#561

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 15.04.2015 11:20
von Vierkrug (gelöscht)
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Zitat von Hackel39 im Beitrag #560
Zitat von Vierkrug im Beitrag #541
@Hackel39 - die von Dir geschilderte Praxis bzw. Verfahrensweise, . mag in einigen Bereichen der DR so stattgefunden haben. Kann ich aber aus dem eigenem familiären Umfeld nicht so bestätigen. Als ich meinen Schwiegervater 1975 kennen gelernt habe, war er bereits Leiter des Bw Saalfeld und "Raupenschlepper" (Reichsbahnoberrat). Das war er auch, bis zu seiner Pensionierung nach über 46 Jahren DR. Über die Höhe der Pension brauchen wir uns nicht verständigen - sie war erstaunlich für mich.




Vierkrug


Besonders in der Wendezeit aber auch schon vorher gab es Bemühungen, neues Personal über lukrative Dienstränge (Inspektor...goldenes Kordel) zu gewinnen, aber auch unglaubliche Geschichten über Willkür und Mobbing, so z. B. fragte in Neustadt (Dosse) die Attestierungskommission einen Eisenbahner nach dem Namen seines Ministers, der ihn natürlich nicht wußte und daraufhin niedriger eingruppiert wurde.
Andersherum konnten altgediente Eisenbahner ihre fehlende A- Ausbildung (Ingenieur) mit gesellschaftlichen Qualitäten (Genosse der ersten Stunde) aufwiegen und so trotzdem den vollen Dienstrang erhalten.
Wer beispielsweise (ab 1974) Leiter eines Bahnhofs war und sich zum durchgehenden Schichtdienst bereit erklärte, wurde über den Plandienstrang hinaus befördert.
Leiter von Bahnhöfen der Rangklasse 1 schafften es sogar mit 40 Dienstjahren zum Reichsbahnoberrat, einem Dienstrang, den man 20 Jahre zuvor frühestens einem Rbd (Direktion) - Präsidenten verliehen hatte, ehe er nach langer Wartezeit Direktor (pures Goldkordel..ohne Blau/ Grau/ Rot usw.- Stich) werden konnte wobei ab 1980 die meisten Präsidenten der Direktionen bereits Hauptdirektor waren.
Viele Basiseisenbahner verweigerten sich diesem militärischen Prozedere indem sie einfach ohne Schulterstücke herum liefen, einer davon war damals mein Ausbildungslokführer für die Baureihe 131.
In den Ruhestand gewechselte Reichsbahner standen damals sogar mit ihrem Dienstrang im Telefonbuch, wie z. B. auch mein damaliger Parteisekretär.
Die Dienstjahre zählten übrigens auch weiter, wenn man z. B. in die Politische Verwaltung oder den Erzbergbau wechselte und irgendwann zurück kehrte, das konnte auch zu einigen Mißverständnissen und gefühlten Unrecht beigetragen haben.



@Hackel39 - Jetzt komme ich ein wenig ins Grübeln, denn ich kenne zahlreiche Reichsbahnräte und -oberräte, die u.a. schon zu DDR-Zeiten im Reichsbahnamt Saalfeld in unterschiedlichen Funktionen tätig waren.
Meine Schwiegereltern bewohnten eine Dienstwohnung in einer Liegenschaft der Rbd Erfurt, wie auch andere Führungs- und Leitungskräfte der DR, vor allem aus dem Reichsbahnamt Saalfeld.
Mein Schwiegervater begann seine Tätigkeit bei der DR als Heizer auf einer Dampflok im Bw Sangerhausen, wurde dann Lokführer und absolvierte ein Ingenieursstudium. Danach Einsatz im Bw Eisenach und von dort dann Einsatz als Leiter des Bw Saalfeld. Er sollte dann 1990 in den technischen Bereich der Rbd nach Erfurt. Wimre, dann war diese Tätigkeit mit einer Beförderung zum Reichsbahnhauptrat bzw. später zum Reichsbahndirektor verbunden. Aber es kam ja 1989 im Herbst bekanntlich anders und er entschied sich auf Grund des Alters und der Dienstjahre 1990 für die Pensonierung.
http://de.wikipedia.org/wiki/Dienstr%C3%...chen_Reichsbahn
Vielleicht sollten wir im Thread Eisenbahngeschichte darüber weiter diskutieren - würde hier von Thematik abgleiten.

