#81

RE: Hausgemeinschaften in der DDR

in Leben in der DDR 02.06.2013 17:45
von Krepp | 534 Beiträge

Hallo,

Zitat von Petra im Beitrag #71
... Doch die Gefahr, dass Hausbuchführer/innen mit den Daten Schindluder trieben, ....


Da bin ich ja nun gespannt wie so'n Flitzebogen, was ich denn da so
für Schindluder hätte treiben können.

@Petra bitte mal ein Beispiel



Gruß aus Leipzig
I/1979-II/1979 GAR05 GAK9
II/1979-II/1980 GR6 3.GB 10.GK Zarrentin
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#82

RE: Hausgemeinschaften in der DDR

in Leben in der DDR 02.06.2013 17:52
von StabsfeldKoenig | 2.655 Beiträge

Datenschutz wurde in der DDR nicht so eng gesehen, wie heute. So lagen z.B. die Gehaltsabrechnungen offen im Dienstbuch, wo wir unsere Arbeitszeiten eintragen mußten. Da konnte man sehen, was der Kollege verdiente, aber es gab keinen Grund, es zu verheimlichen. Mehr Geld, weil mehr Überstunden oder Wochenendschichten war ehrlich verdient.



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#83

RE: Hausgemeinschaften in der DDR

in Leben in der DDR 02.06.2013 18:02
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #82
So lagen z.B. die Gehaltsabrechnungen offen im Dienstbuch, wo wir unsere Arbeitszeiten eintragen mußten.


Das kenne ich anders. Ich habe in der Lohnbuchhaltung eines Berliner Kombinates gearbeitet. Wenn das dort so gehandhabt worden wäre, dann hätte es mächtig Ärger gegeben. Die Lohntüte war "heilig".

LG von der grenzgaengerin


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#84

RE: Hausgemeinschaften in der DDR

in Leben in der DDR 02.06.2013 18:22
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Auf dem Bau zu DDR-Zeiten nicht, da war die Lohntüte nicht heilig, ganz im Gegenteil. Da wusste sinngemäß Jeder von Jedem, was der verdiente. Müsste den Text mal suchen grenzgaengerin, den ich über das Thema schonmal eingestellt hatte.

Lebensläufer


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#85

RE: Hausgemeinschaften in der DDR

in Leben in der DDR 02.06.2013 18:27
von StabsfeldKoenig | 2.655 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #83
Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #82
So lagen z.B. die Gehaltsabrechnungen offen im Dienstbuch, wo wir unsere Arbeitszeiten eintragen mußten.


Das kenne ich anders. Ich habe in der Lohnbuchhaltung eines Berliner Kombinates gearbeitet. Wenn das dort so gehandhabt worden wäre, dann hätte es mächtig Ärger gegeben. Die Lohntüte war "heilig".

LG von der grenzgaengerin



Es ging nur um die Abrechnung, nicht um die Lohntüte. Die meisten bekamen das Geld bei uns schon auf's Konto, wenn nicht mußte man auf die Kasse im Bahnhof gehen (wo z.B. auch die Fahrkartenschalter das gels zum Schichtende ablieferten).



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#86

RE: Hausgemeinschaften in der DDR

in Leben in der DDR 02.06.2013 18:38
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #85

Es ging nur um die Abrechnung, nicht um die Lohntüte. Die meisten bekamen das Geld bei uns schon auf's Konto, wenn nicht mußte man auf die Kasse im Bahnhof gehen (wo z.B. auch die Fahrkartenschalter das gels zum Schichtende ablieferten).


Das glaube ich Dir gerne, doch war es nicht die Regel. Der Lohnstreifen war in den Betrieben, in den ich gearbeitet habe, Bestandteil der Lohntüte.

Egal ob Barzahler oder Kontoinhaber, jeder hatte seine mit der Zeit abgegriffene Lohntüte. Die war beschriftet mit Namen, Betreibsteil, Abteilung. Darauf wurde nach der Lohnabrechnung fortlaufend der berechnete Betrag eingetragen und der Lohnstreifen reingelgt. Die ging dann mit den entsprechenden Listen zur Kasse und wurden dann befüllt. Am Zahltag lagen sie dann im Meisterbüro und jeder kam einzeln zum Meister und quittierte auf der Lohntüte den Empfang. Und wenn es nur der Lohnstreifen war. Nicht selten gab es Diskussionen. Aber das ist ein anderes Thema.

