#21

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 22.05.2013 19:35
von werner | 1.591 Beiträge

Granitpflaster von der Abfahrt FFO (Südring) bis zur GÜST gab es mal, auf polnischer Seite auch.

Längere Granit- Pflasterstrecken gab es auch auf der A4 zwischen DD und der Grenze . . .


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#22

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 22.05.2013 21:19
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #10
Hallo!
Das der Frust unter der Bevölkerung wegen des Autoklaus groß ist, kann ich bestätigen. Ruft doch einfach mal den Onlineauftritt der Märkischen Oderzeitung: http://www.moz.de auf und sucht euch die entsprechenden Artikel zum Thema " polnische Grenze" heraus. Die entsprechenden Kommentare sprechen Bände. In einigen Fällen muss man befürchten, dass nicht eines Tages jemand gelyncht wird! In Kremmen ( bei Oranienburg) gab es ja unlängst einen solchen Fall. Wo polnische Erntehelfer geschlagen und gefesselt wurden. Weil irgend jemand der Meinung war, dass die Erntehelfer in ein Wohnhaus eingebrochen haben. Allerdings stellte sich bald heraus, dass die Erntehelfer unschuldig sind. Die übereifrige " Bürgerwehr" wird wohl erhebliche Konsequenzen hinnehmen müssen.
Das sich die Arbeit der polnischen Polizei aufs Protokolle schreiben beschränkt, stimmt so nicht. Es einige sehr erfolgreiche Aktivitäten gegen Autoschieberbanden. Demgegenüber stehen jedoch weitere Aktivitäten dieser und anderer Banden. Manchmal ist es so wie im Märchen. Man schlägt dem Drachen einen Kopf ab und zwei wachsen nach. Der Automarkt ist sehr lukrativ. Und der Bedarf, vor allem im weiten Osten, ist schier unersättlich.
Ein weiteres Problem besteht darin, dass diese Banden sehr gut organisiert sind. An die Hintermänner, die irgendwo in einer teuren Villa sitzen und die " Einsätze" koordinieren, kommen Polizei und Justiz nur sehr schwer heran. Erwischt werden meistens die kleinen Kuriere. Meist irgendwo angeworbene Arbeitslose, die für ein paar Pimperlinge die geklauten Karren über die Grenze bringen. Austauschbare Randfiguren eben. Für die jederzeit Ersatz bereit steht.
Aber mal ehrlich, glaubt wirklich jemand, dass eine Wiedereinführung von stationären Grenzkontrollen sinnvoll ist?

Gruß an alle hier im Forum
Uwe



rot - mark:
Die berühmt- berüchtigte *ild- Zeitung hatte da gestern einen doch sehr interessanten und lesenswerten Beitrag/ Artikel über die Geldwäsche in unglaublichen Größenordnungen der Mehrzahl der zypriotischen Banken, die jetzt auch noch mit deutschen Steuergeldern "gerettet" werden.

Wenn man diesem Bericht einigermaßen Glauben schenken kann, und daran hab ich eigentlich wenig Zweifel, bezahlen wir diese Art der (von der EU mit organisierten Kriminalität) vierfach!
1. Mit unserem geklautem Eigentum (u. a. Autos),
2. mit erhöhten Versicherungsprämien,
3.mit Steuergeldern, um die Geldwaschanlagen u. a. auf Zypern zu "retten" und
4. und nochmal mit Steuergeldern, um Wasserköpfe, realitätsferne Eurobürokraten und die sich immer mehr etablierende Mafia in Brüssels mit Diäten $ Co überzufinanzieren!

josy95

(Schreibfehler - Edith)


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 22.05.2013 21:56 | nach oben springen

#23

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 22.05.2013 21:36
von Kurt | 933 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #16
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Hier ist die frühere Grenzkompanie Kienitz.


Ich habe auch noch alte Fotos vom Vater, also von Kienitz aus den 50iger Jahren. Die Uniformen sahen damals auch noch etwas anders aus....