Vierkrug


zuletzt bearbeitet 15.04.2015 11:24 | nach oben springen

#562

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 15.04.2015 13:52
von Harsberg | 3.248 Beiträge

@Vierkrug, dann kennen sich wahrscheinlich dein Schwiegervater und mein Vater, der war im RBA Saalfeld der BING A bis zu seiner Pensionierung 1976.


Phantasie ist wichtiger denn Wissen, denn Wissen ist begrenzt!
zuletzt bearbeitet 15.04.2015 13:52 | nach oben springen

#563

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 15.04.2015 15:43
von Vierkrug (gelöscht)
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Zitat von Harsberg im Beitrag #562
@Vierkrug, dann kennen sich wahrscheinlich dein Schwiegervater und mein Vater, der war im RBA Saalfeld der BING A bis zu seiner Pensionierung 1976.


@Harsberg - ich gehe fest davon aus, dass sich die beiden "Herrschaften" kannten, wie auch mein Schwiegervater sicherlich den Vater von @furry gekannt haben wird. Manchmal ist die Welt doch klein.

Vierkrug


damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#564

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 15.04.2015 18:07
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #561
[quote=Hackel39|p463936][quote=Vierkrug|p462122]



@Hackel39 - Jetzt komme ich ein wenig ins Grübeln, denn ich kenne zahlreiche Reichsbahnräte und -oberräte, die u.a. schon zu DDR-Zeiten im Reichsbahnamt Saalfeld in unterschiedlichen Funktionen tätig waren.
Meine Schwiegereltern bewohnten eine Dienstwohnung in einer Liegenschaft der Rbd Erfurt, wie auch andere Führungs- und Leitungskräfte der DR, vor allem aus dem Reichsbahnamt Saalfeld.
Mein Schwiegervater begann seine Tätigkeit bei der DR als Heizer auf einer Dampflok im Bw Sangerhausen, wurde dann Lokführer und absolvierte ein Ingenieursstudium. Danach Einsatz im Bw Eisenach und von dort dann Einsatz als Leiter des Bw Saalfeld. Er sollte dann 1990 in den technischen Bereich der Rbd nach Erfurt. Wimre, dann war diese Tätigkeit mit einer Beförderung zum Reichsbahnhauptrat bzw. später zum Reichsbahndirektor verbunden. Aber es kam ja 1989 im Herbst bekanntlich anders und er entschied sich auf Grund des Alters und der Dienstjahre 1990 für die Pensonierung.
http://de.wikipedia.org/wiki/Dienstr%C3%...chen_Reichsbahn
Vielleicht sollten wir im Thread Eisenbahngeschichte darüber weiter diskutieren - würde hier von Thematik abgleiten.

Vierkrug


Ja, ist besser, da meine Spekulation wohl nicht aufgeht, über die Schnittmenge Trapo/ Eisenbahn ein paar Erkenntnisse über ähnlich gelagerte Fälle aus dem Bereich der VP zu gewinnen und ob bei der VP gleichfalls "branchenfremde" Personen polizeitypische Auszeichnungen vergeben wurden, wenn auch nur ausnahmsweise.
Bekanntlich wurden ja auch verdiente Transportpolizisten, Hochschulprofessoren und Kreisleitungssekretäre der SED mit Auszeichnungen der DR dekoriert.

Hier mal ein paar Erinnerungen an die Freunde und Helfer im Bahnalltag.



