#1

"Gesetz zur Regelung von Fragen der Staatsbürgerschaft"

in DDR Zeiten 29.04.2013 15:56
von bettyblue | 16 Beiträge

Liebe Forum-Mitglieder,

hier kommt mein erster Beitrag!
Neulich entdeckte ich folgendes Gesetz von 1972:

http://www.verfassungen.de/de/ddr/staatsbuergerschaft72.htm

»1972, 16. Oktober: In der DDR tritt das "Gesetz zur Regelung von Fragen der Staatsbürgerschaft" in Kraft. Personen, die vor dem 1.1.1972 aus der DDR geflohen sind, verlieren die DDR-Staatsbürgerschaft, werden nicht mehr strafrechtlich verfolgt und dürfen, ohne eine Verhaftung zu riskieren, die Transitwege benutzen und besuchsweise in die DDR einreisen«

Meine Frage ist, ob man nach dieser Änderung tatsächlich "problemlos" wieder in die DDR einreisen konnte. Wenn man vor 1972 in den Westen geflohen war, so gab es darüber doch bestimmt Aktenvermerke. Wenn man nun als Tourist oder auf Verwandtschaftsbesuch einreisen wollte, stieß man bei der Grenzkontrolle bestimmt auf Misstrauen? Abgesehen davon hatte man doch auch selber Angst davor wieder einzureisen, oder?

Und was versprach man sich von dem Gesetz, war es ein Entgegenkommen, weil man gerade sowieso mit der BRD in Verhandlungen stand hinsichtlich der Reisebestimmungen?

Gibt es jemanden, der nach einer geglückten Flucht 1972 wieder in die DDR eingereist ist?

Vielen Dank und Grüße aus dem wolkigen Hessen,

Betty


nach oben springen

#2

RE: "Gesetz zur Regelung von Fragen der Staatsbürgerschaft"

in DDR Zeiten 29.04.2013 16:25
von Diskus303 | 485 Beiträge

Ohne jetzt wirklich zu wissen, ob es für dieses Gesetz irgendwelche "äußeren" Einflüsse gab, die zu dessen Verabschiedung führte:
Vielleicht lag es ja an den 1973 in der DDR stadtfindenden Weltfestspielen?
Zumindest aus meinem Daufürhalten hat ja die DDR nichts unversucht gelassen (politisch und menschenrechtlich), um international anerkannt zu werden. Die Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki und die Ratifizierung der Charta der Vereinten Nationen (sagt man das so?) wurde ja unter dem Strich nicht so ohne weiteres umgesetzt. (Bezogen auf die langen Wartezeiten bei Ausreisewilligen DDR-Bürgern bzw. bei Ablehnungen von solchen Ausreiseanträgen ohne Angabe von Gründen...)

Das auch später nicht jeder so ohne Weiteres "besuchsweise" in die DDR zurück konnte, soll folgendes Beispiel aus meinem Freundeskreis belegen...
2 Freunde von mir (Brüder) sind offiziell 1985/ 86 ausgereist (also über einen ca 2-3 Jahre vorher gestellten Ausreiseantrag)
Diesen wurde die Einreise in die DDR im Jahre 1987/ 88 (genaues Jahr nicht mehr so genau erinnerlich) verwehrt.
Anzumerken ist, daß die Mutter der Beiden gestorben war und Sie zur Beisetzung kommen wollten.
Das fand ich seinerzeit schon ziemlich schäbig von den Behörden, die daß zu verantworten hatten...


Gruß Axel
zuletzt bearbeitet 29.04.2013 16:28 | nach oben springen

#3

RE: "Gesetz zur Regelung von Fragen der Staatsbürgerschaft"

in DDR Zeiten 29.04.2013 16:54
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von bettyblue im Beitrag #1
Liebe Forum-Mitglieder,

hier kommt mein erster Beitrag!
Neulich entdeckte ich folgendes Gesetz von 1972:

http://www.verfassungen.de/de/ddr/staatsbuergerschaft72.htm

»1972, 16. Oktober: In der DDR tritt das "Gesetz zur Regelung von Fragen der Staatsbürgerschaft" in Kraft. Personen, die vor dem 1.1.1972 aus der DDR geflohen sind, verlieren die DDR-Staatsbürgerschaft, werden nicht mehr strafrechtlich verfolgt und dürfen, ohne eine Verhaftung zu riskieren, die Transitwege benutzen und besuchsweise in die DDR einreisen«

