht 300 bis 400.000 Menschen am 17. Juni die Arbeit niedergelegt. In dieser Größenordnung bewegte sich in etwa auch die Anzahl der Demonstranten. Millionen Menschen gingen dagegen auch an jenem Tag wie immer ihrer geregelten Arbeit nach…

Zweifelsohne gab es in der DDR ehemalige Faschisten. …. Aber sie waren nicht die Ursache für die gesellschaftliche Krise.

Beides – »Arbeiteraufstand« bzw. »faschistischer Putsch« – entsprach nicht den Tatsachen.“


Ulbricht nutzte die Gunst der Stunde und trieb trotz Krise die Stalinisierung der SED weiter voran, in dem er seine Widersacher zu Schuldigen an den Ereignissen von 1953 machte und eliminierte. Dazu die Autoren:

Auf Beschluß der 15. Tagung des ZK wurde er (Minister für Staatssicherheit Wilhelm Zaisser) (zusammen mit Rudolf Herrnstadt, dem Chefredakteur des »Neuen Deutschland«) wegen »fraktioneller Tätigkeit und gegen die Einheit der Partei gerichteter Tätigkeit « auch aus dem ZK der SED ausgeschlossen. Beide seien gegen den Kurs der 2. Parteikonferenz der SED gewesen, hätten Walter Ulbricht die Schuld für die Krise um den 17. Juni 1953 gegeben und dessen Sturz angestrebt, hieß es in der Begründung.“

Nachdem Ulbricht nun die Schuldigen gefunden und bestraft hatte, konnte er unbekümmert wieder zur Tagesordnung übergehen. Und die sah z.B. für das MfS nach den Ausführungen von Schwanitz, Neiber, Irmler, und Grimmer so aus:

„Verbunden damit wurden dem Staatssekretariat für Staatssicherheit in der Ziffer 4 des Beschlusses vom 23. September 1953 – aus klar erkennbaren aktuellen Anlässen heraus – »folgende Aufgaben zur Durchführung übertragen:

a) Die Durchführung einer aktiven Aufklärungsarbeit in Westdeutschland und Westberlin mit dem Ziel des Eindringens in die wichtigsten Institutionen der westlichen Besatzungsmächte, der Bonner Regierung, in die Zentralvorstände der SPD und der bürgerlichen Parteien und besonders in ihre Ostbüros, in den Kreis westdeutscher Industrieller und anderer monopolistischer Vereinigungen, in militärische und wissenschaftliche Forschungsämter und Institutionen.

b) Die Durchführung einer aktiven Spionageabwehr in Westdeutschland und Westberlin sowie auf dem Territorium der Deutschen Demokratischen Republik. Das Eindringen der Informatoren in die Spionageorgane, Schulen und Zentren von Spionage- und Diversionsorganisationen zwecks Aufdeckung der Pläne und Absichten des Feindes sowie der in die DDR, UdSSR und in die Länder der Volksdemokratien eingeschleusten Agenten der feindlichen Spionagedienste, der westdeutschen und Westberliner Spionage-, Diversions- und terroristischen Organisationen.

c) Die Durchführung der Agenturarbeit in der Deutschen Demokratischen Republik innerhalb der bürgerlichen politischen Parteien, der gesellschaftspolitischen Massenorganisationen und der kirchlichen Organisationen, in den Kreisen der Intelligenz und der Jugend zwecks Aufdeckung von illegalen antidemokratischen Organisationen und Gruppen und der Beseitigung ihrer Zersetzungstätigkeit.

d) Die Durchführung des Kampfes gegen Schädlingstätigkeit, Sabotage und Diversion in der Volkswirtschaft, die rechtzeitige Aufdeckung und Abstellung der Zersetzungstätigkeit ausländischer Spionagedienste und ihrer Untergrundorganisationen in der Industrie, in der Landwirtschaft und im Transportwesen, um die Durchführung des neuen Kurses zu gewährleisten, der auf eine entschiedene Verbesserung der materiellen Lage der Bevölkerung der DDR gerichtet ist.

e) Die Durchführung der Abwehrtätigkeit unter dem Personal der Kasernierten See-, Luft-, Transport- und übrigen Volkspolizei einschließlich Kriminalpolizei, mit dem Ziel, diese Organe vor dem Eindringen der Agenten der imperialistischen Spionagedienste und der westdeutschen Untergrundzentralen zu schützen.

f) Die Gewährleistung eines zuverlässigen Schutzes der verantwortlichen Funktionäre der Partei und Regierung.

