#1

wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 14.04.2013 21:44
von Hans55 | 762 Beiträge

Hallo,Leute!
Hier kann man mal wieder sehen ,was für ein Vertrauen sie in "ihre Grenzsoldaten" hatten! Wenn ich das so lese!
Ich würde mal sagen,so gut wie gar keins!
http://de.wikisource.org/wiki/Dienstanwe...%C3%9Fbefehl%29


zuletzt bearbeitet 14.04.2013 21:45 | nach oben springen

#2

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 15.04.2013 08:14
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Siehe aus dem Link von Hans:" 2. Verhinderung von Grenzdurchbrüchen

Es ist Ihre Pflicht, Ihre Einzelkämpfer- und tschekistischen[7] Fähigkeiten so zu nutzen, daß Sie die List des Grenzverletzters durchbrechen, ihn stellen bzw. liquidieren, um somit die von ihm geplante Grenzverletzung zu vereiteln. Handeln Sie dabei umsichtig und konsequent, da die Praxis die Gefährlichkeit und Hinterhältigkeit der Verräter mehrfach beweist.

Erinnert mich irgendwie an die James Bondfilme. Der Knabe hatte im Film auch immer volle Handlungsfreiheit was das "liquidieren" betrifft.Ach so, dies war natürlich mehr ironisch gemeint. Nur gut das bei uns nicht so ein "James "mit auf der Stube war...oder doch?

Lebensläufer


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#3

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 15.04.2013 09:32
von hardi24a | 331 Beiträge

...3 b...schlafen im Grenzdienst....

maxhelmut würde bestimmt sagen: Ein Grenzer schläft nie, er ruht !


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#4

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 15.04.2013 12:12
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Das ist wohl eine Anweisung an "Ermittler" im Soldatenrang?
Wie soll denn sonst der Tschekist den Verräter erschießen können, wir sind ja meist zu zweit raus, also ohne den Haus-Tschekisten der uns mit seiner Makarov vor der Nase rumgefuchtelt hat.
Oder saßen die tatsächlich heimlich im Busch und wir haben sie nicht gesehen?
Eventuell gab es ja auch ganze GK die nur aus Tschekisten bestanden und die haben sich dann gegenseitig liquidiert.
Stell ich mir hart vor, du guckst mal versehentlich bissel komisch und rumms, schon bist du liquidiert


zuletzt bearbeitet 15.04.2013 12:22 | nach oben springen

#5

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 15.04.2013 13:33
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #4
Das ist wohl eine Anweisung an "Ermittler" im Soldatenrang?
Wie soll denn sonst der Tschekist den Verräter erschießen können, wir sind ja meist zu zweit raus, also ohne den Haus-Tschekisten der uns mit seiner Makarov vor der Nase rumgefuchtelt hat.
Oder saßen die tatsächlich heimlich im Busch und wir haben sie nicht gesehen?
Eventuell gab es ja auch ganze GK die nur aus Tschekisten bestanden und die haben sich dann gegenseitig liquidiert.
Stell ich mir hart vor, du guckst mal versehentlich bissel komisch und rumms, schon bist du liquidiert

Hallo Grenzwolf,

hier ging es wohl um OiBE (Offiziere im besonderen Einsatz). Diese wurden als Soldaten den im Dokument als Schwerpunkteinheiten bezeichneten Kompanien zuversetzt und taten ganz gewöhnlich ihren Dienst als Soldaten/Posten bzw. dann Gefreite/Postenführer. Sie verhielten sich wie normale Soldaten, hatten aber die hier genannten besonderen Aufgaben. In der Einheit wusste niemand davon, auch nicht die Kompanieführung. Ein alter Bekannter erzählte mir mal nach der Wende, dass er selbst im Rahmen eines Praktikums einen solchen Einsatz mitgemacht hatte. Ich habe ihn leider nicht näher dazu ausgefragt. Als Offiziere wussten wir, dass es solche Einsätze gab, die bei uns nicht gerade gut angesehen waren.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#6

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 15.04.2013 13:49
von Fritze (gelöscht)
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Kamerad Schramm aus dem "Geheimnis des Rockensteins " lässt grüssen !


