#161

RE: Kinderfreundlichkeit BRD vs. DDR

in DDR Zeiten 24.04.2013 12:12
von furry | 3.580 Beiträge

Zitat von bendix im Beitrag #159
In LPG`s gab es auch sogenannte Ernte-Kindergärten in denen bei Ernte die Kinder auch zur Nacht betreut wurden

Gruß bendix


Soweit ich weiß, gab es diese Nachtbetreuung auch in einigen LPG mit diesen großen Milchviehanlagen (1930 Kühe), in denen sehr viele Frauen beschäftigt waren. Die Arbeiten liefen dort im Schichtbetrieb ab. Vielleicht kann sich @Grenzwolf noch an die Schichtzeiten erinnern.

Was bis jetzt etwas zu kurz gekommen ist, ist das Verhältnis zwischen Kindern und der allgemeinen Welt der Erwachsenen zur damaligen vergleichbaren Zeit.
Wie hoch war die Schmerzgrenze der Erwachsenen bei kindlichem Unfug? Wurde ein kleiner angerichteter materieller Schaden mit einer Backpfeife oder per Rechtsanwalt reguliert?
Wurde von Kindern seitens der Erwachsenen erwartet, dass sie z.B. in einem Verkehrsmittel der Oma ihren Platz anbieten? Und, und, ....


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#162

RE: Kinderfreundlichkeit BRD vs. DDR

in DDR Zeiten 24.04.2013 12:45
von Moskwitschka (gelöscht)
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Der von mir in meinem Beitrag #13 beschriebene BVB Kindergarten entstand auch Anfang der 50-ger Jahre und zwar als Kinderwochenheim.

Nach dem Krieg waren bei der BVB sehr viele Frauen u.a. als Straßenbahnfahreinnen u.ä. im Schichtdienst beschäftigt. Doch wohin mit den Kindern? Und so entstand neben den Betriebshöfen ein großer Kindergarten- Komplex, mit vielen übersichtlichen Räume, vor allem kleinen Schlafräumen mit richtigen Bettchen, richtigen Bädern, einer eigenen großen Küche usw.usf. Und nicht zu vergessen einem großen Garten.

Ich weiß leider nicht bis wann dort die Kinder rund um die Uhr betreut wurden. Zumindest konnten die Kinder dort wochenweise betreut werden und wurden von den Müttern zu den dienstfreien Zeiten in den Schoß der Familie geholt.

Jedenfalls war es irgendwann eine kombinierte Kindergarten/Krippeneinrichtung von deren baulichen Konzept, mit den kleinen Räumen, die Kinder noch lange profitiert haben. So war zum Beispiel der Mittagsschlaf keine Massenveranstaltung, sondern die Kinder wurden entsprechend des persönlichen Schlafbedürfnisses in kleinen Gruppen untergebracht. Auch das Essen wurde immer frisch zubereitet und auf kurzem Weg auf die Teller gebracht.

Irgendwann nach der Wende, fiel erst die Küche weg. Später wurden die Räume auf "Norm" gebracht. Und heute? Bemüht man sich nach den jüngsten Schulspeisung-"Skandalen" wieder die Küche zu reaktivieren.

Eine Quelle habe ich auf die schnelle nicht gefunden.

LG von der grenzgaengerin


bendix hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 24.04.2013 12:52 | nach oben springen

#163

RE: Kinderfreundlichkeit BRD vs. DDR

in DDR Zeiten 24.04.2013 12:53
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Grenzgaengerin das Ganze ist besser ein Extrathema wert siehe dein : "Und Lebensläufer, ich weiß nicht wie ich es werten soll, wenn Du von Westfrauen schreibst? Als Schubladen denken oder Mangel an Interesse von geschriebenen Beiträgen? Aber egal, mir ist Ost, West, Nord, Süd sowieso egal ".

Und bitte nich meckern, wenn da Männer ihre Meinung auch mal richtig herauslassen. Ihr Frauen könnt das natürlich im Gegenzug genau so tun aber ich sage dir jetzt schon, das Thema kann ...bestimmt auch mal unangenehm werden. Wie könnten wir es übrigens nennen? Westfrau contra Ostfrau und umgekehrt" oder besser "Männer in Ost und West beschreiben ihr Frauenbild"? Aber vielleicht findet der Eine oder andere noch ne bessere Überschrift?
Bis heute Abend, mein täglicher Mittagsschlaf ruft.

