#241

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 24.06.2013 19:10
von RudiEK89 | 1.950 Beiträge

Zitat von thomas 48 im Beitrag #240
Ich war bei allen Demos. in Eisenach dabei.

Dann würde ich dich bitten, was dir so durch den Kopf gegangen ist zur Wendezeit und wie du es heute siehst.

VG. Andreas


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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#242

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 10:30
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von ABV im Beitrag #228


Mitten in diesem Wirrwarr warteten tausende Volkspolizisten und MfS-Angehörige vergeblich auf eine Antwort. Es grenzt schon an ein Wunder, dass keiner von den direkt vor Ort eingesetzten Sicherheitskräften, " den Kopf verloren hat." Wäre in Leipzig oder anderswo, nur ein einziger Demonstrant von einem VP oder MfS-Angehörigen verletzt oder gar getötet worden, wäre die Geschichte der Wende höchstwahrscheinlich mit Blut geschrieben worden. Was dann geschehen passiert wäre, vielleicht sogar mit mir und meiner Familie, möchte ich mir besser nicht vorstellen.




Die Ängste auf der Seite der von der Staatsmacht als so genannte "feindlich-negative Personen" eingestuften Menschen waren mindestens genauso groß.

Nach dem brutalen Eingreifen der VP und des MfS bei der Domonstration in Berlin am 7./8. Oktober 1989 war die Verunsicherung auf der Seite der Berliner Demonstranten, welche Richtung die Bewegung nimmt, größer denn je. Gebannt hat man damals auf die Montagsdemo am 9. Oktober in Leipzig geschaut. Es war für die Gesamtstimmung im Land sehr positiv, dass diese Demo friedlich verlaufen ist. Doch damit war für den einzelnen, der damals aktiv beteiligt war, die Angst, nicht vorbei.

Am späten Abend des 9. Oktober 1989 hielt vor unserem Grundstück ein Lada, aus dem 3 Männer in Zivil ausstiegen. Unschlüssig standen sie vor unserem abgeschlossenen Gartentor. Eine Klingel hatten wir nicht, denn wir hatten einen Hund der anschlug. Ich habe einen Moment überlegt, ob ich raus gehe oder nicht. Dann habe ich meinen ganzen Mut zusammen genommen und bin mit weichen Knien raus. Und es gab folgenden Dialog zwischen einem Herren der seinen Dienstausweis zückte und mir:

Herr: Wohnt hier Herr XY?

Ich: Ja. Was wollen sie von ihm?

Herr: Sie sind mit ihm nicht verheiratet. Daher können wir ihnen keine Auskunft geben.

Ich: Wenn Sie wissen, dass herr XY und ich nicht verheiratet sind, dann müssten sie auch wissen, wo er sich derzeitig befindet. Er ist nicht zu hause.

Damit war das Gespräch beendet und die Herren stiegen wieder in ihren Lada und fuhren davon.

Mein Mann hatte in der Nacht Nachtschicht. Wir hatten kein Telefon. Die Kinder, die zwischzeitlich wach geworden sind, wollte ich in der Situation nicht alleine lassen, um zur nächsten Telefonzelle zu gehen. Und so saß ich die ganze Nacht in der Küche und habe auf meinen Mann gewartet. Die Ängste, die ich damals ausgestanden habe, kann ich nicht beschreiben. Auch weil ich die Situation nicht einordnen konnte. Als mein Mann am Morgen endlich nach hause kam, brach es aus mir heraus. Wir haben kurz überlegt, was wir tun können. Unsere Gedanken drehten sich hauptsächlich um unsere 3 Kinder und wie wir sie aus der "Schußlinie" nehmen können. Schließlich beschlossen wir, dass wir den Alltag so wie immer zu bestreiten. Ich fuhr zur Arbeit und er kümmerte sich um die Kinder.

So vergingen dann die Tage und die Situation entspannte sich zunehmend.

