#1

Ein Sommertag in der Rhön

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 10.06.2013 11:41
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Ein Sommertag in der Rhön

In der Landschaft, immitten blumenübersäter Wiesen, über die sacht der Wind streicht, steht ein alter B-Turm.
[url]

SDC14672
SDC14673
[/url]
Ganz in der Nähe ist der ehemalige Grenzübergang Henneberg.
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SDC14670
[/url]
Die Tür ist offen, ich trete ein. Hier ist ja alles noch erhalten - ich freu mich drüber. Die meisten alten Grenzanlagen sind demoliert - keiner brauchte sie mehr, nachdem die Grenze 1990 verschwunden war.
Ich steige auf der Eisentreppe nach oben und erreiche die obere Plattform - von hier habe ich eine phantastischen Rundblick über das Land der offenen Fernen, wie die Rhön genannt wird.
[url]
SDC14675
SDC14684
SDC14685
SDC14686
SDC14687
SDC14688
[/url]


Die Erinnerungen an längst vergangene Zeiten, den Sommer 1979, als ich hier ganz in der Nähe, in der Hohen Rhön Grenzer war, tauchen auf.


Mitten durch diese wunderschöne Sommerlandschaft zieht sich das silbegraue Band des Grenzzauns, der Deutschland jahrzehntelang geteilt hat.
Im Frühjahr 1979, nach einem halben Jahr Soldatenalltag in Eisenach, bekam ich diesen 3 Meter hohen Streckmetallzaun zum ersten mal zu sehen.
Mein Zuhause war an der anderen Grenze der DDR, an der Neisse - 400 Kilometer ostwärts.
Was für Menschen mögen hinter diesem Zaun, auf der Westseite, leben ?
Am Horizont sehe ich ein kleines Dorf. Durch mein Fenglas kann ich nicht viel erkennen.
Dort ist der Klassenfeind - sagte damals mein Staatsbürgerkundelehrer in der Oberschule.
Ich habe keine Verwandten im Westen. Unsere Nachbarn hatten mal den Klassenfeind zu Besuch - die sahen eigentlich wie normale Menschen aus.
Ich habe damal nicht mit den Leuten gesprochen, es gab keinen Anlass dafür.

Das Wort "Klassenfeind" habe ich seither oft gehört, auch später als Student, im Fach Marxismus-Leninismus.
Der Bundesgrenzschutz, als Streife, taucht ab an an dieser Grenze auf. Sucht mit dem Fernglas, ob sie irgend etwas entdecken können - und fährt wieder.
Ich melde dann das Auftauchen der Streife an den Führungpunkt - Alltag, Routine. Empfinde ich die BGS-Streife als Bedrohung für mich ?
Nein, eigentlich nicht. Sie sind meist nur mit einer Pistole bewaffnet, ich habe ein Schnellfeuergewehr mit 60 Schuss. Nun, sicher haben sie auch noch eins im Auto.
Aber, ich habe es noch nie erlebt, dass sie es hervorgeholt hätten. Ich gebe ihnen auch keinen Grund dazu, meins bleibt auch auf dem Rücken.
Bei dem Gedanken, das nur ein kleines Missverständnis, ein Zwischenfall, an dieser Grenze einen Weltkrieg auslösen könnte, schaudert es mich
Mein Vater und mein Grossvater waren unfreiwillig Soldaten und haben beide einen furchtbaren Weltkrieg miterleben müssen. Ich bin froh, dass der Frieden in Europa bis jetzt gehalten hat.

Der "Klassenfeind" - das ist irgend etwas Imaginäres für mich.
Unser Politstellverteter, ein junger Leutnant, gebraucht diesen Begriff auch oft.
Er ist 22, 3 Jahre jünger als ich.
Beinahe wäre ich ja auch Berufsoffizier geworden....die Bereitschafterklärung habe ich damals, auf der EOS auf Drängen meines Staatsbürgerkundelehrers bereits unterschrieben.
Als Arbeiterkind fühlte ich mich schon irgendwie verpflichtet, meinem Staat, der DDR, etwas zurückzugeben. Schliessliche habe ich eine sorglose Kindheit und Jugend verlebt.
...................
Mein Blick fällt auf ein dunkelgrünes AUto, ganz in der Nähe des B-Turms. Ich werde aus meinen Gedanken gerissen.....
Ist die Ablösung schon da ? Oder eine Postenkontrolle ?

Nein - es ist ein VW-Bus...
Ein heisser Schreck durchfährt mich - Wie kommt der Bundesgrenzschutz hierher ?
Ich hab doch vorhin noch den Grenzzaun abgelaufen .......... War dort ein offenes Tor ?
Wie ist das passiert - warum hab ich das nicht bemerkt...
Ich bin hellwach...

Ich schau auf meine Uhr, auf den Kalender, ich schau zum Auto.

Der Kalender auf meiner Uhr zeigt den 8.Juni 2013 an. Ich seh noch mal zu dem dunkelgrünen VW-Bus - das ist ja mein Auto, mein Camping-Bus.
Das silbergraue Band des Grenzzauns ist plötzlich aus der Landschaft verschwunden.
Habe ich gedanklich eine Zeitreise gemacht ?
Ja, wohl irgendwie......

