#121

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 19.04.2013 13:28
von zoll (gelöscht)
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Zu dem was Barbara geschrieben hat kann ich nur hinzufügen - sie hat Recht.
Mich stört z. B. die Beschreibungen über das unmittelbare ehem. Grenzgebiet mit den Bezeichnungen "freundwärts und feindwärts".
Liebe Leute, wir, die im Westen und die im Osten, wir waren doch nicht Feinde. Wir wurden doch durch die Politiker so tituliert. Nun sollten wir mit diesen Begriffen endlich aufhören.
Gruß von zoll


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#122

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 19.04.2013 13:48
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Zitat von zoll im Beitrag #121
Zu dem was Barbara geschrieben hat kann ich nur hinzufügen - sie hat Recht.
Mich stört z. B. die Beschreibungen über das unmittelbare ehem. Grenzgebiet mit den Bezeichnungen "freundwärts und feindwärts".Liebe Leute, wir, die im Westen und die im Osten, wir waren doch nicht Feinde. Wir wurden doch durch die Politiker so tituliert. Nun sollten wir mit diesen Begriffen endlich aufhören.
Gruß von zoll


Ich seh das auch so wie Barbara und Du. Die rot markierten Begriffe benutze ich hier zwar - es schreiben und lesen viele ehemalige Grenzer, die diese Begriffe kennen, aber ich passe auf dass ich sie in Anführungszeichen setze.
Für mich persönlich war die alte BRD nie "Feind" - nur einfach ein fremdes Land, mangels Verwandschaft dort. Inzwischen haben mich Reiselust und Beruf so viel durch die Lande getrieben, dass ich weder "Ossi" noch "Wessi" bin.
Oder beides ? - Ach, das ist heute auch so was von egal............ Ich habe fast überall Menschen getroffen, mit denen ich auf einer Wellenlänge war und andere, wo wir aneinander vorbeigeredet haben.
Wer mal bisschen lesen will, wie mit sprachlichen Begriffen Vorurteile erzeugt werden, dem empfehle ich das Buch "LTI" von Victor Klemperer.
http://de.wikipedia.org/wiki/LTI_%E2%80%...ines_Philologen

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
zuletzt bearbeitet 19.04.2013 13:49 | nach oben springen

#123

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 19.04.2013 15:27
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Zitat von zoll im Beitrag #121
Zu dem was Barbara geschrieben hat kann ich nur hinzufügen - sie hat Recht.
Mich stört z. B. die Beschreibungen über das unmittelbare ehem. Grenzgebiet mit den Bezeichnungen "freundwärts und feindwärts".
Liebe Leute, wir, die im Westen und die im Osten, wir waren doch nicht Feinde. Wir wurden doch durch die Politiker so tituliert. Nun sollten wir mit diesen Begriffen endlich aufhören.
Gruß von zoll

Hallo zoll,

Ja, das klingt immer wieder gut, wenn jemand so etwas schreibt. Aber damit habe ich nun wieder ein Problem. Offiziell hieß es bei uns damals auch nicht "feindwärts", sondern "auf dem den Sperranlagen vorgelagerten Hoheitsgebiet der DDR". Im täglichen Sprachgebrauch war das viel zu sperrig, also hieß es "feindwärts". Warum sollen wir jetzt im Nachhinein die damalige Sprache frisieren? Weil ein paar Sensibelchen damit Probleme haben? Deshalb sollen wir es nicht mehr so schildern, wie es war? Nee, also nicht mit mir.

