#161

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 24.04.2013 13:03
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von furry im Beitrag #160
Wie waren doch in den Zeitungsberichten zu den verschiedenen SED-Veranstaltungen die Beschreibungen zu der Begeisterung der Delegierten schön zu lesen:
- Langanhaltender Beifall
- Stürmischer Beifall
-Langanhaltender, stürmischer Beifall. Die Delegierten erhoben sich von ihren Plätzen.
Letzteres war dann auch noch steigerungsfähig.
Diese Kommentare erschienen nicht nur einmal, nein über Jahre hinweg.


Und heute? Wird die Dauer des Beifalls mit der Stoppuhr gemessen und unter das Volk gebracht.

"14.54 Uhr: Beim Applaus scheint Steinbrück Kanzlerin Merkel zu schlagen. Er dauert jetzt gute sieben Minuten an.

15.00 Uhr: Rund elf Minuten applaudieren die Delegierten – 1:0 für Steinbrück gegen Merkel. Der designierte Kanzlerkandidat steht noch einmal auf, bewegt den Arm mit geballter Faust in einer Geste, die man aus dem Sport kennt und die ungefähr aussagt: Come on, lasst uns anfangen."

http://www.focus.de/politik/deutschland/...aid_877862.html

LG von der grenzgaengerin


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#162

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 24.04.2013 13:54
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von furry im Beitrag #160
Wie waren doch in den Zeitungsberichten zu den verschiedenen SED-Veranstaltungen die Beschreibungen zu der Begeisterung der Delegierten schön zu lesen:
- Langanhaltender Beifall
- Stürmischer Beifall
-Langanhaltender, stürmischer Beifall. Die Delegierten erhoben sich von ihren Plätzen.
Letzteres war dann auch noch steigerungsfähig.
Diese Kommentare erschienen nicht nur einmal, nein über Jahre hinweg.

Mal was anderes wäre gewesen "die Delegierten tanzten auf den Tischen"
Aber im Ernst, damit wurden die Leute abgestumpft, alles vertraute auf den herbeigerededen "Sozialistischen Gang" das man mit solchem kindischen Kaspertheater früher oder später Schiffbruch erleiden wird wenn die See richtig rauh wird, werden wohl die BBU's genüsslich beobachtend schon lange registriert haben, wir waren ein putziger Gegner der dann auch noch beim Erzfeind um Kreditierung nachsuchte.
Die Spitze war die Vorführung des Narren 87.


zuletzt bearbeitet 24.04.2013 14:07 | nach oben springen

#163

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 24.04.2013 14:56
von ddr-bürger (gelöscht)
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Das mit dem Kreisverkehr ist schon irgendwie richtig, es kommt auf die gewünschte Ausfahrt an. Mir geht es dabei darum, das Geschwafel ist doch Systemübergreifend. Die Worthülsen sind andere und ich gebe auch zu die Typen heute sind geschickter. So gesehen ein Fortschritt


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#164

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 24.04.2013 16:32
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von ddr-bürger im Beitrag #163
Das mit dem Kreisverkehr ist schon irgendwie richtig, es kommt auf die gewünschte Ausfahrt an. Mir geht es dabei darum, das Geschwafel ist doch Systemübergreifend. Die Worthülsen sind andere und ich gebe auch zu die Typen heute sind geschickter. So gesehen ein Fortschritt




Ich weiß nicht ob es ein Fortschritt ist. In meiner Wahrnehmung ist es eine Zuspitzung in der Kommunikation. Es muss nur ein "Reizwort" fallen, und schon wird losgelegt. Und bei der Vielzahl von Meinungen, geht der Kern von Aussagen verloren. Irgendwann werden alle müde oder es ist ein neues "Reizwort" gefallen und das Spiel geht von vorne los. Einigungen werden selten erziehlt. Man hat seine Meinung gesagt und gut ist.

Im Grunde sind Worte "Waffen", die gezielt eingesetzt werden. Ändern wird man das nicht können. Man muss nur seinen "Gegner" erkennen.