Meine Frage ist, ob man nach dieser Änderung tatsächlich "problemlos" wieder in die DDR einreisen konnte. Wenn man vor 1972 in den Westen geflohen war, so gab es darüber doch bestimmt Aktenvermerke. Wenn man nun als Tourist oder auf Verwandtschaftsbesuch einreisen wollte, stieß man bei der Grenzkontrolle bestimmt auf Misstrauen? Abgesehen davon hatte man doch auch selber Angst davor wieder einzureisen, oder?

Und was versprach man sich von dem Gesetz, war es ein Entgegenkommen, weil man gerade sowieso mit der BRD in Verhandlungen stand hinsichtlich der Reisebestimmungen?

Gibt es jemanden, der nach einer geglückten Flucht 1972 wieder in die DDR eingereist ist?

Vielen Dank und Grüße aus dem wolkigen Hessen,

Betty



Ja ich bin Weihnachten 1972 eingereist, das war das schönste Weihnachstgeschenk der DDR für mich in 1972. Knapp 8 Jahren nach meiner Flucht aus der DDR fuhr ich wieder nach Thüringen um meine Eltern und Geschwister zu sehen. Angst beim ersten Grenzübertritt ? ja hatte ich mehr als bei meiner Flucht 1965. Mir sagte damals im Westen mal jemand, einem Kommunisten kannst du nur trauen wenn er im Sarg liegt, klingt makaber, aber erzeugt Misstrauen ein solcher Spruch. Grenzkontrolle war im Rahmen dessen, was man von der DDR Grenzkontrolle gewöhnt war, nichts außergewöhnliches.
Was sich die DDR davon versprach ? Keine Ahnung aber es wurden ihr von der westdeutschen Seite sicher irgendwelche Vorteile angeboten, letztlich auf Geld reagierten sie immer wie die Hündchen beim Forscher Pawlow.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
zuletzt bearbeitet 29.04.2013 16:55 | nach oben springen

#4

RE: "Gesetz zur Regelung von Fragen der Staatsbürgerschaft"

in DDR Zeiten 29.04.2013 16:56
von eisenringtheo | 9.157 Beiträge

Zitat von bettyblue im Beitrag #1


Meine Frage ist, ob man nach dieser Änderung tatsächlich "problemlos" wieder in die DDR einreisen konnte. Wenn man vor 1972 in den Westen geflohen war, so gab es darüber doch bestimmt Aktenvermerke. Wenn man nun als Tourist oder auf Verwandtschaftsbesuch einreisen wollte, stieß man bei der Grenzkontrolle bestimmt auf Misstrauen? Abgesehen davon hatte man doch auch selber Angst davor wieder einzureisen, oder?

(..)

Betty


Zum einen ist zu sagen, dass es für Ausländer grundsätzlich keinen Rechtsanspruch gibt, in ein bestimmtes fremdes Land einzureisen. Ein Einreiseantrag kann ohne Grundangabe abgelehnt werden. Ich vermute, es gab eine Art Sperrfrist für Ausgebürgerte, bis sie besuchsweise in die DDR einreisen konnten. Zum andern galt die Straffreiheit laut Gesetzestext nur für Personen, die sich nicht noch wegen anderer Delikte strafbar gemacht haben (z.B. Fahnenflucht). Darauf wurde in den Merkblättern des Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen hingewiesen ("77 praktische Tips für Besuche in der DDR und aus der DDR und für andere Kontakte hier und dort").
Theo


nach oben springen

#5

RE: "Gesetz zur Regelung von Fragen der Staatsbürgerschaft"

in DDR Zeiten 29.04.2013 17:02
von seaman | 3.487 Beiträge

Ausgebürgerte wurden sicherlich(denke ich) anders gehandhabt als Republikflüchtige.
Die Letzteren standen jahrelang auf der Fahndungsliste der DDR-Organe und waren selbst auf Transitstrecken gefährdet.