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#24

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 25.05.2013 06:37
von ABV | 4.202 Beiträge

Passt zwar nicht ganz zum Thema, aber trotzdem mal so nebenbei: Ich habe heute Morgen für einen Liter Benzin, in Slubice, 1, 25 € bezahlt. Jetzt darf sich jeder, der nicht an der polnischen Grenze lebt, ganz doll ärgern.

Schönen Gruß an alle hier im Forum

von Uwe dem Sparfuchs


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#25

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 25.05.2013 06:54
von Pit 59 | 10.132 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #24
Passt zwar nicht ganz zum Thema, aber trotzdem mal so nebenbei: Ich habe heute Morgen für einen Liter Benzin, in Slubice, 1, 25 € bezahlt. Jetzt darf sich jeder, der nicht an der polnischen Grenze lebt, ganz doll ärgern.

Schönen Gruß an alle hier im Forum

von Uwe dem Sparfuchs


Uwe ,ich denke das lohnt sich aber nur wenn Du nicht weiter als 50 Km (und das ist schon weit )weg wohnst. Oder mit anderen Verbinden Zigaretten,Mutti geht mal zum Friseur,oder was weiss ich noch.


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#26

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 25.05.2013 07:02
von ABV | 4.202 Beiträge

Guten Morgen Pit!
Das trifft ja bei mir voll zu. Ich wohne nur gute zwei Kilometer von der Grenze weg. Berufsbedingt fahre ich beinahe täglich ins Nachbarland. Du glaubst aber gar nicht, wie viele Berliner täglich nach Polen zum tanken fahren. Sogar der schon vor Jahren totgesagte Polenmarkt, wird noch immer gut besucht. Vielleicht auch deshalb, weil man dort seit einiger Zeit, sehr gut und preiswert essen kann. Die Polen sind viel flexibler als wir Deutschen und lassen sich eben immer wieder etwas neues einfallen. Dagegen geht westlich der Grenze, alles den berühmten Bach herunter.

Viele Grüße aus dem Oderland
Uwe


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#27

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 25.05.2013 09:33
von DoreHolm | 7.690 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #24
Passt zwar nicht ganz zum Thema, aber trotzdem mal so nebenbei: Ich habe heute Morgen für einen Liter Benzin, in Slubice, 1, 25 € bezahlt. Jetzt darf sich jeder, der nicht an der polnischen Grenze lebt, ganz doll ärgern.

Schönen Gruß an alle hier im Forum

von Uwe dem Sparfuchs


Ich fahr keinen Benziner !

Übrigens, wegen der Rechnerei, ab wann sich eine Fahrt wegen dem Tanken dorthin lohnt, wird oft vergessen, daß die Kraftstoffkosten nicht die alleinigen Kosten sind. Verschleiß, Reifen, Wertverlust durch Kilomerterleistung, das sind alles ebenso Kosten, die mit jedem zusätzlichen Kilometer anfallen. Es wird mit, glaube ich, bei einem Durchschnittsauto so mit 0,30 - 0,35 €/km gerechnet. Abrechen muß man da allerdings noch die Fixkosten, also Versicherung, Steuern und Wertverlust durch das Altern, die auch anfallen, wenn das Fahrzeug keinen Kilometer bewegt wird. Ich rechne so für mich immer mit gut dem Doppelten der Kraftstoffkosten. Wegen 30 Liter tanken, wo der Liter 5 ct weniger kostet, fahre ich deshalb keinen Umweg von 5 km.

Sieh mal an, und schon sind wir wieder OT, also schnell zurück zur Ostgrenze.



zuletzt bearbeitet 25.05.2013 09:41 | nach oben springen

#28

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 25.05.2013 11:06
von ABV | 4.202 Beiträge