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#7

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 15.04.2013 14:11
von andy | 1.197 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #5
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #4
Das ist wohl eine Anweisung an "Ermittler" im Soldatenrang?
Wie soll denn sonst der Tschekist den Verräter erschießen können, wir sind ja meist zu zweit raus, also ohne den Haus-Tschekisten der uns mit seiner Makarov vor der Nase rumgefuchtelt hat.
Oder saßen die tatsächlich heimlich im Busch und wir haben sie nicht gesehen?
Eventuell gab es ja auch ganze GK die nur aus Tschekisten bestanden und die haben sich dann gegenseitig liquidiert.
Stell ich mir hart vor, du guckst mal versehentlich bissel komisch und rumms, schon bist du liquidiert

Hallo Grenzwolf,

hier ging es wohl um OiBE (Offiziere im besonderen Einsatz). Diese wurden als Soldaten den im Dokument als Schwerpunkteinheiten bezeichneten Kompanien zuversetzt und taten ganz gewöhnlich ihren Dienst als Soldaten/Posten bzw. dann Gefreite/Postenführer. Sie verhielten sich wie normale Soldaten, hatten aber die hier genannten besonderen Aufgaben. In der Einheit wusste niemand davon, auch nicht die Kompanieführung. Ein alter Bekannter erzählte mir mal nach der Wende, dass er selbst im Rahmen eines Praktikums einen solchen Einsatz mitgemacht hatte. Ich habe ihn leider nicht näher dazu ausgefragt. Als Offiziere wussten wir, dass es solche Einsätze gab, die bei uns nicht gerade gut angesehen waren.

ciao Rainman


Bis auf rot deckt sich das mit meinen Erfahrungen. OibE's wären schon aus Altersgründen nicht für einen solchen Einsatz infrage gekommen. Also nahm man US-Absolventen und bildete diese in Stintenburg als Fernaufklärer mit Schulung in konspirativen Techniken (legendierte Ermittlung) aus und anschließend kamen diese entweder in die Eingangs benannte Einheit oder (wie in meinem Fall) in eine HIME-Gruppe. Von dort aus erfolgten dann die, meist mehrmonatigen Einsätze in Einheiten der GT oder auch der NVA. Diese Einsätze erfolgten inform einfacher Zuversetzungen als Soldat,Gefreiter oder Uffz. zu den jeweiligen Einheiten. Die Bestätigung solcher Einsätze erfolgte relativ hochrangig und deshalb wurden diese auch nicht massenhaft durchgeführt sondern erfolgten nach meinen Erfahrungen personenbezogen. Dazu mussten entsprechende Ausgangsinformationen der Militärabwehr vorliegen, die dann diesen Aufwand auch rechtfertigten (Verd. FF, Spionage etc.). Die HIME-Gruppen unterstanden der Abt. äussere Abwehr der HA I und wimre gab es davon wohl 3 Gruppen, die im Berliner Raum angesiedelt waren und insgesamt eine Stärke von knapp 30 Mann hatten.
Die Gruppe in der ich war, hatte eine Stärke von 9 Uffz. und einem O-Fähnrich, wobei zu den Uffz. sowohl BU als auch UaZ der Dienstgrade Uffz. bis Stfw. gehörten. Dementsprechend bewegte sich die Altersspanne auch von ca. 20 Jahren - Anfang 30.

Meine Erinnerungen beziehen sich auf den Zeitraum 80-83.

andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
Rainman2 und hardi24a haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 15.04.2013 14:14 | nach oben springen

#8

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 15.04.2013 14:15
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von andy im Beitrag #7
Zitat von Rainman2 im Beitrag #5
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #4
Das ist wohl eine Anweisung an "Ermittler" im Soldatenrang?
Wie soll denn sonst der Tschekist den Verräter erschießen können, wir sind ja meist zu zweit raus, also ohne den Haus-Tschekisten der uns mit seiner Makarov vor der Nase rumgefuchtelt hat.
Oder saßen die tatsächlich heimlich im Busch und wir haben sie nicht gesehen?
Eventuell gab es ja auch ganze GK die nur aus Tschekisten bestanden und die haben sich dann gegenseitig liquidiert.
Stell ich mir hart vor, du guckst mal versehentlich bissel komisch und rumms, schon bist du liquidiert

Hallo Grenzwolf,

hier ging es wohl um OiBE (Offiziere im besonderen Einsatz). Diese wurden als Soldaten den im Dokument als Schwerpunkteinheiten bezeichneten Kompanien zuversetzt und taten ganz gewöhnlich ihren Dienst als Soldaten/Posten bzw. dann Gefreite/Postenführer. Sie verhielten sich wie normale Soldaten, hatten aber die hier genannten besonderen Aufgaben. In der Einheit wusste niemand davon, auch nicht die Kompanieführung. Ein alter Bekannter erzählte mir mal nach der Wende, dass er selbst im Rahmen eines Praktikums einen solchen Einsatz mitgemacht hatte. Ich habe ihn leider nicht näher dazu ausgefragt. Als Offiziere wussten wir, dass es solche Einsätze gab, die bei uns nicht gerade gut angesehen waren.

ciao Rainman


Bis auf rot alles soweit richtig. OibE's wären schon aus Altersgründen nicht für einen solchen Einsatz infrage gekommen. Also nahm man US-Absolventen und bildete diese in Stintenburg als Fernaufklärer mit Schulung in konspirativen Techniken (legendierte Ermittlung) aus und anschließend kamen diese entweder in die Eingangs benannte Einheit oder (wie in meinem Fall) in eine HIME-Gruppe. Von dort aus erfolgten dann die, meist mehrmonatigen Einsätze in Einheiten der GT oder auch der NVA. Diese Einsätze erfolgten inform einfacher Zuversetzungen zu den jeweiligen Einheiten. Die Bestätigung solcher Einsätze erfolgte relativ hochrangig und deshalb wurden diese auch nicht massenhaft durchgeführt sondern erfolgten nach meinen Erfahrungen personenbezogen. Dazu mussten entsprechende Ausgangsinformationen der Militärabwehr vorliegen, die dann diesen Aufwand auch rechtfertigten (Verd. FF, Spionage etc.). Die HIME-Gruppen unterstanden der Abt. äussere Abwehr der HA I und wimre gab es davon wohl 3 Gruppen, die im Berliner Raum angesiedelt waren und insgesamt eine Stärke von knapp 30 Mann hatten.
Die Gruppe in der ich war, hatte eine Stärke von 9 Uffz. und einem O-Fähnrich, wobei zu den Uffz. sowohl BU als auch UaZ der Dienstgrade Uffz. bis Stfw. gehörten. Dementsprechend bewegte sich die Altersspanne auch von ca. 20 Jahren - Anfang 30.

Meine Erinnerungen beziehen sich auf den Zeitraum 80-83.

andy



Und hat sich der Aufwand gelohnt, ich meine gab es wirklich eingeschleuste Spione fremder Mächte als einfache Soldaten bei den Grenztruppen?
Einen höheren Offizier, eventuell noch im Stab, auf der Gehaltsliste zu haben war doch für den BND sicherlich lohnender könnte ich mir vorstellen.


zuletzt bearbeitet 15.04.2013 14:19 | nach oben springen

#9

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 15.04.2013 14:32
von andy | 1.197 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #8


Und hat sich der Aufwand gelohnt, ich meine gab es wirklich eingeschleuste Spione fremder Mächte als einfache Soldaten bei den Grenztruppen?




Ob es eingeschleusste Spione im Bereich der GK'n der GT gab kann ich nicht sagen. Mein einziger in diesem Bereich geplanter Einsatz wurde fünf vor zwölf abgesagt. Aus eigener Erfahrung weiss ich aber, dass die Dienste der Gegenseite nicht so ganz untätig waren. Ich hatte Anfang der 80'er im Rahmen eines 7monatigen Einsatzes im MfnV eine Person aufzuklären, die unter Spionageverdacht stand. Dieser konnte dann auch weitgehend bestätigt werden . Allerdings handelte es sich damals um einen ZB und keinen SaZ/UaZ/BU.

Ein anderer Einsatz erbrachte den Nachweis des Abflusses von Informationen aus einem bestimmten Bereich des KGT über Zivilpersonen zum BND.

Aus meiner Erfahrung hatte dieser Bereich der Abwehr durchaus seine Berechtigung. Leute, die geheimdienstlich tätig sind, schreiben sich das ja nicht auf die Stirn und die umfassende konspirative Aufklärung einer Person (belastend als auch entlastend) geht nun mal nicht mit einer Maschine.

andy


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hardi24a hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#10

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 15.04.2013 14:32
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von andy im Beitrag #7
... Bis auf rot deckt sich das mit meinen Erfahrungen. OibE's wären schon aus Altersgründen nicht für einen solchen Einsatz infrage gekommen. Also nahm man US-Absolventen und bildete diese in Stintenburg als Fernaufklärer mit Schulung in konspirativen Techniken (legendierte Ermittlung) aus und anschließend kamen diese entweder in die Eingangs benannte Einheit oder (wie in meinem Fall) in eine HIME-Gruppe. Von dort aus erfolgten dann die, meist mehrmonatigen Einsätze in Einheiten der GT oder auch der NVA. Diese Einsätze erfolgten inform einfacher Zuversetzungen als Soldat,Gefreiter oder Uffz. zu den jeweiligen Einheiten. Die Bestätigung solcher Einsätze erfolgte relativ hochrangig und deshalb wurden diese auch nicht massenhaft durchgeführt sondern erfolgten nach meinen Erfahrungen personenbezogen. Dazu mussten entsprechende Ausgangsinformationen der Militärabwehr vorliegen, die dann diesen Aufwand auch rechtfertigten (Verd. FF, Spionage etc.). Die HIME-Gruppen unterstanden der Abt. äussere Abwehr der HA I und wimre gab es davon wohl 3 Gruppen, die im Berliner Raum angesiedelt waren und insgesamt eine Stärke von knapp 30 Mann hatten.
Die Gruppe in der ich war, hatte eine Stärke von 9 Uffz. und einem O-Fähnrich, wobei zu den Uffz. sowohl BU als auch UaZ der Dienstgrade Uffz. bis Stfw. gehörten. Dementsprechend bewegte sich die Altersspanne auch von ca. 20 Jahren - Anfang 30.

Meine Erinnerungen beziehen sich auf den Zeitraum 80-83.

andy


Hallo andy

Danke für die Info. Das schließt dann wieder eine Wissenslücke. Tja, diese Einsätze gab es und wir haben sie nicht gemocht. Ehrlich!

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#11

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 15.04.2013 14:39
von andy | 1.197 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #10



Hallo andy

Danke für die Info. Das schließt dann wieder eine Wissenslücke. Tja, diese Einsätze gab es und wir haben sie nicht gemocht. Ehrlich!

ciao Rainman[/quote]


Wenn ihr sie mitbekommen habt, waren diese Einsätze aber bereits dekonspiriert und damit weitgehend wirkungslos.

Aber ehrlich, gerade ein Polit musste doch Interesse daran haben, dass FF vorbeugend verhindert wurden, oder siehst Du das anders?
Ich meine, dass sich die Einsätze von HIME in den Kanteneinheiten eher auf Verhinderung FF als auf Spionage bezogen. Und wie gesagt, dazu mussten schon konkrete personenbezogene Verdachtsmomente vorliegen bzw. andere Ausgangsinfos bzgl. vorsätzlicher Sachbeschädigung o.ä. vorhanden sein.


andy


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#12

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 15.04.2013 14:48
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von andy im Beitrag #9
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #8


Und hat sich der Aufwand gelohnt, ich meine gab es wirklich eingeschleuste Spione fremder Mächte als einfache Soldaten bei den Grenztruppen?




Ob es eingeschleusste Spione im Bereich der GK'n der GT gab kann ich nicht sagen. Mein einziger in diesem Bereich geplanter Einsatz wurde fünf vor zwölf abgesagt. Aus eigener Erfahrung weiss ich aber, dass die Dienste der Gegenseite nicht so ganz untätig waren. Ich hatte Anfang der 80'er im Rahmen eines 7monatigen Einsatzes im MfnV eine Person aufzuklären, die unter Spionageverdacht stand. Dieser konnte dann auch weitgehend bestätigt werden . Allerdings handelte es sich damals um einen ZB und keinen SaZ/UaZ/BU.

Ein anderer Einsatz erbrachte den Nachweis des Abflusses von Informationen aus einem bestimmten Bereich des KGT über Zivilpersonen zum BND.

Aus meiner Erfahrung hatte dieser Bereich der Abwehr durchaus seine Berechtigung. Leute, die geheimdienstlich tätig sind, schreiben sich das ja nicht auf die Stirn und die umfassende konspirative Aufklärung einer Person (belastend als auch entlastend) geht nun mal nicht mit einer Maschine.

andy



Hallo Andy, stellte die Frage in nicht provokanter Absicht sondern aus ehrlichem Interesse.
Finde übrigens das du immer sachlich gute Infos gibst, Danke


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#13

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 15.04.2013 15:15
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von andy im Beitrag #11
.. Wenn ihr sie mitbekommen habt, waren diese Einsätze aber bereits dekonspiriert und damit weitgehend wirkungslos.

Aber ehrlich, gerade ein Polit musste doch Interesse daran haben, dass FF vorbeugend verhindert wurden, oder siehst Du das anders?
Ich meine, dass sich die Einsätze von HIME in den Kanteneinheiten eher auf Verhinderung FF als auf Spionage bezogen. Und wie gesagt, dazu mussten schon konkrete personenbezogene Verdachtsmomente vorliegen bzw. andere Ausgangsinfos bzgl. vorsätzlicher Sachbeschädigung o.ä. vorhanden sein.


andy

Hallo Andy,

nein, dekonspiriert wurden die Einsätze wohl nicht, obwohl es bei uns einen merkwürdigen Vorfall gab, bei dem ein Gefreiter kurz vor der Entlassung plötzlich mit zum Feindwärtseinsatz zu nehmen war. Dort erschien er munter in Kradkombi (war ja feucht da vorn) und redete mit dem Bataillonskommandeur fast wie mit einem Gleichgestellten. Wir kamen uns einfach nur verarscht vor. Auf uns wirkte das damals wie eine offene Dekonspiration. Aber wenn das eine war, wozu? Ein Schuss vor den Bug? Aber lassen wir das.

Damals hätte ich Dir als Polit natürlich unter Berücksichtigung der Rolle der Bedeutung uneingeschränkt zugestimmt. Aber solche Sachen und auch die IM-Einsätze in der Kompanie hinterließen doch immer ein merkwürdiges Gefühl. 1987 war ich bei der zentralen Werkstattwoche der FDJ-Singegruppen in Erfurt. Dort hörte ich ein Lied mit einem Text von Henry-Martin Klemt. Ich hab gerade nochmal nachgeschaut und fand tatsächlich noch das "Singe-Werkblatt-Magazin" Nr. 3 mit Redaktionsschluss vom 13.03.1987. Dort ist das Lied abgedruckt, es heißt "Zeitlied". Und darin heißt es in der ersten Strophe:
"Du, ich zähl schon meine Jahre,
werden sie genügen?
Du, ich habe keine Zeit mehr
für die kleinen Lügen.
Du, ich habe keine Zeit mehr
für die Neunmalschlauen,
die mich kämpfen lehren wollen,
ohne mir zu trauen."

Das waren genau die Worte für mein bis dahin namenloses Gefühl.

ciao Rainman


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(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#14

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 15.04.2013 15:20
von andy | 1.197 Beiträge

Namensvetter, ich habe Deine Frage auch nicht als provokant angesehen.

Ich weiss, dass viele hier im Forum gerade die durch mich beschriebene Tätigkeit des MfS für verabscheuenswürdig halten und sicher kann man in der Ausnutzung eines engen persönlichen Verhältnisses einen schweren Vertrauensbruch sehen. Aber Spionage oder die Vorbereitung einer FF sind nun mal auch kein Kinderkram.
Letztendlich ging es darum, durch zielgerichtete Aufklärung der entsprechenden Person die vorliegenden Hinweise entweder zu bestätigen oder zu entkräften und das geht nun mal nur, wen man an der entsprechenden Person ziemlich nah dran ist. Ich habe das für mich damals nicht infrage gestellt und meine auch heute noch, dass die Methoden einer bestimmten Zeit auch immer in den historischen Kontext gestellt werden müssen. In den 70'ern, auf die sich der Eingangsbeitrag bezieht war tiefster kalter Krieg und auch Anfang der 80'er Jahre war es noch nicht wirklich kuschelig.
Einen Befehl, wie er im Eingangsbeitrag gepostet wurde habe ich nie erhalten und mein Einsatz an der Grenze wurde nur Stunden vor dem Beginn abgesagt.

Und wie gesagt, ein solcher Einsatz kam erst infrage, wenn es konkrete Verdachtsmomente vorlagen die innerhalb eines operativen Vorganges verifiziert werden sollten und ich meine mich zu erinnern, dass mein FO damals erwähnte, dass der Einsatz in Strausberg durch den Leiter der HA I genehmigt werden musste.

Letztendlich galt damals wie heute bei der Tätigkeit von Geheimdiensten der Grundsatz, dass der Erfolg die Mittel heiligt und letztendlich haben sich in beiden beschriebenen Einsätzen die Verdachtsmomente bestätigt.


andy


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#15

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 15.04.2013 15:25
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Heiße Kiste die Textpassage aus dem Lied, da hat wohl einer nicht richtig nachgelesen.
Mal zur Singebewegung, war das eigentlich auch ein intensives Bearbeitungsfeld, ich mein das auch Hinten dann die "richtigen" Lieder rauskamen?
Wenn so ungestüme junge Leute zur Klampfe greifen, ich hätte das jedenfalls mit Argusaugen beobachtet und Argusohren belauscht, wegen der eventuellen schrägen Töne


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#16

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 15.04.2013 15:32
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #15
Heiße Kiste die Textpassage aus dem Lied, da hat wohl einer nicht richtig nachgelesen.
Mal zur Singebewegung, war das eigentlich auch ein intensives Bearbeitungsfeld, ich mein das auch Hinten dann die "richtigen" Lieder rauskamen?
Wenn so ungestüme junge Leute zur Klampfe greifen, ich hätte das jedenfalls mit Argusaugen beobachtet und Argusohren belauscht, wegen der eventuellen schrägen Töne

Na gut - kurz OT: Das stammt aus einer offiziellen Drucksache der FDJ-Bezirksleitung Frankfurt (O.) und trägt die ISBN-Nummer: I-6-1 4423-1287 G 33/87. Verantwortlich war das "Bezirks-Singezentrum". Hinweis: Henry-Martin Klemt war einer der Redakteure. Es war die Zeit von Glasnost und Perestroika und entgegen den üblichen Vorurteilen gegen die Singebewegung der FDJ wurde das aufgenommen und hatte auf die Texte Ende der 80er Jahre einen entscheidenden Einfluss. Die FDJ selbst kam da auch nicht gegen an, da in diesem Bereich viele Funktionäre selbst Liedermacher waren. - Das wäre aber ein ganz eigenes Thema.

ciao Rainman


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zuletzt bearbeitet 15.04.2013 15:32 | nach oben springen

#17

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 15.04.2013 15:48
von andy | 1.197 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #13
...
Du, ich habe keine Zeit mehr
für die Neunmalschlauen,
die mich kämpfen lehren wollen,
ohne mir zu trauen."

Das waren genau die Worte für mein bis dahin namenloses Gefühl.

ciao Rainman



Rainman, wir stimmen vollkommen überein, dass das generell vorhandene Misstrauen weder angebracht noch nützlich für die Entwicklung der DDR war und ich war während meiner Tätigkeit im MfS eigentlich immer froh darüber, dass ich nicht bei der Abwehr war, auch wenn ich als HIME eben für diese gearbeitet habe, allerdings ging es dabei immer um konkret vorliegende Hinweise auf eine Feindtätigkeit.

Diese zu verhindern empfand ich damals wie heute als für einen international anerkannten Staat als legitim und es gab in meiner Zeit auch Einsätze, die vorliegende Hinweise nicht bestätigten und die entsprechende Person entlastete.

Ich sah sie also nicht als Ausdruck eines generellen Misstrauens und habe das Ausmass der Überwachung auch erst nach den beschriebenen Einsätzen als hauptamtlicher MA der DDR-Aufklärung erfahren und als dieser habe ich mich vor mir selber mit der Ausrede "entschuldigt", dass ich ja nicht bei der Abwehr wäre. Dass das falsch und ich letztendlich Teil des Systems war weiss ich heute, damals habe ich das so aber nicht gesehen und eine Biographie kann man nun mal nicht ehrlich umschreiben.


andy


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#18

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 15.04.2013 16:25
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

wenn ich das so richtig gelesen habe...
Die militärische Abwehr, Teil des MfS hat Mitarbeiter ausgebildet und verpflichtet, die dann mit der Legende "wehpflichtiger Grenzsoldat" bzw Unteroffizier in verschiedene Grenzkompanien kamen, dort gemeinsam mit einem Soldaten/Uffz in den Grenzdienst geschickt wurden, der im Verdacht stand, Fahnenflucht zu begehen und sollten diesen ständig im Auge behalten. Gegebenenfalls unter Einsatz ihres Lebens und der Schusswaffe die Fahnenflucht/ den Grenzdurchbruch verhindern. Der Tod eines oder beider Beteiligten wurde von denen, die den Einsatz befohlen, billigend in Kauf genommen. Toter Verräter - tja, halt Pech und/oder toter Tschekist = Held.
Perverse Denke von denen, die so etwas befehlen und organisieren.

Den verdächtigen potentiellen Fahnenflüchtigen irgendwo hin zu versetzen, wo er wenig ausrichten kann, wäre ja wohl viel zu einfach gewesen.....

Sicher, jeder von uns ehemaligen Grenzsoldaten hätte in eine Situation kommen können, wo wir plötzlich unter Lebensgefahr eine Fahnenflucht verhindern sollten (oder mit abhauen) - aber sich planmässig per Befehl/Verpflichtung sich in eine solche Situation begeben - ist für mich undenkbar.
Das es angesichts solcher Dinge auch ein ehemaliger "regulärer" Offizier der GT wie Rainmann unwohl wird, kann ich gut nachvollziehen. Bei aller Überzeugung für die Sache - solche Machenschaften sind für mich planmässiger Mord.

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
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#19

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 15.04.2013 16:31
von turtle | 6.961 Beiträge

Verhinderung von Grenzdurchbrüchen

Es ist Ihre Pflicht, Ihre Einzelkämpfer- und tschekistischen[7] Fähigkeiten so zu nutzen, daß Sie die List des Grenzverletzters durchbrechen, ihn stellen bzw. liquidieren, um somit die von ihm geplante Grenzverletzung zu vereiteln. Handeln Sie dabei umsichtig und konsequent, da die Praxis die Gefährlichkeit und Hinterhältigkeit der Verräter mehrfach beweist.

Zögern Sie nicht mit der Anwendung der Schußwaffe, auch dann nicht, wenn die Grenzdurchbrüche mit Frauen und Kindern erfolgen, was sich die Verräter schon oft zu nutze gemacht haben.