Lebensläufer


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#164

RE: Kinderfreundlichkeit BRD vs. DDR

in DDR Zeiten 24.04.2013 12:54
von praeceptor507 | 233 Beiträge

Ich war nur 2 Jahre im Kindergarten. 1954 - 55.
Vor jedem Mittagessen wurde ein `Gebet` gesprochen: "Händchen falten, Köpfchen senken und dem lieben Stalin denken."

Haltet aus!


Komm'se mal zurück Gefreiter! Könn'se denn nich grüßen?
zuletzt bearbeitet 24.04.2013 12:56 | nach oben springen

#165

RE: Kinderfreundlichkeit BRD vs. DDR

in DDR Zeiten 24.04.2013 13:11
von Küchenbulle 79 | 533 Beiträge

Zitat von Lebensläufer im Beitrag #163
Grenzgaengerin das Ganze ist besser ein Extrathema wert siehe dein : "Und Lebensläufer, ich weiß nicht wie ich es werten soll, wenn Du von Westfrauen schreibst? Als Schubladen denken oder Mangel an Interesse von geschriebenen Beiträgen? Aber egal, mir ist Ost, West, Nord, Süd sowieso egal ".

Und bitte nich meckern, wenn da Männer ihre Meinung auch mal richtig herauslassen. Ihr Frauen könnt das natürlich im Gegenzug genau so tun aber ich sage dir jetzt schon, das Thema kann ...bestimmt auch mal unangenehm werden. Wie könnten wir es übrigens nennen? Westfrau contra Ostfrau und umgekehrt" oder besser "Männer in Ost und West beschreiben ihr Frauenbild"? Aber vielleicht findet der Eine oder andere noch ne bessere Überschrift?
Bis heute Abend, mein täglicher Mittagsschlaf ruft.

Lebensläufer


Hier mein Vorschlag zur Überschrift "Westfrau und Ostfrau sind beide gleichdurstig"


Svenni1980 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#166

RE: Kinderfreundlichkeit BRD vs. DDR

in DDR Zeiten 24.04.2013 16:29
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von furry im Beitrag #161

Wie hoch war die Schmerzgrenze der Erwachsenen bei kindlichem Unfug? Wurde ein kleiner angerichteter materieller Schaden mit einer Backpfeife oder per Rechtsanwalt reguliert?
Wurde von Kindern seitens der Erwachsenen erwartet, dass sie z.B. in einem Verkehrsmittel der Oma ihren Platz anbieten? Und, und, ....


Wie immer kann ich nur aus der eigenen Erfahrung berichten, die Allgemeingültigkeit meiner Aussagen darf somit mit Fug und Recht angezweifelt werden.

Mein Sohn war ein "normales" Kind, sprich er hat auch mal Unfug angestellt, sprich er hat auch schon mal einen Sachschaden verursacht. Nichts Großes: Er hat z.B. niemals ein Auto mit einem Schlüssel tief zerkratzt oder ähnlich schwere Sachbeschädigungen verusacht. Aber beim Fußball ging schon mal ne Scheibe zu Bruch und auch nicht alle Gartenzäune haben die "Flucht" beim Fangen unbeschadet überstanden. Der materielle Schaden wurde dann zwischen den Erwachsenen geregelt und er bekam einen gehörigen Anpfiff und musste sich auch mit seinem Taschengeld am Schaden beteiligen. Und wenn es mal eine Prügelei unter Kindern gab - nun ja, dann gab es halt mal eine Prügelei unter Kindern. Er hatte nur ein striktes Verbot, Kleinere zu verdreschen und daran hat er sich wohl auch gehalten - es sei denn, die Kleineren fingen damit an. Dagegen "durfte" er sich natürlich wehren, aber mit Maß und Ziel.

Ich habe schon den Eindruck, dass Eltern, die wegen jeder Kleinigkeit zum Anwalt rennen, in der Minderheit sind. Allerdings werden solche Fälle wohl gerne aufgegriffen und publiziert, um Missstände in der Erziehung anzuprangern.

Anders sieht es wohl mit der Höflichkeit gegenüber Frauen oder älteren Menschen aus. Wir haben ihn so erzogen, dass er ohne Diskussion aufzustehen hat, wenn das Verkehrsmittel voll ist, kein Platz mehr frei ist und ein älterer Mensch stehen müsste.

Das scheint - zumindest hier in Berlin und insbesondere in Pankow - völlig aus der Mode gekommen zu sein.

