#181

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 12.07.2016 19:50
von ABV | 4.202 Beiträge



Dieses Fundstück aus dem Kreisarchiv Märkisch-Oderland, es entstammt aus dem Jahr 1952, möchte ich euch auf keinen Fall vorenthalten. Der darin beschriebene Vorfall hat sich auf keinen Fall so vom Autor beschrieben abgespielt. Vielmehr spiegelt es wohl mehr sein Wunschdenken wieder.
1952 herrschte an der " Friedensgrenze" noch absolute " Eiszeit". Auf dem polnischen Ufer der Oder prägten Wachtürme, Scheinwerfer und bewaffnete Posten das Bild. Wie mir ein früherer KVP-Angehöriger der von 1949 bis 1950 in Küstrin-Kietz Dienst tat, berichtete, wurden die deutschen Wachposten noch 1949, also vier Jahre nach Kriegsende, von polnischen Soldaten beschossen. Der sowjetische Verbindungsoffizier musste mehr als nur einmal intervenieren. Von Freundschaft konnte jedenfalls zu diesem Zeitpunkt noch keine Rede gewesen sein.
Bei dem Verfasser des Beitrags, Otto Scholz, soll es sich um einen berenteten früheren Postangestellten gehandelt haben, welcher nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zum Kommunismus " konvertierte". Ottos längst vergessene Beiträge sorgten des Öfteren für einige Lacher.

Gruß an alle
Uwe


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#182

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 14.07.2016 19:04
von schnappi | 41 Beiträge

Ich bin früher des öfteren von Löbau über Görlitz nach Berlin mit der Bahn gefahren. Zwischstopp war immer Görlitz Hauptbahnhof.
Dort wurden auf einem Nebengleis die Züge nach Polen abgefertigt und man konnte sehr schön beobachten, was da abging. Ich glaube es gab da keine Unterschiede zur Innerdeutschen Grenze: In jeden Wagon stiegen bewaffnete Kontrolleure zu, während draußen jede Wagontür von einem Posten bewacht wurde, mit Schäferhunden wurde unterm Zug gesucht, Verkleidungen im Zug abgeschraubt von Leuten in schwarzen Overalls usw.


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#183

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 14.07.2016 19:39
von Gert | 12.354 Beiträge

nach meiner Grundausbildung bei der 6.GBK in Greifswald kam ich an die polnische Grenze, auf die Insel Usedom, das war im August 1963. Unsere Grenzkompanie war in Ahlbeck, einem sehr schönen Ort mit sehr schönem Ostseestrand. Wir gingen Streife von Ahlbeck über Korswandt nach Kamminke am Oderhaff. Die Polen hatten ihre Grenze richtig ausgebaut wie unsere Westgrenze , mit Drahtzaun, Infrarotsignalanlage, geeggten Streifen zur Spurensicherung und natürlich bewaffnete Posten. Auf unserer Seite war gar nichts Grenztechnisches gebaut, nur wir als bewaffnete Streife liefen dort herum. Was wir dort für eine Aufgabe hatten, habe ich vergessen. Deutsche die illegal über die grüne Grenze nach Polen wollten gab es nicht. Von Friedens - oder Freundschaftsgrenze keine Spur. Direkt hinter der Grenze war die Stadtgrenze der ehemaligen deutschen Hafenstadt Swinemünde. An der Grenze war hin und wieder auf polnischer Seite Unruhe zu bemerken, aber wir konnten selten den Grund erkennen. Wir selbst haben manchmal Schabernack gemacht und Stöckchen durch die Infrarotsignalanlagen geworfen. Dann begann das Alarmkonzert mit Hupen und Lichtsignalen.Wenn die Polen merkten, dass wir der Verursacher waren, drohten sie auch schon mal mit ihren Waffen. Dann habe wir uns schnell in den Wald verdrückt.