Richtig DH
Um mal wieder zum eigentlichen Thema zurückzukommen. Heute früh, beim Überqueren des Grenzüberganges Frankfurt(Oder)-Stadtbrücke, kam mir glattweg ein ketzerischer Gedanke: " und wieder wurde ein historisches Baudenkmal unwiederbringlich dem Erdboden gleichgemacht!"
Wer nicht weiß, dass sich dort einmal ein Grenzterminal befand, ahnt heute nicht einmal etwas davon. In typisch deutscher Gründlichkeit, wurden innerhalb kürzester Zeit sämtliche Spuren getilgt. Obwohl dieses oder jenes Detail, durchaus wert gewesen wäre, unter Denkmalsschutz gestellt zu werden.
Warum ich mich darüber aufrege? Der Grenzübergang " Stadtbrücke" ist nicht irgend ein beliebiger Grenzübergang an der deutsch-polnischen Grenze. Sondern ein äußerst Geschichtsträchtiger. Ich hoffe, in den nächsten Tagen Zeit zu finden, um näher darauf einzugehen. Auf jeden Fall haben sich die Frankfurter Stadtväter mit dem vollständigen Abriss der Grenzanlagen, ein eklatantes Beispiel für " moderne Bilderstürmerei" geleistet. Wobei nicht wundern würde, wenn man das in einigen Jahren bereut. Aber dann ist es, wie so oft, längst zu spät.

Gruß an alle
Uwe


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#29

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 25.05.2013 11:34
von icke46 | 2.593 Beiträge

Damit man mal sieht, wie die Stadtbrücke Frankfurt/Oder - Slubice aktuell aussieht, hier mal ein Foto,
aufgenommen am 10.05.13 vom polnischen Ufer der Oder aus.

Gruss

icke



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#30

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 25.05.2013 15:20
von EK82I | 869 Beiträge

Zumindest die sanitären Einrichtungen hätte man ja wieder der Allgemeinheit zugänglich machen können,wenigstens auf einer Seite der Strasse.
Trotzdem ein schönes Bild jenseits der Oder.


zuletzt bearbeitet 25.05.2013 15:23 | nach oben springen

#31

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 25.05.2013 15:59
von ABV | 4.202 Beiträge

Hallo Nachbar aus dem " Land ohne Sonne"

Von den fehlenden Sanitäranlagen in Frankfurts City, kann ich ein Lied singen. Wer Glück hat, findet in der Magistrale eine offene Gaststätte, wo er auf die Toilette gehen kann.
Bei den erhaltenswerten Gebäuden, oder Gebäudeteilen, hatte ich unter anderem den Eingang zur ehemaligen Fußgängerabfertigung vor Augen. Dazu ein Hinweisschild mit Informationen. Aber das die den Übergang völlig platt gemacht haben.

Viele Grüße in die Fürstenwalder Ecke aus Küstrin-Kietz
Uwe


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zuletzt bearbeitet 30.05.2013 20:45 | nach oben springen

