#41

RE: Kindheit im geteilten Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 26.05.2013 19:08
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #39



Seaman, es ist wunderbar an wie viele Details du dich erinnern kannst. Du gehörst auch zu einem derjenigen im Forum, die diese Geschichten (nicht nur hier!) aufschreiben müssten!

In deinem Beitrag oben beschreibst du sehr eindrucksvoll, was ich mit dem meinem eben an Gert meinte. Und dazu die ganze Gefährlichkeit des „Abenteuerspielplatzes Trümmerfeld“.
Wie schrecklich, was du erzählst vom Tod deines Schulkameraden und von deinem Lehrer, das war doch bestimmt ein sehr prägender Eindruck, du warst doch auch nocht so jung.

Ich denke, die Flüchtlingskinder waren auch schwerstens traumatisiert, neben den eigenen Ängsten haben sie ganz sicher die der Erwachsenen "mitaufgesogen".

Eine Freundin erzählte mir neulich, wie ihre Mutter auf dem großen Flüchtlingstreck aus dem Osten war, sie war hochschwanger und hatte zusätzlich ein kleines 4-jähriges Mädchen, die ältere Schwester meiner Freundin, an der Hand. Furchtbarerweise hatte die Mutter vor lauter Stress eine Fehlgeburt – wohlgemerkt hochschwanger - irgendwo am Wegesrand.
Man braucht doch nicht viel Phantasie, wie ein solches Erleben sich einem Kind einbrennt. Selbst meine Freundin, die erst Jahre später in Köln geboren wurde, trauert um diesen „verlorenen“ Bruder, so sehr hat dieses Ereignis die ganze Familie geprägt….
-----------

Du hattest ja in deinen Beiträgen oben sehr schön und ausführlich von deinen Kontakten mit den unterschiedlichen Besatzungssoldaten erzählt und deinem „Wandern“ zwischen den „Zonen“. Und von deinen Verwandten auf dem Ost-Ufer der Havel und kommst zu dem Gedanken:

„Es war schon komisch, meine Schulzeit im Westteil der Stadt, aber auch Pioniernachmittage/Ferienspiele im Osten.
Als Kind unbewusst vergleichend zwischen den Systemen.“


Ich finde das enorm spannend, dass du "beide Welten" erlebt hast, und bereits als Kind diese Aufmerksamkeit für deren Unterschiede entwickelt hast. Wie hast du das konkret erlebt, wie ging es damit weiter, wenn ich das fragen darf?



Es sind auch nur in Kurzform für das Forum eingebrachte Gedanken.
Das wird in einem Buch umfassender aufbewahrt werden.

Sobald die Zeit reicht gehts gerne weiter....
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Bin gerade dabei ein paar Anfragen (PN) zu bündeln.
Möchte bei den Antworten aber nicht unbedingt meinen Lebens(ver)lauf ins Netz stellen.
Bitte um Verständnis.

Gruss seaman


silberfuchs60 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 26.05.2013 19:18 | nach oben springen

#42

RE: Kindheit im geteilten Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 30.05.2013 07:55
von seaman | 3.487 Beiträge

Westberlin.
Man schrieb das Jahr 1956.
Im April erfolgte meine Einschulung.
Zünftig,mit Schultüte und einer von Mutter aus Wollresten gestrickten Jacke extra zu diesem Anlass.
Das die Schultüte zu zwei Dritteln mit Holzwolle gestopft war störte nicht.Ich war stolz wie Bolle,ich ging schon zur Schule.Das hatte insofern Bedeutung,da meine gleichaltrigen Cousinen und Cousins im Ostteil Berlins erst im September eingeschult wurden.
An meinem Maskottchen,einem kleinem Plastikelefant der Spiritousenfirma Mampe, am Reißverschluss nestelnd,erlebte ich das einige wenige Schüler keine Schultüte hatten.Neidvolle Blicke.Auch Opas Lederschulranzen machte Eindruck.Zwei einzuschulende Kinder samt Eltern wurden hinwegkomplimentiert.Das Geschwisterpaar-Junge und Mädchen- war barfuß.Erst später erschloss es sich mir,dass Kindermund sehr verletzend sein kann.Wir haben uns über ihre Tränen lustig gemacht.Spätaussiedlerkinder.
Ich besitze dieses Maskottchen heute noch,Elefanten sind zeitlebens schon meine Lieblingstiere.Bei einem Blick auf diesen Talisman aktuell, fällt mir immer diese Begebenheit während meiner Einschulung ein.
Fortsetzung folgt!