.
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Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#184

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 14.07.2016 19:50
von Sperrbrecher | 1.657 Beiträge

In den sechziger Jahren bin ich sehr oft aus der DDR nach Polen gereist, teilweise mit dem Zug und auch
per Motorrad. Die Kontrollen durch de DDR-Zöllner waren sehr gründlich und unterschieden sich nicht von
denen an der Grenze zur Bundesrepublik, die ich dann in den siebziger Jahren als BRD-Bürger kennenlernen durfte..

Man war immer froh wenn die polnischen Zollbeamten kamen, die sahen das alles wesentlich lockerer
und ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich bei denen einmal ein Gepäckstück öffnen musste, was
bei den DDR-Bediensteten mit konstanter Regelmäßigkeit der Fall war, sowohl bei der Aus-, als auch bei
der Einreise.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


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zuletzt bearbeitet 14.07.2016 19:51 | nach oben springen

#185

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 22.07.2016 17:28
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #183
nach meiner Grundausbildung bei der 6.GBK in Greifswald kam ich an die polnische Grenze, auf die Insel Usedom, das war im August 1963. Unsere Grenzkompanie war in Ahlbeck, einem sehr schönen Ort mit sehr schönem Ostseestrand. Wir gingen Streife von Ahlbeck über Korswandt nach Kamminke am Oderhaff. Die Polen hatten ihre Grenze richtig ausgebaut wie unsere Westgrenze , mit Drahtzaun, Infrarotsignalanlage, geeggten Streifen zur Spurensicherung und natürlich bewaffnete Posten. Auf unserer Seite war gar nichts Grenztechnisches gebaut, nur wir als bewaffnete Streife liefen dort herum. Was wir dort für eine Aufgabe hatten, habe ich vergessen. Deutsche die illegal über die grüne Grenze nach Polen wollten gab es nicht. Von Friedens - oder Freundschaftsgrenze keine Spur. Direkt hinter der Grenze war die Stadtgrenze der ehemaligen deutschen Hafenstadt Swinemünde. An der Grenze war hin und wieder auf polnischer Seite Unruhe zu bemerken, aber wir konnten selten den Grund erkennen. Wir selbst haben manchmal Schabernack gemacht und Stöckchen durch die Infrarotsignalanlagen geworfen. Dann begann das Alarmkonzert mit Hupen und Lichtsignalen.Wenn die Polen merkten, dass wir der Verursacher waren, drohten sie auch schon mal mit ihren Waffen. Dann habe wir uns schnell in den Wald verdrückt.



Sperranlagen hat es an der Grenze zwischen der DDR und der VR Polen, wohl bis in die sechziger Jahre hinein gegeben. Allerdings nur auf polnischer Seite. Bis auf einzelne B-Türme wurden die Grenzanlagen jedoch entfernt. Ich habe sie jedenfalls nie mit eigenen Augen gesehen.
Bewaffnete Postenpaare hat es an dieser Grenze, wiederum ausschließlich auf polnischer Seite, aber bis zum Ende der DDR gegeben. Der polnische Grenzschutz setzte zur Sicherung der Staatsgrenze zur DDR auch Wehrpflichtige ein. Während auf DDR-Seite, wie bereits mehrfach erwähnt, ausschließlich Berufssoldaten und auch nur in geringer Zahl, zum Einsatz kamen. Das trifft jedenfalls auf die Zeit nach 1961 zu.
An bestimmten Grenzabschnitten, vor allem dort wo eine Landgrenze bestand, könnte das möglicherweise anders gewesen sein. An Oder und Neiße gab es nur wenige GT-Angehörige.

