#41

RE: Wildwest in Eastern Germany

in Volkspolizei/Bundespolizei/Bundesgrenzschutz 27.04.2013 23:46
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von frank im Beitrag #40
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #39
Zitat von frank im Beitrag #38
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #37
Welche Schreiberlinge?
Glaube schon das die DDR-Überwachungsorgane die scharfe "Waffe" der Satire als einen provokanten Angriff auf die Erfolge des Sozialismus verstehen konnten und dann zur Entlarvung diverser Elemente ausrückten.
Soll ab und an vorgekommen sein.
Im Oktober 89 wurden im damaligen Kreis Stollberg Straßen über Nacht mit den falschen Losungen drapiert, hui, da waren die Wespen aber aufgescheucht, Großeinsatz.
Die Jungs konnten einen Leid tun, haben nicht kapiert das es eigentlich vorbei ist und wollten noch den Windmühlenflügelkampf kämpfen.
Wie schrieb Feliks mal, die Durchsetzung der verfassungsmäßigen Ordnung


na ja, wenn du zeitzeuge der damaligen aktionen des Mfs warst seis drum !
ich kann nur sagen das es zu diesem zeitpunkt wichtigeres gegeben hat, in den reihen des mfs, als so was !!
man wußte nur zu gut die zeichen der zeit damals zu deuten , eher als andere, glaube auch nicht im angesicht der auflösungserscheinung meiner dienststelle das es irgendwo anderst war !!!


Was denn da konkret?
Ich meine zum Zeitpunkt vor dem 7. Oktober 89.
Tippe mal darauf das ihr in Vorbereitung des großen Jubiläums immer noch wie eine Herde Hammel euren Schäfern hinterher gerannt seid oder willst du uns tatsächlich erzählen das du als kleines Licht den Arsch in der Reithose hattest und bist zu deinem Vorgesetzten und hast dem verkündet das nun was anders werden muss und die wahren Feinde des Sozialismus eigentlich nicht die Jungs mit den Farbtöpfen sind?



hier, glaube ich, wurde die zeit nach dem 7. oktober angesprochen ! wie du es sagst war , an diesem tag alles wie immer , nur das wir über das kommende schon vorher informiert wurden ! genauso ist es eingetreten !!! hast du verstanden warum es hier eigentlich geht ?
keine dienststelle des Mfs hat nach diesem tag wohl den gewohnten dienst erbracht !!!


Ich bezog mich mit der Angabe Oktober auf den Zeitpunkt vor dem 7. und da lag auch schon lange alles im Argen, schade das du das nicht wusstest.


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#42

RE: Wildwest in Eastern Germany

in Volkspolizei/Bundespolizei/Bundesgrenzschutz 27.04.2013 23:59
von frank | 1.753 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #41
Zitat von frank im Beitrag #40
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #39
Zitat von frank im Beitrag #38
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #37
Welche Schreiberlinge?
Glaube schon das die DDR-Überwachungsorgane die scharfe "Waffe" der Satire als einen provokanten Angriff auf die Erfolge des Sozialismus verstehen konnten und dann zur Entlarvung diverser Elemente ausrückten.
Soll ab und an vorgekommen sein.
Im Oktober 89 wurden im damaligen Kreis Stollberg Straßen über Nacht mit den falschen Losungen drapiert, hui, da waren die Wespen aber aufgescheucht, Großeinsatz.
Die Jungs konnten einen Leid tun, haben nicht kapiert das es eigentlich vorbei ist und wollten noch den Windmühlenflügelkampf kämpfen.
Wie schrieb Feliks mal, die Durchsetzung der verfassungsmäßigen Ordnung


na ja, wenn du zeitzeuge der damaligen aktionen des Mfs warst seis drum !
ich kann nur sagen das es zu diesem zeitpunkt wichtigeres gegeben hat, in den reihen des mfs, als so was !!
man wußte nur zu gut die zeichen der zeit damals zu deuten , eher als andere, glaube auch nicht im angesicht der auflösungserscheinung meiner dienststelle das es irgendwo anderst war !!!


Was denn da konkret?
Ich meine zum Zeitpunkt vor dem 7. Oktober 89.
Tippe mal darauf das ihr in Vorbereitung des großen Jubiläums immer noch wie eine Herde Hammel euren Schäfern hinterher gerannt seid oder willst du uns tatsächlich erzählen das du als kleines Licht den Arsch in der Reithose hattest und bist zu deinem Vorgesetzten und hast dem verkündet das nun was anders werden muss und die wahren Feinde des Sozialismus eigentlich nicht die Jungs mit den Farbtöpfen sind?



hier, glaube ich, wurde die zeit nach dem 7. oktober angesprochen ! wie du es sagst war , an diesem tag alles wie immer , nur das wir über das kommende schon vorher informiert wurden ! genauso ist es eingetreten !!! hast du verstanden warum es hier eigentlich geht ?
keine dienststelle des Mfs hat nach diesem tag wohl den gewohnten dienst erbracht !!!


Ich bezog mich mit der Angabe Oktober auf den Zeitpunkt vor dem 7. und da lag auch schon lange alles im Argen, schade das du das nicht wusstest.


meine seite ist da wohl unrelevant , das Mfs bin ich mir sicher wusste alles !!!