Ich habe mich danach auch immer wieder gefragt, wie es wohl für meinen Mann, meine Kinder und mich ausgegangen wäre, wenn die Situation damals eskalliert wäre. Erst recht, weil sich Ahnungen später bestätigt haben:

http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Aktenf...ager/_node.html

Die Erinnerung an die Tage vom 7. bis 10. Oktober 1989 und da insbesondere an die durchwachte Nacht auf den 10. Oktober 1989 haben sich in meinem Gedächtnis eingebrannt.

Meine Erinnerungen an die Zeit von 1989 sind trotzdem positiv, auch wenn der Weg, der dann eingeschlagen wurde, nicht meiner war.

LG von der grenzgaengerin


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#243

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 10:37
von schnatterinchen (gelöscht)
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Zitat von Fritze im Beitrag #224
Wenn ich ehrlich bin und an damals denke ,muss ich heute zugeben ,ich hätte geschossen . Ohne Wenn und aber .Fairerweise muss man mir auch gestatten zu sagen ,nicht wahllos ,sondern gezielt ,zuerst auf die Beine .
Ich brauchte nie zu schiessen ,aber durchgeladen hatte ich in solch Situationen zweimal. Und einmal hab ich auch zugehauen !
So jetzt dürft ihr über mich herfallen.



Das muß man mal wirken lassen!


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#244

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 11:29
von Udo | 1.258 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #243
Zitat von Fritze im Beitrag #224
Wenn ich ehrlich bin und an damals denke ,muss ich heute zugeben ,ich hätte geschossen . Ohne Wenn und aber .Fairerweise muss man mir auch gestatten zu sagen ,nicht wahllos ,sondern gezielt ,zuerst auf die Beine .
Ich brauchte nie zu schiessen ,aber durchgeladen hatte ich in solch Situationen zweimal. Und einmal hab ich auch zugehauen !
So jetzt dürft ihr über mich herfallen.



Das muß man mal wirken lassen!

Hallo Schnattchen, Du musst immer die Situation sehen. So wie Fritze schreibt, entnehme ich, dass er 3 Grenzverletzungen mitgemacht hat. Wer mal in solcher Situation war, weiss, wie die Unterhose danach aussieht.


Küchenbulle 79 und DoreHolm haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#245

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 11:41
von schnatterinchen (gelöscht)
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Zitat von Udo im Beitrag #244
Zitat von schnatterinchen im Beitrag #243
Zitat von Fritze im Beitrag #224
Wenn ich ehrlich bin und an damals denke ,muss ich heute zugeben ,ich hätte geschossen . Ohne Wenn und aber .Fairerweise muss man mir auch gestatten zu sagen ,nicht wahllos ,sondern gezielt ,zuerst auf die Beine .
Ich brauchte nie zu schiessen ,aber durchgeladen hatte ich in solch Situationen zweimal. Und einmal hab ich auch zugehauen !
So jetzt dürft ihr über mich herfallen.



Das muß man mal wirken lassen!

Hallo Schnattchen, Du musst immer die Situation sehen. So wie Fritze schreibt, entnehme ich, dass er 3 Grenzverletzungen mitgemacht hat. Wer mal in solcher Situation war, weiss, wie die Unterhose danach aussieht.



Richtig, man muß die Situation sehen. Dann kann ich nicht sagen ohne "Wenn und Aber".
Schußwaffeneinsatz gegen unbewaffnete Demonstranten geht garnicht, wenn nicht das eigene Leben oder das Leben anderer gefährdet ist.
Das haben manche unserer Genossen damals anders gesehen und sich an China ein Beispiel nehmen wollen.
Die sind in ihrem Kampfdenken gegen Faschismus und Krieg stecken geblieben.


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#246

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 12:04
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von schnatterinchen im Beitrag #245


Das haben manche unserer Genossen damals anders gesehen und sich an China ein Beispiel nehmen wollen.




Und andere Genossen haben sich durchgesetzt und es ist nicht so gekommen wie in China.

Ich würde mich heute noch gerne bei denen persönlich bedanken, die dies verhindert haben. Nur weiß ich nicht bei wem.

LG von der grenzgaengerin


Kurt und Küchenbulle 79 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#247

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 12:06
von schnatterinchen (gelöscht)
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Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #246
Zitat von schnatterinchen im Beitrag #245


Das haben manche unserer Genossen damals anders gesehen und sich an China ein Beispiel nehmen wollen.