Quelle "Das war die DR" (E. Preuß)



zuletzt bearbeitet 15.04.2015 18:08 | nach oben springen

#565

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 15.04.2015 18:36
von Vierkrug (gelöscht)
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@Hackel39 - vorab, "polizeitypische" Auszeichnungen, wie die "Medaille für ausgezeichnete Leistungen in den bewaffneten Organen des Ministeriums des Innern" oder die "Verdienstmedaille der Organe des Ministeriums des Innern" in einer der drei Stufen (Bronze, Silber, Gold) , wurden auch an "branchenfremde" Personen verliehen.
Die "Medaille für ausgezeichnete Leistungen ....." und die "Verdienstmedaille der Organe des ...." in Bronze erhielt ich auch bereits Jahre vor meinen Eintritt bzw. Übertritt in die Volkspolizei. Auch Eisenbahner erhielten diese Auszeichnungen.
Bei meinem Ausscheiden aus dem Polizeidienst erhielt ich erneut die "Verdienstmedaille der Organe des ..." . Die Urkunde trug jedoch nicht mehr die Unterschrift von Friedrich Dickel, als Minister des Innern der DDR und Chef der Deutschen Volkspolizei - sondern die von Peter-Michael Diestel als Stellvertretender Ministerpräsident und Innenminister der DDR und war auch nur noch einseitig - ohne DDR-Symbolik.

Vierkrug


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zuletzt bearbeitet 15.04.2015 18:45 | nach oben springen

#566

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 15.04.2015 19:26
von RudiEK89 | 1.951 Beiträge

Und er, Peter-Michael Diestel, war mein erster Chef nach der Wende, wohnte auch noch in Leipzig.

Andreas


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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#567

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 15.04.2015 19:30
von Alfred | 6.859 Beiträge

Diestel ist einer der wenigen, der ohne Schaum vor dem Mund und mit einer gewissen Sachlichkeit nach 1990 an die Aufgaben gegangen ist.


Fritze, RudiEK89, passport, schulzi und S51 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#568

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 15.04.2015 20:26
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #565
@Hackel39 - vorab, "polizeitypische" Auszeichnungen, wie die "Medaille für ausgezeichnete Leistungen in den bewaffneten Organen des Ministeriums des Innern" oder die "Verdienstmedaille der Organe des Ministeriums des Innern" in einer der drei Stufen (Bronze, Silber, Gold) , wurden auch an "branchenfremde" Personen verliehen.
Die "Medaille für ausgezeichnete Leistungen ....." und die "Verdienstmedaille der Organe des ...." in Bronze erhielt ich auch bereits Jahre vor meinen Eintritt bzw. Übertritt in die Volkspolizei. Auch Eisenbahner erhielten diese Auszeichnungen.
Bei meinem Ausscheiden aus dem Polizeidienst erhielt ich erneut die "Verdienstmedaille der Organe des ..." . Die Urkunde trug jedoch nicht mehr die Unterschrift von Friedrich Dickel, als Minister des Innern der DDR und Chef der Deutschen Volkspolizei - sondern die von Peter-Michael Diestel als Stellvertretender Ministerpräsident und Innenminister der DDR und war auch nur noch einseitig - ohne DDR-Symbolik.

Vierkrug


Wäre doch mal eine Einladung an die übrigen Zeitzeugen, über ihre höchsten erreichten Auszeichnungen zu sprechen.
Hier mal ein Ausschnitt einer Veranstaltung bei der ein Nachbar von mir den Vaterländischen Verdienstorden überreicht bekam.
Seine Frau (nun leider Witwe) hat sich vor Freude kaum eingekriegt, als ich ihr den Tip über diese Aufzeichnung der AK gab.

https://www.youtube.com/watch?v=alf4EjW9...etailpage#t=509



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#569

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 15.04.2015 20:35
von Vierkrug (gelöscht)
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@Hackel39 - Thema Orden und Auszeichnungen hatten wir, wimre schon in der Diskussion. Müßte in den Tiefen des Forums noch schlummern.


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#570

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 15.04.2015 20:57
von Fritze | 3.474 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #567
Diestel ist einer der wenigen, der ohne Schaum vor dem Mund und mit einer gewissen Sachlichkeit nach 1990 an die Aufgaben gegangen ist.


