#1

Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 13.04.2013 15:00
von Barbara (gelöscht)
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Liebe Landsleute,

aus gegebenem Anlass habe ich mir darüber mal Gedanken gemacht, welcher Sprache wir uns hier z.T. bedienen.
Es gibt Begrifflichkeiten, die prinzipiell nur „Reflexe“ auslösen, und die eine Kommunikation regelmäßig gegen die Wand fahren lassen.

Die deutsche Sprache ist schön und hochkomplex und zeichnet sich dadurch aus, dass man sehr präzise auch schwierige Umstände darin ausdrücken kann.
Mein Stein des Anstosses ist hier:
„Siegerjustiz“

Ich bin dem Begriff mal auf den Grund gegangen.
Im Forum wird er häufig dazu benutzt, die alte oder heutige BRD "anzuklagen". Darin liegt die Unterstellung sie sei „Sieger“ - was impliziert, die DDR sei „Verlierer“ gewesen.
Das stimmt ja historisch nicht, denn die BRD und die DDR haben keinen Krieg geführt!

Fakt ist, die DDR-Bevölkerung hat zunächst mal einen - ja was denn eigentlich? – Systemwechsel herbeigeführt, der unterschiedlich bewertet wird. Manche hätten das gerne anders gehabt, andere sind froh, dass es so gekommen ist. Hier könnte man also in gewisser Weise sagen, es gab einen „Meinungs-Sieg“ innerhalb der DDR-Bevölkerung.

Ich als Wessi habe dabei lediglich vor dem TV gesessen und zugesehen. Persönlich finde ich das Ergebnis übrigens gut, denn sonst hätte ich meine Landsleute wohlmöglich nie kennen gelernt, was ich ausgesprochen schade finden würde!

In diesem Zusammenhang: auch der „Kalte Krieg“ war kein Krieg sondern bezeichnet eine bestimmte historische Epoche der ideologischen Auseinandersetzung zwischen USA und UDSSR. Ich bin heute der Überzeugung, dass er nie „heiß“ werden sollte (welchen Sinn hätte das denn auch sogar für die schärfsten „Falken“ gehabt, mal ganz ehrlich…) , dass er aber immer am Kochen gehalten wurde, damit die jeweiligen Regierungen ihre politischen Ziele umsetzten konnte. Damit wurden „wir“ auch immer schön am köcheln gehalten, wir waren sozusagen „der Brei".

Das Forum zeugt davon , dass die Innerdeutsche Grenze, die für mich die menschenverachtendste Staatsgrenze aller Zeiten war, auf beiden Seiten von Soldaten „bewacht“ wurde, die von „Krieg spielen“ soweit weg waren wie vom Mond und irgendwie alle froh, ihre Zeit dort möglichst ohne irgendwelche Vorkommnisse hinter sich zu bringen. Diese Staatsgrenze wurde aber von beiden Seiten dazu benutzt, die beiden Bevölkerungen „heiß“ zu halten: damit sollten wir jetzt endlich mal aufhören!
"Ihr" habt nicht „verloren“ und "wir" nicht „gesiegt“.

Damit komme ich dazu, was der Begriff „Siegerjustiz“ noch beinhaltet: er zementiert bei einigen Menschen (forums-übergreifend) das Gefühl „Opfer“ zu sein. Ich halte das nicht nur für problematisch sondern für gefährlich. Der Begriff ist wie ein Sack, bei dem jeder bei Bedarf seine eigenen Ohnmachtsgefühl hinein werfen kann, egal was das eigentliche Ausgangsthema war.
Alles gut durchgeschüttelt kann der "Sack" dann geschleudert werden, gegen – DEN STAAT? – DIE JUSTIZ? – DEN WESTEN? – DIE POLIZEI? –
Wer ist das denn eigentlich????

Eins ist auf jeden Fall klar: kein einziges zu Recht beklagte soziales Problem wird durch so etwas gelöst. Im Gegenteil, ich bin jetzt mal frech und behaupte:
Wer sich solcher Begrifflichkeiten bedient, braucht auch den sich als „Opfer“-fühlenden Anderen. Eine linke politische Position ist für mich dann überzeugend, wenn sich benachteiligt fühlende Menschen neudeutsch „empowered“ werden. Und das ist natürlich nicht nur ihre Aufgabe, sondern das der ganzen Gesellschaft!
Gesellschaftliche Misstände kritisch aufzuzeigen, Lösungsvorschläge suchen – ja! Unterstützung derer, die sich nicht so leicht zurecht finden - ja!
Aber nicht mit verstaubten und historisch völlig abwegigen Begriffen!

Darüber hinaus tue ich hiermit kund, dass dieser Begriff mich persönlich angreift!


Es gibt noch so manch anderen Begriff, der im Forum vorkommt, über den wir mal nachdenken könnten, den wir mal „enttarnen“ könnten, von dem sich jemand angegriffen fühlt?

Für eine genaue und menschenfreundliche Sprache
ist Barbara :-)


Gert und Uslar haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#2

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 13.04.2013 15:19
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #1
Liebe Landsleute,

aus gegebenem Anlass habe ich mir darüber mal Gedanken gemacht, welcher Sprache wir uns hier z.T. bedienen.
Es gibt Begrifflichkeiten, die prinzipiell nur „Reflexe“ auslösen, und die eine Kommunikation regelmäßig gegen die Wand fahren lassen.

Die deutsche Sprache ist schön und hochkomplex und zeichnet sich dadurch aus, dass man sehr präzise auch schwierige Umstände darin ausdrücken kann.
Mein Stein des Anstosses ist hier:
„Siegerjustiz“

Ich bin dem Begriff mal auf den Grund gegangen.
Im Forum wird er häufig dazu benutzt, die alte oder heutige BRD "anzuklagen". Darin liegt die Unterstellung sie sei „Sieger“ - was impliziert, die DDR sei „Verlierer“ gewesen.
Das stimmt ja historisch nicht, denn die BRD und die DDR haben keinen Krieg geführt!

Fakt ist, die DDR-Bevölkerung hat zunächst mal einen - ja was denn eigentlich? – Systemwechsel herbeigeführt, der unterschiedlich bewertet wird. Manche hätten das gerne anders gehabt, andere sind froh, dass es so gekommen ist. Hier könnte man also in gewisser Weise sagen, es gab einen „Meinungs-Sieg“ innerhalb der DDR-Bevölkerung.