LG von der grenzgaengerin


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#165

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 24.04.2013 17:29
von Moskwitschka (gelöscht)
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Nachdem ich das böse Wort "Waffe" verwendet habe, habe ich mal gezielt nach aktuellen Publikationen, Aufsätzen gesucht und habe aus dem großen Fundus des Internet folgendes gefunden. Jetzt bitte nicht bei den Überschriften erschrecken. Es geht um die Gegenwart.

Propaganda in Deutschland

"Untersucht man die Techniken der Propaganda genauer, fällt auf, dass vor allem die bewusste Falschverwendung von Worten und Begrifflichkeiten eine große Rolle bei der Manipulation der öffentlichen Meinung spielt. Worte und Begriffe, die generell eine positive Konnotation haben, können beispielsweise systematisch falsch verwendet werden, um für das Gemeinwohl schädliche Akte zu beschreiben. Ebenfalls können Worte und Begriffe, die eigentlich dem Gemeinwohl dienliche Akte beschreiben, diskreditiert und systematisch falsch verwendet werden, um so den Akt als solchen im Kollektivbewusstsein zu diffamieren. Parallelen zur „Neusprech“, wie wir es aus der Orwell´schen Metapher kennen, sind unübersehbar."

http://le-bohemien.net/2011/07/25/propaganda-in-deutschland/

Ist das System relevant?

"Handlung kann durch Normen, Gesetze, Verordnungen und Regeln beeinflusst werden. All diese Institutionen begründen ihre Wirkungsmacht jedoch in letzter Instanz auf dem Glauben der Individuen an die Legitimität selbiger. Sprich: Wenn ich nicht an die Sinnhaftigkeit einer Regel glaube, folge ich ihr nicht. Der Regelgeber kann dann versuchen, dieses Nichtfolgen durch Androhung von Strafe zu unterbinden. Meist gelingt dies eine Weile – so lange bis eine kritische Masse an Individuen dies durchschaut und sich von Strafe oder durch Androhung von Gewalt nicht mehr sanktionieren lässt. Die Regel beginnt dann im gesamtgesellschaftlichen Kontext ihre Wirkungsmacht zu verlieren."

http://le-bohemien.net/2011/08/02/neusprech2/

LG von der grenzgaengerin


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zuletzt bearbeitet 24.04.2013 17:34 | nach oben springen

#166

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 24.04.2013 19:41
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Jobnomade im Beitrag #150
Zitat von Hackel39 im Beitrag #148
[quote=Barbara|p246813].





Hallo Hackel,

der Zeitzeuge Fritz Schenk berichtet leider die Wahrheit - und es ist nur die Spitze des Eisberges.
Die Verarmung der Sprache im "Parteideutsch" betraf nicht nur die frühen Jahre der DDR und nicht nur die Spitzenfunktionäre.
Ich habe im Keller noch einen Karton alter Zeitungen, aus den 70er und 80er Jahren, da stehen genug Artikel drin, die das beweisen. Ich werde mal gelegentlich etwas kramen und das einscannen und hier einstellen.
Auch habe ich noch eine Reihe persönliche Erinnerungen daran, ich war oft SED-Funktionären begegnet, die auch im Alltag so redeten, als ob sie die Zeitung ablasen. Und ich sollte auch oft genug irgendwelche Referate vorbereiten und halten, in denen die Probleme im Betrieb in solcher Parteisprache möglichst "positiv" dargestellt werden sollten. Das hat bei mir zunehmend zur "inneren Kündigung" mit diesen "führenden Genossen" geführt, die die Partei verkörperten, die sowieso "immer Recht hatte". Ehrliche, klare Worte, eine konstruktive Kritik - das wollten viele dieser Apparatschniks doch gar nicht hören - da warst Du gleich zum "Klassenfeind" abgestempelt.
Möglicherweise hast Du, dank etwas späterer Geburt als ich, derartige Dinge nicht mehr so intensiv mitbekommen.