seaman.


furry, Gert, Küchenbulle 79 und exgakl haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 30.05.2013 08:03 | nach oben springen

#43

RE: Kindheit im geteilten Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 30.05.2013 09:47
von seaman | 3.487 Beiträge

Westberlin-Sommer 1956.

Erste Schulferien.
Blauer Himmel,schönstes Sommerwetter.Wir sind am Havelufer.Ruhe und Natur pur.
Wir,das ist Opa Z.,der alte Havelfischer.Sitzt zwischen den aufgespannten Fischernetzen mit seiner Piepe im alten Rattanstuhl und sabbert sich dösend den Bart bräunlich voll.
Meine Freunde und ich erprobten gerade unser neu entwickeltes Angelgeschirr.Haselruten,Hühnerfedern,Korken und Alulöffel.Dazu wird der Rat des Fachmanns eingeholt.Wir stören Onkel Zs. Mittagsruhe einfach.Der macht das sichtlich gerne,oder nicht?
Gegen die Sonne blinzelnd,habe ich noch die jüngste Errungenschaft der Familie beaufsichtigend im Auge,meine kleine Schwester.
Kann kein Unheil anrichten,sitzt auf dem Nachttopp gerade.
Also,Freiland-Zille-Milljöh würde man das heute beschreiben.
Ein aus der Ferne aufkommendes Brummen wird immer deutlicher vernehmbar und stört unsere Idylle.Ein zweimotoriges Flugzeug kreist über der Havel.Gewinnt an Höhe und wirft bunte Wolken von Flugblättern in Intervallen ab.Diese treiben in der Luft sichtlich erkennbar mehrheitlich in den östlichen Teil Berlins .
Sieht aus wie Konfetti.
Ein Teil landet in der Havel,ein paar vereinzelte umschweben unseren Kopf.
Lesen kann ich noch nicht.Opa Z. sammelt sie ein und brabbelt was von"Politik für die Ostzone".
Als Kinder verstehen wir schon,dass ist wohl keine Zahnpastawerbung von Blendax.Ein paar Frauen kommen aus ihren Häusern und lesen mit.
An Angeln ist nicht mehr zu denken,alle Fische verscheucht.
Dann am östlichen Ufer Sirenentöne,auf-und abklingend.Russische Soldaten,die wie Ameisen auf den gegenüberliegenden Wiesen umherwuseln.
Schlauchboote und Flösse werden zu Wasser gelassen,mit langen Stangen werden die Flugblätter aus der Havel gesammelt. Voll Betrieb auf der sonst ruhigen Havel.
Dem Flussverlauf folgend sehe ich am Horizont unsere "Libelle" kommen."Libelle",ein Hubschrauber,bestehend aus einer riesigen Vollglaskuppel und einem Metallgitter-Leitwerk.Kam sonst einmal am Tag,dem Piloten konnte man manchmal zuwinken.Diesmal fliegt sie nur wenige Meter über dem Wasser und hat noch einen aus der Verwandtschaft mitgebracht.Beide Hubschrauber fliegen mit ohrenbetäubenden Krach knapp über die Schlauchboote hinweg.So sieht es zumindest aus.....
Mich beschäftigt aber ein anderer ohrenbetäubender Lärm.Meine kleine Schwester fing vor Schreck lauthals an zu brüllen und ist mit ihrem Nachtpott dabei umgekippt.Krabbelnd versuchte sie gerade die elterliche Wohnung zu erreichen.....
Gut,dass ihr dabei nichts passierte,sonst wäre sie wohl ein Opfer des Kalten Krieges.