Das kann auch ich so bestätigen. Ein sehr umgänglicher und auch zuhörender letzter Innenminister der DDR !

MfG Fritze


"Das kann doch überhaupt nur jemand nicht wissen ,der entweder vollkommen ahnungslos ist ,oder ,oder jemand der also bösartig ist !"

"If you get up and walk away, leave the past behind, go ahead and take a ride ,no telling what you find ! "
zuletzt bearbeitet 15.04.2015 20:57 | nach oben springen

#571

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 15.04.2015 21:17
von Alfred | 6.859 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #569
@Hackel39 - Thema Orden und Auszeichnungen hatten wir, wimre schon in der Diskussion. Müßte in den Tiefen des Forums noch schlummern.



Bitte neues Thema, wäre interessant. Vielleicht kann man dies auch auf Sammlerstücke o.ä. erweitern.


polsam hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#572

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 16.08.2015 10:45
von Kalmus | 33 Beiträge

Hallo habe diesen Kalender gefunden,gab es den jedes Jahr ?


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#573

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 20.08.2015 20:01
von BautznerSenf | 57 Beiträge

Hallo!

Zitat von RudiEK89 im Beitrag #6
@Lebensläufer
Wir gingen immer zu zweit durch die Leipziger Innenstadt auf Fußstreife. Der ABV stand mit den Geschäftsleuten und Bürgern in direktem Kontakt, fragte nach Problemen. Wir als Streife verbreiteten "Sicherheit" und kamen zum Einsatz, wenn irgendwo in der Stadt eine Straftat begangen wurde.
Für die alltäglichen Sorgen der Bürger, war der ABV zuständig.


Ein schoener Beitragsfaden! Mein Schwiegervater, leider verstorben, war ebenfalls ABV, und auch der Vater einer guten Freundin.
Dass es das auf dem Lande gab, wusste ich - dass das in der Stadt ebenso war, habe ich jetzt erst hier erfahren (ich hatte fuer die Stadt "normale" Streifen angeommen).

Ein (leider verstorbener) Freund, der ebenfalls Polizist war (vor der Wende VP, nachher eben LaPo) meinte, dass die ABV sehr sinnvoll waren (deswegen wurde das Prinzip ja nach der Abschaffung spaeter wieder unter dem Namen "Kontaktbereichsbeamter" bundesweit "neu" eingefuehrt (Merke: Alles war schon mal da...).
Beider Kommentar: "Der gute Bauer erkennt seine Schweine am Gang!" - der ABV kennt die Pappenheimer seines Bezirks...

Gruss

B. S.


polsam, RudiEK89, ABV und Fritze haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#574

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 29.08.2015 18:51
von ABV | 4.204 Beiträge