LG von der grenzgaengerin


zuletzt bearbeitet 02.06.2013 18:38 | nach oben springen

#87

RE: Hausgemeinschaften in der DDR

in Leben in der DDR 02.06.2013 18:43
von furry | 3.580 Beiträge

...und dem Hausbuchbeauftragten mussten dann die Lohnscheine zur Eintragung vorgelegt werden?
Ich frage nur, um zum Thema zurück zu rudern.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#88

RE: Hausgemeinschaften in der DDR

in Leben in der DDR 02.06.2013 19:45
von Rostocker | 7.734 Beiträge

Ich hab da so eine ganz andere Frage.Wem hat das Hausbuch zu DDR Zeiten überhaupt interessiert? Damit sind nicht die Gedanken von heute aktuell.Sondern aus DDR Zeiten.Ich selber habe mir darüber nie den Kopf zerbrochen,hab mich nirgenswo eingetragen.Wenn ich irgendwo zu Besuch war bei der Verwandschaft und umgekehrt war es genauso.Ich meine,heute kann ich das ja verstehen--wenn das Letzte zu Geschichtsaufarbeitung ausgegraben werden muss.Und wenn es die gelben Pinkeltöpfe aus dem Kindergarten wären.


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#89

RE: Hausgemeinschaften in der DDR

in Leben in der DDR 02.06.2013 19:53
von Mike59 | 7.979 Beiträge

Zitat von Rostocker im Beitrag #88
Ich hab da so eine ganz andere Frage.Wem hat das Hausbuch zu DDR Zeiten überhaupt interessiert? Damit sind nicht die Gedanken von heute aktuell.Sondern aus DDR Zeiten.Ich selber habe mir darüber nie den Kopf zerbrochen,hab mich nirgenswo eingetragen.Wenn ich irgendwo zu Besuch war bei der Verwandschaft und umgekehrt war es genauso.Ich meine,heute kann ich das ja verstehen--wenn das Letzte zu Geschichtsaufarbeitung ausgegraben werden muss.Und wenn es die gelben Pinkeltöpfe aus dem Kindergarten wären.



Die Frage ist nicht schlecht. Würde mich mal interessieren wer in so einem Arbeiterschließfach >siehe Bild< seinen Besuch im Hausbuch eingetragen hat. Ich persönlich kenne keinen.

Angefügte Bilder:
PB00.JPG

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#90

RE: Hausgemeinschaften in der DDR

in Leben in der DDR 02.06.2013 20:37
von Harra318 | 2.514 Beiträge

Ich wäre froh gewesen so ein "Arbeiterschließfach"........... # 19 Wie lief das mit Wohnungen?


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#91

RE: Hausgemeinschaften in der DDR

in Leben in der DDR 02.06.2013 20:48
von Rostocker | 7.734 Beiträge

Zitat von Harra318 im Beitrag #90
Ich wäre froh gewesen so ein "Arbeiterschließfach"........... # 19 Wie lief das mit Wohnungen?


Hab vor 2 Tagen so eine Sendung vom MDR gesehen.Wonach die Nachfrage zu solchen Wohnungen wieder gestiegen ist--im Raum Dresden.Die brachten,das die Eisenbahnerwohnungsgesellschaft.Sogar einge wieder bauen lassen will.


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#92

RE: Hausgemeinschaften in der DDR

in Leben in der DDR 02.06.2013 21:39
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Rostocker im Beitrag #91

Hab vor 2 Tagen so eine Sendung vom MDR gesehen.Wonach die Nachfrage zu solchen Wohnungen wieder gestiegen ist--im Raum Dresden.Die brachten,das die Eisenbahnerwohnungsgesellschaft.Sogar einge wieder bauen lassen will.


Dann hoffentlich mit großer Dachterrasse mit entsprechenden Gemeinschaftspenthouse. Damit die Hausgemeinschaftsfeiern aus dem Keller raus kommen.