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#43

RE: Wildwest in Eastern Germany

in Volkspolizei/Bundespolizei/Bundesgrenzschutz 28.04.2013 13:39
von ABV | 4.202 Beiträge

Die Schilderungen von Vierkrug haben bei mir etliche Erinnerungen geweckt. Offensichtlich haben sich 1990 überall in der (Volks)Polizei annähernd die gleichen Szenen abgespielt. Eigenartig, wie rasch und problemlos einige Offiziere ihren Hals drehen konnten! Abfällig über das ehemalige MfS zu reden, gehörte in jener Zeit innerhalb der VP " zum guten Ton". Zumindest bei einigen Führungskräften. Mit diesem Gebaren wollte man sich wohl in der Öffentlichkeit gegenüber dem in Verruf geratenen " Bruderorgan" abgrenzen. Da fielen dann Sätze wie: " Was sollte ich denn machen? Das hatte doch die Stasi angewiesen."
Kurz vor der Wende wurde zum Beispiel im VPKA Seelow ein junger Volkspolizist vom Amtsleiter vor die Wahl gestellt, sich entweder von seiner schwangeren Freundin zu trennen, oder den Dienst zu quittieren. Besaß doch seine Freundin die " ungeheure Frechheit", einmal im Jahr Besuch von ihrem in der Bundesrepublik lebenden Cousin zu erhalten. Trotz allem Zureden, wollte die störrische Dame den Kontakt nicht einstellen. Was sie als künftige Volkspolizistenehefrau geradezu disqualifizierte.
So kam es wie es kommen musste: der VP-Angehörige wurde, im Beisein seiner Freundin, vor ein aus mehreren Offizieren des VPKA Seelow bestehende Kommission geladen. Als sich die Dame noch immer uneinsichtig zeigte, stellte der Amtsleiter den Polizisten unmißverständlich vor die Wahl: " Entweder du trennst dich von ihr, oder du ziehst die Uniform aus." Was in diesem Fall für eine angedrohte Entlassung steht. Nicht das jetzt jemand denkt, dass der Arme auch noch strippen musste. Jedenfalls schaltete nun auch der Volkspolizist auf stur. O-Ton Amtsleiter: " Es wäre wirklich schade, einen hoffnungslosen Volkspolizisten zu verlieren. Die Frau taugt doch nichts. Schließlich pflegt sie doch Kontakte in die Bundesrepublik."
Darauf der Polizist: " Meine Freundin ist hochschwanger. Wie kann ich sie denn jetzt im Stich lassen?" Darauf der Amtsleiter, unter breitem Grinsen:
" Das ist doch kein Problem. Wir befördern dich demnächst, dann hast du mehr Geld und kannst locker die Allimente bezahlen."
Der meinte das wirklich ernst! So unglaublich das auch klingen mag. Für den Volkspolizisten war das Gequatsche so etwas wie der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Er verkündete vor der Kommission, sich auf keinen Fall von seiner Freundin trennen zu wollen. Vier Wochen später arbeitete er wieder in seinem früheren Beruf als Schlosser.
Ein Jahr später traf er den Amtsleiter zufällig auf der Straße. Der entschuldigte sich wortreich bei ihm. An allen wäre nur die Kreisdienststelle für Staatssicherheit schuld gewesen. Dort hätte man die Weisung erteilt, dass der Genosse unbedingt aus dem Dienst entfernt werden müsse.
Aha und warum dann dieses Schmierentheater? Wenn man den Polizisten ohnehin in die Wüste, bzw zurück zur LPG schicken wollte?
Eine von vielen heute noch unbeantworteter Fragen. Auf die es wohl keine Antwort mehr geben wird. Meiner Meinung nach, ist es der VP, neben den anderen Staatsorganen, " wunderbar" gelungen, eigene Schweinereien auf das MfS abzuwälzen. Immer unter dem Motto: " Wir waren höchstens die Ausführenden. Die Befehle kamen von der Staatssicherheit."

Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


Lutze, seaman und Gert haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 28.04.2013 13:40 | nach oben springen

#44

RE: Wildwest in Eastern Germany

in Volkspolizei/Bundespolizei/Bundesgrenzschutz 28.04.2013 14:37
von Lutze | 8.029 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #43
Die Schilderungen von Vierkrug haben bei mir etliche Erinnerungen geweckt. Offensichtlich haben sich 1990 überall in der (Volks)Polizei annähernd die gleichen Szenen abgespielt. Eigenartig, wie rasch und problemlos einige Offiziere ihren Hals drehen konnten! Abfällig über das ehemalige MfS zu reden, gehörte in jener Zeit innerhalb der VP " zum guten Ton". Zumindest bei einigen Führungskräften. Mit diesem Gebaren wollte man sich wohl in der Öffentlichkeit gegenüber dem in Verruf geratenen " Bruderorgan" abgrenzen. Da fielen dann Sätze wie: " Was sollte ich denn machen? Das hatte doch die Stasi angewiesen."
Kurz vor der Wende wurde zum Beispiel im VPKA Seelow ein junger Volkspolizist vom Amtsleiter vor die Wahl gestellt, sich entweder von seiner schwangeren Freundin zu trennen, oder den Dienst zu quittieren. Besaß doch seine Freundin die " ungeheure Frechheit", einmal im Jahr Besuch von ihrem in der Bundesrepublik lebenden Cousin zu erhalten. Trotz allem Zureden, wollte die störrische Dame den Kontakt nicht einstellen. Was sie als künftige Volkspolizistenehefrau geradezu disqualifizierte.
So kam es wie es kommen musste: der VP-Angehörige wurde, im Beisein seiner Freundin, vor ein aus mehreren Offizieren des VPKA Seelow bestehende Kommission geladen. Als sich die Dame noch immer uneinsichtig zeigte, stellte der Amtsleiter den Polizisten unmißverständlich vor die Wahl: " Entweder du trennst dich von ihr, oder du ziehst die Uniform aus." Was in diesem Fall für eine angedrohte Entlassung steht. Nicht das jetzt jemand denkt, dass der Arme auch noch strippen musste. Jedenfalls schaltete nun auch der Volkspolizist auf stur. O-Ton Amtsleiter: " Es wäre wirklich schade, einen hoffnungslosen Volkspolizisten zu verlieren. Die Frau taugt doch nichts. Schließlich pflegt sie doch Kontakte in die Bundesrepublik."
Darauf der Polizist: " Meine Freundin ist hochschwanger. Wie kann ich sie denn jetzt im Stich lassen?" Darauf der Amtsleiter, unter breitem Grinsen:
" Das ist doch kein Problem. Wir befördern dich demnächst, dann hast du mehr Geld und kannst locker die Allimente bezahlen."
Der meinte das wirklich ernst! So unglaublich das auch klingen mag. Für den Volkspolizisten war das Gequatsche so etwas wie der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Er verkündete vor der Kommission, sich auf keinen Fall von seiner Freundin trennen zu wollen. Vier Wochen später arbeitete er wieder in seinem früheren Beruf als Schlosser.
Ein Jahr später traf er den Amtsleiter zufällig auf der Straße. Der entschuldigte sich wortreich bei ihm. An allen wäre nur die Kreisdienststelle für Staatssicherheit schuld gewesen. Dort hätte man die Weisung erteilt, dass der Genosse unbedingt aus dem Dienst entfernt werden müsse.
Aha und warum dann dieses Schmierentheater? Wenn man den Polizisten ohnehin in die Wüste, bzw zurück zur LPG schicken wollte?
Eine von vielen heute noch unbeantworteter Fragen. Auf die es wohl keine Antwort mehr geben wird. Meiner Meinung nach, ist es der VP, neben den anderen Staatsorganen, " wunderbar" gelungen, eigene Schweinereien auf das MfS abzuwälzen. Immer unter dem Motto: " Wir waren höchstens die Ausführenden. Die Befehle kamen von der Staatssicherheit."