Ich atme tief durch, erleichtert, steige die Treppe herunter.
Der Sommerwind streicht immer noch über die Grasflächen voller wunderschöner Blumen.
Der alte B-Turm steht als stummer Zeuge einer längst vergangenen Zeit inmitten der Landschaft.
[url]
SDC14690
SDC14699
SDC14700
[/url]

Diese Grenze, an der ich vor über 33 Jahren Soldat war, gibt es schon lange nicht mehr. Der "Klassenfeind" - wer war das ?
Ich habe, nachdem diese Grenze verschwunden war, viele Menschen im Westen Deutschlands kennengelernt, Menschen die die gleichen Alltagssorgen wie ich hatten.
Und manche sind meine Freunde geworden. Ja, das brauchte etwas Zeit, ich hatte auch "Berührungsängste".
Ich bin froh darüber, dass diese Grenze einfach verschwunden ist.
Mag der alte B-Turm unsere Kinder und Enkel an jene Zeit erinnern, als unsere Heimat, ganz Europa geteilt war. Als Mahnung, so etwas nie wieder zuzulassen.


Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
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#2

RE: Ein Sommertag in der Rhön

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 10.06.2013 12:21
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Jobnomade im Beitrag #1
Ein Sommertag in der Rhön

In der Landschaft, immitten blumenübersäter Wiesen, über die sacht der Wind streicht, steht ein alter B-Turm.
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Ganz in der Nähe ist der ehemalige Grenzübergang Henneberg.
[url][widget=29066][/url]
Die Tür ist offen, ich trete ein. Hier ist ja alles noch erhalten - ich freu mich drüber. Die meisten alten Grenzanlagen sind demoliert - keiner brauchte sie mehr, nachdem die Grenze 1990 verschwunden war.
Ich steige auf der Eisentreppe nach oben und erreiche die obere Plattform - von hier habe ich eine phantastischen Rundblick über das Land der offenen Fernen, wie die Rhön genannt wird.
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Die Erinnerungen an längst vergangene Zeiten, den Sommer 1979, als ich hier ganz in der Nähe, in der Hohen Rhön Grenzer war, tauchen auf.


Mitten durch diese wunderschöne Sommerlandschaft zieht sich das silbegraue Band des Grenzzauns, der Deutschland jahrzehntelang geteilt hat.
Im Frühjahr 1979, nach einem halben Jahr Soldatenalltag in Eisenach, bekam ich diesen 3 Meter hohen Streckmetallzaun zum ersten mal zu sehen.
Mein Zuhause war an der anderen Grenze der DDR, an der Neisse - 400 Kilometer ostwärts.
Was für Menschen mögen hinter diesem Zaun, auf der Westseite, leben ?
Am Horizont sehe ich ein kleines Dorf. Durch mein Fenglas kann ich nicht viel erkennen.
Dort ist der Klassenfeind - sagte damals mein Staatsbürgerkundelehrer in der Oberschule.
Ich habe keine Verwandten im Westen. Unsere Nachbarn hatten mal den Klassenfeind zu Besuch - die sahen eigentlich wie normale Menschen aus.
Ich habe damal nicht mit den Leuten gesprochen, es gab keinen Anlass dafür.

Das Wort "Klassenfeind" habe ich seither oft gehört, auch später als Student, im Fach Marxismus-Leninismus.
Der Bundesgrenzschutz, als Streife, taucht ab an an dieser Grenze auf. Sucht mit dem Fernglas, ob sie irgend etwas entdecken können - und fährt wieder.
Ich melde dann das Auftauchen der Streife an den Führungpunkt - Alltag, Routine. Empfinde ich die BGS-Streife als Bedrohung für mich ?
Nein, eigentlich nicht. Sie sind meist nur mit einer Pistole bewaffnet, ich habe ein Schnellfeuergewehr mit 60 Schuss. Nun, sicher haben sie auch noch eins im Auto.
Aber, ich habe es noch nie erlebt, dass sie es hervorgeholt hätten. Ich gebe ihnen auch keinen Grund dazu, meins bleibt auch auf dem Rücken.
Bei dem Gedanken, das nur ein kleines Missverständnis, ein Zwischenfall, an dieser Grenze einen Weltkrieg auslösen könnte, schaudert es mich
Mein Vater und mein Grossvater waren unfreiwillig Soldaten und haben beide einen furchtbaren Weltkrieg miterleben müssen. Ich bin froh, dass der Frieden in Europa bis jetzt gehalten hat.

Der "Klassenfeind" - das ist irgend etwas Imaginäres für mich.
Unser Politstellverteter, ein junger Leutnant, gebraucht diesen Begriff auch oft.
Er ist 22, 3 Jahre jünger als ich.
Beinahe wäre ich ja auch Berufsoffizier geworden....die Bereitschafterklärung habe ich damals, auf der EOS auf Drängen meines Staatsbürgerkundelehrers bereits unterschrieben.
Als Arbeiterkind fühlte ich mich schon irgendwie verpflichtet, meinem Staat, der DDR, etwas zurückzugeben. Schliessliche habe ich eine sorglose Kindheit und Jugend verlebt.
...................
Mein Blick fällt auf ein dunkelgrünes AUto, ganz in der Nähe des B-Turms. Ich werde aus meinen Gedanken gerissen.....
Ist die Ablösung schon da ? Oder eine Postenkontrolle ?

Nein - es ist ein VW-Bus...
Ein heisser Schreck durchfährt mich - Wie kommt der Bundesgrenzschutz hierher ?
Ich hab doch vorhin noch den Grenzzaun abgelaufen .......... War dort ein offenes Tor ?
Wie ist das passiert - warum hab ich das nicht bemerkt...
Ich bin hellwach...

Ich schau auf meine Uhr, auf den Kalender, ich schau zum Auto.

Der Kalender auf meiner Uhr zeigt den 8.Juni 2013 an. Ich seh noch mal zu dem dunkelgrünen VW-Bus - das ist ja mein Auto, mein Camping-Bus.
Das silbergraue Band des Grenzzauns ist plötzlich aus der Landschaft verschwunden.
Habe ich gedanklich eine Zeitreise gemacht ?
Ja, wohl irgendwie......