Ist eigentlich nicht Neues was da geschrieben steht, es wurde hier schon mehrmals zitiert. Trotzdem kommt automatisch der Schießbefehl in den Kopf. Ja ich weiß angeblich gab es den nie. Aber erschießen oder liquidieren ,wo ist der Unterschied ? Kann ich es einem Überzeugten des Systems überhaupt im Nachhinein zum Vorwurf machen wenn er geschossen hat? Er hat gehandelt wie er sollte ,es wurde von ihm genauso erwartet. Schuld waren die welche ohne Rücksicht auf Humanität ,Menschenwürde oder Menschlichkeit solche Anweisungen und Unrechtgesetze als legitim betrachteten. Schuld war der kalte Krieg jener Zeit ohne den es einiges so bestimmt nicht gegeben hätte. Ich maße mir nicht an grundsätzlich Todesschützen anzuklagen. Er hat nur so funktioniert wie er funktionieren sollte. Das perverse ist eben es ihm so zu verkaufen das er ein Guter ist wenn er ohne zögern die Waffe einsetzt. Ich denke dennoch das die breite Masse der Grenzer nicht bereit waren allen Anweisungen Folge zu leisten, da sie Unrecht als Unrecht sahen. War doch einfach zu erkennen ,das in einem Staat der mit aller Macht versucht seine Bürger daran zu hindern das Land zu verlassen etwas faul sein muss. Das Gegenteil wäre doch richtiger gewesen wenn alle in das Arbeiter und Bauern Paradies gekommen wären. Aber es war nun einmal umgekehrt. Ein vernünftiger Dialog mit Kritikern war nicht erwünscht. Dabei kann Kritik konstruktiv sein. Wie das Experiment DDR geendet hat ist bekannt. Da hätte man mehr daraus machen können. So musste es kläglich scheitern.


zuletzt bearbeitet 15.04.2013 16:34 | nach oben springen

#20

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 15.04.2013 16:36
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von Jobnomade im Beitrag #18
wenn ich das so richtig gelesen habe...
Die militärische Abwehr, Teil des MfS hat Mitarbeiter ausgebildet und verpflichtet, die dann mit der Legende "wehpflichtiger Grenzsoldat" bzw Unteroffizier in verschiedene Grenzkompanien kamen, dort gemeinsam mit einem Soldaten/Uffz in den Grenzdienst geschickt wurden, der im Verdacht stand, Fahnenflucht zu begehen und sollten diesen ständig im Auge behalten. Gegebenenfalls unter Einsatz ihres Lebens und der Schusswaffe die Fahnenflucht/ den Grenzdurchbruch verhindern. Der Tod eines oder beider Beteiligten wurde von denen, die den Einsatz befohlen, billigend in Kauf genommen. Toter Verräter - tja, halt Pech und/oder toter Tschekist = Held.
Perverse Denke von denen, die so etwas befehlen und organisieren.

Den verdächtigen potentiellen Fahnenflüchtigen irgendwo hin zu versetzen, wo er wenig ausrichten kann, wäre ja wohl viel zu einfach gewesen.....

Sicher, jeder von uns ehemaligen Grenzsoldaten hätte in eine Situation kommen können, wo wir plötzlich unter Lebensgefahr eine Fahnenflucht verhindern sollten (oder mit abhauen) - aber sich planmässig per Befehl/Verpflichtung sich in eine solche Situation begeben - ist für mich undenkbar.
Das es angesichts solcher Dinge auch ein ehemaliger "regulärer" Offizier der GT wie Rainmann unwohl wird, kann ich gut nachvollziehen. Bei aller Überzeugung für die Sache - solche Machenschaften sind für mich planmässiger Mord.

Gruss Hartmut

Hallo Jobnomade,

ich würde bevor ich zu so starken Worten wie Mord greife, die Frage stellen: Wie viele wurden durch solche Mitarbeiter erschossen? Mit ist da kein Fall bekannt, was aber auch an meinen Wissenslücken liegen kann. Das waren nicht irgendwelche Kommissare, die hinter der Front mit dem MG in die Reihen schossen, um "Verräter" aufzuhalten. Zunächst war es eine relativ selten eingesetzte Form der militärischen Abwehr. Und diese sollte ja eigentlich nach Möglichkeit zum Erfolg kommen, bevor jemand abhaut oder erschossen wird.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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