Ich als Wessi habe dabei lediglich vor dem TV gesessen und zugesehen. Persönlich finde ich das Ergebnis übrigens gut, denn sonst hätte ich meine Landsleute wohlmöglich nie kennen gelernt, was ich ausgesprochen schade finden würde!

In diesem Zusammenhang: auch der „Kalte Krieg“ war kein Krieg sondern bezeichnet eine bestimmte historische Epoche der ideologischen Auseinandersetzung zwischen USA und UDSSR. Ich bin heute der Überzeugung, dass er nie „heiß“ werden sollte (welchen Sinn hätte das denn auch sogar für die schärfsten „Falken“ gehabt, mal ganz ehrlich…) , dass er aber immer am Kochen gehalten wurde, damit die jeweiligen Regierungen ihre politischen Ziele umsetzten konnte. Damit wurden „wir“ auch immer schön am köcheln gehalten, wir waren sozusagen „der Brei".

Das Forum zeugt davon , dass die Innerdeutsche Grenze, die für mich die menschenverachtendste Staatsgrenze aller Zeiten war, auf beiden Seiten von Soldaten „bewacht“ wurde, die von „Krieg spielen“ soweit weg waren wie vom Mond und irgendwie alle froh, ihre Zeit dort möglichst ohne irgendwelche Vorkommnisse hinter sich zu bringen. Diese Staatsgrenze wurde aber von beiden Seiten dazu benutzt, die beiden Bevölkerungen „heiß“ zu halten: damit sollten wir jetzt endlich mal aufhören!
"Ihr" habt nicht „verloren“ und "wir" nicht „gesiegt“.

Damit komme ich dazu, was der Begriff „Siegerjustiz“ noch beinhaltet: er zementiert bei einigen Menschen (forums-übergreifend) das Gefühl „Opfer“ zu sein. Ich halte das nicht nur für problematisch sondern für gefährlich. Der Begriff ist wie ein Sack, bei dem jeder bei Bedarf seine eigenen Ohnmachtsgefühl hinein werfen kann, egal was das eigentliche Ausgangsthema war.
Alles gut durchgeschüttelt kann der "Sack" dann geschleudert werden, gegen – DEN STAAT? – DIE JUSTIZ? – DEN WESTEN? – DIE POLIZEI? –
Wer ist das denn eigentlich????

Eins ist auf jeden Fall klar: kein einziges zu Recht beklagte soziales Problem wird durch so etwas gelöst. Im Gegenteil, ich bin jetzt mal frech und behaupte:
Wer sich solcher Begrifflichkeiten bedient, braucht auch den sich als „Opfer“-fühlenden Anderen. Eine linke politische Position ist für mich dann überzeugend, wenn sich benachteiligt fühlende Menschen neudeutsch „empowered“ werden. Und das ist natürlich nicht nur ihre Aufgabe, sondern das der ganzen Gesellschaft!
Gesellschaftliche Misstände kritisch aufzuzeigen, Lösungsvorschläge suchen – ja! Unterstützung derer, die sich nicht so leicht zurecht finden - ja!
Aber nicht mit verstaubten und historisch völlig abwegigen Begriffen!

Darüber hinaus tue ich hiermit kund, dass dieser Begriff mich persönlich angreift!


Es gibt noch so manch anderen Begriff, der im Forum vorkommt, über den wir mal nachdenken könnten, den wir mal „enttarnen“ könnten, von dem sich jemand angegriffen fühlt?

Für eine genaue und menschenfreundliche Sprache
ist Barbara :-)




Ich teile diese Meinung nicht...
seaman


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#3

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 13.04.2013 15:21
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Versuche erst mal , konkret zu sagen wo dein Problem liegt. So richtig menschenfreundlich, das man auch versteht, um was es geht.
So ganz ohne Sprachgeschwurbel. So von Mensch zu Mensch.


zuletzt bearbeitet 13.04.2013 15:22 | nach oben springen

#4

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 13.04.2013 16:32
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #1
...Mein Stein des Anstosses ist hier:
„Siegerjustiz“

Ich bin dem Begriff mal auf den Grund gegangen.
Im Forum wird er häufig dazu benutzt, die alte oder heutige BRD "anzuklagen". Darin liegt die Unterstellung sie sei „Sieger“ - was impliziert, die DDR sei „Verlierer“ gewesen.
Das stimmt ja historisch nicht, denn die BRD und die DDR haben keinen Krieg geführt! ...

Hallo Barbara,

ich denke, dass man diesen Begriff nicht einfach auf den Staat reduzieren kann. In dieser Frage geht es um die Auseinandersetzung zweier Gesellschaftssysteme. Und da hat der Kapitalismus, der von Anfang bestrebt war den Sozialismus zu besiegen, eindeutig gesiegt.
Zitat von Barbara im Beitrag #1
... Fakt ist, die DDR-Bevölkerung hat zunächst mal einen - ja was denn eigentlich? – Systemwechsel herbeigeführt, der unterschiedlich bewertet wird. Manche hätten das gerne anders gehabt, andere sind froh, dass es so gekommen ist. Hier könnte man also in gewisser Weise sagen, es gab einen „Meinungs-Sieg“ innerhalb der DDR-Bevölkerung. ...

Ja, aber es ist ja gerade das interessante, dass viele "Meinungs-Sieger", konfrontiert mit einem kapitalistischen Alltag, sich plötzlich verraten und verkauft fühlten. Die Wende hatte sehr viele politische Facetten. Der Impuls, sich mit der BRD zu vereinigen, stand da zunächst nicht im Vordergrund. Und dann kamen die Versprechungen von blühenden Landschaften ... aber diese Landschaften kamen nicht, sondern es kamen Leute, denen die Betriebe für eine Mark in den Rachen geworfen wurden, ohne das die damit gegebenen Versprechungen eingehalten wurden.
Zitat von Barbara im Beitrag #1
... Das Forum zeugt davon , dass die Innerdeutsche Grenze, die für mich die menschenverachtendste Staatsgrenze aller Zeiten war, auf beiden Seiten von Soldaten „bewacht“ wurde, die von „Krieg spielen“ soweit weg waren wie vom Mond und irgendwie alle froh, ihre Zeit dort möglichst ohne irgendwelche Vorkommnisse hinter sich zu bringen. Diese Staatsgrenze wurde aber von beiden Seiten dazu benutzt, die beiden Bevölkerungen „heiß“ zu halten: damit sollten wir jetzt endlich mal aufhören!
"Ihr" habt nicht „verloren“ und "wir" nicht „gesiegt“....

