#1

Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 21.05.2013 11:01
von ABV | 4.202 Beiträge

In Geschichtsforen gehört das Thema „ Grenze“, zu den den absoluten Rennern. Wobei damit in den meisten Fällen die ehemalige „ innerdeutsche Grenze“, bzw die „ Berliner Mauer“ gemeint ist. Regelrecht „ stiefmütterlich“ werden dagegen die Ostgrenzen der DDR behandelt. Woran liegt das? Zum einen im besonderen Charakter dieser Grenzen. Die im Verständnis der SED „ Freundschaftsgrenzen“ darstellten. Wobei man diese dennoch nicht mit den heutigen Schengenbinnengrenzen, die bekanntlich überall ohne Kontrolle und besondere Genehmigung überquert werden dürfen, vergleichen kann. Vielmehr drückt sich dieser „besondere Charakter“ darin aus, dass diese Grenzen nicht militärisch gesichert, sondern grenzpolizeilich überwacht wurden. Ungeachtet der Tatsache, dass auch an den Grenzen zur damaligen Volksrepublik Polen und der ebenfalls ehemaligen CSSR, Angehörige der Grenztruppen im Einsatz waren. Nur eben, ab dem Jahre 1961, in weit geingerer Stärke als an den übrigen Grenzen!
Spätestens ab 1963 gingen die aus der „ Deutschen Grenzpolizei“ hervorgegangenen Grenztruppen der DDR, von der personell aufwändigen Grenzsicherung, in die Grenzüberwachung über. Die in den Orten unmittelbar an der Staatsgrenze befindlichen Grenzkompanien wurden anderweitig genutzt. Wie zum Beispiel die ehemalige Grenzkompanie Reitwein, in der eine Nachrichteneinheit der NVA einzog. Die Kienitzer Grenzkompanie mutierte zum Schulhort. Dazu später mehr.
Zur Überwachung der Staatsgrenze installierten die Grenztruppen das System der „ Grenzabschnittsposten“, kurz „ GAP“. Vom Volksmund nicht ganz korrekt als „ Grenz-ABV“ bezeichnet. Bei den „ GAP“ handelte es sich ausschließlich um Berufssoldaten. Zumeist in der „ Fähnrichslaufbahn“ stehend.
So richtig unkorrekt ist diese Bezeichnung jedoch nun auch wieder nicht. Das „ GAP-System“ der Grenztruppen, weist tatsächlich eine Menge Analogien zum bekannteren
„ ABV-System“ der „ Deutschen Volkspolizei“ auf. Ebenso wie ein Abschnittsbevollmächtigter der VP, zeigte sich der „ GAP“ für ein festgelegtes Territorium, sprich seinem Abschnitt, verantwortlich. Dieser konnte, je nach Bedeutung und Bevölkerungsanzahl, von unterschiedlicher Größe sein. In aller Regel betrug ein Grenzabschnitt zwischen zehn und fünfzehn Kilometer Staatsgrenze. Wie seinem volkspolizeilichen Pendant, standen dem „ Grenz-ABV“ „ Freiwillige Helfer“ zur Aufgabenerfüllung zur Verfügung. Die im wesentlichen darin bestand, die Ordnung und Sicherheit im unmittelbaren Bereich der Staatsgrenze durchzusetzen. Wozu auch die ständgen Kontrollen der Grenzmarkierungen gehörten. Und natürlich die Verhinderung oder Aufdeckung „ illegaler Grenzübertritte“. Zumindest theoretisch. Denn in der Praxis spielten diese Delikte lediglich eine untergeordnete Rolle. Was sich jedoch im Spätsommer 1989 dramatisch ändern sollte. Aber auch dazu später mehr.
Genug der Vorrede! Ich möchte euch auf eine kleine virtuelle Reise an die polnische Grenze einladen. Eine Grenze die mich absolut nicht loslässt. Weder aus beruflichen noch aus rein persönlichen Gründen. Bin ich doch an dieser Grenze aufgewachsen. Sie und die Menschen beiderseits der Grenze sind zu einem festen Bestandteil meines Lebens geworden. Diese Grenze steckt voller Geschichte(n).
Beginnen möchte ich die Reise am ehemaligen Autobahngrenzübergang Frankfurt (Oder)-Swiecko. Direkt an der vielbefahrenen BAB 12. Irgendwo zwischen Berlin und Warschau.
Warum ich von einem „ ehemaligen Grenzübergang schrieb? Ganz einfach, weil es seit dem 21. Dezember 2007, an der deutsch-polnischen Grenze keine Grenzübergänge mehr gibt! Polen gehört zum grenzenlosen „ Schengenland“. Grenzübergänge, im „ Sinne des Erfinders“, gab es fortan nicht mehr. Jeder, der es wollte, konnte diese Grenze von nun an überall überqueren. Ok, an der Oder dürfte das schwierig sein.Ohne Brücken geht es auch im Schengenland nicht. Aber rein theoretisch könnte man ja auch per Schlauchboot von Deutschland nach Polen reisen. Oder von Polen nach Deutschland. Ganz wie es beliebt.