Ich bin oft mit Bus+Bahn unterwegs, auch zu Zeiten, in denen die Schule endet. Und ärgere mich jedesmal, wenn 12- oder 14jährige Gören völlig ungerührt und unbeeindruckt sitzen bleiben, wenn eine ältere, vielleicht sogar gehbehinderte Frau keinen Platz mehr finden. In solchen Fällen springe ich trotz meiner 63 Jahre sofort auf und biete dieser Dame meinen Platz an: Ich bin so erzogen worden und der dankbare Blick oder auch der mündlich ausgesprochene Dank dieser Dame ist eine mehr als ausreichende Belohnung für die geringe Mühe des Stehens.

Den Gören mache ich noch nicht einmal einen Vorwurf daraus, dafür aber den Eltern und Erziehern. Kinder orientieren sich an Vorgaben und Beispielen - und wenn sie beides nicht bekommen, dann darf man sich über diese Jung-Egoisten nicht wundern.

In diesem Forum wurde öfter die Ellenbogen-Mentalität der Wessis beklagt. Nun, ich habe durchaus den Eindruck, als ob auch hier im Osten eine Generation heranwächst, die zuallererst sich, ihre Interessen und Bedürfnisse berücksichtigt und für die Höflichkeit und Rücksichtnahme auf andere ziemliche Fremdwörter sind. Und daran ist ausnahmsweise weder die Regierung noch das Großkapital schuld - die Verantwortung dafür tragen die Eltern und die Erzieher. Und sonst niemand.


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#167

RE: Kinderfreundlichkeit BRD vs. DDR

in DDR Zeiten 25.04.2013 14:33
von Gelöschtes Mitglied
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Nachtrag

Heute vormittag fuhr ich mal wieder mit dem Bus in Richtung Pankow. In der unmittelbaren Nähe der Endhaltestelle liegt eine Grundschule und eine Klasse 8- oder 9jähriger, insgesamt 23 Kinder, hatte wohl Wandertag: Zwei Lehrerinnen begleiteten sie. Und mit der größten Selbstverständlichkeit der Welt blockierten sie mehr als die Hälfte aller Sitzplätze.

In den folgenden Haltestellen stiegen einige ältere Fahrgäste ein, die noch freien Sitzplätze waren schnell besetzt. Das Ergebnis war, dass zwei Damen, beide geschätzt Ende 60, Anfang 70, stehen mussten. Beide waren gehbehindert, die eine stütze sich auf einen Rollator, die andere war auf eine Krücke angewiesen. Eine der beiden stand unmittelbar neben einer der Lehrerinnen, unmöglich, dass sie diese Dame nicht bemerkt hat.

Ich habe diese Lehrerin daraufhin angesprochen und bekam eine pampige Antwort: Das würde mich nichts angehen, ich solle mich um meinen eigenen Kram kümmern. Außerdem gäbe es eine Vorschrift, dass die Kinder aus Sicherheitsgründen sitzen müssten.

Fragen?

Per Zufall stieg die Klasse in den gleichen Bus, mit dem ich zurückfuhr. Diesmal war er aber nicht leer, im Gegenteil: Nur wenige Kinder konnten sich setzen, die meisten mussten stehen. Meines Erachtens nach haben sie diese Tortur ohne bleibende Schäden an Leib und Leben überstanden, ob diese unzumutbare Belastung allerdings zu posttraumatischen Störungen führen wird, vermag ich nicht zu beurteilen.

Ich habe mich mörderisch geärgert. Nicht über die patzige Antwort, jede(r) hat das Recht auf einen schlechten Tag. Sondern über die Selbstverständlichkeit, mit der die Gören sitzen bleiben durften, nicht von den Lehrerinnen aufgefordert wurden, zumindest den beiden gehbehinderten Damen ihren Sitzplatz anzubieten. Ich hab deshalb den Senat für Bildung usw. angeschrieben und den Vorfall in ziemlich sarkastischem Ton geschildert. Jetzt bin ich gespannt, ob ich eine Antwort erhalte und wenn ja, welchen Inhalts sie ist.


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zuletzt bearbeitet 25.04.2013 14:41 | nach oben springen

#168

RE: Kinderfreundlichkeit BRD vs. DDR

in DDR Zeiten 25.04.2013 15:06
von Küchenbulle 79 | 533 Beiträge

Das ist nur ein kleiner Teil von der heutigen Verkommenheit gegenüber seinen Mitmenschen.Da könnten wir über noch mehr schreiben.
Schon allein die Kommunikation unter einander,graut dem Hund samt Hütte.