seaman


nach oben springen

#6

RE: "Gesetz zur Regelung von Fragen der Staatsbürgerschaft"

in DDR Zeiten 29.04.2013 17:10
von bettyblue | 16 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #4
Zitat von bettyblue im Beitrag #1


Meine Frage ist, ob man nach dieser Änderung tatsächlich "problemlos" wieder in die DDR einreisen konnte. Wenn man vor 1972 in den Westen geflohen war, so gab es darüber doch bestimmt Aktenvermerke. Wenn man nun als Tourist oder auf Verwandtschaftsbesuch einreisen wollte, stieß man bei der Grenzkontrolle bestimmt auf Misstrauen? Abgesehen davon hatte man doch auch selber Angst davor wieder einzureisen, oder?

(..)

Betty


Zum einen ist zu sagen, dass es für Ausländer grundsätzlich keinen Rechtsanspruch gibt, in ein bestimmtes fremdes Land einzureisen. Ein Einreiseantrag kann ohne Grundangabe abgelehnt werden. Ich vermute, es gab eine Art Sperrfrist für Ausgebürgerte, bis sie besuchsweise in die DDR einreisen konnten. Zum andern galt die Straffreiheit laut Gesetzestext nur für Personen, die sich nicht noch wegen anderer Delikte strafbar gemacht haben (z.B. Fahnenflucht). Darauf wurde in den Merkblättern des Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen hingewiesen ("77 praktische Tips für Besuche in der DDR und aus der DDR und für andere Kontakte hier und dort").
Theo



Lieber Theo,

ich glaube auch, das man nur aufgrund des Gesetzes nicht gerade "durchgewunken" wurde. Vorher wäre man aber wohl festgenommen worden aufgrund der Grenzverletzung, oder gab es wirklich eine Sperre? Bestimmt wurden auch viele Einreiseanträge, mit welcher Begründung auch immer, abgelehnt. Danke für den Tipp mit dem Merkblatt.

Betty


nach oben springen

#7

RE: "Gesetz zur Regelung von Fragen der Staatsbürgerschaft"

in DDR Zeiten 29.04.2013 17:14
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Zitat von Diskus303 im Beitrag #2


Ohne jetzt wirklich zu wissen, ob es für dieses Gesetz irgendwelche "äußeren" Einflüsse gab, die zu dessen Verabschiedung führte:
Vielleicht lag es ja an den 1973 in der DDR stadtfindenden Weltfestspielen?

.


Ohne es auch genau zu wissen, sehe ich eher den Grund im 1972 abgeschlossenen Grundlagenvertrag zwischen der BRD und der DDR, in dessen Folge in beiden Hauptstädten ständige Vertretungen eingerichtet wurden. Und da brauchte man eine Abgrenzung zwischen den Deutschen in der BRD und den Bürgern in der DDR, die auch deutsche waren.

Sonst jetzt hätte ja jeder in Berlin in die ständige Vertretung gehen können. So, da bin ich, ich bin Deutscher und nun kümmert Euch.

Einfach mal in die Richtung weiter "forschen".

LG von der grenzgaengerin


Diskus303 hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#8

RE: "Gesetz zur Regelung von Fragen der Staatsbürgerschaft"

in DDR Zeiten 29.04.2013 17:15
von bettyblue | 16 Beiträge

Grenzkontrolle war im Rahmen dessen, was man von der DDR Grenzkontrolle gewöhnt war, nichts außergewöhnliches.

Hallo Gert,

Danke für deine Antwort! Also wurdest du nicht schief angeschaut oder extrem kontrolliert? Was genau meinst du mit dem gewohnten Rahmen der Kontrolle? Darf ich fragen, wie du damals geflohen bist?