Und andere Genossen haben sich durchgesetzt und es ist nicht so gekommen wie in China.

Ich würde mich heute noch gerne bei denen persönlich bedanken, die dies verhindert haben. Nur weiß ich nicht bei wem.

LG von der grenzgaengerin




Die melden sich nicht. Haben es sicher schon bereut.Sind ja Verräter an der Sache.


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#248

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 12:58
von silberfuchs60 | 1.458 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #245
Zitat von Udo im Beitrag #244
Zitat von schnatterinchen im Beitrag #243
Zitat von Fritze im Beitrag #224
Wenn ich ehrlich bin und an damals denke ,muss ich heute zugeben ,ich hätte geschossen . Ohne Wenn und aber .Fairerweise muss man mir auch gestatten zu sagen ,nicht wahllos ,sondern gezielt ,zuerst auf die Beine .
Ich brauchte nie zu schiessen ,aber durchgeladen hatte ich in solch Situationen zweimal. Und einmal hab ich auch zugehauen !
So jetzt dürft ihr über mich herfallen.



Das muß man mal wirken lassen!

Hallo Schnattchen, Du musst immer die Situation sehen. So wie Fritze schreibt, entnehme ich, dass er 3 Grenzverletzungen mitgemacht hat. Wer mal in solcher Situation war, weiss, wie die Unterhose danach aussieht.



Richtig, man muß die Situation sehen. Dann kann ich nicht sagen ohne "Wenn und Aber".
Schußwaffeneinsatz gegen unbewaffnete Demonstranten geht garnicht, wenn nicht das eigene Leben oder das Leben anderer gefährdet ist.
Das haben manche unserer Genossen damals anders gesehen und sich an China ein Beispiel nehmen wollen.
Die sind in ihrem Kampfdenken gegen Faschismus und Krieg stecken geblieben.



@Fritze bezog sich auf den Grenzverletzer mit ohne "Wenn und Aber". Wenn Du am "Kanten" gewesen wärest @schnatterinchen, würdest Du es verstehen.Viel zur Auswahl hattest Du da nicht, abgehen davon ob der GV bewaffnet war, oder nicht. Das hätte man erst festgestellt...wenn die Situation eskaliert wäre.
Am besten kein GV in Deiner Dienstzeit
GV in Deinem Abschnitt...1. wenn schiessen müssen, dann in die Beine..aber bei einer bestimmten Entfernung....o.W.
2. wegschauen und tun als ob...Problem...bei der Rekonstruktion der Flucht und es wird nachgewiesen, das Du...... Schwedt !
3. selber abhauen..warum , wieso und weshalb...Familie in der DDR und im Westen niemand.
Ich denke jeden Grenzer wird das durch den Kopf gegangen sein
Im übrigen wußte jeder Mensch, was einen an der Grenze erwartet. Wir hatten damals unseren Dienst abgeleistet wie jeder andere bei der NVA auch. Das verlassen wollen des Landes ging nun mal leider nur über eine offizielle Ausreise. Die Problematik diesbezüglich war jeden bekannt.....

Bezüglich Deines Einwandes bei Schußwaffeneinsatz gegen Demonstranten, hast Du natürlich recht.


xxx
Kurt und Küchenbulle 79 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 25.06.2013 15:27 | nach oben springen

#249

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 13:06
von silberfuchs60 | 1.458 Beiträge

Zitat von silberfuchs60 im Beitrag #248
Zitat von schnatterinchen im Beitrag #245
Zitat von Udo im Beitrag #244
Zitat von schnatterinchen im Beitrag #243
Zitat von Fritze im Beitrag #224
Wenn ich ehrlich bin und an damals denke ,muss ich heute zugeben ,ich hätte geschossen . Ohne Wenn und aber .Fairerweise muss man mir auch gestatten zu sagen ,nicht wahllos ,sondern gezielt ,zuerst auf die Beine .
Ich brauchte nie zu schiessen ,aber durchgeladen hatte ich in solch Situationen zweimal. Und einmal hab ich auch zugehauen !
So jetzt dürft ihr über mich herfallen.