Gruß an alle
Uwe


da beides nicht ging,hat er sich für die Familie entschieden,
mein Respekt,
andererseits hätte er bei der Volkspolizei auch nicht viel
beruflich erreichen können,nach diesen Vorfall
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#45

RE: Wildwest in Eastern Germany

in Volkspolizei/Bundespolizei/Bundesgrenzschutz 28.04.2013 14:57
von ABV | 4.202 Beiträge

Leichtgefallen ist ihm die Entscheidung gegen den Beruf sicher nicht. Man hatte ihn damals regelrecht vergrault. Wie er mir weiter erzählte, wollte seine Freundin sogar einlenken. Aber als dann der Amtsleiter meinte, dass sie nichts taugen würde, " war der Drops endgültig gelutscht". Von dem unmoralischen Angebot mit der Beförderung, einmal ganz zu schweigen. Ziemlich dreist finde ich, dass der Oberstleutnant das ganze auf die schon nicht mehr existierende Stasi abwälzen wollte. Obwohl das ganze natürlich keine gute Basis für eine Übernahme in die neue Polizei abgab.
Zum Glück für den Amtsleiter, verzichtete der entlassene Kollege nach der Wende, auf die ihm zustehende Rückkehr in den Polizeidienst. Er wollte wohl mit dem ganzen nichts mehr zu tun haben.

Gruß Uwe


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#46

RE: Wildwest in Eastern Germany

in Volkspolizei/Bundespolizei/Bundesgrenzschutz 29.04.2013 09:33
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Hallo Uwe,

zunächst einmal danke für Deine interessanten Beiträge...
Inzwischen habe ich die Geschichte in #1 mal vollständig gelesen - da kommen auch eine Menge persönliche Erinnerungen bei mir wieder . ich habe in dieser Zeit ja auch in Grenznähe Ost gelebt (Dresden) und bin unter der Woche nach Nürnberg in die Arbeit gependelt.
Interessant hätte ich noch ein Kapitel "Herbst 89 bis Herbst 90" gefunden.
Zu Deinem vorigen Beiträgen habe ich eine Frage:
Ist jener Amtsleiter heute noch Polizist ? Bzw - ist er damals in die bundesdeutschen Strukturen übernommen worden ?

Gruss Hartmut
Und "Hut ab" für den jungen Kollegen !