Grüße von Betty


nach oben springen

#9

RE: "Gesetz zur Regelung von Fragen der Staatsbürgerschaft"

in DDR Zeiten 29.04.2013 18:22
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #5
Ausgebürgerte wurden sicherlich(denke ich) anders gehandhabt als Republikflüchtige.
Die Letzteren standen jahrelang auf der Fahndungsliste der DDR-Organe und waren selbst auf Transitstrecken gefährdet.

seaman



so war es seaman, vor dieser Ausbürgerung per Gesetz wäre eine Fahrt in die DDR oder andere Staaten des damaligen Ostblocks für mich nicht in Frage gekommen. Ich habe nie verstanden, dass man immer wieder von Fällen und Personen hörte, die glaubten auf den Transitwegen oder in CSSR z.B. sind sie sicher und wurden dann dort festgenommen. Das Ostterritorium war für mich tabu bis zu diesem Gesetz. Hab damals extra mich rückversichert im innerdeutschen Ministerium ( ja so was gabs damals) ob das alles i.O. ist. Ja sagte man, wenn sie ausser der Flucht keine Straftaten begangen haben, könnnen sie fahren. Das Tafelsilber der DDR hatte ich dagelassen und so konnte ich fahren.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
zuletzt bearbeitet 29.04.2013 18:22 | nach oben springen

#10

RE: "Gesetz zur Regelung von Fragen der Staatsbürgerschaft"

in DDR Zeiten 29.04.2013 18:39
von bettyblue | 16 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #9
Zitat von seaman im Beitrag #5
Ausgebürgerte wurden sicherlich(denke ich) anders gehandhabt als Republikflüchtige.
Die Letzteren standen jahrelang auf der Fahndungsliste der DDR-Organe und waren selbst auf Transitstrecken gefährdet.

seaman



so war es seaman, vor dieser Ausbürgerung per Gesetz wäre eine Fahrt in die DDR oder andere Staaten des damaligen Ostblocks für mich nicht in Frage gekommen. Ich habe nie verstanden, dass man immer wieder von Fällen und Personen hörte, die glaubten auf den Transitwegen oder in CSSR z.B. sind sie sicher und wurden dann dort festgenommen. Das Ostterritorium war für mich tabu bis zu diesem Gesetz. Hab damals extra mich rückversichert im innerdeutschen Ministerium ( ja so was gabs damals) ob das alles i.O. ist. Ja sagte man, wenn sie ausser der Flucht keine Straftaten begangen haben, könnnen sie fahren. Das Tafelsilber der DDR hatte ich dagelassen und so konnte ich fahren.






Hallo Gert,

das mit dem zitieren scheint noch nicht ganz so gut zu klappen...also konntest du ohne "schief angeschaut" zu werden einreisen?
Was waren denn gewohnte Rahmen bei der Kontrolle? Und wieso hattest du mehr Angst bei der Einreise als bei der Flucht?

Grüße
Betty


nach oben springen

#11

RE: "Gesetz zur Regelung von Fragen der Staatsbürgerschaft"

in DDR Zeiten 29.04.2013 18:41
von eisenringtheo | 9.157 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #7


Ohne es auch genau zu wissen, sehe ich eher den Grund im 1972 abgeschlossenen Grundlagenvertrag zwischen der BRD und der DDR, in dessen Folge in beiden Hauptstädten ständige Vertretungen eingerichtet wurden. Und da brauchte man eine Abgrenzung zwischen den Deutschen in der BRD und den Bürgern in der DDR, die auch deutsche waren.

Sonst jetzt hätte ja jeder in Berlin in die ständige Vertretung gehen können. So, da bin ich, ich bin Deutscher und nun kümmert Euch.

Einfach mal in die Richtung weiter "forschen".

LG von der grenzgaengerin



Inbezug auf die volle Anerkennung der DDR und insbesondere die Staatsbürgerschaft hat der Grundlagenvertrag aus Sicht der Bundesrepublik Deutschland und Westberlins nichts geändert. Deshalb hiessen die Ständigen Vertretungen auch nicht Botschaften. Es wäre auch nach 1972 möglich gewesen, in die Ständige Vertretung der BRD zu gehen und zu sagen: "So, da bin ich, ich bin Deutscher und nun kümmert Euch. ".
Allerdings war das gar nicht so einfach. Nach dem "Wiener Abkommen über konsularische Beziehungen" muss der Gastgeberstaat die Sicherheit der Botschaften und ihres Personals sicherstellen. Also steht rund um eine Botschaft viel Polizei, die wissen will, was der Zweck des Besuches der Botschaft ist. Ohne einen guten Grund wäre man schon gar nicht an der Volkspolizei vorbeigekommen. Hätte man es in die Botschaft geschafft, hätte man ohne Genehmigung der DDR nicht in die BRD ausreisen können. Man wäre in der Vertretung "gefangen" gewesen und hätte die Infrastruktur mögliccherweise lange belastet. Schon aus Eigeninteresse machen die Mitarbeiter einer diplomatschen Vertretung alles, um solche Situationen zu vermeiden: Der Pförtner wird keinen Zutritt gewähren, wenn der Verdacht besteht, dass ein Besucher die Botschaft nicht wieder freiwillig verlassen würde.
Die Chancen, es bei Botschaften anderer Staaten oder bei deutschen Botschaften im Ausland zu versuchen, waren deshalb erfolgsversprechender.