g) Die Gewährleistung einer exakten Zusammenarbeit der Staatssicherheitsorgane mit den Polizeiorganen im Zentrum und in den nachgeordneten Dienststellen.«

Die Vorgänge um den 17. Juni 1953 führten insgesamt zu gravierenden Veränderungen in der Tätigkeit des MfS. Sie waren von fundamentaler Bedeutung für die weitere systematische Perfektionierung der Arbeit des MfS und die Erweiterung seiner Verantwortung und Aufgaben in der Folgezeit. Nicht nur die damalige Kritik der SED-Führung am MfS wirkte danach fortwährend als eine Art Trauma beim Minister für Staatssicherheit. Mehr noch, es wurde in der Folgezeit – angefangen beim Minister bis zum Mitarbeiter – eine Maxime des Handelns, niemals mehr Entwicklungen und Ereignisse zuzulassen, die zu derartig erheblichen, schwerwiegenden Erschütterungen führen wie beim 17. Juni 1953.“


..also die „Flucht von Ulbricht nach vorn“, um sich nicht mit des wahren Ursachen der Krise (stalinistische dirigistische Politik und die aus rüstungspolitischen Gründen der DDR von der SU auferlegten Sparzwänge) auseinandersetzen zu müssen, denn dies hätte eine kritische Position der DDR gegenüber der damaligen politischen Linie der UdSSR unter Stalin erfordert. Das traute sich damals keiner in der SED. Daher war es, um politisch zu überleben, für Ulbricht leichter, die DDR zum Polizeistaat auszubauen.

Zu a) wäre noch zu sagen, dass auch die DDR mit ihren in den Folgejahren im Westen aufgebauten operativen Positionen (in den 50’er Jahren ging z.B. Guillaume als Übersiedler in den Westen) den Entwicklungen in der westdeutschen Politik nicht unbedingt völlig teilnahmslos gegenüberstand (Beispiel: Einflussnahme auf das Misstrauensvotum gegen Brandt), was de facto auch Einmischungen der DDR in die Politik der BRD waren.

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 20.06.2014 13:15 | nach oben springen

#274

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 20.06.2014 13:17
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von icke46 im Beitrag #272
Zitat von seaman im Beitrag #271

Kann mich auch noch an diese (Fox tönende...)Wochenschau erinnern als Vorfilm zum eigentlichen Kinoprogramm.
Heute,mit Abstand betrachtet,muss ich sagen,dass diese auch tatsächlich mitunter Gruselcharakter erzeugte.Es wurde voll auf der Klaviatur des Kalten Krieges gespielt und die Rhetorik ähnelte mitunter wirklich.......der Feind steht im Osten,der Russe kommt .




Nur - wenn Gert die Wochenschau im als 8/9jähriger im Kino gesehen hat, dürfte das wohl kaum die "Fox, tönende Wochenschau" gewesen sein, sondern eher der "DEFA-Augenzeuge". .

Gruss

icke




Es sollte ein Vergleich sein.....
seaman


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#275

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 20.06.2014 13:20
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von icke46 im Beitrag #272
Zitat von seaman im Beitrag #271

Kann mich auch noch an diese (Fox tönende...)Wochenschau erinnern als Vorfilm zum eigentlichen Kinoprogramm.
Heute,mit Abstand betrachtet,muss ich sagen,dass diese auch tatsächlich mitunter Gruselcharakter erzeugte.Es wurde voll auf der Klaviatur des Kalten Krieges gespielt und die Rhetorik ähnelte mitunter wirklich.......der Feind steht im Osten,der Russe kommt .




Nur - wenn Gert die Wochenschau im als 8/9jähriger im Kino gesehen hat, dürfte das wohl kaum die "Fox, tönende Wochenschau" gewesen sein, sondern eher der "DEFA-Augenzeuge". .

Gruss

icke




so wird es wohl gewesen sein. Es war bestimmt DEFA was anderes kam in der Zone nicht in die Kinos.Das war aber ein Wochenüberblick!