Gruss Hartmut



Hallo Hartmut,

ich denke schon, daß ich fast alles mitgekriegt und auch fast alles mitgemacht habe.
Ich bin 1984 mit wehenden Blauhemd Kandidat der SED geworden, als beruflich schon alle Weichen gestellt waren und hab ein Jahr danach die ehrenamtliche Funktion des FDJ- GO (Grundorganisation)- Sekretärs ohne lange Bettelei der Parteileitung übernommen, der Posten war unbesetzt und ich war voller Optimismus, hab später auch die Kreisparteischule besucht und war dann auch schon an der Endstation des Parteiapparats angekommen..
Das lag wohl an meiner offenen und oft auch extrem provokanten Wortwahl in verschiedenen Zusammenhängen ohne mich nachträglich zum Widerständler zu deklarieren, die offene Kritik an einem Jugendfreund (Beitragskassierer), der seinen Posten abgeben wollte, weil auch mal andere dran sind obwohl er selbst fast jedes Jahr attraktive Jugentourist- Auslandsreisen unternahm, genügte beispielsweise, um aus der Betriebsparteileitung rauszufliegen.
Er hatte meiner Meinung nach das Kontingent von zehn anderen beansprucht, also hatte er sich auch gefälligst zehnmal so stark wie passivere Jugendfreunde einzubringen.
So gesehen stimmt das mit dem Klassenfeind und so wurde es auch nichts mit der Bezirksparteischule, trotzdem bockte ich nicht weiter herum, da man mich mangels Nachrücker auch nicht ganz abschießen konnte und es ja auch noch wichtigeres gab.
Meine Kommunikation mit den Leuten von der FDJ- Kreisleitung war eben nicht so, wie Schenk das mit Blick auf die Großen beschrieb, deshalb auch mein Entsetzen darüber und ich frage mich, worüber die sich bei der Jagd und auf der Tribüne wohl unterhalten haben und ob es eben im vertrauten Gespräch nicht doch offener zuging, zumal dieser Schenk ja eigentlich ein Ausgesperrter war, dem man mißtraute, warum auch immer.
Was die offizielle Sprache war, das wissen wir alle, das kann man mit Vertretern vergleichen, die ihre Produkte den Kunden immer mit dem gleichen Text anpreisen, aber wenn sie untereinander kommunizieren, die Kunden das nie und nimmer hören dürften.
Ich habe in der Endzeit der DDR mit dem 2. Sekretär der SED- Kreisleitung mal ein längeres Gespräch auf irgendeiner Festveranstaltung geführt und dort schon rausgehört, daß man sehr auf die Jugend baut und das war keine Phrase, das klang beinahe schon wie ein Hilferuf ("wir schaffen es nur gemeinsam...seid offen und ehrlich zu Euren Leuten..." hört, hört) und ich sprach auch nicht mit einem gesichtslosen Bonzen, der war ein Partner, das empfand ich auch in der Nachbewertung so, als ich ihm später nach der Wende auf dem Rangierbahnhof Halle wieder begegnete.
Er war nun Reichsbahnobersekretär.
Wie er früher mit dem Bezirkssekretär sprach, vermag ich nicht zu sagen, fakt ist, daß meine kritischen Aussagen über Fehlentwicklungen im Lande keine persönlichen Konsequenzen hatten.
Mein Thema war damals die Reisefreiheit ins NSW für Jugendliche (mehr Austausch) , echte Verantwortung für Jugendobjekte, keine pro forma- Veranstaltungen, mehr Material für das FDJ- Studienjahr- wenigstens da bekam ich ein paar Wochen darauf für einen URANIA- Vortrag einen späteren Bürgerrechtler ins FDJ- Studienjahr...so weit war es schon.
Der wiederum sprach im Sommer 1989 eine Sprache die uns schon ziemlich überraschte, das war ein Schnitzler mit umgekehrten Vorzeichen, nahzu unheimlich wie der mit einem unserer Schlosser über den Einmarsch der Russen in Afghanistan debattierte und einer Laborantin ohne jeglichen Widerspruch ihre Kritik an der schleppenden Wohnraumvergabe durchgehen ließ.
Sie wußte z.B., daß alles was an Material nötig war für die Sanierung einer Bahnwohnung vorhanden war und die TA (Technische Anlagen)- Leute Tag für Tag ab mittags um 12 "Auftragsflaute" hatten...die Tumulte in der Versammlung waren unheimlich, da genau diese TA- Leute auch da waren und was sagte doch dieser URANIA- Refernet: "Seht ihr, was Glasnost ist, wißt ihr nun und Perestroika lernen wir noch".
Überhaupt war Gorbatschow bezüglich der neuen sozialistischen Sprachfindung der Bill Gates des Ostblocks, der brachte neue Standarts, die fortan den Meinungsmarkt beherrschten, wenn auch nur für eine kurze Zeit.