Das muß man mal wirken lassen!

Hallo Schnattchen, Du musst immer die Situation sehen. So wie Fritze schreibt, entnehme ich, dass er 3 Grenzverletzungen mitgemacht hat. Wer mal in solcher Situation war, weiss, wie die Unterhose danach aussieht.



Richtig, man muß die Situation sehen. Dann kann ich nicht sagen ohne "Wenn und Aber".
Schußwaffeneinsatz gegen unbewaffnete Demonstranten geht garnicht, wenn nicht das eigene Leben oder das Leben anderer gefährdet ist.
Das haben manche unserer Genossen damals anders gesehen und sich an China ein Beispiel nehmen wollen.
Die sind in ihrem Kampfdenken gegen Faschismus und Krieg stecken geblieben.



@Fritze bezog sich auf den Grenzverletzer mit ohne "Wenn und Aber". Wenn Du am "Kanten" gewesen wärest @schnatterinchen, würdest Du es verstehen.Viel zur Auswahl hattest Du da nicht, abgehen davon ob der GV bewaffnet war, oder nicht. Das hätte man erst festgestellt...wenn die Situation eskaliert wäre.
Am besten kein GV in Deiner Dienstzeit
GV in Deinem Abschnitt...1. wenn schiessen müssen, dann in die Beine..aber bei einer bestimmten Entfernung....o.W.
2. wegschauen und tun als ob...Problem...bei der Rekonstruktion der Flucht und es wird nachgewiesen, das Du...... Schwedt !
3. selber abhauen..warum , wieso und weshalb...Familie in der DDR und im Westen niemand.
Ich denke jeden Grenzer wird das durch den Kopf gegangen sein . Im übrigen wußte jeder Mensch, was einen an der Grenze erwartet. Wir hatten damals unseren Dienst abgeleistet wie jeder andere bei der NVA auch. Das verlassen wollen des Landes ging nun mal leider nur über eine offizielle Ausreise. Die Problematik diesbezüglich war jeden bekannt.....

Bezüglich Deines Einwandes bei Schußwaffeneinsatz gegen Demonstranten, hast Du natürlich recht.


xxx
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#250

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 13:10
von schnatterinchen (gelöscht)
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Habe ich verstanden, es ging um Schußwaffengebrauch gegen Republikflüchtlinge.
Ich habe das jedoch schon seit ich denken kann nicht verstanden wie ein Mensch mit dem Tod bedroht werden kann der lediglich von einem Land in ein anderes gehen will.
Das war nie ein Verbrechen auch wenn es illegal war. Aber das wurde hier schon zur Genüge besprochen.
Ich möchte eine solche Last kein Leben lang mit mir tragen müßen , einen Menschen das Leben genommen zu haben weil er abhauen wollte.
Dann lieber Schwedt.


zuletzt bearbeitet 25.06.2013 13:25 | nach oben springen

#251

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 13:11
von Kurt | 933 Beiträge

@Fritze Deine Aussage (in der heutigen Zeit) beweist Mut und Ehrlichkeit. Hinterher zu sagen, "ich hätte nie geschossen", wäre natürlich bequemer.
Nein, man muß bedenken, daß etliche GV bewaffnet waren, daß es viele tote Angehörige der GT gab, daß man zur Verantwortung gezogen worden wäre, wenn man weggesehen hätte und vor alledem, daß es unsere Aufgabe war, illegale Grenzübertritte zu verhindern.
Bleib so, wie Du bist. Wir brauchen hier Menschen, die morgens auch noch in den Spiegel sehen können und zu sich selbst stehen.


passport, werner und RudiEK89 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#252

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 13:19
von schnatterinchen (gelöscht)
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Ja Kurti,du kannst deine Flügel wieder zusammenfalten.
Ich bewerte hier keine Personen, da ich sie nicht kenne.Ausserdem war ich nicht bei den GT und kann daher nichts zu solchen Situationen sagen.
In der Schule haben mir meine Lehrer beigebracht, das einzige was unbezahlbar ist ist das Leben.
Das galt für mich damals und gilt für mich heute noch.


