#61

RE: 8.Mai 1945-Stunde Null?

in Spionage Spione DDR und BRD 04.05.2013 10:12
von Barbara (gelöscht)
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Guten Morgen!

Ich habe den Bericht von Markus Wolf gelesen und mir noch ein paar Sachen im Netz angesehen - sehr interessant! Das ist ja ein Ding, dass Stalin dem nicht geglaubt hat wegen der Pläne der Nazis die UDSSR anzugreifen. Der II. Weltkrieg wäre sicher anders verlaufen, Hitler wäre vielleicht früher gestoppt worden, es hätte vielleicht Mio Zivilisten und Soldaten auf beiden Seiten das Leben gerettet. – Stalin war wirklich von allen guten Geistern verlassen. Und dann überlässt er diesen loyalen Spitzenmann, der Sorge offensichtlich war, den Japanern – unfassbar.

Hier stellt sich mir die Frage: wie geht man damit um, eine Agententätigkeit auch im Bewusstsein leben zu müssen, im Zweifel von der eigenen Führung verraten zu werden. Das hat es doch bestimmt öfter gegeben?

Gehlen war mir bekannt. Ein Opportunist, der geschickt sein Wissen aus der Nazizeit an den Mann gebracht hat. Es ist so schwer auszuhalten, dass die USA einerseits KZ’s befreit haben und angesichts dieser ganzen unfassbaren Gräuel ausgerechnet einen Mittäter (und wie wir wissen nicht nur einen) derartig protegieren und installieren. Dasselbe gilt für Barbie. Ich kann mich noch gut daran erinnern, welches Aufsehen seine Gefangennahme und der anschließende Prozess erregt haben. Hier sollten wir unbedingt Serge und Beate Klarsfeld erwähnen, ein für mich beeindruckendes Paar!

Frage: Ist Politik letztlich immer ohne Ethik?

Zum Verhältnis USA und UDSSR habe ich noch eine Frage:
Wie war deren Verhältnis nach dem I. WK? Diese Block-Zuspitzung ist durch den II WK doch erheblich forciert worden. Ist ein anderes Verhältnis zwischen ihnen denkbar, hätte es Hitler nicht gegeben? Ist vielleicht zu theoretisch die Frage.

Ich habe daran anschließende Fragen, aber besser im nächsten Beitrag…


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#62

RE: 8.Mai 1945-Stunde Null?

in Spionage Spione DDR und BRD 04.05.2013 10:35
von Barbara (gelöscht)
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Ich habe schonmal versucht das in einem anderen Beitrag zu formulieren, möchte es hier nochmal machen.

Ich habe viel über den Kalten Krieg nachgedacht in den letzten Wochen, sehr viel, und viel gelesen.

Dieses unglaubliche Spannungsverhältnis zwischen UDSSR und USA, diese permanente „Beinahe“ – Situation, die ja die Welt-Politik in der 2. Hälfte des 20.Jhdts. maßgeblich bestimmt hat: warum ist es nicht zum Knall gekommen? WARUM nicht?

Die Rüstungsdynamik und der ideologische Kontrast war doch so zwingend, fast wie ein Naturgesetz.

Die Tatsache, dass der Mensch fähig ist Atomwaffen zu bauen ist eine Sache, der Mensch will forschen und Forschung ist ohne Moral. Besser weiß er es immer erst hinter her.

Aber in eine derartige „atomare Überproduktion“ zu geraten, die bei gleichzeitigem Detonieren der Sprengköpfe wohlmöglich Einwirkung auf die Erdachse gehabt hätte – der Mensch ist irre oder? Und zwar systemübegreifend! Und das bei klarem Verstand!

Aber: warum hat es nicht „geknallt“? Bei wem und aus welchem Grund setzt „Vernunft“ ein? Bei Chrustchov oder Kennedy z.B., oder bei der Situation am Check-Point Charly?
Was hält diesen Reflex „Ich zerstöre dich (und mich damit auch)“ auf?
Geheimdiplomatie, rote Telefone.

Gab es /gibt es auch bei den Geheimdiensten – seaman – bezogen auf deine Äußerung im anderen Thema, neben dem „gegeneinander arbeiten“ auch noch den Weg, wenn es wirklich darauf ankommt, direkt miteinander zu kommunizieren – um das Schlimmste zu verhindern? Systemübergreifend bzw. system-unterlaufend?


zuletzt bearbeitet 04.05.2013 10:47 | nach oben springen

#63

RE: 8.Mai 1945-Stunde Null?

in Spionage Spione DDR und BRD 04.05.2013 10:54
von seaman | 3.487 Beiträge

Hallo Barbara,
erstmal eine Kurzantwort.
Die Erkenntnisse von Geheimdiensten über die andere Seite im Kalten Krieg hat mindestens zur Stabilisierung der militärischen Pattsituation beigetragen.Man kann auch davon ausgehen,so manche Information der Agenten/Kundschafter hat Politiker und Regierungen vor Kurzschlusshandlungen bewahrt.
In manchen Bereichen-CIA+KGB-gab es wohl auch persönliche Kontakte.
Keine Seite konnte seinerzeit ein militaerisches Risiko eingehen.Jeder wusste um die Kapazitaeten des Anderen.

Von einem Insider hoerte ich selbst dazu folgende Bestaetigung zur Rolle der Geheim/Nachrichtendienste im Kalten Krieg-Zitat:


"Ehrlicherweise muss die Rolle der Nachrichtendienste beider Seiten-lassen sie mich hinzufuegen: Aller Nachrichtendienste in Ost und West-als Beitrag gesehen werden,dass der 45 Jahre dauernde Kalte Krieg kalt blieb und nicht heiss wurde."
Ende Zitat

Diese Aussage stammt vom letzten Leiter der Abteilung Sowjetunion/Osteuropa der CIA während des Kalten Krieges-Milton Bearden.
Später dazu mehr.

seaman


zuletzt bearbeitet 04.05.2013 11:13 | nach oben springen

#64

RE: 8.Mai 1945-Stunde Null?

in Spionage Spione DDR und BRD 04.05.2013 12:12
von Gelöschtes Mitglied
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Ja, Barbara, diese Frage, wie geht man damit um? Wird oft gestellt im Nachhinein. Also, wie ist Mann/Frau, damit umgegangen. Und das ist nicht so leicht zu erklaeren, denn:
Die Geheimdienstler als Familie zu betrachten geht nicht. Die sind, gleichgueltig wo sie ‘sitzen’ oder eingesetzt werden, alleine im Feld (im Dienst). Sie agieren unter genauen Vorgaben, zeitweise auch in vollkommen eigener Verantwortung, ggfs. alle ueber Jahre hinweg, und sind einem unvorstellbaren Druck ausgesetzt zwischen Dienst und Privat- und normalen Berufsleben. Der eine gewoehnt sich daran, der andere zerbricht daran. Mein Vater war sehr streng, wenn ich Essen auf mein Teller tat, dann musste ich alles aufessen, unter Androhung von Schlaegen. Seine Schlaege waren hart und gemein, deshalb wuergte ich letztendlich alles in mich hinein, um manchmal diesen Schlaegen zu entgehen. Und ich ueberstand die Tortur so oder so. Also wachsen einige Menschen verweichlicht auf, die anderen ueberleben eine Qual nach dem anderen und sind belastbarer. Meine ehrliche Meinung.