Uns ehemaligen Volkspolizisten wird zuweilen noch immer vorgeworfen, dass wir im Jahre 1990, zur Wiedervereinigung Deutschlands, " massenhaft unseren Eid gebrochen und uns beim früheren Gegner angedient hätten."
Auf dem ersten Blick, oberflächlich betrachtet, mag das stimmen.
Trotzdem würde ich den Vorwurf nicht unwidersprochen entgegen nehmen. An dieser Stelle sollte sich jeder die Frage stellen, was wohl in den neuen Bundesländern " abgegangen wäre", wenn tatsächlich alle Angehörigen der sich in Agonie befindlichen Volkspolizei geschlossen am 02. Oktober 1990, 23.59 Uhr, "die Uniformen an den Nagel gehangen hätten".
Bereits in den letzten Monaten der DDR, vor allem jedoch in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung Deutschlands, wurde das Gebiet der " Neuen Bundesländer"=Ex-DDR, von einer heute unvorstellbaren Welle damals in diesem Teil Deutschlands weitgehend unbekannter Formen der Kriminalität geradezu überrollt.
Wobei nicht die so genannte " Organisierte Kriminalität" sondern auch die " normale" Kriminalität gefährliche Ausmaße annahm.
Ein nicht unwesentlicher Faktor beim Anstieg der letztgenannten Kriminalitätsform spielte die mehr als fragwürdige Einstellung vieler " Neu-Bundesbürger" zum Begriff Freiheit.
Es gab, ich habe es x-mal selbst erleben müssen, Mitmenschen die Freiheit mit Fahren unter Alkohol, Rasen ohne Tempolimit selbst in geschlossenen Ortschaften, wahllos Leute verprügeln und andere ebenso strafbaren wie gefährlichen "Unarten" gleich setzten.
Wer, wenn nicht die ehemaligen Volkspolizisten hätte sich diesem Wahnsinn entgegen stellen sollen? Das sich die ehemaligen Volkspolizisten, durchaus erfolgreich, dem gesetzlosen Treiben entgegen stellten, wurde von den darüber staunenden Kollegen aus den " Alten Bundesländern" nicht nur schnell erkannt, sondern immer wieder auch anerkannt.
Ich kann zwar nur über das Verhältnis zwischen den Polizisten von Brandenburg und deren Partnerland NRW sprechen, aber meiner Meinung verlief die innere Wiedervereinigung der Deutschen nirgends so schnell und reibungslos wie in der Polizei.
Was wäre aber nun passiert, wenn die Volkspolizei am Vorabend der Wiedervereinigung Deutschlands geschlossen in die Arbeitslosigkeit marschiert wäre?
Die Frage kann sich jeder selbst beantworten. Deutschland wäre im Chaos versunken. Und das nicht nur im Osten des Landes! Politische Fanatiker, Schwerkriminelle oder einfach nur rücksichtslose Charaktere hätten unsere Heimat zu ihrer Spielwiese gemacht.
Polizist wird man nicht von heute auf morgen. Schon gar kein wirklich guter Polizist, der (fast) jede erdenkliche Situation meistert. Neben einer fundierten Ausbildung benötigen wirklich gute Polizisten noch ein gehöriges Maß an dienstlicher und was mindestens ebenso wichtig ist, an Lebenserfahrung. Polizisten werden nicht aus Teig geformt und im Ofen gebacken. Hätten sich die ehemaligen Volkspolizisten also an einen Eid gehalten, von dem sie ohnehin längst entbunden wurden, wäre dem neuen Deutschland dadurch ein schwerer Schaden entstanden! Weil für diese Polizisten überhaupt kein Ersatz zur Verfügung stand. Letztendlich kam der Einsatz der früheren Volkspolizisten in den Jahren nach der Wiedervereinigung dem gesamten Volk zu gute. Und nicht nur, aus rein finanziellen Gesichtspunkten, um das eigene Überleben oder das der Familie zu sichern, den Polizisten selbst. Wie noch heute zuweilen behauptet wird.
Diese Überlegungen bedeuten nicht, dass die Rolle der Volkspolizei während der SED-Herrschaft nicht kritisch betrachtet werden darf. Das ist Unsinn! Diese kritischen Betrachtungen müssen sich, im Interesse einer umfassenden aber auch sachlichen Aufarbeitung, alle ehemaligen Staatsorgane der DDR stellen. Was schlecht war, darf weder verschwiegen noch schön geredet werden.
Zu einer sachlichen Aufarbeitung der Geschichte gehört aber auch, dass zum Beispiel die Volkspolizei nicht ausschließlich auf die Ereignisse am 07. / 08. Oktober 1989 oder deren Rolle als " Handlanger der Staatssicherheit" reduziert werden darf.
Auch in der Volkspolizei gab es unzählige Mitarbeiter die sich den " Arsch aufgerissen" ihre Gesundheid nicht geschont hatten, weil sie sich als wirkliche Freunde & Helfer verstanden. Und zwar als Freunde & Helfer der einfachen Bevölkerung! Nicht jedoch, zumindest nicht ausschließlich als Freunde & Helfer der SED-Bonzen!
Das die meisten Volkspolizisten loyal zur DDR standen ist eine Tatsache. Ja, es gab auch in den Reihen der Volkspolizei " blinde Fanatiker", der SED kritiklos ergeben, stets bereit jeden Auftrag der Partei widerspruchslos auszuführen.
Aber im ganz normalen Alltag überwogen jene Volkspolizisten, die ihren Beruf ernst nahmen, ohne ständig an die " Notwendigkeit des Machterhaltes der SED" zu denken.

