#41

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 16.04.2013 17:09
von Wartburgfahrer | 39 Beiträge

Hat eigentlich jemand Kenntnis, ob es eine flächendeckende Überwachung der gesamten Heimatpost gab ? Wir wussten z. B. dass Briefe zuhause und auch auf der Kompanie häufig mittig am Rand eingerissen ankamen und vermuteten die Mitleserschaft der V2000. In der Konsequenz haben wir die ausgehende Post nur noch außerhalb des Regimentes (möglichst in Berlin) und mit fingiertem lokalem Absender eingeworfen (denn die haben ja sicherlich auf jedem Regimentsstandort-Postamt nochmal rausgefischt).

Der Briefkasten im Regiment wurde zum Leerungszeitpunkt von der Postfrau geleert und 5 Minuten später trabte in der Poststelle so einer an, der heute in zivil, morgen als Stabsfeld und nächste Woche als Leutnant "verkleidet" rumlief. Die volle Aktentasche trug er dann wieder ins Stabsgebäude. Herzlichen Glückwunsch, alles SEEEEHR unauffällig !

Bei wem war es ähnlich ?


nach oben springen

#42

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 16.04.2013 17:27
von andy | 1.199 Beiträge

Die Postkontrolle erfolgte im MfS über die Abt. M und setzte voraus, dass in dieser Abt. ein entsprechender Fahndungsauftrag vorlag.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass der für die GK zuständige Abwehroffizier die Grenzerpost eigenmächtig gefilzt hat. Zum einen hatte er, zumindest im Regelfall weder die Technik zum unbemerkten öffnen und verschließen der Briefe noch war er zu diesen Handlungen legitimiert.

Mglw. hat er sich die Adressdaten der Post rausgefischt um Angaben über Verbindungspersonen der Grenzer zu erhalten, aber mitlesen ohne die Abt. M - schließe ich fast aus. Warum sollte er sich diese Arbeit als Laie machen? Der Fahndungsauftrag war in 2 Minuten ausgefüllt und dann haben andere für ihn gearbeitet.

Im übrigen musste der Fahndungsauftrag bei der M auch begründet werden und setzte eine Erfassung derjenigen Person in der Abt. XII voraus - es konnte auch beim MfS nicht jeder machen was er wollte.


andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
Wartburgfahrer hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#43

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 16.04.2013 19:33
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Wartburgfahrer im Beitrag #41
Bei wem war es ähnlich ?

Also das mit dem häufig mittig am Rand eingerissenen Briefen kenne ich auch so. Das hatte allerdings überhauptnix mit den V-Nullern als Hobby-Abteilung M zu schaffen, sondern lag schlicht und ergreifend an der Menge der Briefe für eine GK (einige hatten ja nicht nur eine Brieffreundin am Start und erhielten demzufolge täglich dann mehrere Briefe) und diesem Teil ...


Quelle: pixelio.de

... einer auch in den Kreisen der Deutschen Post so bezeichneten Bundschließe

Und die Geschichte mit dem Stabsfeldleutnantzivilisten, na ja, mal sehen in welchem Drehbuch für einen guuuut recherchieten 'authentischen' Geschichtsspielfilm die dann wieder auftaucht. Es wird sich wohl eher um die Tagespost für eine andere Postfachnummer (im wahrsten Sinne des Wortes) gehandelt haben.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


Wartburgfahrer und andy haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 16.04.2013 20:50 | nach oben springen

#44

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 17.04.2013 01:32
von Schlutup | 4.102 Beiträge

moin moin,

wenn ich lese das selbst Generäle ( auch GT Generäle) sich gegenseitig bespitzelt haben und Berichte an das MfS gefertigt haben.
Ist doch alles möglich. Die grösste Niederlage war doch die Fahnenflucht von Soldaten der GT oder NVA in den Westen.
Nach dem Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle noch besser!

gruß schlutup



nach oben springen

#45

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 17.04.2013 11:35
von Wartburgfahrer | 39 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #43
Zitat von Wartburgfahrer im Beitrag #41
Bei wem war es ähnlich ?