Außerdem nochmal zum Feindbegriff bzw. Feindbild: ich habe damals keinen Gedanken daran verschwendet, ob mir Deutsche, Amerikaner oder wer weiß wer gegenüberstand. Mein Feind war das Kapital. Wer sich in dessen Dienst stellte, wurde auch zu meinem Feind. Das galt für mich auch im Bezug auf die Grenzverletzer. Sie stellten sich für mich gegen das System, dem ich diente und machten sich zu Helfershelfern des Kapitals, also der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Das war meine Haltung und der Kern der politisch-ideologischen Arbeit dieser Zeit. Heute diene ich zwar selbst dem Kapital, aber ich werde deswegen mein Geschichtsbild nicht weichspülen. Und nochmal ganz deutlich: Nicht die Menschen waren unsere Feinde, sondern ein nach unserer Auffassung menschenverachtendes, aggressives System - und seine, wie wir so schön sagten, "Helfershelfer".

Ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#124

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 19.04.2013 16:26
von Moskwitschka (gelöscht)
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Ich finde es spielt keine unwesentliche Rolle, wann Begriffe verwendet werden oder wurden. Und ich bin auch immer wieder hin und her gerissen.

Wenn es Begriffe aus der Vergangenheit sind, wie z.B. "feindwärts" stimme ich rainman zum Teil zu. Bei aller Kritik an der deutsch/deutschen Grenze, so waren die Jungs Soldaten und haben nicht mit Buddelformen im Sandkasten gespielt. Und eine Armee, ob nun NVA oder jede andere der Welt kommt nicht ohne militärische Begriffe aus. Ich finde eher "auf dem den Sperranlagen vorgelagerten Hoheitsgebiet der DDR" zum Nachdenken. In der militärischen Alltagssprache der Grenzer scheint sich dieser Begriff genauso wenig durchgesetzt zu haben wie "die geflügelte Jahresendfigur" für den Weihnachtsengel bei dem DDR - Bürger .

Ich denke kaum einer von uns hat die Teilung Deutschlands ohne "sprachliche Verletzungen" erlebt. Was mich verwundert und aufregt ist, dass immer wieder Begriffe rausgeholt werden, die bewusst Menschen herabwürdigen soll. Und da bin ich eben auch Ossi, denn ich habe eher den Eindruck, dass es weit aus häufiger die Menschen aus den neuen Bundesländern trifft.

Und eins ist doch wohl auch klar, meist werden sie nicht im alltäglichen Miteinanderverwendet, sondern werden durch Medien transportiert.

Besonders bedenklich finde ich, wenn z.B. im Bundestag der Schlagabtausch mit dem politischen Gegner, insbesondere mit den LINKEN, auf diesem Niveau öffentlich geführt wird, zumal man sich hinterher beim Bier nicht selten gut versteht.

Außerdem lebe ich im jetzt und heute und mache mir mehr Gedanken um die sprachlichen Auswüchse der Gegenwart. Und da sind die Begriffe subtiler und zynischer geworden.

LG von der grenzgaengerin


zuletzt bearbeitet 19.04.2013 17:16 | nach oben springen

#125

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 19.04.2013 16:37
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #123
Zitat von zoll im Beitrag #121
Zu dem was Barbara geschrieben hat kann ich nur hinzufügen - sie hat Recht.
Mich stört z. B. die Beschreibungen über das unmittelbare ehem. Grenzgebiet mit den Bezeichnungen "freundwärts und feindwärts".
Liebe Leute, wir, die im Westen und die im Osten, wir waren doch nicht Feinde. Wir wurden doch durch die Politiker so tituliert. Nun sollten wir mit diesen Begriffen endlich aufhören.
Gruß von zoll

Hallo zoll,

Ja, das klingt immer wieder gut, wenn jemand so etwas schreibt. Aber damit habe ich nun wieder ein Problem. Offiziell hieß es bei uns damals auch nicht "feindwärts", sondern "auf dem den Sperranlagen vorgelagerten Hoheitsgebiet der DDR". Im täglichen Sprachgebrauch war das viel zu sperrig, also hieß es "feindwärts". Warum sollen wir jetzt im Nachhinein die damalige Sprache frisieren? Weil ein paar Sensibelchen damit Probleme haben? Deshalb sollen wir es nicht mehr so schildern, wie es war? Nee, also nicht mit mir.