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#169

RE: Kinderfreundlichkeit BRD vs. DDR

in DDR Zeiten 25.04.2013 15:51
von Gelöschtes Mitglied
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Passt irgendwie auch in diesen Thread.
Vor wenigen Augenblicken haben wir uns entschieden, an den Grundschulen der Stadt Hoyerswerda (Sachsen) eine gemeinsame Aktion von Lehrern, Eltern, Psychologen, Kriminologen und Sozialarbeitern finanziell zu unterstützen. Es handelt sich hierbei um eine Informationsbroschüre über Verhaltensnormen und -regeln für Kinder, um nicht Opfer von Kindesentführungen und Kindesmißbrauch zu werden.
Ein sehr gelungenes Werk, das die prophylaktische Arbeit auf diesem Gebiet wirksam unterstützt. Leider sind in der Vergangenheit immer wieder Kinder Opfer von Mißbrauch und Gewalt geworden. Sie tragen dabei nicht nur psychische Schäden für ihr weiteres Leben davon.
Mit unserem finanziellen Beitrag unterstützen wir insbesondere die Elternhäuser, wo der Geldbeutel nicht gerade locker am Gürtel hängt, wie alleinerziehende Mütter, Hartz IV-Empfänger und Eltern, die im Niedriglohnsektor tätig sind und nicht das Netto im Monat zur Verfügung haben, um sich eine solche Informationsbroschüre finaziell zu leisten.
Die Nachfrage bei den Eltern ist sehr groß und ich hoffe, dass sich noch weitere Firmen diesem Sponsoring anschliessen werden.
Ich persönlich, habe noch den Geldbetrag gespendet, den ich für als Rücklage für das Tanken und die Unterkunft zum Eisenacher Treffen zurück gelegt hatte.
Ich denke, dass es auch hier einer guten Sache, wenn auch aus traurigem Anlaß dient.

Vierkrug


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#170

RE: Kinderfreundlichkeit BRD vs. DDR

in DDR Zeiten 25.04.2013 15:54
von Gelöschtes Mitglied
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Ohne Ironie: Respekt und Anerkennung


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#171

RE: Kinderfreundlichkeit BRD vs. DDR

in DDR Zeiten 26.04.2013 11:55
von Gelöschtes Mitglied
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Nachtrag II

Die Senatsverwaltung hat zu meiner Überraschung prompt geantwortet. Auszug:

Grundsätzlich ist es wohl so, dass es eine solche Vorschrift nicht gibt. Gäbe es sie, dürften Schülergruppen ja nur in Bussen und Bahnen mitfahren, die zufällig genügend freie Sitzplätze haben.

Damit stellt sich für mich schon die Frage, warum die Lehrerin so geantwortet hat, warum sie die Kinder nicht aufgefordert hat, aufzustehen und den behinderten Damen Platz zu machen. Mögliche Antworten gäbe es viele, deshalb will ich darüber auch nicht spekulieren.

Aber nachdenklich macht einen das schon....


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#172

RE: Kinderfreundlichkeit BRD vs. DDR

in DDR Zeiten 26.04.2013 13:12
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Lebensläufer im Beitrag #128
Dieser mein Text von vor paar Tagen ging irgendwie bissel unter. Ich hoffe doch, das die Barbara auch ernsthaft texten kann, der Rainer kanns nämlich auch...meine allerliebste Landsfrau West. Der R. liebt zwar den Humor, auch die Ironie mit leichtem Sarkasmus vermischt, das sollte aber nun nicht die Regel hier werden.

Hier der Text:"Ich bins nochmal, ich schreibe halt so gerne, habt Nachsicht mit dem Rainer weil, er will immer alles ganz genau wissen.

Mal ne Frage an uns westdeutschen Landsleute. Wie wahr das eigendlich in den sagen wir 60/70/80er Jahren weil ich da nicht so informiert bin mit Kindergärtenplätzen bei Euch.? Gab es da welche so von den Kommunen oder Kirchen oder Privat? Oder war eben die Mutti Zuhause (half vielleicht mal auf dem Wochenmarkt aus) und der Papa malochte/arbeitete, war sozusagen der Alleinverdiener? Oder ihr wart bei der Oma/Opa gut untergebracht so wie das auch im Osten üblich war, ja wie war das bei Euch so in der Kinderzeit?"

Lebensläufer




Lieber Lebensläufer, entschuldige bitte, wenn du dich durch meinen Beitrag nicht ernst genommen gefühlst hast.
Ich habe deshalb so reagiert, weil ich es als Wessi auch manchmal Leid bin, wie "unser" Leben in der alten BRD dargestellt wird, genau so wie "ihr Ossis" das seid bzgl. eures Lebens in der DDR.

Deshalb jetzt nochmal ernsthaft:
ich komme aus einer Kleinstadt (ca. 25.000 EW mit den umliegenden Dörfern)
Wir hatten kath. und evang. Kindergärten, und städtische.
Kindertagestätten gab es damals noch nicht aber Kinderhorte.

Ich war ab ca. 1958 im Kindergarten bis Anfang der Schulzeit, mit der Schulzeit ging ich nachmittags in den Kinderhort, dort gab es Hausaufgabenbetreuung und Spielen und viel raus ins Freie gehen.
Unser Hort hatte ein eigenes Terrain mit Sommerhaus im Wald, das war klasse zum Cowboy- und Indianer-Spiel. Es gab auch einen "Marterpfahl" :-)

Mein Kindergarten war ein katholischer, ich habe aber in der Rückschau gar nicht so sehr das Beten etc. nicht gemocht, sondern im Gegenteil, die Rituale, die die kath. Kirche hat, sind z.B. sehr schön und sehr sinnlich. Es klingt und duftet! Ich liebe z.B. Kerzenschein, und an Feiertagen sind die Kirchen voll damit, und auch in den Kindergärten (auch in der Schule!) hatten wir viele Kerzen an.
Ich glaube ja, das Menschen Rituale brauchen, egal welche.
Z.B. habe ich den ganzen Monat Mai in meinem Kinderzimmer Altäre für die Hl Maria mit ihrem Jesuskind mit frischen "Marienblümchen" und Vergissmeinnicht geschmückt, Mutter und Sohn bekamen von mir auch zu essen und zu trinken :-) Ein Mutter-Ritual eben.

Da ich als Kind schon gerne gesungen habe, war mir ganz egal was gesungen wurde, Hauptsache singen - und zwar gemeinsam.

Es gab im Kindergarten als auch im Kinderhort etwas zu essen, über Mittag, wie Gert schon sagte, irgendeine mehr oder weniger leckere Suppe, nachmittags Stullen, Rübenkraut, Käse verschiedene Wurstsorten. Es stand immer ein Korb rum mit regionalem Obst. Zitrusfrüchte waren damals auch bei uns keine Selbstverständlichkeit. Zu Weihnachten gab es bei uns zuhause eine frische Ananas und eine Kokosnuss, die mit dem Hammer gekanckt wurde.

Die Kinder aus den umliegenden Dörfern wurden durch extra dafür eingerichtete Buslinien in die Schulen gebracht. Autos gab es damals noch nicht so viele.

Meine Mutter musste und wollte wieder arbeiten gehen, da war ich ungefähr 12 Jahre alt. Sie war Krankenschwester aus Leidenschaft. Großeltern hatte ich keine im Ort, aber wir waren sehr früh zu sehr viel Selbstständigkeit erzogen worden, mittags selbst was aufwärmen oder auch kochen, Hausaufgaben machen - und dann nichts wie raus.

Ich habe meine Kindheit als einziges großes "Draußen-Sein" erlebt. Wir wohnten in einer "Kinderreichen-Neubausiedlung", durch ganz geringe Kredite zu finanzierende kleine Häuschen, direkt an Wiesen und Feldern und unter dem Waldrand. Kühe, Pferde, Kaninchen, Schlangen!
Wir hatten einen Hund und schleppten alles mögliche an Getier zuhause an.
Wir sammelten Pilze, jede Sorte Beeren, wir Kinder aßen Hagebutten und Schlehen, ich saugte auch gerne Kleeblüten aus- sehr lecker....

Ich war schon als Kind sehr gerne im Wald - auch alleine - manchmal mussten sie mich abends suchen :-)
Im Winter gab es bergeweise Schnee, wir haben am Hang gewohnt, die Schlitten aneinander gebunden - bis zu 20 Stück - ganz vorne saß einer als "Lenker", der hatte Schlittschuhe an. Aus der heutigen Sicht - lebensgefährlich - denn wir kreuzten auch Autostraße, aber wie gesagt Autos gab es noch nicht so viele. Und im Zweifel hat der "Lenker" den ganzen Tross in den Tiefschnee gelenkt.

Als wir den ersten Fernseher bekamen, war das eine ganz tolle Sache. Natürlich s/w mit Zimmerantenne, war das ein Drama mit dem Empfang. Denn wir waren natürlich total heiß auf die wenigen Kindersendungen, die es damals gab. Es ist oft passiert, dass 10 Kinder alle bei irgendeinem Nachbarn klingelten, um bei diesem eine Sendung zu sehen, weil's zuhause nicht klappte, oder es noch keinen Empfänger gab.
Nach den Sendungen sind wir immer raus und haben alles nachgespielt - "Das fliegende Auge" z. B.

Ist gar nicht so anders gewesen als bei euch oder?




Meine eigene Tochter ist ein Großstadtkind, an einer Hauptverkehrsstraße aufgewachsen. Zwar war hinter unserem Häuserblock ein sehr großer Park der in den Stadtwald überging, aber zur Haustür raus richtig gefährlich.
Also habe ich mit ihr bereits als 3-Jähriger geübt, sich auf der Straße zu verhalten. Habe mich mit ihr zwischen die parkenden Autos gehockt,und vorsichtig den Kopf auf die Straße gestreckt, damit sie die herandonnernden Autos mitbekommt, immer wieder Ampel- und Kreuzugsverhalten geübt, dass sie den Autofahren winken soll, sich bemerkbar machen soll etc.

Ich bin mit ihr in alle umliegenden Geschäfte und Kioske gegangen, habe sie dort dem Personal vorgestellt und ihr eingeschärft, wenn irgend jemand auf der Straße sie ansprechen sollte, auch wenn es ein Polizist wäre, sofort in eins der Geschäfte an die Kasse zu gehen und das zu sagen. Sozialer Schutzschild um mein Kind. Mit 5 Jahren ging sie alleine kleine Einkäufe tätigen. Holte sich bergeweise Kartons beim Aldi um damit zu basteln und Ställe für ihre Stofftiere zu bauen.
Heute ist sie 27.

Ich war eine eher großzügige und wenig ängstliche Mutter, aber ich konnte einen Befehlston in meine Stimme legen (Gefahr im Verzug!) bei der meine Tochter aus vollem Lauf auf der Stelle stand und stehen blieb!
Alle Mütter sind so, haben einen guten Instinkt (Väter natürlich auch) - egal ob Ost oder West - oder?


Herzliche Grüße Lebensläufer!
Barbara


furry, Lebensläufer und Jobnomade haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#173

RE: Kinderfreundlichkeit BRD vs. DDR

in DDR Zeiten 26.04.2013 19:21
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Siehe Barbara mit :" Ist gar nicht so anders gewesen als bei euch oder?" Genau so Barbara kann man es bezeichnen und an diesen guten Erzählungen sieht man, das es in Ost und West garnicht so grobe Unterschiede gab, Na gut Ost der staatliche, West eben der kirchliche Kindergarten. Irgendwann hatte DDR-bürger hier einmal geschrieben, das er nur sehr ungern den KG besuchte.

Da ging es ihm wie mir. Erst als ich genügend Freunde (auch die kleine Freundin)gefunden hatte klappte das mit der eigenen Harmonie, vorher war es eine seelische Kinderhärte wo ich auch ganz bescheidene Zeiten durch habe.
Das Thema hier würde ich auch gerne auf Familienfreundlichkeit erweitern denn nur wenn die Gesamtbedingungen für die kleinste Zelle der Gesellschaft stimmen klappt das auch mit frohen Kindern.

Nochmal ein guter ausführlicher Text Barbara...brauchst dich wahrlich nicht zu entschuldigen, ich wusste schon anfangs, wie und warum der Ironie/Sarkasmustext formuliert war denn mir geht es manchmal nicht anders, wenn Einer mein gelebtes Leben in der DDR, im Osten in Frage stellt. Dann reagiere ich öfters ähnlich .

Lebensläufer


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#174

RE: Kinderfreundlichkeit BRD vs. DDR

in DDR Zeiten 26.04.2013 22:14
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #146
Was hat Männergeruch mit stinkenden Windeln zu tun? Oder beginnt die Kinderfreundlichkeit mit der Partnerwahl, bei der man sich riechen muss, bevor es zum Zeugungsakt kommt?

LG von der grenzgaengerin


oh, ich habe darüber gelesen, dass das 'ne ganze Menge miteinander zu tun hat, ob sich Partner "riechen" können oder nicht. Nicht umsonst sagt der Volksmund, "den kann ich nicht riechen". So spielt diese Sinneswahrnehmung auch bei der Partnerwahl eine mitentscheidende Rolle.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#175

RE: Kinderfreundlichkeit BRD vs. DDR

in DDR Zeiten 27.04.2013 02:15
von frank | 1.753 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #151
Zitat von frank im Beitrag #149
Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #146
Was hat Männergeruch mit stinkenden Windeln zu tun? Oder beginnt die Kinderfreundlichkeit mit der Partnerwahl, bei der man sich riechen muss, bevor es zum Zeugungsakt kommt? LG von der grenzgaengerin


nicht's , nehme ich an ! 2.:kann ich mir nicht vorstellen ! 3.: ist glaube ich auch schon wissenschaftlich erwiesen !!!

OT

Hallo Frank,

dass schon in der DDR die staatlichen Organe auf "höchstem wissenschaftlichen Niveau" gearbeitet haben, beweisen doch die unzähligen akriisch gesammelten Körpergeruchsproben.
LG von der grenzgaengerin



OT oder nicht : haben die heut zu lande auch !!!



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#176

RE: Kinderfreundlichkeit BRD vs. DDR

in DDR Zeiten 27.04.2013 02:43
von frank | 1.753 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #166
Zitat von furry im Beitrag #161

Wie hoch war die Schmerzgrenze der Erwachsenen bei kindlichem Unfug? Wurde ein kleiner angerichteter materieller Schaden mit einer Backpfeife oder per Rechtsanwalt reguliert?
Wurde von Kindern seitens der Erwachsenen erwartet, dass sie z.B. in einem Verkehrsmittel der Oma ihren Platz anbieten? Und, und, ....


Wie immer kann ich nur aus der eigenen Erfahrung berichten, die Allgemeingültigkeit meiner Aussagen darf somit mit Fug und Recht angezweifelt werden.

Mein Sohn war ein "normales" Kind, sprich er hat auch mal Unfug angestellt, sprich er hat auch schon mal einen Sachschaden verursacht. Nichts Großes: Er hat z.B. niemals ein Auto mit einem Schlüssel tief zerkratzt oder ähnlich schwere Sachbeschädigungen verusacht. Aber beim Fußball ging schon mal ne Scheibe zu Bruch und auch nicht alle Gartenzäune haben die "Flucht" beim Fangen unbeschadet überstanden. Der materielle Schaden wurde dann zwischen den Erwachsenen geregelt und er bekam einen gehörigen Anpfiff und musste sich auch mit seinem Taschengeld am Schaden beteiligen. Und wenn es mal eine Prügelei unter Kindern gab - nun ja, dann gab es halt mal eine Prügelei unter Kindern. Er hatte nur ein striktes Verbot, Kleinere zu verdreschen und daran hat er sich wohl auch gehalten - es sei denn, die Kleineren fingen damit an. Dagegen "durfte" er sich natürlich wehren, aber mit Maß und Ziel.

Ich habe schon den Eindruck, dass Eltern, die wegen jeder Kleinigkeit zum Anwalt rennen, in der Minderheit sind. Allerdings werden solche Fälle wohl gerne aufgegriffen und publiziert, um Missstände in der Erziehung anzuprangern.

Anders sieht es wohl mit der Höflichkeit gegenüber Frauen oder älteren Menschen aus. Wir haben ihn so erzogen, dass er ohne Diskussion aufzustehen hat, wenn das Verkehrsmittel voll ist, kein Platz mehr frei ist und ein älterer Mensch stehen müsste.

Das scheint - zumindest hier in Berlin und insbesondere in Pankow - völlig aus der Mode gekommen zu sein.

Ich bin oft mit Bus+Bahn unterwegs, auch zu Zeiten, in denen die Schule endet. Und ärgere mich jedesmal, wenn 12- oder 14jährige Gören völlig ungerührt und unbeeindruckt sitzen bleiben, wenn eine ältere, vielleicht sogar gehbehinderte Frau keinen Platz mehr finden. In solchen Fällen springe ich trotz meiner 63 Jahre sofort auf und biete dieser Dame meinen Platz an: Ich bin so erzogen worden und der dankbare Blick oder auch der mündlich ausgesprochene Dank dieser Dame ist eine mehr als ausreichende Belohnung für die geringe Mühe des Stehens.