wird fortgesetzt

Gruß an alle
Uwe


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#2

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 21.05.2013 11:08
von ABV | 4.202 Beiträge

Frankfurt(Oder) 029 (FILEminimizer)


Dieses Foto entstand im Jahre 2009. Knapp 1, 5 Jahre nach der Grenzöffnung. Das Gebäude links im Bild ist das " Deutsch-polnische Polizei & Zollzentrum".

Dazu mehr demnächst auf diesem Sender

Gruß an alle
Uwe


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#3

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 21.05.2013 12:55
von berlin3321 | 2.516 Beiträge

Hallo Uwe,

klasse, der Einstieg und das Bild. Bitte weiter, mehr. Ich lese Deine Berichte sehr gern.

Mfg Berlin


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#4

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 21.05.2013 13:09
von zoni-94 | 176 Beiträge

Meine Bilder sind im Dez.2011 entstanden, war dort zu einem LP-Wettkamf (leider verloren... )





zoni..


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#5

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 21.05.2013 13:20
von Mike59 | 7.946 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #2
[widget=24232]

Dieses Foto entstand im Jahre 2009. Knapp 1, 5 Jahre nach der Grenzöffnung. Das Gebäude links im Bild ist das " Deutsch-polnische Polizei & Zollzentrum".

Dazu mehr demnächst auf diesem Sender

Gruß an alle
Uwe

Ist das die Dienststelle an der die Infos über die diversen Eigentumsdelikte im ehem. Grenzgebiet bearbeitet werden? Wo die Grenzpolizei von heute Ihre Dienstzeit verbringt, weil sie keine Kilometer für ihre Streifenfahrzeuge haben, die als VW T4 mit über 200 000 KM Laufleistung sonst versuchen sollen die Autoschieber mit ihren Prämium Kfz zu stellen? Schönes Gebäude!


zuletzt bearbeitet 21.05.2013 13:26 | nach oben springen

#6

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 21.05.2013 14:36
von Kurt | 933 Beiträge

Ich danke Dir Uwe!
Mein Vater war ab 1958 im Oderbruch Grenzer.
Versuchte Grenzdurchbrüche gab es da auch, von polnischer Seite.
Aber die Grenze hatte natürlich einen anderen Charakter.
Dort dienten auch ehemalige Fremdenlegionäre, die vorher noch in Indochina gekämpft haben.


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#7

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 21.05.2013 17:12
von ABV | 4.202 Beiträge