#32

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 29.05.2013 19:40
von ABV | 4.202 Beiträge
Vor der Festlegung der neuen polnischen Westgrenze, im Jahre 1945, verband die so genannte Stadtbrücke in Frankfurt (Oder), die Innenstadt mit der am östlichen Ufer gelegenen Dammvorstadt. Zunächst als hölzernes, abenteuerlich anmutendes Konstrukt. Unter der die Oder wie ein Wasserfall rauschte. Falls man dem alten Stich aus dem 16. Jahrhundert Glauben schenken darf. Später wurde die Brücke, den wachsenden verkehrstechnischen Erfordernissen angepasst und mehr und mehr ausgebaut. In Theodor Fontanes, zur Zeit der Befreiungskriege spielenden Romanepos „ Vor dem Sturm“, kommt die Brücke sogar zu literarischen Ehren. Bei Fontane liefern sich an dieser Stelle, deutsche Freischärler mit französischen Besatzungssoldaten eine mehr oder weniger blutiges Scharmützel. Das Gefecht fand allerdings nur in der Phantasie des Dichters statt. Erwiesen ist jedoch, dass die Franzosen seinerzeit, also 1813, die Stadtbrücke in Brand setzten. Abweichend von der Romanhandlung, wurden die Franzosen nicht von tapferen Deutschen, sondern von sicher nicht minder tapferen, obendrein noch sehr realen russischen Kosaken bedrängt. Bei Fontane zogen es die Russen vor, in ihrem unweit der Stadt gelegenen Lager abzuwarten und die Deutschen im Stich zu lassen. Mit der geschichtlichen Wahrheit nahm es offenbar schon damals nicht so genau. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Frankfurt zu einer Stadt an der Grenze. Nicht aber zu einer Grenzstadt! Wer in dieser Aussage einen Widerspruch sieht, sollte sich einmal das Flair einer Grenzstadt vor Augen führen. Da brauchen wir nicht einmal bis nach Aachen zu gehen. Das heutige Frankfurt (Oder) genügt völlig. Wer in der Stadt unterwegs ist, hört beinahe an jeder Ecke ein deutsch-polnisches Sprachengewirr. Überall sieht man zweisprachige Hinweisschilder. Die Straßen werden von Fahrzeugen mit deutschen und polnischen Kennzeichentafeln, gleichermaßen verstopft. Wie das eben so ist, in einer Grenzstadt. Solch ein spezielles Fluidum bedarf jedoch einer entscheidenden Vorraussetzung: die ständige Passierbarkeit eben dieser Grenze. Und zwar für beide Seiten! Davon konnte man in den ersten Lebensjahren dieser Grenze, beim besten Willen nicht sprechen!Persönlich kann ich es mir zwar nicht vorstellen, aber an der Oder herrschten zunächst Zustände wie an der „ Innerdeutschen Grenze“. Stacheldraht, Hunde, Wachtürme, Scheinwerfer und bewaffnete Posten. Eben das ganze Programm. Vor allem von polnischer Seite. Man traute dem deutschen Nachbarn nicht. Politische Propaganda hin oder her. Viel mehr befürchteten die Polen wohl, dass sich die Deutschen ihre "amputierten" Gebiete eines Tages wieder zurückholen werden.
Daran konnte auch das am 27. Januar 1951 zwischen der DDR und der VR Polen in Frankfurt (Oder) unterzeichnete Protokoll über die Anerkennung der polnischen Nachkriegsgrenze nichts ändern.
Erwähnenswert ist jedoch, dass anlässlich dieses Staatsaktes, auf der Frankfurter Stadtbrücke eine symbolische Begegnung zwischen Deutschen und Polen erfolgte.
Friedensglocke 1 (FILEminimizer)

Die so genannte Friedensglocke am Frankfurter Oderufer, gilt vielen als Symbol der Anerkennung der polnischen Grenze. Und dem damit zum Ausdruck gebrachten Wunsch, dass an dieser Grenze tatsächlich künftig Frieden herrscht. Gestiftet wurde die Glocke jedoch nicht von der SED, sondern von der CDU. Anlässlich des VI.Parteitages, am 27. Januar 1953.
Friedensglocke Text (FILEminimizer)

Der Text regt auf jeden Fall zum Nachdenken an.

Zur Ruhe kam diese politisch umstrittene Grenze, allen Bemühungen zum Trotz, dennoch nicht. Genau genommen handelte es sich bei dem
" Frankfurter Protokoll" nichts weiter als um einen symbolischen Akt politischer Propaganda. Die in jeder Hinsicht von der Sowjetunion abhängige DDR, befand sich überhaupt nicht in der Position, um den Polen irgendwelche Garantien abzugeben. Schon gar nicht, was den Bestand der Staatsgrenze und dem damit verbundenen offiziellen Verzicht auf große Teile des früheren deutschen Staatsgebietes angeht. Das stand einzig und allein in der Macht der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs.
In großen Teilen der Bevölkerung, vor allem bei den zahlreichen Vertriebenen, hatte sich die SED dadurch weiteren Kredit verspielt.
Aber auch die Bundesrepublik benutzte die "ungeklärte Grenzfrage" zu politischen Spielchen. So gab es wohl keinen Politiker von Format, der nicht auf einem Treffen der Vertriebenenverbände auftrat und den Menschen die " Rückkehr in die verlorene Heimat" suggerierte. Vertriebene sind schließlich auch Wähler! Welcher Politiker möchte nicht wiedergewählt werden? Da spielte es auch keine Rolle, dass die versprochene Rückkehr in die Heimat, im Laufe der Jahre immer unwahrscheinlicher erschien. Zumal jenseits der Oder bereits eine neue, in den polnischen Westgebieten geborene Generation heranwuchs. Die nun ihrerseits diese Gebiete, völlig zu Recht, als Heimat ansah.
Zu einer zaghaften Entkrampfung kam erst, nach dem berühmten Kniefall von Bundeskanzler Willy Brandt, vor einem Mahnmal in Warschau. Und nicht zuletzt auch durch die Einführung des Visafreien Reiseverkehrs zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen.
Jetzt erst begann sich Frankfurt (Oder) langsam, ganz langsam, zu einer wirklichen Grenzstadt zu entwickeln. Autoschlangen vorher ungeahnten Ausmaßes und unzählige Fußgänger, nutzten täglich den Übergang an der Stadtbrücke. Vor allem zum Einkaufen in der Nachbarstadt Slubice. Aber auch zum Tanken. Bereits damals konnte Polen die Touristen mit vergleichsweise günstigen Spritpreisen locken.
Zum Erstaunen nicht weniger DDR-Bürger, fanden sich in den polnischen Geschäften Waren, die man sonst nur aus der Werbung von ARD oder ZDF kannte. Zum Beispiel "Westkaugummis", inklusive den dazu gehörigen bunten Comicbildern.
Stadtbruecke 2008 b (FILEminimizer)