Die Strukturen und die Taetigkeiten im GD sind rigoros veschiedenster Art. So sitzt eine Sekretaerin in Bonn und uebergibt Informationen oder heisse Nachrichten aus einem Ministerium. Der oder die anderen sitzen auf ganz anderen Quellen und sind staendig in verschiedenen Gebieten im Einsatz, so im militaerischen oder in im wirtschaftlichen Bereichen oder in der Politik. Das ist heute nicht anders. Und die Belastung ist gross. Wer versucht, ein Klischee aufrechtzuerhalten, ich meine jetzt Kameraden – in allen Ehren, wir waren keine Maschinen, wir waren Menschen.
Jeder Agent/Agentin, wird Dir dazu eine andere Antwort geben zu seinen Gedanken, weil es insgesamt zwar der gleiche Auftrag war, Informationen zu beschaffen, andererseits weil nicht ein Mensch wie der andere ist. Ich mache den Vergleich: z.B. ein Mensch in der freien Wirtschaft hat einen nicht angenehmen Chef. Ein Mitarbeiter packt es und haelt durch, der andere nicht,und ist dann weg vom Fenster.
Genauso ist es in den Geheimdiensten. Der eine ist mehrfach belastbar, der andere biegt sich bei kleinstem Druck. Darueber koennte ungeheuer viel geschrieben werden. Zeichen von Schwaeche werden kaum toliert, eben wie im Berufsleben. Abgesehen von einer intensiven Schulung, die Menschen bringen in jedem Falle ihre eigenen Faehigkeiten mit, auch andere Moeglichkeiten vom Charakter her. Dazu kommt sicher ihre politische Einstellung, und dann, last but not least, ihre Fuehrung, die wie ein Imago immer dabei sind, auch wenn weit entfernt. Das sind Fuehrungsoffiziere, die diesen Menschen in jeder Hinsicht kennen und wissen, welche Knoepfe sie druecken muessen, um, und darum geht es, Erfolge zu bringen. Das schuetzt diese FOs allerdings nicht davor, auch eine unloyalen Scout unter sich zu haben. Genauso, wie es eben auch die Moeglichkeit gibt, dass diese Fuehrungsoffiziere ihre eigenen Kundschaftern/Scouts, in die Pfanne hauen. In jedem Falle wird es anders ablaufen. Ich wuerde so sagen, im Deinst hat man kaum noch Zeit darueber nachzudenken, es gibt Privatleben, die dazu kommen. Ich war wie ein deutscher Schaeferhund, der seinem Herrn gehorchte, und emsig meine mir aufgetragene Pflicht nachging und alles andere auch erledigen musste. Du kannst viel nachlesen hier im Forum, ‘Das dunkle Haus der Spionage’ mit sehr guten Beitraegen (wie immer) von Seaman. Aber auch von anderen Zeitzeugen direkt.
Wie geht man also mit Belastungen in einem ganz normalen Leben um? Man zerbricht oder holt sich wieder aus dem Loch, man gibt auf oder man macht weiter. Heute, aelter, erfahrener und nach Analyse meines Lebens, sage ich, dass ein Mensch durchaus mehrere Leben leben kann und dem Druck standhalten kann. Aber ganz klar ist fuer mich, dass die wenigsten dem gewachsen sind. Wenn ich heute die niedrige Belastungsgrenze in verschiedenster Weise betrachte, dann wird mir Angst und Bange, und das nicht auf Geheimdienste bezogen. Die meisten Menschen heute haben keine Ahnung wie schwer das Leben damals war, mit allen Aengsten und furchtbaren Noeten nach 1945 und sie haben es geschafft, sie waren im hoechsten Masse unmenschlich belastet als sie vor einem nichts und ihren Verlusten standen. Heute? Egal ob wir mit der Politik einverstanden sind, oder ob wir politische Gegener sind - Germania hat einen Lebensstandard heute, der weit ueber dem Standard der einstigen Grossmaechte rangiert; Und? da wird gejammert, gefleht und geflucht, und zum Psychiater gerannt. Unsere ‘Psychiater’ waren die Fuehrungsoffiziere, wohlgemerkt auf beiden Seiten der Grenze. Auch die waren darauf dressiert, uns auf Trab zu halten. Seaman in seiner Rezension zu meiner Biographie nannte uns ‘Marionetten’ wohl wahr, aber er erwaehnte auch, dass wir durchaus unsere Chancen genutzt haben, uns gegen gewisse Befehle zu stellen, wenn es um unser Privatleben ging. Wer keine Marionette ist in diesem Leben, der hebe die Hand! Der eine setzte sich durch, der andere wagte nicht aufzumucken. Aber wie gesagt, die Menschen waren damals und sind heute verschieden; skrupellos sind sie seit ehe und je, einige kommen besser deshalb durch die Nacht als andere. Und das ist in fast jedem Beruf so! Gutachter, und andere nette Leute, die ich spaeter kennenlernte sagten immer erstaunt, 'du bist ja voellig normal!!!' Ja, was also stellt man sich vor unter Geheimdienstmitarbeiter. Auch wenn hier im Forum die Geheimdienste und die Menschen darin verachtet und gehasst werden. In der Stunde Null waren die Geheimdienste nicht wegzudenken und haben mehr als massgeblich zu einem langen Frieden zwischen den Grossmaechten beigetragen. #63 Und heute? in unserer ach so friedlichen Welt, ueberfluessig? Die alten Klischees lassen gruessen, welche Arbeit GD leisten, und dass die Schuetzer ihrer Staaten fuer ihre eigene Sicherheit sind, verstehen die Menschen nicht. Habe ich oft geschrieben, aber schreibe ich nochmal. Und gerade in Deutschland verstehe ich das nicht!
Gruss, Larissa
in/korr.