So und nun wieder zum Autobahngrenzübergang. Der ja bekanntlich keiner mehr ist. Und heute irgendwie an ein „ Schiff auf dem trockenen“ erinnert. Wie bereits angedeutet, befindet sich dort heute das „ Deutsch-polnische Polizei & Zollzentrum“. Sowie die „ Gemeinsame Deutsch-Polnische Dienststelle von Bundespolizei und Grenzschutz“. Um Mikes Frage zu beantworten: Informationen und Abfragen werden im „ Deutsch-polnischen Polizeizentrum“ bearbeitet. Während sich die Angehörigen der „ Gemeinsamen Dienststelle“, unter anderem, mit den Autoschiebern herumschlagen. Nicht immer erfolglos! Wobei die Erfolgsquote im Kampf gegen den Autoklau durchaus besser ist als allgemein angenommen. Vor allem was die Arbeit der polnischen Polizei betrifft. Leider werden diese Erfolge von einigen engstirnigen Zeitgenossen nicht wahrgenommen. Wahrscheinlich, weil sie nicht ins vorgefasste Weltbild passen. Quasi, wie bei uns im Forum.
Der Autobahngrenzübergang Frankfurt (Oder) war einst der meistfrequentierte entlang der polnischen Grenze. Und das schon zu DDR-Zeiten. Was wohl der „ strategisch güsntigen Lage“, direkt an der Autobahn, geschuldet war. Wie es hier vor 1990 aussah, weiß ich leider nicht. Nach 1990 entwickelte sich der Übergang zu einem Pseudonym für Kilometerlangen LKW-Stau. Mitunter trafen sich die Trucker aus halb Europa. Zwischen Fürstenwalde und dem Grenzübergang. Im Stau stehend. Wobei die durchschnittliche Wartezeit vierundzwanzig Stunden und mehr betrug. Die Polizeiwachen Fürstenwalde und Frankfurt (Oder), mussten jeweils einen Streifenwagen zur „ Staubetreuung“ abstellen. Was unter anderem bedeutete, dass die Kollegen eingeschlafene Fahrer wecken musste. Damit diese nicht versäumten, wenn es mal wieder ein paar Meter weiter ging. Kein Wunder, wenn bei den übermüdeten Truckern zuweilen die „ die Nerven blank lagen“. Zigaretten und literweise Kaffee schafften da nur wenig Abhilfe.
Die Situation besserte sich ein nach dem EU-Beitritt Polens, im Mai 2004. Aber erst nach dem Beitritt Polens zum „ Schengengebiet“ gehörten auch die Kilometerlangen LKW-Staus der Geschichte an.
Im Frühjahr des Jahres 2002 geriet der Grenzübergang anderweitig in die Schlagzeilen. Kann sich noch jemand an den Banküberfall mit Geiselnahme im niedersächsischen Wrestädt erinnern? Der Bankraub ging nicht zuletzt wegen der anschließenden Verfolgungsfahrt, bis in die Ukraine, in die deutsche Polizeigeschiche ein. Der Grenzübergang Frankfurt (Oder) lag auf der von etlichen Streifenwagen verfolgten Räuber. Ich hätte damals nicht in der Haut des polizeilichen Einsatzleiters stecken wollen. Um die Geiseln nicht zu gefährden, gab dieser, in Absprache mit den polnischen Behörden, „ Freie Fahrt für die Bankräuber“. Eine völlig korrekte Entscheidung!
Zu filmischen Ehren kam das Grenzterminal ebenfalls. Und das gleich mehrfach. Im Jahre 1997 drehten Harpe Kerkeling, Jeanette Rauch, Wolfgang Völz und Isabell Varell hier die Komödie „ Die Oma ist tot“. Über die Qualität der Komödie kann man sich trefflich streiten. Sehenswert sind auf jeden Fall die Szenen, welche die Grenzkontrollen am Übergang zeigen.
Schon aus historischen Gesichtspunkten.
Zollfahnder Zalukowski alias Uwe Friedrichson, ermittelte Ende 1993, gegen die „ Mafia Polska“ am Grenzübergang Autobahn. Zumindest diente das Areal, inklusive des immensen LKW-Staus, als Kulisse für einige Einstellungen.