fast schon ein nostalgisches Foto. Der Grenzübergang Stadtbrücke, wenige Monate nach Einstellung der Grenzkontrollen im Jahre 2008

Schon bahnten sich neue Probleme zwischen DDR-Bürgern und Polen an. Sowohl in der DDR als auch in Polen herrschte in den Handelseinrichtungen alles andere als Überfluss. Wenn dann die eine Seite die andere Seite bezichtigte, " die Läden rücksichtslos leerzukaufen", war der Ärger vorprogrammiert.
"Clevererweise" verstand es die SED-Führung im Oderbezirk, gewisse Antipolnische Ressentiments in Teilen der Bevölkerung, geschickt zu steueren. Um den polnischen Touristen die Schuld für so manchen Engpass in die Schuhe zu schieben. Man sollte es kaum glauben, aber die Botschaft kam an!
Selten waren sich Partei und Volk so einig, wie bei der Pflege antipolnischer Vorurteile.

Wird fortgesetzt

Gruß an alle
Uwe

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#33

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 30.05.2013 19:53
von ABV | 4.202 Beiträge

Wie erfolgte denn eigentlich die Sicherung der Staatsgrenze von polnischer Seite aus?
Wie bereits erwähnt, Stacheldraht und andere Hindernisse, kenne ich nur aus irgendwelchen uralten Schilderungen. Welche die Zeit vor 1961 betreffen. Gesichert wurde diese Grenze selbstverständlich trotzdem. Verantwortlich für die Sicherungsmaßnahmen an der Staatsgrenze war die " WOP", die Wojska ochrona po graniczne, was so viel wie " Militärischer Grenzschutz" bedeutet.
Während bei den Grenztruppen der DDR, am anderen Ufer von Oder und Neiße, ab 1963 die Grenzkompanien aufgelöst wurden und fortan nur noch Berufssoldaten zum Einsatz kamen, patroullierten am Ostufer der Grenzflüsse auch weiterhin Postenpaare. Die aus normalen Wehrpflichtigen bestanden.

B-Turm Goryca (FILEminimizer)

der letzte noch erhaltene Beobachtungsturm der polnischen Grenztruppen an der Oder bei Gorzyca. Ungefähr zwanzig Kilometer nördlich von Slubice gelegen