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#65

RE: 8.Mai 1945-Stunde Null?

in Spionage Spione DDR und BRD 04.05.2013 12:20
von Gelöschtes Mitglied
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Melde mich auch mal wieder zu diesem Thema zu Wort. Möchte dabei noch einmal auf Larissas Beitrag 47 eingehen. Zum Baltikum äußere ich mich nicht mehr, denn dazu habe ich schon Position bezogen. Ebenso wenig werde ich auf die Situation in Mocambique eingehen - obwohl es viele Jahre mein "Einsatzgebiet" war und ich die FRELIMO im ihrem Kampf und Wiederaufbauwerk unterstützte. Ich habe die verbrecherische RENAMO live erlebt. Über und zu Mocambique bedarf bei mir keines weiteren Aufklärungsbedarfes - das wäre gleichbedeutend Eulen nach Athen zu tragen.

Zurück zur eigentlichen Thematik und der Stunde Null. Es ist ja zwischenzeitlich der Mehrheit der User hier bekannt, dass die HVA des MfS aus dem Außenpolitischen Nachrichtendienst (APN) hervorgegangen ist.
Der Außenpolitische Nachrichtendienst (APN), der unter der Tarnbezeichnung Institut für Wirtschaftswissenschaftliche Forschung (IWF) arbeitete, war1951 unter offizieller Leitung des Staatssekretärs im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten Anton Ackermann gebildet worden. Er unterstand zunächst faktisch dem sowjetischen Außenministerium. Als 1.Stellvertreter fungierte zunächst noch Richard Stahlmann. Im Herbst 1953 wurde der Außenpolitische Nachrichtendienst als Hauptabteilung XV dann in das Staatssekretariat für Staatssicherheit eingegliedert. Die Auslandsaufklärung stand seit Anfang 1953 unter der Führung von Markus Wolf, der bei der Eingliederung zu einem der Stellvertreter desStaatssekretärs für Staatssicherheit Ernst Wollweber ernannt wurde (Markus Wolf damals einer jüngsten Generäle der DDR). 1956 wurde die Hauptabteilung XV zur Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) umstrukturiert.
Zahlreiche Führungskräfte der HVA, wie auch des Staatssekretariats für Staatssicherheit, sammelten ihre ersten nachrichtendienstlichen Erfahrungen in der antifaschistischen Widerstandsbewegung, im Spanienkrieg und in den Reihen der damaligen sowjetischen Dienste. Es ist auch kein Geheimnis, dass Erich Mielke im Spanienkrieg für den sowjetischen Dienst, speziell für die GRU gearbeitet hatte. Man könnte weitere Beispiele hier benennen und anführen.
Larissa ich kann Deine Einschätzung hinsichtlich des Umganges mit den ehemaligen Kundschaftern nach der Wende nicht ganz teilen. Sicherlich hat es manchen Kundschafter nicht nur sozial sehr hart getroffen - das hat es andere auch. Ich halte an dieser Stelle jedoch entgegen, sie wußten was sie erwartet, wenn sie verraten und enttarnt werden. Sie hatten keine Gnade zu erwarten. Von wem auch. Die Schutzmacht DDR ? Die lag in ihren letzten Zügen und das Bruderorgan ? Dem war das Hemd auch näher wie die Hose. Sie hatten den ersten Zugriff auf die Rosenholz-Dateien und haben den auch weidlich genutzt.
Spätestens am 15. Januar 1990, mit der gezielten Erstürmung des MfS dürfte auch dem letztem Kundschafter klar geworden sein, rette sich wer kann und wenn dazu noch die Möglichkeit bestand ! Unser ehemaliger HA - Leiter gab diese Devise bereits im November 1989 als eine seiner letzten Amtshandlungen heraus.
Vielleicht herrschte doch bei vielen Kundschaftern die Hoffnung, dem Verrat und der Enttarnung zu entgehen. Aus damaliger und heutiger Sicht, eine sehr trügerische Hoffnung. Mit ihrem Einsatz wußten die Kundschafter, es gibt ein Leben vor und ein Leben nach der Entarnung, ob nun durch Verrat oder Aufklärung durch den gegnerischen Dienst. Das das Leben danach anders aussieht, wie zuvor mußten schon andere Kundschafter erfahren - nicht erst seit Rudolf Iwanowitsch Abel (ehemaliger Oberst des KGB) bzw. Günter Guillaume (OibE des MfS).
Die Guillaume´s sind ein beredtes Beispiel dafür, wie schwer ein Leben danach sein kann. Nach deren Haftentlassung und Rückkehr in die DDR folgten Ehrungen u,v.m.. Aber diese Zeit war dann auch mal vorbei und es begann das Alltagsleben in der DDR. Letztendlich haben sie es nicht gemeistert. Die Ehe von Christel und Günter Guillaume scheiterte und wurde dann auch 1981 geschieden. Der gemeinsame Sohn Pierre, der bereits 1975 nach der Verhaftung seiner Eltern in die DDR zurückkehrte, fand überhaupt keine Bindung zu und in der DDR. Seinem Wunsch wurde dann entsprochen und sein Ausreisantrag in die BRD bewilligt. Unter dem Mädchennamen seiner Mutter siedelte er dann 1988 mit seiner Familie in die BRD über.
Sein Vater heirate später erneut und starb dann 1995 unter dem Namen Günter Bröhl, dem Namen seiner letzten Ehefrau. Christel Guillaume nahm ihren Mädchennamen Boom wieder an und verstarb 2004.
Nur ein Beispiel dafür, dass das Leben vor und nach der Enttarnung auch zwei Seiten einer Medaille widerspiegelt.

Ebenso teile ich nicht die Aussage hinsichtlich der zahlenmäßigen Wertigkeit inhaftierter Kundschafter, Spione oder Agenten. Nicht die Quantität ist ausschlaggebend für den Erfolg. Doch mehr, wen man in seinen "Fängen" hatte. War es ein Spitzenmann oder doch nur ein normaler Verbindungsmann oder Kurier. Bei späteren Austauschen war das schon entscheidend. Nicht nur der Austausch von Rudolf Abel machte dieses deutlich. Zum Schluß entwickelte sich ja schon eine regelrechte Austauschkultur.