Dass die Grenze zwischen der BRD und der DDR nun die menschenverachtendste Staatsgrenze aller Zeiten war, bezweifle ich aufgrund meiner Geschichtskenntnisse sehr. Dein Argument ist sehr polemisch und wird eher zum Streit als zum Nachdenken beitragen. Reduziert man die Grenze auf das heute gängige Geschichtsbild, dann mag man zu Deinem Spruch nicken. Aber: Es standen sich an exakt dieser Grenze eine Millionen Mann unter Waffen in hoher Gefechtsbereitschaft gegenüber. Ein Knopfdruck und innerhalb von 15 bis 20 Minuten wären die alle marschiert, und zwar voll gefechtsbereit. Diesen Fakt aus der Diskussion wegzulassen, halte ich für gefährlich für das Niveau derselben.
Zitat von Barbara im Beitrag #1
... Damit komme ich dazu, was der Begriff „Siegerjustiz“ noch beinhaltet: er zementiert bei einigen Menschen (forums-übergreifend) das Gefühl „Opfer“ zu sein. Ich halte das nicht nur für problematisch sondern für gefährlich. Der Begriff ist wie ein Sack, bei dem jeder bei Bedarf seine eigenen Ohnmachtsgefühl hinein werfen kann, egal was das eigentliche Ausgangsthema war.
Alles gut durchgeschüttelt kann der "Sack" dann geschleudert werden, gegen – DEN STAAT? – DIE JUSTIZ? – DEN WESTEN? – DIE POLIZEI? –
Wer ist das denn eigentlich????....

Hier kommst Du in Fahrwasser, in denen ich wieder an Deiner Seite paddeln kann. Die bloße Schuldzuweisung an die Justiz der BRD unter Verzicht auf die kritische Analyse eigenen Tuns und das Kaschieren, indem man sich in eine Opferrolle hineininterpretiert, halte ich auch für gefährlich. Aber: Im Rahmen der Vereinigung von BRD und DDR wurde seitens der herrschenden Kreise im Westen, und die gaben den Ton dieses Prozesses an, wie Du Dich vielleicht auch noch erinnerst, vieles ignoriert, was ich mal mit Kultur und Identität des Ostens bezeichnen möchte. Das Gefühl der Vereinnahmung war im Osten in den 90er Jahren allgegenwärtig. Damit stand alles, von der Wirtschaft über die Verwaltung bis hin zur Justiz, unter dem Generalverdacht, einfach nur im Dienste des Kapitals tabula rasa zu machen. Und letzten Endes ist genau da auch 'ne Menge dran.
Zitat von Barbara im Beitrag #1
... Darüber hinaus tue ich hiermit kund, dass dieser Begriff mich persönlich angreift!...

Das tut mir leid. Aber Du beziehst einen Begriff der systemischen Auseinandersetzung auf konkrete gesellschaftliche Strukturen, in denen Du eingebettet bist. Aus meiner Sicht bringst Du damit die Dinge durcheinander. Aber jenseits von dieser Bemerkung kann ich Dich da tatsächlich nicht trösten. Ich fürchte, da musst Du durch.

Zitat von Barbara im Beitrag #1
...Für eine genaue und menschenfreundliche Sprache
ist Barbara :-)


Ich auch, aber es ist schwer!
ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


Pitti53, DoreHolm, LO-Wahnsinn, schulzi, Küchenbulle 79 und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#5

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 13.04.2013 19:25
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Der Begriff "Siegerjustiz" hat auch was mit einer gefühlten....nennen wir es einmal Minderbehandlung des Ostdeutschen durch den Westdeutschen zu tun. Einfach in Hinblick auf ganz simple gestandene Alltagssachen. Somit solche Sachen, die in der DDR Hand und Fuß hatten.Die einfach hätten übernommen werden können, ohne das sich der westdeutsche Landsmann nun hätte gleich mies fühlen zu müssen.

Nein, das hat man nicht gemacht, man hat seinen veralteten überlebten Kram dem Osten einfach übergestülpt, ohne Widerede. Ohne diese Alltagssachen hier näher zu benennen(das könnte gern ein Anderer tun) wurde alles abgewatscht, alles wurde mies gemacht, einfach alles mit dem Verweis auf den ach so miesen Sozialismus, genau der, der sich doch in gut vierzig Jahren nicht bewährt hätte begründet.

Also um es einmal konkret auf den Punkt zu bringen:" Sozialismus so müsst ihr Ossis langsam mal begreifen war einfach nur Scheiße,war auch Umweltkloake musste langsam mal weg, die Demokratie ist und war wirklich viel, viel besser, war auch das gelbe vom Ei, begreift das bitte Landsleute Ost und wenn ihr euch immer noch sträubt auch gut, dann lasst es eben....denn, ein zurück so verbesserter, überarbeiteter Sozialismus wirds einfach nicht mehr geben, dieser Zug ist lange abgefahren".

Um das Ganze Barbara jetzt richtig fett zu übertreiben:"Wir Westdeutschen habe aber auch Alles richtig gemacht, Ihr nicht, tut uns ja leid aber es war so" He lach mal wieder Barbara Landsmännin West, der Rainer liebt die Übertreibung, das aus der Reserve locken, also den Klartext denn nur wenns auch sinngemäß wehtut kommt mit Sichreheit am Ende was Ordentliches als Resultat raus.

Dabei seit Ihr so nett, so angenehm, so einfach gestrickt ,also was ich schon auf Forumstreffen und Anderswo Landsleute West kennenlernen durfte, es war immer eine richtige Freude zumal ich mich so gerne unterhalte, egal, ob nun Einer ein richtiges Arschloch (entschuldigt) ist oder das ganze positive Gegenstück.