Das Kommando der " WOP" befand sich in Krossno Odrzanskie, fünfzig Kilometer südöstlich von Slubice entfernt. Grenzschutzkasernen gab es dagegen unter anderem in Kostrzyn und Slubice. Der Streifendienst erfolgte an der Staatsgrenze selbst und bis zu fünf Kiloemter in der Tiefe des Hinterlandes.
An einigen exponierten Stellen entlang der Oder, standen hölzerne Beobachtungstürme. Diese wurden jedoch schon vor 1989 nur noch selten besetzt und in der Folge nach und nach abgebaut. Den letzten noch erhaltenen B-Turm kann man heute an der Oder bei Gorzyca, gegenüber dem deutschen Reitwein, zwischen Slubice und Kostrzyn, bewundern.
Auf diesem Turm wachte noch Anfang der neunziger Jahre, ein polnischer Grenzsoldat. Was wohl der besonderen strategischen Bedeutung der Örtlichkeit geschuldet ist. Sowohl auf polnischer als auch auf der gegenüberliegenden deutschen Seite, führt die Straße direkt an die Oder. Schmuggler und Schleuser konnten ihre illegale Fracht direkt am Ufer in Schlauchboote umladen, auf die andere Seite bringen und dort wiederrum in bereitstehende Fahrzeuge verladen.
Eine Möglichkeit, von der die kriminellen häufig Gebrauch machten! Jedenfalls immer dann, wenn der Turm nicht besetzt war.
Bis 1990 nutzten NVA und Sowjetarmee das gegenüberliegende Terrain als Wasserübungsplatz für Pioniertruppen. Die Behauptung das der polnische Grenzschutz die militärischen Aktivitäten von diesem Turm aus " argwöhnisch" überwachte, wäre wohl doch etwas sehr gewagt!

Eisenbahnbrücke Kietz (FILEminimizer)

die Eisenbahnbrücke von Küstrin-Kietz nach Kostrzyn

Bis zum Beitritt Polens zur großen " Schengengemeinschaft" bewachte ein Standposten auf polnischer Seite, die Eisenbahnbrücke von Küstrin-Kietz nach Kostrzyn. Dem wackeren Grenzsoldaten stand für die, sicher alles andere als Abwechslungsreiche Dienstdurchführung, ein Schilderhaus in den polnischen Landesfarben zur Verfügung.
In den Anfangsjahren wurde diese strategisch wichtige Brücke, über der unter anderem der Güterverkehr aus und in die Sowjetunion sowie verschiedene Militärtransporte rollten, auf deutscher Seite ebenfalls von Posten gesichert. Die Beobachtung des Brückenumfeldes erfolgte aus einer Art Schutzbunker, denen an der Westgrenze nicht unähnlich. Im Herbst 1989 war dieser Bunker bereits verfallen.

wird fortgesetzt

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zuletzt bearbeitet 30.05.2013 21:08 | nach oben springen

#34

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 30.05.2013 21:13
von ABV | 4.202 Beiträge
Die Wojska Ochrony Pogranicza (WOP) war während der kommunistischen Herrschaft in Polen die militärisch organisierte Grenztruppe. Sie umfasste bis zu 20.000 Soldaten.

Als Gründungsakt dieser Truppe kann die Abriegelung der Oder-Neiße-Linie bis zum 10. Juni 1945 durch drei Infanterie-Divisionen der 2. Polnischen Armee angesehen werden. Bis zum November 1945 waren zur Bewachung der gesamten neuen polnischen Staatsgrenze elf Infanterie-Divisionen und ein Panzer-Korps aufgestellt. Die offizielle Gründung der WOP erfolgte am 13. September 1945.

Abzeichen von WOP-Brigaden
(1/3) ▶

Lebusische Brigade der WOP◀ (2/3) ▶ Lausitzer Brigade der WOP
◀ (3/3) Karpatische Brigade der WOPAm 20. März 1948 wurde die WOP in Brigaden umorganisiert, die sich auf folgende Standorte verteilten: Szczecin, Koszalin, Gdańsk, Kętrzyn (Offiziersschule), Białystok, Chełm, Przemyśl, Nowy Sącz, Gliwice, Kłodzko, Lubań und Krosno Odrzańskie.
Zur Sicherung der Seegrenze wurde in Gdańsk eine Brigade errichtet, der drei Divisionen in Gdańsk-Westerplatte, Kołobrzeg und Świnoujście unterstanden.