Also das mit dem häufig mittig am Rand eingerissenen Briefen kenne ich auch so. Das hatte allerdings überhauptnix mit den V-Nullern als Hobby-Abteilung M zu schaffen, sondern lag schlicht und ergreifend an der Menge der Briefe für eine GK (einige hatten ja nicht nur eine Brieffreundin am Start und erhielten demzufolge täglich dann mehrere Briefe) und diesem Teil ...


Quelle: pixelio.de

... einer auch in den Kreisen der Deutschen Post so bezeichneten Bundschließe

Und die Geschichte mit dem Stabsfeldleutnantzivilisten, na ja, mal sehen in welchem Drehbuch für einen guuuut recherchieten 'authentischen' Geschichtsspielfilm die dann wieder auftaucht. Es wird sich wohl eher um die Tagespost für eine andere Postfachnummer (im wahrsten Sinne des Wortes) gehandelt haben.


Mensch, 94, Du weißt aber auch alles. Man muss sich ja schon fürchten, von Dir "abgewatscht" zu werden. Manchmal denke ich, Ihr seid zu zweit oder dritt ... :-)
Jetzt mal im Ernst: die Erklärung ist schlüssig. Es gibt aber auch ein Instrument, mit dem man in der Mitte der Längsseite in einen Brief eindringt, den Inhalt zu einer Hülse zusammendreht und dem Umschlag entnimmt und wieder einbringt, ohne diesen zu öffnen. Über Wasserdampf öffnen wäre ja nicht gegangen, es gab ja Duosan ...

Und unser Faschingsprinz, der in Uniform auf fünf Meter Entfernung einen (nicht V-Null) Oberstleutnant nicht gegrüßt hat, war bestimmt nicht nur Postholer für seinen Bereich. Der ist jedenfalls außer mir noch Anderen aufgefallen.

Nichtsdestotrotz: Danke !


nach oben springen

#46

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 17.04.2013 13:41
von grenzergold | 187 Beiträge

# 42 lesen !!! Einfach und verständlich beschrieben .

gg


Wartburgfahrer hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#47

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 17.04.2013 14:46
von eisenringtheo | 9.170 Beiträge

Zitat von Wartburgfahrer im Beitrag #45
(..)

Und unser Faschingsprinz, der in Uniform auf fünf Meter Entfernung einen (nicht V-Null) Oberstleutnant nicht gegrüßt hat, war bestimmt nicht nur Postholer für seinen Bereich. Der ist jedenfalls außer mir noch Anderen aufgefallen.

Nichtsdestotrotz: Danke !


Kann es sein, dass es durchaus erwünscht war, dass sich die Armeeangehörigen über derartige Wahrnehmungen ihre Gedanken machen und zum Schlusse kommen, sie und ihre Post stünden unter besonderer Beobachtung? Denn derartig auffälige Verstösse gegen Innendienstvorschriften, - besonders weil ein OSL beteiligt ist - widersprechen allen Regeln der Konspiration.
Theo


Wartburgfahrer hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#48

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 17.04.2013 16:25
von andy | 1.199 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #47
Zitat von Wartburgfahrer im Beitrag #45
(..)

Und unser Faschingsprinz, der in Uniform auf fünf Meter Entfernung einen (nicht V-Null) Oberstleutnant nicht gegrüßt hat, war bestimmt nicht nur Postholer für seinen Bereich. Der ist jedenfalls außer mir noch Anderen aufgefallen.

Nichtsdestotrotz: Danke !


Kann es sein, dass es durchaus erwünscht war, dass sich die Armeeangehörigen über derartige Wahrnehmungen ihre Gedanken machen und zum Schlusse kommen, sie und ihre Post stünden unter besonderer Beobachtung? Denn derartig auffälige Verstösse gegen Innendienstvorschriften, - besonders weil ein OSL beteiligt ist - widersprechen allen Regeln der Konspiration.
Theo


Ich hatte als MA der Aufklärung der HA I meinen Sitz im Stab eines Grenzregimentes, allerdings waren wir rein räumlich von der Militärabwehr der HA I getrennt. Gemeinhin war es so, dass die Aufklärung im Stabsgebäude oben und die Abwehr im Erdgeschoss sass. Für die Abwehr bestand Uniformpflicht, in der Aufklärung kamen wir i.d.R. in Zivil zum Dienst. Ich kann mich nicht entsinnen, dass die Abwehr während des Dienstes unterschiedliche Dienstgrade benutzt hat. Vorstellbar wäre allenfalls, das bei Ausflügen direkt an den Kanten Manschaftsdienstgrade benutzt wurden und das diente dann allenfalls zur Täuschung der Gegenseite.
Welchen Sinn sollte diese Kostümierung auch haben? Die Abwehroffiziere waren i.d.R. sowohl im Stab als auch in den GK'n bekannt und jegliche Form der Kostümierung wäre eigentlich albern gewesen.