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
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Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#276

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 20.06.2014 14:08
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Gert im Beitrag #260
Zitat von Bürger der DDR im Beitrag #252
Zitat von Gert im Beitrag #246
Zitat von Georg im Beitrag #245
Im Beitrag 241 schreibt das hoch verehrte Mitglied des Forum @ Gert:

". Das haben ihm wahrscheinlich die Stasivernehmer 1953 in HSH eingeprügelt, dass er das aussagt. "

Die Methoden der Vernehmer sind hier wohl nicht Thema. Hierzu gibt es viele und auch strittige Berichte ! Wahrheit und Lüge ? Aber darum geht es mir auch nicht. Sondern haben die " Stasivernehmer 1953 in HSH das in ihn eingeprügelt " ? W a h r s c h e i n l i c h [rot]!! ??[/rot

Wahrscheinlicher Befund Neurose/ Phobie! Oder doch nur dumme Anmache oder Provokation? Ich würde es ma durch einen Facharzt klären lassen.Können dauerhafte Schäden entstehen.


die Tatsache der physischen Misshandlung im Jahre 1953 ist sehr wahrscheinlich. War vor wenigen Tagen in der Gedenkstätte HSH und dort wird postuliert, dass das MfS erst Mitte der 50er Jahre von der physischen auf die psychische Foltermethode bei Vernehmungen von vermeintlichen oder tatsächliche Staatsfeinden umgeschaltet hat. Natürlich bin ich nicht Augenzeuge, aber es bedarf keiner großen Fantasie um sich vorzustellen wie die Geständnisse für den Volksgerichtshof während der aufgeheizten Stimmung nach dem 17. Juni in den Vernehmerzimmern des MfS zusammengebastelt wurden. Ich habe sehr gut die Bilder von Prozessen aus dieser Zeit z.B. mit der Hilde Benjamin im Kopf. Diesen politischen Fanatikern möchte ich nicht in die Hände gefallen sein.




@Gert , wie Du schon schreibst, es bedarf keiner großen Fantasie.... Ist schon klar wenn man total einseitig "gepolt" ist und auch geschichtliche Begriffe wohl etwas verwechselt. Der Volksgerichtshof ist aus einer anderen Zeit und aus einem "Reich".

Aber macht ja nichts, im Alter verwechselt man schon mal was.



ich verwechsle gar nichts. Du hast wohl nicht erkannt welches Gleichnis ich da aufstelle. Ich kann es dir bei Gelegenheit gern im Detail erklären, wenn das bei dir notwendig ist.


nöö, @Gert , laß mal sein, das wäre so als ob ein Blinder einen Picasso beschreiben würde.......

Auch das ist ein Gleichnis.......


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#277

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 20.06.2014 14:27
von Georg | 1.031 Beiträge

Hi @Georg,

zu den äußeren Einflüssen äußerten sich Schwanitz, Neiber, Irmler, und Grimmer folgendermaßen:

„Es wäre also absolut ahistorisch und unobjektiv, würde man die aktive Einmischung aus der BRD und Westberlins in Bezug auf die Ereignisse um den 17. Juni 1953 herunterspielen oder gar unberücksichtigt lassen.“

Fazit also: Einmischung von außen ja, aber keine Ursache von außen!!!!

Damit hab ich kein Problem.


Einen Dummen anzuhören ist anstrengender, als einen Klugen zu widersprechen. ( W.Eckert )
zuletzt bearbeitet 20.06.2014 14:28 | nach oben springen

#278

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 20.06.2014 14:31
von Gelöschtes Mitglied
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Aber das Thema 17.06.1953, für mich war das ein Putsch. Die Ursachen mögen verschieden sein, einmal die Unzufriedenheit einiger DDR Bürger und auch das ausnutzen dieser Unzufriedenheit von Gegnern der DDR sowohl im inneren, als auch von westl. Seite.

Ein Volksaufstand war das für mich auf keinen Fall, dazu war die Beteiligung (weiter oben wurden ja schon die Prozentzahlen angegeben) zu gering.

Einen Fehler werfe ich aber der politischen Führung vor, man hätte bei der Verurteilung der "Aufständigen" stärker differenzieren müssen und nicht die "Keule im Rundumschlag" schwingen sollen.


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#279

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 20.06.2014 14:49
von turtle | 6.961 Beiträge