seaman


.


thomas 48, Gert, bendix, eisenringtheo, Küchenbulle 79 und exgakl haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 30.05.2013 14:17 | nach oben springen

#44

RE: Kindheit im geteilten Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 30.05.2013 10:33
von Grstungen386 | 597 Beiträge
Seaman, auch von mir grösstes Kompliment, Deine Erinnerungen gäben Stoff für einen ganzen Roman und ich schwöre Dir, Du hättest viele interessierte Leser, auch mich, Jahrgang 1962.


seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#45

RE: Kindheit im geteilten Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 30.05.2013 14:22
von Grstungen386 | 597 Beiträge
Seaman, Recht hast Du, wir wissen gar nicht, wie gut es uns geht, erst recht nicht die jetzigen Jugendlichen. Las gerade "Stalingrad" von Plevier. Wochenlang lagen unsere Wehrmachtssoldaten in grimmiger Kälte, nichts zu fressen, unter Dauerfeuer des Feindes ohne Perspektive sich satt zu essen oder einfach nur aufzuwärmen. Ich könnte mir nicht vorstellen, EINE WOCHE dieses Leben zu führen....


seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#46

RE: Kindheit im geteilten Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 30.05.2013 14:53
von seaman | 3.487 Beiträge
Ja,
da bin ich voll auf Deiner Seite.
Ich habe viel Not und Elend in der Welt gesehen und war in nicht ganz so friedlichen Ecken der Erde unterwegs.
Erst dann kann man wohl richtig ermessen,was Frieden bedeutet und dieser nicht für jeden selbstverständlich ist und war.
Mein Jahrgang,hat gerade noch ein paar Auswirkungen mitbekommen,was unsere Elterngeneration erleben musste.Krieg,Vertreibung,Hunger,Bombennächte und Tod.
Wir wollten das nicht auch erleben müssen und unwiederholbar machen.
Für diese Zielstellung habe ich etwas getan.

seaman

Grstungen386 und exgakl haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#47

RE: Kindheit im geteilten Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 02.06.2013 14:03
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Grstungen386 im Beitrag #44
Seaman, auch von mir grösstes Kompliment, Deine Erinnerungen gäben Stoff für einen ganzen Roman und ich schwöre Dir, Du hättest viele interessierte Leser, auch mich, Jahrgang 1962.



Nächste Woche gehts hier weiter.....

seaman


exgakl hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#48

RE: Kindheit im geteilten Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 08.06.2013 13:38
von seaman | 3.487 Beiträge

Westberlin.Spätherbst 1956.
Wie ein Seismograph reagierte die Bevölkerung Berlins auf politische Entwicklungen in der Welt.
Die Erwachsenen fühlten sich als Teil einer Frontstadt.Es lag immer etwas plötzlich zu Erwartendes in der Luft.Meine Mutter tuschelte mit anderen Frauen in der Nachbarschaft.Es ging um Bevorratung von Lebensmitteln.Mehl.Zucker,Speiseöl u.ä.
Man kann ja nicht wissen was kommt:
Der Russe ist in Ungarn einmarschiert.Gibt es wieder Krieg?
Alle Erwachsenen hatten in irgendeiner Form den letzten grausamen Krieg miterlebt.Hunger war dabei eine schmerzlich-prägende Lebenserfahrung.
Essen,Nahrung spielte daher auch noch nach dem Kriege eine dominierende Rolle.Kinder wollen satt gemacht werden.Nicht nur mit Care-Paketen.
Auch eine Frage des Geldes in Westberlin.Es gab Niedriglohnempfänger und Arbeitslose.Auf irgendeinen Besitz konnten Vertriebene sowieso nicht zurückgreifen.Viele waren froh ihr nacktes Leben gerettet zu haben.
Mein Vater kam Ende 1949 abgemagert aus der Kriegsgefangenschaft.Sein Geburtsort war jetzt polnisch.
Zum Überleben nahm er eine schwere körperliche Arbeit auf(Bäume fällen/Bahnschwellen).Männer waren knapp im Nachkriegsdeutschland.
Nebenbei suchte er meine Mutter,die er 1944 während einer Schulung als Angehöriger der Luftwaffe(JG 52) auf der Reichslufterprobungsstelle Rechlin als RAD-Mädel kennengelernt hatte.
Da die Suche vom Erfolg gekrönt war,kann ich hier über meine Kindheitstage in der geteilten Stadt Berlin berichten.
Werde schreiben,über die offene Grenze in dieser Stadt,Wechselkurse,Grenzgänger(Ost) und Lebensmittelkäufe im Osten der Stadt.....
wenn Bedarf.