Es gab nicht nur Erfolge in der Aufklärung und Abwehr - manchmal war dieser Prozeß auch mit Pannen, Pech und Pleiten begleitet. Gerade der KGB hatte diesbezüglich bis in Ära Gorbatschow hinein, empfindliche Nackenschläge hinnehmen müssen.
Der letzte große Schlag war der Überläufer Wassili Mitrochin, Oberst in der Auslandsaufklärung, der 1992 mit Hilfe des britischen Geheimdienstes SIS in den Westen geschleust wurde und der dabei umfangreiches Archiv- und Aktenmaterial - man spricht von sechs Kisten - des sowjetischen Auslandsnachrichtendienstes, der Ersten Hauptverwaltung (Ausland) des KGB mitnahm. Mitrochin gehörte dem KGB seit 1948 an.
Das FBI schätzte den Inhalt dieser Kisten wie folgt ein - das "vollständigste und umfangreichste Nachrichtenmaterial, das je von irgendeiner Quelle beschafft wurde".
Noch 1996, bestritt die damalige Sprecherin des SWR, dieses als "blanken Unsinn". Die späteren Veröffentlichungen, u.a. im "Schwarzbuch des KGB" sprechen aber eine andere Realität.
Im diesem Schwarzbuch stellt Wassili Mitrochin folgende Aussage voran:

All jenen gewidmet,
die die Wahrheit sagen wollten,
aber nicht konnten.


Jedenfalls hat dieses Schwarzbuch zumindest bei mir dazu beigetragen, eine differenziertere Sicht- und Bettrachtungsweise auf die Arbeit des ehemaligen "Bruderorgans" zu haben. Wie auch das Buch "CIA" von Tim Weiner bereits Bekanntes vertiefte.

Zu Barbaras Frage an seaman.
Ich kann mich nicht erinnern, dass es zwischen Mitarbeitern der gegnerischen Dienste direkte Kontakte zur Konfliktlösung gab. Lasse mich aber gern eines Besseren belehren.
Meine ersten Kontakte und Gespräche mit der ehemaligen gegnerischen Seite, hatte ich Jahre nach der Wende in Frankfurt am Main mit Heribert Hellenbroich, ehemaliger Präsident des Verfassungsschutzes und des BND, wie auch mit Hans Apel, von 1978 bis 1982 Bundesminister für Verteidigung.
Diese Gespräche waren geprägt in einer Atmoshäre gegenseitiger Achtung und des Respekts - und das bei aller politischer und ideologischer Gegensätzlichkeit.
An dieser Stelle erst einmal Ende meiner Ausführungen.

Vierkrug

Nochmals editiert.


Gert, DoreHolm und passport haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 04.05.2013 13:07 | nach oben springen

#66

RE: 8.Mai 1945-Stunde Null?

in Spionage Spione DDR und BRD 04.05.2013 12:39
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Gert im Beitrag #50
mit Verlaub gesagt Hartmut du hast keine Ahnung vom Baltikum. Ich habe im engeren Verwandtenkreis Menschen die in Riga ( Baltendeutsche ) lebten und zwischen dem 1. und 2. Weltkrieg ein friedliches und gutes Leben in der lettischen Republik führten. Bis der Verbrecher Stalin und der Verbrecher Hitler ihr Geheimabkommen schlossen, wo sie die Beute Baltikum aufteilten. Nach diesem Abkommen und der Aufteilung Polens unter den Verbrechern ( es war wie in den 30er Jahren in Chikago, die einzelnen Gangster teilten ihre Territorien untereinander auf ) mussten meine Verwandten " heim ins Reich ", ob sie wollten oder nicht. Zunächst mal hatten die Gangsterbanden des NKWD das Sagen und haben entsprechend unter der Bevölkerung gehaust. Dass sich diese Völker, Letten, Esten und Litauer gegen die Russen wehrten, war nur legitim- Da haben sie mein vollstes Verständnis und ich habe keine Mitleid mit einem russischen NKWD Schergen, der zuvor z.B. 10 Litauer ins Jenseits befördert hat, wenn sie ihm die Kugel gaben. Die Partisanenbewegung dieser geknechteten Völker war ein Versuch sich von den Russen zu befreien. Ich sehe da keinen Unterscheid zwischen ihnen und afrikanischen Befreiungsbewegungen, die sich von ihren Kolonialherren befreiten.
Die Russen waren im Baltikum auch nur Kolonialherren und zu ihrer Vertreibung war jedes Mittel recht.Du solltest mal diesen kommunistischen Anstrich von der Sache nehmen, da findest du darunter das pure Verbrechersyndikat! Das mal als Ergänzung zu meinem Post.




Hass und Verachtung, zum Auschillen. "Die Russen" fuer alle!

http://www.liveleak.com/view?i=bf4_1367527123

Freue mich sehr auf die Unterhaltung mit Dir in Eisenach Gert. Liebe Gruesse und schoenes Wochenende, Larissa, die mit dem kommunistischen Anstrich Ich erneue die Farbe auch fuer Dich!


Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#67

RE: 8.Mai 1945-Stunde Null?

in Spionage Spione DDR und BRD 04.05.2013 13:02
von Gelöschtes Mitglied
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Vierkrug Kamerad, ich redete nicht oder von keinem 'Grossen' der GD. Erich Mileke GRU. Ein modernes Maerchen. Er hatte doch eh keine Nachteile von seinem Nachleben nach der DDR, wie seine 'Untertanen'.
Die Zahlen zu einsitzenden Westagenten im Osten sind nicht von mir und haben ebenfalls nichts mit Top Diamanten zu tun. Sondern sowohl von West- als Ostkameraden mit denen ich zu tun hatte, bekam ich dieses zu hoeren. Und diese mussten es wissen auf beiden Seiten, KGB und Verfasssungsschutzbeamte.
Ueber die Erfolge der SU und der US Geheimdienste ist vieles geschrieben worden. Am ehrlichsten sind die Amerikaner, die sehr wohl zugeben, wie erfolgreich die sowjetischen Geheimdienste waren. Ich glaube, wir muessten das nicht nochmal auseinander nehmen
Und ich glaube, vielleicht hast Du mich (Du waerest nicht der Erste) nicht ganz verstanden was ich meinte zur Uebernahme MfS Leute. Macht nix. Nicht wichtig. Ob richtig verstanden oder nicht, ist so wie ich es sehe.
Die Rosenholzdateien sind im Nachhinein als 'ziemlich wertelos' bestaetigt worden. Ganz sicher.
Anderenfalls gehen wir konform, und wenn nicht, auch nicht schlimm. So ist das Leben!
Gruesse und ein schoenes Wochenende, Larissa
in/korr.


zuletzt bearbeitet 04.05.2013 13:03 | nach oben springen

#68

RE: 8.Mai 1945-Stunde Null?

in Spionage Spione DDR und BRD 04.05.2013 13:16
von Gelöschtes Mitglied
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Ich takte mich erst einmal wieder heraus aus diesem Thread, da ich es nicht auf ein Zwiegespräch und eine Konfrontation zu bestimmten Bezügen ankommen lassen will.
Die Quellen, wie auch die eigenen Erfahrungen und nicht zuletzt die Sicht- und Betrachtungsweisen sind letztendlich zu unterschiedlich. Man muß auch Mißverständnisse nicht heraufprovozieren. An Märchen habe ich mal Kind geglaubt.


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#69

RE: 8.Mai 1945-Stunde Null?

in Spionage Spione DDR und BRD 04.05.2013 13:24
von Polter (gelöscht)
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8. Mai 1945 - Stunde Null ?

Ich denke nicht ! Die Uhren wurden bestenfalls neu gestellt ! Die Arbeit der Geheimdienste begann auf einer anderen Ebene.
Nur Stichworte: Treffen des SS-Generals Wolff mit Dulles in der Schweiz, Wettlauf beim Beutemachen der Wunderwaffen, Kunstschätze, Gold und
Wissenschaftler, Fahndung/Suche nach den Toten und Überlebenden der " Roten Kapelle "......es sind nur unvollständige Beispiele !


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#70

RE: 8.Mai 1945-Stunde Null?

in Spionage Spione DDR und BRD 04.05.2013 14:10
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Vierkrug im Beitrag #68
Ich takte mich erst einmal wieder heraus aus diesem Thread, da ich es nicht auf ein Zwiegespräch und eine Konfrontation zu bestimmten Bezügen ankommen lassen will.
Die Quellen, wie auch die eigenen Erfahrungen und nicht zuletzt die Sicht- und Betrachtungsweisen sind letztendlich zu unterschiedlich. Man muß auch Mißverständnisse nicht heraufprovozieren. An Märchen habe ich mal Kind geglaubt.



Chill out! Wo Konfrontation? Unterschiedlich? na klar sind wir das, nicht nur die Meinungen, sonst wuerde dieses Forum laengst einen Grabstein haben. Hatte mich richtig auf diesen Thread gefreut, der schon laengst nach wenigen Stunden wieder ausufert an ganz anderen Ufern als Stunde Null. Und, wenn man es nicht ertragen kann, dass andere auch 'etwas' Wissen einbringen koennen, dann ist es vonvorneherein sinnlos. Die Wahrheit lieber Kamerad, die Wahrheit liegt ganz woanders, das wissen wir beide. Also verstehe ich Deine Aufregung nicht.
Ich habe, in der Sonne sitzend, entschieden, dass ich mich abseilen werde hier. Du warst nur schneller. Ich bin schon weg, bleib dabei. Das Forum ist keine Bibel und kein Quran. Hier muss keener muessen. Ich fuer meinen Teil unterhalte mich lieber ueber die gute Leipziger Bratwurst. Bleibt mir nichts anderes uebrig,wie ich wieder einmal sehe!
Gruss, Larissa
in/korrg.


zuletzt bearbeitet 04.05.2013 14:13 | nach oben springen

#71

RE: 8.Mai 1945-Stunde Null?

in Spionage Spione DDR und BRD 04.05.2013 14:38
von Polter (gelöscht)
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Es sah ja vorrübergehend so aus, daß das Thema hier den Experten vorbehalten ist. Es kommt immer anders....und nun halten sie sich zurück und ich kann. Prima!
Geheimdienste ? Konnten die sich im Deutschland gründen und finden wie Vereine?
Hier zwei Beispiele:

http://www.spiegel.de/politik/deutschlan...t-a-887936.html
"
Sechziger Jahre: Frühere SS-Mitglieder bildeten eigenen Nachrichtendienst

Sie trafen sich regelmäßig und sollen sogar Sprengstoff nach Südtirol geliefert haben: Nach SPIEGEL-Informationen bildeten frühere Mitglieder des SS-Sicherheitsdienstes noch in den sechziger Jahren ein enges Netzwerk. Die Männer hielten auch Verbindung zum Verfassungsschutz. "

http://www.amazon.de/dp/3446241442/?tag=herberthuber
Nach Lektüre vernichten!: Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg

" Deutschland im Herbst 1969: Mit Willy Brandt stellt die SPD zum ersten Mal den Kanzler der Bundesrepublik. Ein hochrangiger Mitarbeiter beim BND kündigt seine Stelle, weil er der neuen Regierung nicht mehr vertraut. Finanziert von CDU und CSU sowie großzügigen Gönnern aus der Wirtschaft gründet er einen eigenen Nachrichtendienst. Bis in die 1980er Jahre nutzt die Union seine Dienste, um sich aus dem Ausland geheime, brisante Informationen zu beschaffen. Stefanie Waske, Expertin für die Geschichte der Geheimdienste, enthüllt einen politischen Skandal, der manche Protagonisten der bundesdeutschen Geschichte in einem neuen Licht erscheinen lässt. "

Besondes interessant die hilfreichen Kundenrezensionen zum Buch!


zuletzt bearbeitet 04.05.2013 15:54 | nach oben springen

#72

RE: 8.Mai 1945-Stunde Null?

in Spionage Spione DDR und BRD 04.05.2013 19:19
von Moskwitschka (gelöscht)
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Es ist fast banal was ich beizutragen habe. Erst hab ich larissas Beitrag gelesen - "Gutachter, und andere nette Leute, die ich spaeter kennenlernte sagten immer erstaunt, 'du bist ja voellig normal!!!'" Dann Vierkrugs, der Wassili Mitrochin zitierte - "All jenen gewidmet, die die Wahrheit sagen wollten, aber nicht konnten." Und dann kam Polter mit der "Roten Kapelle". Und es kamen Erinnerungen hoch.

Ich habe die "Hans Coppi Oberschule" besucht. Und da ist kaum jemand an der Geschichte der "Roten Kapelle" vorbeigkommen. Im Rahmen von verschieden Veranstaltungn habe ich den Sohn von Hans und Hilde Coppi kennengelernt. Er war kein Zeitzeuge, aber ein Opfer. Er wurde im Gefängnis geboren. Seine Eltern hat er nie kennen gelernt.

Warum ich das schreibe? Irgendwann 1971/1973 (?) habe ich Ruth Werner bei solch eine Veranstaltung erleben dürfen. Eine einfache Frau, die über ihre Arbeit als Kundschafterin berichtet hat. Über ihren Weg, über die Gefahren, über ihre Ängste. Natürlich (?)wurde damals ihre Rolle oder die Richard Sorges und die Einordnung der Roten Kapelle in den historischen Rahmen ausgespart. Hängen geblieben ist, dass Ruth Werner eine mutige Frau war, aber auch zurückhaltend und mahnend. Verstanden habe ich sie damals nicht.

Das nächste Mal ist sie mir in Buchform über den Weg gelaufen. 1977 hat sie in "Sonjas Rapport" ihre Autobiographie veröffentlicht. Aber da hatte mich die DDR gerade verloren. Das Buch habe ich nicht gelesen. Ich war in der Zeit ziemlich wütend, aber auch verzweifelt.