Halten wir fest es gab am 17.Juni 1953 Arbeiterproteste. Es als großer Volksaufstand zu sehen ist wohl etwas übertrieben. Ohne Eingreifen der Sowjets hätte es allerdings zu einem größeren Flächenbrand kommen können bis hin zu einem tatsächlichen Volksaufstand. Völlig Normal das ein politischer Gegner derartige Situationen zu seinen Gunsten ausnutzt. Das beinhaltet auch mit im Hintergrund aktiv zu werden. Das ist auch heute noch so. Das Beispiel Ukraine müsste hier genug sein. Die Darstellung der Ereignisse vom 17. Juni war logischer Weise in der Bild oder dem ND genauso mit Halbwahrheiten gespickt wie in der Fox tönenden Wochenschau oder der Augenzeuge von der DEFA. Unbestritten sollte sein es gab Lynchjustiz und Unrecht von beiden Seiten. Es gab überzogene Schauprozesse mit dem der Name Hilde Benjamin für immer verbunden bleibt. Quellen berichten, von den 1.526 Angeklagten, die verurteilt wurden, erhielten
2 Angeklagte die Todesstrafe,
3 Angeklagte lebenslänglich Zuchthaus,
13 Angeklagte Strafen von10-15 Jahren,
99 Angeklagte Strafen von 5-10 Jahren,
824 Angeklagte Strafen von 1-5 Jahren und
546 Angeklagte Strafen bis zu einem Jahr." Auch nach diesen Prozessen gab es später noch Verurteilungen im Zusammenhang mit dem 17.Juni. Die Benjamin mit Freisler zu vergleichen ist genauso falsch wie die DDR mit dem 3.Reich. Die Tatsache dass es Opfer am 17.Juni gab völlig nebensächlich von welcher Seite verlangt unseren Respekt. Allen Opfern zu gedenken würde sch gehören und nicht aus dem Thema einen Kleinkrieg anzuzetteln. Schade wie so oft entwickeln sich aus einem ernsthaften Thema diese Sticheleien. Es muss nicht jeder dieselbe Sicht auf das Geschehen haben. Ich akzeptiere es, und denke höchsten nur „der hat nichts kapiert. Angreifen würde ich ihn hier nicht nonverbal. In einigen Tagen ist das Thema 17.Juni sowieso erledigt, ist aber schon klar im nächstem Jahr geht es mit gleichem Eifer wider genauso so weiter.


seaman, katerjohn, Kalubke und Büdinger haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#280

RE: 17. Juni 1953

in DDR Staat und Regime 20.06.2014 15:09
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Georg im Beitrag #277
Hi @Georg,

zu den äußeren Einflüssen äußerten sich Schwanitz, Neiber, Irmler, und Grimmer folgendermaßen:

„Es wäre also absolut ahistorisch und unobjektiv, würde man die aktive Einmischung aus der BRD und Westberlins in Bezug auf die Ereignisse um den 17. Juni 1953 herunterspielen oder gar unberücksichtigt lassen.“

Fazit also: Einmischung von außen ja, aber keine Ursache von außen!!!!

Damit hab ich kein Problem.


Das mit der "Einmischung von außen" wurde uns im Geschichts und später im Politunterricht beigebracht. Auch das der "RIAS" dabei eine wichtige Rolle gespielt hat.
In dem Buch " Die roten Preußen", beschreibt der Autor Wolfgang Mittmann die Ereignisse aber völlig anders.
Tatsächlich war eine Abordnung streikender Arbeiter zum Gebäude des " RIAS" gegangen. In der Absicht dort einen Aufruf zu verlesen und live über den Äther abzustrahlen. Unter ging es um die Forderungen nach sofortigen freien Wahlen und einer schnellstmöglichen deutschen Wiedervereinigung.
Auf höhere Weisung wurde dem "RIAS" jedoch das Senden des Aufrufs verboten, so dass die Arbeiter schließlich enttäuscht von dannen ziehen mussten. Das Thema Wiedervereinigung stand nicht auf der Tagesordnung. Weder im Osten und eben auch nicht im Westen!
Wer das nicht glaubt, sollte sich das Verhalten von Margret Thatcher und dem französischen Präsidenten Mitterand 1990, fast vier Jahrzehnte später!!, vor Augen führen. Selbst noch zu diesem Zeitpunkt ließen die beiden keinen Zweifel daran, dass ihnen die deutsche Wiedervereinigung nicht "schmeckte". 1953 wäre überhaubt nicht daran zu denken gewesen!
Das die DDR in ihrer späteren Geschichtsschreibung alles versuchte um den Massenstreik / Arbeiteraufstand, wie auch immer, als einen von außen herangetragenen "faschistischen Putsch" erscheinen zu lassen, liegt in ihrem Selbstverständnis begründet. Es durfte schließlich nicht sein, dass sich die Arbeiterklasse gegen ihre (selbst ernannten) Wohltäter erhob! Dieser Eindruck durfte der Nachwelt auf keinen Fall vermittelt werden.

Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


Freienhagener, Kalubke und matloh haben sich für diesen Beitrag bedankt
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