#81

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 09.05.2014 17:47
von ABV | 4.202 Beiträge

Was soll ich machen Pit? Bin halt ein sehr mitteilsamer Zeitgenosse

Gruß Uwe


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#82

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 16.05.2014 15:38
von ABV | 4.202 Beiträge

Zwischen Zollbrücke und Neurüdnitz-oder der Tag an dem Inge Meysel ins Oderbruch kam


Oderdamm bei Zollbrücke, im Jahre 2006

1980 begann sich die Welt zu ändern. Im polnischen Gdansk streikten die Arbeiter auf der Leninwerft, gründeten eine unabhämgige Gewerkschaft und läuteten den Anfang vom Ende des sozialistischen Weltsystems ein. Daran glaubte 1980 allerdings noch keiner! Die politischen Änderungen benötigten beinahe noch ein ganzes Jahrzehnt. Weniger langsam sollte sich in diesem Jahr mein ganz persönliches Leben verändern. Zunächst endete im Sommer die zehnjährige Schulzeit. Wie oft hatte ich dieses Ende herbeigesehnt! Nach acht Wochen Sommerferien, den letzten Sommerferien meines Lebens, sollte am 01. 09. 1980 meine Lehrausbildung in Peitz bei Cottbus, beginnen. Zwei Jahre in denen ich, wenn überhaupt, nur an den Wochenenden Zuhause sein werde. Zwei Jahre in denen ich gezwungen war, mich den Regeln und Zwängen des Internatslebens unterzuordnen. Fernab vom Oderbruch. Die schlappen einhundert Kilometer erschienen mir damals unendlich weit erschienen. Ich ahnte ja nicht, dass das kommende bestenfalls ein müder Vorgeschmack auf weit schwierigere Lebenslagen sein wird. Sozusagen „ Klasse Eins der Schule des Lebens“.
Je näher der Tag des „Abschieds“ nahte, desto öfter und weiter striff ich an den Nachmittagen, allein oder in Begleitung meiner Kumpels, durch die Weiten des Oderbruchs.
An einem kühlen vernieselten Sonnagnachmittag Ende August 1980, brachen wir zu fünft zu einer Mopedexkursion entlang des Oderdamms auf. Geplant war eine Tour von Zelliner Loose bis in die Gegend von Neurüdnitz. Nicht unbedingt der „Burner“, wie man heute sagen würde. Da aber bislang niemand von uns den Oderdamm weiter als bis zum gewählten Startpunkt kannte, könnte man dem Unternehmen dennoch, mit einigem Augenzwingern, als „Expedition“ bezeichnen. Wir fühlten uns jedenfalls wie kleine, in unbekannte Weiten aufgebrochene Entdecker. Immerhin überquerten wir dabei sogar eine Grenze! Wenn auch nur die unmittelbar hinter Zelliner Loose verlaufende Grenze zwischen den den Altkreisen Seelow und Bad Freienwalde. Das die Reiseroute entlang einer echten Staatsgrenze verlief, tangierte uns weniger. Weil diese in unserem Bewusstsein lediglich eine untergeordnete Rolle spielte. Für mich war das die Oder. Der Strom meiner Kindheit. In der man angeln konnte, auf denen Schiffe fuhren und gefährliche Strudel herrschten, die den Schwimmer in die Tiefe rissen. Da aber eh kein normaler Mensch auf die Idee kam in der Oder zu baden, kamen Unfälle dieser Art so gut wie gar nicht vor. Ebenso wie niemand auf die Idee kam, die unsichtbare, in der Mitte des Stroms verlaufende Grenze zur Volksrepublik Polen verbotenerweise zu überqueren. Wo man doch ganz offiziell und trockenen Fußes, jederzeit nach Polen einreisen konnte. Ganz ohne Visum und anderen Schnickschnack. Vorher sollte ich auch wissen, dass die Reisefreiheit an der Oder bald ein abruptes Ende hat?
Unsere sich aus Mopeds der Marken „ S51“ und „Schwalbe“ zusammengesetzte Karawane fuhr zunächst an Güstebieser Loose vorbei. Das dortige Odervorland gehörte zu jener Zeit zu einem Wasserübungsplatz der „Nationalen Volksarmee“. Mehrsprachige Schilder, deren Sinn ich damals noch nicht deuten konnte, wiesen daraufhin, dass sich dort eine „ Military Area“ befand. Von durchs Land fahrenden Angehörigen der Militärverbindungsmissionen sollte ich erst Jahre später Kenntnis erlangen. Wir verzichten dennoch darauf, an dieser Stelle vom Deich abzubiegen. Leichter Nieselregen kam auf. Schwere bleigraue Wolken zogen tiefhängend von Westen her übers Land. Jeder andere wäre wohl längst umgekehrt. Zumal die Abenddämmerung, witterungsbedingt, relativ früh hereinzubrechen schien. Echten Oderbruchbengels konnte das Wetter jedoch nichts anhaben! Fühlten wir uns doch wie Captain Cooke auf großer Fahrt. Linkerhand dehnte sich flach und eben, das von Gräben durchzogene Oderbruch aus. Hin und wieder hoben sich im Dunst des zu Ende gehenden, Assoziationen an den Spätherbst erweckenden Augusttages, die Konturen von Bauernhöfen aus dem feuchten Dunst ab. Dazwischen lugten Reihen von Weidenbäumen hervor. Genauso kannte ich das Oderbruch. Aber wollten wir nicht etwas neues, bislang unbekanntes entdecken?
Unsere nächste Station hieß Zollbrücke. Ein kleines Dorf mit uralten Fachwerkhäusern. Von denen sich einige an den Oderdamm schmiegten. Was uns jedoch irritierte: es gab hier weder eine Brücke, noch Zöllner! Die einzige Besonderheit stellte eine Deichscharte dar, die bei Hochwassergefahr geschlossen werden kann. Das heißt, so besonders ist das nun auch wieder nicht. Ein ähnliches Bauwerk gibt es bei Kienitz ebenfalls. Ja, aber wo ist nun die verdammte Brücke? Die Antwort lautet schlicht und ergreifend: Ihr Dödels seid zu spät gekommen! Ganze einhundertfünfzig Jahre. So lange gibt es die Brücke, über der die Bauern zu ihren jenseits der Oder gelegenen Feldern gelangten, nicht mehr.
Nachdem besagte Brücke zweimal im Winter von dichten Eisschollen zerstört worden war, hatten die Verantwortlichen einfach die Schnauze voll. An dieser Stelle sollte es keine Brücke mehr geben. Basta! Wer über die Oder wollte, musste gefälligst auf die Güstebieser Wagenfähre zurückgreifen. Zurück blieb ein etwas irreführender Name, für die erst kurz zuvor gegründete Ansiedlung. Wer bei den Namen Zollbrücke an filzende Douaniers denkt, befindet sich auf dem Holzweg. Den Namen verdankt die Brücke lediglich dem in jenen Jahren üblichen Fakt, dass man vor der Brückennutzung einen Obolus, den so genannten Brückenzoll, zu entrichten hatte. Aha, wieder etwas gelernt! Das ganze erfuhr ich aber erst sehr viel später. An diesem Nachmittag fand sich niemand, der uns die Geschichte von Zolbrücke erklärt hätte. Einsam und verlassen glänzte der löchrige Asphalt der Dammstraße im Regen. Zwei Männer stampften an uns vorbei. Direkt auf die kleine Gaststätte zu. Wieder einmal lohnt sich ein Ausblick in die Zukunft. Sechzehn Jahre später, im Jahre 1996, sollte dieses auf dem ersten Blick so unscheinbare Zollbrücke zu filmischen Ehren gelangen. Deutsche Schauspielerkoryphäen wie die unvergessene „Mutter der Nation“, nein nicht Angela Merkel, die kam erst später, sondern Inge Meysel, sowie Rolf Hoppe, Uwe Kockisch, Dominique Horwitz und Horst Krause, waren zu Dreharbeiten nach Zollbrücke gekommen. Gedreht wurde ein „Polizeiruf 110“. Unter dem vielsagend nichts sagend klingenden Titel „Kurzer Traum“, ging es um nachts heimlich über die Oder kommende rumänische Flüchtlinge. Eingebettet war die durchaus spannende Handlung, in einem letztendlich tödlich endenden, von der Aussicht auf schnellen Reichtum ausgelöstem Familiendrama. Loissin nannte sich Zollbrücke in dem ansonsten sehr authentischem Krimi. Das Dammhaus wurde zur Dienstwohnung des Revierpolizisten Horst Krause. In dem Haus direkt am Zugang zum Deich wachte Inge Meysel über das Wohl ihres gutmütigen, geistig etwas zurückgebliebenen Enkels Dominik Horwitz. Der im Film Armin hieß. Und auch so aussah. Während Uwe Kockisch, zumeist auf schwierigere Charaktere festgelegt, dessen ungleichen Bruder gab. Ein rauhbeiniges, sich permanent mit polnischen Prostituierten vergnügendes Ekel. Dessen ständige Eskapaden die eigene Ehefrau in den Alkoholismus trieb. Und nicht nur das: am Ende des Films wird Ekel Kockisch als Mörder eines illegal über die Oder nach Deutschland gekommenen Rumänen ermittelt. Allerdings erst nach dem ihm dessen rachsüchtige Schwester stilecht mit einer Mistforke an die Stalltür genagelt hatte.
Apropos Fiesling: den Schwiegervater von Uwe Kockisch stellte Rolf Hoppe dar. Der brutale Bandit Bashan, aus den DEFA-Indianderfilmen „ Spur des Falken“ und „Weiße Wölfe“ und Gegenspieler meines Jugendidols Gojko Mitic. Hoppe spielte diesmal einen netten, etwas unbedarften, einmal im Leben ein Stück vom großen Kuchen erhaschen wollenden älteren Herrn. Eine Rolle, die viel besser zu dem großen deutschen Schauspieler passte, als die des bruatalen Mörders und Indianerhassers Bashan. Denn Rolf Hoppe soll privat ein ganz lieber Zeitgenosse sein.