Gruß an alle
Uwe


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#575

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 29.08.2015 19:08
von thomas 48 | 3.580 Beiträge

Hallo Uwe, ich bin mit fast allen Punkten von deinem letzten Beitrag einverstanden.
Nur der Schluss gefällt mir nicht.
Die Volkspolizei war nicht die Polizei des Volkes sondern einer Partei
tho.


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#576

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 29.08.2015 19:35
von ABV | 4.204 Beiträge

Zitat von thomas 48 im Beitrag #575
Hallo Uwe, ich bin mit fast allen Punkten von deinem letzten Beitrag einverstanden.
Nur der Schluss gefällt mir nicht.
Die Volkspolizei war nicht die Polizei des Volkes sondern einer Partei
tho.


Hallo Thomas!
Du hast Recht. Aber ich möchte dir trotzdem widersprechen. Klingt zwar widersprüchlich, ist es aber nicht.
Weil, offiziell war die Volkspolizei ein Machtorgan der SED. Das zur Machterhaltung eben dieser SED diente.
Aber in der normalen Alltagsarbeit der Volkspolizei, wie ich sie erlebt habe, spielte dieser Umstand nun wirklich nur eine untergeordnete Rolle. Wenn zum Beispiel Bürger XY über den Notruf 110 um Hilfe bat, dann wurde nicht erst dessen politische Einstellung geprüft. Wichtig war nur, dass dem Bürger XY geholfen wurde!
Ich möchte aber auch nicht verschweigen, dass bei fast jedem Einsatz hinterherdie Frage im Raum stand, in wie weit der Vorfall eine politische Dimension besitzt. Dennoch wurden Einsätze vorrangig nach polizeilichen Gesichtspunkten abgearbeitet. Und zwar ohne Ansehen der Person!! Zumindest wenn der Polizist seine Arbeit wirklich ernst nahm.
Trotzdem, und da gebe ich dir wieder recht, hat sich die VP zu keinem Zeitpunkt gegen die SED gestellt. Als Quasi " Militärisches Organ", waren die Weisungen der SED für uns absolutes Gestz. In wie weit die Volkspolizei im Herbst 1989 auch eine viel härtere Gangart gegen Demonstranten, bis hin zum Schusswaffeneinsatz mitgetragen hätte, bin ich froh das über diese Frage lediglich spekuliert werden braucht. In dieser Frage gehen die Meinungen, auch innerhalb der ehemaligen Volkspolizei, weit auseinander. Möglicherweise wäre es auf die konkrete Situation vor Ort angekommen, ob die handelnden Polizisten einen solchen Befehl befolgt oder verweigert hätten.
Ich weiß aber, aus eigenem Erleben, dass am 09. Oktober 1989 ein damaliger Hauptmann im VPKA Seelow, unter dem Zuspruch der anderen Anwesenden gesagt hatte, " Von mir aus kann passieren was will. Hauptsache es fließt kein Blut."
So oder so ähnlich haben zu dieser Zeit ganz bestimmt sehr viele Volkspolizisten gedacht.
Eine richtige Volkspolizei konnten wir erst nach dem Abgang der SED werden. Den Wegfall des politischen Krams innerhalb der VP haben die meisten meiner damaligen Kollegen mit Erleichterung gesehen. Wenn gleich diese Erleichterung auch von immer stärker werdenden, nicht unbegründeten Zukunftsängsten überlagert wurde.
Mich ärgert einfach diese undifferenzierte Darstellung der Volkspolizei " als hirnlose Befehlsempfänger der SED". Auch in der VP, wie eben in den anderen Staatsorganen, arbeiteten Menschen und keine Automaten.