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#253

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 13:50
von schnatterinchen (gelöscht)
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Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #242
Zitat von ABV im Beitrag #228


Mitten in diesem Wirrwarr warteten tausende Volkspolizisten und MfS-Angehörige vergeblich auf eine Antwort. Es grenzt schon an ein Wunder, dass keiner von den direkt vor Ort eingesetzten Sicherheitskräften, " den Kopf verloren hat." Wäre in Leipzig oder anderswo, nur ein einziger Demonstrant von einem VP oder MfS-Angehörigen verletzt oder gar getötet worden, wäre die Geschichte der Wende höchstwahrscheinlich mit Blut geschrieben worden. Was dann geschehen passiert wäre, vielleicht sogar mit mir und meiner Familie, möchte ich mir besser nicht vorstellen.




Die Ängste auf der Seite der von der Staatsmacht als so genannte "feindlich-negative Personen" eingestuften Menschen waren mindestens genauso groß.

Nach dem brutalen Eingreifen der VP und des MfS bei der Domonstration in Berlin am 7./8. Oktober 1989 war die Verunsicherung auf der Seite der Berliner Demonstranten, welche Richtung die Bewegung nimmt, größer denn je. Gebannt hat man damals auf die Montagsdemo am 9. Oktober in Leipzig geschaut. Es war für die Gesamtstimmung im Land sehr positiv, dass diese Demo friedlich verlaufen ist. Doch damit war für den einzelnen, der damals aktiv beteiligt war, die Angst, nicht vorbei.

Am späten Abend des 9. Oktober 1989 hielt vor unserem Grundstück ein Lada, aus dem 3 Männer in Zivil ausstiegen. Unschlüssig standen sie vor unserem abgeschlossenen Gartentor. Eine Klingel hatten wir nicht, denn wir hatten einen Hund der anschlug. Ich habe einen Moment überlegt, ob ich raus gehe oder nicht. Dann habe ich meinen ganzen Mut zusammen genommen und bin mit weichen Knien raus. Und es gab folgenden Dialog zwischen einem Herren der seinen Dienstausweis zückte und mir:

Herr: Wohnt hier Herr XY?

Ich: Ja. Was wollen sie von ihm?

Herr: Sie sind mit ihm nicht verheiratet. Daher können wir ihnen keine Auskunft geben.

Ich: Wenn Sie wissen, dass herr XY und ich nicht verheiratet sind, dann müssten sie auch wissen, wo er sich derzeitig befindet. Er ist nicht zu hause.

Damit war das Gespräch beendet und die Herren stiegen wieder in ihren Lada und fuhren davon.

Mein Mann hatte in der Nacht Nachtschicht. Wir hatten kein Telefon. Die Kinder, die zwischzeitlich wach geworden sind, wollte ich in der Situation nicht alleine lassen, um zur nächsten Telefonzelle zu gehen. Und so saß ich die ganze Nacht in der Küche und habe auf meinen Mann gewartet. Die Ängste, die ich damals ausgestanden habe, kann ich nicht beschreiben. Auch weil ich die Situation nicht einordnen konnte. Als mein Mann am Morgen endlich nach hause kam, brach es aus mir heraus. Wir haben kurz überlegt, was wir tun können. Unsere Gedanken drehten sich hauptsächlich um unsere 3 Kinder und wie wir sie aus der "Schußlinie" nehmen können. Schließlich beschlossen wir, dass wir den Alltag so wie immer zu bestreiten. Ich fuhr zur Arbeit und er kümmerte sich um die Kinder.

So vergingen dann die Tage und die Situation entspannte sich zunehmend.

Ich habe mich danach auch immer wieder gefragt, wie es wohl für meinen Mann, meine Kinder und mich ausgegangen wäre, wenn die Situation damals eskalliert wäre. Erst recht, weil sich Ahnungen später bestätigt haben:

http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Aktenf...ager/_node.html

Die Erinnerung an die Tage vom 7. bis 10. Oktober 1989 und da insbesondere an die durchwachte Nacht auf den 10. Oktober 1989 haben sich in meinem Gedächtnis eingebrannt.