das ehemalige Dammmeisterhaus von Zollbrücke. In dem Krimi " Kurzer Traum" diente das Haus dem "Revierpolizisten" Horst Kraus als Dienstwohnung

Rauchend saßen wir auf den aufgebockten Mopeds und schauten auf die träge vorbeifließende Oder hinaus. Genau gesagt, schauten wir in diesem Moment auf den Neuen Oderkanal. Den natürlich kein Schwein so nennt. Oder ist Oder! Egal ob von der Eiszeit erschaffen oder von Menschenhand gebuddelt. Auf der Deichkrone lag ein blechernes Fischerboot. Daneben ein schwerer Anker. Neugierig schaute ich ins Boot hinein. In dem es jedoch nichts zu entdecken gab. Ein riesiger Fisch sprang, auf der Jagd nach Beute, anderen, kleineren Fischen hinterer.
Der Gedanke das die Oder einmal massenhaft von Flüchtlingen aus Südosteuropa überquert werden könnte, war damals ebenso abwegig, wie die Vorstellung das Inge Meysel in Zollbrücke eines Tages einen Film dreht. Die Unvorstellbarkeit dieser Gedanken kann man getrost wörtlich nehmen. Weil sich so etwas im August 1980, „ zu tiefster DDR-Zeit“, tatsächlich niemand vorstellen konnte. Allerdings konnte sich im Jahre 1996 bestimmt auch keiner vorstellen, dass Rumänien einmal in die „ Europäische Union“ aufgenommen werden wird. Nichts ist so beständig, wie die ständigen Veränderungen. An der Oder und anderswo in der Welt.
Weiter ging es in Richtung Norden. Kurz hinter Zollbrücke tauchte wie aus dem Nichts, unmittelbar an der Oder, ein hellbeleuchtetes monströses Etwas aus der Dämmerung auf. Bei der Annäherung entpuppte sich das besagte Etwas als eine gewaltige stählerne Brückenkonstruktion. Versehen mit unzähligen Lampen. Ich konnte mich nicht erinnern, jemals dieser Brücke gehört zu haben. Zumal es diese Brücke offiziell auf keiner Landkarte gab. Zumindest nicht auf den im Handel erhältlichen. Wider Erwarten waren wir nun doch noch auf bislang unbekanntes gestoßen. Neugierig geworden, stiegen wir von den Mopeds ab. Ungeachtet des immer stärker werdenden Regens. Den Zugang zur Brücke versperrte ein eisernes Tor. An dessen oberen Ende prankte verrosteter Stacheldraht. Daneben ein schwarz-rot-goldener Grenzpfahl. An dessen Vorderseite ein metallenes Schild mit dem Wappen der DDR mattglänzend im Regen schimmerte. „ Halt Staatsgrenze-Passieren verboten“, verkündete ein weiteres Schild, unmittelbar am verschlossenen Brückentor. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich das Gefühl, dass die Oder eine richtige Staatsgrenze ist. Denn zu einer richtigen Staatsgrenze gehören nun einmal, nach meiner damaligen Denkweise, verschlossene Tore und Stacheldraht! Jetzt fehlten nur noch scharfe Wachhunde und bewaffnete Grenzsoldaten. Von denen war jedoch weit und breit nichts zu sehen. Weil es sie an der östlichen Staatsgrenze einfach nicht gab. Vielleicht hätte es sie gegeben, wenn die allwissende SED-Führung in Ostberlin geahnt hätte, dass dem Staat DDR von jenseits der „Oder-Neiße-Friedensgrenze“ größere Gefahr drohte, als von der anderen Seite der scharf bewachten Westgrenze. Wie gesagt: vielleicht! Genutzt hätten die Soldaten ohnehin nichts. Gedanken und Ideen können selbst die bestausgebildesten Grenzwächter nicht aufhalten.
Erst jetzt bemerkte ich die Gleise, welche aus westlicher Richtung kommend, weiter auf der Brücke in Richtung Polen verliefen. Obwohl hier doch eigentlich gar kein Zug verkehrte.
An diesem Abend fanden wir des Rätsels Lösung noch nicht. Erst einige Zeit später, zum Beginn der Lehrausbildung als Binnenfischer, erzählte mir ein Lehrlingskollege das die Brücke von der NVA genutzt wird. Oder zumindest der NVA gehört. Denn von einer dauernden Nutzung konnte man nun wirklich nicht sprechen! Angeblich rollte einmal im Jahr ein Militärzug über die Brücke. Zu Testzwecken. Um die Belastbarkeit zu erproben. Warum ausgerechnet an dieser Stelle eine Brücke gebaut worden war, wird wohl das Geheimnis der Strategen im Ministerium für Nationale Verteidigung in Strausberg bleiben. Möglicherweise lag es ja daran, dass sich bis zum Frühjahr 1945, in unmittelbarer Nähe, bereits ein im März 1945 von der Wehrmacht gesprengter Vorgängerbau befand. Dessen Pfeiler noch immer aus dem Wasser ragen. Wie auch immer: die siebenhundert Meter lange Eisenbahnbrücke war nicht nicht allein die längste, sondern zugleich auch die nutzloseste Brücke die je über die Oder geschlagen wurde!
Die Jahre gingen ins Land. Irgendwann in den Neunziger Jahren kehrte ich an die Brücke zurück. Inzwischen gab es weder eine DDR noch eine Nationale Volksarmee. Nur die Eisenbahnbrücke von Neurüdnitz, so heißt das Dorf welches der Brücke am nächsten liegt, hatte die stürmischen Veränderungen der Zeit unverändert überstanden. Anders ausgedrückt: das Bauwerk verrottete weiter ungenutzt vor sich hin. Noch immer versperrten der hässliche Eisengitterzaun und der mittlerweile völlig verrostete Stacheldraht den Zugang. Noch immer stand der selbe Grenzpfahl neben der Brücke. Allerdings ohne dem metallenen DDR-Wappenschild. Dafür hatte man dem Pfahl einen schwarz-rot-goldenen Plastiküberzug, zum Schutz gegen die Witterungsunbilden „spendiert“. Nobel geht die Welt zu Grunde!
Pläne die Brücke umzubauen und für den Grenzverkehr zu nutzen, gab es durchaus. Schon allein um Entlastung für die hoffnungslos überlasteten Übergänge Hohenwutzen und Küstrin-Kietz zu schaffen. Es gab zum Beispiel den Plan, die vor dem Krieg bestehende, über die Brücke verlaufende Bahnlinie von Wriezen nach Zehden, dem heutigen Cedynia, für den Tourismus zu reaktivieren. Kein schlechter Gedanke! Dem lediglich ein „winziger“, jedoch letzendlich nicht unwichtiger Makel anhaftete: dem Ideengeber war anscheinend entgangen, dass die Gleise auf deutscher Seite bereits komplett entfernt worden waren. Auf polnischer Seite sah es übrigens, bis auf ein paar von üppiger Vegetation überwucherter rudimentärer Überbleibsel des einstigen Schienenstrangs, nicht viel anders aus.
Andere Visionäre wünschten sich an der Stelle einen Fahrradweg. Einmal mehr erwies sich der Wunsch als Vater des Gedanken.
Und doch öffnete sich im Jahre 1996, kurzzeitig, das alte eiserne Tor. Fußgänger pilgerten nach Polen hinüber. Allerdings fand die Öffnung nicht wirklich statt. Sondern lediglich für die Dreharbeiten zu dem eingangs bereits erwähnten Polizeiruf-Krimi „ Kurzer Traum“. In einer der ersten Szenen ging Dominique Horwitz, zuvor von zwei übrigens echten, eigens vom Bundesgrenzschutzamt Frankfurt (Oder) abgestellten Polizeibeamten kontrolliert, über die Brücke hinüber zum Polenmarkt nach Osinow Dolny (Niederwutzen). Das in Wirklichkeit ungefähr zehn Kilometer weiter nördlich liegt. Um in einem Bauwagen zum ersten Mal in seinem Leben „sinnliche Freuden zu genießen“. Gegen Bares. Bei einer Prostituierten.
In einer späteren Einstellung sehen wir hier Horst Krause, der einen vertrottelten Ex-Volkspolizisten mimte, die ebenso nassforsche wie unsympathische Katrin Saß alias Kriminalhauptkomissarin Tanja Voigt, sowie, ja wie heißt der denn bloß, als polnischen Grenzschutzoffizier.

Eine Szene voller Klischees:

Die weltoffene Katrin Saß unterhält sich mit einem schneidigen polnischen Grenzschutzoffizier. Der auf Polizeiobermeister Krauses Vorhaltungen, eine „Grenzverletzung“ von Polen nach Deutschland nicht verhindert zu haben, empört kontert:
„ Ja hätten wir denn auf sie schießen sollen?“
Glücklicherweise funktionierte die Kommunikation zwischen polnischen und deutschen Grenzorganen zur Mitte der Neunziger Jahre in Wirklichkeit reibungsloser und weniger konfliktebehaftet, wie im Film dargestellt. Was möglicherweise nicht zuletzt daran lag, dass sich das Einsatzgebiet von Kriminalistinnen vom Schlage einer Tanja Voigt, auf die Mattscheibe beschränkte. Gott sei Dank bin ich solch einer Dame in meiner Arbeit niemals begegnet!

