#81

RE: Reisende an der Grenze

in DDR Staat und Regime 08.06.2013 11:09
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #79
Zitat von Gert im Beitrag #77

Mit anderen Worten, wenn ich auf der Fahrt in die CSSR im Bayerischen Wald eine Blähung hatte, dann habt ihr das mitgehört ?
Im Übrigen, ab Nürnberg Richtung tschechische Grenze war doch tote Hose, da war nix los, was gabs denn da zu hören? Veilleicht die Truppenübungsplätze in der Oberpfalz?



Wer weiss wer noch alles mitgehört hat, als Du Blähungen am heimischen Herd hattest?

"Hinter 35 Zentimeter dicken Mauern aus Stahlbeton liegt die einstige Abhöranlage auf der Wasserkuppe. Schon seit 50 Jahren prägen Radarkuppeln Hessens höchsten Berg. Von hier aus belauschten einst Alliierte und Bundeswehr, was der Feind im Osten plante. Heute gibt es Touren durch die letzte verbliebene Abhöranlage, die Sperrgebiet und Kaserne war."

http://www.t-online.de/reisen/deutschlan...asserkuppe.html

LG von der grenzgaengerin





das Gegenstück stand auf dem Brocken. Wenn man es richtig bedenkt, ein einziges Kasperltheater. Da hat Willi Wichtig Ost und Willi Wichtig West auf beiden Seiten Indianer und Schandi gespielt und das Volk konnte diesen ganzen Sch... auch noch bezahlen mit ihren Steuergroschen


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
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#82

RE: Reisende an der Grenze

in DDR Staat und Regime 08.06.2013 11:19
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Gert im Beitrag #77
Zitat von Vierkrug im Beitrag #76
Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #67
Zitat von Vierkrug im Beitrag #59


Was die Zusammenarbeit mit den Sicherheitsorganen der CSSR anbetrifft, die ging über den von Dir wahrscheinlich vermuteten Rahmen weit hinaus. Ich verzichte hier auf Details. Sie war wesentlich enger als vermutet.




Hallo Vierkrug,

gehe ich Recht in der Annahme, dass es dabei nicht explizit um Menschen ging, sondern um die Sicherung von grundlegenden Erfordernissen zur Gewährleistung der wirtschaftlichen Stabilität.

LG von der grnzgaengerin



Es ging einerseits um Menschen, aber das war nicht mein Ressort. Und wie Du es schon richtig vermutest um gemeinsame Maßnahmen zur Gewährleistung der wirtschaftlichen Stabilität in den Ländern, was wiederum in den Bereich unserer HA fiel.
Darüber hinaus gab es im Grenzbereich der CSSR zur BRD nachrichtentechnische Aufklärungseinrichtungen der Funkaufklärung und -abwehr, die durch Mitarbeiter der zuständigen HA des MfS besetzt und betreut wurden. U.a. war mein Schwager auch im diesem Bereich tätig.

Vierkrug



@Vierkrug
Mit anderen Worten, wenn ich auf der Fahrt in die CSSR im Bayerischen Wald eine Blähung hatte, dann habt ihr das mitgehört ?
Im Übrigen, ab Nürnberg Richtung tschechische Grenze war doch tote Hose, da war nix los, was gabs denn da zu hören? Veilleicht die Truppenübungsplätze in der Oberpfalz?



@Gert - da mußt Du schon den "König des Böhmerwaldes" befragen !!!
Spass beiseite - sicherlich wird es nicht nur um den TÜP in Grafenwöhr gegangen sein.