Der Anteil von Abkömmlingen aus dem Arbeiter- und Bauernstand an den Offizieren dieser Truppe wurde 1949 mit 78 % angegeben. Die Soldaten stammten überwiegend aus der Polnischen Volksarmee. 5 % der Truppenmitglieder waren damals Staatsangehörige der Sowjetunion bzw. ehemalige Offiziere der Roten Armee, so auch der erste Befehlshaber der WOP, Oberst Gwidon Czerwiński.

Während ihrer Existenz wechselte mehrfach die Zuständigkeit zwischen dem Verteidigungs- und dem Innenministerium, wobei die militärische Ausrichtung der Truppen stets erhalten blieb.

Anfang der 1980er Jahre wurden Einheiten und Material der WOP mit dazu eingesetzt, Proteste gegen das in Polen verhängte Kriegsrecht zu unterdrücken.

Am 16. Mai 1991 wurde die WOP in eine Polizeitruppe, die Straż Graniczna (SG) umgewandelt

Quelle: Wikipedia

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#35

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 31.05.2013 20:50
von icke46 | 2.593 Beiträge

[quote=ABV|
Am 16. Mai 1991 wurde die WOP in eine Polizeitruppe, die Straż Graniczna (SG) umgewandelt

Quelle: Wikipedia[/quote]


Danke für die Info - so musste ich heute im Slubice nicht lange grübeln, zu welcher Truppe das Dienstfahrzeug mit der Aufschrift "Straż Graniczna" gehört.
Bei der Gelegenheit mal eine Frage: Kann es sein, dass die Polizei in Polen keine Euros nehmen darf? Ich konnte nämlich heute in Slubice beobachten, wie ein PKW aus LDS (also wohl Dahme-Spree) von einem Polizeiwagen zu einer Wechselstube eskortiert wurde; nachdem der Fahrer dann mit einer Handvoll Zloty wieder herauskam, wurde das Geld brüderlich geteilt - natürlich mit entsprechender Quittung-

Sowas kann mir nicht passieren - da meistens mit Bahn und Bus unterwegs. Nebenbei bemerkt, die Buslinie nach Slubice ist ein sehr angenehmer Fortschritt.

Gruss

icke



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#36

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 31.05.2013 21:10
von ABV | 4.202 Beiträge

Hallo Icke!
Die Strafe muss in der Währung des jeweiligen Landes bezahlt werden. In Polen also in Zlotys. Stell dir mal du müsstest das Verwarngeld in Euros bezahlen. In dem Fall müsste ja der Polizist den vorgesehenen Regelsatz von Zloty erst in Euro umrechnen. Und wenn dann noch jeder seinen eigenen Wechselkurs festlegt, so wie in manchen Läden und Tankstellen durchaus üblich, könnte es unter Umständen noch teurer werden. Wobei die Verwarngelder in Polen schon "saftig" genug sind. Jedenfalls im Vergleich zu Deutschland.

Gruß Uwe


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#37

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 31.05.2013 21:15
von icke46 | 2.593 Beiträge

Ist aber witzig - von den PKW-Fahrern, die nach Slubice fahren, haben vermutlich die wenigsten Zlotys. Ich habe jetzt als Fussgänger vorgesorgt - da ich mir beim Lidl in Slubice polnisches Bier besorgt habe, bin ich nunmehr stolzer Besitzer von 12 Zloty Wechselgeld - die haue ich
bein nächsten Besuch auf den Kopp.

Gruss

icke



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#38

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 31.05.2013 21:23
von Lutze | 8.033 Beiträge

war oft in Swinemünde auf dem Polenmarkt,zu DDR-Zeiten wollten die lieber
DDR-Geld sehen,nach der Wende D-Mark,und Euro ist auch kein Problem
Lutze


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#39

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 31.05.2013 21:24
von ABV | 4.202 Beiträge

Ja, Lutze. Aber die Polizei hat halt andere Vorschriften

Gruß Uwe


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#40

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 31.05.2013 21:28
von Lutze | 8.033 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #39
Ja, Lutze. Aber die Polizei hat halt andere Vorschriften

Gruß Uwe

war bis vor kurzen ein Füßgänger-Grenzübergang,
da hatte man mit der polnischen Polizei keine Probleme
Lutze


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