Außerdem nochmal zum Feindbegriff bzw. Feindbild: ich habe damals keinen Gedanken daran verschwendet, ob mir Deutsche, Amerikaner oder wer weiß wer gegenüberstand. Mein Feind war das Kapital. Wer sich in dessen Dienst stellte, wurde auch zu meinem Feind. Das galt für mich auch im Bezug auf die Grenzverletzer. Sie stellten sich für mich gegen das System, dem ich diente und machten sich zu Helfershelfern des Kapitals, also der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Das war meine Haltung und der Kern der politisch-ideologischen Arbeit dieser Zeit. Heute diene ich zwar selbst dem Kapital, aber ich werde deswegen mein Geschichtsbild nicht weichspülen. Und nochmal ganz deutlich: Nicht die Menschen waren unsere Feinde, sondern ein nach unserer Auffassung menschenverachtendes, aggressives System - und seine, wie wir so schön sagten, "Helfershelfer".

Ciao Rainman


rot mark.
...bedeutet das im Umkehrschluss, dass der Mensch im sozialistischen Staat nicht ausgebeutet wurde , Rainman ?


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#126

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 19.04.2013 17:14
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #125
Zitat von Rainman2 im Beitrag #123
... Sie stellten sich für mich gegen das System, dem ich diente und machten sich zu Helfershelfern des Kapitals, also der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. ...


rot mark.
...bedeutet das im Umkehrschluss, dass der Mensch im sozialistischen Staat nicht ausgebeutet wurde , Rainman ?



Hallo Gert,

die in meinem Post verwendeten Vergangenheitsformen sind kein Versehen. Aber da Du nach meiner heutigen Ansicht zu fragen scheinst, ein klein wenig OT um zu Antworten.

Im Kapitalismus ist die Realisierung des Maximalprofits Wesensmerkmal. Dazu ist es unumgänglich, sich den produzierten Mehrwert privatkapitalistisch anzueignen. Das ist nur eine Kurzform, da es nicht um diese Frage geht. In der Gegenüberstellung war es nicht das Ziel des Sozialismus, Menschen auszubeuten. Soweit die Theorie. In Praxis hätte dazu neben dem Postulat des Volkseigentums an Produktionsmitteln auch noch eine demokratische und sozial gerechte Entscheidung über die Verwendung des produzierten Mehrwertes existieren müssen. Nun wurde aber hin und wieder schon festgestellt, dass der real existierende Sozialismus eine Diktatur war. Ich würde es zwar eher als die Oligarchie einer Parteiennomenllatura bezeichnen, aber irgendwie läuft das in diesem Fall auf ein und dasselbe Ergebnis hinaus. Somit verfügten die Produzierenden nicht über den Mehrwert. Es war zwar keine privatkapitalistische Aneignung, aber ich halte es für legitim, dies als eine Form der Ausbeutung zu bezeichnen. Oder in anderen Worten: Im Prinzip war der "real existierende Sozialismus" ein Kapitalismus ohne Kapitalisten.

Hätte ich das damals erkannt, wäre ich vielleicht doch lieber Musiker geworden.

Ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#127

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 19.04.2013 17:21
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Rainman2 im Beitrag #126


Hätte ich das damals erkannt, wäre ich vielleicht doch lieber Musiker geworden.

Ciao Rainman


OT

Rainman, stell Dir mal vor: Du in der Waldbühne

und ganz bestimmt zu humanen Preisen, oder?

LG von der grenzgaengerin


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#128

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 19.04.2013 17:58
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #126
Zitat von Gert im Beitrag #125
Zitat von Rainman2 im Beitrag #123
... Sie stellten sich für mich gegen das System, dem ich diente und machten sich zu Helfershelfern des Kapitals, also der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. ...


rot mark.
...bedeutet das im Umkehrschluss, dass der Mensch im sozialistischen Staat nicht ausgebeutet wurde , Rainman ?