Jetzt noch ein paar Worte zum Eingangs erwähnten „ Deutsch-polnischen Polizei & Zollzentrum“. Ganz ehrlich, wer hätte sich denn noch vor ein paar Jahren, solch eine Dienststelle vorstellen können? In der Deutsche und Polen einträchtig zusammenarbeiten. Und, man soll es kaum glauben: sogar Ost und Westdeutsche. Denn unter den Angehörigen der Bundespolizei gibt es so manchen, der schon als Bundesgrenzschützer auf der Westseite des „ Eisernen Vorhangs“ auf Wacht stand. Diese Leute arbeiten heute in kollegialer Runde, mit ehemaligen Grenztruppenangehörigen, Volkspolizisten und was weiß ich nicht alles, zusammen. Ihr werdet es nicht glauben, aber diese Vergangenheit spielt im täglichen Dienst überhaupt keine Rolle! Ist allenthalben einen flapsigen Scherz wert. Es funktioniert also zwischen Polen und Deutschen. Sowie Deutschen und Deutschen. Was ja leider (noch) nicht überall selbstverständlich ist.
Die Abschaffung der Grenzkontrollen, am 21. Dezember 2007, erlebte ich unmittelbar im
„ Deutsch-polnischen Zentrum“. Das an diesem Tage offiziell eingeweiht wurde. Wenige Tage zuvor hatte man mich zu dieser in jeder Hinsicht neuen Dienststelle vom Polizeipräsidium Frankfurt (Oder) abgeordnet. Wir leisteten dort sozusagen Pionierarbeit. Zugute kam uns, dass sowohl die Bundespolizei als auch die Landespolizei, in Frankfurt (Oder) bereits ähnlich gelagerte „ Kontaktdienststellen“ unterhielten. So dass wir nicht ganz von Null anfangen mussten.
Wie gesagt, am 21. Dezember um 17:00 Uhr, sollte der Startschuss für das „ Deutsch-polnische Polizei & Zollzentrum“ fallen. Ich hatte Spätschicht. Von 13:00 Uhr-21:00 Uhr. Und damit die so genannte „ Arschkarte“ gezogen. Obwohl man als Geschichtsfreak natürlich gerne historische Momente live erlebt. Wenn nur der ganze Trubel nicht wäre! Bereits zwei Stunden vor dem Beginn der Veranstaltung, füllte sich der Lageraum mit allen möglichen Reportern. Presse, Funk und Fernsehen. Aus Deutschland und Polen. Sobald mein Telefon, oder dass eines Kollegen, klingelte, richten sich sofort Mikrofone und Kameras auf den Bedauernswerten. Meistens traf es mich. Wo ich doch so schüchtern bin!
Um 16:30 Uhr trafen die absoluten Ehrengäste ein. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, dessen Amtsbruder aus Warschau sowie die Innenminister von Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Vorher erhielt ich noch ein paar Instruktionen, wie ich dem Herrn Schäuble entgegenzutreten habe. Falls er mich über meinen Aufgabenbereich befragt. Mir rann der Schweiß in Bächen, bei dieser Aussicht. Bitte nicht, flehte ich im Stillen.
Angestrengt starrte ich auf den Monitor meines Computers. Plötzlich schurrte irgend etwas hinter mir. Unwillkürlich schaute ich mich um. Und sah, sekundenlang, in die Augen von Wolfgang Schäuble. Der gerade von einem seiner Leibwächter durch den Raum geschoben wurde. Man, oh man! Mir rutschte vielleicht das Herz in die Hosentasche. Mehr als ein devotes Kopfnicken gelang mir da nicht. Was soll ich sagen? Wolfgang Schäuble nickte zurück. Ganz so, als ob sich zwei flüchtige Bekannte im ALDI treffen. Dann hatte ihn sein Leibwächter schon aus meinem Gesichtsfeld befördert. Ohne das der Herr Schäuble irgendwelche Fragen stellen konnte. Danke, lieber Leibwächter!
Erleichtert drehte ich mich zur Seite. Aber nur um erneut in prominente Augen zu schauen. Ich fiel sozusagen von einem Schock in den anderen. Diesmal gehörten die Augen Jörg Schönbohm, dem Innenminister von Brandenburg. Meinem obersten Dienstherrn. Dem Mann sah man den ehemaligen General noch immer an. Bei soviel militärischer Aura reisst es einem automatisch aus dem Sessel. Um hackenschlagend zu salutieren. Ganz soweit kam es jedoch nicht. Ein kurzer Händedruck tat es auch.
Endlich nahm die Veranstaltung ihren Lauf. Ganz nebenbei, bat mich das RBB um ein kurzes Statement. Mir blieb an diesem Abend aber auch nichts erspart! Als ich mich am selben Abend im Fernsehen sah, wäre ich vor lauter Scham am liebsten unter den heimischen Couchtisch geflüchtet. Zu allem Überfluss wurde ich in den kommenden Tagen von jedem der mich begegnete mit den Worten: „ Äh, du. Ick hab dir jestern im Fernsehen jesehen“, begrüßt. „ Medienstars“ haben es eben auch nicht leicht.