seaman


Grstungen386, thomas 48, exgakl, Küchenbulle 79, Kurt und Gert haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#49

RE: Kindheit im geteilten Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 08.06.2013 13:57
von Fritze (gelöscht)
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Na und ob Bedarf ist ! Hau rin und lass uns nicht dumm sterben !
Fritze



@94 nun sinds schon 1.111
Bier gibts heute abend am Grill ,falls Du in der Nähe bist !


Edith Schreibfehler (und , uns )


zuletzt bearbeitet 08.06.2013 23:12 | nach oben springen

#50

RE: Kindheit im geteilten Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 11.06.2013 12:22
von seaman | 3.487 Beiträge

Westberlin-offene Grenze.
Grenzgänger,Wechselstuben und zwei Währungen in der geteilten Stadt.

Durch das Vorhandensein von zwei Währungen in Berlin war eine Situation entstanden,die für viele Einwohner Veränderungen ihrer Lebensverhältnisse bedeutete.
Täglich sprachen die Erwachsenen über Wechselkurse bzw. günstige Geldhändler.Die zum günstigen Kurs getauschte Ostmark eröffnete nicht nur für die sparsamen Hausfrauen Westberlins neue Perspektiven beim Einkauf von Lebensmitteln im Ostteil der Stadt.Obwohl es im Ostteil noch Lebensmittelmarken gab,fand sich immer ein Weg über Verwandte zum Einkauf.Habe diese Einkaufstouren auch miterlebt und kann mich noch an die gewisse Unruhe in U-oder S-Bahn am Sektorenübergang erinnern.Wenn der Wechselkurs des Tages günstig war,waren die Bahnen Richtung Ost voller.In Westberlin kam es sogar zu Protesten von Handwerksinnungen gegen die Abwanderung ihrer Kunden in den Osten.
Die wenigsten Westberliner scheuten sich vor einen Trip in den Ostteil.Wer nicht auf Lebensmitteleinkäufe angewiesen war,konnte zumindest andere (wenige) Dinge billig einkaufen,Restaurants besuchen oder zum Friseur gehen.Westberlin versorgte sich zunehmend aus Ostberlin und Randgebieten.Das ging soweit,dass unser Kaufmann("Koofmich")sich teilweise mit Waren aus dem Osten versorgte.Selbst besorgt oder gebracht.So liefen die Geschäfte gut und er hatte als erster einen "Opel Kapitän" vor der Tür und konnte sich eine Italienreise leisten. Damals eine Sensation.
Andersrum kamen aber auch viele Ostberliner und DDR-Bürger in den Westteil die ihre Ostmark zu niedrigen Tauschkursen gegen Westmark tauschten.
Südfrüchte,Textilien,Schuhe,Kaffee,Kakao und Kinobesuche waren die Wünsche.Es entstand an den Sektorengrenzen ein florierender Grenzhandel, ähnlich heutiger Floh-und Wochenmärkte.Später wurde mir erzählt,dass auch der obligatorische Strassenstrich nicht fehlte und dort überwiegend auf sächsisch gekobert wurde.Bezahlen konnte man zum aktuellen Tageswechselkurs in Ost oder West.Nicht nur auf dem Grenzmarkt.
Zahlen die das Internet ausspuckt besagen,bis zu ca. 500 000 Ostmark wanderten täglich nach Westberlin.