Meine Erinnerungen an die Zeit von 1989 sind trotzdem positiv, auch wenn der Weg, der dann eingeschlagen wurde, nicht meiner war.

LG von der grenzgaengerin




Haben die Genossen der Stasi nach diesem Besuch schon von Euch abgelassen?
Wenn die mal vorgefahren sind um einen abzuholen sind die eigentlich nicht unverrichteter Dinge in ihre Dienststellen zurückgefahren.


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#254

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 14:22
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von schnatterinchen im Beitrag #253


Haben die Genossen der Stasi nach diesem Besuch schon von Euch abgelassen?
Wenn die mal vorgefahren sind um einen abzuholen sind die eigentlich nicht unverrichteter Dinge in ihre Dienststellen zurückgefahren.




An dieser Stelle fangen Spekulationen an, an denen ich mich nicht beteiligen will. Fakt ist, dass sie nach Herrn XY gefragt haben. Warum, wieso, weshalb - kann ich nicht beantworten. Ich kann mich nur noch an die verdutzten Gesichter erinnern, nachdem ich auf "ihre Erkenntnisse" hingewiesen habe. Und so schlimm die nächsten Stunden für mich auch waren, bei der Erinnerung an diese Sequens muss ich heute schmunzeln.

Fakt ist, dass sich in diesen Tagen die Ereignisse überschlagen haben. Und ich denke, dass auch die einzelnen Beteiligten unter wahnsinnigem Stress standen. Es war für alle ein ungewöhnliche Situation. Fakt ist auch, dass sie die Arbeitsstelle meines Mannes nicht aufgesucht haben. Zumindest hat mein Mann davon keine Kenntnis erhalten. Auch nicht auf Nachfrage in den Tagen danach.

Das "was wäre wenn" hat uns zwar auch noch einige Zeit beschäftigt, doch geriet dies immer mehr in den Hintergrund. Denn es hat andere in Berlin weit aus schlimmer getroffen. Dazu gibt es unzählige Zeitzeugenberichte und Gedächtnisprotokolle.

Ich habe lange überlegt, ob ich diese Momentaufnahme aus meinem Leben im Oktober 1989 überhaupt beschreibe. Ich habe es ausschließlich für die gemacht, die gerne wissen wollen, wie sich die gefühlt haben, die auf der anderen Seite standen. Und damit möchte ich es auch gerne belassen.

LG von der grenzgaengerin


Kurt, RudiEK89 und Kimble haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 25.06.2013 14:24 | nach oben springen

#255

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 14:53
von schnatterinchen (gelöscht)
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War richtig das zu schreiben, sehr geehrte grenzgaengerin,
daß das damals eine besondere Situation war möchte ich auch mal meinen, besonders für die Stasischergen die beauftragt waren die Bevölkerung in Schach zu halten.
Die sind ja mit Hausbesuchen garnicht hinterhergekommen.Aus dem Mietshaus in Leipzig in dem ich gewohnt habe sind gleichzeitig 3 Leute ohne voneinander zu wissen abgehauen.
War ein Glücksfall für die Stasis,konnten gleich von einer Wohnung in die andere ohne das Haus verlassen zu müßen.
Beharrlich waren die Genossen sehr. Die haben mich schon aus der Mine holen lassen. Als der Steiger zu denen sagte wir sprengen gleich das geht jetzt nicht , da haben die zu dem gesagt, dann sprengen sie eben später.


Kimble hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#256

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 16:34
von RudiEK89 | 1.950 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #255
War richtig das zu schreiben, sehr geehrte grenzgaengerin,
daß das damals eine besondere Situation war möchte ich auch mal meinen, besonders für die Stasischergen die beauftragt waren die Bevölkerung in Schach zu halten.
Die sind ja mit Hausbesuchen garnicht hinterhergekommen.Aus dem Mietshaus in Leipzig in dem ich gewohnt habe sind gleichzeitig 3 Leute ohne voneinander zu wissen abgehauen.
War ein Glücksfall für die Stasis,konnten gleich von einer Wohnung in die andere ohne das Haus verlassen zu müßen.
Beharrlich waren die Genossen sehr. Die haben mich schon aus der Mine holen lassen. Als der Steiger zu denen sagte wir sprengen gleich das geht jetzt nicht , da haben die zu dem gesagt, dann sprengen sie eben später.