Und dann habe ich sie wieder in der Wendezeit erlebt:

"Ich habe gesagt, wenn du in den Parteiapparat gehst, kriegst du entweder Magengeschwüre oder du brichst dir den Hals oder du verfällst dem Gift der Macht. Die drei Möglichkeiten hast du. Heute sage ich, nach den Veränderungen, die sich anbahnen, nach dem Wandel, der vor sich gegangen ist: Geht in den Apparat! Arbeitet mit! Ändert die Zukunft! Arbeitet als saubere Sozialisten! Ich hab Mut! Ich hab Optimismus!"

Die Verpflichtung zur Verschwiegenheit ist glaube schlimmer als die Tätigkeit als Kundschafter, Spion, Agent an sich.

Ich will das jetzt mal so stehen lassen. Nur Eins. Ruth Werner war Jüdin, und daher eine würdige Namensgeberin für den Platz vor dem Jüdischen Museum, um der jetzt so ein Streit entstanden ist. siehe uneren thread zur Frauenquote.

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/juni41/186369/

http://www.blogsgesang.de/2010/07/10/wir...ch-um-die-ecke/

LG von der grenzgaengerin


Mike59 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 04.05.2013 19:23 | nach oben springen

#73

RE: 8.Mai 1945-Stunde Null?

in Spionage Spione DDR und BRD 04.05.2013 19:29
von Mike59 | 7.965 Beiträge

Zitat von Polter im Beitrag #71
Es sah ja vorrübergehend so aus, daß das Thema hier den Experten vorbehalten ist. Es kommt immer anders....und nun halten sie sich zurück und ich kann. Prima!
Geheimdienste ? Konnten die sich im Deutschland gründen und finden wie Vereine?
Hier zwei Beispiele:

http://www.spiegel.de/politik/deutschlan...t-a-887936.html
"
Sechziger Jahre: Frühere SS-Mitglieder bildeten eigenen Nachrichtendienst

Sie trafen sich regelmäßig und sollen sogar Sprengstoff nach Südtirol geliefert haben: Nach SPIEGEL-Informationen bildeten frühere Mitglieder des SS-Sicherheitsdienstes noch in den sechziger Jahren ein enges Netzwerk. Die Männer hielten auch Verbindung zum Verfassungsschutz. "

http://www.amazon.de/dp/3446241442/?tag=herberthuber
Nach Lektüre vernichten!: Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg

" Deutschland im Herbst 1969: Mit Willy Brandt stellt die SPD zum ersten Mal den Kanzler der Bundesrepublik. Ein hochrangiger Mitarbeiter beim BND kündigt seine Stelle, weil er der neuen Regierung nicht mehr vertraut. Finanziert von CDU und CSU sowie großzügigen Gönnern aus der Wirtschaft gründet er einen eigenen Nachrichtendienst. Bis in die 1980er Jahre nutzt die Union seine Dienste, um sich aus dem Ausland geheime, brisante Informationen zu beschaffen. Stefanie Waske, Expertin für die Geschichte der Geheimdienste, enthüllt einen politischen Skandal, der manche Protagonisten der bundesdeutschen Geschichte in einem neuen Licht erscheinen lässt. "

Besondes interessant die hilfreichen Kundenrezensionen zum Buch!




Hier eine Bericht aus der "Zeit" zu diesem Thema


Dateianlage:
Damals87 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 04.05.2013 19:30 | nach oben springen

#74

RE: 8.Mai 1945-Stunde Null?

in Spionage Spione DDR und BRD 05.05.2013 11:12
von Barbara (gelöscht)
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Dass die ehem. Bundesrepublik in vielerlei Hinsicht hoch „belastetes Personal“ übernommen hat, nicht nur mit Gehlen und Konsorten, sondern auch in der Politik, in der Justiz (empfehle für letzteres den Roman Ursule Krechel „Landgericht“) ist ja nun allseits bekannt, und wie ich bereits sagte, aus meiner heutigen Sicht aufgearbeitet. Ob das alles hinreichend ist, kann ich nicht beurteilen, aber welche Geschichtsaufarbeitung ist schon hinreichend…

Haben wir Erkenntnisse darüber, wie und an welcher Stelle der KGB/HVA dazu Beitrug, dass die BRD nicht in einen faschistischen Staat umkippt? Denn das wird ja ein wenig impliziert.

Mir persönlich stellt sich hier die Frage, wie hoch war die tatsächliche Gefahr, heißt, wie schwach waren z.B. die demokratischen Kräfte der Regierung unter Adenauer, dem man zwar eine Menge nachsagen kann, aber sicher nicht „Faschismus-Absichten“?


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#75

RE: 8.Mai 1945-Stunde Null?

in Spionage Spione DDR und BRD 05.05.2013 11:21
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von seaman im Beitrag #63
Hallo Barbara,
erstmal eine Kurzantwort.
Die Erkenntnisse von Geheimdiensten über die andere Seite im Kalten Krieg hat mindestens zur Stabilisierung der militärischen Pattsituation beigetragen.Man kann auch davon ausgehen,so manche Information der Agenten/Kundschafter hat Politiker und Regierungen vor Kurzschlusshandlungen bewahrt.
In manchen Bereichen-CIA+KGB-gab es wohl auch persönliche Kontakte.
Keine Seite konnte seinerzeit ein militaerisches Risiko eingehen.Jeder wusste um die Kapazitaeten des Anderen.

Von einem Insider hoerte ich selbst dazu folgende Bestaetigung zur Rolle der Geheim/Nachrichtendienste im Kalten Krieg-Zitat:


"Ehrlicherweise muss die Rolle der Nachrichtendienste beider Seiten-lassen sie mich hinzufuegen: Aller Nachrichtendienste in Ost und West-als Beitrag gesehen werden,dass der 45 Jahre dauernde Kalte Krieg kalt blieb und nicht heiss wurde."
Ende Zitat

Diese Aussage stammt vom letzten Leiter der Abteilung Sowjetunion/Osteuropa der CIA während des Kalten Krieges-Milton Bearden.
Später dazu mehr.

seaman




... das mit den persönlichen Kontakten finde ich sehr spannend. Bekommen wir darüber nicht mehr heraus?


Beardens Zitat seaman:

der gegenseitige Respekt resultiert aus dem Wissen, dass man zwar gegeneinander gearbeitet hat, aber dasselbe getan.
Im ideellen Sinne: Krieg verhindert! Ich glaube das! Spätestens seit ich die Info über Sorge habe.

Wahrscheinlich scheiden sich hier die Geister, wo die Ziele der Gegenseite ideel waren, oder wo sie lediglich dem Machterhalt des jeweiligen Regimes nützen.