Lebensläufer


LO-Wahnsinn und Küchenbulle 79 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#6

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 13.04.2013 19:35
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Lebensläufer im Beitrag #5
Der Begriff "Siegerjustiz" hat auch was mit einer gefühlten....nennen wir es einmal Minderbehandlung des Ostdeutschen durch den Westdeutschen zu tun. Einfach in Hinblick auf ganz simple gestandene Alltagssachen.

Lebensläufer


Selten solch ein Wischi-Waschi gelesen.....
Brösel den Begriff Siegerjustiz auf und rede mit denen die Siegerjustiz erfahren mussten.

seaman


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#7

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 13.04.2013 20:21
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Hast in gewisser Weise Recht Seaman, der Rainer hatte doch dummerweise das Wort "Justiz" überlesen. Na gut, Thema leicht verfehlt aber einen Versuch wars trotzdem wert.Fehler sind menschlich.

Lebensläufer


seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#8

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 13.04.2013 21:58
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Lebensläufer im Beitrag #5
Der Begriff "Siegerjustiz" hat auch was mit einer gefühlten....nennen wir es einmal Minderbehandlung des Ostdeutschen durch den Westdeutschen zu tun. Einfach in Hinblick auf ganz simple gestandene Alltagssachen. Somit solche Sachen, die in der DDR Hand und Fuß hatten.Die einfach hätten übernommen werden können, ohne das sich der westdeutsche Landsmann nun hätte gleich mies fühlen zu müssen.

Nein, das hat man nicht gemacht, man hat seinen veralteten überlebten Kram dem Osten einfach übergestülpt, ohne Widerede. Ohne diese Alltagssachen hier näher zu benennen(das könnte gern ein Anderer tun) wurde alles abgewatscht, alles wurde mies gemacht, einfach alles mit dem Verweis auf den ach so miesen Sozialismus, genau der, der sich doch in gut vierzig Jahren nicht bewährt hätte begründet.

Also um es einmal konkret auf den Punkt zu bringen:" Sozialismus so müsst ihr Ossis langsam mal begreifen war einfach nur Scheiße,war auch Umweltkloake musste langsam mal weg, die Demokratie ist und war wirklich viel, viel besser, war auch das gelbe vom Ei, begreift das bitte Landsleute Ost und wenn ihr euch immer noch sträubt auch gut, dann lasst es eben....denn, ein zurück so verbesserter, überarbeiteter Sozialismus wirds einfach nicht mehr geben, dieser Zug ist lange abgefahren".

Um das Ganze Barbara jetzt richtig fett zu übertreiben:"Wir Westdeutschen habe aber auch Alles richtig gemacht, Ihr nicht, tut uns ja leid aber es war so" He lach mal wieder Barbara Landsmännin West, der Rainer liebt die Übertreibung, das aus der Reserve locken, also den Klartext denn nur wenns auch sinngemäß wehtut kommt mit Sichreheit am Ende was Ordentliches als Resultat raus.

Dabei seit Ihr so nett, so angenehm, so einfach gestrickt ,also was ich schon auf Forumstreffen und Anderswo Landsleute West kennenlernen durfte, es war immer eine richtige Freude zumal ich mich so gerne unterhalte, egal, ob nun Einer ein richtiges Arschloch (entschuldigt) ist oder das ganze positive Gegenstück.

Lebensläufer


Ich könnte jetzt zwar herzlich gähnen, aber was solls, die alte Leier, wirklich gähnenswert.
Ich habe 94 als "minderbemittelter Ossi" mein erstes Haus im Altbundiland gekauft und bei der Begehung staunten meine Mietzahler über den sächselnden Neubesitzer, die haben die Welt nicht verstanden


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#9

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 13.04.2013 22:40
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Ich gähne mal leicht ne Runde mit Grenzwolf denn nach potenten Hausbesitzern/Vermietern hatte der Rainer seinen Text nun nicht gerade ausgerichtet. Aber na gut, erst das Thema verfehlt, dann die alte Leier, kann ich wunderbar damit leben, ich komm zurecht, vielen Dank auch in die Runde.

Lebensläufer


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#10

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 13.04.2013 23:01
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

So verfehlt war das nicht @Lebensläufer, Du hast versucht es aus der Sicht eines "normalo" Ex-DDR-Bürgers zu erklären, und ich meine das ist Dir gut gelungen.
Ich füge noch hinzu, es gab keine wirkliche Vereinigung -vielleicht geografisch und natürlich menschlich/familiär- aber rein vom System, System West wurde KOMPLETT auf Ost übertragen.
Wie Lebensläufer schon beschrieb, auch der ganze Mist den man hätte genau zu der Zeit über Bord werfen können, den hat man uns auch wie einen Kartoffelsack über gestülpt.
So kommt es, dass Menschen sich als Verlierer fühlen und so kommt es zu dem Wort Siegerjustiz, der Westen hat sich NULL selbst reflektiert.
Das hat sich bis heute auch nur wenig geändert, obwohl man immer öfter auch Westdeutsche trifft die mittlerweile auch sagen, man hätte so viele Chancen gehabt.

Juristisch gesehn, nehmen wir die Mauerschützenprozesse.
Hier stelle ich mir die Frage, gings hier um Recht und Gerechtigkeit?
Meine Antwort ist nein!
Es ging meiner Ansicht nach vorallem darum, dem System DDR noch im nachhinein "ein mit zu geben", die Menschen die an der Grenze dienten und die Grenze selber zu stigmatisieren.
Diese Prozesse waren meiner Ansicht nach eher politisch motiviert, als das man die Opfer und ihre Hinterbliebenen im Blick hatte.
Wie kann man Fälle/Vorgänge, die unter DDR Recht rechtmässig waren, mit einem anderen Recht neu bewerten?
Man darf sicher daran zweifeln, ob die Rechtmässigkeit in Form des DDR-Rechts dort richtig war und das darf man auch bewerten.
Man darf aber Leute nicht für Dinge bestrafen, die unter einer anderen Vorraussetzung rechtlich machbar waren.
Ich denke moralisch gesehn war die Aufarbeitung der Todefälle richtig, aber die West-rechtlichen Urteile falsch und für mich ein klarer Fall von Siegerjustiz.
Ich möchte aber nicht ausschliessen, dass es die DDR im umgekehrten Falle nicht genauso gemacht hätte, damit hätte ich dann aber ebenfalls ein Problem gehabt, weil ich das moralisch sehr bedenklich finde und für falsch halte.