Was denkst denn du wie es heute ist, Schnatterinchen?
Wenn die entsprechenden "Dienste" kommen ruht die Arbeit auch.
Auch deine Wohnung wird innerhalb eines Strafverfahrens mit richterlichen Beschluss durchsucht auch wenn du auf Arbeit bist.
Hast aber ein neues Schloss mit drei Schlüsseln, gratis dann.

Und wer die Schusswaffe im Grenzdienst, auch als Wehrpflichtiger nicht anwenden wollte, brauchte sich nur an die Abt. 2000 zu wenden und bekam einen Spaten.


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
Kurt hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#257

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 16:48
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von RudiEK89 im Beitrag #256

Was denkst denn du wie es heute ist, Schnatterinchen?
Wenn die entsprechenden "Dienste" kommen ruht die Arbeit auch.
Auch deine Wohnung wird innerhalb eines Strafverfahrens mit richterlichen Beschluss durchsucht auch wenn du auf Arbeit bist.
Hast aber ein neues Schloss mit drei Schlüsseln, gratis dann.

Und wer die Schusswaffe im Grenzdienst, auch als Wehrpflichtiger nicht anwenden wollte, brauchte sich nur an die Abt. 2000 zu wenden und bekam einen Spaten.


Denke,
nur wer mal eine Hausdurchsuchung erlebte oder eine Festnahme über sich ergehen lassen musste,kann die Wirkung auf sich persönlich einschätzen.
Wenn dann noch die Möglichkeit gegeben ist,eine Festnahme Ost mit einer Festnahme West zu vergleichen,wird man erstaunliche Gemeinsamkeiten feststellen.

seaman


RudiEK89 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 25.06.2013 16:49 | nach oben springen

#258

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 16:57
von schnatterinchen (gelöscht)
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Zitat von RudiEK89 im Beitrag #256
Zitat von schnatterinchen im Beitrag #255
War richtig das zu schreiben, sehr geehrte grenzgaengerin,
daß das damals eine besondere Situation war möchte ich auch mal meinen, besonders für die Stasischergen die beauftragt waren die Bevölkerung in Schach zu halten.
Die sind ja mit Hausbesuchen garnicht hinterhergekommen.Aus dem Mietshaus in Leipzig in dem ich gewohnt habe sind gleichzeitig 3 Leute ohne voneinander zu wissen abgehauen.
War ein Glücksfall für die Stasis,konnten gleich von einer Wohnung in die andere ohne das Haus verlassen zu müßen.
Beharrlich waren die Genossen sehr. Die haben mich schon aus der Mine holen lassen. Als der Steiger zu denen sagte wir sprengen gleich das geht jetzt nicht , da haben die zu dem gesagt, dann sprengen sie eben später.

Was denkst denn du wie es heute ist, Schnatterinchen?
Wenn die entsprechenden "Dienste" kommen ruht die Arbeit auch.
Auch deine Wohnung wird innerhalb eines Strafverfahrens mit richterlichen Beschluss durchsucht auch wenn du auf Arbeit bist.
Hast aber ein neues Schloss mit drei Schlüsseln, gratis dann.

Und wer die Schusswaffe im Grenzdienst, auch als Wehrpflichtiger nicht anwenden wollte, brauchte sich nur an die Abt. 2000 zu wenden und bekam einen Spaten.



Um mich ging es dabei nicht mal. Sondern um jemanden aus Weimar bei dem ich nach dem Blues einmal übernachtet hatte und der abgehauen war.
Die wollten mir eine Mitwisserschaft anhängen.


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#259

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 17:18
von RudiEK89 | 1.950 Beiträge

@Schnatterinchen
Der Anfangsverdacht war aber gegeben? Wie es heute so schön heißt.

Edit: Schreibfehler


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
zuletzt bearbeitet 25.06.2013 17:19 | nach oben springen

#260

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 17:19
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

An alle Freunde,
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