Swiecko 21.12.07 a

Die Zukunft sollte zeigen, dass die Realität mit einigen politischen Visionen, wohl doch nicht so ganz „ kompatibel“ ist. Den leidigen Autoklau habe ich ja schon oben erwähnt. Offene Grenzen finden halt auch Kriminelle chick. Hätte man das aber nicht voraussehen können?
Wie gesagt, Politiker drehen sich die Welt gerne, wie sie sein sollte. Aber leider nicht ist.
Das war auch schon in der „seligen“ DDR nicht anders. Wie nannte man da diese Grenze noch einmal? Genau, „ Oder-Neiße-Friedensgrenze“. An der sich alle Menschen ganz doll lieb haben. Als Erich Honecker im September 1987 die Bundesrepublik besuchte und auf die „ innerdeutsche Grenze“ angesprochen wurde, antwortete er: „ Wer weiß, vielleicht wird der Tag kommen, an dem uns diese Grenze nicht mehr trennen wird. So wie heute schon die Grenze zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen, die Menschen nicht mehr trennt. Sondern eint!“
Heute hatte während seiner Regierungszeit eine Menge Mist gelabert. Dieser Satz, bezüglich der Situation an der polnischen Grenze, gehört unzweifelhaft dazu.
Wie aber sah es wirklich aus, an der „ Oder-Neiße-Friedensgrenze“?

Das und einiges mehr, erfahrt ihr demnächst in diesem Forum.

Gruß an alle
Uwe


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#8

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 21.05.2013 17:45
von icke46 | 2.593 Beiträge

Zitat von Kurt im Beitrag #6

Aber die Grenze hatte natürlich einen anderen Charakter.
Dort dienten auch ehemalige Fremdenlegionäre, die vorher noch in Indochina gekämpft haben.


War das tatsächlich so? Irgendwie kann ich das politisch nicht so recht nachvollziehen, dass Fremdenlegionäre,
die für Frankreich gegen den Vietkong (bzw. damals noch Vietminh) gekämpft haben, plötzlich gewissermassen
zu Verteidigern des Sozialismus mutieren.

Immerhin wurde ja der Vietminh durch die Solidaritätsbewegung der DDR unterstützt.

Gruss

icke



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#9

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 21.05.2013 20:04
von Eisenacher | 2.069 Beiträge



Ich habe so den Eindruck das der Frust bei den Einwohnern auf deutscher Grenzseite recht tief sitzt. Was ich da so alles für Infos gesehen habe, was den Menschen auf deutscher Seite das Schengen-Abkommen gekostet hat. Der Automarkt in Poznan ist voll mit den Ersatzteilen deutscher geklauter Autos, die in Polen jeden Tag ausgeschlachtet werden. Da gehen schon die polnischen Großhändler von Ersatzteilen pleite, weil man Originalteile in Poznan für einen Appel und ein Ei bekommt. Die polnische Polizeiarbeit bei Autodiebstahl besteht darin, das ein Protokoll aufgenommen wird. Das war es auch. In Brandenburg werden ständig von der Politik die Polizisten reduziert, trotz steigender Kriminalität. Da soll es schon Bürgerwehren geben, hört man so.
Vielleicht kannst Du da mal als "Eingeweihter" etwas sagen.


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#10

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 22.05.2013 07:24
von ABV | 4.202 Beiträge

Hallo!
Das der Frust unter der Bevölkerung wegen des Autoklaus groß ist, kann ich bestätigen. Ruft doch einfach mal den Onlineauftritt der Märkischen Oderzeitung: http://www.moz.de auf und sucht euch die entsprechenden Artikel zum Thema " polnische Grenze" heraus. Die entsprechenden Kommentare sprechen Bände. In einigen Fällen muss man befürchten, dass nicht eines Tages jemand gelyncht wird! In Kremmen ( bei Oranienburg) gab es ja unlängst einen solchen Fall. Wo polnische Erntehelfer geschlagen und gefesselt wurden. Weil irgend jemand der Meinung war, dass die Erntehelfer in ein Wohnhaus eingebrochen haben. Allerdings stellte sich bald heraus, dass die Erntehelfer unschuldig sind. Die übereifrige " Bürgerwehr" wird wohl erhebliche Konsequenzen hinnehmen müssen.
Das sich die Arbeit der polnischen Polizei aufs Protokolle schreiben beschränkt, stimmt so nicht. Es einige sehr erfolgreiche Aktivitäten gegen Autoschieberbanden. Demgegenüber stehen jedoch weitere Aktivitäten dieser und anderer Banden. Manchmal ist es so wie im Märchen. Man schlägt dem Drachen einen Kopf ab und zwei wachsen nach. Der Automarkt ist sehr lukrativ. Und der Bedarf, vor allem im weiten Osten, ist schier unersättlich.
Ein weiteres Problem besteht darin, dass diese Banden sehr gut organisiert sind. An die Hintermänner, die irgendwo in einer teuren Villa sitzen und die " Einsätze" koordinieren, kommen Polizei und Justiz nur sehr schwer heran. Erwischt werden meistens die kleinen Kuriere. Meist irgendwo angeworbene Arbeitslose, die für ein paar Pimperlinge die geklauten Karren über die Grenze bringen. Austauschbare Randfiguren eben. Für die jederzeit Ersatz bereit steht.
Aber mal ehrlich, glaubt wirklich jemand, dass eine Wiedereinführung von stationären Grenzkontrollen sinnvoll ist?