Die verschlossene Eisenbahnbrücke im Jahre 2011

Unmittelbar vor dem Weihnachtsfest 2007 gingen an Oder und Neiße die Schlagbäume hoch. Polen gehörte nun auch zur großen Familie der „ Schengen-Mitgliedsstaaten“. Einem buchstäblich „ Grenzenlosen Raum“. Einige Jahre darauf, im Frühjabr 2011, lies ich mich wieder einmal an der Eisenbahnbrücke blicken. Das herrliche Wetter lud regelrecht zu einem Spaziergang ein. Außerdem plagte mich die Neugier, wie es wohl jetzt, im grenzenlosen Europa, an der Eisenbahnbrücke aussehen würde? Der erste Eindruck wirkte verdammt ernüchternd. Fast könnte man meinen, dass das Schengener Abkommen einen Bogen um Neurüdnitz geschlagen hätte. Verriegelt und verrammelt, wie zum Zeitpunkt meiner ersten Begegnung mit dem imposanten Bauwerk, funkelte die Brücke in der warmen Frühingssonne.
Ein von irgendwelchen Witzbolden angebrachtes Schild verkündete den wahrscheinlichen Eröffnungstermin: den 01. April 2011. Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Zwei junge Frauen sausten auf Rollerskatern vorbei. Möglicherweise hätten sie ja nichts dagegen, die Skatertour ins Nachbarland auszudehnen. Wer weiß?

die siebenhundert Meter lange Brücke über die Oder bei Neurüdnitz

Zwei Jahre späte schien Bewegung in die unendliche Geschichte um die „nutzloseste Brücke“ an der Oder zu kommen: ein Investor beabsichtigte eine Art grenzüberschreitenden Draisinenverkehr einzurichten. Die komplette Gleisanlage war ja auf der Brücke noch vorhanden. Per Draisine über die Oder? Das hört sich im ersten Moment gut an. Bei näherem Nachdenken, nicht zuletzt auf Grund der Erfahrungen mit der Fähre von Güstebiese, kommen dann berechtigte Zweifel. Immer wieder stellt sich die Frage, in wie weit sich das Vorhaben überhaupt lohnt?
Unter einem guten Stern scheint das Projekt offenbar tatsächlich nicht zu stehen: kurz vor der geplanten Eröffnung, im Sommer 2013, stoppte der Naturschutz die Inbetriebnahme. Ein Uhupaar brütete ausgerechnet auf einem Brückenpfeiler! An anderer Stelle hätte man sich ganz sicher über das Vorhandensein der vom Aussterben bedrohten Vögel gefreut. Nicht so in Neurüdnitz. Was selbst ein bekennender Naturfreund wie ich, verstehen kann.
Im Sommer 2014 will der Investor einen neuen Versuch wagen. Werden also bald Draisinen voller Touristen über die Eisenbahnbrücke rumpeln? Wird demnächst das letzte Hindernis an der deutsch-polnischen Grenze fallen? Es bleibt auf jeden Fall spannend, an der Eisenbahnnrücke von Neurüdnitz!

Gruß an alle
Uwe


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zuletzt bearbeitet 16.05.2014 15:59 | nach oben springen

#83

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 20.05.2014 17:05
von ABV | 4.202 Beiträge

]Der Adler von Cedynia-von einer Schlacht die es womöglich nie gegeben hat



Sommer, Sonne, Urlaub! Was liegt näher als ins Ausland zu reisen? Da das Ausland in meinem Fall tatsächlich nahe liegt, gewissermaßen vor der Haustür, entschließe ich mich zu einer Tour durch die polnische Grenzregion. Gemeinsam mit meiner Lebensgefährtin, die zu diesem Zeitpunkt von Polen nicht viel mehr als die Grenzmärkte kannte und daher absoluten Nachholebedarf auswies.
Gesagt, getan! Unsere Route führte uns von Kostrzyn, zunächst in nördliche Richtung. Bis nach Osinow Dolny (Niederwutzen). Und von dort weiter in Richtung Cedynia (Zehden). Wo es ein mittlerweile zum Gasthof umfunktioniertes Kloster geben soll. Klöster sind immer gut. Alt, mysteriös und immer gut für ein Foto. Unterwegs, nur wenige Kilometer hinter Osinow Dolny, stießen wir auf einen riesigen, in Stein gehauenen Adler. Der hoch über einem Berg angriffslustig die Schwingen ausbreitete. Dieses Zwischenziel hatte ich nicht ohne Hintergedanken angesteuert. Wir befanden uns hier gewissermaßen an einem polnischen Nationalheiligtum. Wenigstens wurde es zeitweise von einigen so empfunden. Hier an dieser Stelle, unweit der heutigen deutschen Grenze, soll im Jahre 972, also vor über tausend Jahren, ein Heer unter dem Kommando des polnischen Königs Mieszko I., die Truppen des deutschen Grafen Hodo, vernichtend geschlagen und von der polnischen Erde vertrieben haben.
Frauen interessieren sich bekanntlich nicht für historische Schlachten. Das könnte sich möglicherweise in den kommenden Jahrzehnten ändern, da sich unsere Bundeswehr bekanntlich mehr oder weniger in weiblichen Händen befindet. Daher die „kleine List“ mit dem Kloster.
„Wenn wir schon mal hier sind, dann kann ich ja auch gleich ein paar Fotos schießen“, sagte ich und parkte den Peugeot auf den zu diesem Zweck vorgesehenen, asphaltierten Platz ab.
Schautafeln verkündeten dem unkundigen Wanderer, von der Schlacht von Cedynia. Leider nur in polnischer Sprache. Dafür prangten bunte Bilder frühmittelalterlicher Krieger auf den Schautafeln. Auf einer Wand kämpften aufgemalte Rittersleute miteinander. Gleich dahinter, eine nachgebaute hölzerne Trutzburg, so dass selbst des polnischen Unkundige wenigstens in groben Zügen, rasch verstehen was hier vor über eintausend Jahren „abgegangen ist“.


Da lacht das Herz des Hobbyhistorikers. Überschwenglich forderte ich meine Begleitung auf, mich nach oben, unter die Schwingen des Adlers zu begleiten. Worauf sie mich strafend ansah und den Zeigefinger der rechten Hand sacht gegen die Stirn tippte: „ Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich da hochgehe? Bei der Affenhitze!“ „ Ich habe schon ganz andere Höhe bewältigt“, entgegnete ich ein wenig großspurig. „ Außerdem hat man dort oben bestimmt einen tollen Ausblick über das Odertal“, versuchte ich sie umzustimmen. Jedoch vergeblich. Frauen können unglaublich stur sein. Oder sie sind einfach nur vernünftiger, als wir Männer!

nachgebaute hölzerne "Trutzburg" aus der Zeit der "Slawenkriege"