Vierkrug


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#83

RE: Reisende an der Grenze

in DDR Staat und Regime 08.06.2013 11:23
von eisenringtheo | 9.175 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #81
(...)

das Gegenstück stand auf dem Brocken. Wenn man es richtig bedenkt, ein einziges Kasperltheater. Da hat Willi Wichtig Ost und Willi Wichtig West auf beiden Seiten Indianer und Schandi gespielt und das Volk konnte diesen ganzen Sch... auch noch bezahlen mit ihren Steuergroschen




Ich denke, die ganzen Abhöranlagen sind wichtig, sehr nutzbringend für die Geheimdienste und für die "nationale Sicherheit".
http://de.wikipedia.org/wiki/Onyx_(Abh%C...CIA-Aff.C3.A4re
Ab und zu geht was schief und Informationen landen in der Öffentlichkeit, die man lieber als Trumpfkarte für die Diplomatie geheim behalten hätte.
Theo


zuletzt bearbeitet 08.06.2013 11:23 | nach oben springen

#84

RE: Reisende an der Grenze

in DDR Staat und Regime 08.06.2013 12:02
von schnatterinchen (gelöscht)
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Ich habe noch eine kleine Anekdote .
Bei einer Reise ins goldene Prag hatten die Zöllner wohl noch etwas Zeit und nahmen sich das Gepäck meiner Freundin vor. Ein winziges Notizbüchlein erweckte das gesteigerte Interesse des Zöllners?! und er las uns die Einträge laut vor.
Als er einen Eintrag über einen Termin mit der KWV vorlas und dann fragte ob es denn mit der Wohnung geklappt hätte , fragte meine Freundin mürrisch was ihn das denn wohl anginge. Darauf antwortet der Genosse. Sachen zusammenpacken und mitkommen.
Wir liefen dann unter den Blicken der anderen Reisenden den gesamten Zug ab in Richtung Bahnhofsgebäude in dem die Genossen ihre Diensträume hatten.
Dort sollten wir unsere gesamte Habe auspacken und wieder einpacken und versprechen nie wieder aufmüpfig gegenüber den Organen aufzutreten.


Eine andere Grenzgeschichte kann ich noch berichten von meinem Grenzübertritt nach Österreich.Ich betrat das Grenzzollamt Nickelsdorf und sah in der Mitte des Raumes auf einem Stuhl einen Herren sitzen der mit einem blauen Pass wedelte.
Ich hörte ihn zu den österreichischen Beamten sagen "Ja sie wissen doch wie schwierig es ist in der DDR ein Visum zu bekommen ..... usw."
Man wollte den Mann offensichtlich nicht einreisen lassen. Ich begriff nicht was los war und hatte plötzlich Sorge nach Ungarn zurück zu müßen.
Einer der Beamten lief um ihn herum und sagte zu dem Herren "ja schauns dafür lebens halt in der DDR"
Der Herr wollte nach Österreich einreisen sich dort wohl mal umschauen und wieder zurück nach Ungarn.
Der letzte Satz den der österreichische Beamte zu dem DDR Bürger sagte war "Also gehm mer gehm er gehmer , vielleicht sains von der Stasi....."


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zuletzt bearbeitet 08.06.2013 12:02 | nach oben springen

#85

RE: Reisende an der Grenze

in DDR Staat und Regime 08.06.2013 13:16
von Thunderhorse | 4.016 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #79

"Hinter 35 Zentimeter dicken Mauern aus Stahlbeton liegt die einstige Abhöranlage auf der Wasserkuppe. Schon seit 50 Jahren prägen Radarkuppeln Hessens höchsten Berg. Von hier aus belauschten einst Alliierte und Bundeswehr, was der Feind im Osten plante. Heute gibt es Touren durch die letzte verbliebene Abhöranlage, die Sperrgebiet und Kaserne war."

http://www.t-online.de/reisen/deutschlan...asserkuppe.html

LG von der grenzgaengerin




Immer wieder erstaunlich was da so alles im Web (siehe Link o.a.)über diverse Örtlichkeiten geschrieben wird.
Ist Z.B. wie beim Eisenacher Haus. Dort wird aus den Radomen eine Radarstellung/-anlage bei der Wasserkuppe eine Abhörstation.
Vereinfacht dargestellt:
Mit Radartgeräten wird der Luftraum überwacht. Abgehört bzw. Funkaufklärung wird mit Antennenanlagen/Sat-Anlagen durchgeführt.