Hallo Gert,

die in meinem Post verwendeten Vergangenheitsformen sind kein Versehen. Aber da Du nach meiner heutigen Ansicht zu fragen scheinst, ein klein wenig OT um zu Antworten.

Im Kapitalismus ist die Realisierung des Maximalprofits Wesensmerkmal. Dazu ist es unumgänglich, sich den produzierten Mehrwert privatkapitalistisch anzueignen. Das ist nur eine Kurzform, da es nicht um diese Frage geht. In der Gegenüberstellung war es nicht das Ziel des Sozialismus, Menschen auszubeuten. Soweit die Theorie. In Praxis hätte dazu neben dem Postulat des Volkseigentums an Produktionsmitteln auch noch eine demokratische und sozial gerechte Entscheidung über die Verwendung des produzierten Mehrwertes existieren müssen. Nun wurde aber hin und wieder schon festgestellt, dass der real existierende Sozialismus eine Diktatur war. Ich würde es zwar eher als die Oligarchie einer Parteiennomenllatura bezeichnen, aber irgendwie läuft das in diesem Fall auf ein und dasselbe Ergebnis hinaus. Somit verfügten die Produzierenden nicht über den Mehrwert. Es war zwar keine privatkapitalistische Aneignung, aber ich halte es für legitim, dies als eine Form der Ausbeutung zu bezeichnen. Oder in anderen Worten: Im Prinzip war der "real existierende Sozialismus" ein Kapitalismus ohne Kapitalisten.

Hätte ich das damals erkannt, wäre ich vielleicht doch lieber Musiker geworden.

Ciao Rainman


Hall Rainman
Komplimentdas hast du mMn sehr gut dargestellt. Entscheidend ist erst mal was ist Ausbeutung, dieser Begriff wird zwar inflationär verwendet aber(fast) keiner definiert den Begriff. Der zweite Aspekt ist, wie wird der erzielte Produktions-Mehrwert verteilt. Im sog. Kapitalismus ist es ein ständiges Tauziehen zwischen AG und AN ( stellvertretend durch die Gewerkschaften )
Im Sozialismus bestimmte die Staatspartei, was damit geschieht. Das waren in erster Linie die Sicherheitsorgane, die wesentlich mehr Geld verschlangen, als in kap.Staaten. An zweiter Stelle die politisch motivierten Sozialwohltaten wie Lebensmittelsubventionen, Mietsubventionen, Kindergärten und Horte, FGDB Urlaube. Aber das ist OT ich höre schon auf, sonst kommt wieder der Schrei Aaaadminns.


.
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#129

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 19.04.2013 18:03
von icke46 | 2.593 Beiträge

Irgendwie habe ich manchmal den Eindruck, als wenn an dem satirisch gemeinten Spruch etwas dran sein könnte:

Was war der Unterschied zwischen Kapitalismus und Sozialismus?

Im Kapitalismus wird der Mensch durch den Menschen ausgebeutet,
im Sozialismus war es umgekehrt.



Gruss

icke



Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#130

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 19.04.2013 18:14
von Ecki | 408 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #127
Zitat von Rainman2 im Beitrag #126


Hätte ich das damals erkannt, wäre ich vielleicht doch lieber Musiker geworden.

Ciao Rainman


OT

Rainman, stell Dir mal vor: Du in der Waldbühne

und ganz bestimmt zu humanen Preisen, oder?

LG von der grenzgaengerin

Meine liebe Grenzgängerin,

also was mich betrifft, wenn die Stones in der Waldbühne gespielt hätten und ich wäre dabei, mit meinen jetzigen Erfahrungen, ich hätte alles kurz und klein gekloppt.

Liebe Grüße

Ecki

P.S.: Diese meine Anmerkung darf ich mir in meinem hohen Alter unter den nun herrschenden marktwirtschaftlich-demokratischen Gegebenheiten erlauben.


Gott sei Dank!