Gruß an alle hier im Forum
Uwe


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#11

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 22.05.2013 08:35
von Kurt | 933 Beiträge

War das tatsächlich so? Irgendwie kann ich das politisch nicht so recht nachvollziehen, dass Fremdenlegionäre,
die für Frankreich gegen den Vietkong (bzw. damals noch Vietminh) gekämpft haben, plötzlich gewissermassen
zu Verteidigern des Sozialismus mutieren.

Immerhin wurde ja der Vietminh durch die Solidaritätsbewegung der DDR unterstützt.

Gruss

icke


[/quote]

Ja, Icke, das war wirklich so. Es gab im Fernsehen eine Dokumentation (Deutsche im Indochinakrieg), die Du Dir in 4 Teilen auf youtube ansehen kannst.
Ein Beispiel: Dort wird von einem sogar der Paß gezeigt. Helmut Standera. Er war Sportoffizier in der Kienitzer Grenzkompanie, als mein Vater dort diente.
In der Dokumentation kommen Fremdenlegionäre zu Wort, die sich später in der DDR bzw. in der BRD niedergelassen haben.
Die Antwort ist einfach.
Tausende Deutsche hatten die Nase voll und begingen Fahnenflucht oder wurden gefangengenommen. Einige blieben in Vietnam, aber die meisten kamen mit dem Zug über China und die Sowjetunion in die DDR....mit Unterstützung des Vorsitzenden der FDJ, Erich Honecker.
Nach Durchgang des Quarantänelagers Bischofswerda konnten sie sich überall in der DDR niederlassen.
Manche haben versucht in den Westen Deutschlands zu gehen. Diese wurden jedoch umgehend von den Polizeibehörden in Westberlin und der BRD verhaftet und an Frankreich ausgeliefert, wo sie vor Militärgerichte gestellt wurden.


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#12

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 22.05.2013 08:44
von seaman | 3.487 Beiträge

Bis ca. Anfang 1955 fanden 1000 bis 3000 Fremdenlegionäre in der DDR eine neue Heimat.
Habe später persönlich auch welche kennengelernt.

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#13

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 22.05.2013 09:56
von DoreHolm | 7.688 Beiträge

Den Grenzübergang Frankfurt/O habe ich seit Anfang der 90er jährlich mindestens 6 - 8 mal passiert, wenn ich meine polnischen Kunden bei Gorzow Wlkp. besuchte oder weiter nach Poznan zur Messe fuhr. Von daher ist mir die Entwicklung der Grenzabfertigung etwas geläufig. Mit meinen Kleberkannen, gekennzeichet als Gefahrgut (feuergefährlich) hatte ich, von einer Frage nach dem Verbleib derselben (Mustergebinde) nie Probleme gehabt. Von D kommend, erst mal ein paar Zloty getauscht, meist etwas mehr als ich etwa brauchen würde. Dann weiter. Die Damen vor Slubice freundlich anlächelnd und dann, je nach Tageszeit, im Hotel Korun oder Baranowski in Slubice übernachtet. Rückwärts noch kurz den Polenmarkt besucht und manchmal den Stadtübergang F/O genommen. Als große Erleichterung empfand ich es, als die Kontrollen wegfielen und keine Wartezeit mit Stop und go meinen Terminplan durcheinanderbrachten.