Wild entschlossen begann ich mit dem Aufstieg. Unbarmherzig brannte die Sonne derweilen auf mich herunter. Schon nach der zehnten Stufe, die sich übrigens als verdammt hoch und kräftezehrend erwiesen, wäre ich am liebsten umgekehrt. Das konnte ich natürlich nicht mit meinem Stolz vereinbaren. Also, weiter! Sturzbäche salzigen Schweißes liefen mir den Rücken herunter. Ein paar Tropfen gerieten mir dabei auch in die Augen. Ich verspürte ein höllisches Brennen. Auf was hatte ich mich da nur wieder eingelassen?
Erschwerend kam noch hinzu, dass mich meine bessere Hälfte nicht eine Sekunde aus den Augen ließ. Wohl in der Absicht, mir jede noch so kleine Pause, hinterher genüsslich vorzuhalten. Hätte ich doch bloß den Mund nicht so voll genommen! Warum in aller Welt hat die Schlacht ausgerechnet an diesem Berg stattgefunden? Etwas weiter westlich, im flachen Oderbruch, wäre so viel Platz zum Keilen gewesen. Ein Platz für den Adler hätte sich bestimmt auch noch gefunden!
Um mich von den Anstrengungen abzulenken, begnn ich über den
über den geschichtlichen Hintergrund der „Schlacht von Cedynia“ im Stillen zu sinnieren. Seit langem streiten sich polnische und deutsche Historiker darüber, ob die besagte Schlacht hier überhaupt stattgefunden hat. Zeitgenössische Chronisten hatten der Nachwelt von einer Schlacht bei Cedini, in der sich die Heerscharen des polnischen Königs Mieszko I. und deutsche Reitersoldaten, angeführt von einem Grafen Hodo, feindlich gegenüberstanden. König Mieszko soll den Deutschen eine vernichtende Niederlage erteilt und diese vom polnischen Boden vertrieben haben. Eben der Stoff aus dem Helden „gewebt“ werden. Der den kleinen Ort unweit der Oder, zu einem polnischen Nationalheiligtum stilisierte. Oder zu einem Beispiel, wie eine unbedeutende Episode durch Weglassen und Übertreibungen zu einem „ bedeutenden historischen Ereignis“ umgedeutet werden kann.
Wer sich auch nur ein wenig in der Historie des Oderlandes auskennt, „stolpert“ unweigerlich über die Jahreszahl der angeblichen Schlacht: 972. Zu diesem Zeitpunkt gehörte die heutige deutsch-polnische Grenzregion weder Deutschen noch Polen. Sondern verschiedenen slawischen Stämmen. Zum Beispiel den Pommern, deren Stammesgebiet bis an das heutige Küstrin heranreichte. Von denen nichts als der Name eines Landstrichs geblieben ist. Ein Schicksal das die Pommern unter anderem mit den Namensgebern der nahen Uckermark, den Ukranen und dem Volk der Leubuzzi, nach dem das „Lebuser Land“ benannt wurde, teilte.
Den Slawen im Oderland widerfuhr beinahe das gleiche, wie vielen Indianderstämmen im Osten und Südosten der USA. Nur eben einige Jahrhunderte früher.
Genau genommen, hatten also weder der polnische König Mieszko, noch der deutsche Graf Hodo irgend etwas an der Oder zu suchen! Polen und Deutsche waren als Erober ins Land gekommen. Die in dieser Zeit nicht etwa gegeneinander, sondern miteinander kämpften. Seite an Seite gegen die aufmüpfigen Slawenstämme. Um ihnen das Land zu rauben und dafür das Christentum aufzuzwingen. Mit Feuer und Schwert, um es mal plastisch auszudrücken.
Warum aber in aller Welt sollten sich dann die erste „Deutsch-Polnische Union“ der Geschichte, dann an dieser Stelle die Köpfe eingehauen haben? Je mehr ich darüber nachdachte, desto weniger glaubte ich noch selbst an die historische Schlacht.
Interessant ist auch das Jahr der Einweihung der Adlerstele: 1972. Eintausend Jahre nach dem, wie auch immer gearteten Ereignis. Irgendwie drängt sich der Verdacht auf, dass das zu jener Zeit noch „kommunistisch“ regierte Polen, den Mythos von Cedynia reaktivierte, um gegenüber der eigenen Bevölkerung den historischen Anspruch auf die bis 1945, immerhin sieben Jahrhundert zu Deutschland gehörenden Territorien zu bekräftigen. Möglicherweise nicht zuletzt deshalb, weil große Teile eben dieser Bevölkerung selbst aus den von der Sowjetunion beanspruchten Gebieten im früheren polnischen Osten, vetrieben worden waren.
Da kommt eine solche Heldensaga immer gut auch an.
Rein historisch betrachtet, ist die Aussage das es sich bei dem Landstrich östlich der Oder, der bis 1945 zu Deutschland gehörte, um früheres polnisches Territorium handelt, völlig korrekt!
Polens Könige herrschten beinahe drei Jahrhundert an der Oder. Mehr noch: ihr Hoheitsgebiet umfasste auch Gebiete westlich der Oder. Bis etwa in die Gegend der heutigen Städte Fürstenwalde und Müncheberg. Den Deutschen gelang erst Anfang des 13. Jahrhunderts ihren Machtbereich bis über die Oder auszudehnen. Nova Marcia, Neumark, wurde das Gebiet nannte. Neumark bedeutet soviel wie „ Neue Grenze“. Im Gegensatz zur früheren Grenze des „ Deutschen Reiches“ markierenden Altmark. Noch im 13. Jahrhundert überzog ein regelrechter Bauboom die Neumark. Zahlreiche Städtegründungen erfolgten. Wie zum Beispiel Landsberg an der Warthe, dass heutige Gorzow Wielkopolski. Oder Bärwalde, jene Stadt die nach 1945 zu Ehren des Königs Mieszko, in Mieskowicze umbenannt wurde. Wobei hier wieder vorsichtig angebracht ist: Bärwalde wurde zum ersten Mal 1298 urkundlich erwähnt! Einige polnische Historiker verweisen darauf, dass Mieszko I. den Ort bereits viel früher, im 10. Jahrhundert, gegründet hat! Wer weiß das schon so genau, da schriftliche Überlieferungen aus dem 10. Jahrhundert in aller Regel nicht vorhanden sind.

das 1961 errichtete Denkmal für Mieszko I., auf dem Marktplatz von Mieszkowice (Bärwalde)

Aber eines ist darf nicht vergessen werden:

Zwischen der Zeit der deutschen Inbesitznahme der Neumark und dem Jahre 1945, lag eine Zeitspanne von über sieben Jahrhunderten!
Ob den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs nicht bewusst war, dass durch eine Verschiebung der Westgrenze Polens bis an die Ufer von Oder und Neiße, spätere Konflikte zwischen Deutschen und Polen geradezu vorprogrammiert waren? Oder gab man sich der Illusion hin, beide Völker dauerhaft von einander isolieren zu können?
Endlich habe ich die letzten Stufen erklommen. Neben mir läuft ein junger Pole. Seinen kleinen Sohn, kaum älter als vier Jahre, auf dem Arm tragend. Der Kraftakt beschämt mich. Mühsam verkneife ich mir das angestrengte Geschnaufe. Lächelnd schaut mich der Junge aus lustigen blauen Augen an. Glücklich genießt er den aus seiner Sicht mühelosen Aufstieg.
Gemeinsam mit dem nun doch reichlich geschafften Vater, genieße ich den Ausblick. In der Ferne schimmern Windräder. Sie stehen irgendwo im Barnim. Ich sehe den Kirchturm von Cedynia. Während im Westen das blaue Band der Oder silbrig im Sonnenlicht glänzt.

der herrliche Ausblick entschädigte mich für die Mühen des Aufstiegs

Wir kommen kurz ins Gespräch. Der Mann kommt aus Krakow. Er ist zum ersten Mal in der Gegend, die ihn einfach nur begeistert. Besonders begeistert ihn der herrliche Ausblick hier.
Dagegen entlockt ihm die „ heldenhafte Schlacht von Ceynia“ lediglich ein müdes Lächeln.
Junge Polen können mit dem falschen Heldengetue zunehmend immer weniger anfangen. So wie junge Deutsche mit dem Gefasel vergangener Generationen „ von König, Gott und Vaterland“. Und das ist gut so! Nicht jede Tradition verdient es bewahrt zu werden!
Der kleine Junge interessiert sich mehr für die mitgebrachte Eiswaffel, als für den Steineren Adler. Er wird, hoffentlich, in eine Zeit hineinwachsen, in der weder Grenzen noch fragwürdiges Heldengepose vergangener Zeiten eine Rolle zwischen Polen und Deutschen spielen werden.
Gemeinsam treten wir den Abstieg an. Ist es nicht eigentlich völlig gleichgültig ob sich in grauer Vorzeit Polen und Deutsche an diesem Ort gegenseitig an die Gurgel gegangen sind? Ist es nicht völlig egal, wer damals als Sieger vom Schlachtfeld ritt? Ist es nicht egal, ob es die Schlacht von Cedynia jemals gegeben hat? Viel wichtiger erscheint mir doch, dass wir , Deutsche und Polen, die Zukunft gemeinsam meistern!



Eine polnische Dokumentation zur Schlacht bei Cedynia. Sie ist leider nicht auf Deutsch!

Gruß an alle

Uwe

P.S. die Verknüpfung bitte ich zu ignorieren! Ich weiß nicht, warum Googlemaps die Schlacht in der Nähe von Bielefeld verortet?
Richtig wäre: zwischen Küstrin und Schwedt! Leider bekomme ich die verdammte Verknüpfung nicht entfernt. Also, am besten nicht hinschauen.


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Cedynia


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zuletzt bearbeitet 20.05.2014 17:17 | nach oben springen

#84

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 20.05.2014 17:27
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

Ich lese deine Berichte sehr gern, du währst ein guter Gesprächspartner meines Großvaters.
Der war nach 1918 in einem schl Verband der gegen die franz. Besatzung gekämpft hat. ich habe ihn noch als kleiner Junge kennengelernt,
habe einiges geerbt, kannst du haben und dann wegwerfen.


ABV hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#85

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 20.05.2014 19:18
von icke46 | 2.593 Beiträge

Nur mal eine Frage zu dem geplanten Draisinenverkehr über die Oder:

Was ist denn auf der polnischen Seite der Brücke? Ich kann mir irgendwie nicht so recht vorstellen, dass man nur wegen der Draisinen-Fahrt dort hinfährt, über die Oder rumpelt, in Polen gewissermassen in der Pampa steht und wieder zurückrumpelt. Es müsste dann dort schon etwas sein, was man als Tourist nach dieser Fahrt erkunden kann.

Gruss

icke



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#86

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 21.05.2014 06:34
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von icke46 im Beitrag #85
Nur mal eine Frage zu dem geplanten Draisinenverkehr über die Oder:

Was ist denn auf der polnischen Seite der Brücke? Ich kann mir irgendwie nicht so recht vorstellen, dass man nur wegen der Draisinen-Fahrt dort hinfährt, über die Oder rumpelt, in Polen gewissermassen in der Pampa steht und wieder zurückrumpelt. Es müsste dann dort schon etwas sein, was man als Tourist nach dieser Fahrt erkunden kann.

Gruss

icke



Ja, Kurt. Das ist ja das Problem: auf der anderen Seite ist nichts, was den Durchschnittstouristen vom Hocker haut. Eine Straße, viel Wald und ein paar Häuser. Darum kann ich mir ja auch kaum vorstellen, dass die Idee funktioniert. Wahrscheinlich wird das ganze, wie viele Projekte, wieder langsam einschlafen.