Stell Dir einmal vor @Barbara, es wäre umgekehrt gekommen.
Versuch Dich mal in die Menschen rein zu versetzen die sich als Verlierer fühlen, die sich übergangen fühlen.
Stell Dir vor, die DDR hätte ihr System 1:1 auf den Westen übertragen und hätte Prozesse geführt gegen ehemalige Staatsbedienstete, Geheimdienstmitarbeiter etc.pp., oder gegen Soldaten die in ihrem millitärischen Auftrag von der Schusswaffe Gebrauch machen mussten wo Menschen zu Tode kamen, oder man hätte Zöllner und BGS Leute vor Gericht geführt, weil sie vor 20-30 Jahren zum Spass mal einen Fuss auf DDR Gebiet gesetzt hatten.
Wie würde man da nun reden? Ich denke dann würde das Wort Siegerjustiz auch fallen, zurecht.
Wie würden sich die Soldaten um "Oberst Klein" fühlen wenn man sie nun 10-20 Jahre später in der DDR vor Gericht stellen würde, und man würde sie wegen Totschlag verurteilen, weil die DDR Liebfreund mit den Taliban wären. -fiktives Beispiel-
Auch im Westen haben viele durch die Vereinigung verloren, Westganoven haben ihre eignen Landsleute über den Tisch gezogen, z.B. Menschen aus dem Westen die im Osten investieren wollten und von ihren eignen Landsleuten abgezockt wurden.

Wenn hier die Sprache von Siegerjustiz ist, dann musst Du das nicht persönlich nehmen.
Es mag sehr verallgemeinert klingen und es mag einen Bürger der alten Bundesrepublik betroffen machen, aber der "Normalo" hat recht wenig bis garnichts damit zutun was da nach der Wende alles so passiert ist, das war alles systempolitisch gesteuert und ist es bis heute, und der "Normalo" ist mit solchen Worten auch garnicht gemeint, seidenn er ist ein glühender Verfechter dessen was da alles gelaufen ist und bis heute weiter am laufen gehalten wird.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
Küchenbulle 79, Lebensläufer, DoreHolm und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#11

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 13.04.2013 23:43
von Moskwitschka (gelöscht)
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Liebe Barbara,

was ich jetzt schreibe, ist sehr vereinfacht und reduziert.

Wir sind alle Menschenkinder, in einem globalen „Spiel des Lebens“ (in Anlehnung von Frank Schirrmachers „EGO - Das Spiel des Lebens“). Im Ergebnis von historischen und politischen Entwicklungen standen sich nach 1945 in Deutschland zwei Gesellschaftsentwürfe, in unterschiedliche Staatsformen gepresst, gegenüber. Der eine Entwurf ist gescheitert. Daher ist es für mich mehr als verständlich, wenn die Menschen, deren Gesellschaftsentwurf, für den den sie gelebt, gelernt, gearbeitet und den sie verteidigt haben, gescheitert ist, sich als Verlierer in diesem „Spiel des Lebens“ fühlen. Und bei einem „Spiel“ gibt es neben dem Verlierer auch immer einen Gewinner, den Sieger.

Ich bezweifle, dass es vor mehr als 20 Jahren einen „Meinungs – Sieg“ in der DDR gab. Es gab eine Mehrheit, die der Ansicht war, dass sich etwas ändern musste. Doch wie, da sind die Meinungen sehr weit auseinander gegangen.

Die Justiz kommt ins Spiel, wenn man im konkreten Fall den Einigungsvertrag betrachtet, der juristisch den einen Gesellschaftsentwurf und dessen Staat auflöst und dem anderen beitritt, der als Gewinner hervorgegangen ist. Es sind mit diesem Vertrag Fakten geschaffen worden, die zu zum Teil auch zu Ungerechtigkeiten geführt haben. Zumal bis zum heutigen Tag noch einiges, was damals vereinbart wurde, nicht umgesetzt wurde. Selbst Herr Krause, der damals für die DDR die Unterschrift leistete, an dieser Stelle sehr kritisch das Ergebnis betrachtet bzw. rät, sich diesen Vertrag immer wieder in Erinnerung zu rufen.

Auch Deine Meinung über den kalten Krieg, der nie in einen heißen übergegangen wäre, teile ich nicht. Es war zwar ein immer währendes beidseitiges Drohen, doch an den technischen Knöpfen zum Auslösen eines Krieges saßen Menschen mit all ihren Schwächen. Ich erinnere nur an ein das Beispiel, wo die Schwächen von Menschen zur Eskalation führen hätten können - an den 27. Oktober 1961 als sich mitten in Berlin sowjetische und amerikanische Panzer gefechtsbereit mit dem Befehl, ihre Panzer notfalls einzusetzen, gegenüber standen. Wären nur einem der Jungs, egal auf welcher Seite die Nerven durchgegangen, nicht auszudenken, was passiert wäre. Ich lasse bewusst die Politiker an dieser Stelle außen vor.

In einem gebe ich Dir Recht. Der ehemalige DDR – Bürger ist im Vorteil – er hat in zwei Gesellschaftsentwürfen gelebt. Daher hat er auch eine gewisse Sensibilität entwickelt bei der Betrachtung von gesellschaftlichen Entwicklungen.

Auch was die Sprache betrifft. Ist es nicht erstaunlich, dass in einem Land, das eine Teilung überwunden hat, aus dem kalten Krieg mehr oder weniger unbeschädigt hervorgegangen ist, im Wettstreit um gesellschaftliche Lösungen von Problemen, eine sehr militärische Sprache herrscht?

-Wahl“kampf“
-„Politiker ziehen gut gerüstet mit offenem Visier in den Wahlkampf“
-Meinungsgegner werden als „Heckenschützen“ bezeichnet
-„Kollateralschäden“ im Kampf um die Demokratie in anderen Ländern werden bedauert
-„Grabenkämpfe“ sind an der Tagesordnung
-....

An dieser Stelle höre ich lieber auf. Sonst würde die Liste ziemlich lang werden.