Den Grenzern das Gefühl einer besonderen "Obacht" zu vermitteln macht in meinen Augen wenig Sinn und hätte sicher den IM-Bestand in der Truppe zusätzlich verunsichert.

Aber wie gesagt, von der Arbeitsweise der Abwehroffiziere habe ich wenig bis keine Kenntnisse, mglw. ist manch einer ja auch nach dem Grundsatz vorgegangen: je auffälliger destso unauffälliger.

Warum äussert sich hier eigentlich kein Ex-Abwehrmann der HA I/KGT zu den damaligen Arbeitsweisen?


andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
zuletzt bearbeitet 17.04.2013 17:07 | nach oben springen

#49

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 17.04.2013 16:34
von andy | 1.199 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #43
...

Es wird sich wohl eher um die Tagespost für eine andere Postfachnummer (im wahrsten Sinne des Wortes) gehandelt haben.


Das glaube ich dann wiederum nicht, die Post der anderen "Feldpostnummer" wurde über Kurierfahrten abgewickelt.
Wimre fuhr zu diesem Zweck wöchentlich 1-2x die Sekretärin mit dem Kraftfahrer in die nächste vorgesetzte DE und holte dort in speziellen verblomten Posttaschen die Dienstpost ab.
Die Poststelle des Regimentes wurde meines Wissens nach nicht genutzt.


andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
nach oben springen

#50

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 17.04.2013 16:38
von Wartburgfahrer | 39 Beiträge

@andy
Danke für Deine Schilderungen. Das sind alles Gegebenheiten, von denen einfache Militärkraftfahrer damals i.d.R. nichts mitbekommen haben und da kommt es schon mal vor, dass vermeintlich bedeutsame Beobachtungen zu Vermutungen zusammengefügt werden.

Wie muss man sich eigentlich die IM-Verteilung auf den Kompanien vorstellen - jetzt mal explizit von reinen Grenzdienstkompanien abgesehen. Überall einer auf jeder Bude, also irgendwas zwischen 8 und 12 Prozent, erscheint mir viel zu hoch, oder ?


zuletzt bearbeitet 17.04.2013 16:41 | nach oben springen

#51

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 17.04.2013 17:05
von andy | 1.199 Beiträge

Zitat von Wartburgfahrer im Beitrag #50
@andy ...

Wie muss man sich eigentlich die IM-Verteilung auf den Kompanien vorstellen - jetzt mal explizit von reinen Grenzdienstkompanien abgesehen. Überall einer auf jeder Bude, also irgendwas zwischen 8 und 12 Prozent, erscheint mir viel zu hoch, oder ?



Diese Frage kann Dir wirklich nur ein Abwehroffizier beantworten, ich jedenfalls könnte nur mutmaßen und das wäre kontraproduktiv.


andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
nach oben springen

#52

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 17.04.2013 17:19
von silberfuchs60 | 1.458 Beiträge

Zitat von andy im Beitrag #48
Zitat von eisenringtheo im Beitrag #47
Zitat von Wartburgfahrer im Beitrag #45
(..)

Und unser Faschingsprinz, der in Uniform auf fünf Meter Entfernung einen (nicht V-Null) Oberstleutnant nicht gegrüßt hat, war bestimmt nicht nur Postholer für seinen Bereich. Der ist jedenfalls außer mir noch Anderen aufgefallen.

Nichtsdestotrotz: Danke !