Na ja,
der Westberliner selbst machte das aus Gründen der Selbstversorgung und nutzten die Möglichkeiten.Heute als kurios einzuschätzende Erlebnisse gehören meinerseits auch noch dazu.
Mein Grossvater in Mecklenburg schlachtete zu Festtagen immer Geflügel und versorgte damit die Verwandtschaft in Ost-und Westberlin.Da immer irgendeiner meiner Ostberliner Cousins bzw. Cousinen noch im Kinderwagen sass, wurde der Festagsbraten z.b. am 24.12 über die Sektorengrenze gefahren.Da hatte auch der DDR-Zoll Weihnachtsstimmung.
Das war gemessen an den zahlreichen Schiebern aber nur ein Kavaliersdelikt.
Die Zigarettenschieber verdienten sich eine goldene Nase.Eine Hierarchie gabs da auch.Lederfabrikanten,Fleischlieferanten,Stoffe und Tuche,Fertigwäsche.Manche legten sich damit einen finanziellen Grundstein zur späteren Übersiedlung in den Westen.Verkauft wurden aus der DDR-Produktion abgezweigte,undeklarierte Ware.Hoch für Ostmark verkauft und dann in West getauscht.
So betrachtet, war die D-Mark in West-Berlin eine ökonomisch und ideologisch hochwirksame Waffe des Westens im Kalten Krieg.

So ,das soll es erstmal kurz gewesen sein.
Schreibe dann über Grenzgänger.Leben in Ostberlin-Arbeiten in Westberlin und umgekehrt.

Fortsetzung folgt!

seaman


Küchenbulle 79, Svenni1980, Kurt, thomas 48, furry, Gert und exgakl haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 11.06.2013 12:40 | nach oben springen

#51

RE: Kindheit im geteilten Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 11.06.2013 12:37
von Küchenbulle 79 | 533 Beiträge

Bin schon neugierig auf das nächste Kapitel.Wunderbar geschrieben und ohne diese ewigen Schlammschlachten.
Bei dir merkt man,das die Feder durch Sachverstand und Liebe zum Detail geführt wird.
Weiter so

Ich erkenne vieles aus den Erzählungen meiner Eltern wieder,die auch in West-Berlin einkaufen waren.
Wir haben dicht bei Berlin gewohnt.Durch deine Geschichte kommen wieder die Errinerungen hoch.


seaman und matloh haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 11.06.2013 12:41 | nach oben springen

#52

RE: Kindheit im geteilten Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 11.06.2013 15:35
von Gert | 12.355 Beiträge

@seaman, wie bisher, sehr interessant. Du sprichst im Text vom Gesundbrunnen. Mein Vater war in den 50 und Anfang 60er Jahren öfters in Berlin. Da fiel auch der Begriff "HO am Gesundbrunnen", ist ja an sich ein Widerspruch, da Gesundbrunnen im französischen Sektor war. Vermute mal, dass das eine beliebte Einkaufsstrasse/Stadtteil für die Ossis war. Hast du diesen Begriff mal gehört ?

Gruß Gert


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#53

RE: Kindheit im geteilten Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 11.06.2013 16:14
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #52
@seaman, wie bisher, sehr interessant. Du sprichst im Text vom Gesundbrunnen. Mein Vater war in den 50 und Anfang 60er Jahren öfters in Berlin. Da fiel auch der Begriff "HO am Gesundbrunnen", ist ja an sich ein Widerspruch, da Gesundbrunnen im französischen Sektor war. Vermute mal, dass das eine beliebte Einkaufsstrasse/Stadtteil für die Ossis war. Hast du diesen Begriff mal gehört ?