LG von der grenzgaengerin


LO-Wahnsinn und Küchenbulle 79 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 14.04.2013 00:01 | nach oben springen

#12

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 14.04.2013 14:04
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Lebensläufer im Beitrag #9
Ich gähne mal leicht ne Runde mit Grenzwolf denn nach potenten Hausbesitzern/Vermietern hatte der Rainer seinen Text nun nicht gerade ausgerichtet. Aber na gut, erst das Thema verfehlt, dann die alte Leier, kann ich wunderbar damit leben, ich komm zurecht, vielen Dank auch in die Runde.

Lebensläufer


Bin wieder munter
Sollte ja nur ein Beispiel sein das auch benachteiligte Ostbewohner Sieger sein können.


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#13

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 14.04.2013 16:15
von Barbara (gelöscht)
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Hallo zusammen,

danke für die ganzen Beiträge.

Ich fühle mich nicht so richtig verstanden, vielleicht habe ich mich ungeschickt ausgedrückt.

Das Hinterfragen des Begriffs „Siegerjustiz“ war von mir weder als Kritik an einer bestimmten politischen Position gemeint, noch als In-Frage-Stellung dessen, was Menschen real zu Recht als Ungerechtigkeit anprangern, sowohl zu „Wendezeiten“ als auch heute.
Ich glaube, meinen kritischen Standpunkt hierzu habe ich in vielen anderen Beiträge ausgedrückt, auch im Bezug auf den Westen und auch sehr selbstkritisch.

Ich finde es auch gut, dass Lebensläufer und LO-Wahnsinn nochmal sehr genau darstellen, wie Menschen die Ereignisse rund um die Wende empfunden haben, was sie unter „Siegerjustiz“ verstehen. Und ich bin die Letzte, die dieses Empfinden in Frage stellen möchte. Ich wünschte ich könnte die Uhr diesbezüglich zurückdrehen – ganz ehrlich, um bessere und gerechtere Lösungen zu finden.

Andere ehem. DDR-Bürger sind zu anderen persönlichen Schlüssen gekommen (siehe Beispiel Grenzwolf), sind diese jetzt eigentlich „Sieger“ im Hinblick auf „Siegerjustiz“? oder andere, die hier im Forum beschreiben, „ich bin gut klar gekommen, wegen meines guten Studiums, Ausbildung“ etc…. Die einfach aus ihrer subjekiven Sicht ein gutes Leben haben, wo ordne ich die ein oder sie sich selbst?
Ganz schön schwierig - für mich allemal.

Mein Punkt ist: ist es zielführend im Hinblick auf soziale Veränderungen – HEUTE – denn Gestern ist vorbei! – einen solchen Begriff zu benutzen? Und zwar für alle möglichen Umstände, die als ungerecht empfunden werden? Reicht diese Sprache aus um komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge, soziale Ungerechtigkeit etc. zu beschreiben und zu kritisieren? Im HInblick darauf, diese zu verändern?

Ich versuche mal ein Beispiel:
Zwei Arbeitnehmer in derselben Situation (Beispiel Lohndumping), der eine mit „Ost“- der andere mit „West-Hintergrund“, wie „helfe“ ich denen argumentativ? Der eine ist „Opfer“ von „Siegerjustiz“ und der andere? Findet sich doch in einem solchen Begriff gar nicht wieder. Um Veränderung herbeizuführen, sollen sich die beiden aber solidarisieren., dafür bedarf es doch einer gemeinsamen Sprache!
Ich war übrigens mal Betriebsrat, weiß also wovon ich spreche.

Meine historische Herleitung des Begriffs kann man sicher kritisieren, Rainman, aber auch dieses Nachdenken muss erlaubt sein. Meiner Ansicht nach kann man den Begriff „Siegerjustiz“ historisch gesehen auf den Versailler Vertrag anwenden, als die junge wacklige Weimer Republik regelrecht geknebelt wurde, was mit ein Beitrag zu den späteren unseligen Entwicklungen war. (Das wird inzwischen selbst von französischen Historikern bestätigt).

Ist das aber auch nur in irgendeiner Weise vergleichbar mit den Ereignissen in der DDR? - Man muss doch auch mal nach einer „Referenzgröße“ für solche Begriffe schauen, die stehen doch sonst im luftleeren Raum.
(Eine Zwischenfrage: Würdet ihr eigentlich die Ergebnisse des II WK als "Siegerjustiz" bezichnen? Immerhin hat die Deutschen ja keiner gefragt, wie die Besatzungszonen aufgeteilt werden…. ich bin da total überfordert...)

Dass ich natürlich bei der „System-Betrachtung“ des Begriffs an eine „Grenze“ komme, ist klar, vor allem, weil ich mich gar nicht einem „System“ zugehörig fühlte sondern einem Land.
Spätestens hier wird es natürlich schwierig für mich, hier bleibt mir nur der rein Intellektuelle Zugang, und der ist angreifbar, weil ich keine „gelebte Erfahrung DDR“ habe.
Darf ich aber trotzdem „hinterfragen“ oder steht mir das nicht zu? Das ist eine ganz ernst gemeinte Frage, die ich mir hier im Forum schon öfter selbst gestellt habe und zwar zu den verschiedensten Themen. Tut sich hier tatsächlich eine "unsichtbare Grenze" auf?

Wie ich mich fühle ist eigentlich gar nicht wichtig. Ich muss da auch nicht „durch etwas durch“. Meine Bemerkung sollte lediglich mal ein Anstoß sein zu überlegen, mit welchen Vokabeln wir uns auch hier im Forum u.U. „sanktionieren“ und was wir damit „transportieren“. Es war bzw. ist einfach ein Versuch zu fragen – können wir damit etwas verändern? Denn das ist doch das Wichtige. Ich hatte hier auch gehofft, das vielleicht andere Begriffe, auch nicht unbedingt politische, besprochen werden können.