Was Vierkrug weiter unten schreibt: "...all denen gewidmet, die nicht reden durften"

Welche Tragik spricht eigentlich aus diesen Worten. ....


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#76

RE: 8.Mai 1945-Stunde Null?

in Spionage Spione DDR und BRD 05.05.2013 11:37
von Barbara (gelöscht)
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Willy Brandt

Für mich der "größte" Kanzler der alten BRD.
Denn er war als Person in der Lage, umzuschwenken, wo keiner an Umschwenken gedacht hat. Weil er ein Mensch von Charakter war.
Ich erinnere mich an die Redeschlachten im Bundestag rund um die "neue" Ostpolitik.
Die hochpolemischen Diffamierungen eines Politkers seitens der Opposition, der auch Mensch war.
In wieweit dieser Geheim-Geheimdienst so ausschlaggebend für die späteren Ereignisse war, weiß ich nicht. Ich weiß aber das der damalige zuständige Innenminister Genscher dort eine unsägliche Rolle gespielt hat. Er hätte doch zurücktreten müssen oder?
Er hat den eigenen Kanzler "benutzt". Wahrscheinlich aus eigenem Machtkalkül.
Un die Rolle Wehners....

Was wäre gewesen wenn Brandt nicht zurückgetreten wäre? Wenn die SPD-Fraktion geschlossen und überzeugend hinter ihrem Kanzler gestanden hätte? Wenn die "Liberalen", die sich in Teilen damals noch so nennen konnten, gegen den Innenminister aus den eigenen Reihen angetreten wären?
Wenn Schmidt sich geweigert hätte, "einzuspringen"?
Eine Sternstunde der Demokratie wäre das gewesen. Das haben sie verpasst.


Vierkrug, Gullaume ist auch eine tragische Figur. Ich glaube, dass der den Brandt gemocht hat.

Damit stellt sich mir auch die Frage, wie weit kann man eine "Funktion" von menschlichen Aspekten trennen? Wenn ich als Geheimdienstler u.U. mehr weiß als die eigene Führung, Umstände tatsächlich viel besser beurteilen kann - und dann nicht gehört werde? Das muss doch total fertig machen...


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#77

RE: 8.Mai 1945-Stunde Null?

in Spionage Spione DDR und BRD 05.05.2013 12:01
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Larissa im Beitrag #64
Ja, Barbara, diese Frage, wie geht man damit um? Wird oft gestellt im Nachhinein. Also, wie ist Mann/Frau, damit umgegangen. Und das ist nicht so leicht zu erklaeren, denn:
Die Geheimdienstler als Familie zu betrachten geht nicht. Die sind, gleichgueltig wo sie ‘sitzen’ oder eingesetzt werden, alleine im Feld (im Dienst). Sie agieren unter genauen Vorgaben, zeitweise auch in vollkommen eigener Verantwortung, ggfs. alle ueber Jahre hinweg, und sind einem unvorstellbaren Druck ausgesetzt zwischen Dienst und Privat- und normalen Berufsleben. Der eine gewoehnt sich daran, der andere zerbricht daran. Mein Vater war sehr streng, wenn ich Essen auf mein Teller tat, dann musste ich alles aufessen, unter Androhung von Schlaegen. Seine Schlaege waren hart und gemein, deshalb wuergte ich letztendlich alles in mich hinein, um manchmal diesen Schlaegen zu entgehen. Und ich ueberstand die Tortur so oder so. Also wachsen einige Menschen verweichlicht auf, die anderen ueberleben eine Qual nach dem anderen und sind belastbarer. Meine ehrliche Meinung.

Die Strukturen und die Taetigkeiten im GD sind rigoros veschiedenster Art. So sitzt eine Sekretaerin in Bonn und uebergibt Informationen oder heisse Nachrichten aus einem Ministerium. Der oder die anderen sitzen auf ganz anderen Quellen und sind staendig in verschiedenen Gebieten im Einsatz, so im militaerischen oder in im wirtschaftlichen Bereichen oder in der Politik. Das ist heute nicht anders. Und die Belastung ist gross. Wer versucht, ein Klischee aufrechtzuerhalten, ich meine jetzt Kameraden – in allen Ehren, wir waren keine Maschinen, wir waren Menschen.
Jeder Agent/Agentin, wird Dir dazu eine andere Antwort geben zu seinen Gedanken, weil es insgesamt zwar der gleiche Auftrag war, Informationen zu beschaffen, andererseits weil nicht ein Mensch wie der andere ist. Ich mache den Vergleich: z.B. ein Mensch in der freien Wirtschaft hat einen nicht angenehmen Chef. Ein Mitarbeiter packt es und haelt durch, der andere nicht,und ist dann weg vom Fenster.
Genauso ist es in den Geheimdiensten. Der eine ist mehrfach belastbar, der andere biegt sich bei kleinstem Druck. Darueber koennte ungeheuer viel geschrieben werden. Zeichen von Schwaeche werden kaum toliert, eben wie im Berufsleben. Abgesehen von einer intensiven Schulung, die Menschen bringen in jedem Falle ihre eigenen Faehigkeiten mit, auch andere Moeglichkeiten vom Charakter her. Dazu kommt sicher ihre politische Einstellung, und dann, last but not least, ihre Fuehrung, die wie ein Imago immer dabei sind, auch wenn weit entfernt. Das sind Fuehrungsoffiziere, die diesen Menschen in jeder Hinsicht kennen und wissen, welche Knoepfe sie druecken muessen, um, und darum geht es, Erfolge zu bringen. Das schuetzt diese FOs allerdings nicht davor, auch eine unloyalen Scout unter sich zu haben. Genauso, wie es eben auch die Moeglichkeit gibt, dass diese Fuehrungsoffiziere ihre eigenen Kundschaftern/Scouts, in die Pfanne hauen. In jedem Falle wird es anders ablaufen. Ich wuerde so sagen, im Deinst hat man kaum noch Zeit darueber nachzudenken, es gibt Privatleben, die dazu kommen. Ich war wie ein deutscher Schaeferhund, der seinem Herrn gehorchte, und emsig meine mir aufgetragene Pflicht nachging und alles andere auch erledigen musste. Du kannst viel nachlesen hier im Forum, ‘Das dunkle Haus der Spionage’ mit sehr guten Beitraegen (wie immer) von Seaman. Aber auch von anderen Zeitzeugen direkt.
Wie geht man also mit Belastungen in einem ganz normalen Leben um? Man zerbricht oder holt sich wieder aus dem Loch, man gibt auf oder man macht weiter. Heute, aelter, erfahrener und nach Analyse meines Lebens, sage ich, dass ein Mensch durchaus mehrere Leben leben kann und dem Druck standhalten kann. Aber ganz klar ist fuer mich, dass die wenigsten dem gewachsen sind. Wenn ich heute die niedrige Belastungsgrenze in verschiedenster Weise betrachte, dann wird mir Angst und Bange, und das nicht auf Geheimdienste bezogen. Die meisten Menschen heute haben keine Ahnung wie schwer das Leben damals war, mit allen Aengsten und furchtbaren Noeten nach 1945 und sie haben es geschafft, sie waren im hoechsten Masse unmenschlich belastet als sie vor einem nichts und ihren Verlusten standen. Heute? Egal ob wir mit der Politik einverstanden sind, oder ob wir politische Gegener sind - Germania hat einen Lebensstandard heute, der weit ueber dem Standard der einstigen Grossmaechte rangiert; Und? da wird gejammert, gefleht und geflucht, und zum Psychiater gerannt. Unsere ‘Psychiater’ waren die Fuehrungsoffiziere, wohlgemerkt auf beiden Seiten der Grenze. Auch die waren darauf dressiert, uns auf Trab zu halten. Seaman in seiner Rezension zu meiner Biographie nannte uns ‘Marionetten’ wohl wahr, aber er erwaehnte auch, dass wir durchaus unsere Chancen genutzt haben, uns gegen gewisse Befehle zu stellen, wenn es um unser Privatleben ging. Wer keine Marionette ist in diesem Leben, der hebe die Hand! Der eine setzte sich durch, der andere wagte nicht aufzumucken. Aber wie gesagt, die Menschen waren damals und sind heute verschieden; skrupellos sind sie seit ehe und je, einige kommen besser deshalb durch die Nacht als andere. Und das ist in fast jedem Beruf so! Gutachter, und andere nette Leute, die ich spaeter kennenlernte sagten immer erstaunt, 'du bist ja voellig normal!!!' Ja, was also stellt man sich vor unter Geheimdienstmitarbeiter. Auch wenn hier im Forum die Geheimdienste und die Menschen darin verachtet und gehasst werden. In der Stunde Null waren die Geheimdienste nicht wegzudenken und haben mehr als massgeblich zu einem langen Frieden zwischen den Grossmaechten beigetragen. #63 Und heute? in unserer ach so friedlichen Welt, ueberfluessig? Die alten Klischees lassen gruessen, welche Arbeit GD leisten, und dass die Schuetzer ihrer Staaten fuer ihre eigene Sicherheit sind, verstehen die Menschen nicht. Habe ich oft geschrieben, aber schreibe ich nochmal. Und gerade in Deutschland verstehe ich das nicht!
Gruss, Larissa
in/korr.