Gruß Gert


Ja, der Bahnhof Gesundbrunnen.
Der Bahnhof gehörte damals zum S-Bahnring Berlins.Knapp 30(27-oder 28?) Bahnhöfe gehörten dazu.Wichtiger Umsteigebahnhof.Alles was aus Bernau und Oranienburg kam hielt hier ebenfalls.Also günstigste Verkehrsanbindung für alle Ostberliner.
Dadurch bedingt entwickelte sich rund um diesen Bahnhof das ideale Einkaufszentrum für die Kunden von der anderen Seite der Stadt.
Viele Geschäfte waren eigens dazu auf Ostberliner zugeschnitten.Das eigentliche Einkaufszentrum war die Badstrasse.Bezahlen konnte man dort zum aktuellen Wechselkurs in Ostmark.Eine Markthalle mit Gemüse,Obst und Fisch etc. war dort auch-die Brunnenhalle.
Für die geistige Erbauung der Ostbürger befand sich neben dem Bahnhof Gesundbrunnen ein grosses Kino.Hier wurden an Ostberliner ermässigte Eintrittskarten für Ostmark vertickert und die neuesten amerikanischen Filme angeboten.
Ansonsten wandelten sich die Angebote im Laufe der Jahre.Jeans,Nylonstrümpfe,Kosmetik,Schuhe,Klamotten etc.
Nicht zu vergessen die preisbegünstigten Schmöker für die Freie Stadt Westberlin.......die bündelweise gekauft wurden.
Die Ostberliner nannten diese Einkaufsmöglichkeiten mit Berliner Schnauze, doppeldeutig und spöttisch: "HO Gesundbrunnen".
Als Kind spielte ich dort in Nähe des Bahnhofs auf einem riesigen,halb zugeschütteten Flakbunker.Unvergessen.
Nach 1961 machten dort zahlreich die Läden dicht.

seaman


Svenni1980, Gert und exgakl haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#54

RE: Kindheit im geteilten Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 12.06.2013 10:52
von WernerHolt (gelöscht)
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Zitat von seaman im Beitrag #53

Ja, der Bahnhof Gesundbrunnen.
Der Bahnhof gehörte damals zum S-Bahnring Berlins.Knapp 30(27-oder 28?) Bahnhöfe gehörten dazu.Wichtiger Umsteigebahnhof.Alles was aus Bernau und Oranienburg kam hielt hier ebenfalls.Also günstigste Verkehrsanbindung für alle Ostberliner.
Dadurch bedingt entwickelte sich rund um diesen Bahnhof das ideale Einkaufszentrum für die Kunden von der anderen Seite der Stadt.
Viele Geschäfte waren eigens dazu auf Ostberliner zugeschnitten.Das eigentliche Einkaufszentrum war die Badstrasse.Bezahlen konnte man dort zum aktuellen Wechselkurs in Ostmark.Eine Markthalle mit Gemüse,Obst und Fisch etc. war dort auch-die Brunnenhalle.
Für die geistige Erbauung der Ostbürger befand sich neben dem Bahnhof Gesundbrunnen ein grosses Kino.Hier wurden an Ostberliner ermässigte Eintrittskarten für Ostmark vertickert und die neuesten amerikanischen Filme angeboten.
Ansonsten wandelten sich die Angebote im Laufe der Jahre.Jeans,Nylonstrümpfe,Kosmetik,Schuhe,Klamotten etc.
Nicht zu vergessen die preisbegünstigten Schmöker für die Freie Stadt Westberlin.......die bündelweise gekauft wurden.
Die Ostberliner nannten diese Einkaufsmöglichkeiten mit Berliner Schnauze, doppeldeutig und spöttisch: "HO Gesundbrunnen".
Als Kind spielte ich dort in Nähe des Bahnhofs auf einem riesigen,halb zugeschütteten Flakbunker.Unvergessen.
Nach 1961 machten dort zahlreich die Läden dicht.

seaman



@seaman

tolle geschichte ,die du da schreibst.interessant zu lesen und sehr informativ.mit dem kino meinst du sicher die"lichtburg".war mal ein wunderschönes kino,was heute leider nicht mehr da ist.
du hast also auch auf dem ehemaligen "gefechtsturm",des flakturmpaares "humboldthain" gespielt.wenn das deine mutter gewusst hätte.das hätte sicher großen ärger gegeben.war ja nicht ganz ungefährlich.

sonst ,super geschichte ,weiter so!!!

MkG
HG


seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#55

RE: Kindheit im geteilten Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 12.06.2013 14:14
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #53
Für die geistige Erbauung der Ostbürger befand sich neben dem Bahnhof Gesundbrunnen ein grosses Kino.Hier wurden an Ostberliner ermässigte Eintrittskarten für Ostmark vertickert und die neuesten amerikanischen Filme angeboten.



lt. aussage meiner eltern und großeltern kostete dort, in diesem kino, der eintritt nur 10 pfennige. man musste nur nachweisen das man "aus´m osten" war


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
nach oben springen

#56

RE: Kindheit im geteilten Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 12.06.2013 14:37
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von GilbertWolzow im Beitrag #55
Zitat von seaman im Beitrag #53
Für die geistige Erbauung der Ostbürger befand sich neben dem Bahnhof Gesundbrunnen ein grosses Kino.Hier wurden an Ostberliner ermässigte Eintrittskarten für Ostmark vertickert und die neuesten amerikanischen Filme angeboten.



lt. aussage meiner eltern und großeltern kostete dort, in diesem kino, der eintritt nur 10 pfennige. man musste nur nachweisen das man "aus´m osten" war


Das stimmt!


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#57

RE: Kindheit im geteilten Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 12.06.2013 15:25
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von WernerHolt im Beitrag #54


@seaman

tolle geschichte ,die du da schreibst.interessant zu lesen und sehr informativ.mit dem kino meinst du sicher die"lichtburg".war mal ein wunderschönes kino,was heute leider nicht mehr da ist.
du hast also auch auf dem ehemaligen "gefechtsturm",des flakturmpaares "humboldthain" gespielt.wenn das deine mutter gewusst hätte.das hätte sicher großen ärger gegeben.war ja nicht ganz ungefährlich.

sonst ,super geschichte ,weiter so!!!

MkG
HG




Richtig,
"Lichtburg" hiess das Ding.
War das Grösste dort im Umfeld.

Und klar doch,
Bunker spielen hatte den Ruch des Verbotenen.Gerade deshalb zog uns das an den gefährlichen Ort.
Wenn das die Eltern immer mitbekommen hätten.....

seaman-
der es gut findet,dass seine geistigen Ergüsse in Kurzform hier Anklang finden,Danke!


thomas 48 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#58

RE: Kindheit im geteilten Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 12.06.2013 15:49
von WernerHolt (gelöscht)
avatar

@seaman

magst du mir erzählen, wir ihr damals in den turm reingekommen seit?bzw an welcher stelle?
ps: ich kenne den turm selbst sehr gut ,war schon mindestens 100 mal drin

gerne auch als pm

MkG
HG


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#59

RE: Kindheit im geteilten Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 12.06.2013 16:07
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von WernerHolt im Beitrag #58
@seaman

magst du mir erzählen, wir ihr damals in den turm reingekommen seit?bzw an welcher stelle?
ps: ich kenne den turm selbst sehr gut ,war schon mindestens 100 mal drin

gerne auch als pm

MkG
HG


Hier verlässt mich etwas mein Gedächnis.
Es gab da so einen Weg/Trampelpfad der führte bis fast zur Höhe einer der Plattformen.
Auf halben Wege etwa?,befand sich im Gestrüpp eine Öffnung,die halb verschüttet war.Lagen so ein paar Brocken Stahlbeton verkantet davor.Auf dem oberen Trümmerstück konnte man als Kind darauf reinrutschen.Ein Erwachsener hätte da nicht durchgepasst.Ob man den Einstieg später ganz dichtsetzte weiss ich nicht.Wir haben allerhand Krempel da gefunden.

seaman


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#60

RE: Kindheit im geteilten Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 12.06.2013 16:20
von WernerHolt (gelöscht)
avatar

@seaman

dachte ich es mir doch.die öffnungen wurden mit der zeit verfüllt,bzw gesichert.es gab ja auch einige todesfälle in dem turm ,weil viele völlig unzureichend gesichert ins innere abgestiegen sind.
danke für die info

MkG
HG


seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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