Ich atme tief durch, erleichtert, steige die Treppe herunter.
Der Sommerwind streicht immer noch über die Grasflächen voller wunderschöner Blumen.
Der alte B-Turm steht als stummer Zeuge einer längst vergangenen Zeit inmitten der Landschaft.
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Diese Grenze, an der ich vor über 33 Jahren Soldat war, gibt es schon lange nicht mehr. Der "Klassenfeind" - wer war das ?
Ich habe, nachdem diese Grenze verschwunden war, viele Menschen im Westen Deutschlands kennengelernt, Menschen die die gleichen Alltagssorgen wie ich hatten.
Und manche sind meine Freunde geworden. Ja, das brauchte etwas Zeit, ich hatte auch "Berührungsängste".
Ich bin froh darüber, dass diese Grenze einfach verschwunden ist.
Mag der alte B-Turm unsere Kinder und Enkel an jene Zeit erinnern, als unsere Heimat, ganz Europa geteilt war. Als Mahnung, so etwas nie wieder zuzulassen.


Gruss Hartmut





Lieber Hartmut,

es berührt mich sehr, wie du deine "Zeitreise" beschreibst.

Vor allem, da wir diese gemeinsame "Grenzexploration" zusammen mit Michael gemacht haben.

Mein Bericht darüber, den ich in Kürze posten werde, ist in gewisser Weise ein, wenn auch zeitich versetzes, Pendant zu deinen Erinnerungen, so kommt es mir gerade vor.

Nicht Staat, nicht Gesellschaft, nicht System, sondern das Leben und Erleben des Einzelnen macht den Reichtum dieser Welt aus.

Ich danke dir sehr Hartmut!
Barbara


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#3

RE: Ein Sommertag in der Rhön

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 10.06.2013 20:58
von Lutze | 8.034 Beiträge

auf you tube gibt es ein schönes Vidio zum Thema "Zeitreise"
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#4

RE: Ein Sommertag in der Rhön

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 10.06.2013 22:22
von ABV | 4.202 Beiträge

Danke Hartmut, für die tolle Zeitreise und die wunderbaren Fotos. Mein Sohn wohnt und arbeitet seit gut drei Jahren auf der bayrischen Seite der Rhön. Wenn ich ihn das nächste Mal besuchen fahre, ist ein Abstecher zur früheren GÜST Henneberg fest eingeplant.

Viele Grüße
aus dem Oderland
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#5

RE: Ein Sommertag in der Rhön

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 11.06.2013 08:58
von Duck | 1.741 Beiträge

Wenn ich an die Sommertage in der Rhön zurückdenke, fällt mir als erstes ein kleiner Vogel ein. Wenn wir mal wieder Posten beziehen mussten in unseren Wiesenbereichen, das war bei uns der Rhönkopf, die große Wiese bei Melpers oder die Wiese an der jetzigen Verbindungsstraße Weimarschmieden/Gerthausen, gab es diese kleinen Vögel, die wie kleine Kolibris in einer gewissen Höhe flogen und ständig zwitscherten.
Ich habe keine Ahnung was für ein Vogel das war, jedenfalls konnte ich das nur in der Rhön beobachten, auch heute noch wenn wieder unser alljähliches "Rhöntreffen" ansteht, kann man diese kleinen gefiederten Kerlchen beobachten. In Brandenburg wo es ja auch sehr viele Felder gibt, ist mir dieser kleine Vogel noch nicht aufgefallen.


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


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#6

RE: Ein Sommertag in der Rhön

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 11.06.2013 09:32
von Mike59 | 7.965 Beiträge

Zitat von Duck im Beitrag #5

Wenn ich an die Sommertage in der Rhön zurückdenke, fällt mir als erstes ein kleiner Vogel ein. Wenn wir mal wieder Posten beziehen mussten in unseren Wiesenbereichen, das war bei uns der Rhönkopf, die große Wiese bei Melpers oder die Wiese an der jetzigen Verbindungsstraße Weimarschmieden/Gerthausen, gab es diese kleinen Vögel, die wie ein Kolibri in einer gewissen Höhe flogen und ständig zwitscherten.
Ich habe keine Ahnung was für ein Vogel das war, jedenfalls konnte ich das nur in der Rhön beobachten, auch heute noch wenn wieder unser alljähliches "Rhöntreffen" haben, kann man dieses kleine gefiederte Kerlchen beobachten. In Brandenburg wo es ja auch sehr viele Felder gibt, ist mir diese kleine Vogel noch nicht aufgefallen.


Eine schöne Beschreibung durch den Jobnomaden - gefällt mir.
Die Beschreibung deines " Lieblingsvogels" erinnert mich etwas an eine Feldlerche


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#7

RE: Ein Sommertag in der Rhön

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 11.06.2013 10:20
von Duck | 1.741 Beiträge

Zitat von Mike59 im Beitrag #6
Zitat von Duck im Beitrag #5

Wenn ich an die Sommertage in der Rhön zurückdenke, fällt mir als erstes ein kleiner Vogel ein. Wenn wir mal wieder Posten beziehen mussten in unseren Wiesenbereichen, das war bei uns der Rhönkopf, die große Wiese bei Melpers oder die Wiese an der jetzigen Verbindungsstraße Weimarschmieden/Gerthausen, gab es diese kleinen Vögel, die wie ein Kolibri in einer gewissen Höhe flogen und ständig zwitscherten.
Ich habe keine Ahnung was für ein Vogel das war, jedenfalls konnte ich das nur in der Rhön beobachten, auch heute noch wenn wieder unser alljähliches "Rhöntreffen" haben, kann man dieses kleine gefiederte Kerlchen beobachten. In Brandenburg wo es ja auch sehr viele Felder gibt, ist mir diese kleine Vogel noch nicht aufgefallen.