Kann es sein, dass es durchaus erwünscht war, dass sich die Armeeangehörigen über derartige Wahrnehmungen ihre Gedanken machen und zum Schlusse kommen, sie und ihre Post stünden unter besonderer Beobachtung? Denn derartig auffälige Verstösse gegen Innendienstvorschriften, - besonders weil ein OSL beteiligt ist - widersprechen allen Regeln der Konspiration.
Theo


Ich hatte als MA der Aufklärung der HA I meinen Sitz im Stab eines Grenzregimentes, allerdings waren wir rein räumlich von der Militärabwehr der HA I getrennt. Gemeinhin war es so, dass die Aufklärung im Stabsgebäude oben und die Abwehr im Erdgeschoss sass. Für die Abwehr bestand Uniformpflicht, in der Aufklärung kamen wir i.d.R. in Zivil zum Dienst. Ich kann mich nicht entsinnen, dass die Abwehr während des Dienstes unterschiedliche Dienstgrade benutzt hat. Vorstellbar wäre allenfalls, das bei Ausflügen direkt an den Kanten Manschaftsdienstgrade benutzt wurden und das diente dann allenfalls zur Täuschung der Gegenseite.
Welchen Sinn sollte diese Kostümierung auch haben? Die Abwehroffiziere waren i.d.R. sowohl im Stab als auch in den GK'n bekannt und jegliche Form der Kostümierung wäre eigentlich albern gewesen.

Den Grenzern das Gefühl einer besonderen "Obacht" zu vermitteln macht in meinen Augen wenig Sinn und hätte sicher den IM-Bestand in der Truppe zusätzlich verunsichert.

Aber wie gesagt, von der Arbeitsweise der Abwehroffiziere habe ich wenig bis keine Kenntnisse, mglw. ist manch einer ja auch nach dem Grundsatz vorgegangen: je auffälliger destso unauffälliger.

Warum äussert sich hier eigentlich kein Ex-Abwehrmann der HA I/KGT zu den damaligen Arbeitsweisen?


andy



Interessantes Thema und Frage, mal sehen ob jemand dies beantworten kann und aus seiner Deckung kommt !?


xxx
nach oben springen

#53

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 17.04.2013 17:49
von andy | 1.199 Beiträge

Zitat von Jobnomade im Beitrag #23
danke für die Aufklärung, andy,

...Zumindest wäre es hier wahrscheinlich nicht zu einem von "höherer Warte" geplanten Kampf auf Leben und Tod mit Schusswaffe an der Grenze gekommen. Bestenfalls zu einem Handgemenge bei Enttarnung und Festnahme.

Gruss Hartmut


Vielleicht noch einmal ein paar klare Worte meinerseits: Im Fordergrund der Arbeit der Militärabwehr stand die vorbeugende Verhinderung von FF, d.h. die frühzeitige Erkennung von Vorbereitungshandlungen. Niemand im MfS hätte wohl riskiert, es auf den worst case ankommen zu lassen. Sicher, ein Restrisiko für Euch Grenzer bestand immer, das wurde von der 2000, und ich lehne mich jetz bewusst weit raus, aber nicht wissentlich eingegangen.
Das trifft zumindest auf die Zeit zu, aus der ich berichten kann.

Gab es Hinweise erfolgte der Abzug aus dem GD und dann wurde, auf welchem Weg auch immer, weiter ermittelt.

Räuberpistolen nach 007-Manier habe ich nicht kennen gelernt.

Übrigens, meine Schiessausbildung bis zur Übernahme als hauptamtlicher MA beschränkte sich auf die US-Ausbildung sowie die Stintenburger Zeit. Danach hatte ich die Kaschi bis zur Übernahme nicht mehr in der Hand und hätte sie in einem solchen Einsatz auch gar nicht mehr sicher anwenden können.


andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
nach oben springen

#54

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 17.04.2013 19:09
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Zitat von andy im Beitrag #48
Zitat von eisenringtheo im Beitrag #47
Zitat von Wartburgfahrer im Beitrag #45
(..)

Und unser Faschingsprinz, der in Uniform auf fünf Meter Entfernung einen (nicht V-Null) Oberstleutnant nicht gegrüßt hat, war bestimmt nicht nur Postholer für seinen Bereich. Der ist jedenfalls außer mir noch Anderen aufgefallen.

Nichtsdestotrotz: Danke !