Zitat Rainman:
Dass die Grenze zwischen der BRD und der DDR nun die menschenverachtendste Staatsgrenze aller Zeiten war, bezweifle ich aufgrund meiner Geschichtskenntnisse sehr. Dein Argument ist sehr polemisch und wird eher zum Streit als zum Nachdenken beitragen. Reduziert man die Grenze auf das heute gängige Geschichtsbild, dann mag man zu Deinem Spruch nicken. Aber: Es standen sich an exakt dieser Grenze eine Millionen Mann unter Waffen in hoher Gefechtsbereitschaft gegenüber. Ein Knopfdruck und innerhalb von 15 bis 20 Minuten wären die alle marschiert, und zwar voll gefechtsbereit. Diesen Fakt aus der Diskussion wegzulassen, halte ich für gefährlich für das Niveau derselben.


Ja, ich habe sehr emotional geschrieben, und dass nachdem ich hier knapp 10 Wochen mich durch’s Forum lese, durch all die persönlichen Erlebnisberichte. Ein waffenstarrendes, Ressourcenverschlingendes, Menschenverachtendes Monstrum! Mitten in Deutschland! – Unmenschlich. Das ist keine Kritik an der DDR, oder an Militär überhaupt, oder sonst in irgendeiner Art unmittelbar Betroffener! - Das ist eine rein menschliche und "systemübergreifende" Aussage.
Die Tatsache, dass es nie zu einer Katastrophe gekommen ist, ist Menschen auf beiden Seiten zu verdanken. - Das ist meine große Hoffnung, dass es immer Menschen gibt, die klug handeln wenn’s drauf ankommt! - Auch das ist eine rein menschliche und "systemübergreifende" Aussage.

Aber zurück zum Thema:
Sehr richtig liebe Grenzgängerin, auch unsere Alltagssprache ist voll mit „milit. Begriffen“, ist doch ein Grund nachdenklich zu sein oder? Woher kommt das eigentlich? Preussen? Ist das in anderen Sprachen vergleichbar? Und wem „hauen“ wir mit welchem Begriff „auf den Sender“? (!)
Sprache als „Waffe“…..
Ich hoffe, ich konnte ein bisschen deutlicher machen, worum es mir geht.




Danke übrigens LO-Wahnsinn, dass du geschrieben hast, ich soll „Siegerjustiz“ nicht persönlich nehmen, damit hast du mir „die Hand gereicht“. Das ist schön.


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#14

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 14.04.2013 18:31
von Polter (gelöscht)
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Zitat aus # 1 im Thema:

" Alles gut durchgeschüttelt kann der "Sack" dann geschleudert werden, gegen – DEN STAAT? – DIE JUSTIZ? – DEN WESTEN? – DIE POLIZEI? –
Wer ist das denn eigentlich???? "

Also wird ein ganzer Sack entsorgt. Na prima !

" Aber die Sprache um ein Wort ärmer machen heißt das Denken der Nation um einen Begriff ärmer machen " Arthur Schopenhauer

Welches Wort noch in den Sack und weg?

Klassenkampf ?
Imperialismus ?
Prolet ?
Ausbeutung ?
Kriegstreiber ?
Sozialismus ?
Finanzhaie ?
Kriegstreiber ?
Lohntreiber ?
Kapitalist ?
Die Liste kann beliebig ergänzt werden. Dann Personen, Bücher, Kunst ! Das ist purer Klassenkampf und ne richtige Revolution.
Der Staat freut sich über den Sack !!


frank hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#15

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 14.04.2013 18:36
von Moskwitschka (gelöscht)
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Liebe Barbara,

mit den Preussen hast Du garnicht so unrecht. Carl von Clausewitz Einfluß , immerhin preußischer General, ist ungebrochen.

"Er empfahl durch den Aufbau einer möglichst großen Armee einen potentiellen Gegner abzuschrecken. Der hier formulierte Abschreckungsgedanke des Verteidigungskrieges war weder neu noch einzigartig, wurde aber eine vielproklamierte Grundlage für das Wettrüsten vor dem Ersten Weltkrieg und im Kalten Krieg."

Nur heute wird die Stärke einer Armee nicht nach "Soldatenköpfen" bemessen, sondern nach "Atomsprengköpfen".

Man sollte aber auch nicht den Einfluß der Franzosen auf unsere Sprache vernachlässigen, z.B. Front, Munition, demolieren....

https://docs.google.com/viewer?a=v&q=cac...Df6VlJvW9Rfr1wg

Und dann gibt es noch eine interessante Abhandlung "Die Konzeptualisierung von Politik als Krieg - Metaphern in der politischen Berichterstattung", die versucht den Dingen auf den Grund zu gehen.

"Als Grund für das Eindringen militärischer Sprachmuster in die Alltagssprache wird u.a. die bereits erwähnte Wehrpflicht genannt (Küster 1978:18). Diese bietet jedoch bei dem nur noch sehr geringen Anteil der Wehrdienstleistenden an der Gesamtbevölkerung keine ausreichende
Begründung. Ist die verbreitete Kriegsmetaphorik ein Indiz dafür, dass Politik und Krieg unmittelbar zusammenhängen? Ist anhand der militärsprachlichen Ausdrücke eine Strukturierung der Politik nach dem Konzept des Kriegs zu erkennen?"

http://noam.uni-muenster.de/sasi/Kudla_SASI.pdf

Es lohnt sich schon darüber nachzudenken. Doch können wir es ändern? Und können wir uns durchsetzen, wenn wir mit leisen Tönen kommen? Oder anders: werden wir überhaupt verstanden, wenn wir in der Argumentation auf militärische Begriffe verzichten?

LG von der grenzgaengerin


zuletzt bearbeitet 14.04.2013 18:40 | nach oben springen

#16

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 14.04.2013 19:59
von Gelöschtes Mitglied
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Es lohnt sich ohnehin das Werk von Carl von Clausewitz "Vom Kriege" zu lesen - immer noch aktuell !!!