Viele Grüße aus dem Oderland
Uwe


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zuletzt bearbeitet 29.08.2015 19:51 | nach oben springen

#577

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 30.08.2015 06:58
von schulzi | 1.765 Beiträge

@ABV das würde ich auch so sehen den wie sagte mein verstorbener Vater immer Partei hin, Partei her wir als Polizisten sind dem Volk verpfichtet


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#578

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 30.08.2015 07:05
von seaman | 3.487 Beiträge

Volkspolizei.
Mir fallen in diesem Zusammenhang Tausende von Bereitschaftspolizisten ein die über Jahrzehnte an ökonomischen Schwerpunkten eingesetzt wurden.So z.b. in den Kraftwerken und Braunkohletagebauen zur Sicherstellung der Energieversorgung.

seaman


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#579

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 30.08.2015 13:28
von RudiEK89 | 1.951 Beiträge

Zitat von schulzi im Beitrag #577
@ABV das würde ich auch so sehen den wie sagte mein verstorbener Vater immer Partei hin, Partei her wir als Polizisten sind dem Volk verpfichtet

Frank,
wir waren damals und sind noch heute dem hilfesuchendem Bürger verpflichtet. Das ist unsere Aufgabe.
Es gab und gibt auch in unserer Berufsgruppe solche und solche Kollegen. Das heißt, die einen mit Herzblut aber auch andere, na ja.

Mich persönlich haben die Jahre 1990 bis 2000 geprägt, als ich es mit vorher nicht gekannten Straftaten wie Erpressung, Entführung und
Banküberfällen zu tun hatte.
Zur damaligen Zeit gab es für Beamte einer Spezialeinheit der sächs. Polizei keine Arbeitszeitverordnung.
Wir waren kaum zu Hause und trotzdem hat es Spass gemacht. Mir jedenfalls.


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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#580

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 31.08.2015 12:50
von ABV | 4.204 Beiträge

Mich haben die Jahre nach der Wiedervereinigung auch mehr geprägt, als die Jahre zuvor. Meine Zeit bei der VP belief sich ja auf lediglich fünf Jahre, während ich jetzt bereits fast fünfundzwanzig Jahre, ein Vierteljahrhundert, bei der Brandenburger Landespolizei arbeitete und gewissermaßen zu den Urgesteinen gehöre. Sowie "Rudi" zu den Urgesteinen der sächsischen Polizei zählt.
Ich bin nach wie vor der Meinung, dass sich die frühere Volkspolizei eine sehr kritische Fragen gefallen lassen muss! Die VP war nun einmal ein Teil des SED-Apparates, noch dazu ein wichtiges.
Aber bei der Betrachtung der VP in der Gesamtheit sollte man sich vor der ungerechtfertigten, pauschalen Verurteilung eines jeden einzelnen Volkspolizisten hüten! So etwas ist nicht nur falsch, sondern in sehr vielen äußerst ungerecht.
Wer sich heute hinstellt und alle ehemaligen Volkspolizisten als tumbe, brutale der SED völlig kritiklos gegenüberstehende Befehlsempfänger hinstellt, beweist nur eines: das er von der Volkspolizei keine Ahnung hat.
Meist kommen solche Äußerungen von Mitmenschen, die noch heute in den " Schützengräben des Kalten Krieges liegen", Hass und Voreingenommenheit als Expertenwissen hinstellen wollen, oder ganz einfach von eigenen Sünden ablenken wollen.
Wer zum Beispiel den ehemaligen Volkspolizisten vorwirft, " dass diese ihre vormalige Ergebenheit zur DDR nur geheuchelt haben können, da sie ja nun zum Klassenfeind übergelaufen sind", obwohl man selbst auf eine langjährige SED-Karriere zurückblickt und dadurch manchen Vorteil eingeheimst hat, vergisst, " dass diese eigenen offizielle Ergebenheit zur SED, die ja angeblich nie bestand, auch nur geheuchelt war."
Außerdem sind Menschen normalerweise in der Lage dazuzulernen, umzudenken und umzukehren.
Und noch eines: nur " mit dem Kapital in der Hand und den Statuten der SED im Kopf", konnte man auch in der DDR kein guter Polizist sein!

Gruß an alle
Uwe


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