Liebe Larissa,
gerade bei deinen Beiträgen habe ich genau das, was du z.T. oben beschreibst, sehr oft gedacht.
Wie unendlich einsam macht eine Agententätigkeit unter Umständen, wie kommt man damit klar? Und was lastet vielleicht auf solchen Schultern bzgl. des Wissens, das man erfährt? - Und einem dann vielleicht noch nicht mal "geglaubt" wird? Oder man vielleicht sogar "fallen gelassen" wird? Mal abgesehen von der ständigen Gefahr, enttarnt zu werden.....
Ich finde das vom "Menschlichen" absolut herausfordernd.

Das Thema "doppelte Identität": ich kann dazu nur sagen, für mich ist das überhaupt nicht vorstellbar, denn ich habe mit meiner einen identität so viel zu tun, der Vorstellung von mehreren Identitäten wäre ich gar nicht gewachsen. Aber du hast Recht, das hängt vielleicht von besonderen Persönichkeitsstrukturen oder einer besonderen Stärke ab. Ich würde mich jedenfalls für eine Geheimdiensttätitgkeit überhaupt nicht eignen. Bin so gesehen "ein Weichling". :-)





Noch ein Wort zum "sprachlichen Verständnis":
auch wir deutschen Muttersprachler haben sehr oft ein großes Problem damit, uns "richtig" zu verstehen.
Ich finde dein Deutsch ausgesprochen gut und bin sowieso beeindruckt von deinen Sprachkenntnissen.

Ich weiß auch, dass ich mich z.B. ziemlich oft unpräszise ausdrücke, mir fällt das selbst auf, wenn ich meine Beiträge nochmal lese. Ich lasse "Sinn-Lücken". Das hat was damit zu tun, dass ich schneller denke als ich schreibe.
Außerdem habe ich noch nie so intensiv "schriftlich" kommuniziert. Und das bei solchen politischen Themen.
Beim Sprechen ist vieles leichter, und Missverständnisse können nicht so schnell entstehen.

Das geschriebeen Wort ist manchmal so "hart" obwohl es vielleicht gar nicht so gemeint ist.

Ich finde eine gute Lösung, im Zweifel einfach nachzufragen, wenn man etwas nicht versteht, ich mache das auch so.
"Fragen" ist sowieso der beste Weg zum Wissen-Erwerb finde ich.:-)

Lieben Gruß
Barbara


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#78

RE: 8.Mai 1945-Stunde Null?

in Spionage Spione DDR und BRD 05.05.2013 12:27
von Barbara (gelöscht)
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Haben wir hier vielleicht auch ehem. Leute vom BND oder der CIA? Die könnten ja auch mal etwas beitragen....


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#79

RE: 8.Mai 1945-Stunde Null?

in Spionage Spione DDR und BRD 05.05.2013 13:14
von eisenringtheo | 9.171 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #78
Haben wir hier vielleicht auch ehem. Leute vom BND oder der CIA? Die könnten ja auch mal etwas beitragen....


Vermutlich kommt da nichts. Ich vemute, dass es dort eine Schweigeverpflichtung gibt, die auch für Pensionisten und vorzeitige Ausgetretene gilt, deren Verletzung rechtliche Konsequenzen zur Folge hat.
Theo


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#80

RE: 8.Mai 1945-Stunde Null?

in Spionage Spione DDR und BRD 05.05.2013 15:29
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #79
Zitat von Barbara im Beitrag #78
Haben wir hier vielleicht auch ehem. Leute vom BND oder der CIA? Die könnten ja auch mal etwas beitragen....


Vermutlich kommt da nichts. Ich vemute, dass es dort eine Schweigeverpflichtung gibt, die auch für Pensionisten und vorzeitige Ausgetretene gilt, deren Verletzung rechtliche Konsequenzen zur Folge hat.
Theo




Vielleicht nicht nur da?

Ansonsten,es war nur ein zaghafter Versuch zum Thema.
Die Zeit ist aktuell dafür nicht reif.Das Wissen wird aber nicht verloren gehen.

seaman


eisenringtheo hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.05.2013 00:18 | nach oben springen



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