LG von der grenzgaengerin


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#93

RE: Hausgemeinschaften in der DDR

in Leben in der DDR 02.06.2013 21:46
von Petra | 81 Beiträge

Zitat von Krepp im Beitrag #81
Hallo,

Zitat von Petra im Beitrag #71
... Doch die Gefahr, dass Hausbuchführer/innen mit den Daten Schindluder trieben, ....


Da bin ich ja nun gespannt wie so'n Flitzebogen, was ich denn da so
für Schindluder hätte treiben können.

@Petra bitte mal ein Beispiel



Ich war nur Besucherin in der DDR. Mag sein, dass in der DDR Datenschutz nicht so wichtig genommen wurde. Darum sehe ich das kritisch. Ich habe nicht behauptet, dass irgendwer mit den Daten Schindluder getrieben hat. Ich wollte nur im kritischen Rückblick darlegen, dass die Gefahr bestanden hat.


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#94

RE: Hausgemeinschaften in der DDR

in Leben in der DDR 02.06.2013 21:54
von Mike59 | 7.979 Beiträge

Ich glaube das ist wieder so ein Beitrag der am wirklichen DDR Leben vorbei geht.
Mit "Sicherheit" hätte es einen Anschiss gegeben wenn bei Ermittlungen jeglicher Art festgestellt wurde, das Hausbuch wurde nicht ordnungsgemäß geführt. Und? Bautzen oder was?


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#95

RE: Hausgemeinschaften in der DDR

in Leben in der DDR 03.06.2013 08:56
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Mike59 im Beitrag #94
Ich glaube das ist wieder so ein Beitrag der am wirklichen DDR Leben vorbei geht.
Mit "Sicherheit" hätte es einen Anschiss gegeben wenn bei Ermittlungen jeglicher Art festgestellt wurde, das Hausbuch wurde nicht ordnungsgemäß geführt. Und? Bautzen oder was?



mindestens, Mike, mindestens


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
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#96

RE: Hausgemeinschaften in der DDR

in Leben in der DDR 03.06.2013 09:22
von DoreHolm | 7.708 Beiträge

Zitat von Mike59 im Beitrag #94
Ich glaube das ist wieder so ein Beitrag der am wirklichen DDR Leben vorbei geht.
Mit "Sicherheit" hätte es einen Anschiss gegeben wenn bei Ermittlungen jeglicher Art festgestellt wurde, das Hausbuch wurde nicht ordnungsgemäß geführt. Und? Bautzen oder was?



Rot: Na, Mike59, das meinst Du doch wohl nicht im Ernst ? Mir deucht, da ist der Wunsch der Vater des Gedanken, der DDR lieber mal eher negative Verfahrensweisen zu unterstellen. Meiner Ansicht nach hätte es eine schriftliche Aufforderung gegeben, bei Ankündigung von finanzieller Buße bei Nichtbeachtung amtlicher Vorschriften, daß HB zukünftig ordnungsgemäß zu führen. Im Übrigen verweise ich noch mal auf meine Beiträge in #68 u. #69. Da hatte ich es geschrieben, letzter Eintrag (wir selbst bei Einzug) 1988 und letzte durch Stempel vermerkte Kontrolle durch die VP 1964 (!!!). Ignoriere es oder zweifle es an, wie Du möchtest, aber es sind die Tatsachen.



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#97

RE: Hausgemeinschaften in der DDR

in Leben in der DDR 03.06.2013 09:35
von Krepp | 534 Beiträge

Hallo,

Zitat von Petra im Beitrag #93
Zitat von Krepp im Beitrag #81
Hallo,

Zitat von Petra im Beitrag #71
... Doch die Gefahr, dass Hausbuchführer/innen mit den Daten Schindluder trieben, ....


Da bin ich ja nun gespannt wie so'n Flitzebogen, was ich denn da so
für Schindluder hätte treiben können.