zuletzt bearbeitet 24.04.2013 20:30 | nach oben springen

#167

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 25.04.2013 07:55
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

gelöscht wegen dummer Bemerkungen und aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten in #170


u3644_Jobnomade.html
zuletzt bearbeitet 25.04.2013 10:31 | nach oben springen

#168

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 25.04.2013 08:09
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Ich bin immer mal bei meinem Nachbarn Wolfgang, auf son Bierchen und ein Schnäpschen und da quatschen wir über Gott und die Welt und wir wir mal so beide herlich besoffen waren da meinte der so sinngemäß:" Also das heutige System ist die Fortsetzung der Diktatur des Proletariats, nur mit raffinierteren Mittel, verfeinert sozusagen". Irgendwie musste man noch das Wort Proletariat aus dem Satz rausnehmen und keine Ahnung mehr durch was ersetzen ...na jedenfalls so wäre das heute.

Ob da was dran sein könnte?

Lebensläufer

Einen wunderschönen Tag allen ins Proletariat...ne ne, natürlich auch den Anderen


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#169

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 25.04.2013 09:03
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Lebensläufer im Beitrag #168
Ich bin immer mal bei meinem Nachbarn Wolfgang, auf son Bierchen und ein Schnäpschen und da quatschen wir über Gott und die Welt und wir wir mal so beide herlich besoffen waren da meinte der so sinngemäß:" Also das heutige System ist die Fortsetzung der Diktatur des Proletariats, nur mit raffinierteren Mittel, verfeinert sozusagen". Irgendwie musste man noch das Wort Proletariat aus dem Satz rausnehmen und keine Ahnung mehr durch was ersetzen ...na jedenfalls so wäre das heute.

Ob da was dran sein könnte?

Lebensläufer

Einen wunderschönen Tag allen ins Proletariat...ne ne, natürlich auch den Anderen


Ironie an:

Tja Lebensläufer, jetzt müssen das nur noch die Deppen aus den 11 neuen Bundesländern begreifen. Dabei macht es ihnen unser Bundespräsident so leicht. Bei der Amtseinführung der neuen Bildungsministerin, Frau Wanka, sagte er sinngemäß: "Hier stehen 3 Menschen aus der ehemaligen DDR" (Herr Gauck, Frau Merkel, Frau Wanka). Bei dieser Veranstaltung wurde Frau Schavan die Entlassungsurkunde übergeben.Also wenn das kein Zeichen ist.

Ironie aus

LG von der grenzgaengerin


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#170

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 25.04.2013 09:06
von Pit 59 | 10.125 Beiträge

Mein Parteibuch habe ich am 3.Oktober 1989 abgegeben @Jobnomade

Richtig so,hatte ja auch keinen Sinn mehr,da waren die meisten Funktionäre über Ungarn und die CSSR schon weg

War aber um diese Zeit auch kein grosses Heldentum mehr,paar Jahre vorher wäre besser gewesen.


zuletzt bearbeitet 25.04.2013 09:48 | nach oben springen

#171

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 25.04.2013 09:17
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Jobnomade im Beitrag #167
Hallo Hackel,

danke für Deine ausführliche Antwort auf meine etwas unterschwellige Frage. Nun, dann hast Du ja doch noch ein Wenig von den WIdersprüchen zwischen Theorie und Praxis im Sozialismus kennenlernen dürfen.
Ja, der Gorbatschow kam zu spät - und er wurde nicht so richtig ernst genommen, von denen, die die Verantwortung trugen.
Solche Privilegien wie Jugendtourist-Reisen ins NSW hatte ich nie, die durften andere "verdiente Genossen" in Anspruch nehmen. 1989 war ich mal in Rumänien, auf eigene Faust, und hab mir dort angesehen, wie der Sozialismus so funktionieren kann - da bin ich dann wieder ein gehöriges Sück "vom Glauben abgefallen".
Urlaub in der DDR wo konnte man hin? (14) #277
Es waren noch andere Dinge vorausgegangen: Die vollmundige Versprechung eines Betriebsdirektors, mein familiäres Wohnungsproblem zu lösen - an einer neuen Arbeitsstelle, 100 km von der Familie weg. Kaum hatte ich dort angefangen, wurde die Katze aus dem Sack gelassen: Naja, Wohnung für die Familie dauert noch ein paar Jahre, aber die Kampfgruppe hat schon auf mich gewartet, um meine Wochenenden zu gestalten (um meine beiden kleinen Kinder kann sich ja auch meine Frau kümmern).
Nun, wie ging es aus ?
Eine Weile übte ich mich in Geduld und irgendwann - hatte ich keine Familie mehr. Und durfte dafür noch Hohn und Spott anhören. Auch von "Genossen". Und manchmal dachte ich: "Mann, warum hast Du am letzten Tag bei den Grenztruppen die Kalaschnikov abgegeben...."
Ich habe kurz darauf eine andere Arbeitsstelle gefunden, habe aber wieder ab und an solche "führenden Genossen" kennengelernt .
Und ein späteres Angebot, die Bezirksparteischule zu besuchen, habe ich dann mal dankend abgelehnt - ich fühlte mich nicht zum Funktionär berufen, nach solchen persönlichen Erlebnissen.
Mein Parteibuch habe ich am 3.Oktober 1989 abgegeben - für mich war mit dem, was in den Abendstunden auf dem Dresdner Hauptbahnhof stattfand, die Schmerzgrenze überschritten.
Was vermisst man mit dem Untergang der DDR? (15)

So, jetzt muss ich mich mal wieder um die Belage meines "Ausbeuters" kümmern....

Gruss Hartmut


Hallo Hartmut,

dann hast Du wohl tatsächlich Recht, daß die wenigen Sozialismusjahre, die Du "Vorsprung" hast durchaus ein hohes Gewicht haben.
Meine Zufriedenheit von damals wurde möglicherweise von meiner Anspruchslosigkeit genährt, zur Nagelprobe kam es bis 1989 nicht mehr, da ich mir vor einer möglichen Familiengründung damals recht schwierige Hürden aufgebaut hatte, die nichts mit Partei und Betrieb zu tun hatten, somit hätte ich weder bei Genossen noch Betriebsleitung um Hilfe anfragen müssen.
Die Schlüsselerlebnisse kontra SED waren für mich nie so dramatisch, als daß ich bis dahin dran gedacht hätte, hinzuschmeißen, ich hatte ja vieles dazu schon geschrieben, u.a. auch die neue offene Sprache Gorbatschows und auch, daß man plötzlich seitens der Jugendfreunde zur Diskussion gebeten wurde, ohne daß der Sekretär zur Versammlung einladen mußte, das gab für eine kurze Zeit Hoffnung.
Die Sprachlosigkeit im Großen blieb aber bis zuletzt, verschärfte sich sogar.
Dazu noch eine kleine Anektode.
Es gab mal bei einer Kreisleitungssitzung eine Anfrage seitens eines oft recht rebellischen hauptamtlichen (!) FDJ- Sekretärs, der wissen wollte, wie man im Studienjahr der Kirchenbewegung agitatorisch zu begegnen hatte woraufhin der Agit.- Prop.- Sekretär erwiederte, daß er nächste Woche aus Berlin die offizielle Linie erhalten würde und wir beim nächsten Treffen darüber diskutieren könnten.
Das war fast schon so etwas ähnliches wie Deine Rumänienreise....es war gerade so als wenn die Feuerwehr vor dem Löschen erst mal den pH- Wert des Löschwassers ermitteln müßte.
Der Kittel brannte, das wußte nun fast jeder, eine private Meinung hatte er natürlich nicht dazu und der Rebell hielt dann auch die Schnauze, der war schon weiter als ich und viele andere, damals im Spätsommer 1989....
Gruß Hackel.



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#172

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 25.04.2013 09:23
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #169
Zitat von Lebensläufer im Beitrag #168
Ich bin immer mal bei meinem Nachbarn Wolfgang, auf son Bierchen und ein Schnäpschen und da quatschen wir über Gott und die Welt und wir wir mal so beide herlich besoffen waren da meinte der so sinngemäß:" Also das heutige System ist die Fortsetzung der Diktatur des Proletariats, nur mit raffinierteren Mittel, verfeinert sozusagen". Irgendwie musste man noch das Wort Proletariat aus dem Satz rausnehmen und keine Ahnung mehr durch was ersetzen ...na jedenfalls so wäre das heute.

Ob da was dran sein könnte?

Lebensläufer

Einen wunderschönen Tag allen ins Proletariat...ne ne, natürlich auch den Anderen


Ironie an:

Tja Lebensläufer, jetzt müssen das nur noch die Deppen aus den 11 neuen Bundesländern begreifen. Dabei macht es ihnen unser Bundespräsident so leicht. Bei der Amtseinführung der neuen Bildungsministerin, Frau Wanka, sagte er sinngemäß: "Hier stehen 3 Menschen aus der ehemaligen DDR" (Herr Gauck, Frau Merkel, Frau Wanka). Bei dieser Veranstaltung wurde Frau Schavan die Entlassungsurkunde übergeben.Also wenn das kein Zeichen ist.

Ironie aus

LG von der grenzgaengerin



Ja, gut beobachtet, liebe Grenzgängerin, daran sieht man, welchen Wert solche Posten heutzutage noch haben.
Irgendwann wird es so leicht sein Bundeskanzler zu werden, wie im Spätsommer 1989 Agit.-Prop.- Sekretär im Kombinat.
Jetzt begreife ich auch, warum Steinbrück jedes Fettnäpfchen mit nimmt, um das nicht machen zu müssen.



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#173

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 25.04.2013 10:40
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Wie man mit Argumenten mehr Fragen als Antworten produziert zeigt angeblich diese Passage (min 16:00) http://www.youtube.com/watch?v=F3ctqXonxow in der K.-E. v. Schnitzler damals aktuelle Mietererfahrungen publiziert und darauf verweist, daß ihn seine Feinde trotz demstrativen Desinteresses eben doch recht aufmerksam zuhören.
Kann natürlich auch sein, daß ihm diese Anektode nur mal so eingefallen ist....
Aber seine scharfe und spöttische Wortwahl, die oft auch wirklich berechtigt war, hätte mit etwas mehr Selbstkritik wohl nicht zwingend in die Sackgasse geführt.
Ede hätte heute richtig viel Arbeit.



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#174

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 25.04.2013 11:03
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Hackel39 im Beitrag #173

Aber seine scharfe und spöttische Wortwahl, die oft auch wirklich berechtigt war, hätte mit etwas mehr Selbstkritik wohl nicht zwingend in die Sackgasse geführt.
Ede hätte heute richtig viel Arbeit.


Hätte, Hackel39, hätte....

Hat er aber nicht. Sowohl Ede Schnitzler, als auch der Gerdhard Löwenthal sind die exemplarischen Beispiele dafür, wie Sprache spaltet. (Für Frau Merkel war Löwenthal übrigens die beste Sendeung im Westfernsehen, die objektiv aus der DDR berichtet hat.)

Da ist mir die heute - show viel lieber.

LG von der grenzgaengerin


zuletzt bearbeitet 25.04.2013 11:40 | nach oben springen

#175

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 25.04.2013 12:06
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

ja... und wer mal ausprobieren möchte, wie man mit sprachlichen MIttel eine menschliche Kommunikation ad absurdum führen kann, dem empfehle ich diese Anleitung:

http://www.amazon.de/Schwarze-Rhetorik-S...n/dp/3442166225

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
zuletzt bearbeitet 25.04.2013 12:06 | nach oben springen

#176

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 25.04.2013 12:51
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Jobnomade im Beitrag #175
ja... und wer mal ausprobieren möchte, wie man mit sprachlichen MIttel eine menschliche Kommunikation ad absurdum führen kann, dem empfehle ich diese Anleitung:

http://www.amazon.de/Schwarze-Rhetorik-S...n/dp/3442166225

Gruss Hartmut




....das Buch kommt aber in den Rezensionen schlecht weg, wie ist Deine werte Meinung, Hartmut?
Ist es eine Empfehlung zum Lesen oder eher eine Abschreckung zum Kauf ?
Allein schon daß Gemetzel zwischen den Bewertern ist beeindruckend, echte Grabenkämpfe sind das zuweilen.
Gruß Hackel.



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#177

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 25.04.2013 13:40
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Hallo Hackel,

meine "werte Meinung"...klingt ja köstlich
das Buch habe ich in meinem Besitz und auch gelesen.
Bredemeier liefert darin in anschaulichen Beispielen Anleitungen, wie man seine Diskussionspartner "abbürsten" kann, lächerlich macht, etc.
Manchmal begegen einem solche Sachen auch hier im Forum.....
Falls Du die Absicht hast, Top-Manager oder Politiker (na, wie wärs ) zu werden, musst Du solches Handwerk (leider) drauf haben - sonst überlebst Du nicht lange im rauhen Alltag des Jobs.
Es sei denn, Du hast ein Charisma wie Mahatma Ghandi, Nelson Mandela oder der Dalai Lama.
Ich habe mir das Buch mal zugelegt, als ein früherer Chef zu Mobbing griff, um mich loszuwerden. Er hatte die undankbare Aufgabe, Personal abzubauen - und da war jedes Mittel Recht. Einige seiner typischen Sätze fand ich fast 1:1 bei Bredemeier wieder.
Wie ich dann später erfuhr, wurde ihm wenige Monate später von seinem Vorgesetzten nahegelegt, es doch auch wieder mit Selbständigkeit zu versuchen - und raus war er.
Als ich von einem früheren Kollegen davon erfuhr, fiel mir nur spontan ein "Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen".

Grüsse von Hartmut


u3644_Jobnomade.html
Hackel39 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 25.04.2013 13:59 | nach oben springen

#178

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 25.04.2013 14:10
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #174
Zitat von Hackel39 im Beitrag #173

Aber seine scharfe und spöttische Wortwahl, die oft auch wirklich berechtigt war, hätte mit etwas mehr Selbstkritik wohl nicht zwingend in die Sackgasse geführt.
Ede hätte heute richtig viel Arbeit.


Hätte, Hackel39, hätte....

Hat er aber nicht. Sowohl Ede Schnitzler, als auch der Gerdhard Löwenthal sind die exemplarischen Beispiele dafür, wie Sprache spaltet. (Für Frau Merkel war Löwenthal übrigens die beste Sendeung im Westfernsehen, die objektiv aus der DDR berichtet hat.)

Da ist mir die heute - show viel lieber.

LG von der grenzgaengerin



Merkel wäre nicht so weit gekommen, wenn sie keine Beliebigkeitsschwätzerin wäre.



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#179

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 25.04.2013 14:19
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Jobnomade im Beitrag #177
Hallo Hackel,

meine "werte Meinung"...klingt ja köstlich
das Buch habe ich in meinem Besitz und auch gelesen.
Bredemeier liefert darin in anschaulichen Beispielen Anleitungen, wie man seine Diskussionspartner "abbürsten" kann, lächerlich macht, etc.
Manchmal begegen einem solche Sachen auch hier im Forum.....
Falls Du die Absicht hast, Top-Manager oder Politiker (na, wie wärs ) zu werden, musst Du solches Handwerk (leider) drauf haben - sonst überlebst Du nicht lange im rauhen Alltag des Jobs.
Es sei denn, Du hast ein Charisma wie Mahatma Ghandi, Nelson Mandela oder der Dalai Lama.
Ich habe mir das Buch mal zugelegt, als ein früherer Chef zu Mobbing griff, um mich loszuwerden. Er hatte die undankbare Aufgabe, Personal abzubauen - und da war jedes Mittel Recht. Einige seiner typischen Sätze fand ich fast 1:1 bei Bredemeier wieder.
Wie ich dann später erfuhr, wurde ihm wenige Monate später von seinem Vorgesetzten nahegelegt, es doch auch wieder mit Selbständigkeit zu versuchen - und raus war er.
Als ich von einem früheren Kollegen davon erfuhr, fiel mir nur spontan ein "Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen".

Grüsse von Hartmut





... und von wem ist es lieber Hartmut? Vom kultur-historisch so wichtigen Jesus Christus (Matth. Ev).


Ach Ihr Lieben, ich kriege gerade kaum Luft, habe kaum Zeit mich mehr einzubringen bei diesem und auch den anderen tollen und intensiven Themen, die mir trotz aller Arbeit aber dennoch im Hinterkopf rumgeistern, weil sie mir so wichtig sind. Das kommt aber alles, auf jeden Fall! Denn eure Beiträge, die ich leider auch gerade nicht mit der notwendigen Aufmerksamkeit lesen kann, sind sehr sehr klasse!

------



#165 Ich weiß nicht ob es ein Fortschritt ist. In meiner Wahrnehmung ist es eine Zuspitzung in der Kommunikation. Es muss nur ein "Reizwort" fallen, und schon wird losgelegt. Und bei der Vielzahl von Meinungen, geht der Kern von Aussagen verloren. Irgendwann werden alle müde oder es ist ein neues "Reizwort" gefallen und das Spiel geht von vorne los. Einigungen werden selten erziehlt. Man hat seine Meinung gesagt und gut ist.

Im Grunde sind Worte "Waffen", die gezielt eingesetzt werden. Ändern wird man das nicht können. Man muss nur seinen "Gegner" erkennen.

LG von der grenzgaengerin




Genau das Blau-markierte war meine Intention zur Themeneröffnung liebe Grenzgängerin! Aus diesen sprachlichen Sackgassen heraus zu kommen.
Und ich persönlich glaube, dass wir bereits in dem Augenblick dabei sind, wo wir darüber nachdenken und uns "gegenseitig schreiben".
Das ist bereits Veränderung - sich etwas bewusst machen ist der Beginn von Veränderung - und das fängt immer beim Einzelnen an, also bei mir, bei dir, bei uns allen - im Forum und wer weiß wer unsere Gedanken alles liest!

Jetz muss ich leider "schon wieder weg" - aber mit ganz herzlichen Grüßen an euch alle, ich freu mich auf weitere "fruchtbaren" sprachlichen Austausch!
Barbara


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#180

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 25.04.2013 14:20
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Hackel39 im Beitrag #178

Merkel wäre nicht so weit gekommen, wenn sie keine Beliebigkeitsschwätzerin wäre.


Ich denke da anders. Sie ist eine "sehr kluge Frau". Sie lässt sprechen. Und wenn sie etwas persönlich sagt, dann so, dass es meist nicht angreifbar ist.

LG von der grenzgaengerin


zuletzt bearbeitet 25.04.2013 14:28 | nach oben springen



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