Gruß Uwe


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#87

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 29.05.2014 16:30
von ABV | 4.202 Beiträge

Königsberg/ Neumark-Chojna



Stellt euch mal vor, ihr würdet gebau so heißen wie ein Prominenter. Also, für mich wäre das der blanke Horror! Jede zufällige Erwähnung des eigenen Namens provoziert bei den Mithörern, abhängig von der Sehstärke, unter Garantie ungläubige Blicke oder wohliges Aufjuchzen. „ Was, Sie sind.....?“ Oder eben „ Sie wollen mir doch nicht erzählen, dass Sie.... sind?“
So oder so ähnlich ist es den ehemaligen Bewohnern der im Vergleich zum berühmtem Namensvetter eher unscheinbaren, jedoch nicht reizlosen Stadt Königsberg des Öfteren ergangen. Wohlgemerkt: ich rede von Königsberg in der Neumark! Dem heutigen Chojna.
Bis 1945 die Hauptstadt des sich von Niederkränig (Krajnik Dolny), vis a vis von Schwedt, im Norden, bis nach Küstrin im Süden, ausbreitenden einstigen Großkreises Königsberg/ Neumark.
Bei Königsberg denkt man unwillkürlich an Klopse. Oder an den großen deutschen Imanuel Kant. Damit ist jedoch die frühere Krönungsstadt der preußischen Könige gemeint. Über sechshundert Kilometer von der heutigen deutsch-polnischen Grenze entfernt. Im früheren Ostpreußen, dass seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ebenfalls, zum größten Teil, zu Polen gehört. Den kleineren Teil, inklusive der Stadt Königsberg, hatte Stalin für sich reserviert.
Das Gebiet ist heute eine russische Exklave innerhalb der Europäischen Union. Nennt sich Kalingrad und versorgt die Sparfüchse unter den deutschen Rauchern mit der vorwiegend für den illegalen Markt in Kalingrad produzierten Zigarettensorte „ Jing Ling“. Ein fürchterlich stinkendes Unkraut. Dessen Komponenten angeblich aus geschredderten CD-Hüllen bestehen. Und einem gewissen Anteil Tabak, selbstverständlich!
Nun aber wieder zurück zu dem anderen Königsberg. Meine erste Begegnung mit Königsberg /Chojna verlief relativ spät. Im Jahre 2011. Wieder einmal mehr durch Zufall. Weil Chojna einfach an der Strecke zu einem anderen Ziel lag: die uckermärkische Kreissatdt Prenzlau.
Laut meinem „ToM-ToM-Navi“ führen viele Wege nach Rom. Beziehungsweise Prenzlau. Wobei der kürzeste von meinem Startpunkt aus gesehen, grenzüberschreitend via Kostrzyn-Chojna-Krajnik Dolny- Schwedt, zum Ziel führte.
Chojna an sich hatte ich bis dato noch nicht auf dem Schirm. Ein Ort zum Durchfahren eben.
Kurz vor Chojna konnte ich mir einen Zwischenstopp nicht verkneifen. In dem Dorf Witnica (Vietnitz), dass eines auf dem ersten Blick völlig profanen Gedenksteines wegen, in jenen Tagen die deutsche Presse in Erstaunen versetzt hatte. Denn in Deutschland hätte der zufällig bei Straßenbauarbeiten wiederentdeckte Stein einen mittelschweren Skandal ausgelöst und den Staatsschutz auf den Plan gerufen. War doch der ursprünglich im Sommer 1933 eingeweihte Obelisk einem gewissen Herrn Hitler gewidmet. Wovon die noch immer deutlich erkennbare Inschrift „ Hitler-Eck“ zeugte. Nun gilt der „alpenländische Brüllaffe“ nicht gerade als Sympathieträger. Nicht in Deutschland und schon gar nicht in Polen. Desto mehr verwundert es, dass die Einwohner von Witnica das skurile Fundstück nicht wieder eingebuddelt, sondern am alten Platz wieder aufgestellt hatten. Provokation? Politische Blindheit oder eine besondere Form „schwarzen Humors“? Nichts davon trifft zu! In Witnica wird auf ungewöhnliche Art und Weise das „Trauma Hitler“ aufgearbeitet. Das deutsche Hitler-Eck wird zum polnischen Hitlerek. Hitlerek bedeutet so viel „Hitlerchen“ oder „Klein-Hitler“. Der grauenvollste Diktator verliert, einmal der Lächerlichkeit preisgegeben, seinen absoluten Schrecken. Das ganze ähnelt den medialen Bemühungen in Deutschland, den gefürchteten „Führer“ zu „Adolf der alten Nazisau“ zu degradieren. Vergangenheitsbewältigung durch Slapstick? Warum nicht? Dagegen ist nichts einzuwenden. Solange sich die Vergangenheitsbewältigung nicht ausschließlich darauf konzenriert und eines Tages dadurch selbst zum Slapstick wird!
Wir näheren uns Chojna. Bereits von fern erblicke ich den imposanten Königsberger Dom. Dessen schmutziggraue Fassade Assoziationen zum, wiederrum, erheblich bekannteren Kölner Äquivalent erweckt.
Zunächst jedoch fesselt mich das steinerne Antlitz eines polnischen Kriegers aus der Zeit Mieszko I. Als sich Polen, Pommern und Deutsche heftige Kämpfe um die Oderregion lieferten. Auf Seite 198 des im Westkreuzverlag erschienenen Buches „ Kreis Königsberg / Neumark-Erinnerungen an einen ostbrandenburgischen Landkreis“, findet sich eine mögliche Erklärumg, wie der Name Königsberg entstanden ist: Aus allmählicher Veränderung eines ursprünglich slawischen Ortsnamens, durch deutsche Siedler. Ein Prozeß der sich in vielen Ansiedlungen östlich der Elbe vollzog. Die hier früher lebenden Slawen nannten den Ort Chwojna, was soviel Kiefer oder Fichte bedeutet. Daraus entwickelte sich in späteren Zeiten der Name Konitz. Das die im 13. Jahrhundert das Oderland besiedelnden Deutschen irgendwann in Königsberg „ verballhornten“. Wie pflegte jedoch die bekannte Fernsehlottofee Karin-Tietze Ludwig immer so schön in die Kamera zu säuseln: „Alle Angaben erfolgen wie immer ohne Gewähr!“ Denn so richtig wissen die Lingualhistoriker bis heute nicht, warum Königsberg ausgerechnet Königsberg hieß. Die Erklärung warum Chojna Chojna heißt, dürfte dagegen auf der Hand liegen.
Tief durchatmend sauge ich, so gut das hinter dem Steuer eines PKW möglich ist, die historisch wertvollen architektonischen Sehenswürdigkeiten in mich auf. Dem Gebäude linkerhand steht der einstige Verwendungszweck als Landratsamt des Kreises Königsberg /Neumark, trotz dess heruntergekommenen Zustandes, geradezu auf der Stirn geschrieben. Deutsche Behördenhäuser versprühen ihren respekteinflössenden spröden Charme selbst dann noch, wenn längst keine deutsche Behörde mehr in dem Gemäuer ihr Unwesen treibt.
Ich fahre am „ Bernicker Tor“, einer mittelalterlichen Pforte in der Stadtmauer vorbei. Bald darauf erscheint, nun zum Greifen nah, der Königsberger Dom. Genauer gesagt: die im 14. Jahrhundert erbaute Sankt Marien-Kirche. Unglaublich aber wahr: bis in die Neunziger Jahre hinein war dieser prächtige, im Zweiten Weltkrieg schwer zerstörte Sakralbau nichts als eine offensichtlich dem Abriss geweihte Ruine. Der Wiederaufbau der Marienkirche gehört zu den anschaulichen Beispielen, zu welchen Leistungen Polen und Deutsche in gemeinsamer Anstrengung im Stande sind. Leider habe ich es bis zum heutigen Tage nicht geschafft, die Kirche zu betreten.