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#14

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 22.05.2013 11:17
von EK82I | 869 Beiträge

Als direkter Anwohner an der A12 gab es besonders schlimme Zeiten,die Staus damals bis zum Dreieck Spreeau. Wecken der Truckerfahrer mit Polizeisirenen.Damals wie leider auch heute noch, diverse Auffahrunfälle mit etlichen Toten.Der Ausbau der A12,so richtig voran,sicherheitsmässig und lärmschutzmässig hat man das bis heute immer noch nicht richtig gepackt.
Was klappt,die überaschenden mobilen Zollkontrollen,wenn man damit gar nicht mehr rechnet.


zuletzt bearbeitet 22.05.2013 11:18 | nach oben springen

#15

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 22.05.2013 17:14
von ABV | 4.202 Beiträge

@Kurt: Hat dein Vater zufällig etwas über den Tagesablauf in der Grenzkompanie Kienitz erzählt? Gab es dort besondere Vorkommnisse an der Grenze?
Ich kenne das Gebäude der ehemaligen GK Kienitz nur in seiner späteren Verwendung. Als Schulhort. Von 1972-1974 bin ich in Kienitz zur Schule gegangen.

P.S. das angefügte Foto zeigt das Gebäude der GK Kienitz, im heutigen Zustand

Viele Grüße aus dem Oderland
Uwe


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zuletzt bearbeitet 22.05.2013 17:15 | nach oben springen

#16

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 22.05.2013 17:18
von ABV | 4.202 Beiträge

Kienitz 008 (FILEminimizer)


Hier ist die frühere Grenzkompanie Kienitz.


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#17

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 22.05.2013 17:34
von Kurt | 933 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #15
@Kurt: Hat dein Vater zufällig etwas über den Tagesablauf in der Grenzkompanie Kienitz erzählt? Gab es dort besondere Vorkommnisse an der Grenze?
Ich kenne das Gebäude der ehemaligen GK Kienitz nur in seiner späteren Verwendung. Als Schulhort. Von 1972-1974 bin ich in Kienitz zur Schule gegangen.

P.S. das angefügte Foto zeigt das Gebäude der GK Kienitz, im heutigen Zustand

Viele Grüße aus dem Oderland
Uwe


Hallo Uwe,

ja, es gab Vorkommnisse, die hauptsächlich den Schmuggel betrafen. Die Versuche illegaler Grenzübertritte erfolgten meistens von Polen in die DDR.
Allerdings wollten einige Polen auch weiter....in den Westen. Von freundschaftlicher Zusammenarbeit, mit den Grenzern auf der polnischen Seite, war in den 50er Jahren noch keine Rede.

Viele Grüße, Kurt


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#18

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 22.05.2013 17:36
von Kurt | 933 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #16
[widget=24572]

Hier ist die frühere Grenzkompanie Kienitz.


Das letzte Mal war ich in den 70er Jahren dort. Habe noch schwarz-weiß Fotos von mir auf einem T34-Denkmal gefunden. Wer weiß, ob der Panzer heute noch da steht.


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#19

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 22.05.2013 18:09
von ABV | 4.202 Beiträge

Der Panzer steht noch Kurt. Dafür haben sich die Kienitzer mit großer Mehrheit nach der Wende ausgesprochen. Er gehört nun mal zu ihrer Geschichte. Ich werde später noch genauer über Kienitz berichten. Und auch über den Panzer.

Gruß Uwe


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#20

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 22.05.2013 19:03
von Lutze | 8.033 Beiträge

Zitat von EK82I im Beitrag #14
Als direkter Anwohner an der A12 gab es besonders schlimme Zeiten,die Staus damals bis zum Dreieck Spreeau. Wecken der Truckerfahrer mit Polizeisirenen.Damals wie leider auch heute noch, diverse Auffahrunfälle mit etlichen Toten.Der Ausbau der A12,so richtig voran,sicherheitsmässig und lärmschutzmässig hat man das bis heute immer noch nicht richtig gepackt.
Was klappt,die überaschenden mobilen Zollkontrollen,wenn man damit gar nicht mehr rechnet.

gab es nicht auch Teilabschnitte mit Kopfsteinpflaster der A12?
Lutze


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