Wasserkuppe:
http://www.radom-wasserkuppe.de/militaerische-nutzung.html
http://www.fulda-gap.de/wasserkuppe.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Wasserkuppe
http://www.usarmygermany.com/Units/Air%2...artials_SOC.htm
http://www.usarmygermany.com/Units/Air%2...ls_CRCs%201.htm
http://www.usarmygermany.com/Units/Air%2...rtials_CRCs.htm

Das Objekt wurde auch zeitweise für mobile Funkaufklärung genutzt wurde.


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#86

RE: Reisende an der Grenze

in DDR Staat und Regime 08.06.2013 17:37
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #75
Wisst ihr noch wieviel Kronen es gab?

60 Kčs RZM/Tag mit Eintrag in den PA, Kinder die Hälfte.
Bei den Muß-Mitbringseln fällt mir noch der Bridge-Zucker ein.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#87

RE: Reisende an der Grenze

in DDR Staat und Regime 08.06.2013 18:17
von 80er | 571 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #86

Bei den Muß-Mitbringseln fällt mir noch der Bridge-Zucker ein.

... und Dorschleber in Büchsen!


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#88

RE: Reisende an der Grenze

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 14:10
von seaman | 3.487 Beiträge

Grenzabfertigung an der DDR-Grenze West.
Viele haben die unterschiedlichsten Erfahrungen dabei gemacht.Hier mal eine lustige Episode:

Wir schreiben das Jahr 1986.
Mit einem Hamburger Verein nehme ich an einer Busfahrt zur Grünen Woche nach Westberlin teil.Es ist ein Tagesausflug.
Schon früh passieren wir problemlos den Grenzübergang zur DDR und fahren auf der Transitstrecke nach Westberlin zur Ausstellung.Auf der Ausstellung wird wie üblich viel verkostet an Speisen und Getränken.Hier ein Weinchen und Sektchen für die Damen,dort ein Bierchen und Schnäpschen für die Herren.In gelöster Stimmung tritt man dann gegen Abend die Heimfahrt Richtung Hamburg wieder an.
Bald befindet man sich dann wieder auf der Transitstrecke.Die ganz Eifrigen haben sich noch etwas Mundzehrung in flüssiger Form mitgenommen und so manche Flasche kreist unter Gelächter und Gesang im Bus.Hinten auf der Rückbank des Busses sitzen 6 Frauen und lassen die Sektbuddeln knallen.Hamburger Deerns,so zwischen 35-45 Jahren.
Grenzübergang DDR zur Weiterfahrt nach Hamburg.
Bustür geht auf und 2 Grenzer zur Passkontrolle besteigen mit Grussfloskel den Bus.Der eine Grenzer,ein Unterfeldwebel,gerät sofort in den Fokus der Damen des Busses,besonders von denen auf der Rückbank.
Zugegeben,der Grenzer sieht verdammt jung aus,fast kindlich.Kleine Statur,die Uniform dazu etwas befremdlich.

Wer einmal das etwas koddrige Mundwerk,leicht angetüddelter, norddeutscher Frauen erlebt hat,kann sich denken was da jetzt im Bus ablief:
"OOh,ist der süß","Minsch,ist der man noch kleen",Ob der schon mal hat?","Ick glöw,der kann noch nicht","Den nehme ich mit,dem bringe ich alles bei" usw......
Der sich mit solchen Sprüchen konfrontierte Grenzer kämpfte sich mit stoischer Miene durch den Mittelgang des Busses bis zur Rückbank durch.
Nur die etwas veränderte Gesichtsfarbe deutete daraufhin,dass er irgendwie dieser Nummer hier etwas entgegensetzen wollte.
Als er unter weiteren zweideutigen Anmerkungen, von den Damen der Rückbank die letzten beiden Pässe kontrollierte,stellte er mit Berliner Dialekt
und laut vernehmlicher Sprache eine Frage:
"Meene Damen,ick stelle ihnen ooch mal ne Frage,wissen se eijentlich wieviel Knochen nen Spatz hat??"
Schweigen,ungläubiges Erstaunen über diese Frage.Dann Kopfschütteln und die Antwort "Nöö".
Der Körper des Unterfeldwebels strafft sich,die Schirmmütze wird in den Nacken geschoben,dann die Antwort:

"Dachte ick mirs doch,ditt hab ick jerne,keene Ahnung von Vögeln aber einen DDR-Grenzer anmachen."

Den Damen klappt der Unterkiefer runter,die restlichen Businsassen lachen lauthals los.

Den verbalen Sieg auskostend schreitet der Grenzer förmlich durch den Mittelgang,dreht sich am Busausgang dann lachend nochmal um:

"Jute Reise noch und anjenehme Weiterfahrt."

seaman


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zuletzt bearbeitet 25.06.2013 14:30 | nach oben springen

#89

RE: Reisende an der Grenze

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 14:38
von Zaunkönig | 624 Beiträge

Hallo seaman, dat Ding is jut.
Peter, der Zaunkönig


März 1959 bis Mai 1962 an der Grenze in Berlin vom Norden bis an die Stresemannstraße
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#90

RE: Reisende an der Grenze

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 15:47
von schnatterinchen (gelöscht)
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Wußte garnicht das die Genossen so humorvoll sein konnten ohne eine drann zu kriegen.
Ich habe da eher so Knochen in Erinnerung bei meinen ersten und letzten Ausreisen aus der sich auflösenden DDR.
Wenn ich meinen druckfrischen Grünen reingereicht habe traf mich jedes mal von den knochentrockenen Genossen ein versteinerter Blick.


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#91

RE: Reisende an der Grenze

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 16:03
von Pit 59 | 10.152 Beiträge

"Jute Reise noch und anjenehme Weiterfahrt."

seaman

Klasse geschrieben Seaman,das macht Lust auf mehr.

P.S. Schade das ich nicht mit im Bus war


seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 25.06.2013 16:13 | nach oben springen

#92

RE: Reisende an der Grenze

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 17:43
von passport | 2.638 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #90
Wußte garnicht das die Genossen so humorvoll sein konnten ohne eine drann zu kriegen.
Ich habe da eher so Knochen in Erinnerung bei meinen ersten und letzten Ausreisen aus der sich auflösenden DDR.
Wenn ich meinen druckfrischen Grünen reingereicht habe traf mich jedes mal von den knochentrockenen Genossen ein versteinerter Blick.




Verstehe ich jetzt nicht, der Reisepass grün (BRD) ist doch ein normales Dokument was jeder Passkontrolleur kannte. Egal ob alt, abgelatscht, vollgestempelt oder druckfrisch. An den Güsten zur BRD/WB das meistgebrauchte Dokument jener Jahre. Der Euro-Reisepass (Rot) wurde gerade eingeführt.

passport


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#93

RE: Reisende an der Grenze

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 17:50
von schnatterinchen (gelöscht)
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War gerade nach der Aufhebung des Einreiseverbotes für Republikflüchtlinge und wenn da ein junger Bengel mit knapp über 20 im Auto saß mit Geburtsort in der DDR
war das möglicherweise erst mal was zum Gewöhnen für die Genossen.


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#94

RE: Reisende an der Grenze

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 18:02
von passport | 2.638 Beiträge

Eindeutig nein, Schnattchen. Nach den großen Ausreisewellen ab 1984 war es normal das ehemalige DDR-Bürger zB. die Transitautobahnen benutzten. Waren schnell zu erkennen an den neuen RP und den Geburtsorten. Also für die MA der Transit-Güsten nichts besonderes. Nach meinen persönlichen (nicht bestätigten) Erfahrungen konnten die meisten Ehemalige nach einer Sperrfrist wieder besuchsweise in die DDR einreisen.

passport


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#95

RE: Reisende an der Grenze

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 18:08
von schnatterinchen (gelöscht)
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Wir meinen verschiedene Zeiten.
Das muß Anfang 1990 gewesen sein. Ich bin doch erst im September 1989 abgehauen.


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#96

RE: Reisende an der Grenze

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 18:16
von passport | 2.638 Beiträge

Mal ehrlich, wen hat das nach dem 09.11.89 noch interessiert?
Da hatten wir ganz andere Sorgen!

passport


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#97

RE: Reisende an der Grenze

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 18:22
von schnatterinchen (gelöscht)
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Das glaube ich gerne mit den Sorgen.
Für mich war es das erste Zusammentreffen mit den Genossen der GÜSTen. War ja nur kurze Zeit, dann war ja sowieso Schluss.
Nur die Gesichter also auch vom Typ her waren keine die schlüpfrige Spässchen gerissen hätten.


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#98

RE: Reisende an der Grenze

in DDR Staat und Regime 25.06.2013 18:55
von passport | 2.638 Beiträge

Man kann ja hier nur mutmaßen, aber viellecht lag es auch an deinen Gesicht.

Ich kann hier nur über meine persönlichen subjektiven Erinnerungen von der Güst Mbn./A. nach dem 09.11.89 berichten. Jeder Zeitgenosse der als Reisender in den riesigen Staus auf den Autobahnen (50 km und länger) gestanden hat, hat da so seine eigenen Erinnerungen. Marienborn war auf voller Breite geöffnet. Im Prinzip wurde in den ersten 14 Tage nach der Grenzöffnung nur durchgewunken, fast keine Kontrolle. Die MA waren 12 Stunden und länger auf der Güst. Dann wurden die ersten "Löcher" im Grenzzaun aufgerissen. Aus dem schon knappen Personalbestand wurden MA dorthin abkommandiert. Dh. für die verbliebenden Passkontrolleure wurden die Arbeitszeiten noch länger. Dazu kam noch das die Dienstbusse für das Personal auf dieselben Strassen fuhren, wie die Reisenden. Ankunft Dienst oder Heimatort ungewiss. Zu diesen Zeitpunkt wurde das Personal überwiegend im Aussenbereich eingesetzt. Stundenlange Abfertigung bei Wind und Wetter,Tag und Nacht, Auspuffgase, übermüdeten Fahrer samt Besatzung und fast ohne Ablösung verlangten das letzte von uns ab. Verflegung wurde als Sammelbestellung beim GF abgegeben und danach auf den einzelnen Diensbereiche verteilt. Teilweise wurde das Essen während der Abfertigung verzehrt. UNS hat keiner gefragt, wie wir uns fühlten und was die Familie dazu sagte !

passport


Pitti53 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 25.06.2013 20:08 | nach oben springen

#99

RE: Reisende an der Grenze

in DDR Staat und Regime 27.06.2013 12:52
von seaman | 3.487 Beiträge

Eingefallen ist mir dieses Erlebnis hier gerade, als ich das Wort "Sprachverwirrungen" in einem anderen thread las.
Man sollte sich immer klar und deutlich ausdrücken....

Seegrenze DDR-Mitte der 1970er.

Meine damals noch zukünftige Schwiegermutter war eine begnadete Näherin.Ob Blusen,Kleider,Röcke oder Hosen,nichts war für sie unmöglich.Die gesamte Familie profitierte von ihrem handwerklichen Geschick und ihrer ständig surrenden Nähmaschine.
Nun ergab es sich zu jener Zeit,dass Hein Seemann(ich) auf Freiersfüssen umher trabte und die Hochzeit geplant wurde.Das war nicht ganz so einfach,bei langer Abwesenheit von zu Hause um das alles zu organisieren.Ein Programmpunkt wurde aber recht schnell geklärt-das Brautkleid.
Schwiegermutter liess es sich nicht nehmen für ihre Tochter etwas besonders Schönes zu entwerfen und später auch zu vollenden.
Problem,das Material dazu,Stoff,Rüschen u.ä. Killefitt in den Augen eines Mannes.
Da ich aber mit meiner Angebeteten gerade eine Dreimonatsreise auf dem Schiff in Richtung Orient absolvieren musste,klärte sich das Problem von selbst.Wir bringen das Material für das Brautkleid von der Reise mit.Das wurde auch realisiert.

Rückreise.Einlaufen Seehafen Wismar/DDR.
Die 48 h,die wir Zeit hatten um zu Schwiegermutter zu fahren bzw.noch ein paar Heiratsunterlagen zu besorgen, waren im Hinterkopf fest verplant.

Beim Festmachen sah man sie schon.Wie eine Perlenkette aufgereiht an der Pier- der Zoll.Teils in Kombis,manche mit Spürhunden.Shit,das wird wohl keine schnelle Abfertigung.Die "black gang",die in allen Häfen gefürchtete schwarze Gang kommt an Bord.
Generaldurchsuchung,das gesamte Schiff wird durchsucht,das dauert.Besatzung muss in die Kabinen,dann wird gefilzt.Arbeitsbereiche,Kabinen und Personen.In den Gängen kläfften die kleinen süchtigen Haschhunde.Hier,in Wismar, hatte ich darauf verzichtet weissen Pfeffer auf die Kokosmatten zu streuen um die niesenden Tölen beim Purzelbaum zu beobachten.
Nach vier Stunden waren die meisten Örtlichkeiten durchsucht.Einige Zöllner gingen von Bord.Nur meine Kammer und Arbeitsbereich beschäftigte noch fünf Suchspezialisten.Später erfuhr ich,dass auch die Kammer meiner damaligen Verlobten besonders aktiv gefilzt wurde.Wechselbad der Gefühle für mich.Wusste,habe nichts geschmuggelt und alles angemeldet.Sauer,weil mir kostbare Zeit verlustig ging und sich dadurch die Taxikosten enorm erhöhten um alle dringenden Erledigungen fristgerecht zu erfüllen.Peinlich war es auch für meine Funktion an Bord.
Verschalungen wurden abgeschraubt,Waschbecken abmontiert,Leibesvisitation und mit Winkelspiegeln auch die letzte Ecke ausgeleuchtet.
Fazit:
Fast 8 h kostbare Freizeit/Landgang eingebüsst.
Im Zug nochmal kurz ausgetauscht,warum dieser Zwergenaufstand.Hatten wir noch nie in Wismar so erlebt.Vielleicht eine Übung?
Wir haben es verdrängt.

Ankunft bei Schwiegermutter:

Sie ist total begeistert von den mitgebrachten Materialien für das Brautkleid.Später schneidert sie daraus ein kleines Kunstwerk.
Weil aus unserem Fahrtgebiet häufig mal Post verloren geht,lass ich mir nebenbei von Schwiegermutter die aufbewahrten Ansichtskarten zeigen.
Waren alle vorhanden und auch der Postweg war von der Zeit akzeptabel.So wusste man auch,von welchen Häfen man lieber keine Post verschicken sollte.
Halte eine Karte aus Benghazi/Libyen in der Hand.
Lese den Text meiner Zukünftigen:

"Liebe Mama!
Geht uns gut...blabla
Wetter...blabla
Sind dann und dann zurück...blabla"

Dann durchzuckte es mich und mir wurde siedend heiss:
"Spitz mal schon die Nadeln an!
Es gibt hier guten und günstigen Stoff.Wir haben gleich zugeschlagen.
Weil so günstig,gleich etwas mehr gekauft."

Dann wieder blabla.

Joo,
nun war der Aufstand in Wismar wohl logische Folge.

seaman


Lutze, furry, Pit 59, CASI, S51 und GilbertWolzow haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 27.06.2013 14:43 | nach oben springen

#100

RE: Reisende an der Grenze

in DDR Staat und Regime 07.07.2013 09:38
von connies9 | 78 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #93
War gerade nach der Aufhebung des Einreiseverbotes für Republikflüchtlinge und wenn da ein junger Bengel mit knapp über 20 im Auto saß mit Geburtsort in der DDR
war das möglicherweise erst mal was zum Gewöhnen für die Genossen.



Wenn überhaupt, dann nur beim ersten mal. Hatte oft Ex DDR Bürger dabei, Probleme gab es nicht, allerdings behandelte der letzte PKE manchmal diese jungen Leute verbal etwas anders. Das waren aber peanuts.
VG
connie



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