Vierkrug


Eisenacher hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#17

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 14.04.2013 20:14
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Gibt es bei Projekt Gutenberg gratis: http://gutenberg.spiegel.de/buch/4072/2


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#18

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 14.04.2013 20:25
von DoreHolm | 7.694 Beiträge

Hallo Barbara, um nicht den ganzen Text aus Deinem Beitrag # 13 hier wieder vorzuholen, Dein Abschnitt zu den beiden Arbeitnehmern Ost und West:
Das hatte ich persönlich erlebt. Würde es zwar nicht als Siegerjustiz bezeichnen, aber es war ganz sicher kein Einzelfall. Durch Strukturänderungen im Konzern wurde ich von der Erfurter Tochter zu der in Pirmasens überstellt. Das war 1993. Es gab einen neuen Arbeitsvertrag, Gehalt nur sehr geringfügig über dem aus Erfurt. Ich dachte in meiner Naivität, das waäre schon o.k. Am Folgetag unterhielt ich mich mit meiner Kollegin, die stellv. BR-Vorsitzende war. Ich hätte mich vor der Unterschrift erst mal mit ihr unterhalten sollen. 700,-DM monatlich, um diesen Betrag wurde ich geprellt. Erst Ende der 90er wurde ich wegen SE-Asieneinsatz angehoben. Zweimal erlebte ich es, daß ein Neuer aus den alten Bundesländern ohne technische Erfahrungen sofort mit diesem Gehalt eingestellt wurde, der zweite von ihnen sogar mit etwa 1000,-DM mehr (das wurde mir "zugespielt" und auch durch Dritte bestätigt). Dieser wurde nach etwa drei Jahren wegen Unfähigkeit wieder entlassen (das 13.Jahr beim westdeutschen ABI ist Schauspielunterricht ). Einen Teil seines Kundengebietes übernahm ich dann kommisarisch bis zur neuaufteilung des Vertretergebietes. War schon aufschlussreich, was mir die Kunden über meinen Vorgänger erzählten. Ich hatte in den 17 Jahren, die ich für die West-Firma gearbeitet hatte, einige Leute, die in unserer Abteilung eingestellt wurden, aus den Altbundesländern kommen und auch wieder gegangen worden sehen. Das ist auch etwas, woran man die Ungleichbehandlung erkennen kann. Einem Wettbewerber von mir, er auch aus dem Osten, den ich meist auf den Messen und auch schon mal bei einem Kunden traf, erzählte ich das mal. Er sagte, in seiner Firma (auch West) wurde da von Anfang an kein Unterschied gemacht. Also es geht doch! Kommt immer auf die Akteure an und da sind eben die persönlichen Erfahrungen von uns aus dem Osten sehr unterschiedlich und dementsprechend wird auch die Wiedervereinigung gewertet.



zuletzt bearbeitet 14.04.2013 20:29 | nach oben springen

#19

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 15.04.2013 07:44
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Barbara, Grenzwolf und allgemein ins Forum. Ich wollte meinen Text hier Anfangs unter 5 eigentlich nicht so verstanden wissen, das nun Sieger und Verlierer (egal ob Ost zu West oder West zu Ost) gegenüberstehen und meinen:" Nu schau doch mal ich habe es geschafft und der Andere weiß garnicht so Recht, was er darauf entgegenen soll".

Nein weit gefehlt, ich meinte mit meinem Hinweis auf die" Minderbehandlung" des Osten wirklich gestandene ausgereifte Sachen in dieser DDR ( nur ein Beispiel 10.Klassen POS) die doch vom Westen voll ignoriert, abgeschmettert wurden. Auch den alten überlebten Kram siehe das Beamtentum West oder das Scheidungsrecht hätte einer Änderung unterzogen werden müssen und noch drei Dutzend Dinge mehr nur man hat es einfach nicht gemacht.

Man meinte doch in seiner Überheblichkeit West: "Wir, nur wir und wieder Wir, nicht Ihr nein nein, Wir", um das mal etwas zu übertreiben. Und das kam im Osten garnicht gut an, das schaffte und schafft noch heute Unfrieden, einen wirklich ganz miesen Nachgeschmack. Denn es war und ist einfach nicht fair, war egoistisch, war simpel ausgedrückt dumm, es war schlecht, nicht der Einheit unter den Landsleuten förderlich.

Lebensläufer


DoreHolm, Damals87 und frank haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#20

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 15.04.2013 10:36
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Liebe Barbara,

ich versuche mich mal in Dein aufgezeigtes Sieger-Verlierer-Schema einzuordnen und schaffe das irgendwie nicht....
Es gab Jahre in meinem Leben, so nach 1990, da hätte ich mich zu den Verlierern gerechnet - weil ich viele Benachteiligungen erfahren habe.
Inzwischen ist das aber anders geworden, ich würde mich, wenn ich schon nach Begrifflichkeiten suche, als "Gewinner" bezeichnen.
Und wahrscheinlich bin ich schon länger auf der Gewinner-Seite, als ich mir das selbst eingestehe. Weil ich nie wirklich "Verlierer" war.
"Verlierer" unserer Generation sind diejenigen (zB Ostdeutschen), die nach dem Ende der DDR beruflich nie wieder richtig auf die Füsse gekommen sind und einen rasanten sozialen Abstieg erfahren mussten.
Ich schrieb zB hier mal von einem Bekannten, der früher Major der NVA war und heute Kraftfahrer beim Entsorgungsunternehmen ist. Es gibt sicher noch krassere Beispiele von Menschen, die heute dauer-arbeitslos, alkoholabhängig etc. sind und früher ein geachtes Mitglied der Gesellschaft waren.
Diese Menschen würde ich den "Verlierern" zuordnen.
Ansonsten: Antworten von "Gewinnern" hast Du ja hier schon gelesen:
Ich nenne mal stellvertretend für viele:
Grenzwolf, DoreHolm - und mich zähle ich auch dazu: Meine gute berufliche Ausbildung habe ich erfolgreich "vermarkten" können - auch wenn ich noch ein paar harte Lehrjahre dranhängen musste. Heute rechne ich mich klar zu den Gewinnern.
Wir (Gewinner) können sich hier einige Anekdoten zum besten geben, wie wir als "erfolgreiche Ossi's" ab und an die Neider(west) verblüfft haben.
Der Begriff "Sieger" passt für mich in dem Zusammenhang irgendwie nicht - er setzt einen "Besiegten" auf der Gegenseite voraus - und den kann ich nicht ausmachen.

"Für eine genaue und menschenfreundliche Sprache
ist Barbara :-)"


Hartmut auch :-)

in dem Sinne - Herzliche Grüsse


u3644_Jobnomade.html
zuletzt bearbeitet 15.04.2013 10:57 | nach oben springen



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