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#131

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 19.04.2013 19:52
von Wanderer zwischen 2 Welten | 2.340 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #82
Zitat von DoreHolm im Beitrag #79

Gut, dann wäre aber die Konsequenz gewesen, wie wohl auch bei vergleichbaren Vorgängen anderswo in der Welt, mit einem bestimmten Stichtag wie z.B. 3.Oktober 1990, einen Strich zu ziehen und zu sagen: So, das war´s, was bisher war ist Vergangenheit und wird nicht juristisch vorgekramt, auch wenn das etliche Leute als verdammt ungerecht empfunden hätten.



Ein zweischneidiges Schwert:

Auf der einen Seite bin ich der Meinung, dass das, was aufgrund bestehender Gesetze und Verordnungen eines Landes geschehen ist, nach dessen Ende nicht durch ein anderes Land mit einem anderen Rechtsempfinden per Dekret zu Unrecht und verurteilt werden darf.

Auf der anderen Seite - und ich bitte, hier nicht missverstanden zu werden: Vieles, wenn auch nicht alles, was in der NS-Teit geschah, geschah auch aufgrund ebensolcher Gesetze und Verordnungen. Per Saldo fand ich die Nürnberger Prozesse gut und richtig - auch wenn hier der Begriff "Siegerjustiz" angebracht war. Auch wenn dennoch ein schaler Geschmack übrig bleibt.




Nur haetten die Nuernberger Prozesse damals von Deutschen durchgefuehrt werden muessen. Leider haben uns die "Sieger" auch hier bevormundet, und darum kann und muss man zu Recht von Siegerjustiz sprechen.


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#132

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 20.04.2013 09:44
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Barbara im Beitrag #1


In diesem Zusammenhang: auch der „Kalte Krieg“ war kein Krieg sondern bezeichnet eine bestimmte historische Epoche der ideologischen Auseinandersetzung zwischen USA und UDSSR. Ich bin heute der Überzeugung, dass er nie „heiß“ werden sollte (welchen Sinn hätte das denn auch sogar für die schärfsten „Falken“ gehabt, mal ganz ehrlich…) , dass er aber immer am Kochen gehalten wurde, damit die jeweiligen Regierungen ihre politischen Ziele umsetzten konnte. Damit wurden „wir“ auch immer schön am köcheln gehalten, wir waren sozusagen „der Brei".


Für eine genaue und menschenfreundliche Sprache
ist Barbara :-)




Liebe Barbara,

der "kalte Krieg" ist scheinbar nicht vorbei und tobt derzeit in der Hamburger Kultur/Literaturwelt, wenn man der "Welt" von heute glauben darf. Zumindest wird er am Köcheln gehalten mit Begriffen wie "friedliche Koexistenz".

"Mit der friedlichen Koexistenz ist es spätestens seit dieser Woche vorbei, in der einige Mails von Festivalmacherin Heine ruchbar wurden."

http://www.welt.de/print/die_welt/kultur...n-Oekosaft.html

"Der Begriff Friedliche Koexistenz besagte, dass die Entscheidung zwischen Kapitalismus und Sozialismus im friedlichen Wettbewerb beider Systeme, also unter Ausschluss eines kriegerischen Konflikts, fallen solle."

http://de.wikipedia.org/wiki/Friedliche_Koexistenz

Nur sind im aktuellen Fall nicht die Systeme die sich gegnüber stehen, sondern Energiekonzerne und Atomkraftgegner.

Und da sind wir wieder bei den Begrifflichkeiten: Ist Politik Krieg?

LG von der grenzgaengerin

PS Ich sollte vielleicht nicht soviel lesen


zuletzt bearbeitet 20.04.2013 09:55 | nach oben springen

#133

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 20.04.2013 10:36
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Rainman2 im Beitrag #123
Und nochmal ganz deutlich: Nicht die Menschen waren unsere Feinde, sondern ein nach unserer Auffassung menschenverachtendes, aggressives System - und seine, wie wir so schön sagten, "Helfershelfer".