Gruß an alle
Uwe


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#186

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 22.07.2016 19:21
von schnappi | 41 Beiträge

Aber war es nicht so, dass die DDR die Grenze nach Polen doch ganz schön abgeriegelt hat (zumindest verdeckt), nachdem Solidarność, die polnische Gewerkschaft, in den 1980ern stark wurde und ein gewisser Wind des Widerstands durchs Land fegte? Das wollte man in der DDR natürlich gar nicht haben. Zudem konnten die Polen ja - das nötige Kleingeld vorausgesetzt, seit 1984 problemlos in den Westen reisen. Das weckte natürlich auf DDR-Seite Begehrlichkeiten...


zuletzt bearbeitet 22.07.2016 19:24 | nach oben springen

#187

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 23.07.2016 18:21
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von schnappi im Beitrag #186
Aber war es nicht so, dass die DDR die Grenze nach Polen doch ganz schön abgeriegelt hat (zumindest verdeckt), nachdem Solidarność, die polnische Gewerkschaft, in den 1980ern stark wurde und ein gewisser Wind des Widerstands durchs Land fegte? Das wollte man in der DDR natürlich gar nicht haben. Zudem konnten die Polen ja - das nötige Kleingeld vorausgesetzt, seit 1984 problemlos in den Westen reisen. Das weckte natürlich auf DDR-Seite Begehrlichkeiten...


Also, ich bin ja nun in unmittelbarer Nähe der Oder, und somit zur Staatsgrenze zwischen der DDR und der VR Polen aufgewachsen. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals, auch zwischen 1980 und 1989, mehr GT-Angehörige als den zuständigen " Grenz-ABV", " Dammbulle" oder wie die Grenzabschnittsposten der Grenztruppen im Volksmund genannt wurden, an der Oder gesehen zu haben. Die einzige Ausnahme bildete die Zeit von September 1989 bis zum November 1989, wo ganze Kompanien von der damaligen Westgrenze an die " Friedensgrenze" verlegt wurden.
Von einer starken sichtbaren Präsenz der Grenztruppen habe ich auch nach 1980 nichts bemerkt. Und auch nichts von Sperranlagen.

Was die " verdeckten Maßnahmen" angeht, werde ich, hoffentlich, in einigen Monaten auskunftsfähiger sein. Gegeben hat sie es auf jeden Fall. Wobei sich diese Maßnahmen, zumindest in meinem Wohnort, weniger gegen " illegale Grenzgänger" als gegen " potentielle Spione" gerichtet hatten. Ob die Grenze wegen der Solidarnoc-Krise verstärkt verdeckt observiert wurde, weil man staatlicherseits ein Einsickern der " Konterrevolution" befürchtete, bedarf noch der Aufklärung.

Ich halte das aber durchaus für möglich. Dabei könnten durchaus auch die " Freiwilligen Helfer der Grenztruppen" eine wichtige Rolle gespielt haben. Als weitere Abwehrmaßnahme dürften verstärkte Zollkontrollen bei der Einreise aus Polen in die DDR gedient haben.
Meiner Meinung nach konnte sich die DDR außenpolitisch überhaupt nicht leisten, an einer offiziell als " Freundschaftsgrenze" geltenden staatlichen Trennlinie, ein auch nur annähernd ähnliches Grenzregime wie zum Beispiel an der " Berliner Mauer", aufzuziehen. Das wäre wohl die endgültige politische Bankrotterklärung gewesen. Zumal die faktische Grenzschließung im Herbst 1980, bereits genug Ansehen gekostet hatte.

Gruß an alle
Uwe


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schnappi und Lutze haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 23.07.2016 18:22 | nach oben springen

#188

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 23.07.2016 18:38
von Sperrbrecher | 1.657 Beiträge

Zitat von schnappi im Beitrag #186
Zudem konnten die Polen ja - das nötige Kleingeld vorausgesetzt, seit 1984 problemlos in den Westen reisen. Das weckte natürlich auf DDR-Seite Begehrlichkeiten...

Das konnten die auch schon früher. Bereits in den 70er Jahren habe ich häufiger Besucher aus Polen empfangen, nicht nur Rentner.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


zuletzt bearbeitet 23.07.2016 18:38 | nach oben springen



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