u3644_Jobnomade.html
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#47

RE: Wildwest in Eastern Germany

in Volkspolizei/Bundespolizei/Bundesgrenzschutz 29.04.2013 09:56
von schnatterinchen (gelöscht)
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Zitat Hackel39
Nun haben wir alles schön zusammengetragen.
Um es auf die Waage zu legen ?
Das wird nichts, weil niemand diese Waage eichen kann, bzw. wir uns vermutlich nicht einigen können, was drauf gehört und was nicht, auch müssen wir nun irgendwie zum Thema zurückfinden.
Ich hatte es irgendwie geschafft, mich mit meinem Schicksal als DDR- Bürger zu arrangieren, aber Ungeduld ist und bleibt ein schlechter Ratgeber.
Die NSW- Reise wurde mir zugeworfen, ich kann es nicht anders sagen.
Ich bekam sie von einem Bekannten, der plötzlich in der FDJ- Kreisleitung der Kreiskommission JT vorstand und mir den Auftrag gab, Pornohefte und Militaria mitzubringen woraufhin ich nur grinste und mit dem Kopf schüttelte, da ich das überhaupt nicht ernst nahm.
Wenige Wochen nach meiner Rückkehr (mit leeren Händen) war er plötzlich in Schwedt oder Brandenburg eingebuchtet, keine Ahnung warum, der Grund ist aber naheliegend und so kam ich ohne Verbiegen und doppelte Zunge zu dieser Reise, ein anderer Jugendfreund hätte ein Jahr später nach Frankreich fahren können, wenn er zwei Bürgen gefunden hätte.
Daraus wurde nichts und er war fortan nicht mehr für die FDJ zu sprechen und so ist vieles damals auch eine Mischung aus Zufall und Wildwest gewesen, auch vor der Wende schon.
Der Begriff des Raubtiersozialismus ist wohl erst nach der Wende geprägt worden (Prof. Schröder ?), zumindest hatte ich ihn nie zuvor vernommen, auch nicht im Westfernsehen, es steht aber außer Frage, daß die ganz großen Schweinereien auch vor den Demos schon am Laufen waren, wie Diebstähle im großem Stil und Schiebereien auf dem Rücken der ehrlichen Malocher, wie Du so schön sagst.
Aber wer, wenn nicht die Staatsmacht hätte denn dort einschreiten sollen und war es wirklich so ungerecht, solche Leute notfalls auch der Stasi in "Obhut" zu geben, immerhin haben sie ja auch das Gemeinwesen gefährdet, da hilft möglicherweise der ABV und die Konfliktkommission nicht mehr.
Deshalb kann ich auch Vierkrug sehr gut verstehen bezüglich seiner Endabrechnung.
Ich wiederhole nochmals meine Mutmaßung, auch wenn er und andere Mitglieder der ehemaligen Staatsmacht das hier nie zugeben würden- mit noch deutlicherem Einschreiten in einer früheren Phase des Verfalls wäre das Schiff wieder auf Kurs gekommen, aber nur weil man die Arbeitskräfte brauchte, mußte man auch die Hürde niedriger legen.
Solche Tendenzen finden sich übrigens in der heutigen Arbeitwelt wieder.
Angesichts des Fachkräftemangels in dieser Republik genießen diese wieder ungeahnte Freiheiten mit Konsequenzen, die ich für meinen Bereich hier besser nicht erläutern möchte.




Wir reden aneinander vorbei.
Die DDR ist sicher nicht an dem Diebstählen und Betrügereinen ihrer Bürger gescheitert.
Die irrsinnigen Subventionen von Energie, Lebensmitteln, Wohnraum etc. haben für den stetigen wirtschaftlichen Niedergang dieses Staates gesorgt.
Politisch war der Offenbahrungseid bereits 1961 geleistet worden.
Und wer in der DDR von Verfall sprach war sofort rechts außen oder wer die Erungenschaften (z.B.den Subventionierungswahnsinn)des Sozialismus kritisierte war ruck zuck im Visier der Organe.
Täuschen und Verstellen. Nur nicht seine wahre Meinung kund tun. Das war der Alltag in der DDR.
Was soll ein junger Mensch von einem Staat halten der für sich Humanität proklamiert und Mörder,Vergewaltiger und Sadisten auf eine Stufe stellt mit unbescholtenen Menschen die dieses Land verlassen wollen oder eine kritische Meinung von diesm Staat haben und diese außern?

Die Beschreibung von Vierkrug über seinen Abgang aus dem Staatsdienst ist interessant zu lesen.
Die Altvorderen des Sozialismus , die wahren Kämpfer gegen Ausbeutung und Krieg müßen als Monstranz herhalten für das Versagen der letzten Eliten der untergegangenen DDR.


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#48

RE: Wildwest in Eastern Germany

in Volkspolizei/Bundespolizei/Bundesgrenzschutz 29.04.2013 10:33
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #47
Zitat Hackel39

Wir reden aneinander vorbei.
Die DDR ist sicher nicht an dem Diebstählen und Betrügereinen ihrer Bürger gescheitert.
Die irrsinnigen Subventionen von Energie, Lebensmitteln, Wohnraum etc. haben für den stetigen wirtschaftlichen Niedergang dieses Staates gesorgt.
Politisch war der Offenbahrungseid bereits 1961 geleistet worden.
Und wer in der DDR von Verfall sprach war sofort rechts außen oder wer die Erungenschaften (z.B.den Subventionierungswahnsinn)des Sozialismus kritisierte war ruck zuck im Visier der Organe.
Täuschen und Verstellen. Nur nicht seine wahre Meinung kund tun. Das war der Alltag in der DDR.
Was soll ein junger Mensch von einem Staat halten der für sich Humanität proklamiert und Mörder,Vergewaltiger und Sadisten auf eine Stufe stellt mit unbescholtenen Menschen die dieses Land verlassen wollen oder eine kritische Meinung von diesm Staat haben und diese außern?

Die Beschreibung von Vierkrug über seinen Abgang aus dem Staatsdienst ist interessant zu lesen.
Die Altvorderen des Sozialismus , die wahren Kämpfer gegen Ausbeutung und Krieg müßen als Monstranz herhalten für das Versagen der letzten Eliten der untergegangenen DDR.




Subventionen und unschuldig eingesperrte Bürger kürzen sich weg.
Die vorgetragenen Wild- West- Geschichten beweisen, was für ein Potenzial an Rücksichtslosigkeit und ethischer Verdreckung bereits im Volk eingesät war, das ist im Verlauf der DDR- Historie kontinuierlich gewachsen und es wäre 1989 schlimmer gekommen, wenn die fette Glucke nicht über die Grenze gewatschelt gekommen wäre.
Von mir aus, dann stehe ich eben als Nestbeschmutzer das Wissen darum, wie es zu den Bürgerkriegen auf dem Balkan kam und wie andere sozialistische Staaten zersetzt worden sind, untermauert meine Theorie.
Als alles wankte auf der oberen politischen Ebene klaute dort jeder was er kriegen konnte, die Kleinen plünderten das Kleine und die Großen das Große, die Stabilisatoren waren weg, so als würde man der Erde den Mond wegnehmen.
Es ist und bleibt eine Henne- Ei- Problematik und die DDR wurde nicht primär gegründet um zu spitzeln und einzusperren.
Die Chance war da und nicht nur die Eliten, sondern wir alle waren zu unqualifiziert, die Riesenchance zur Gestaltung einer gerechten Gesellschaft wahrzunehmen in der unter Einbeziehung aller Bürger am Nutzen und breitesmöglicher Verteilung der Lasten ein funktionierenden Gemeinwesen ohne die heute sichtbaren und zukünftigen Opfer über Generationen hinweg hätte installiert werden können.