Eine schöne Beschreibung durch den Jobnomaden - gefällt mir.
Die Beschreibung deines " Lieblingsvogels" erinnert mich etwas an eine Feldlerche



Hallo Mike, das könnte er sein, zwar war der Flügelschlag nicht ganz so schnell in dem Video aber vom zwitschern her würde ich sagen ist es eine Feldlerche.


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


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#8

RE: Ein Sommertag in der Rhön

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 11.06.2013 10:34
von Barbara (gelöscht)
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Ist das schön wenn ihr euch über die Schnelligkeit des Flügelschlags einer Lerche unterhaltet.....


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#9

RE: Ein Sommertag in der Rhön

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 11.06.2013 11:58
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #8
Ist das schön wenn ihr euch über die Schnelligkeit des Flügelschlags einer Lerche unterhaltet.....



ja - finde ich auch, liebe Barbara.
Ist mal ein anderes Thema als "Stasi und Überwachungsstaat" - wo ich regelrecht den Pulverdampf riechen kann, wenn ich dort mitlese.
Zunächst: mein Dankeschön an alle, denen meine kleine Geschichte gefallen hat.
Inspiriert hierzu hat mich der Besuch der alten Führungsstelle auf dem Hügel in Ifta, gemeinsam mit Barbara und Michael und meine häufigen Aufenthalte in der Rhön. Der Text reifte in den vergangenen Tagen in meinen Gedanken.
Soviel zur Inspiration...
Den gut erhaltenen B-Turm habe ich bereits voriges Jahr entdeckt, vergangenes WE war ich nochmals dort und hab die Fotos geschossen.
Das Mischen von Text und Fotos aus der Galerie, so dass es noch ansprechend aussieht, war dann ein wenig Transpiration.

Den kleinen Vogel hab ich auch oft gehört - ich denke, dass es eine Feldlerche ist.
@Lutze: verlink doch mal bitte das Zeitreise-Video...

Herzlichen Gruss an allle
von Hartmut


u3644_Jobnomade.html
Duck und bendix haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#10

RE: Ein Sommertag in der Rhön

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 11.06.2013 14:54
von Lutze | 8.034 Beiträge

Zitat von Jobnomade im Beitrag #9
Zitat von Barbara im Beitrag #8
Ist das schön wenn ihr euch über die Schnelligkeit des Flügelschlags einer Lerche unterhaltet.....



ja - finde ich auch, liebe Barbara.
Ist mal ein anderes Thema als "Stasi und Überwachungsstaat" - wo ich regelrecht den Pulverdampf riechen kann, wenn ich dort mitlese.
Zunächst: mein Dankeschön an alle, denen meine kleine Geschichte gefallen hat.
Inspiriert hierzu hat mich der Besuch der alten Führungsstelle auf dem Hügel in Ifta, gemeinsam mit Barbara und Michael und meine häufigen Aufenthalte in der Rhön. Der Text reifte in den vergangenen Tagen in meinen Gedanken.
Soviel zur Inspiration...
Den gut erhaltenen B-Turm habe ich bereits voriges Jahr entdeckt, vergangenes WE war ich nochmals dort und hab die Fotos geschossen.
Das Mischen von Text und Fotos aus der Galerie, so dass es noch ansprechend aussieht, war dann ein wenig Transpiration.

Den kleinen Vogel hab ich auch oft gehört - ich denke, dass es eine Feldlerche ist.
@Lutze: verlink doch mal bitte das Zeitreise-Video...

Herzlichen Gruss an allle
von Hartmut


Grenzerfahrung.mpg You Tube
Lutze


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#11

RE: Ein Sommertag in der Rhön

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 11.06.2013 20:18
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Herbst 1984. Es sind nur noch wenige Tage bis zu meiner zwangsweisen Abversetzung aus der Grenzkompanie Stedtlingen. Aber das weiß ich da noch nicht. Es ist Ende September in der Rhön. Ich muss in den Abschnitt, weiß heut nicht mehr warum. Ich habe einen P3, der Fahrer ist ein schweigsamer Mensch und auch ich verspüre ein vollkommen berufsuntypisches Bedürfnis, mich nicht zu unterhalten. Wir sind auf der Rückfahrt von der linken Trennungslinie. An dieser gedachten Linie im Gelände endet unsere Verantwortlichkeit. Dort enden gemeinsam die Abschnitte der Kompanie, des Bataillons und des Regiments. Im Abschnitt der Nachbakompanie, etwa 5 Kilometer von der Trennungslinie entfernt, lag die Grenzübergangsstelle Hennenerg. Der Moment dieser Fahrt ist bei mir haften geblieben. Ich schaute aus dem Beifahrerfenster. Die hohe Geba zog an mir vorbei. Und mit einmal viel der gesamte Stress der letzten Tage und Wochen von mir ab und mir schoss durch den Kopf: "Eigentlich schön hier. Ich mag, hier zu sein."

Im allgemeinen haben solche Gedanken eine kurze Halbwertszeit. Als ich aber einige Tage später auf einem Fahrzeug saß, das mich vom Regimentsstab in Dermbach zum Stab des Grenzkommandos Süd in Erfurt brachte, wo die Verfehlungen der letzten Tage und meine Zukunft als Offizier behandelt werden sollten, stand mir der oben geschilderte Moment vor Augen. Ich hatte keine Illusionen. Meine Zeit in Stedtlingen war vorbei, ob ich nun Offizier blieb oder nicht. "Siehst Du", dachte ich mir: "Verlieb Dich nie in eine Gegend." Ich rechne mir diesen törichten Gedanken heute nicht mehr allzu kritisch an. Ich war in einem Zustand, in dem man die Ratio auf dem Altar des Selbstmitleids opfert und die Probleme innerlich so lange miteinander vermengt, dass man sich das Selbstmitleid wieder und wieder bestätigt. Aber der Gedanke, sein Herz nicht mehr an eine Gegend zu verlieren, spukte lange in meinem Kopf herum. Endgültig begrub ich diese geistige Verirrung, als ich im Herbst 1999 zum erstenmal wieder den alten Abschnitt besuchte. Es ist eine Gegend, in die man sich verlieben darf, ganz unabhängig von Grenzen und Politik. Sie ziehen einen einfach in den Bann, die herbstlichen Wälder an den Bergkuppen der Rhön.

ciao Rainman


@Jobnomade: Danke, dass Du mit dem Thread diese Erinnerung bei mir wieder geweckt hast.


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


Duck, Jobnomade, Grete85, hardi24a und Fritze haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#12

RE: Ein Sommertag in der Rhön

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 11.06.2013 21:18
von Fritze (gelöscht)
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Ja Rainman ,so gehts mir im Herbst immer , wenn ich bewaldete Höhen sehe . Obwohl ich es ja mehr mit der See habe Damals 1985-1988 war ich ja im norddeutschen Flachland .Aber einige Hügelchen und vor allem den Wald gab es auch.
Und des nachts die Schatten und Geräusche die der Wald liefert ,einfach urig !
Denke auch desöfteren zurück und erinnere mich hauptsächlich an die schönen Seiten. Nun haben mich einige Ereignisse meiner Dienstzeit nachhaltig geprägt und auch einige (leider) noch erreicht .
War 1994 das letzte Mal dort ,bringe es einfach nicht übers Herz ,wieder an die Stätten zurückzukehren.

MfG Fritze


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#13

RE: Ein Sommertag in der Rhön

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 12.06.2013 08:59
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Hallo miteinander,

nachdem ich festgestellt habe, das das Thema "Rhön" hier doch ein bischen die Gemüter bewegt, stelle ich noch mal einen kleinen Film ein, als Link:
http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-f...euzberg226.html
Es ist ein Bereich der Rhön, in den wir damals als Grenzer nicht hingekommen sind.

Hallo @Lutze,
das Video habe ich gefunden, danke. Die Grenzer sind dort etwas unrealistisch dargestellt...

Hallo @Fritze,
Du schreibst in Rätseln:
"Denke auch desöfteren zurück und erinnere mich hauptsächlich an die schönen Seiten. Nun haben mich einige Ereignisse meiner Dienstzeit nachhaltig geprägt und auch einige (leider) noch erreicht .
War 1994 das letzte Mal dort ,bringe es einfach nicht übers Herz ,wieder an die Stätten zurückzukehren."
Was ist da passiert ?
Gerne auch per PM - Diskretion Ehrensache.

Herzliche Grüsse von Hartmut


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#14

RE: Ein Sommertag in der Rhön

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 12.06.2013 09:14
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #11
Ich schaute aus dem Beifahrerfenster. Die hohe Geba zog an mir vorbei. Und mit einmal viel der gesamte Stress der letzten Tage und Wochen von mir ab und mir schoss durch den Kopf: "Eigentlich schön hier. Ich mag, hier zu sein."
............................................................
Es ist eine Gegend, in die man sich verlieben darf, ganz unabhängig von Grenzen und Politik. Sie ziehen einen einfach in den Bann, die herbstlichen Wälder an den Bergkuppen der Rhön.

ciao Rainman


@Jobnomade: Danke, dass Du mit dem Thread diese Erinnerung bei mir wieder geweckt hast.



Hallo @Rainman2,

ich hallte es für eine gute Idee, wenn Du bei der nächsten gemeinsamen Rhönwanderung (die Planung läuft, glaube ich, bei @Duck zusammen ),
mit von der Partie bist.

Herzlichen Gruss von Hartmut


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#15

RE: Ein Sommertag in der Rhön

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 12.06.2013 11:00
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Rainman2 im Beitrag #11
Herbst 1984. Es sind nur noch wenige Tage bis zu meiner zwangsweisen Abversetzung aus der Grenzkompanie Stedtlingen. Aber das weiß ich da noch nicht. Es ist Ende September in der Rhön. Ich muss in den Abschnitt, weiß heut nicht mehr warum. Ich habe einen P3, der Fahrer ist ein schweigsamer Mensch und auch ich verspüre ein vollkommen berufsuntypisches Bedürfnis, mich nicht zu unterhalten. Wir sind auf der Rückfahrt von der linken Trennungslinie. An dieser gedachten Linie im Gelände endet unsere Verantwortlichkeit. Dort enden gemeinsam die Abschnitte der Kompanie, des Bataillons und des Regiments. Im Abschnitt der Nachbakompanie, etwa 5 Kilometer von der Trennungslinie entfernt, lag die Grenzübergangsstelle Hennenerg. Der Moment dieser Fahrt ist bei mir haften geblieben. Ich schaute aus dem Beifahrerfenster. Die hohe Geba zog an mir vorbei. Und mit einmal viel der gesamte Stress der letzten Tage und Wochen von mir ab und mir schoss durch den Kopf: "Eigentlich schön hier. Ich mag, hier zu sein."

Im allgemeinen haben solche Gedanken eine kurze Halbwertszeit. Als ich aber einige Tage später auf einem Fahrzeug saß, das mich vom Regimentsstab in Dermbach zum Stab des Grenzkommandos Süd in Erfurt brachte, wo die Verfehlungen der letzten Tage und meine Zukunft als Offizier behandelt werden sollten, stand mir der oben geschilderte Moment vor Augen. Ich hatte keine Illusionen. Meine Zeit in Stedtlingen war vorbei, ob ich nun Offizier blieb oder nicht. "Siehst Du", dachte ich mir: "Verlieb Dich nie in eine Gegend." Ich rechne mir diesen törichten Gedanken heute nicht mehr allzu kritisch an. Ich war in einem Zustand, in dem man die Ratio auf dem Altar des Selbstmitleids opfert und die Probleme innerlich so lange miteinander vermengt, dass man sich das Selbstmitleid wieder und wieder bestätigt. Aber der Gedanke, sein Herz nicht mehr an eine Gegend zu verlieren, spukte lange in meinem Kopf herum. Endgültig begrub ich diese geistige Verirrung, als ich im Herbst 1999 zum erstenmal wieder den alten Abschnitt besuchte. Es ist eine Gegend, in die man sich verlieben darf, ganz unabhängig von Grenzen und Politik. Sie ziehen einen einfach in den Bann, die herbstlichen Wälder an den Bergkuppen der Rhön.

ciao Rainman


@Jobnomade: Danke, dass Du mit dem Thread diese Erinnerung bei mir wieder geweckt hast.






Lieber Raiman,

es gibt Gegenden/Orte, bei denen ich das Gefühl hatte, mir wird ein kleines Stück "Haut abgezogen", wenn ich sie verlassen musste.
Bis ich lernte, sie "in mich" zu integrieren und so immer bei mir zu haben...
So geht es mir jetzt zum Beispiel mit "Eisenach", ist einfach bei mir und gehört zu mir.


Eine Landschaft ist (auch) ein Aspekt der Seele ? Auch wenn man Soldat ist ?


Ach übrigens Hartmut, das habe ich vergessen zu sagen: "Land der offenen Fernen" ist ein derartig schöner Ausdruck....
... und der wilde Rittersporn: dieses Blau ist doch überirdisch....


Ihr befindet euch mit euren Beschreibungen übrigens ganz in der Tradition der "Deutschen Romantik" :-)

Das mag die Barbara!


Jobnomade hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#16

RE: Ein Sommertag in der Rhön

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 12.06.2013 12:05
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #15
Zitat von Rainman2 im Beitrag #11
Herbst 1984. Es sind nur noch wenige Tage bis zu meiner zwangsweisen Abversetzung aus der Grenzkompanie Stedtlingen. Aber das weiß ich da noch nicht. Es ist Ende September in der Rhön. Ich muss in den Abschnitt, weiß heut nicht mehr warum. Ich habe einen P3, der Fahrer ist ein schweigsamer Mensch und auch ich verspüre ein vollkommen berufsuntypisches Bedürfnis, mich nicht zu unterhalten. Wir sind auf der Rückfahrt von der linken Trennungslinie. An dieser gedachten Linie im Gelände endet unsere Verantwortlichkeit. Dort enden gemeinsam die Abschnitte der Kompanie, des Bataillons und des Regiments. Im Abschnitt der Nachbakompanie, etwa 5 Kilometer von der Trennungslinie entfernt, lag die Grenzübergangsstelle Hennenerg. Der Moment dieser Fahrt ist bei mir haften geblieben. Ich schaute aus dem Beifahrerfenster. Die hohe Geba zog an mir vorbei. Und mit einmal viel der gesamte Stress der letzten Tage und Wochen von mir ab und mir schoss durch den Kopf: "Eigentlich schön hier. Ich mag, hier zu sein."

Im allgemeinen haben solche Gedanken eine kurze Halbwertszeit. Als ich aber einige Tage später auf einem Fahrzeug saß, das mich vom Regimentsstab in Dermbach zum Stab des Grenzkommandos Süd in Erfurt brachte, wo die Verfehlungen der letzten Tage und meine Zukunft als Offizier behandelt werden sollten, stand mir der oben geschilderte Moment vor Augen. Ich hatte keine Illusionen. Meine Zeit in Stedtlingen war vorbei, ob ich nun Offizier blieb oder nicht. "Siehst Du", dachte ich mir: "Verlieb Dich nie in eine Gegend." Ich rechne mir diesen törichten Gedanken heute nicht mehr allzu kritisch an. Ich war in einem Zustand, in dem man die Ratio auf dem Altar des Selbstmitleids opfert und die Probleme innerlich so lange miteinander vermengt, dass man sich das Selbstmitleid wieder und wieder bestätigt. Aber der Gedanke, sein Herz nicht mehr an eine Gegend zu verlieren, spukte lange in meinem Kopf herum. Endgültig begrub ich diese geistige Verirrung, als ich im Herbst 1999 zum erstenmal wieder den alten Abschnitt besuchte. Es ist eine Gegend, in die man sich verlieben darf, ganz unabhängig von Grenzen und Politik. Sie ziehen einen einfach in den Bann, die herbstlichen Wälder an den Bergkuppen der Rhön.

ciao Rainman


@Jobnomade: Danke, dass Du mit dem Thread diese Erinnerung bei mir wieder geweckt hast.