Den Gören mache ich noch nicht einmal einen Vorwurf daraus, dafür aber den Eltern und Erziehern. Kinder orientieren sich an Vorgaben und Beispielen - und wenn sie beides nicht bekommen, dann darf man sich über diese Jung-Egoisten nicht wundern.

In diesem Forum wurde öfter die Ellenbogen-Mentalität der Wessis beklagt. Nun, ich habe durchaus den Eindruck, als ob auch hier im Osten eine Generation heranwächst, die zuallererst sich, ihre Interessen und Bedürfnisse berücksichtigt und für die Höflichkeit und Rücksichtnahme auf andere ziemliche Fremdwörter sind. Und daran ist ausnahmsweise weder die Regierung noch das Großkapital schuld - die Verantwortung dafür tragen die Eltern und die Erzieher. Und sonst niemand.


und wo leben diese !!! das umfeld prägt den menschen !!! für geld würden auch diese aufstehen !!!



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#177

RE: Kinderfreundlichkeit BRD vs. DDR

in DDR Zeiten 23.01.2014 07:39
von furry | 3.580 Beiträge

Für nachfolgende Geschichte könnte hier der richtige Platz sein.
http://www.drehscheibe-foren.de/foren/read.php?3,6734457
Einen Kommentar erspare ich mir.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#178

RE: Kinderfreundlichkeit BRD vs. DDR

in DDR Zeiten 23.01.2014 17:19
von Gelöschtes Mitglied
avatar

das muß ich erst mal "sacken" lassen.....


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#179

RE: Kinderfreundlichkeit BRD vs. DDR

in DDR Zeiten 23.01.2014 17:27
von furry | 3.580 Beiträge

Zitat von Bürger der DDR im Beitrag #178
das muß ich erst mal "sacken" lassen.....


So ging es mir auch.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#180

RE: Kinderfreundlichkeit BRD vs. DDR

in DDR Zeiten 23.01.2014 20:15
von manudave | 390 Beiträge

Heiland - was ein krasser Bericht.

Das "vs" braucht es eigentlich nicht, denn die Kinderbetreuung hatte ja verschiedene Hintergründe. Im Westen stockkonservativ mit dem Heimchem am Herd und den Kindern am Rockzipfel, was dann besonders die Frauen schnell mal im Alter in Richtung Armut treiben lässt.

Im Osten die arbeitende Mama, die dann meistens nach der Arbeit auch noch einkaufen durfte und den Kindern bei den Hausaufgaben hilft. Wenn ich mich recht erinnere, gab es kaum eine Familie wo es VÖLLIG ohne Schläge in meiner Geburtsstadt im Voigtland abging. In manchen Familien gab es mal eins "hinter die Löffel" - woanders kam auch mal der Gürtel mit Nieten zum Einsatz (leider war bei uns "woanders").
Heute undenkbar - hätte man sofort das Jugendamt am Hals.

Aus meiner heutigen Sicht als zweifacher Vater würde ich mir (ich wohne am Land) auch eine Möglichkeit mit Hort und Nachmittagsbetreuung wünschen. Aber ich weiß, dass dies auch eine Kostenfrage ist - und das war in der DDR nun völlig wurscht. Denn durch die arbeitende Mama wäre ja auch wieder Wertschöpfung in Form von Arbeitskraft entstanden - sozusagen ein Ausgleich. Nun ja...hat halt nicht funktioniert - für die Unwirtschaftlichkeit der zum Großteil maroden Industrie kann aber die Mama nix...
Meine Frau und ich diskutieren oft, wie viele Stunden sie nun arbeiten soll - sprich "dafür hab ich doch keine Kinder in die Welt gesetzt - die will ich um mich haben" - das ist natürlich absolut nachvollziehbar. Aber die heutige Welt erfordert oft zwei Verdiener, um die eigenen Verhältnisse aufrecht halten zu können.
Und da finde ich die Politik heutzutage nicht Kind- und gleich gar nicht Eltern gerecht. Ist mein Kind krank daheim, muss ich der Arbeit fern bleiben und bekomme dafür nur einpaarundsechzig Prozent vom Lohn. Sind die Kinder öfter krank, sind das ein paar Hundert Euro Verlust pro Jahr und die fehlen den Eltern und den Kindern. DAS ist nicht Kinderfreundlich.

Herrschaftszeiten - da komm ich richtig in RAGE...


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