Kann es sein, dass es durchaus erwünscht war, dass sich die Armeeangehörigen über derartige Wahrnehmungen ihre Gedanken machen und zum Schlusse kommen, sie und ihre Post stünden unter besonderer Beobachtung? Denn derartig auffälige Verstösse gegen Innendienstvorschriften, - besonders weil ein OSL beteiligt ist - widersprechen allen Regeln der Konspiration.
Theo


Ich hatte als MA der Aufklärung der HA I meinen Sitz im Stab eines Grenzregimentes, allerdings waren wir rein räumlich von der Militärabwehr der HA I getrennt. Gemeinhin war es so, dass die Aufklärung im Stabsgebäude oben und die Abwehr im Erdgeschoss sass. Für die Abwehr bestand Uniformpflicht, in der Aufklärung kamen wir i.d.R. in Zivil zum Dienst. Ich kann mich nicht entsinnen, dass die Abwehr während des Dienstes unterschiedliche Dienstgrade benutzt hat. Vorstellbar wäre allenfalls, das bei Ausflügen direkt an den Kanten Manschaftsdienstgrade benutzt wurden und das diente dann allenfalls zur Täuschung der Gegenseite.
Welchen Sinn sollte diese Kostümierung auch haben? Die Abwehroffiziere waren i.d.R. sowohl im Stab als auch in den GK'n bekannt und jegliche Form der Kostümierung wäre eigentlich albern gewesen.

Den Grenzern das Gefühl einer besonderen "Obacht" zu vermitteln macht in meinen Augen wenig Sinn und hätte sicher den IM-Bestand in der Truppe zusätzlich verunsichert.

Aber wie gesagt, von der Arbeitsweise der Abwehroffiziere habe ich wenig bis keine Kenntnisse, mglw. ist manch einer ja auch nach dem Grundsatz vorgegangen: je auffälliger destso unauffälliger.

Warum äussert sich hier eigentlich kein Ex-Abwehrmann der HA I/KGT zu den damaligen Arbeitsweisen?


andy



Hallo Andy, entsinne ich mich richtig das an manchen Wartburgs das Nummernschild GT2000 dran war?
Mir war so als konnte man da den "Besuch" zuordnen.


nach oben springen

#55

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 17.04.2013 20:06
von andy | 1.199 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #54




Hallo Andy, entsinne ich mich richtig das an manchen Wartburgs das Nummernschild GT2000 dran war?
Mir war so als konnte man da den "Besuch" zuordnen.[/quote]


Also während ich diese Dienstfahrzeuge genutzt habe ist mir dieses nicht aufgefallen, wenn allerdings GT 2000 draufgestanden hätte, wäre mir das schon aufgefallen und das wäre dann gar nicht gegangen!

Die Fahrzeuge der Aufklärung, zumindsest in Berlin und drum rum hatten sowohl Berliner als auch GT-Kennzeichen und bei Bedarf konnten wir auch auf überregionale Kennzeichen zurückgreifen. Wimre war es bei der Abwehr auch nicht anders.
Die Berliner Kennzeichen hatten den Hintergrund, dass die HAI in der Berliner Schnellerstr. ansässig war.

Generell war es ja so, dass die HA I materiell ( Büros, Uniformen, Bewaffnung) durch die NVA/GT ausgerüstet wurde (in meiner Erinnerung regelte das der Befehl 2000 von wem auch immer (Min.NV) - deswegen Verwaltung 2000). Das bertraf auch die Dienstfahrzeuge, die sich auf Grenztrabbi und Wartburg beschränkten. Im Ministerium selbst (auch BV/KD) wurden Trabbi(zivil), Wartburg, Lada und höher gefahren.

Die Kisten, die ich durch die Republik steuerte konnten, wenn sie denn mal havarierten nur in Werkstätten der NVA/GT repariert werden. Mir flog mal in Berlin eine Antriebswelle vor der Fahrbereitschaft der Firma weg und ich habe diese in der Fahrbereitschaft ersetzen lassen. Es hat Monate gedauert, bis die Reparatur letztendlich geregelt war, wahrscheinlich hat die GT dem MfS eine Antriebswelle aus ihrer Zuteilung übergeben müssen, k.A.