Lieber Raiman,

es gibt Gegenden/Orte, bei denen ich das Gefühl hatte, mir wird ein kleines Stück "Haut abgezogen", wenn ich sie verlassen musste.
Bis ich lernte, sie "in mich" zu integrieren und so immer bei mir zu haben...
So geht es mir jetzt zum Beispiel mit "Eisenach", ist einfach bei mir und gehört zu mir.


Eine Landschaft ist (auch) ein Aspekt der Seele ? Auch wenn man Soldat ist ?


Ach übrigens Hartmut, das habe ich vergessen zu sagen: "Land der offenen Fernen" ist ein derartig schöner Ausdruck....
... und der wilde Rittersporn: dieses Blau ist doch überirdisch....


Ihr befindet euch mit euren Beschreibungen übrigens ganz in der Tradition der "Deutschen Romantik" :-)

Das mag die Barbara!








Liebe Barbara,

ich misch mich mal wieder ungefragt ein...... entschuldige bitte.
Du schreibst
"Eine Landschaft ist (auch) ein Aspekt der Seele ? Auch wenn man Soldat ist ?"......... ja doch - Du weisst doch inzwischen, wie wir "ticken".

Wenn ich so über die Blumenwiesen der Rhön gehe, die alten Bilder hochkommen, klingt ein Lied in mir:




"Ihr befindet euch mit euren Beschreibungen übrigens ganz in der Tradition der "Deutschen Romantik""
schreibst Du...
- werde ich jetzt mit Joseph von Eichendorff in einem Atemzuge genannt ?

Das "Land der offenen Fernen" stammt nicht von mir - im Film habe ich diesen Begriff gehört.

Liebe Grüsse von Hartmut


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#17

RE: Ein Sommertag in der Rhön

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 12.06.2013 16:49
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Jobnomade im Beitrag #16
Zitat von Barbara im Beitrag #15
Zitat von Rainman2 im Beitrag #11
Herbst 1984. Es sind nur noch wenige Tage bis zu meiner zwangsweisen Abversetzung aus der Grenzkompanie Stedtlingen. Aber das weiß ich da noch nicht. Es ist Ende September in der Rhön. Ich muss in den Abschnitt, weiß heut nicht mehr warum. Ich habe einen P3, der Fahrer ist ein schweigsamer Mensch und auch ich verspüre ein vollkommen berufsuntypisches Bedürfnis, mich nicht zu unterhalten. Wir sind auf der Rückfahrt von der linken Trennungslinie. An dieser gedachten Linie im Gelände endet unsere Verantwortlichkeit. Dort enden gemeinsam die Abschnitte der Kompanie, des Bataillons und des Regiments. Im Abschnitt der Nachbakompanie, etwa 5 Kilometer von der Trennungslinie entfernt, lag die Grenzübergangsstelle Hennenerg. Der Moment dieser Fahrt ist bei mir haften geblieben. Ich schaute aus dem Beifahrerfenster. Die hohe Geba zog an mir vorbei. Und mit einmal viel der gesamte Stress der letzten Tage und Wochen von mir ab und mir schoss durch den Kopf: "Eigentlich schön hier. Ich mag, hier zu sein."

Im allgemeinen haben solche Gedanken eine kurze Halbwertszeit. Als ich aber einige Tage später auf einem Fahrzeug saß, das mich vom Regimentsstab in Dermbach zum Stab des Grenzkommandos Süd in Erfurt brachte, wo die Verfehlungen der letzten Tage und meine Zukunft als Offizier behandelt werden sollten, stand mir der oben geschilderte Moment vor Augen. Ich hatte keine Illusionen. Meine Zeit in Stedtlingen war vorbei, ob ich nun Offizier blieb oder nicht. "Siehst Du", dachte ich mir: "Verlieb Dich nie in eine Gegend." Ich rechne mir diesen törichten Gedanken heute nicht mehr allzu kritisch an. Ich war in einem Zustand, in dem man die Ratio auf dem Altar des Selbstmitleids opfert und die Probleme innerlich so lange miteinander vermengt, dass man sich das Selbstmitleid wieder und wieder bestätigt. Aber der Gedanke, sein Herz nicht mehr an eine Gegend zu verlieren, spukte lange in meinem Kopf herum. Endgültig begrub ich diese geistige Verirrung, als ich im Herbst 1999 zum erstenmal wieder den alten Abschnitt besuchte. Es ist eine Gegend, in die man sich verlieben darf, ganz unabhängig von Grenzen und Politik. Sie ziehen einen einfach in den Bann, die herbstlichen Wälder an den Bergkuppen der Rhön.

ciao Rainman


@Jobnomade: Danke, dass Du mit dem Thread diese Erinnerung bei mir wieder geweckt hast.






Lieber Raiman,

es gibt Gegenden/Orte, bei denen ich das Gefühl hatte, mir wird ein kleines Stück "Haut abgezogen", wenn ich sie verlassen musste.
Bis ich lernte, sie "in mich" zu integrieren und so immer bei mir zu haben...
So geht es mir jetzt zum Beispiel mit "Eisenach", ist einfach bei mir und gehört zu mir.


Eine Landschaft ist (auch) ein Aspekt der Seele ? Auch wenn man Soldat ist ?


Ach übrigens Hartmut, das habe ich vergessen zu sagen: "Land der offenen Fernen" ist ein derartig schöner Ausdruck....
... und der wilde Rittersporn: dieses Blau ist doch überirdisch....


Ihr befindet euch mit euren Beschreibungen übrigens ganz in der Tradition der "Deutschen Romantik" :-)

Das mag die Barbara!








Liebe Barbara,

ich misch mich mal wieder ungefragt ein...... entschuldige bitte.
Du schreibst
"Eine Landschaft ist (auch) ein Aspekt der Seele ? Auch wenn man Soldat ist ?"......... ja doch - Du weisst doch inzwischen, wie wir "ticken".

Wenn ich so über die Blumenwiesen der Rhön gehe, die alten Bilder hochkommen, klingt ein Lied in mir:




"Ihr befindet euch mit euren Beschreibungen übrigens ganz in der Tradition der "Deutschen Romantik""
schreibst Du...
- werde ich jetzt mit Joseph von Eichendorff in einem Atemzuge genannt ?

Das "Land der offenen Fernen" stammt nicht von mir - im Film habe ich diesen Begriff gehört.

Liebe Grüsse von Hartmut









Das ist ein Ritterschlag Hartmut :-)))))))


Fontane?


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#18

RE: Ein Sommertag in der Rhön

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 12.06.2013 19:21
von Grete85 | 840 Beiträge

Hallo zusammen,

ich finde es richtig schön, das endlich mal über die Rhön gesprochen(geschrieben) wird. Als ich hier vor gefühlten Jahrzehnten im Forum auf schlug, fühlte ich mich als befohlener Wahlrhöni einwenig einsam. Keiner weiter in der Rhön gedient? Keiner im 2. Batalion? Aber jetzt trudeln immer mehr ein, die von der Rhön doch bleibende Erinnerungen haben. Wie schon in einem anderen Fred geschrieben, wenn auch der Grenzdienst noch so streßig war, es gab Momente, in dem man innehielt und die Natur auf sich wirken ließ. Da war dann BGS, Zoll oder wie die alle hießen Nebensache. Da hat man halt dem Bauern auf der anderen Seite beim Heuwenden zugesehen. Und wie Rainman schon schrieb, wenn dann der Tag gekommen ist, an dem man dort weg mußte, war bei einigen schon einwenig Wehmut dabei. Mit dem Wissen, hier kommste nicht wiederhin. Und jetzt kannste wieder und es ist immer noch wie früher. Außer das ganze Grenzgedöns, was ja man ja nicht unbedingt vermißt, odär?
Es gib neben dem "Land der offenen Fernen" auch noch das "Kegelspiel", weil die Kuppenrhön wie umgekippte Kegel aus sieht.

Gruß Grete

P.S.: Es gibt noch so`n "bösen" Spruch: "Die Rhön ist schön, ohne Rhöner wär sie schöner!"


--------------------------------------------------
Geschichte ist nichts anderes
als die Unfallchronik der Menschheit.

Chales Talleyrand,französicher
Staatsmann (1754-1838)
--------------------------------------------------
Gedient von Frühjahr 1982 bis Frühjahr 1985 beim
VEB Landesverteidigung, Betriebsteil Grenzsicherung Rhön
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#19

RE: Ein Sommertag in der Rhön

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 12.06.2013 19:41
von linamax | 2.019 Beiträge

Zitat von Grete85 im Beitrag #18
Hallo zusammen,

ich finde es richtig schön, das endlich mal über die Rhön gesprochen(geschrieben) wird. Als ich hier vor gefühlten Jahrzehnten im Forum auf schlug, fühlte ich mich als befohlener Wahlrhöni einwenig einsam. Keiner weiter in der Rhön gedient? Keiner im 2. Batalion? Aber jetzt trudeln immer mehr ein, die von der Rhön doch bleibende Erinnerungen haben. Wie schon in einem anderen Fred geschrieben, wenn auch der Grenzdienst noch so streßig war, es gab Momente, in dem man innehielt und die Natur auf sich wirken ließ. Da war dann BGS, Zoll oder wie die alle hießen Nebensache. Da hat man halt dem Bauern auf der anderen Seite beim Heuwenden zugesehen. Und wie Rainman schon schrieb, wenn dann der Tag gekommen ist, an dem man dort weg mußte, war bei einigen schon einwenig Wehmut dabei. Mit dem Wissen, hier kommste nicht wiederhin. Und jetzt kannste wieder und es ist immer noch wie früher. Außer das ganze Grenzgedöns, was ja man ja nicht unbedingt vermißt, odär?
Es gib neben dem "Land der offenen Fernen" auch noch das "Kegelspiel", weil die Kuppenrhön wie umgekippte Kegel aus sieht.

Gruß Grete

P.S.: Es gibt noch so`n "bösen" Spruch: "Die Rhön ist schön, ohne Rhöner wär sie schöner!"


Hallo Grete
Da gebe ich dir recht . Ich habe in den 1967 dort gedient . Ich habe es ja nicht weit dort hin ,bin öfters am Wochenende dort zum Kurzurlaub . Ich bin vor drei Jahren den Hochrhöner Premium - Wanderweg gelaufen von Bad- Kissingen nach Bad Salzungen .
Gruß linamax


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#20

RE: Ein Sommertag in der Rhön

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 12.06.2013 20:02
von Grete85 | 840 Beiträge

Zitat von linamax im Beitrag #19

Hallo Grete
Da gebe ich dir recht . Ich habe in den 1967 dort gedient . Ich habe es ja nicht weit dort hin ,bin öfters am Wochenende dort zum Kurzurlaub . Ich bin vor drei Jahren den Hochrhöner Premium - Wanderweg gelaufen von Bad- Kissingen nach Bad Salzungen .
Gruß linamax


Hallo linamax,

coole Leistung, ist ja schon ne Strecke.
Die Rhön ist schon schönes Fleckchen Erde, ob Ost oder West. Wenn man mehr Zeit hätte, es gibt immer wieder was zu entdecken.

Gruß Grete


--------------------------------------------------
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Chales Talleyrand,französicher
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