@Petra bitte mal ein Beispiel



Ich war nur Besucherin in der DDR. Mag sein, dass in der DDR Datenschutz nicht so wichtig genommen wurde. Darum sehe ich das kritisch. Ich habe nicht behauptet, dass irgendwer mit den Daten Schindluder getrieben hat. Ich wollte nur im kritischen Rückblick darlegen, dass die Gefahr bestanden hat.


Die Frage war nicht nach der Gefahr des Schindludertreibens, sondern was ich damit hätte treiben können,
wenn ich denn gewollt hätte.

Ironie an !
Im übrigen bestand auch die Gefahr dass ich über das Hausbuch stolpere, mich dran verschlucke oder
es gar einem unliebsamen Nachbarn über die "Rübe" haue.
Ironie aus!



Gruß aus Leipzig
I/1979-II/1979 GAR05 GAK9
II/1979-II/1980 GR6 3.GB 10.GK Zarrentin
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#98

RE: Hausgemeinschaften in der DDR

in Leben in der DDR 03.06.2013 11:13
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

nun, "Hausbuch und Schindluder treiben"......

ich dreh die Zeit mal 25 Jahre zurück, krame in meinen Erinnerungen:
Ich hatte in der "Platte" mit 18 Mietparteien und "Goldener Hausnummer" einen sehr gewissenhaften, ordnungsliebenden Hausbuch-Verantwortlichen als Nachbarn. Ich mag nicht schreiben "Typ Blockwart" - das wäre sicher übertrieben. Aber ein Vorbild an "Deutschem Ordnungssinn" und "vorauseilendem Gehorsam". Ein Mensch, der von unseren Nachbarvölkern als "der typische Deutsche" wahrgenommen wird.

Nun, Ende der 80er Jahre wohnte ich dort in einer 25-qm-1-Zimmer-Wohnung als Single, geschieden. Und wie das Leben so spielt, hatte ich auch hin und wieder "Damenbesuch". Es war auch nicht immer ein und die selbe Person. Ja... und manchmal auch mit einer Übernachtung in meinem trauten Heim verbunden...
Jedesmal, wenn mein ordnungsliebender Hausbuchverantwortlicher die mitbekam, lief er mir mit dem Hausbuch nach und bat mich nachdrücklich um Eintragung der Personalien meiner Besucherin. Dies Gebaren pflegte er auch nach 1990 - da erteilte ich ihm dann zunehmend abschägigen Bescheid, in höflicher Form.
Regelmässig konnte ich nämlich feststellen, dass die Informationen aus dem Hausbuch als Quelle des Klatsch und Tratsch im Hause dienten - was meine Bereitschaft, Informationen an den Hausbuch-Verantwortlichen zu liefern, erheblich beeinflussten.

Soviel zum Themenkreis "Hausbuch, Datenschutz in der DDR, Schindluder treiben"
Ach @Mike59, nun sei nicht albern: "Bautzen" gab's deswegen nicht, einen Anschiss wegen "Ordnungswidrigkeit" schon mal...Je nach dem, wie Dein Gegenüber "drauf" war.


Inzwischen, als BRD-Bürger, weiss ich, dass es ein Datenschutzgesetz gibt. Und meine Privatspäre ist mir schon wichtig, ich lasse mich nicht gerne "vorführen". Für die Erhaltung unserer Datenschutz-Bestimmungen kämpfe ich "mit Klauen und Zähnen".

Gruss Hartmut

PS: Ach, fast vergessen: @Petra - Willkommen in unserem Forum !


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Petra hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 03.06.2013 11:18 | nach oben springen

#99

RE: Hausgemeinschaften in der DDR

in Leben in der DDR 03.06.2013 13:09
von GeMi | 556 Beiträge

Meine Hausgemeinschaften

Für alle Diagonalleser die Zusammenfassung vorab:
Eine Hausgemeinschaft lebt vom Miteinander und vom Wollen aller Einwohner des Hauses eine solche zu leben.

Jetzt zu den Hausgemeinschaften, die ich erlebt habe.