Blick aufs mittelalterliche Rathaus

Durch die Marktstraße, der einstigen und heutigen Einkaufsstraße, geht es am mittelalterlichen, im klassischen norddeutschen Baustil errichtetem Rathaus vorbei. Die Bezeichnung „norddeutsch“ trifft den Charakter Chojnas am besten. Lediglich die Straßenschilder weisen daraufhin, dass man gerade eine polnische Stadt und nicht etwa Lüneburg oder Celle durchgquert. Die polnische Gegenwart profitiert im Grenzgebiet nicht selten von deutscher Vergangenheit. Während die Deutschen von der polnischen Gegenwart profitieren. Quasi in Geben und Nehmen. Gefühlte sechzig Prozent der parkenden oder vorbeifahrenden PKW weisen die Buchstabenkombinationen der benachbarten deutschen Landkreise Uckermark und Barnim. Wobei das Gros wahrscheinlich aus dem nur zehn Kilometer entferntem Schwedt nach Chojna gekommen ist. Zum Einkaufen oder Tanken. Während es die Einwohner Chojnas eher in die Shoping-Center auf der deutschen Seite der Oder zieht.
Jetzt geht es am „Schwedter Tor“ vorbei. Das genau wie das vorhin bereits erwähnte „Bernikower Tor“, Teil einer ehemaligen Beobachtungs und Verteidigungsanlage ist. Verteidigen musste sich die Stadt in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder einmal. Leider mehr oder weniger erfolglos. Besonders zu leiden hatten die Einwohner Königsbergs, laut Chronik, im so genannten „ Dreißigjährigen Krieg“. Am Ende des großen Sterbens, wozu sich zu allem Überfluss auch noch die Pest gesellte, war die Einwohnerschaft um neunzig Prozent geschrumpft. Den Zweiten Weltkrieg und seine verheerenden Folgen möchte ich an dieser Stelle nicht extra erwähnen.
Unmittelbar am nördlichen Stadtausgang passieren wir eines jener „unzweifelhaft zweifelhaften Objekte“, von denen es in jedem größeren Ort im Grenzgebiet mindestens eines gibt. Und das in einem Land, in dem die Ausübung der Prostitution offiziell verboten ist!
Auf den restlichen Kilometern bis zur Oderbrücke in Krajnik Dolny, säumen augenscheinlich gut gelaunte, braungebrannte Damen den Straßenrand. Fröhlich winken sie den vorbeifahrenden Autos zu. Man(n) sollte sich jedoch tunlichst davor hüten, zurückzuwinken. Oder gar anzuhalten! Denn die Damen sind, ihr werdet es bereits ahnen, „Außendienstmitarbeiterinnen“ des besagten „ unzweifelhaft zweifelhaften Objektes“.
Krajnik Dolny ist rasch erreicht. Hier jeder Zentimeter auf die deutsche Kundschaft ausgerichtet, obwohl es keine „Polenmärkte“ wie in Kostrzyn oder Osinow Dolny gibt. „Billige“ Zigaretten und Gemüse aller Art werden aber auch hier eifrig an den Mann oder an die Frau gebracht. Sogar ein Sex-Shop wirbt ganz ungeniert mit ausgefallenem „Spielzeug für Erwachsene“. Warschau und der verklemmte Sittenfanatiker Kaszynski sind eben weit weg!
Die Fahrt über die Oderbrücke hinüber nach Schwedt stellt eine Symphonie für die Sinne dar. Das Gebiet gehört bereits zum Nationalpark „ Unteres Odertal“. Eine der schönsten Gegenden Europas. Schwäne dümpelen übers Wasser. Flankiert von allerlei Wassergeflügel. Wildenten, Rallen, Haubentaucher. Silberreiher stehen zu Eissäulen erstarrt, auf Beute lauernd, am Ufer.
Unterwegs lege ich jeoch am verwaisten Grenzkontrollpunkt einen Zwischenhalt ein. Kein einziges Fahrzeug passiert den einstigen Checkpoint mehr. Mittlerweile führt der Verkehr daran vorbei. Hin und gerissen zwischen Neugier und Beklemmung spaziere ich zwischen den leeren Kontrollboxen umher. Ein wenig erscheint es, als wäre die Zeit am 21. Dezember 2007, dem Tag an dem die Passkontrollen überall an der polnischen Grenze eingestellt wurden, stehengeblieben. Noch immer kleben an den vom Staub vergangener Jahre erblindeten Fensterscheiben „uralte“ Fahndungsplakate. Auch der gut gemeinte Hinweis der Bundespolizei, die Beleuchtung an den Fahrzeugen anzuschalten, fehlt nicht.
Mein Gott, wer warnt denn heute bloß die armen Kraftfahrer, denke ich und gehe hinüber zum leeren Dienstgebäude. In dem eine geradezu unheimliche, körperlich spürbare Stille herrscht.
Obwohl sich die Schwedter Stadtväter redlich darum bemühten, fand sich kein einziger Nachmieter für das nutzlos gewordene Terminal. Selbst die arg reduzierte Bundespolizei und der Zoll winkten dankend ab. Über kurz oder lang wird das gesamte Areal der Abrissbirne zum Opfer fallen. Ce la vis!
Noch ein paar Meter und wir sind in Schwedt. Neubaublocks streiten sich mit historischen Bauten um die architektonische Vorherrschaft. Aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte!

Gruß an alle
Uwe


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#88

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 29.05.2014 21:44
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Thomas!

Der Satz hat mich sehr erschrocken!!!!!!!!!!
So weit ist unser Geschichtsverständnis schon zurückgebildet und umgedeutet, daß man die Gedanken, Nachlässe usw. unserer Vorfahren (sogar der nächsten, oder gar der persönlichen!) einfach weg wirft.
Ich würde mich freuen, wenn ich solche Dinge über meine Vorfahren hätte. Wir haben fast alles durch/auf die/der Flucht verloren.

Ein Volk definiert sich immer durch seine GANZE Geschichte!
Die Menschen erkennen sich nur selbst, wenn sie sich im Spiegel ihrer Vorfahren betrachten!
Das ist zwar heute den Besatzern ein Dorn im Auge und wird gerne dümmlicher Weise mit den negativsten Seiten des sog. Nationalismus, oder sog. "NOSTalgie" gleich gesetzt, was jedoch kompletter Unsinn ist!

Jedem kleinen Indianerstamm wird seine Geschichte zugebilligt und zugesichert, den Deutschen aber nicht. Das sollte jedem zu denken geben!

Schöne Grüße,
Eckhard


Zitat von thomas 48 im Beitrag #84
Ich lese deine Berichte sehr gern, du währst ein guter Gesprächspartner meines Großvaters.
Der war nach 1918 in einem schl Verband der gegen die franz. Besatzung gekämpft hat. ich habe ihn noch als kleiner Junge kennengelernt,
habe einiges geerbt, kannst du haben und dann wegwerfen.


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#89

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 29.05.2014 22:03
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Uwe!

Ich halte es eher für sehr bedenklich, wenn sich junge Leute nicht mehr (wie auch immer) mit der Geschichte und der daraus resultierenden Identifikationen beschäftigen.

Konrad Weiß (der Filmemacher) meinte dazu:
"Wer sich nicht erinnert, lebt ohne Zukunft. Der Mensch ohne Erinnerung ist ein menschlicher Leichnam, das Volk ohne Gedächtnis eine dumpfe Horde. Ich möchte ohne Gedächtnis nicht leben."

Den Zeitungsausschnitt habe ich an meiner Pinnwand hängen.

Und die Vertreibung der Deutschen hatte ein konkretes Vorhaben eingeleitet. Die Deutschen sollten nur noch genutzt werden, aber niemals mehr selbst den Kopf heben können!
Die filigranere Variante der Morgenthau/Kaufmann Vorhaben!
Die Auswirkungen dieser Variante der Unterdrückung sieht man gerade an der "Weigerung" des GBA (Generalbundesanwalt) Verbrechen der Besatzer (NSA Spionage) an zu klagen!!!

Vergewaltigungen, Vertreibungen usw. sind noch heute ein leider probater Weg, um Menschen und Völkerschaften zu brechen.
Die Krönung ist dann die Wegnahme und Umdeutung der Geschichte un des daraus resultierenden Selbstverständnisses.

Man kann die Sache natürlich auch auf der anderen Seite überhöhen und in eine "völkische" Variante treiben. Wo das dann hinführt, kennen wir nun aus der Geschichte.
Den gesunden Normalweg der fast die gesammte Geschichte der Völker bestimmt, will man den Deutschen nie wieder zubilligen.

Schöne Grüße,
Eckhard


Zitat von ABV im Beitrag #83
]Der Adler von Cedynia-von einer Schlacht die es womöglich nie gegeben hat
Sommer, Sonne, Urlaub! Was liegt näher als ins Ausland zu reisen? .......

Aber eines ist darf nicht vergessen werden:
Zwischen der Zeit der deutschen Inbesitznahme der Neumark und dem Jahre 1945, lag eine Zeitspanne von über sieben Jahrhunderten!
Ob den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs nicht bewusst war, dass durch eine Verschiebung der Westgrenze Polens bis an die Ufer von Oder und Neiße, spätere Konflikte zwischen Deutschen und Polen geradezu vorprogrammiert waren? Oder gab man sich der Illusion hin, beide Völker dauerhaft von einander isolieren zu können? ......

Junge Polen können mit dem falschen Heldengetue zunehmend immer weniger anfangen. So wie junge Deutsche mit dem Gefasel vergangener Generationen „ von König, Gott und Vaterland“. Und das ist gut so! Nicht jede Tradition verdient es bewahrt zu werden!......

Gruß an alle
Uwe


zuletzt bearbeitet 29.05.2014 22:04 | nach oben springen

#90

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 29.05.2014 22:18
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

hallo Eckhardt,
glaube, du hat von mir noch nichts gelesen. Ich habe schon als junger Mann in der DDR-Zeit alles über Schlesien usw. gesammelt, als andere noch nie den Mut hatten den Namen ,,Schlesien,, in den Mund zu nehmen. Ich war schon 1968 in der Bibliothek von Kattowitz und habe alte dtsch. Zeitungen gelesen.
Meine Anzeige lautete,, Th. Lindner, ESA, PSF 130 sucht AK, hist. ZTG aus den ehem. Ostgebieten (a. 33-45) und Material über Kriminalistik und Aberglaube.
Erschien in der Wochenpost, im Sammlerexpress (??) und bei F&F
Thomas


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#91

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 29.05.2014 23:24
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Thomas48!

Dann habe ich Deinen Text wohl falsch verstanden.
Denn ich werfe nichts diesbezüglich weg.

Wir haben auch schon versucht unsere Vorfahren zu finden, denn unsere Unterlagen sind leider fast alle verlustig gegangen.
Und in Pommern lebten unsere Vorfahren schon seit sehr langer Zeit. Der "Ahnenpass" war wohl sehr lang.....