Ciao Rainman


Ist das nicht etwas zu einfach gedacht? Wenn es wirklich "heiß" geworden wäre, dann hätte Dir nicht ein System mit durchgeladenem G3 gegenüber gestanden, sondern Menschen. Oder, um in Deinem Sprachgebrauch zu bleiben, "Helfershelfer"

Ich befürchte, dass im Ernstfall solche sprachlichen Differenzierungen SEHR schnell auf der Strecke geblieben wären.


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#134

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 20.04.2013 10:43
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #124

Besonders bedenklich finde ich, wenn z.B. im Bundestag der Schlagabtausch mit dem politischen Gegner, insbesondere mit den LINKEN, auf diesem Niveau öffentlich geführt wird, zumal man sich hinterher beim Bier nicht selten gut versteht.




Ach du liebe Güte!

Das unterstellt, dass Politiker sich wirklich engagiert, mit Leidenschaft und Überzeugung für eine Sache einsetzen. Und sich nicht dem Willen der Fraktionsführung beugen.

Der Glaube daran ist mir schon vor Jahrzehnten abhanden gekommen und heute erlebe ich fast nur noch ein Schmierentheater schlecht ausgebildeter Schauspieler, die sich mit künstlicher Empörung darin üben, der jeweils anderen Gruppe Versäumnisse vorzuwerfen.

Das ist alles nur noch öde, langweilig, vorherseh- und berechenbar. Und erinnert mich deutlich mehr an eine daily soap als an eine echte Auseinandersetzung, die die beste Lösung zum Ziel hat. Denn die könnte ja von der "anderen Seite" kommen und ist somit per se indiskutabel


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#135

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 20.04.2013 10:49
von Gelöschtes Mitglied
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Nachtrag:

Ich schaue mir ab und zu Parlamentsdebatten bei Phoenix oder im Parlamentsfernsehen an. Eine Zeitlang habe ich mir den "Spaß" gemacht, nicht hinzusehen, sondern nur zuzuhören. Spätestens nach dem zweiten Satz wußte ich, ob der oder die Redner/in aus der Regierungskoalition oder von der Opposition kam und spätestens nach dem 5. Satz konnte ich auch die Partei deuten.

Meine "Erfolgsquote" lag bei mehr als 90 %. Danach habe ich dieses "Spiel" aufgegeben: zu langweilig


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#136

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 20.04.2013 12:54
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Siehe uns Gert mit ..".bedeutet das im Umkehrschluss, dass der Mensch im sozialistischen Staat nicht ausgebeutet wurde , Rainman ?" Das musst du mir dem ehemaligen Werktätigen Rainer näher erläutern Gert Oldjungossi, deine entschuldige "saudumme"Frage. Und nimms locker aber erzähl mal, ich texte schonmal sinngemäß in Gedanken ne Antwort drauf.

Lebensläufer ha haha ne sowas..".im sozialistischen Staat ausgebeutet wurde"...ich bekomme die Tastatur nicht mehr stillgehalten nu leg los Gert...


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#137

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 20.04.2013 22:23
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Nu Gert, fällt dir nichts ein zur "Ausbeutung des Menschen durch den Menschen in der DDR". Dacht ich mirs doch. Ich erweitere das mal wenn es dir Recht ist auf den Sozialismus allgemein...war eben nix mit Ausbeutung, was für eine Glück, was für eine doch glückliche Gesellschaftsordnung.

Lebensläufer


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#138

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 21.04.2013 01:27
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #133
Zitat von Rainman2 im Beitrag #123
Und nochmal ganz deutlich: Nicht die Menschen waren unsere Feinde, sondern ein nach unserer Auffassung menschenverachtendes, aggressives System - und seine, wie wir so schön sagten, "Helfershelfer".

Ciao Rainman


Ist das nicht etwas zu einfach gedacht? Wenn es wirklich "heiß" geworden wäre, dann hätte Dir nicht ein System mit durchgeladenem G3 gegenüber gestanden, sondern Menschen. Oder, um in Deinem Sprachgebrauch zu bleiben, "Helfershelfer"

Ich befürchte, dass im Ernstfall solche sprachlichen Differenzierungen SEHR schnell auf der Strecke geblieben wären.


Hallo Dandelion,

aber darauf beruht doch das Prinzip nahezu jeden Militärs zu jeder Zeit. Du stellst Kategorien zusammen, denen Du dann die Menschen zuordnest:
- Hans F. aus Duisburg = Soldat der Bundeswehr = potentieller Angreifer der DDR = Helfershelfer des Klassenfeindes
- Kurt G. aus Kleinzschocher = Grenzverletzer = Feind der DDR = Helfershelfer des Klassenfeindes
usw. usf.

Wenn hinter den Kategorien der Mensch verschwindet, lässt sich leichter auf ihn schießen. Es ist ja immer wieder die Überraschung bei Soldaten beim direkten Kontakt mit Feinden: Das sind ja Menschen wie wir! Und genau das soll im Einsatz nicht das Denken beherrschen. Der Soldat hat zu funktionieren und sich nicht mit moralischen Fragen zu beschäftigen.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
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#139

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 21.04.2013 01:53
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Rainman2 im Beitrag #138


Wenn hinter den Kategorien der Mensch verschwindet, lässt sich leichter auf ihn schießen. Es ist ja immer wieder die Überraschung bei Soldaten beim direkten Kontakt mit Feinden: Das sind ja Menschen wie wir! Und genau das soll im Einsatz nicht das Denken beherrschen. Der Soldat hat zu funktionieren und sich nicht mit moralischen Fragen zu beschäftigen.

ciao Rainman


Daran ist viel Wahres. Leider.

Ich erinnere mich an einen Bericht, nach dem im Stellungskampf während des 1. Weltkriegs an der Westfront Soldaten beider Kontrahenten friedlich und gemeinsam das Weihnachtsfest gefeiert haben. Zum völligen Entsetzen ihrer jeweiligen Offiziere.

Es gab sicher viele Kriege, in denen die Soldaten wirklich für eine "gute Sache" kämpften - gegen Unterdrückung, für Freiheit, gegen oder für was auch immer. Freiwillig, ohne Zwang, weil sie von dem Ziel überzeugt waren. Aber: Wer oder was hat dieses Ziel provoziert? Sicher nicht der Bauer auf dem Feld, sicher nicht der Angestellte in seinem Büro.

Wenn es einen Satz gibt, den ich hasse, dann ist das der von Clausewitz, nach dem der Krieg "die bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln" sei. So viel Verachtung vor dem menschlichen Leben ist mir sonst kaum begegnet.


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#140

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 21.04.2013 07:33
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Lebensläufer im Beitrag #137
Nu Gert, fällt dir nichts ein zur "Ausbeutung des Menschen durch den Menschen in der DDR". Dacht ich mirs doch. Ich erweitere das mal wenn es dir Recht ist auf den Sozialismus allgemein...war eben nix mit Ausbeutung, was für eine Glück, was für eine doch glückliche Gesellschaftsordnung.

Lebensläufer



mein lieber Rainer, das haut nicht hin mit den Stöckchen, die du da hinhältst. Meine Lebenserfahrung ist : Ich habe mich lieber von Kapitalisten ausbeuten lassen. Das war weitaus lukrativer für mich und meine Familie. Ich habe doch den Gegenentwurf 2 mal im Jahr gesehen, wenn ich nach Thüringen zu meinen Eltern fuhr. Es hat mich in keiner Weise angezogen, das Leben in der DDR. Jedesmal wenn ich in Wartha die DDR verlassen habe, habe ich erstens tief durchgeatmet und zweitens mir gedanklich auf die Schulter geklopft und mir gesagt : " alles richtig gemacht, Gert".


.
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John F.Kennedy 1963 in Berlin
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