Da die GT so gut wie keine Trabbis in Zivil fuhr, blieb uns das Fahrerlebnis Trabbi quer durch die Rep. Gott sei Dank erspart.


andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
zuletzt bearbeitet 17.04.2013 20:12 | nach oben springen

#56

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 18.04.2013 09:56
von 94 | 10.792 Beiträge

Ohje, jetzt sind 'mer scho wieder bei einem 'IM' pro Soldatenstube. SCHWACHSINN! Was es aber gab waren (ich nenne es jetzt mal so) Ar*krampen, welche durch 'Herr-Lehrer-ich-weiß-was'-Anschißversuche eigene Vorteile sich erhofften, folgte doch meist im nächsten Satz die Frage, 'Ähm, das mit dem Urlaub geht klar?' Zum diesem Thema einfach mal mit dem Begriff 'Befehl 44' im Forum bissel rumsuchen und Querlesen ...
GT2000 als Nummerschild ist ebendso SCHWACHSINN! Es waren 6 Ziffern, nach den ersten zwei eine Trennung und dann nochmal vier ... KFz-Kennzeichen . Zivile Trabbis gab es aber schon bei den GT. Im II.GB/GR-1 zum Beispiel teilten sich 2 Hauptleute und ein Oberleutnant der V2000 Ende der 80er zwei eierfarbenschalene Trabbis ('PKW handelsüblich' genannt), einer sogar schon mit PUR-Lenkrad. Und da ist mir eine 'Besonderheit' erinnerlich, eine Nummentafel hinten und vorn.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 18.04.2013 09:57 | nach oben springen

#57

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 18.04.2013 11:39
von andy | 1.199 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #56
Ohje, jetzt sind 'mer scho wieder bei einem 'IM' pro Soldatenstube. SCHWACHSINN! Was es aber gab waren (ich nenne es jetzt mal so) Ar*krampen, welche durch 'Herr-Lehrer-ich-weiß-was'-Anschißversuche eigene Vorteile sich erhofften, folgte doch meist im nächsten Satz die Frage, 'Ähm, das mit dem Urlaub geht klar?' Zum diesem Thema einfach mal mit dem Begriff 'Befehl 44' im Forum bissel rumsuchen und Querlesen ...
GT2000 als Nummerschild ist ebendso SCHWACHSINN! Es waren 6 Ziffern, nach den ersten zwei eine Trennung und dann nochmal vier ... KFz-Kennzeichen . Zivile Trabbis gab es aber schon bei den GT. Im II.GB/GR-1 zum Beispiel teilten sich 2 Hauptleute und ein Oberleutnant der V2000 Ende der 80er zwei eierfarbenschalene Trabbis ('PKW handelsüblich' genannt), einer sogar schon mit PUR-Lenkrad. Und da ist mir eine 'Besonderheit' erinnerlich, eine Nummentafel hinten und vorn.



Naja 94, so eine deutliche Aussage täte ich nur dann, wenn ich es ganz genau wüsste und das hieße, ich wäre Abwehroffizier gewesen oder hätte eine absolut vertrauenswürdige Info-Quelle aus diesem Bereich.

Und dass es zivile Trabbis bei den GT gab, habe ich ja nicht gänzlich ausgeschlossen.

andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
nach oben springen

#58

Briefe aufdampfen

in Grenztruppen der DDR 18.04.2013 15:22
von StabsfeldKoenig | 2.643 Beiträge

Ich habe mal einige Zeit Briefmarken und auch Ganzsachen (Umschläge mit Marken und Stempel) gesammelt. Ein erfahrener Sammler hat mir gezeigt, wie man klassische Briefumschläge (mit Zucker-Stärke-Kleber zum anlecken) aufdampft. Habe dies damals auch selber ganz gut beherrscht und an mich gerichtete Briefe so geöffnet, wenn ich eine Ganzsache gewinnen wollte.
Spezial-Hilfsmittel braucht man nur für Selbstkleber (gab es in der DDR noch nicht) oder mit Tesafilm verklebte Umschläge (soll das MfS "vernagelt" genannt haben).