Schöne Grüße,
Eckhard

Zitat von thomas 48 im Beitrag #90
hallo Eckhardt,
glaube, du hat von mir noch nichts gelesen. Ich habe schon als junger Mann in der DDR-Zeit alles über Schlesien usw. gesammelt, als andere noch nie den Mut hatten den Namen ,,Schlesien,, in den Mund zu nehmen. Ich war schon 1968 in der Bibliothek von Kattowitz und habe alte dtsch. Zeitungen gelesen.
Meine Anzeige lautete,, Th. Lindner, ESA, PSF 130 sucht AK, hist. ZTG aus den ehem. Ostgebieten (a. 33-45) und Material über Kriminalistik und Aberglaube.
Erschien in der Wochenpost, im Sammlerexpress (??) und bei F&F
Thomas


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#92

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 30.05.2014 11:01
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

hallo Pommernfreund,
habe mich ja gestern etwas geärgert, entschuldigung.
Mein Großvater hat einige Bücher mit seinem Wissen geschrieben, ich und mein Bruder haben alles geerbt.
Was soll ich jetzt damit? Habe schon einiges verteilt, wie an D-H. alles über Steine, an Rei. alte Witze aus deutschen Aufsätzen, an Ba. einiges über Politik und Religion und an einen netten user, der nicht mehr da ist, viel über Steinkohle und über Erdöl.
Warum soll das eines Tages mein Sohn erben und wegwerfen? So mache ich vielleicht jemand eine kleine Freude.
Meine Großeltern sind irgendwann 1944 oder 45 aus Breslau nach Halle geflohen.
Wenn du dich wirklich an deine Sippe interesse hast, wende dich mal an die Liste L. oder lies ,,Die Pommersche Zeitung,, von 1935-39. ich habe mir gerade die vom 12.7.1935 angesehn, mit einem schönen Lokalteil und einigen Anzeigen, wo du vielleicht einige Namen von dir findest.
Interessantes Thema.
mit frdl Gruß
thomas


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#93

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 30.05.2014 14:22
von ABV | 4.202 Beiträge

Hallo Eckhard!
Es gibt wohl kaum ein Volk in Europa, dass sich mit der eigenen Geschichte schwerer tut, als wir Deutschen. Falls wir uns doch mal heranwagen, dann scheint es nur zwei Extreme geben: wir verfallen entweder in einem nationalen Taumel, halten uns für die größten, besten und saubersten überhaupt, oder wir gehen völlig " in Sack und Asche". Ich persönlich halte beides für falsch!
Richtig ist vielmehr, schonungslos alle Verbrechen in deutschen Namen von Deutschen oder mit Deutschland verbündeten "Helfern" begangen wurden, zu benennen. Inklusive der Ursachen welche diese Verbrechen erst möglich machten! Und nicht zuletzt das " ganz normale Verhalten" völlig normaler Bürger, in bestimmten Situationen.
Ich hatte im Forum schon einmal das Beispiel des jüdischen Kinderarztes aus Landsberg an der Warthe ( heute Gorzow Wielkopolski) genannt. Der Mann war bis zur Machtergreifung der Nazis sehr beliebt und anerkennt! Er hat unzähligen kranken Landsberger Kindern geholfen. Trotzdem wurde der Arzt, als er im Innenhof seines Hauses zusammen mit seiner Familie auf den Abtransport in ein KZ wartete, von den Bewohnern des Hauses, ganz normalen Durchschnittsbürgern die den Mann und seine Verdienste kannten, verspottet, verhöhnt und sogar angespuckt. Nur weil er Jude war!!
Wie ist es möglich, dass eigentlich anständige Durchschnittsbürger, brave Familienväter, fleißige Arbeiter, gesetzeskonforme Zeitgenossen und von mir aus fromme Kirchgänger, sich derart schäbig gegenüber einem Mitmenschen verhalten?
Diese und ähnliche Fragen müssen wir Deutsche uns nun einmal stellen! Da hilft die Ausrede " dass es unserer Generation nichts mehr angeht", absolut nichts! Diese Fragen sind aktueller als uns lieb ist.
Andererseits muss es aber heute möglich sein, Verbrechen an Deutschen, besonders gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, auch als Verbrechen bezeichnen zu dürfen. Und nicht etwa als " legitime Racheakte!"
Es gibt kein Recht auf Rache. Irgendein griechischer Philosoph hat Rache einmal als neues Unrecht bezeichnet. Wie wahr! Die von SS oder Wehrmacht an sowjetischen oder polnischen Zivilisten begangenen grauenvollen Untaten werden nicht weniger grauenvoll, wenn man auch den von den sowjetischen Soldaten ermordeten oder gequälten deutschen Zivilisten gedenkt! Leid kann man ohnehin nicht gegeneinander aufwiegen.
Jede einzelne Familie trägt das erlittene Leid für sich allein.
Was die Vertreibungen der deutschen Bevölkerung aus den früheren "Ostgebieten" angeht: Ich selbst stamme aus einer Familie, die seit Ende des Dreißigjährigen Krieges in einem Dorf, ca. zwanzig Kilometer nordöstlich Küstrins, also im heutigen Polen, lebte. Bereits als Kind und Jugendliche habe ich den Gesprächen der Verwandten über die "verlorene Heimat" gelauscht. Wobei ich zu Anfang nicht verstehen konnte, warum die Erwachsenen immer von Zuhause sprachen, obwohl sie doch eine ganz andere, in meinem damaligen Bewusstsein ferne Gegend meinten. Damals gingen mir die sich nicht selten wiederholenden Gespräche über längst vergangene Begebenheiten " auf den Geist". Heute bereue ich, nicht genauer hingehört zu haben.
Heute weiß ich auch, wie sehr diese Leute unter dem Verlust ihrer Heimat litten. Sie wurden äußerst hart für die Verbrechen Nazideutschlands bestraft, obwohl keiner von ihnen echte Schuld auf sich geladen hatte! Dem Trauma der Vertreibungen folgte das Trauma des nicht darüber rden dürfen. Zumindest nicht offiziell. Denn in der DDR gab es bekanntlich keine Vertriebenen. Sondern lediglich "Umsiedler".
Desto mehr freut es mich, wenn sich heute auch in Polen mehr und mehr Menschen für diesen Teil der Vergangenheit interessieren. Junge Polen beginnen die Geschichte ihrer Heimat zu entdecken und erkennen dabei, dass ihre Heimat in der Vergangenheit auch von Deutschen geprägt wurde. Sichtbare Zeichen dieser Annäherung finden sich in vielen Orten. Auf mehr und mehr Friedhöfen finden sich Denkmäler für die ehemaligen deutschen Bewohner. In Slonsk, dem früheren Sonnenburg, wurde sogar das Ehrenmal für die im 1. Weltkrieg gefallenen Sonnenburger wieder aufgestellt. Anderen Orts finden sich zusammengetragene Sammlungen deutscher Grabsteine. Polen und Deutsche befinden sich auf einem guten Weg. Der jedoch voller Rückschläge ist, was wohl leider nicht zu vermeiden ist.

Viele Grüße aus dem Oderland
Uwe


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#94

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 24.06.2014 08:34
von ABV | 4.202 Beiträge

@Duck (Ingo), hatte mich vor einiger Zeit nach früheren Herrenhäusern im polnischen Grenzgebiet gefragt. Ja, es gibt einige davon. Vielfach sind sie auch von großem historischen Wert. Leider haben viele dieser Gebäude die Zeit des Sozialismus nicht überstanden. Vielfach wird, gerade von uns Deutschen, über den Verfall solcher in kulturhistorischer Hinsicht wertvollen Gebäude, die Nase gerümpft. Dabei vergessen gerade wir (Ost)Deutschen gerne, dass es bei uns in dieser Hinsicht nicht viel besser aussah. Wenn überhaupt!
Die früheren Herrenhäuser fielen weniger vermeintlicher Gleichgültigkeit und schon gar nicht imaginärer Faulheit, sondern einzig und allein dem Geldmangel zum Opfer.



Schloss Tamsel, ungefähr fünf Kilometer nordöstlich von Kostrzyn gelegen, ist das berühmteste der ehemaligen Schlösser. Die Berühmtheit verdankt das Schloss dem König Friedrich II. von Preußen, auch Friedrich der Große genannt. Der während seines vom königlichen Vater aufgezwungenen Aufenthaltes in Küstrin, Ende 1730-1732,damals noch als Kronprinz, des Öfteren als Gast im Schloss Tamsel weilte. Kronprinz Friedrich verliebte sich in Luise Eleonore von Wreech, die schöne Gattin des Schlossherrn. Im 19. Jahrhundert wurde der Briefwechsel zwischen dem jungen Friedrich und der nicht viel älteren von Wreech wiederentdeckt und von Theodor Fontane in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" veröffentlicht. Fontane hielt sich als Gast um 1860 ebenfalls längere Zeit in Tamsel auf.
Friedrich soll der Frau von Wreech, der Legende nach, " einen Braten in die Röhre geschoben haben". Das Kind wurde, wie gesagt angeblich, einer Bauernfamilie übergeben. Theoretisch könnten einige Leute aus der Umgebung von den Hohenzollern abstammen, ohne es zu wissen.
Mensch, da fällt mir ein: ein Teil meiner Sippe stammt ebenfalls aus der Ecke........ Also wenn ich meine Nase so betrachte und mit der vom ollen Friedrich vergleiche......