( Korrektur: Grammatisches Kopfsteinpflaster beseitigt)



zuletzt bearbeitet 29.04.2013 17:56 | nach oben springen

#49

RE: Wildwest in Eastern Germany

in Volkspolizei/Bundespolizei/Bundesgrenzschutz 29.04.2013 11:08
von schnatterinchen (gelöscht)
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"......kürzen sich weg....."
ist mir nicht ganz klar.
"....Rücksichtslosigkeit und ethische Verdreckung eines Volkes" na wenn Du es sagst.
Aber woher soll die denn herrühren nach 40Jahren erfolgreicher soz.Erziehung?
Und eins möchte ich mal festhalten, ich habe nie geklaut, so wie Millionen anderer DDR Bürger auch.
Der ex BupräHorst Köhler meinte ja auch im Zusammenhang mit der Finanzkriese "wir haben über unsere Verhältnisse gelebt...."
Hm, konnte ich persönlich nicht ganz folgen und so geht es mir bei Deinen Auslassungen auch, wir hätten die Chance nicht genutzt.
Wie soll das funktionieren, wenn man einem Volk seine jahrhunderte alten Traditionen austreiben will und das Volk soll sich einen Kämpfer der MPLA näher fühlen als den Bürgern der Bundesrepublik Deutschland?


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#50

RE: Wildwest in Eastern Germany

in Volkspolizei/Bundespolizei/Bundesgrenzschutz 29.04.2013 11:10
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

"...die Vergangenheit auf dem Vormarsch im ehemaligen Neuen Deutschland"
Wenn man solche Aufnahmen sieht und bedenkt, daß sich die Polizeiaufgaben gar nicht mal so dramatisch seit 1990 verändert haben mit all der Hilflosigkeit gegen Fußballchaoten, Rechts- und Linksradikale sowie der Beschneidung der Ermittlungsmöglichkeiten fragt man sich, ob nicht mancher der ehemaligen DDR- Polizeikräfte mit heute völlig veränderter Berufstätigkeit froh darüber ist, weg zu sein.
http://www.youtube.com/watch?v=q0BDqrd80iQ



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#51

RE: Wildwest in Eastern Germany

in Volkspolizei/Bundespolizei/Bundesgrenzschutz 29.04.2013 11:45
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #49
"......kürzen sich weg....."
ist mir nicht ganz klar.
"....Rücksichtslosigkeit und ethische Verdreckung eines Volkes" na wenn Du es sagst.
Aber woher soll die denn herrühren nach 40Jahren erfolgreicher soz.Erziehung?
Und eins möchte ich mal festhalten, ich habe nie geklaut, so wie Millionen anderer DDR Bürger auch.
Der ex BupräHorst Köhler meinte ja auch im Zusammenhang mit der Finanzkriese "wir haben über unsere Verhältnisse gelebt...."
Hm, konnte ich persönlich nicht ganz folgen und so geht es mir bei Deinen Auslassungen auch, wir hätten die Chance nicht genutzt.
Wie soll das funktionieren, wenn man einem Volk seine jahrhunderte alten Traditionen austreiben will und das Volk soll sich einen Kämpfer der MPLA näher fühlen als den Bürgern der Bundesrepublik Deutschland?



Nun, unschuldig im Gefängnis landen kann man hier genauso schnell, wenn man z.B. von Geschäftspartnern betrogen wird und seinerseits mit allen verfügbaren Mitteln die Firma und hunderte Arbeitsplätze retten muß, da gibt es keinen doppelten Boden mehr, es gibt hunderte solcher Geschichten angesichts nicht mehr verständlicher und funktionierender Gesetze oder schlichter Behördenwillkür und Subventionen sind in der heutigen Wirtschaft eine wettbewerbsverzerrende Störgröße, sie taugen nur in ganz seltenen Fällen dem Fortschritt und Volkswohl, überwiegend geht es um die Verteidigung von Pfründen, siehe Landwirtschaft.
Das mit dem Diebstahl ist eine Frage der Perspektive und Akzeptanz, dazu ein kleines Beispiel aus dem betrieblichen Alltag der 80er Jahre im Bahnbetriebswerk.
Dort gab es mal eine Küchenfrau und einen Lokschuppenheizer.
Sie führte die kompletten Essensreste der Kantine eines Dienstortes mit mehr als 500 Eisenbahnern im Einzugsgebiet der privaten Schweinezucht zu, Futter das der LPG und den volkseigenen Schweinen vorenthalten wurde, woraufhin die Schlachterzeugnisse auch nicht beim volkseigenem Fleischer landen konnten. Der volkseigene Personenzug wurde während der Arbeitszeit vom Schuppenheizer mit den Kübeln beladen, kostenlos ins Nachbardorf transportiert und verfüttert.
Die Führung und das Küchenteam des volkseigenem Bahnbetriebswerk bekam 3-4-5 Mal, was weiß ich- Wurstsuppe, Gehacktes, alles was Amigos eben zu kriegen hatten und die Überproduktion von 7-8 Schweinen pro Jahr wurde verkauft mit einem Nettoertrag, der höher war als das Jahreseinkommen des Schuppenheizers.
Andere klauten vom Acker das Futter für die Karnickel, aus dem Materiallager den Waschsand es war Alltag und man konnte auf Schritt und Tritt in den Haushalten erkennen, wer wo arbeitete, der Bauer mit 10 gebunkerten Getreidesäcken, die BHG- Verkäuferin mit 100 m Dachrinne (nicht geklaut aber verschachert und verschoben, alles salonfähig) und dem Mammut- Brauer mit dem eigenem Bierlager.
Ich will damit sagen, daß solche Vorgänge schon dermaßen im Alltag integriert waren und daß es eben doch einMassenphänomen war so daß die Empörung über eine solche Endabrechnung nicht berechtigt ist.
Aber lassen wir es dabei, es ist eine Endabrechnung und wenn Deine anders aussieht, muß ich es akzeptieren.
Geklaut habe ich zwar nicht, es gab aber unzählige Stunden auf der Lok und dem Bahnumfeld, die bezahlt worden sind und in Wirklichkeit reine Freizeit waren, aber genauso wie die Währung nicht 100% echt war, so war es auch die Arbeit nicht immer, gleichwohl war es noch nicht die Ebene der ethischen Verdreckung, die ich meinte und hier war ich auch ein Opfer, genau wie Du.



Schmiernippel hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 29.04.2013 13:12 | nach oben springen

#52

RE: Wildwest in Eastern Germany

in Volkspolizei/Bundespolizei/Bundesgrenzschutz 29.04.2013 12:19
von schnatterinchen (gelöscht)
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@Hackel39,

kenne ich auch solche Geschichten.Habe selber aber nie was mit zu tun gehabt.
Wenn ich das so lese muß ich mich fragen warum ich Tag für Tag in so eine dreckige Mine eingefahren bin und mir den Arsch aufgerissen habe um die Planziele zu erreichen und als dankeschön im Urlaub nicht mal mehr nach Ungarn fahren durfte.
Woher kennst Du denn Mammutbräu? Das Bier meiner Jugend aus Sangerhausen. Dort habe ich Hauer gelernt im Thomas Müntzer-Schacht und gar manche frohe Stunde in den örtlichen gastronomischen Einrichtungen der Rosenstadt verbracht.


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#53

RE: Wildwest in Eastern Germany

in Volkspolizei/Bundespolizei/Bundesgrenzschutz 29.04.2013 13:02
von Gelöschtes Mitglied
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OT
@schnatterinchen, hat die Mammut-Brauerei in Sangerhausen nicht 2009 dicht gemacht ??? Ich kenne es auch noch aus DDR-Zeiten, wenn wir bei den Großeltern meiner Frau in Blankenheim waren. Großvater und Schwiegervater waren Eisenbahner und der eine Bruder meines Schwiegervaters, arbeitete auch unter Tage im Thomas-Müntzer-Schacht in Sangerhausen. Er lebt und wohnt noch heute in Blankenheim.

Vierkrug


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#54

RE: Wildwest in Eastern Germany

in Volkspolizei/Bundespolizei/Bundesgrenzschutz 29.04.2013 13:10
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #52
@Hackel39,

kenne ich auch solche Geschichten.Habe selber aber nie was mit zu tun gehabt.
Wenn ich das so lese muß ich mich fragen warum ich Tag für Tag in so eine dreckige Mine eingefahren bin und mir den Arsch aufgerissen habe um die Planziele zu erreichen und als dankeschön im Urlaub nicht mal mehr nach Ungarn fahren durfte.
Woher kennst Du denn Mammutbräu? Das Bier meiner Jugend aus Sangerhausen. Dort habe ich Hauer gelernt im Thomas Müntzer-Schacht und gar manche frohe Stunde in den örtlichen gastronomischen Einrichtungen der Rosenstadt verbracht.


Mammutbräu kenne ich nur als völkischer Beobachter, bin ein Start- Ziel- Antialkoholiker, wahrscheinlich ist auch deshalb meine Abrechnung mit der DDR so streng.
Wenn Du Hauer warst, ist Dir sicherlich auch bekannt, wie man den Strukturwandel in der DDR damals gemeistert hat, als selbst die subventionierten Schächte aufgegeben werden mußten und wie unproblematisch man die freigesetzten Bergleute in den umliegenden Kombinaten neu integriert hat, ohne daß sie mit Sack und Pack ihre Heimat verlassen mußten, das sind die Werte, die wir damals verloren haben.
Der besagte Hamster- Mälzer hat natürlich auch ein Gesicht und war besonders in den Sommermonaten ein gefragter Handelspartner im Raubtiersozialismus, er ist keine Erfindung von Hackel.
Dein Pech war damals halt, daß man Kupferschiefer nicht verschieben konnte und Du damals genau wie ich in der Schattenwirtschaftszone keine echte Konversionswährung hattest, mal abgesehen von den 3-4 kapitalen Aalen, die ich übers Jahr gefangen hatte und immer gegen Schachtschnaps eintauschte, den meine Eltern dann in Schwarze Johanna verwandelten.
Auch Angelgeräte aus dem Westen hatte ich eingetauscht und Fische so zu verwerten, war übrigens auch verboten, so gesehen war ich ja im Sozialismus auch ein Raubtier, wenn auch nur ein kleines.



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#55

RE: Wildwest in Eastern Germany

in Volkspolizei/Bundespolizei/Bundesgrenzschutz 29.04.2013 13:57
von schnatterinchen (gelöscht)
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Diesen Strukturwandel habe ich nicht miterlebt. Ich habe dort nur ca 1,5 Jahre verbracht da ich beim VEB Schachtbau Nordhausen beschäftigt war und nach dieser Zeit auf eine Baustelle des Schachtbau Nordhausen geschickt wurde.
Die Arbeitsbedingungen im Kupferschieferbergbau mit Strebhöhen so um die 1 m vor Ort waren schon recht extrem, nichts für Platzängstliche.
Das Flöz war so mächtig wie eine Hand breit ist, da habe ich mich als Lehrling schon gefragt ob das überhaupt wirtschaftlich ist.
Der Betriebsschutz vom TMS hat mal große Taschenkontrolle bei den Arbeitern gemacht, raus kam ein Riesenhaufen fein säuberlich geschnitten und gehacktes und mit Draht zusammengebunden Holz , welches dann an ein Altenheim ging. Unsere Arbeiter.
Ja der Schachtschnaps und Schwarze Johanna, habe ich schon fast vergessen. Mit dem Schnaps wußte ich kaum noch wohin, wenn ich den hab auflaufen lassen, habe ich den kaum noch nach Hause bekommen soviel war das dann.
@Vierkrug,
ja leider hat Mammutbräu 2009 dicht gemacht.Zu DDR Zeiten war das Bier auch nicht der Brüller wie die meisten damals, aber es war eben ein Bier von hier würde man heute sagen und wieder ein Stück Tradition das verloren gegangen ist.Leider.


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#56

RE: Wildwest in Eastern Germany

in Volkspolizei/Bundespolizei/Bundesgrenzschutz 29.04.2013 19:50
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Jobnomade im Beitrag #46
Hallo Uwe,

zunächst einmal danke für Deine interessanten Beiträge...
Inzwischen habe ich die Geschichte in #1 mal vollständig gelesen - da kommen auch eine Menge persönliche Erinnerungen bei mir wieder . ich habe in dieser Zeit ja auch in Grenznähe Ost gelebt (Dresden) und bin unter der Woche nach Nürnberg in die Arbeit gependelt.
Interessant hätte ich noch ein Kapitel "Herbst 89 bis Herbst 90" gefunden.
Zu Deinem vorigen Beiträgen habe ich eine Frage:
Ist jener Amtsleiter heute noch Polizist ? Bzw - ist er damals in die bundesdeutschen Strukturen übernommen worden ?

Gruss Hartmut
Und "Hut ab" für den jungen Kollegen !


Hallo Jobnomade!
Der besagte Amtsleiter ist vor einem Jahr als Hauptkommissar in Pension gegangen. Kommentieren möchte ich das jetzt nicht. Übrigens was die Zeit von Herbst 1989 bis zum Herbst 1989 angeht: schau doch mal in den Thread " Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist". Der dürfte relativ weit unten liegen. Dort findest du Schilderungen über die Wendewirren.

Viele Grüße aus dem Oderland
Uwe


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#57

RE: Wildwest in Eastern Germany

in Volkspolizei/Bundespolizei/Bundesgrenzschutz 01.05.2013 19:43
von Boelleronkel (gelöscht)
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Oute mich mal als weiterer Leser...
bin noch nicht fertig,aber die damalige Realitaet kann man wohl nicht besser beschreiben!
Haste eijentlich Tagebuch gefuehrt oder ein sehr gutes Gedaechtnis...Uwe

Gruss BO


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#58

RE: Wildwest in Eastern Germany

in Volkspolizei/Bundespolizei/Bundesgrenzschutz 02.05.2013 07:18
von ABV | 4.202 Beiträge

Hallo BO!
Ich denke mal, dass ich über ein relativ gutes Gedächtnis verfüge. Ich kann mich noch an viele, lange zurückliegende Begebenheiten erinnern. Aber, es kommt auch vor, dass ich Sachen von einer Minute auf die andere vergesse. Und mir deswegen den Zorn meiner " besseren Hälfte" einhandele.
Das menschliche Gehirn ist schon eine verdammt komplizierte Angelegenheit.

Viele Grüße aus dem Oderland
Uwe


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#59

RE: Wildwest in Eastern Germany

in Volkspolizei/Bundespolizei/Bundesgrenzschutz 02.05.2013 07:51
von furry | 3.562 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #58
Hallo BO!
Ich denke mal, dass ich über ein relativ gutes Gedächtnis verfüge. Ich kann mich noch an viele, lange zurückliegende Begebenheiten erinnern. Aber, es kommt auch vor, dass ich Sachen von einer Minute auf die andere vergesse. Und mir deswegen den Zorn meiner " besseren Hälfte" einhandele.
Das menschliche Gehirn ist schon eine verdammt komplizierte Angelegenheit.

Viele Grüße aus dem Oderland
Uwe

OT: Mit dieser selektiven Wahrnehmung bist Du nicht allein. Unser Gehirn weiß schon, was für uns gut ist und worauf wir besser nicht reagieren sollten.
Der umgekehrte Informationsfluss verläuft aber ähnlich.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#60

RE: Wildwest in Eastern Germany

in Volkspolizei/Bundespolizei/Bundesgrenzschutz 10.07.2013 08:40
von ABV | 4.202 Beiträge

Mir ist da noch eine Story aus den frühen neunziger Jahren eingefallen. In der Geschichte kommen weder Tote noch Verletzte und auch keine Einbrecher vor. Die Episode beweist, dass es auch bei der Polizei nicht immer bitterernst nach Vorschrift zugeht:

Blitzer gehören heutzutage zu den, ich drücke es vorsichtig aus, notwendigen Übeln. In den Augen der einen, sind die Verkerhsüberwachungsmaßnahmen der Polizei, nichts anderes als eine perfide Methode des Staates, dem Bürgern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Während die anderen auf steigende Unfallzahlen verweisen. Im Frühjahr 1993 gehörten die " Blitzer" noch nicht überall in Brandenburg zu den Normalitäten. Die Kraftfahrer kannten nur die früher in der DDR üblichen Radargeräte. Wo einem, statt des sattsam bekannten roten Blitzes, eine plötzlich mit hocherhobenen Reglerstab auf die Fahrbahn hüpfende " Weiße Maus", den Sündenfall ins Bewusstsein rief.
In einer trüben Frühlingsnacht, überwachte ich gemeinsam mit einem jungen Polizeimeister, im Streifenwagen sitzend, den Verkehr auf der Bundesstraße 1. Ortsausgang Seelow in Richtung Berlin. Seit der Eröffnung des zwanzig Kilometer östlich der Kreisstadt befindlichen Grenzübergangs Küstrin-Kietz / Kostrzyn, hatte der Verkehr dort erheblich zugenommen. Um gefühlte Tausend Prozent. Der Streifenwagen stand in einem kleinen Seitenweg. Wenige Meter von der Hauptstraße entfernt. Nahe genug, um bei etwaigen Verstößen sofort eingreifen zu können. Theoretisch! Denn praktisch konnten wir nichts anderes tun, als dem Treiben hilflos zuzusehen. Kaum jemand hielt sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit. Jeder wollte schnell nach Polen. Oder wieder nach Hause. Zur Ausrüstung des Streifenwagens gehörte auch ein Fotoapparat. Der zur Beweissicherung an Tat und Unfallorten zum Einsatz kam. Wieder raste ein VW am Streifenwagen vorüber. So schnell, dass der grünweiße Passat wackelte. Irgendwann kramte der Polizeimeister das Blitzlicht aus der Fototasche. Von nun betätigte er bei jedem Vorbeirasenden, das Blitzlicht. " Meinst du, dass das irgend jemanden interessiert?", fragte ich ihn kopfschüttelnd. " Abwarten", erwiderte er schmunzelnd.
Tatsächlich kehrte nach wenigen Versuchen, ein " geblitzter Sünder", reumütig zurück. Kleinlaut stieg ein elegant gekleideter Mittvierziger, Typ nobler Businessman, aus einer ebenso noblen Karosse. Typ Angeberkutscher. Unterwürfig klopfte er an die Scheibe. " Ich war wohl ein wenig zu schnell", säuselte er. Wobei er sich nervös die Hände. So als würde er sie sich mit einem unsichtbaren Stück Seife waschen.
" Wie schnell waren Sie denn? Aber ehrlich!", kam es forsch und zackig aus dem Munde des Polizeimeisters. " Na ja, sechzig Kilometer pro Stunde, könnten es schon gewesen sein." Der Mann wand sich wie ein Aal. " Na, na, na!" Der Polizeimeister legte eine erstaunliche Hartnäckigkeit an den Tag. " Gut, es können auch achtzig Kilometer pro Stunde gewesen sein." Vor Verlegenheit hüpfte sein Adamsapfel rauf und runter. Mein Kollege lies nicht locker: " Und welche Geschwindigkeit ist an dieser Stelle erlaubt?" " Äh hm.... Fünfzig?" " Richtig!" " Ja, ähm und was machen wir jetzt. Jetzt bekomme ich bestimmt von ihnen Post nach Hause. Mit einem Foto. Und gerade das wäre mir sehr unangenehm. Kann ich die Strafe nicht gleich vor Ort bezahlen?" Konnte er! Fünfundsiebzig DM kostete ihm der Spaß. Normalerweise wäre die Strafe weit höher ausgefallen. Wenn man ihm tatsächlich mit einem richtigen " Blitzer", sprich mit einem mobilen Geschwindigkeitsmessgerät erwischt hätte. Er ahnte ja nicht, dass er nichts weiter als ein ordinäres Fotoblitzlicht gesehen hat. So bezahlte er brav den Obulus, bedankte sich obendrein artig und erkundigte sich zum Abschied noch einmal, " ob man ihm auch wirklich kein Foto nach Hause schicken würde." " Neiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin", antworten wir im Chor und mit geradezu synchron anmutenden Unschuldsminen. Diese Frage konnte nun wirklich mit ruhigem Gewissen beantwortet werden. Während dessen räkelte sich eine üppige Blondine auf dem Beifahrersitz der Nobelkarosse. " Dauert das noch lange Schatz?", krähte sie ein wenig genervt klingend. Jetzt war auch klar, warum der feine Herr solchen Bammel vor einem Beweisfoto hatte. Die Frau neben ihm, war nicht seine eigene. So ein Ferkel. Quasi in jeder Hinsicht ein Verkehrssünder.
Wir haben uns hinterher und leichtsinnigerweise auch später in der Polizeiwache, ausführlich über den Vorfall amüsiert. So dauerte es nicht lange, bis das ganze auch dem Wachenleiter zu Ohren kam. Der zeigte sich " not amused", wie man sich unschwer vorstellen kann. Rechtlich sauber war unser Vorgehen ganz sicher nicht. Auch wenn der Mann seinen Verstoß gewissermaßen "freiwillig" zugegeben hatte.
Das ganze endete mit einem mordmäßigen Anschiss und der Androhung disziplinarischer Maßnahmen. Chefs verstehen nun einmal keinen Spaß.
Seit dem Vorfall sind mittlerweile zwanzig Jahre ins Land gegangen. Aus dem Polizeimeister ist mittlerweile eine Führungskraft geworden. Fern ab von Seelow. Irgendwo im Westen Brandenburgs. Ab und an haben wir noch telefonischen Kontakt. Der dann meist mit den Worten: " Weißt du noch......" beginnt. Selbstverständlich dürfen seine heutigen Unterstellten nicht wissen, was für ein "schlimmer Finger" ihr Boss einst war.
Gerast wird übrigens in Brandenburg noch immer. Mittlerweile lassen sich die Kraftfahrer nicht mehr von einem Fotoblitzlicht ins Bockshorn jagen. " Richtige Blitze" sind nämich Rot!

Gruß an alle
Uwe


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