Hausgemeinschaft Nr.1

In diese wurde ich hineingeboren. In den 50er Jahren wurden in Leuna recht viele Mehrfamilienhäuser gebaut. Das Leuna-Werk brauchte Arbeitskräfte. Damit man so eine Wohnung bekam, musste man viele Stunden als Handlanger mitarbeiten. Wie die Vergabe der Wohnungen geregelt war, kann ich nicht sagen, aber die Rentner wohnten in der Mitte und Familien mit vielen Kindern hatten auch nicht immer die großen Wohnungen. War da Vitamin B im Spiel?
So ein Wohnblock hat immer 2 schlechte Wohnungen - ganz außen und im Erdgeschoss.
In so eine Wohnung wurde ich hineingeboren. Sie war der gefühlte Kältepol von Leuna.
Im Winter war das auf der Nordseite gelegene Kinderzimmer eisig kalt. Ins Bett ging es nur mit einem Wärmestein (mit Papier umwickelt).
Im Haus war ich das dritte Kind und im Wohnviertel gab es vielleicht 50 Kinder im gleichen Alter, plus-minus 2 Jahre. Jeder kannte jeden und unsere Hausgemeinschaft war auch wirklich eine.
Die Kinder gingen nicht in den Kindergarten. Also saßen die Frauen im Sommer hinterm Haus und schwatzen über Gott und die Welt, haben gestrickt und die kleineren Kinder haben in Sichtweite gespielt. Die Großen waren im Umkreis von 5km in den Äckern und Wiesen unterwegs. Alle haben überlebt.
Unsere Hausgemeinschaft hat sich regelmäßig in getroffen. Die Männer haben Skat gespielt, Bier getrunken und die Frauen wieder geschwatzt. Die absoluten Höhepunkte des Jahres waren Weihnachten (man zeigte sich gegenseitig den Baum und die Geschenke), Sylvester (es wurde im Wechsel jedes Jahr woanders gefeiert) und die die Belieferung mit Kohlen.
Die großen Haufen von Briketts wurden gemeinschaftlich in die Keller verbracht. Zum Ende waren die Männer besoffen, die Kinder pottdreckig und die Frauen frustriert.
Mit 13 Jahren war diese schöne Zeit für mich beendet. Meine Oma war nach einem Schlaganfall behindert und eine größere Wohnung musste her. Mit Hilfe des Parteiausweises und Austrittsdrohungen meines Vaters bekamen wir eine schicke 120qm-Wohung im ersten Stock.
Das Viertel war ca. 30 Jahre älter und dort wohnten nur Rentnerehepaare mit akademischem Hintergrund. Die Männer waren alles Ingenieure und deren Gattinnen Hausfrauen. Alle haben mehr oder weniger auf den Tod gewartet. Im Haus gab es keine Kinder und absolute Hausruhe war geboten. Dieser Umzug dorthin war für mich furchtbar - es war eine ganz andere Welt. Eine Hausgemeinschaft gab es nicht.
4 Jahre später war die Oma verstorben und das Haus sollte saniert werden. Also wieder Umzug und neues Spiel, neues Glück.
Die 4 Familien waren recht jung und es gab wieder Kinder. Unser Haus war sehr musikalisch. Von 14.oo bis 16.00 Uhr haben ich im Erdgeschoss Schlagzeug gespielt. Danach waren die Kinder über uns dran (Klavier) und ab 19.00 Uhr gab es von oben Hausmusik (aber nicht housemusic).
Man hat miteinander geredet und sich geholfen.
Nach der Wehrdienst bin ich als Student bei meiner Frau in Ha-Neu eingezogen. Auf 56qm haben wir teilweise mit 4 Erwachsen und 2 Kindern gelebt. Irgendwann waren wir zu dritt (Mann, Frau und Kind). Das Haus war eine Versammlung von merkwürdigen Menschen. Es gab Asoziale, den Parteisekretär, Rentner und Normale. Dazu gab es jede Menge Unterhaltung wie Kellerbrände, Ehestreite auf dem Hausflur und die Schwangerschaft unserer Hausschönheit mit 14 Jahren.
Nach 3 Jahren wollten wir nur noch weg, Wer bekommt schon gern die Kartoffelschalen vom 5 Stock auf den Kopf, wenn er die Fenster putzt?
Die nächste Hausgemeinschaft war besser, aber auch keine. Man hat so nebeneinader gewohnt und sich vertragen. Zusammen haben wir nichts unternommen.
Dann kam die Wende und unser Umzug nach Rheinland-Pfalz.
Die Wohnanlage war nagelneu und alle wollten. Wir haben regelmäßig gefeiert und haben etwas unternommen. Es gab so eine gute Seele des Ganzen und alle haben sich eingebracht.
Nach ein paar Jahren und diversen Ein- und Auszügen war die Gemeinschaft eingeschlafen. Die Neuen wollten nicht mit uns Dinos.
Nach 10 Jahren Miete haben wir dann in einem Neubauviertel gebaut und es läuft bis jetzt sehr gut.
Man kennt , grüßt und hilft sich. Es gibt Kinder, vor die Tür scheißende Hunde und Katzen und auch ein paar Senioren wie mich und meine Frau. In ca. 2 Monaten gibt es wieder ein Straßenfest und alle sind schon juckig darauf.
So, das waren meine Hausgemeinschaften. Mal so und mal so.


Die Menschheit besteht aus einigen wenigen Vorläufern, sehr vielen Mitläufern und einer unübersehbaren Zahl von Nachläufern.

Jean Cocteau
DoreHolm hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#100

RE: Hausgemeinschaften in der DDR

in Leben in der DDR 03.06.2013 13:44
von Petra | 81 Beiträge

Dieser Beitrag bestätigt mein Anliegen. Darum kritisiere ich die damalige Hausbuchpraxis. Grundlage für Tratsch und Klatsch, möglicherweise -Denunziantentum.

Zitat von Jobnomade im Beitrag #98
nun, "Hausbuch und Schindluder treiben"......

ich dreh die Zeit mal 25 Jahre zurück, krame in meinen Erinnerungen:
Ich hatte in der "Platte" mit 18 Mietparteien und "Goldener Hausnummer" einen sehr gewissenhaften, ordnungsliebenden Hausbuch-Verantwortlichen als Nachbarn. Ich mag nicht schreiben "Typ Blockwart" - das wäre sicher übertrieben. Aber ein Vorbild an "Deutschem Ordnungssinn" und "vorauseilendem Gehorsam". Ein Mensch, der von unseren Nachbarvölkern als "der typische Deutsche" wahrgenommen wird.

Nun, Ende der 80er Jahre wohnte ich dort in einer 25-qm-1-Zimmer-Wohnung als Single, geschieden. Und wie das Leben so spielt, hatte ich auch hin und wieder "Damenbesuch". Es war auch nicht immer ein und die selbe Person. Ja... und manchmal auch mit einer Übernachtung in meinem trauten Heim verbunden...
Jedesmal, wenn mein ordnungsliebender Hausbuchverantwortlicher die mitbekam, lief er mir mit dem Hausbuch nach und bat mich nachdrücklich um Eintragung der Personalien meiner Besucherin. Dies Gebaren pflegte er auch nach 1990 - da erteilte ich ihm dann zunehmend abschägigen Bescheid, in höflicher Form.
Regelmässig konnte ich nämlich feststellen, dass die Informationen aus dem Hausbuch als Quelle des Klatsch und Tratsch im Hause dienten - was meine Bereitschaft, Informationen an den Hausbuch-Verantwortlichen zu liefern, erheblich beeinflussten.

Soviel zum Themenkreis "Hausbuch, Datenschutz in der DDR, Schindluder treiben"
Ach @Mike59, nun sei nicht albern: "Bautzen" gab's deswegen nicht, einen Anschiss wegen "Ordnungswidrigkeit" schon mal...Je nach dem, wie Dein Gegenüber "drauf" war.


Inzwischen, als BRD-Bürger, weiss ich, dass es ein Datenschutzgesetz gibt. Und meine Privatspäre ist mir schon wichtig, ich lasse mich nicht gerne "vorführen". Für die Erhaltung unserer Datenschutz-Bestimmungen kämpfe ich "mit Klauen und Zähnen".

Gruss Hartmut

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zuletzt bearbeitet 03.06.2013 13:45 | nach oben springen


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