nach oben springen

#59

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 18.04.2013 15:44
von Wartburgfahrer | 39 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #56
Ohje, jetzt sind 'mer scho wieder bei einem 'IM' pro Soldatenstube. SCHWACHSINN! Was es aber gab waren (ich nenne es jetzt mal so) Ar*krampen, welche durch 'Herr-Lehrer-ich-weiß-was'-Anschißversuche eigene Vorteile sich erhofften, folgte doch meist im nächsten Satz die Frage, 'Ähm, das mit dem Urlaub geht klar?' Zum diesem Thema einfach mal mit dem Begriff 'Befehl 44' im Forum bissel rumsuchen und Querlesen ...
GT2000 als Nummerschild ist ebendso SCHWACHSINN! Es waren 6 Ziffern, nach den ersten zwei eine Trennung und dann nochmal vier ... KFz-Kennzeichen . Zivile Trabbis gab es aber schon bei den GT. Im II.GB/GR-1 zum Beispiel teilten sich 2 Hauptleute und ein Oberleutnant der V2000 Ende der 80er zwei eierfarbenschalene Trabbis ('PKW handelsüblich' genannt), einer sogar schon mit PUR-Lenkrad. Und da ist mir eine 'Besonderheit' erinnerlich, eine Nummentafel hinten und vorn.


Es war ja nur der Begriff "IM-Bestand" gefallen und ich hatte diese "Quote" doch bereits selbst angezweifelt !!!
Deinen Ausführungen zum Thema Kennzeichen GT2000 kann ich nur zustimmen und einen Zivil-Trabi in hellelfenbein (oder war das nicht bahamabeige) hatten wir genauso.


nach oben springen

#60

RE: wenig Vertrauen?

in Grenztruppen der DDR 23.04.2013 20:29
von utkieker | 2.920 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #35
ja sie( das MfS) hatten wenig oder gar kein Vertrauen in uns Grenzsoldaten. Meine Dienstzeit ist ja nun schon fast 50 Jahre her ( eingerückt 2.Mai 1963) aber eine Erinnerung hat sich bei mir gut festgesetzt. Da hatten wir einen jungen Leutnant, der kam ab und zu zu uns auf die Stube. Der hatte so eine übertrieben Freundlichkeit an sich, dass er schon wieder verdächtig wirkte. Einmal kam er rein und wir hatten "Feindsender" auf dem Radio. Einer versuchte noch schnell umzuschalten, aber er sagte "lassen sie doch ist doch schöne Musik". Er versuchte wohl auf diese plumpe Art unser Vertrauen zu gewinnen. Wir waren jedoch vorsichtig Die Bezeichnung 2000-er kannten wir damals noch nicht für diese Offiziere. Es war eben ein Parteiarmee und die SED hatte wohl auch nur zu dieser 100 %ig Vertrauen.



Hallo Gert,

Die Bezeichnung "2000" habe ich auch erst in diesen Forum kennen gelernt. Aber wenn Hptm. N. in der Kompanie war wußte jeder, daß der von der "Firma" ist.
Auch wir hatten einen jungen Leutnant aber nicht so freundlich, eher polternd. Ich mochte ihn nicht. Auf Grund seines Kasernenhof- Stils hätte man ihn für einen 200%- igen halten müssen. Wenn das so einfach wäre, den Stasizuträger an seiner Freundlichkeit zu erkennen. Heute sehe ich diesen Ltn. differenzierter, ihn wurde ein Zug Soldaten und Unteroffizieren unterstellt und damit auch Verantwortung. Selbst, wenn Menschenführung auf den Lehrplan einer Offiziersschule gestanden haben sollte, daß wichtigste Kriterium - Erfahrung - bringt dir keiner bei.
Ich glaube kaum, daß der Informant mit der Tür ins Haus fällt um Informationen zu erschleichen. Aber auch ein mutmaßlicher Fahnenflüchtling wird alles tun um nicht aufzufallen und wird er überhaupt Jemand ins Vertrauen ziehen. Weder der Informant noch der Fahnenflüchtling können Gedanken lesen, und es bleibt die Frage wie effizient war die Spitzeltätigkeit wurde dadurch wirklich eine Fahnenflucht verhindert?

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
exgakl und Schmiernippel haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen



Besucher
22 Mitglieder und 49 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Erinnerung
Besucherzähler
Heute waren 1369 Gäste und 94 Mitglieder, gestern 3611 Gäste und 206 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14366 Themen und 557751 Beiträge.

Heute waren 94 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen