#141

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 21.04.2013 09:48
von Polter (gelöscht)
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Sackgassen - Sprache

Juristen können alles begründen - Lieblingsspruch von meinem Freund Graf Bonto.
Aber auch die deutsche Verwaltungssprache ist in diesem Zusammenhang lustig. Gewiefte Juristen machen z.B. einen Ostfluchtling ein Kriegsopfer.


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#142

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 21.04.2013 10:20
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Einer meiner Cousin Gert, aus dem Ruhrpott, über ihn schrieb ich übrigens schon öfters zeigte mir zur Wendezeit stolz seine Eigentumswohnung mit Balkon und ich verglich insgeheim so mit mir Zuhause. Na gut dachte ich so, ne Eigentumswohnung haste nich gerade, nur ne Mietwohnung aber du hast dir schonmal ein größeres Grundstück zugelegt(noch zu DDR-Zeiten, bezahlt mit Alumärker, so ne Art Zukunftsmusik)) denn da wusste ich noch nicht so Recht was ich damit mache?

Aber dein großer Garten mit Massivlaube in einer Neuanlage, den hat er nicht der Cousin dachte ich weiter mit Besitzerstolz, als wir auf seiner schönen Verranda saßen.Na jedenfall kam da so innerlich der Proletenprotz in mir hoch, ich brauchte mich ja nicht zu verstecken denn ich konnte ja innerlich mithalten in der ganzen Protzerei.
Später dann Gert hab ich es so ähnlich gemacht wie mein Cousin, hab mich konzentriert auf Eines, der Garten wurde abgeschafft/versilbert, Mietwohnung auch, Grundstück vergoldet in DM, mal noch ne Mietwohnung...ein Luxusding sage ich dir ne Weile abgewohnt und dann zogen wir aufs Land. Ja und jetzt habe ich mein, also das was ich immer wollte, ne Riesenhütte ähnlich ner alten Villa zum ständig umbauen. Meine Burg sozusagen.

Und Gert, das hat mein Cousin nun wieder nicht, der kann seine Hütte nur ab und an umtapezieren. Nur man wird ja immer älter verdammt, ich mag mir garnicht ausmalen wenn ich nicht mehr auf die Leiter komme. Schöne Vergleiche was, so vom Nichtausgebeutetem zum Ausgebeuteten oder eben umgekehrt?

Ach Gert, das Leben ist viel zu kurz, um hinterm Berg zu halten. Aber trotzdem sollte man bescheiden sein und was man einmal hat gut festhalten. Oder auch nicht denn ehrlich, was wollte ich denn mit dem ganzen Kram anfangs, die viele Arbeit ne, da sitz ich heute lieber vorm Computer bis meine Frau mal wieder ihren Schuss bekommt, die Hütte auf den Kopf zu stellen. Sind wir eigentlich schon OT?

Lebensläufer


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#143

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 21.04.2013 10:48
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Polter im Beitrag #141
Sackgassen - Sprache

Juristen können alles begründen - Lieblingsspruch von meinem Freund Graf Bonto.
Aber auch die deutsche Verwaltungssprache ist in diesem Zusammenhang lustig. Gewiefte Juristen machen z.B. einen Ostfluchtling ein Kriegsopfer.



(kalter-) Kriegsopfer?


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#144

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 21.04.2013 11:07
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Polter im Beitrag #141
Sackgassen - Sprache

Juristen können alles begründen - Lieblingsspruch von meinem Freund Graf Bonto.
Aber auch die deutsche Verwaltungssprache ist in diesem Zusammenhang lustig. Gewiefte Juristen machen z.B. einen Ostfluchtling ein Kriegsopfer.



Mag Dein Freund Graf Bonto auch Goethe?

„Man erkennt niemand an als den, der uns nützt.“

LG von der grenzgaengerin


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#145

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 21.04.2013 11:47
von Polter (gelöscht)
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Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #144
Zitat von Polter im Beitrag #141
Sackgassen - Sprache

Juristen können alles begründen - Lieblingsspruch von meinem Freund Graf Bonto.
Aber auch die deutsche Verwaltungssprache ist in diesem Zusammenhang lustig. Gewiefte Juristen machen z.B. einen Ostfluchtling ein Kriegsopfer.



Mag Dein Freund Graf Bonto auch Goethe?

„Man erkennt niemand an als den, der uns nützt.“

LG von der grenzgaengerin




Den Goethe mag er besonders:

" Es hört doch nur jeder, was er versteht " der andere Goethe ?


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#146

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 21.04.2013 13:22
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Polter im Beitrag #145
Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #144
Zitat von Polter im Beitrag #141
Sackgassen - Sprache

Juristen können alles begründen - Lieblingsspruch von meinem Freund Graf Bonto.
Aber auch die deutsche Verwaltungssprache ist in diesem Zusammenhang lustig. Gewiefte Juristen machen z.B. einen Ostfluchtling ein Kriegsopfer.



Mag Dein Freund Graf Bonto auch Goethe?

„Man erkennt niemand an als den, der uns nützt.“

LG von der grenzgaengerin




Den Goethe mag er besonders:

" Es hört doch nur jeder, was er versteht " der andere Goethe ?


Wenn Graf Bonto Goethe mag, was würde er von Russell Baker halten?

Bei der Einteilung von Menschen nach Kategorien (siehe Rainman) ist mir folgendes Zitat von Baker eingefallen:

„Nutzlose Objekte und nutzlose Subjekte lassen sich in drei Kategorien einteilen: Die einen arbeiten nicht, die anderen brechen zusammen, und der Rest verschwindet einfach.“

LG von der grenzgaengerin


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#147

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 21.04.2013 13:36
von Polter (gelöscht)
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Nicht, daß es Kritik gibt, weil ein Thema zum Chat ausartet. Graf Bonto, auf Nachfrage, kennt den Hernn R. Baker nicht. Er müßte nun googlen.
Am Sonntag!. Graf Bonto sagt aber: Ich bin nicht doof. Ich weiß nur wenig.


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#148

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 22.04.2013 22:53
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #1
Liebe Landsleute,

aus gegebenem Anlass habe ich mir darüber mal Gedanken gemacht, welcher Sprache wir uns hier z.T. bedienen.
Es gibt Begrifflichkeiten, die prinzipiell nur „Reflexe“ auslösen, und die eine Kommunikation regelmäßig gegen die Wand fahren lassen.

Die deutsche Sprache ist schön und hochkomplex und zeichnet sich dadurch aus, dass man sehr präzise auch schwierige Umstände darin ausdrücken kann.

......

Ich bin dem Begriff mal auf den Grund gegangen.
Im Forum wird er häufig dazu benutzt, die alte oder heutige BRD "anzuklagen". Darin liegt die Unterstellung sie sei „Sieger“ - was impliziert, die DDR sei „Verlierer“ gewesen.
Das stimmt ja historisch nicht, denn die BRD und die DDR haben keinen Krieg geführt!

Fakt ist, die DDR-Bevölkerung hat zunächst mal einen - ja was denn eigentlich? – Systemwechsel herbeigeführt, der unterschiedlich bewertet wird. Manche hätten das gerne anders gehabt, andere sind froh, dass es so gekommen ist. Hier könnte man also in gewisser Weise sagen, es gab einen „Meinungs-Sieg“ innerhalb der DDR-Bevölkerung.





Hallo Barbara,

Der Inbegriff der selbst auferlegten Sackgassen- Kommunikation ist wohl bereits in der Frühzeit der DDR von allerhöchster Stelle geprägt worden.
http://www.youtube.com/watch?v=2ijC9jJHPZY
Ich weiß nicht genau, ob es zum Thema paßt, aber was der Zeitzeuge Fritz Schenk (übrigens geboren im größten Dorf der DDR, Helbra in meinem Heimatkreis) hier über Diktator Ulbricht zum Besten gibt bezüglich des Umgangs der SED- Spitzenfunktionäre sowohl untereinander als auch innerhalb der eigenen Familie kann man wohl nicht anders bezeichnen als das, was Du in Deiner Überschrift thematisierst.
Falls dieser Zeitzeuge tatsächlich die Wahrheit sagt, und auf Grund weiterer Dokumente ist es wohl so, kann man diese Form des Umgangs als Nagel zum Sarg der Republik bezeichnen.
Das ist ja gerade so, als würde mich mein Chef fragen, wie meine Lieblingsmannschaft gespielt hat und ich darauf antworten würde: "Ist doch egal, aber wir müssen unsere Loks viel effizienter einsetzen"., nichts persönliches, nichts außerhalb der Politik, das zur Sprache kommt, ein Saatbeet voller Mißtrauen im Umgang miteinander, einfach unvorstellbar heute, wie man außer den im Parteitagsprogramm vorkommenden Begriffen gar keine anderen Wörter mehr nötig hat um sich zu unterhalten, eine Sackgasse für die Kommunikation.
Ich weiß nicht, ob man es so formulieren könnte, daß sich der Wortschatz eines Politbüromitglieds mit zunehmenden Alter synchron zur Muskelmasse oder Kopfhaardichte zurückentwickelt hat, aber dieser Vergleich scheint tatsächlich angemessen zu sein.
Vielleicht geht es heute auch deshalb ein klein wenig demokratischer zu, weil sich die Bundestagsabgeordneten quer durch die Fraktionen trotzdem noch über ihre Lieblingsmannschaften unterhalten können, ohne sich gleich in die Haare zu kriegen.
Wenn das alles wirklich so gelaufen ist, wie Republikflüchtling Schenk das hier formuliert, muß man doch konstatieren, daß die unterdosierte Kommunikation gleichberechtigt mit der Mangelwirtschaft den Untergang der DDR herbeigeführt hat.
Gruß Hackel.



zuletzt bearbeitet 22.04.2013 23:03 | nach oben springen

#149

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 23.04.2013 15:44
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Hackel39 im Beitrag #148
Zitat von Barbara im Beitrag #1
Liebe Landsleute,

aus gegebenem Anlass habe ich mir darüber mal Gedanken gemacht, welcher Sprache wir uns hier z.T. bedienen.
Es gibt Begrifflichkeiten, die prinzipiell nur „Reflexe“ auslösen, und die eine Kommunikation regelmäßig gegen die Wand fahren lassen.

Die deutsche Sprache ist schön und hochkomplex und zeichnet sich dadurch aus, dass man sehr präzise auch schwierige Umstände darin ausdrücken kann.

......

Ich bin dem Begriff mal auf den Grund gegangen.
Im Forum wird er häufig dazu benutzt, die alte oder heutige BRD "anzuklagen". Darin liegt die Unterstellung sie sei „Sieger“ - was impliziert, die DDR sei „Verlierer“ gewesen.
Das stimmt ja historisch nicht, denn die BRD und die DDR haben keinen Krieg geführt!

Fakt ist, die DDR-Bevölkerung hat zunächst mal einen - ja was denn eigentlich? – Systemwechsel herbeigeführt, der unterschiedlich bewertet wird. Manche hätten das gerne anders gehabt, andere sind froh, dass es so gekommen ist. Hier könnte man also in gewisser Weise sagen, es gab einen „Meinungs-Sieg“ innerhalb der DDR-Bevölkerung.





Hallo Barbara,

Der Inbegriff der selbst auferlegten Sackgassen- Kommunikation ist wohl bereits in der Frühzeit der DDR von allerhöchster Stelle geprägt worden.
http://www.youtube.com/watch?v=2ijC9jJHPZY
Ich weiß nicht genau, ob es zum Thema paßt, aber was der Zeitzeuge Fritz Schenk (übrigens geboren im größten Dorf der DDR, Helbra in meinem Heimatkreis) hier über Diktator Ulbricht zum Besten gibt bezüglich des Umgangs der SED- Spitzenfunktionäre sowohl untereinander als auch innerhalb der eigenen Familie kann man wohl nicht anders bezeichnen als das, was Du in Deiner Überschrift thematisierst.
Falls dieser Zeitzeuge tatsächlich die Wahrheit sagt, und auf Grund weiterer Dokumente ist es wohl so, kann man diese Form des Umgangs als Nagel zum Sarg der Republik bezeichnen.
Das ist ja gerade so, als würde mich mein Chef fragen, wie meine Lieblingsmannschaft gespielt hat und ich darauf antworten würde: "Ist doch egal, aber wir müssen unsere Loks viel effizienter einsetzen"., nichts persönliches, nichts außerhalb der Politik, das zur Sprache kommt, ein Saatbeet voller Mißtrauen im Umgang miteinander, einfach unvorstellbar heute, wie man außer den im Parteitagsprogramm vorkommenden Begriffen gar keine anderen Wörter mehr nötig hat um sich zu unterhalten, eine Sackgasse für die Kommunikation.
Ich weiß nicht, ob man es so formulieren könnte, daß sich der Wortschatz eines Politbüromitglieds mit zunehmenden Alter synchron zur Muskelmasse oder Kopfhaardichte zurückentwickelt hat, aber dieser Vergleich scheint tatsächlich angemessen zu sein.
Vielleicht geht es heute auch deshalb ein klein wenig demokratischer zu, weil sich die Bundestagsabgeordneten quer durch die Fraktionen trotzdem noch über ihre Lieblingsmannschaften unterhalten können, ohne sich gleich in die Haare zu kriegen.
Wenn das alles wirklich so gelaufen ist, wie Republikflüchtling Schenk das hier formuliert, muß man doch konstatieren, daß die unterdosierte Kommunikation gleichberechtigt mit der Mangelwirtschaft den Untergang der DDR herbeigeführt hat.
Gruß Hackel.



Lieber Hackel, danke für den Link. Da sind ja noch eine ganze Anzahl anderer interessanter auf der Seite, super. (Hildegard Hamm-Brücher!)
Warum soll dein Beitrag nicht hierhin gehören? Ich finde den klasse und werde auch nochmal inhaltlich näher darauf eingehen, denn ich habe noch eine andere Idee dazu, bin aber gerade etwas im Stress ...:-)...........


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#150

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 24.04.2013 09:24
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #148
Zitat von Barbara im Beitrag #1
Liebe Landsleute,

aus gegebenem Anlass habe ich mir darüber mal Gedanken gemacht, welcher Sprache wir uns hier z.T. bedienen.
Es gibt Begrifflichkeiten, die prinzipiell nur „Reflexe“ auslösen, und die eine Kommunikation regelmäßig gegen die Wand fahren lassen.

Die deutsche Sprache ist schön und hochkomplex und zeichnet sich dadurch aus, dass man sehr präzise auch schwierige Umstände darin ausdrücken kann.

......

Ich bin dem Begriff mal auf den Grund gegangen.
Im Forum wird er häufig dazu benutzt, die alte oder heutige BRD "anzuklagen". Darin liegt die Unterstellung sie sei „Sieger“ - was impliziert, die DDR sei „Verlierer“ gewesen.
Das stimmt ja historisch nicht, denn die BRD und die DDR haben keinen Krieg geführt!

Fakt ist, die DDR-Bevölkerung hat zunächst mal einen - ja was denn eigentlich? – Systemwechsel herbeigeführt, der unterschiedlich bewertet wird. Manche hätten das gerne anders gehabt, andere sind froh, dass es so gekommen ist. Hier könnte man also in gewisser Weise sagen, es gab einen „Meinungs-Sieg“ innerhalb der DDR-Bevölkerung.





Hallo Barbara,

Der Inbegriff der selbst auferlegten Sackgassen- Kommunikation ist wohl bereits in der Frühzeit der DDR von allerhöchster Stelle geprägt worden.
http://www.youtube.com/watch?v=2ijC9jJHPZY
Ich weiß nicht genau, ob es zum Thema paßt, aber was der Zeitzeuge Fritz Schenk (übrigens geboren im größten Dorf der DDR, Helbra in meinem Heimatkreis) hier über Diktator Ulbricht zum Besten gibt bezüglich des Umgangs der SED- Spitzenfunktionäre sowohl untereinander als auch innerhalb der eigenen Familie kann man wohl nicht anders bezeichnen als das, was Du in Deiner Überschrift thematisierst.
Falls dieser Zeitzeuge tatsächlich die Wahrheit sagt, und auf Grund weiterer Dokumente ist es wohl so, kann man diese Form des Umgangs als Nagel zum Sarg der Republik bezeichnen.
Das ist ja gerade so, als würde mich mein Chef fragen, wie meine Lieblingsmannschaft gespielt hat und ich darauf antworten würde: "Ist doch egal, aber wir müssen unsere Loks viel effizienter einsetzen"., nichts persönliches, nichts außerhalb der Politik, das zur Sprache kommt, ein Saatbeet voller Mißtrauen im Umgang miteinander, einfach unvorstellbar heute, wie man außer den im Parteitagsprogramm vorkommenden Begriffen gar keine anderen Wörter mehr nötig hat um sich zu unterhalten, eine Sackgasse für die Kommunikation.
Ich weiß nicht, ob man es so formulieren könnte, daß sich der Wortschatz eines Politbüromitglieds mit zunehmenden Alter synchron zur Muskelmasse oder Kopfhaardichte zurückentwickelt hat, aber dieser Vergleich scheint tatsächlich angemessen zu sein.
Vielleicht geht es heute auch deshalb ein klein wenig demokratischer zu, weil sich die Bundestagsabgeordneten quer durch die Fraktionen trotzdem noch über ihre Lieblingsmannschaften unterhalten können, ohne sich gleich in die Haare zu kriegen.
Wenn das alles wirklich so gelaufen ist, wie Republikflüchtling Schenk das hier formuliert, muß man doch konstatieren, daß die unterdosierte Kommunikation gleichberechtigt mit der Mangelwirtschaft den Untergang der DDR herbeigeführt hat.
Gruß Hackel.



Hallo Hackel,

der Zeitzeuge Fritz Schenk berichtet leider die Wahrheit - und es ist nur die Spitze des Eisberges.
Die Verarmung der Sprache im "Parteideutsch" betraf nicht nur die frühen Jahre der DDR und nicht nur die Spitzenfunktionäre.
Ich habe im Keller noch einen Karton alter Zeitungen, aus den 70er und 80er Jahren, da stehen genug Artikel drin, die das beweisen. Ich werde mal gelegentlich etwas kramen und das einscannen und hier einstellen.
Auch habe ich noch eine Reihe persönliche Erinnerungen daran, ich war oft SED-Funktionären begegnet, die auch im Alltag so redeten, als ob sie die Zeitung ablasen. Und ich sollte auch oft genug irgendwelche Referate vorbereiten und halten, in denen die Probleme im Betrieb in solcher Parteisprache möglichst "positiv" dargestellt werden sollten. Das hat bei mir zunehmend zur "inneren Kündigung" mit diesen "führenden Genossen" geführt, die die Partei verkörperten, die sowieso "immer Recht hatte". Ehrliche, klare Worte, eine konstruktive Kritik - das wollten viele dieser Apparatschniks doch gar nicht hören - da warst Du gleich zum "Klassenfeind" abgestempelt.
Möglicherweise hast Du, dank etwas späterer Geburt als ich, derartige Dinge nicht mehr so intensiv mitbekommen.

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
hardi24a hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 24.04.2013 09:49 | nach oben springen

#151

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 24.04.2013 10:20
von ddr-bürger (gelöscht)
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Zitat von Jobnomade im Beitrag #150






der Zeitzeuge Fritz Schenk berichtet leider die Wahrheit - und es ist nur die Spitze des Eisberges.
Die Verarmung der Sprache im "Parteideutsch" betraf nicht nur die frühen Jahre der DDR und nicht nur die Spitzenfunktionäre.
Ich habe im Keller noch einen Karton alter Zeitungen, aus den 70er und 80er Jahren, da stehen genug Artikel drin, die das beweisen. Ich werde mal gelegentlich etwas kramen und das einscannen und hier einstellen.
Auch habe ich noch eine Reihe persönliche Erinnerungen daran, ich war oft SED-Funktionären begegnet, die auch im Alltag so redeten, als ob sie die Zeitung ablasen.
Und ich sollte auch oft genug irgendwelche Referate vorbereiten und halten, in denen die Probleme im Betrieb in solcher Parteisprache möglichst "positiv" dargestellt werden sollten. Das hat bei mir zunehmend zur "inneren Kündigung" mit diesen "führenden Genossen" geführt, die die Partei verkörperten, die sowieso "immer Recht hatte". Ehrliche, klare Worte, eine konstruktive Kritik - das wollten viele dieser Apparatschniks doch gar nicht hören - da warst Du gleich zum "Klassenfeind" abgestempelt.
Möglicherweise hast Du, dank etwas späterer Geburt als ich, derartige Dinge nicht mehr so intensiv mitbekommen.

Gruss Hartmut

[/quote]

Das sehe ich ähnlich, das war leider so. Irgendwann hat man dann resigniert.... Für mich waren solche Erlebnisse während der pol. Weiterbildung im Rahmen der "Bezirksparteischule" Auslöser zur Distanzierung. Es wurde Marx verbogen und die wirtschaftlichen matreiellen Grundlagen "friesiert". Als ich dies ansprach wurde ich "belehrt" - "du als Genosse müßtest das doch wissen, das der Klassenstandpunkt das wichtigste ist...." und als ich schon damals meine Kritik an der Abschöpfung der Kaufkraft und Verteuerung der "Luxusprodukte" ansprach (war eindutig nicht auf den marxschen Grundlagen, Frage absolute und konkrete Arbeit im Rahmen der Wertschöpfung und Schaffung Gebrauchswert), dann kam die Keule der "zweiten Lohntüte". Gerade diese Verleugnung von hat den Untergang beschleunigt. Damals war ich gegen diese übertriebene Subventionen und gegen die Augenwischerei.
Ich finde heute noch den "Versuch DDR" richtig, ich will mich hier nicht als der "Kritiker" aufspielen, ich stehe zu meinen Ansichten auch heute noch.
Damals hatte es für mich nur die Folgen, ich habe mich aus "diesem Leben" zurückgezogen und eine berufliche Änderung vorgenommen. Dies ist bei mir "hochgekommen" als ich Deine Zeilen gelesen habe.


Jobnomade hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 24.04.2013 10:23 | nach oben springen

#152

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 24.04.2013 10:26
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Man könnte ja mal so eine Art Hitliste der nichtssagenden und gebetsmühlenartig heruntergeleierten Partei-Worthülsen aufstellen, mir fällt da "allumfassende", "unverbrüchlich", "fest verankerte" und weiteres Blabla ein.


zuletzt bearbeitet 24.04.2013 10:26 | nach oben springen

#153

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 24.04.2013 10:31
von ddr-bürger (gelöscht)
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@grenzwolf

warum so einseitig, da gibt es doch heute auch genug......

- mehr brutto vom netto (nach unserer Mutti)
- soziale Marktwirtschaft
- Steuergerechtigkeit


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#154

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 24.04.2013 10:39
von Moskwitschka (gelöscht)
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Und schon befinden wir uns im Kreisverkehr, oder

Siehe Beitrag # 70 von Polter.

LG von der grenzgaengein


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#155

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 24.04.2013 10:39
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von ddr-bürger im Beitrag #153
@grenzwolf

warum so einseitig, da gibt es doch heute auch genug......

- mehr brutto vom netto (nach unserer Mutti)
- soziale Marktwirtschaft
- Steuergerechtigkeit


Nun ja, stimmt, auch heute benutzen Politiker Worthülsen, aber E.H. konnte 2 Stunden referieren und hatte am Ende eigentlich nichts gesagt.
Das ist schon eine besondere Kunst.


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#156

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 24.04.2013 10:43
von Pit 59 | 10.123 Beiträge

Nun ja, stimmt, auch heute benutzen Politiker Worthülsen, aber E.H. konnte 2 Stunden referieren und hatte am Ende eigentlich nichts gesagt.
Das ist schon eine besondere Kunst.@Grenzwolf 62

Aber 27 mal DEUTSCHE DEMOKRATISCHE REPUBLIK,und das konnte der nicht mal richtig aussprechen


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#157

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 24.04.2013 11:10
von Fritze (gelöscht)
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Es hat sich wohl ergeben,daß die Sackgasse ein Kreisverkehr ohne Ausfahrt geworden ist. Da hilft jetzt wohl nur ein Sprung ,bei manchem über den eigenen Schatten !


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#158

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 24.04.2013 11:30
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Fritze im Beitrag #157
Da hilft jetzt wohl nur ein Sprung ,bei manchem über den eigenen Schatten !


...was physikalisch nicht möglich ist. Es sei denn, man überschreitet die Lichtgeschwindigkeit, was nach Albert E. nicht so ganz einfach sein soll. Oder man heißt Lucky Luke, der ja schneller als sein eigener Schatten geschossen hat.

Vielleicht fällt es aber genau deshalb Manchem so schwer, es zumindest mit dem Ziel zu versuchen, die eigenen Grenzen zu sprengen und den Horizont zu erweitern


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#159

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 24.04.2013 12:30
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Zitat von ddr-bürger im Beitrag #151
Zitat von Jobnomade im Beitrag #150






der Zeitzeuge Fritz Schenk berichtet leider die Wahrheit - und es ist nur die Spitze des Eisberges.
Die Verarmung der Sprache im "Parteideutsch" betraf nicht nur die frühen Jahre der DDR und nicht nur die Spitzenfunktionäre.
Ich habe im Keller noch einen Karton alter Zeitungen, aus den 70er und 80er Jahren, da stehen genug Artikel drin, die das beweisen. Ich werde mal gelegentlich etwas kramen und das einscannen und hier einstellen.
Auch habe ich noch eine Reihe persönliche Erinnerungen daran, ich war oft SED-Funktionären begegnet, die auch im Alltag so redeten, als ob sie die Zeitung ablasen.
Und ich sollte auch oft genug irgendwelche Referate vorbereiten und halten, in denen die Probleme im Betrieb in solcher Parteisprache möglichst "positiv" dargestellt werden sollten. Das hat bei mir zunehmend zur "inneren Kündigung" mit diesen "führenden Genossen" geführt, die die Partei verkörperten, die sowieso "immer Recht hatte". Ehrliche, klare Worte, eine konstruktive Kritik - das wollten viele dieser Apparatschniks doch gar nicht hören - da warst Du gleich zum "Klassenfeind" abgestempelt.
Möglicherweise hast Du, dank etwas späterer Geburt als ich, derartige Dinge nicht mehr so intensiv mitbekommen.

Gruss Hartmut




Das sehe ich ähnlich, das war leider so. Irgendwann hat man dann resigniert.... Für mich waren solche Erlebnisse während der pol. Weiterbildung im Rahmen der "Bezirksparteischule" Auslöser zur Distanzierung. Es wurde Marx verbogen und die wirtschaftlichen matreiellen Grundlagen "friesiert". Als ich dies ansprach wurde ich "belehrt" - "du als Genosse müßtest das doch wissen, das der Klassenstandpunkt das wichtigste ist...." und als ich schon damals meine Kritik an der Abschöpfung der Kaufkraft und Verteuerung der "Luxusprodukte" ansprach (war eindutig nicht auf den marxschen Grundlagen, Frage absolute und konkrete Arbeit im Rahmen der Wertschöpfung und Schaffung Gebrauchswert), dann kam die Keule der "zweiten Lohntüte". Gerade diese Verleugnung von hat den Untergang beschleunigt. Damals war ich gegen diese übertriebene Subventionen und gegen die Augenwischerei.
Ich finde heute noch den "Versuch DDR" richtig, ich will mich hier nicht als der "Kritiker" aufspielen, ich stehe zu meinen Ansichten auch heute noch.
Damals hatte es für mich nur die Folgen, ich habe mich aus "diesem Leben" zurückgezogen und eine berufliche Änderung vorgenommen. Dies ist bei mir "hochgekommen" als ich Deine Zeilen gelesen habe.


[/quote]
Hallo ddr-buerger,

aus Deinen Zeilen spricht eine Menge Resignation und Enttäuschung.
Wie alt wast Du denn zum Ende der DDR im Jahr 89 und was hast Du beruflich gemacht ?
Ich sollte auch mal eine solche Bezierksparteischule besuchen und fand genügend Gründe, mich davor zu drücken. Ich liebte meinen Beruf als Elektronik-Entwicker (und das macht mir heute noch Spass) und ich wusste genau, dass ich für eine Funktionärs-Kariere nicht tauge.
Um meinem Instinkt, der mich damals (und auch heute noch) geleitet hat, bin ich dankbar dafür.

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
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#160

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 24.04.2013 12:39
von furry | 3.562 Beiträge

Wie waren doch in den Zeitungsberichten zu den verschiedenen SED-Veranstaltungen die Beschreibungen zu der Begeisterung der Delegierten schön zu lesen:
- Langanhaltender Beifall
- Stürmischer Beifall
-Langanhaltender, stürmischer Beifall. Die Delegierten erhoben sich von ihren Plätzen.
Letzteres war dann auch noch steigerungsfähig.
Diese Kommentare erschienen nicht nur einmal, nein über Jahre hinweg.


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