Genug gesponnen!
In Tamsel, dass heute Dabroszyn heißt, gibt es auch einen Guthshof



Der ebenfalls schon weit bessere Tage gesehen hat. Gut erkennbar sind noch immer die als Verzierung gedachten Pferde und Ochsenköpfe.

In dem ebenfalls nur zehn Kilometer von Küstrin entfernten Sonnenburg (Slonsk), residierte einst der Johanniter-Orden



Von diesem Schloss aus wachte der Großmeister über den Orden. Das Schloss überstand die Kriegswirren unbeschadet. In den siebziger Jahren kam eine Abordnung der UNESCO nach Slonsk. Diese besichtigte unter anderem das Schloss. Angesichts des großen kulturhistorischen Wertes, verlangte die Abordnung umfangreiche Sicherungsarbeiten. Wenige Tage nach der Abreise der Delegation ging das Schloss plötzlich in Flammen auf.....................................
Ein Schelm der arges dabei denkt.



Das war einmal ein Gutshaus. Malerisch gelegen, unweit des Mohriner Sees. Etwa dreißig Kilometer nördlich von Kostrzyn.

Dieses frühere Gutshaus entdeckte ich in einem kleinen Dorf, gleich in der Nähe:





Derart sichtbarer Verfall besitzt seinen ganz eigenen Reiz. Er die Phantasie an. Löst jedoch gleichermaßen Beklemmungen aus. Erinnert daran, dass eben nichts unendlich ist. Dort, wo vor einiger Zeit Menschen lebten, liebten, litten, trauerten und feierten, wuchern heute Bäume. Dort wo Menschen lachten oder weinten, zwitschern die Vögel. Ganz selbstverständlich. Als wäre es nie anders gewesen.

Gruß an alle
Uwe

Angefügte Bilder:
DSCF6134 (FILEminimizer).JPG

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#95

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 24.06.2014 08:44
von hundemuchtel 88 0,5 | 2.492 Beiträge

Danke für die Fotos und Erklärungen, sehr interessant.

gruß Bernd


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#96

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 24.06.2014 09:01
von Duck | 1.741 Beiträge

Hallo Uwe,

danke für die Bilder, ja es ist wirklich schade, das so viele von den alten Schlössern und Gutshäusern verfallen. Ich glaube in Schlesien/Riesengebirge ist man da schon ein bisschen weiter. Dort wurden die Schlösser zum Teil wieder aufgebaut oder restauriert und sind jetzt wieder zu schicken Schlössern geworden. Die zum größten Teil als Hotels genutzt werden.


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


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#97

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 24.06.2014 10:34
von ABV | 4.202 Beiträge

Hallo Ingo!
Ich denke mal, dass Schlesien als Tourismusgebiet klar im Vorteil ist. Dagegen ist die Region an der Oder weit weniger bekannt und daher klar im Nachteil.
Pläne gab es auch hier genug. Das Schloss Tamsel sollte eigentlich längst restauriert und zur Tagungsstätte umfunktioniert sein. Nachdem die erste Mille verbaut war, ruhen die Arbeiten. Und das nun schon seit acht Jahren! Mittlerweile steht das Schloss zum Verkauf.
Aus dem Gutshof sollte auch eine Art Hotel werden. Leider haben sich die Betreiber scheiden lassen und seitdem verfällt die Klitsche weiter. Und so weiter und so weiter.
Warum soll es östlich der Oder besser klappen, als bei uns im Oderbruch?

Gruß Uwe


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#98

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 24.06.2014 11:20
von hundemuchtel 88 0,5 | 2.492 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #97
Hallo Ingo!
Ich denke mal, dass Schlesien als Tourismusgebiet klar im Vorteil ist. Dagegen ist die Region an der Oder weit weniger bekannt und daher klar im Nachteil.
Pläne gab es auch hier genug. Das Schloss Tamsel sollte eigentlich längst restauriert und zur Tagungsstätte umfunktioniert sein. Nachdem die erste Mille verbaut war, ruhen die Arbeiten. Und das nun schon seit acht Jahren! Mittlerweile steht das Schloss zum Verkauf.
Aus dem Gutshof sollte auch eine Art Hotel werden. Leider haben sich die Betreiber scheiden lassen und seitdem verfällt die Klitsche weiter. Und so weiter und so weiter.
Warum soll es östlich der Oder besser klappen, als bei uns im Oderbruch?

Gruß Uwe


Morgen Uwe, da beginnt doch Hinterpommern, auf Grund der Kriegswirren und Fluchten ist es immer ein Thema wenn mal Geburtstag usw. ist bei den "Alten", viele haben ihre Heimat dort verloren ihren Hof, ihre Wirtschaft.....Existens! Ich war schon mehrmals in Hinterpommern und kann nur berichten, dass es dort sehr schöne Ecken gibt, schöne (leider vefallene) Gutshäuser, noch erkennbare Park-Gärten dazugehörig usw. Hinterpommern ist IMMER eine Reise wert und das zu jeder Jahreszeit.

Bei einem der Besuche ist mir aufgefallen, daß es dort auf dem Acker keine Steine zu sammeln gibt, wie es bei uns der Fall ist(PA Unterricht in der Schule, in unserer Region), dort sind im Boden Muscheln!! Stellenweise ziemlich viele, man könnte sie herrausharken, nur um es mal zu veranschaulichen. Man hat mir erklärt, daß die Bauern keinen Kalk auf den Boden bringen müssen.

Leider war es auch eine ärmliche Gegend vor dem Krieg und mit Sicherheit hat sich Heute nicht viel verändert an der Situation der Leute.

gruß Bernd


ABV und Duck haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#99

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 24.06.2014 16:36
von StabsfeldKoenig | 2.644 Beiträge

Schlööser und Herrenhäuser hatte man nach 1945 zum Teil zur Gewinnung von Baumaterial abgerissen, denn man brauchte Häuser für Neubauern und Umsiedler. Andere Schlösser wurden für gesellschaftlich nützliche Zwecke (Krankenhäuser, Kinderheime, Kur- und Ferieneinrichtungen) umgebaut, wobei der Nutzen zum Teil vorrang vor dem Denkmalsschutz hatte.
Interessant wäre mal festzustellen, wieviele Gebäude, die man heutzutage unter Denkmalsschutz stellen würde, im Westen aus Profitgier abgerissen hat.



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#100

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 24.06.2014 17:03
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von hundemuchtel 88 0,5 im Beitrag #98
Zitat von ABV im Beitrag #97
Hallo Ingo!
Ich denke mal, dass Schlesien als Tourismusgebiet klar im Vorteil ist. Dagegen ist die Region an der Oder weit weniger bekannt und daher klar im Nachteil.
Pläne gab es auch hier genug. Das Schloss Tamsel sollte eigentlich längst restauriert und zur Tagungsstätte umfunktioniert sein. Nachdem die erste Mille verbaut war, ruhen die Arbeiten. Und das nun schon seit acht Jahren! Mittlerweile steht das Schloss zum Verkauf.
Aus dem Gutshof sollte auch eine Art Hotel werden. Leider haben sich die Betreiber scheiden lassen und seitdem verfällt die Klitsche weiter. Und so weiter und so weiter.
Warum soll es östlich der Oder besser klappen, als bei uns im Oderbruch?

Gruß Uwe


Morgen Uwe, da beginnt doch Hinterpommern, auf Grund der Kriegswirren und Fluchten ist es immer ein Thema wenn mal Geburtstag usw. ist bei den "Alten", viele haben ihre Heimat dort verloren ihren Hof, ihre Wirtschaft.....Existens! Ich war schon mehrmals in Hinterpommern und kann nur berichten, dass es dort sehr schöne Ecken gibt, schöne (leider vefallene) Gutshäuser, noch erkennbare Park-Gärten dazugehörig usw. Hinterpommern ist IMMER eine Reise wert und das zu jeder Jahreszeit.

Bei einem der Besuche ist mir aufgefallen, daß es dort auf dem Acker keine Steine zu sammeln gibt, wie es bei uns der Fall ist(PA Unterricht in der Schule, in unserer Region), dort sind im Boden Muscheln!! Stellenweise ziemlich viele, man könnte sie herrausharken, nur um es mal zu veranschaulichen. Man hat mir erklärt, daß die Bauern keinen Kalk auf den Boden bringen müssen.

Leider war es auch eine ärmliche Gegend vor dem Krieg und mit Sicherheit hat sich Heute nicht viel verändert an der Situation der Leute.

gruß Bernd



Hallo Bernd!
Hinterpommern begann weiter nördlich. Hinter Schwedt, im Gebiet von Greiffenhagen (Gryfino). Die Wojewodschaft Zachodnie Pomorskie (Westpommern) fängt zwar unmittelbar hinter der Stadtgrenze von Küstrin an, aber das Gebiet dort gehörte bis 1945 zu Brandenburg.
In Pommern selbst war ich auch schon. Ich habe es sogar mal bis Stettin geschafft. Aber das ist bereits zwanzig Jahre her. Stettin ist eine wunderschöne Stadt, mit vielen historischen Gebäuden. Die sehr gut erhalten sind. Zum Beispiel das alte Schloss der Pommernherzöge.
Das in den Böden Muscheln sind, war mir bisher nicht bekannt. Ich denke mal, dass das mit der besonderen erdgeschichtlichen Entwicklung Pommerns zusammenhängt. Wahrscheinlich hat sich dort in früheren Zeiten ein Meer, zumindest jedoch ein großes Gewässer ausgedehnt.

Gruß Uwe


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