Theo


bettyblue hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#12

RE: "Gesetz zur Regelung von Fragen der Staatsbürgerschaft"

in DDR Zeiten 29.04.2013 18:44
von Thunderhorse | 3.997 Beiträge

Zitat von bettyblue im Beitrag #1
Liebe Forum-Mitglieder,

hier kommt mein erster Beitrag!
Neulich entdeckte ich folgendes Gesetz von 1972:

http://www.verfassungen.de/de/ddr/staatsbuergerschaft72.htm

»1972, 16. Oktober: In der DDR tritt das "Gesetz zur Regelung von Fragen der Staatsbürgerschaft" in Kraft. Personen, die vor dem 1.1.1972 aus der DDR geflohen sind, verlieren die DDR-Staatsbürgerschaft, werden nicht mehr strafrechtlich verfolgt und dürfen, ohne eine Verhaftung zu riskieren, die Transitwege benutzen und besuchsweise in die DDR einreisen«

Meine Frage ist, ob man nach dieser Änderung tatsächlich "problemlos" wieder in die DDR einreisen konnte. Wenn man vor 1972 in den Westen geflohen war, so gab es darüber doch bestimmt Aktenvermerke. Wenn man nun als Tourist oder auf Verwandtschaftsbesuch einreisen wollte, stieß man bei der Grenzkontrolle bestimmt auf Misstrauen? Abgesehen davon hatte man doch auch selber Angst davor wieder einzureisen, oder?

Und was versprach man sich von dem Gesetz, war es ein Entgegenkommen, weil man gerade sowieso mit der BRD in Verhandlungen stand hinsichtlich der Reisebestimmungen?

Gibt es jemanden, der nach einer geglückten Flucht 1972 wieder in die DDR eingereist ist?

Vielen Dank und Grüße aus dem wolkigen Hessen,

Betty


Gehört da wohl mit dazu:
Amnestie aus Anlaß des 23. Jahrestages der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik
(Beschluß des Staatsrates vom 6.10.1972, nicht im Gesetzblatt verkündet, sondern in der Zeitung Neues Deutschland am 7.10.1972 bekanntgemacht)
Bereits im November 1972 wurden die ersten Personen in die BRD entlassen.
Vor der Unterzeichnung des dt.-dt. Grundlagenvertrages im Dezember 1972.


"Mobility, Vigilance, Justice"
nach oben springen

#13

RE: "Gesetz zur Regelung von Fragen der Staatsbürgerschaft"

in DDR Zeiten 29.04.2013 19:51
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Hier mal ein kleiner Literaturtipp, der die technischen Aspekte der Einreise von Ausgebürgerten auf einem Nebenschauplatz des Romans sehr datailliert beschreibt.
http://www.perlentaucher.de/buch/susanne...r-dezember.html
Im Buch kam zum Ausdruck, daß es unberechenbar war, ob man als Übersiedlerin (hier die Autorin, die als Kind einer Schriftstellerfamilie "mitziehen" mußte) rübergelassen wurde in die DDR oder nicht, die Beschreibung der jeweiligen Reisen habe ich als recht bedrückend in Erinnerung und auch, daß man es ihr am Grenzübergang auch deutlich zu verstehen gab, was man von ihren Besuchen in Ost- Berlin hielt.
Buchtipp auf Homepage der Autorin:
http://www.susanneschaedlich.de/40609.html



bettyblue hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen



Besucher
17 Mitglieder und 38 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: DerKurze
Besucherzähler
Heute waren 1023 Gäste und 88 Mitglieder, gestern 3466 Gäste und 184 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14352 Themen und 556951 Beiträge.

Heute waren 88 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen