#101

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 17.04.2013 00:28
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Hackel39 im Beitrag #93
Zitat von Barbara im Beitrag #87
Zitat von Hackel39 im Beitrag #49
Der Begriff "Siegerjustiz" ist mir noch im Zusammenhang mit dem politischen Prozeß gegen Erich Honecker an die Adresse der Berliner Justizsenatorin Limbach recht gut in Erinnerung und hier war er auch angebracht.
Stellvertretend für das wutschnaubende Volk der DDR mußte die Siegerökonomie BRD als Dienstleister für die mehr oder weniger lächerlichen Rachegelüste einer gewissen Klientel von DDR- Bürgern gegen den SED- Generalsekretär herhalten und das tun, was die Straße verlangte, so sehe ich das.
Hätte man auf diese Siegerjustiz verzichtet, wäre der Volkszorn möglicherweise sogar dem zaudernden und zögerlichen Westapparat entgegengeschlagen und vor einem Volk, daß eben noch hunderttausende mobilisiert hatte um einen übermächtigen Gegener aus dem Weg zu räumen, sollte man sich in der Tat vorsehen.




Hackel, es gibt aber doch auch viele ehem. DDR-Bürger die sagen, dass die "Oberen" der DDR viel zu wenig zur Rechenschaft gezogen worden sind. Das die "Kleinen" es immer sind, die letztlich die Zeche zahlen. Es gibt sehr unterschiedliche "Gruppen" die den Begriff Siegerjustiz für jeweils ihre Inhalte benutzen, das ist ganz schön verwirrend finde ich....




Liebe Barbara, ich hoffe daß es Dich nicht allzu sehr schockt, wenn ich Honecker nicht als Großen bezeichnen würde, zumindest nicht im ökonomischen Sinne.
Die 108.000 Mark, die er zuletzt auf dem Konto hatte, die waren im Raubtiersozialismus viel weniger spektakulär, als westdeutsche Bürger das damals für möglich gehalten hätten, jeder Autoschieber und Schwarzhändler von BHG- Waren (Baumarkt) hatte mehr und selbst Hackel, der Überstundenschrubber war in diesen Vermögenssegment schon fast angekommen.
Honecker war kein Verbrecher im Sinne des Strafgesetzbuches, er hat an seine Ideen geglaubt und niemand aus seinem unmittelbaren Umfeld hat ihn gestoppt und um mal ein wenig in die Welt hinauszublicken...was hat denn Duvalier aus diesem kleinen bettelarmen Haiti herausgepreßt oder andere Diktatoren, die von Anfang an Bereicherung als persönliches Ziel im Visier hatten.
Vor diesem Hintergrund muß man Honeckers Wirken auch mal betrachten und natürlich ist er hauptschuldig am Systemversagen, aber daß er Lebensjahre entwertet hat, kann und will ich nicht bilanzieren.
Die Einlassung eines Foristen, daß Honecker ja auch das Schicksal Ceausescus hätte ereilen können ist abwegig, da der SED- Generalsekretär zu keiner Zeit Visionen des totalen Krieges gegen sein Volk geäußert hatte, dazu war er schon viel zu schwach, Gott sei Dank möchte man da sagen, erst recht nicht kann man konstatieren, daß ein Leben in der DDR mit Knechtschaft gleichzusetzen wäre, zu tüchtig waren die meisten Werktätigen und zu robust die Selbstheilungskräfte gegen die Tücken der Mangelwirtschaft.
Ich wüßte nicht mal, ob man Schalk- Golodkowski überhaupt bestrafen sollte, er wäre vielleicht einer der ersten Milliardäre in einer nicht vereinigten DDR geworden und auch der Mord, den Mielke 1932 verübt haben soll kam in den bürgerkriegsähnlichen Zuständen der aufkommenden Nazidiktatur zustande.
Insgesamt habe ich meinen Frieden geschlossen mit den Verantwortlichen im SED- Staat, ich kann ja nur für mich sprechen, andere Geschichten von Opfern lassen zu viele wesentliche Fragen offen, auch hier im Forum, um sie abschließend zu bewerten.
Man traut sich viele davon auch gar nicht zu stellen, da es ja kein Vier- Augen- Gespräch ist und man nie weiß, ob die Frage selbst schon als Attacke verstanden wird, so ist das nun mal.



Lieber Hackel, du bist einfach so großzügig. Wie schade dass du nicht Staatsratsvorsitzender geworden bist, wer weiß was dann gewesen wäre...., das meine ich ganz ehrlich.
Aber doch doch doch Herr Honecker war verantwortlich und die anderen Spitzenleute auch, man muss sich das ganz klar machen: wer die Macht will, muss die Verantwortung übernehmen. Jeder muss das in seinem persönlichen Leben auch tun.
Und es geht gar nicht um Geld - jedenfalls nicht nur. Ist Geld nicht sowieso nur eine Metapher für was ganz anderes? Darüber müsste man auch mal nachdenken.
Ich finde übrigens deine Idee mit der Bahnlinie total schön wenn du 3 Mios hättest, wer weiß was das Schicksal noch auf Lager hat :-)

Ich bin heute von den "Kapitalisten" dermaßen über den Tisch gezogen worden und musste noch nett und freundlch dabei sein (zum Glück nur am Telefon), bin noch ganz geschockt und hätte am liebstsen geschmissen. Kann ich aber nicht. Da hätte ich mal so ein richtig satte kämpferische Ansage brauchen können so wie du sie drauf hast, hach das hätte gut getan...


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#102

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 17.04.2013 00:38
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Hackel39 im Beitrag #95
Zitat von Barbara im Beitrag #90
Zitat von Hackel39 im Beitrag #62
Zitat von Jobnomade im Beitrag #52
"lächerliche Rachegelüste",

nun, Hackel39, so empfinde ich das auch nicht.
Die SED-Führung, die auch dieses grausame Grenzregime mit zahlreichen Todesopfern politisch zu verantworten hatte, ist mit ein paar Jahren Haft, oftmals aus gesundheitlichen Gründen zur Bewährung ausgesetzt, glimpflich davongekommen. Und dafür können sie der BRD-Justiz dankbar sein.
Der "Volkszorn" hätte auch zu einer "rumänischen Lösung" führen können.
Ich habe nie "Rachegelüste" empfunden - ich habe lange, viel zu lange auf Besserung und Reformen gehofft und dieser Führung die Treue gehalten.
Ich empfand jedoch Genugtuung und Erleichterung, als diese Führung die Macht abgeben musste.

Gruss Hartmut


Tut mir leid Hartrmut, so wie Du hatte ich bis vor 10-15 Jahren auch noch gedacht, möglicherweise war die Empörung über das Unrecht an der Grenze damals noch berechtigt.
Inzwischen weiß ich, was tatsächlich verloren gegangen ist, somit kann man tragische Einzelschicksale nicht Honecker persönlich anlasten.
Im Prinzip kann man es mit hunderten anderen Beispielen belegen, daß oft nur ein Verantwortlicher gefunden werden mußte, der zwar die Rahmenbedingungen geschaffen hat, in denen kriminelle Handlungen aber für die Ausführenden nicht zwingend vorgesehen waren, zumindest nicht unter Androhung hoher Strafen.
Das gilt für die Mauerschützen genauso wie für den Taxifahrer, der wegen eines dringenden Termins meinte, sein Anliegen wäre höherwertiger als die Warnblinkanlage am Bahnübergang, um dann sein Fahrzeug vom Güterzug zerstören zu lassen.
Ähnlich verhält es sich mit dem Strafverfahren gegen den Duisburger Oberbürgermeister, der für die Toten der loveparade verantwortlich gemacht werden sollte, irgendwer mußte Schuld sein.
Daß es möglicherweise das eigene Fehlverhalten war, darauf würde man im Traum nicht kommen. Niemand wird dazu gezwungen in einer Stadt zu feiern in die man am Ende nur noch mit körperlicher Kraftanstrengung einreisen konnte, niemand.

Mit dem Wissen von heute hat sich alles gewaltig verschoben in meiner nachträglichen Bewertung der damaligen Protestbewegung, das will ich nicht weiter ausführen und ich sage besser nicht, was ich mit dem Wissen von heute damals getan hätte.


Lieber Hackel, hier muss ich widersprechen.Ich war kein Fan der Loveparade und so große Massenansammlungen machen mir eher Angst, aber so wie du sagst, dann dürfte man überhaupt keine Großveranstaltungen mehr machen. > Sport? Olympia? FUßBALL????
Wenn man politische Verantwortung trägt, hat man mehr Verantwortung als ein Einzelner, finde ich und dann hat man für die Konsequenzen seiner Entscheidungen auch gerade zu stehen.



Dann mache ich den kleinen Ausflug mal mit und frage Dich, was denn gewesen wäre wenn der OB die Party untersagte hätte, um kein Risiko einzugehen.
Provinziell wäre er gewesen, eine Spaßbremse der seine Stadt nicht würdig präsentiert und den profitierenden Geschäftsleuten die Bilanzen versaut.
Noch eine kleine Episode aus einem total überfüllten ICE im Mannheimer Hauptbahnhof.
Das Zugpersonal verweigerte die Abfahrt, wenn nicht wenigstens alle Fahrgäste aus den Gängen aussteigen würden, da andernfalls die Bremswirkung und Sicherheit des Zuges in Frage gestellt ist und was soll ich sagen, es ging solange, bis der nächste Stundentakt der nunmehr auf einem anderen Bahnsteig abfahren mußte als Alternative angeboten wurde, erst dann waren die "überzähligen" Leute bereit, den Zug zu wechseln.
Ich selbst wollte nur nach Offenburg und war 30 min länger im Regionalexpreß unterwegs, wie es mit den ICE's ausging erfuhr ich bei Drehscheibe online.
Vernunftbegabung sieht anders aus und in Duisburg war eben auch nur Spassssss angesagt...um jeden Preis.



Verstehe genau was du meinst Hacke. Sauerländer (OB DU) hätte in Kauf nehmen müssen als "Spaßbremse" bezeichnet zu werden. Das ist meine Meinung. Es gab viel Warnungen bzgl. der Loveparade-Geländes, zum Teil aus dem eigenen Haus. Du weißt, Dortmund hatte genau aus Sicherheitsgründen die Loveparade davor bereits mal abgesagt. Er ist nicht alleine verantwortlich aber er ist verantwortlich aus meiner Sicht.


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#103

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 17.04.2013 06:51
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #101
Zitat von Hackel39 im Beitrag #93
Zitat von Barbara im Beitrag #87
Zitat von Hackel39 im Beitrag #49
Der Begriff "Siegerjustiz" ist mir noch im Zusammenhang mit dem politischen Prozeß gegen Erich Honecker an die Adresse der Berliner Justizsenatorin Limbach recht gut in Erinnerung und hier war er auch angebracht.
Stellvertretend für das wutschnaubende Volk der DDR mußte die Siegerökonomie BRD als Dienstleister für die mehr oder weniger lächerlichen Rachegelüste einer gewissen Klientel von DDR- Bürgern gegen den SED- Generalsekretär herhalten und das tun, was die Straße verlangte, so sehe ich das.
Hätte man auf diese Siegerjustiz verzichtet, wäre der Volkszorn möglicherweise sogar dem zaudernden und zögerlichen Westapparat entgegengeschlagen und vor einem Volk, daß eben noch hunderttausende mobilisiert hatte um einen übermächtigen Gegener aus dem Weg zu räumen, sollte man sich in der Tat vorsehen.




Hackel, es gibt aber doch auch viele ehem. DDR-Bürger die sagen, dass die "Oberen" der DDR viel zu wenig zur Rechenschaft gezogen worden sind. Das die "Kleinen" es immer sind, die letztlich die Zeche zahlen. Es gibt sehr unterschiedliche "Gruppen" die den Begriff Siegerjustiz für jeweils ihre Inhalte benutzen, das ist ganz schön verwirrend finde ich....




Liebe Barbara, ich hoffe daß es Dich nicht allzu sehr schockt, wenn ich Honecker nicht als Großen bezeichnen würde, zumindest nicht im ökonomischen Sinne.
Die 108.000 Mark, die er zuletzt auf dem Konto hatte, die waren im Raubtiersozialismus viel weniger spektakulär, als westdeutsche Bürger das damals für möglich gehalten hätten, jeder Autoschieber und Schwarzhändler von BHG- Waren (Baumarkt) hatte mehr und selbst Hackel, der Überstundenschrubber war in diesen Vermögenssegment schon fast angekommen.
Honecker war kein Verbrecher im Sinne des Strafgesetzbuches, er hat an seine Ideen geglaubt und niemand aus seinem unmittelbaren Umfeld hat ihn gestoppt und um mal ein wenig in die Welt hinauszublicken...was hat denn Duvalier aus diesem kleinen bettelarmen Haiti herausgepreßt oder andere Diktatoren, die von Anfang an Bereicherung als persönliches Ziel im Visier hatten.
Vor diesem Hintergrund muß man Honeckers Wirken auch mal betrachten und natürlich ist er hauptschuldig am Systemversagen, aber daß er Lebensjahre entwertet hat, kann und will ich nicht bilanzieren.
Die Einlassung eines Foristen, daß Honecker ja auch das Schicksal Ceausescus hätte ereilen können ist abwegig, da der SED- Generalsekretär zu keiner Zeit Visionen des totalen Krieges gegen sein Volk geäußert hatte, dazu war er schon viel zu schwach, Gott sei Dank möchte man da sagen, erst recht nicht kann man konstatieren, daß ein Leben in der DDR mit Knechtschaft gleichzusetzen wäre, zu tüchtig waren die meisten Werktätigen und zu robust die Selbstheilungskräfte gegen die Tücken der Mangelwirtschaft.
Ich wüßte nicht mal, ob man Schalk- Golodkowski überhaupt bestrafen sollte, er wäre vielleicht einer der ersten Milliardäre in einer nicht vereinigten DDR geworden und auch der Mord, den Mielke 1932 verübt haben soll kam in den bürgerkriegsähnlichen Zuständen der aufkommenden Nazidiktatur zustande.
Insgesamt habe ich meinen Frieden geschlossen mit den Verantwortlichen im SED- Staat, ich kann ja nur für mich sprechen, andere Geschichten von Opfern lassen zu viele wesentliche Fragen offen, auch hier im Forum, um sie abschließend zu bewerten.
Man traut sich viele davon auch gar nicht zu stellen, da es ja kein Vier- Augen- Gespräch ist und man nie weiß, ob die Frage selbst schon als Attacke verstanden wird, so ist das nun mal.



Lieber Hackel, du bist einfach so großzügig. Wie schade dass du nicht Staatsratsvorsitzender geworden bist, wer weiß was dann gewesen wäre...., das meine ich ganz ehrlich.
Aber doch doch doch Herr Honecker war verantwortlich und die anderen Spitzenleute auch, man muss sich das ganz klar machen: wer die Macht will, muss die Verantwortung übernehmen. Jeder muss das in seinem persönlichen Leben auch tun.
Und es geht gar nicht um Geld - jedenfalls nicht nur. Ist Geld nicht sowieso nur eine Metapher für was ganz anderes? Darüber müsste man auch mal nachdenken.
Ich finde übrigens deine Idee mit der Bahnlinie total schön wenn du 3 Mios hättest, wer weiß was das Schicksal noch auf Lager hat :-)

Ich bin heute von den "Kapitalisten" dermaßen über den Tisch gezogen worden und musste noch nett und freundlch dabei sein (zum Glück nur am Telefon), bin noch ganz geschockt und hätte am liebstsen geschmissen. Kann ich aber nicht. Da hätte ich mal so ein richtig satte kämpferische Ansage brauchen können so wie du sie drauf hast, hach das hätte gut getan...






Guten Morgen Barbara und Danke für Deine optimistische Einschätzung des postum- Generalsekretärs Hackel, aber der war von Anfang an ausgesperrt von wirklichen Gestaltungsmöglichkeiten mangels Zugehörigkeit zu Funktionärsfamilien, aber egal.
Das mit der Hauptverantwortung am Systemversagen durch Honecker habe ich ja schon zugestanden, ihn als Vergeltung für dieses Scheitern wie einen reudigen Köter vom Hof zu jagen, war schon die Maximalstrafe, Gefängnis war auch in der Nachbewertung nicht angemessen.
Was müßte man denn dann mit den hundertfach höher bezahlten Gierbankern in den Glaspalästen machen, die für ihr Unvermögen, die Krise von ihren Geldhäusern fernzuhalten auch bloß Gehaltskürzungen hinzunehmen hatten und nicht in den Knast gesteckt worden sind ?
Die hatten im Gegensatz zu Honecker übermenschliche Einkommen aber eben keine übermenschlichen Fähigkeiten, während der Staatslenker in der Relation vergleichbarer Tätigkeiten im Arbeiter- und Bauernstaat monetär betrachtet nur ein Normalverdiener war.
Beide Kategorien sowohl der Bankmanager als auch der Staatslenker haben ganz andere Schwierigkeitsgrade in ihrem beruflichen Alltag zu bewältigen als beispielsweise der Lokführer, der sich vielleicht mal etwas mehr konzentrieren muß, wenn er bei dichtem Nebel und Höchstgeschwindigkeit seinen Zug trotzdem pünktlich vom Gegengleis wieder sicher aufs (rechte) Regelgleis bringen muß.
Genau wegen solcher Vorgänge um die personellen Konsequenzen dieses Bankenwahnsinns relativiert sich aus meiner Sicht eben auch im Nachhinein die Schuld des Politbüros, auch wenn die Sache längst durch ist.
Ein Staat, der so etwas durchgehen läßt, ein Staat, der dafür kein Strafmaß benennen kann ist genauso krank wie die Leck geschlagene DDR, das ist meine Meinung und solange systemrelevante Hasardeure diese Republik verzocken dürfen, wird die DDR ihren Wert zumindest in meinem Herzen erhalten können.



Damals87 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#104

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 17.04.2013 10:15
von ddr-bürger (gelöscht)
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Zitat von Hackel39 im Beitrag #103
Zitat von Barbara im Beitrag #101
Zitat von Hackel39 im Beitrag #93
Zitat von Barbara im Beitrag #87
Zitat von Hackel39 im Beitrag #49
Der Begriff "Siegerjustiz" ist mir noch im Zusammenhang mit dem politischen Prozeß gegen Erich Honecker an die Adresse der Berliner Justizsenatorin Limbach recht gut in Erinnerung und hier war er auch angebracht.
Stellvertretend für das wutschnaubende Volk der DDR mußte die Siegerökonomie BRD als Dienstleister für die mehr oder weniger lächerlichen Rachegelüste einer gewissen Klientel von DDR- Bürgern gegen den SED- Generalsekretär herhalten und das tun, was die Straße verlangte, so sehe ich das.
Hätte man auf diese Siegerjustiz verzichtet, wäre der Volkszorn möglicherweise sogar dem zaudernden und zögerlichen Westapparat entgegengeschlagen und vor einem Volk, daß eben noch hunderttausende mobilisiert hatte um einen übermächtigen Gegener aus dem Weg zu räumen, sollte man sich in der Tat vorsehen.




Hackel, es gibt aber doch auch viele ehem. DDR-Bürger die sagen, dass die "Oberen" der DDR viel zu wenig zur Rechenschaft gezogen worden sind. Das die "Kleinen" es immer sind, die letztlich die Zeche zahlen. Es gibt sehr unterschiedliche "Gruppen" die den Begriff Siegerjustiz für jeweils ihre Inhalte benutzen, das ist ganz schön verwirrend finde ich....




Liebe Barbara, ich hoffe daß es Dich nicht allzu sehr schockt, wenn ich Honecker nicht als Großen bezeichnen würde, zumindest nicht im ökonomischen Sinne.
Die 108.000 Mark, die er zuletzt auf dem Konto hatte, die waren im Raubtiersozialismus viel weniger spektakulär, als westdeutsche Bürger das damals für möglich gehalten hätten, jeder Autoschieber und Schwarzhändler von BHG- Waren (Baumarkt) hatte mehr und selbst Hackel, der Überstundenschrubber war in diesen Vermögenssegment schon fast angekommen.
Honecker war kein Verbrecher im Sinne des Strafgesetzbuches, er hat an seine Ideen geglaubt und niemand aus seinem unmittelbaren Umfeld hat ihn gestoppt und um mal ein wenig in die Welt hinauszublicken...was hat denn Duvalier aus diesem kleinen bettelarmen Haiti herausgepreßt oder andere Diktatoren, die von Anfang an Bereicherung als persönliches Ziel im Visier hatten.
Vor diesem Hintergrund muß man Honeckers Wirken auch mal betrachten und natürlich ist er hauptschuldig am Systemversagen, aber daß er Lebensjahre entwertet hat, kann und will ich nicht bilanzieren.
Die Einlassung eines Foristen, daß Honecker ja auch das Schicksal Ceausescus hätte ereilen können ist abwegig, da der SED- Generalsekretär zu keiner Zeit Visionen des totalen Krieges gegen sein Volk geäußert hatte, dazu war er schon viel zu schwach, Gott sei Dank möchte man da sagen, erst recht nicht kann man konstatieren, daß ein Leben in der DDR mit Knechtschaft gleichzusetzen wäre, zu tüchtig waren die meisten Werktätigen und zu robust die Selbstheilungskräfte gegen die Tücken der Mangelwirtschaft.
Ich wüßte nicht mal, ob man Schalk- Golodkowski überhaupt bestrafen sollte, er wäre vielleicht einer der ersten Milliardäre in einer nicht vereinigten DDR geworden und auch der Mord, den Mielke 1932 verübt haben soll kam in den bürgerkriegsähnlichen Zuständen der aufkommenden Nazidiktatur zustande.
Insgesamt habe ich meinen Frieden geschlossen mit den Verantwortlichen im SED- Staat, ich kann ja nur für mich sprechen, andere Geschichten von Opfern lassen zu viele wesentliche Fragen offen, auch hier im Forum, um sie abschließend zu bewerten.
Man traut sich viele davon auch gar nicht zu stellen, da es ja kein Vier- Augen- Gespräch ist und man nie weiß, ob die Frage selbst schon als Attacke verstanden wird, so ist das nun mal.



Lieber Hackel, du bist einfach so großzügig. Wie schade dass du nicht Staatsratsvorsitzender geworden bist, wer weiß was dann gewesen wäre...., das meine ich ganz ehrlich.
Aber doch doch doch Herr Honecker war verantwortlich und die anderen Spitzenleute auch, man muss sich das ganz klar machen: wer die Macht will, muss die Verantwortung übernehmen. Jeder muss das in seinem persönlichen Leben auch tun.
Und es geht gar nicht um Geld - jedenfalls nicht nur. Ist Geld nicht sowieso nur eine Metapher für was ganz anderes? Darüber müsste man auch mal nachdenken.
Ich finde übrigens deine Idee mit der Bahnlinie total schön wenn du 3 Mios hättest, wer weiß was das Schicksal noch auf Lager hat :-)

Ich bin heute von den "Kapitalisten" dermaßen über den Tisch gezogen worden und musste noch nett und freundlch dabei sein (zum Glück nur am Telefon), bin noch ganz geschockt und hätte am liebstsen geschmissen. Kann ich aber nicht. Da hätte ich mal so ein richtig satte kämpferische Ansage brauchen können so wie du sie drauf hast, hach das hätte gut getan...






Guten Morgen Barbara und Danke für Deine optimistische Einschätzung des postum- Generalsekretärs Hackel, aber der war von Anfang an ausgesperrt von wirklichen Gestaltungsmöglichkeiten mangels Zugehörigkeit zu Funktionärsfamilien, aber egal.
Das mit der Hauptverantwortung am Systemversagen durch Honecker habe ich ja schon zugestanden, ihn als Vergeltung für dieses Scheitern wie einen reudigen Köter vom Hof zu jagen, war schon die Maximalstrafe, Gefängnis war auch in der Nachbewertung nicht angemessen.
Was müßte man denn dann mit den hundertfach höher bezahlten Gierbankern in den Glaspalästen machen, die für ihr Unvermögen, die Krise von ihren Geldhäusern fernzuhalten auch bloß Gehaltskürzungen hinzunehmen hatten und nicht in den Knast gesteckt worden sind ?
Die hatten im Gegensatz zu Honecker übermenschliche Einkommen aber eben keine übermenschlichen Fähigkeiten, während der Staatslenker in der Relation vergleichbarer Tätigkeiten im Arbeiter- und Bauernstaat monetär betrachtet nur ein Normalverdiener war.
Beide Kategorien sowohl der Bankmanager als auch der Staatslenker haben ganz andere Schwierigkeitsgrade in ihrem beruflichen Alltag zu bewältigen als beispielsweise der Lokführer, der sich vielleicht mal etwas mehr konzentrieren muß, wenn er bei dichtem Nebel und Höchstgeschwindigkeit seinen Zug trotzdem pünktlich vom Gegengleis wieder sicher aufs (rechte) Regelgleis bringen muß.
Genau wegen solcher Vorgänge um die personellen Konsequenzen dieses Bankenwahnsinns relativiert sich aus meiner Sicht eben auch im Nachhinein die Schuld des Politbüros, auch wenn die Sache längst durch ist.
Ein Staat, der so etwas durchgehen läßt, ein Staat, der dafür kein Strafmaß benennen kann ist genauso krank wie die Leck geschlagene DDR, das ist meine Meinung und solange systemrelevante Hasardeure diese Republik verzocken dürfen, wird die DDR ihren Wert zumindest in meinem Herzen erhalten können.




Bei dem Grün markierten sprichst Du mir aus dem Herzen.


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#105

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 17.04.2013 16:33
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #101
Zitat von Hackel39 im Beitrag #93
Zitat von Barbara im Beitrag #87
Zitat von Hackel39 im Beitrag #49
Der Begriff "Siegerjustiz" ist mir noch im Zusammenhang mit dem politischen Prozeß gegen Erich Honecker an die Adresse der Berliner Justizsenatorin Limbach recht gut in Erinnerung und hier war er auch angebracht.
Stellvertretend für das wutschnaubende Volk der DDR mußte die Siegerökonomie BRD als Dienstleister für die mehr oder weniger lächerlichen Rachegelüste einer gewissen Klientel von DDR- Bürgern gegen den SED- Generalsekretär herhalten und das tun, was die Straße verlangte, so sehe ich das.
Hätte man auf diese Siegerjustiz verzichtet, wäre der Volkszorn möglicherweise sogar dem zaudernden und zögerlichen Westapparat entgegengeschlagen und vor einem Volk, daß eben noch hunderttausende mobilisiert hatte um einen übermächtigen Gegener aus dem Weg zu räumen, sollte man sich in der Tat vorsehen.




Hackel, es gibt aber doch auch viele ehem. DDR-Bürger die sagen, dass die "Oberen" der DDR viel zu wenig zur Rechenschaft gezogen worden sind. Das die "Kleinen" es immer sind, die letztlich die Zeche zahlen. Es gibt sehr unterschiedliche "Gruppen" die den Begriff Siegerjustiz für jeweils ihre Inhalte benutzen, das ist ganz schön verwirrend finde ich....




Liebe Barbara, ich hoffe daß es Dich nicht allzu sehr schockt, wenn ich Honecker nicht als Großen bezeichnen würde, zumindest nicht im ökonomischen Sinne.
Die 108.000 Mark, die er zuletzt auf dem Konto hatte, die waren im Raubtiersozialismus viel weniger spektakulär, als westdeutsche Bürger das damals für möglich gehalten hätten, jeder Autoschieber und Schwarzhändler von BHG- Waren (Baumarkt) hatte mehr und selbst Hackel, der Überstundenschrubber war in diesen Vermögenssegment schon fast angekommen.
Honecker war kein Verbrecher im Sinne des Strafgesetzbuches, er hat an seine Ideen geglaubt und niemand aus seinem unmittelbaren Umfeld hat ihn gestoppt und um mal ein wenig in die Welt hinauszublicken...was hat denn Duvalier aus diesem kleinen bettelarmen Haiti herausgepreßt oder andere Diktatoren, die von Anfang an Bereicherung als persönliches Ziel im Visier hatten.
Vor diesem Hintergrund muß man Honeckers Wirken auch mal betrachten und natürlich ist er hauptschuldig am Systemversagen, aber daß er Lebensjahre entwertet hat, kann und will ich nicht bilanzieren.
Die Einlassung eines Foristen, daß Honecker ja auch das Schicksal Ceausescus hätte ereilen können ist abwegig, da der SED- Generalsekretär zu keiner Zeit Visionen des totalen Krieges gegen sein Volk geäußert hatte, dazu war er schon viel zu schwach, Gott sei Dank möchte man da sagen, erst recht nicht kann man konstatieren, daß ein Leben in der DDR mit Knechtschaft gleichzusetzen wäre, zu tüchtig waren die meisten Werktätigen und zu robust die Selbstheilungskräfte gegen die Tücken der Mangelwirtschaft.
Ich wüßte nicht mal, ob man Schalk- Golodkowski überhaupt bestrafen sollte, er wäre vielleicht einer der ersten Milliardäre in einer nicht vereinigten DDR geworden und auch der Mord, den Mielke 1932 verübt haben soll kam in den bürgerkriegsähnlichen Zuständen der aufkommenden Nazidiktatur zustande.
Insgesamt habe ich meinen Frieden geschlossen mit den Verantwortlichen im SED- Staat, ich kann ja nur für mich sprechen, andere Geschichten von Opfern lassen zu viele wesentliche Fragen offen, auch hier im Forum, um sie abschließend zu bewerten.
Man traut sich viele davon auch gar nicht zu stellen, da es ja kein Vier- Augen- Gespräch ist und man nie weiß, ob die Frage selbst schon als Attacke verstanden wird, so ist das nun mal.



Lieber Hackel, du bist einfach so großzügig. Wie schade dass du nicht Staatsratsvorsitzender geworden bist, wer weiß was dann gewesen wäre...., das meine ich ganz ehrlich.
Aber doch doch doch Herr Honecker war verantwortlich und die anderen Spitzenleute auch, man muss sich das ganz klar machen: wer die Macht will, muss die Verantwortung übernehmen. Jeder muss das in seinem persönlichen Leben auch tun.
Und es geht gar nicht um Geld - jedenfalls nicht nur. Ist Geld nicht sowieso nur eine Metapher für was ganz anderes? Darüber müsste man auch mal nachdenken.
Ich finde übrigens deine Idee mit der Bahnlinie total schön wenn du 3 Mios hättest, wer weiß was das Schicksal noch auf Lager hat :-)

Ich bin heute von den "Kapitalisten" dermaßen über den Tisch gezogen worden und musste noch nett und freundlch dabei sein (zum Glück nur am Telefon), bin noch ganz geschockt und hätte am liebstsen geschmissen. Kann ich aber nicht. Da hätte ich mal so ein richtig satte kämpferische Ansage brauchen können so wie du sie drauf hast, hach das hätte gut getan...






Ach übrigens Barbara 3 Mio. reichen heute nicht mehr für etwas das man wirklich sehen kann, das hundertfache muß trotz aller Bescheidenheit schon sein...für 3 Mio. sind die Projektanten vielleicht noch zu haben...wie Du siehst müssen Investoren in diesem Land erst mal jede Menge Luft kaufen um überhaupt etwas schaffen zu können, erinnert sein nur an meinen letzten Hauskauf mit einem Makler, für dessen Honorar ich ein halbes Jahr arbeiten mußte.
Aber welcher Kapitalist hat Dich denn über den Tisch gezogen ?
Das kenne ich auch, dagegen gibt es keine Mittel wenn es nicht gelingt diese Sorte (bei mir waren es zögerliche Bankangestellte) gegeneinander auszuspielen und sie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen.
Abhängigkeitsverhältnisse jeglicher Art sind in dieser Betrügerökonomie mit allen Mitteln zu verhindern, das wäre schon mal die halbe Miete.



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#106

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 18.04.2013 09:41
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Hallo miteinander,

ich hab mich mal für ein paar Stunden um mein Leben ausserhalb des Forums gekümmert und nun erst mal die interessanten Beiträge gelesen, die Ihr in der Zwischenzeit geschrieben habt.

Das Pelle-Gedicht kann ich gern zum Forumstreffen vortragen, wenn's ins Programm passt, liebe Barbara.
Auf das Thema "Siegerjustiz" und juristische Verfolgung der ehemaligen SED-Führung möchte ich noch mal zurückkommen:

Mir persönlich hat nie an einer Bestrafung der ehemaligen DDR-Machthaber an sich gelegen, für das, was jemals in der DDR gelaufen ist.
1989/90 entmachtet, Schluss, aus, erledigt. Von nun an neue Verhältnisse: Freiheit für jeden, aber auch die Pflicht, seine Geschicke selbst in die Hand zu nehemen. Genug zu tun und für die meisten ein schwieriger Lernprozess.

Dann hiess es: Wir müssen das Unrecht des Grenzregimes juristisch aufarbeiten, für die Mauertoten Verantwortliche finden.
"Mauerschützenprozesse" - die Kleinen hängt man - und die Grossen lässt man laufen ?
Die "kleinen" waren zumeist Wehrpflichtige - und jeder ehemalige Grenzer hätte in die Situation kommen könne, binnen Sekunden über Leben und Tod zu entscheiden.
Auch ich.
Und die Grossen, die Befehlshaber, gehen straffrei aus ?

Nein - das sträubt sich alles in mir. Das ist weder Recht noch Gerechtigkeit.
So hätte man jede untergegange Diktatur bewerten können.
Drastisches Beispiel: Für die Millionen Toten des 2.Weltkrieges wären dann die Soldaten verantwortlich - die haben schliesslich am Abzug gesessen. Ihre Befehlshaber, einschliesslich Hitler, Goebbels etc. haben doch niemanden persönlich umgebracht - also trifft sie ja keine Schuld.

Ich denke, damit ist klargeworden, was ich meine.

Der kleine wehrpflichtige Grenzer, der das Pech hatte, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein und dann auch noch im Stress die Lage juristisch falsch bewertet hat, ist vorbestrafter Mörder.
Und bekommt so sein weiteres (berufliches) Leben verbaut, schleppt auch die moralische Verantwortung den Rest seines Leben mit sich herum.
Und der SED-Generalsekretär bekommt Rente vom "Siegersystem" BRD und darf mit einem Schulterzucken ins Exil gehen, seinen Ruhestand geniessen.
"Hat eben nicht geklappt, mit der Diktatur des Proletariats - war ein undankbares Volk, diese DDR-Bürger".

So, das war noch mal ein "Blick in den Rückspiegel der Geschichte". Das "heute" ist mir jedoch viel wichtiger.

Lieber Hackel39, falls Du als künftiger SED-Vorsitzender (ich glaub, ich hab hier so etwas herausgelesen) vor solchen Fragen stehst - mach's bitte besser.
Sonst läuft das Volk wieder davon und die Geschichte wiederholt sich.



Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
Küchenbulle 79 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#107

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 18.04.2013 09:49
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Jobnomade im Beitrag #106
Hallo miteinander,

ich hab mich mal für ein paar Stunden um mein Leben ausserhalb des Forums gekümmert und nun erst mal die interessanten Beiträge gelesen, die Ihr in der Zwischenzeit geschrieben habt.

Das Pelle-Gedicht kann ich gern zum Forumstreffen vortragen, wenn's ins Programm passt, liebe Barbara.
Auf das Thema "Siegerjustiz" und juristische Verfolgung der ehemaligen SED-Führung möchte ich noch mal zurückkommen:

Mir persönlich hat nie an einer Bestrafung der ehemaligen DDR-Machthaber an sich gelegen, für das, was jemals in der DDR gelaufen ist.
1989/90 entmachtet, Schluss, aus, erledigt. Von nun an neue Verhältnisse: Freiheit für jeden, aber auch die Pflicht, seine Geschicke selbst in die Hand zu nehemen. Genug zu tun und für die meisten ein schwieriger Lernprozess.

Dann hiess es: Wir müssen das Unrecht des Grenzregimes juristisch aufarbeiten, für die Mauertoten Verantwortliche finden.
"Mauerschützenprozesse" - die Kleinen hängt man - und die Grossen lässt man laufen ?
Die "kleinen" waren zumeist Wehrpflichtige - und jeder ehemalige Grenzer hätte in die Situation kommen könne, binnen Sekunden über Leben und Tod zu entscheiden.
Auch ich.
Und die Grossen, die Befehlshaber, gehen straffrei aus ?

Nein - das sträubt sich alles in mir. Das ist weder Recht noch Gerechtigkeit.
So hätte man jede untergegange Diktatur bewerten können.
Drastisches Beispiel: Für die Millionen Toten des 2.Weltkrieges wären dann die Soldaten verantwortlich - die haben schliesslich am Abzug gesessen. Ihre Befehlshaber, einschliesslich Hitler, Goebbels etc. haben doch niemanden persönlich umgebracht - also trifft sie ja keine Schuld.

Ich denke, damit ist klargeworden, was ich meine.

Der kleine wehrpflichtige Grenzer, der das Pech hatte, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein und dann auch noch im Stress die Lage juristisch falsch bewertet hat, ist vorbestrafter Mörder.
Und bekommt so sein weiteres (berufliches) Leben verbaut, schleppt auch die moralische Verantwortung den Rest seines Leben mit sich herum.
Und der SED-Generalsekretär bekommt Rente vom "Siegersystem" BRD und darf mit einem Schulterzucken ins Exil gehen, seinen Ruhestand geniessen.
"Hat eben nicht geklappt, mit der Diktatur des Proletariats - war ein undankbares Volk, diese DDR-Bürger".

So, das war noch mal ein "Blick in den Rückspiegel der Geschichte". Das "heute" ist mir jedoch viel wichtiger.

Lieber Hackel39, falls Du als künftiger SED-Vorsitzender (ich glaub, ich hab hier so etwas herausgelesen) vor solchen Fragen stehst - mach's bitte besser.
Sonst läuft das Volk wieder davon und die Geschichte wiederholt sich.



Gruss Hartmut


Moin Hartmut, es gibt immer so einen Hang Verantwortung nach oben zu deligieren, gut fand ich in dem Zusammenhang die damalige Erklärung von Baumgarten und Co., die haben sich vor ihre Untergebenen gestellt.
Die Einzelfall-Aufarbeitungen was die Vorgänge an der Grenze betrifft, waren aber auch richtig und ich glaube auch fair.
Bescheuert finde ich immer die spitzfindige Diskussion ob du nun solltest oder nicht, das ist für die "kleinen Lichter" nicht fair, denn Ohren hatten wir ja alle.


zuletzt bearbeitet 18.04.2013 09:55 | nach oben springen

#108

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 18.04.2013 10:16
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Jobnomade im Beitrag #106
Hallo miteinander,

ich hab mich mal für ein paar Stunden um mein Leben ausserhalb des Forums gekümmert und nun erst mal die interessanten Beiträge gelesen, die Ihr in der Zwischenzeit geschrieben habt.

Das Pelle-Gedicht kann ich gern zum Forumstreffen vortragen, wenn's ins Programm passt, liebe Barbara.
Auf das Thema "Siegerjustiz" und juristische Verfolgung der ehemaligen SED-Führung möchte ich noch mal zurückkommen:

Mir persönlich hat nie an einer Bestrafung der ehemaligen DDR-Machthaber an sich gelegen, für das, was jemals in der DDR gelaufen ist.
1989/90 entmachtet, Schluss, aus, erledigt. Von nun an neue Verhältnisse: Freiheit für jeden, aber auch die Pflicht, seine Geschicke selbst in die Hand zu nehemen. Genug zu tun und für die meisten ein schwieriger Lernprozess.

Dann hiess es: Wir müssen das Unrecht des Grenzregimes juristisch aufarbeiten, für die Mauertoten Verantwortliche finden.
"Mauerschützenprozesse" - die Kleinen hängt man - und die Grossen lässt man laufen ?
Die "kleinen" waren zumeist Wehrpflichtige - und jeder ehemalige Grenzer hätte in die Situation kommen könne, binnen Sekunden über Leben und Tod zu entscheiden.
Auch ich.
Und die Grossen, die Befehlshaber, gehen straffrei aus ?

Nein - das sträubt sich alles in mir. Das ist weder Recht noch Gerechtigkeit.
So hätte man jede untergegange Diktatur bewerten können.
Drastisches Beispiel: Für die Millionen Toten des 2.Weltkrieges wären dann die Soldaten verantwortlich - die haben schliesslich am Abzug gesessen. Ihre Befehlshaber, einschliesslich Hitler, Goebbels etc. haben doch niemanden persönlich umgebracht - also trifft sie ja keine Schuld.

Ich denke, damit ist klargeworden, was ich meine.

Der kleine wehrpflichtige Grenzer, der das Pech hatte, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein und dann auch noch im Stress die Lage juristisch falsch bewertet hat, ist vorbestrafter Mörder.
Und bekommt so sein weiteres (berufliches) Leben verbaut, schleppt auch die moralische Verantwortung den Rest seines Leben mit sich herum.
Und der SED-Generalsekretär bekommt Rente vom "Siegersystem" BRD und darf mit einem Schulterzucken ins Exil gehen, seinen Ruhestand geniessen.
"Hat eben nicht geklappt, mit der Diktatur des Proletariats - war ein undankbares Volk, diese DDR-Bürger".

So, das war noch mal ein "Blick in den Rückspiegel der Geschichte". Das "heute" ist mir jedoch viel wichtiger.

Lieber Hackel39, falls Du als künftiger SED-Vorsitzender (ich glaub, ich hab hier so etwas herausgelesen) vor solchen Fragen stehst - mach's bitte besser.
Sonst läuft das Volk wieder davon und die Geschichte wiederholt sich.



Gruss Hartmut


Hallo Hartmut, ich kann nun mal nur für mich sprechen und ein Wehrmachtsangehöriger, der möglicherweise erleben mußte, wie ein Deserteur aus den eigenen Reihen erschossen wurde ist nicht zu vergleichen mit einem Wehrpflichtigen der NVA, ich gebe aber zu bedenken, daß ich als Ungedienter in keiner Weise qualifiziert dazu bin, mich weiter gehend zu äußern.
Das mit den führenden Genossen ist etwas anderes, vielleicht erkläre ich es mal anders, wie ich das mit den Strafmaß ("wie einen reudigen Köter vom Hof gejagt") meinte.
Man überlegt ja inzwischen sogar, Delikte auf die Geldstrafen stehen anders zu ahnden, um auch vermögende, sagen wir mal Verkehrsrowdies, zu sanktionieren, indem man sie an Stelle der 50 Euro Bußgeld (über die solche sich totlachen, sobald sie den Gurt nach dem Losfahren wieder abgekoppelt haben...) mit Fahrverboten belegt.
Unter dem Aspekt solcher Überlegungen fassen Versager/ Straftäter ja bestimmte Strafen anders auf als die Allgemeinheit, wenn z.B. keiner mehr Andrea Berg singen hören möchte ist das für sie schlimmer als für Dich, wenn keiner Dein Emil- Pelle- Gedicht beim Treffen in Eisenach hören möchte.
Ich denke bei der Aufarbeitung immer auch an viel dramatischere Vorgänge der Weltgeschichte wie z. B. im Apartheid- Staat Südafrika (Wahrheitskommission) oder den Bürgerkriegsstaaten Uganda / Burundi in denen ganz andere Kategorien der Feindschaft als im SED- Staat auf der Tagesordnung standen, hier hätte man mit drakonischen Bestrafungen nur neues Öl ins Feuer gekippt und die Gewaltspirale am Laufen gehalten.
Es heißt nicht mehr und nicht weniger als daß es im SED- Staat mehr Profiteure als Verlierer gab, dazu möge einmal jeder von uns bedenken, was er z.B. heute für das Haus/ Grundstück bezahlen müßte, daß er in der DDR für einen Jahreslohn erwerben konnte oder die Gemütlichkeit in vielen Kombinaten oder was weiß ich noch, was alles in diese Aufzählung gehören müßte.
Ich will aber auch nicht weiter agitieren und meine Ehrung durch Barbara als postum- Generalsekretär bezog sich ja auch auf die Vergangenheit, weitere Experimente habe ich definitiv nicht mehr vor
Gruß Hackel....der jetzt als Emil Pelle viel zu tun hat....



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#109

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 18.04.2013 10:53
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #107
Zitat von Jobnomade im Beitrag #106
Hallo miteinander,

ich hab mich mal für ein paar Stunden um mein Leben ausserhalb des Forums gekümmert und nun erst mal die interessanten Beiträge gelesen, die Ihr in der Zwischenzeit geschrieben habt.

Das Pelle-Gedicht kann ich gern zum Forumstreffen vortragen, wenn's ins Programm passt, liebe Barbara.
Auf das Thema "Siegerjustiz" und juristische Verfolgung der ehemaligen SED-Führung möchte ich noch mal zurückkommen:

Mir persönlich hat nie an einer Bestrafung der ehemaligen DDR-Machthaber an sich gelegen, für das, was jemals in der DDR gelaufen ist.
1989/90 entmachtet, Schluss, aus, erledigt. Von nun an neue Verhältnisse: Freiheit für jeden, aber auch die Pflicht, seine Geschicke selbst in die Hand zu nehemen. Genug zu tun und für die meisten ein schwieriger Lernprozess.

Dann hiess es: Wir müssen das Unrecht des Grenzregimes juristisch aufarbeiten, für die Mauertoten Verantwortliche finden.
"Mauerschützenprozesse" - die Kleinen hängt man - und die Grossen lässt man laufen ?
Die "kleinen" waren zumeist Wehrpflichtige - und jeder ehemalige Grenzer hätte in die Situation kommen könne, binnen Sekunden über Leben und Tod zu entscheiden.
Auch ich.
Und die Grossen, die Befehlshaber, gehen straffrei aus ?

Nein - das sträubt sich alles in mir. Das ist weder Recht noch Gerechtigkeit.
So hätte man jede untergegange Diktatur bewerten können.
Drastisches Beispiel: Für die Millionen Toten des 2.Weltkrieges wären dann die Soldaten verantwortlich - die haben schliesslich am Abzug gesessen. Ihre Befehlshaber, einschliesslich Hitler, Goebbels etc. haben doch niemanden persönlich umgebracht - also trifft sie ja keine Schuld.

Ich denke, damit ist klargeworden, was ich meine.

Der kleine wehrpflichtige Grenzer, der das Pech hatte, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein und dann auch noch im Stress die Lage juristisch falsch bewertet hat, ist vorbestrafter Mörder.
Und bekommt so sein weiteres (berufliches) Leben verbaut, schleppt auch die moralische Verantwortung den Rest seines Leben mit sich herum.
Und der SED-Generalsekretär bekommt Rente vom "Siegersystem" BRD und darf mit einem Schulterzucken ins Exil gehen, seinen Ruhestand geniessen.
"Hat eben nicht geklappt, mit der Diktatur des Proletariats - war ein undankbares Volk, diese DDR-Bürger".

So, das war noch mal ein "Blick in den Rückspiegel der Geschichte". Das "heute" ist mir jedoch viel wichtiger.

Lieber Hackel39, falls Du als künftiger SED-Vorsitzender (ich glaub, ich hab hier so etwas herausgelesen) vor solchen Fragen stehst - mach's bitte besser.
Sonst läuft das Volk wieder davon und die Geschichte wiederholt sich.



Gruss Hartmut


Moin Hartmut, es gibt immer so einen Hang Verantwortung nach oben zu deligieren, gut fand ich in dem Zusammenhang die damalige Erklärung von Baumgarten und Co., die haben sich vor ihre Untergebenen gestellt.
Die Einzelfall-Aufarbeitungen was die Vorgänge an der Grenze betrifft, waren aber auch richtig und ich glaube auch fair.
Bescheuert finde ich immer die spitzfindige Diskussion ob du nun solltest oder nicht, das ist für die "kleinen Lichter" nicht fair, denn Ohren hatten wir ja alle.



Hallo Grenzwolf,

die Baumgarten-Erklärung habe ich gelesen, klingt ehrenvoll, hat das aber die Richter, die die "Mauerschützen" abgeurteilt haben, interessiert ?
Sicher waren die wenigen Einzelfall-Aufarbeitungen fair, wenn man bedenkt, dass es wohl in der Regel auf Totschlag und Bewährung hinauslief.
Und natürlich hatten wir kleinen Grenzer auch einen Kopf zum denken, was wir im Einzelfall tun werden, wenn...
Ja, ich war 1979/80 an der Grenze, Du 3 Jahre später - und 6 Jahre später wendete sich das Blatt. War das zu unserer Dienstzeit schon abzusehen ?
Hing das eigene Verhalten nicht auch ein wenig davon ab, wie Deine unmittelbaren Vorgesetzten dich "scharf" gemacht haben ?
Zwischen dem Befehl zur Genzsicherung mit "Schusswaffe als äusserstes Mittel der Gewaltanwendung" und "Bei Anruf Magazinwechsel" (soll wohl ein KC in Andenhausen mal geäussert haben) reichte doch das Spektrum.
Und was hattest Du "kleiner Muschkote" dem entgegen zu setzen ?
Die Hoffnung, dass kein Grenzverletzer kommt - und wenn doch, er brav beim ersten Anruf stehenbleibt ?
Die Hoffnung, dass Du ungeschoren davonkommst, weil Du in der Aufregung nicht getroffen hast ?
Damals, in den Stunden draussen, hat man sich schon so seine Gedanken darüber gemacht.
Gut, dass es für uns beide kein wirkliches Thema geworden ist, glaub mir.

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
hardi24a hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 18.04.2013 10:58 | nach oben springen

#110

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 18.04.2013 11:17
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von ddr-bürger im Beitrag #104
Zitat von Hackel39 im Beitrag #103
Zitat von Barbara im Beitrag #101
Zitat von Hackel39 im Beitrag #93
Zitat von Barbara im Beitrag #87
Zitat von Hackel39 im Beitrag #49
Der Begriff "Siegerjustiz" ist mir noch im Zusammenhang mit dem politischen Prozeß gegen Erich Honecker an die Adresse der Berliner Justizsenatorin Limbach recht gut in Erinnerung und hier war er auch angebracht.
Stellvertretend für das wutschnaubende Volk der DDR mußte die Siegerökonomie BRD als Dienstleister für die mehr oder weniger lächerlichen Rachegelüste einer gewissen Klientel von DDR- Bürgern gegen den SED- Generalsekretär herhalten und das tun, was die Straße verlangte, so sehe ich das.
Hätte man auf diese Siegerjustiz verzichtet, wäre der Volkszorn möglicherweise sogar dem zaudernden und zögerlichen Westapparat entgegengeschlagen und vor einem Volk, daß eben noch hunderttausende mobilisiert hatte um einen übermächtigen Gegener aus dem Weg zu räumen, sollte man sich in der Tat vorsehen.




Hackel, es gibt aber doch auch viele ehem. DDR-Bürger die sagen, dass die "Oberen" der DDR viel zu wenig zur Rechenschaft gezogen worden sind. Das die "Kleinen" es immer sind, die letztlich die Zeche zahlen. Es gibt sehr unterschiedliche "Gruppen" die den Begriff Siegerjustiz für jeweils ihre Inhalte benutzen, das ist ganz schön verwirrend finde ich....




Liebe Barbara, ich hoffe daß es Dich nicht allzu sehr schockt, wenn ich Honecker nicht als Großen bezeichnen würde, zumindest nicht im ökonomischen Sinne.
Die 108.000 Mark, die er zuletzt auf dem Konto hatte, die waren im Raubtiersozialismus viel weniger spektakulär, als westdeutsche Bürger das damals für möglich gehalten hätten, jeder Autoschieber und Schwarzhändler von BHG- Waren (Baumarkt) hatte mehr und selbst Hackel, der Überstundenschrubber war in diesen Vermögenssegment schon fast angekommen.
Honecker war kein Verbrecher im Sinne des Strafgesetzbuches, er hat an seine Ideen geglaubt und niemand aus seinem unmittelbaren Umfeld hat ihn gestoppt und um mal ein wenig in die Welt hinauszublicken...was hat denn Duvalier aus diesem kleinen bettelarmen Haiti herausgepreßt oder andere Diktatoren, die von Anfang an Bereicherung als persönliches Ziel im Visier hatten.
Vor diesem Hintergrund muß man Honeckers Wirken auch mal betrachten und natürlich ist er hauptschuldig am Systemversagen, aber daß er Lebensjahre entwertet hat, kann und will ich nicht bilanzieren.
Die Einlassung eines Foristen, daß Honecker ja auch das Schicksal Ceausescus hätte ereilen können ist abwegig, da der SED- Generalsekretär zu keiner Zeit Visionen des totalen Krieges gegen sein Volk geäußert hatte, dazu war er schon viel zu schwach, Gott sei Dank möchte man da sagen, erst recht nicht kann man konstatieren, daß ein Leben in der DDR mit Knechtschaft gleichzusetzen wäre, zu tüchtig waren die meisten Werktätigen und zu robust die Selbstheilungskräfte gegen die Tücken der Mangelwirtschaft.
Ich wüßte nicht mal, ob man Schalk- Golodkowski überhaupt bestrafen sollte, er wäre vielleicht einer der ersten Milliardäre in einer nicht vereinigten DDR geworden und auch der Mord, den Mielke 1932 verübt haben soll kam in den bürgerkriegsähnlichen Zuständen der aufkommenden Nazidiktatur zustande.
Insgesamt habe ich meinen Frieden geschlossen mit den Verantwortlichen im SED- Staat, ich kann ja nur für mich sprechen, andere Geschichten von Opfern lassen zu viele wesentliche Fragen offen, auch hier im Forum, um sie abschließend zu bewerten.
Man traut sich viele davon auch gar nicht zu stellen, da es ja kein Vier- Augen- Gespräch ist und man nie weiß, ob die Frage selbst schon als Attacke verstanden wird, so ist das nun mal.



Lieber Hackel, du bist einfach so großzügig. Wie schade dass du nicht Staatsratsvorsitzender geworden bist, wer weiß was dann gewesen wäre...., das meine ich ganz ehrlich.
Aber doch doch doch Herr Honecker war verantwortlich und die anderen Spitzenleute auch, man muss sich das ganz klar machen: wer die Macht will, muss die Verantwortung übernehmen. Jeder muss das in seinem persönlichen Leben auch tun.
Und es geht gar nicht um Geld - jedenfalls nicht nur. Ist Geld nicht sowieso nur eine Metapher für was ganz anderes? Darüber müsste man auch mal nachdenken.
Ich finde übrigens deine Idee mit der Bahnlinie total schön wenn du 3 Mios hättest, wer weiß was das Schicksal noch auf Lager hat :-)

Ich bin heute von den "Kapitalisten" dermaßen über den Tisch gezogen worden und musste noch nett und freundlch dabei sein (zum Glück nur am Telefon), bin noch ganz geschockt und hätte am liebstsen geschmissen. Kann ich aber nicht. Da hätte ich mal so ein richtig satte kämpferische Ansage brauchen können so wie du sie drauf hast, hach das hätte gut getan...






Guten Morgen Barbara und Danke für Deine optimistische Einschätzung des postum- Generalsekretärs Hackel, aber der war von Anfang an ausgesperrt von wirklichen Gestaltungsmöglichkeiten mangels Zugehörigkeit zu Funktionärsfamilien, aber egal.
Das mit der Hauptverantwortung am Systemversagen durch Honecker habe ich ja schon zugestanden, ihn als Vergeltung für dieses Scheitern wie einen reudigen Köter vom Hof zu jagen, war schon die Maximalstrafe, Gefängnis war auch in der Nachbewertung nicht angemessen.
Was müßte man denn dann mit den hundertfach höher bezahlten Gierbankern in den Glaspalästen machen, die für ihr Unvermögen, die Krise von ihren Geldhäusern fernzuhalten auch bloß Gehaltskürzungen hinzunehmen hatten und nicht in den Knast gesteckt worden sind ?
Die hatten im Gegensatz zu Honecker übermenschliche Einkommen aber eben keine übermenschlichen Fähigkeiten, während der Staatslenker in der Relation vergleichbarer Tätigkeiten im Arbeiter- und Bauernstaat monetär betrachtet nur ein Normalverdiener war.
Beide Kategorien sowohl der Bankmanager als auch der Staatslenker haben ganz andere Schwierigkeitsgrade in ihrem beruflichen Alltag zu bewältigen als beispielsweise der Lokführer, der sich vielleicht mal etwas mehr konzentrieren muß, wenn er bei dichtem Nebel und Höchstgeschwindigkeit seinen Zug trotzdem pünktlich vom Gegengleis wieder sicher aufs (rechte) Regelgleis bringen muß.
Genau wegen solcher Vorgänge um die personellen Konsequenzen dieses Bankenwahnsinns relativiert sich aus meiner Sicht eben auch im Nachhinein die Schuld des Politbüros, auch wenn die Sache längst durch ist.
Ein Staat, der so etwas durchgehen läßt, ein Staat, der dafür kein Strafmaß benennen kann ist genauso krank wie die Leck geschlagene DDR, das ist meine Meinung und solange systemrelevante Hasardeure diese Republik verzocken dürfen, wird die DDR ihren Wert zumindest in meinem Herzen erhalten können.




Bei dem Grün markierten sprichst Du mir aus dem Herzen.
(jetzt lila... Ba)





Guten Morgen liebe Landsleute,

zunächst mal möchte ich sagen:

FRÜHLING IST MÖGLICH!

ist das eine Wonne, wie die Natur jetzt den Turbogang einlegt nach dem langen stand-by
Luft, Licht, Sonne :-)))))




rosa markiert

Lieber Hackel und DDR-Bürger,

total egal was die "systemrelevanten Hasadeure tun" - die DDR ist in eurem Herzen, weil sie eurer Land war, eure Heimat, Teil "eurer Geschichte" ist, euer gelebtes Leben! Diese Anerkennung hat der Westen verpasst, nicht weil er böse kapitalistisch ist, sondern die Menschen gleichgültig waren, sich nicht hinein versetzen konnten oder wollten. Und ihr eure "Werte" in ihr verwirklicht saht, zumindest mehr als im heutigen Deutschland. Das ist "Haltung", die ich total nachvollziehen kann.
Ich glaube das ist ein ganz zentrales Thema!


Hackel ich finde jetzt verflixt nochmal nicht mehr die Stelle, wo du über den Lokomotiv-Führer geschrieben hast.

Denn was du schriebst ist nämlich eine wunderbare Metapher dafür, wie ein "Politiker" sein sollte:

jemand der in der Lage ist umsichtig und verantwortlich einen Zug zu führen, bei Wind und Wetter, durch Nacht und Nebel, diese schwere Maschine mit ihrer Dynamik jederzeit im Griff hat, auf jede Eventualität gefasst ist, und der sich seiner großen Verantwortung für die Mitfahrenden jederzeit bewusst ist.

Und wenn er irgendwann mal müde wird und merkt dass die Konzentration nachlässt, den Führerstand frei macht für "frisches Personal".

Ist jetzt bestimmt wieder naiv von mir, aber warum nicht mal solche Vorbilder sich zu Herzen nehmen?


(der "Kapitalist" ist ein Kunde von mir, wir sind im lfd. Projekt, und auf eineinander angewiesen, das hat er finanziell ausgenutzt, etwas was ich nie tun würde < das weiß er - ganz fies, aber ich habe es schon verwunden und wieder etwas dazu gelernt :-)


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#111

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 18.04.2013 12:47
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Jobnomade im Beitrag #33
Ach, liebe Barbara,

Du bist "Gesamt-Deutsche" - wenn Du schon so eine Schublade besetzen möchtest - ich auch.
Sicher erinnerst Du Dich an die unbequeme Wahrheit, die Oskar LaFontaine 1990 ausgesprochen hat: "es wird eine Generation dauern, bis wir in Deutschland Ost und West gleiche Lebensverhältnisse haben".
Deshalb hat er ja auch keine Mehrheit damals bekommen - die Zwecklüge von den "bühenden Landschaften" aus der "Portokasse" finanziert schien verlockender.
Nun ist es 23 Jahre -etwa eine Generation- her und immer deutlicher wird, dass wir kein Ost-West-Problem mehr haben, sondern ein soziales Gefalle arm-reich, welches nicht so einfach geografisch festzumachen ist.
Ich vergleiche mal vom Lebensniveau Orte und Gegenden, wo längere Zeit gelebt habe/lebe:
Dresden - Regensburg. Die Oberlausiz bzw Kreis Görlitz - der Vogelsberg-Kreis (und da schneidet der Vogelsberg vielleich sogar noch schlechter ab als die arme Oberlausitz).

Was Du über Deine Biografie schreibst - so gross ist der Unterschied zwischen uns gar nicht (na gut, als Freelancer hab ich mich noch nicht versucht, mein Auto ist erst 14 Jahre und hat Rostflecken, aber ansonsten ...)
Ach, wer hätte uns ex-Ossis 1990, nachdem die erste grosse Begeisterung vorbei war, am Händchen nehmen sollen und in die Marktwirschaft sanft einführen sollen ?
Die Gewerkschaften des Westens ?
Die Linken Parteien ?
Die Behörden ?
Ja, ich erinnere mich - gleich im Sommer 1990 solte ich beim Arbeitsamt einen Kurs belegen sollen "Einführung in die Marktwirtschaft". Ich hatte aber schon meinen "Praxisteil" bei einem Nürnberger Zeitarbeitsunternehmen "gebucht". War auch lehrreich.

Mir fällt niemand so wirklich ein, der die 16,5 Millionen neu hinzugekommenen Bundesbürger hätte auf ihr künftiges Leben im Kapitalismus vorbereiten können.
Darauf war auch die Bundesrepublik nicht so recht "strukturell vorbereitet".

Um den Bogen zum "Heute" zu schlagen - was können wir tun, um möglichst keinen in unserer Gesellschaft zurückzulassen ?
- Unsere Kinder optimal auf die "rauhe Wirklichkeit" vorbereiten, in ihre gute Ausbildung investieren
- Solidarität mit den Schwächeren in unserer Gesellschaft üben - was aber nicht zur Selbstaufopferung führen darf, sonst werde ich selbst zum Problem für andere.


Bestimmt gibt es hier noch ein paar mehr wichtige Sachen..


Herzlichen Gruss von Hartmut






Lieber Hartmut,

ich habe nochmal diesen Beitrag von dir nach vorne geholt. Das blau markierte ist ja genau der Hintergrund meiner Frage zu "Siegerjustiz". Macht so ein Begriff heute noch Sinn....
Ich finde deinen Verweis auf "unsere Kinder" sehr wichtig. Wie werden unsere Kinder, wenn sie älter werden, und sich nach der Geschichte "umwenden" (und das werden sie tun, da bin ich sicher!) - genau so wie wir das hier tun - das bewerten? Werden sie auf den Begriff "Siegerjustiz" stoßen? Was wird er ihnen sagen? Vielleicht, dass das Deutschland, in dem sie leben - das heutige - in der Geschichte ein tiefe Ungerechtigkeit birgt, dass nämlich der eine Teil der Bevölkerung den anderen Teil "feindlich" übernommen hat. Dass "Siegerjustiz" herrschte. Wie wird das auf sie wirken, je nachdem in welcher Situation unsere Kindern dann selbst sind. Vielleicht ein bisschen weit hergeholt von mir, aber dennoch.....


Ich teile deine Meinnung über die Verschiebung der Verantwortung von oben nach unten, wenn's letztlich drauf ankommt.
Die innerdeutsche Grenze war nicht einfach nur eine Staatsgrenze, sie war weit mehr als das. Wir haben über die Situation und ethischen möglichen Konsequenzen der Grenzer, und überhaupt von Soldaten generell ja schon in "Befehl, Gehorsam, Gewissen" viel nachgedacht. Letztlich allein gelassen zu werden durch den Staat, das ist nicht i.O. nach meiner Meinung.

Ich habe die Erklärung von Baumgarten auch gelesen, immerhin hat er Stellung bezogen!


--------------------

Oh ja, dann liest du "Pelle"!

Herzliche Grüße von Barbara, die gerne deine gesamtdeutsche Mitbürgerin ist!


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#112

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 18.04.2013 13:06
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #110
Zitat von ddr-bürger im Beitrag #104
Zitat von Hackel39 im Beitrag #103
Zitat von Barbara im Beitrag #101
Zitat von Hackel39 im Beitrag #93
Zitat von Barbara im Beitrag #87
Zitat von Hackel39 im Beitrag #49
Der Begriff "Siegerjustiz" ist mir noch im Zusammenhang mit dem politischen Prozeß gegen Erich Honecker an die Adresse der Berliner Justizsenatorin Limbach recht gut in Erinnerung und hier war er auch angebracht.
Stellvertretend für das wutschnaubende Volk der DDR mußte die Siegerökonomie BRD als Dienstleister für die mehr oder weniger lächerlichen Rachegelüste einer gewissen Klientel von DDR- Bürgern gegen den SED- Generalsekretär herhalten und das tun, was die Straße verlangte, so sehe ich das.
Hätte man auf diese Siegerjustiz verzichtet, wäre der Volkszorn möglicherweise sogar dem zaudernden und zögerlichen Westapparat entgegengeschlagen und vor einem Volk, daß eben noch hunderttausende mobilisiert hatte um einen übermächtigen Gegener aus dem Weg zu räumen, sollte man sich in der Tat vorsehen.




Hackel, es gibt aber doch auch viele ehem. DDR-Bürger die sagen, dass die "Oberen" der DDR viel zu wenig zur Rechenschaft gezogen worden sind. Das die "Kleinen" es immer sind, die letztlich die Zeche zahlen. Es gibt sehr unterschiedliche "Gruppen" die den Begriff Siegerjustiz für jeweils ihre Inhalte benutzen, das ist ganz schön verwirrend finde ich....




Liebe Barbara, ich hoffe daß es Dich nicht allzu sehr schockt, wenn ich Honecker nicht als Großen bezeichnen würde, zumindest nicht im ökonomischen Sinne.
Die 108.000 Mark, die er zuletzt auf dem Konto hatte, die waren im Raubtiersozialismus viel weniger spektakulär, als westdeutsche Bürger das damals für möglich gehalten hätten, jeder Autoschieber und Schwarzhändler von BHG- Waren (Baumarkt) hatte mehr und selbst Hackel, der Überstundenschrubber war in diesen Vermögenssegment schon fast angekommen.
Honecker war kein Verbrecher im Sinne des Strafgesetzbuches, er hat an seine Ideen geglaubt und niemand aus seinem unmittelbaren Umfeld hat ihn gestoppt und um mal ein wenig in die Welt hinauszublicken...was hat denn Duvalier aus diesem kleinen bettelarmen Haiti herausgepreßt oder andere Diktatoren, die von Anfang an Bereicherung als persönliches Ziel im Visier hatten.
Vor diesem Hintergrund muß man Honeckers Wirken auch mal betrachten und natürlich ist er hauptschuldig am Systemversagen, aber daß er Lebensjahre entwertet hat, kann und will ich nicht bilanzieren.
Die Einlassung eines Foristen, daß Honecker ja auch das Schicksal Ceausescus hätte ereilen können ist abwegig, da der SED- Generalsekretär zu keiner Zeit Visionen des totalen Krieges gegen sein Volk geäußert hatte, dazu war er schon viel zu schwach, Gott sei Dank möchte man da sagen, erst recht nicht kann man konstatieren, daß ein Leben in der DDR mit Knechtschaft gleichzusetzen wäre, zu tüchtig waren die meisten Werktätigen und zu robust die Selbstheilungskräfte gegen die Tücken der Mangelwirtschaft.
Ich wüßte nicht mal, ob man Schalk- Golodkowski überhaupt bestrafen sollte, er wäre vielleicht einer der ersten Milliardäre in einer nicht vereinigten DDR geworden und auch der Mord, den Mielke 1932 verübt haben soll kam in den bürgerkriegsähnlichen Zuständen der aufkommenden Nazidiktatur zustande.
Insgesamt habe ich meinen Frieden geschlossen mit den Verantwortlichen im SED- Staat, ich kann ja nur für mich sprechen, andere Geschichten von Opfern lassen zu viele wesentliche Fragen offen, auch hier im Forum, um sie abschließend zu bewerten.
Man traut sich viele davon auch gar nicht zu stellen, da es ja kein Vier- Augen- Gespräch ist und man nie weiß, ob die Frage selbst schon als Attacke verstanden wird, so ist das nun mal.



Lieber Hackel, du bist einfach so großzügig. Wie schade dass du nicht Staatsratsvorsitzender geworden bist, wer weiß was dann gewesen wäre...., das meine ich ganz ehrlich.
Aber doch doch doch Herr Honecker war verantwortlich und die anderen Spitzenleute auch, man muss sich das ganz klar machen: wer die Macht will, muss die Verantwortung übernehmen. Jeder muss das in seinem persönlichen Leben auch tun.
Und es geht gar nicht um Geld - jedenfalls nicht nur. Ist Geld nicht sowieso nur eine Metapher für was ganz anderes? Darüber müsste man auch mal nachdenken.
Ich finde übrigens deine Idee mit der Bahnlinie total schön wenn du 3 Mios hättest, wer weiß was das Schicksal noch auf Lager hat :-)

Ich bin heute von den "Kapitalisten" dermaßen über den Tisch gezogen worden und musste noch nett und freundlch dabei sein (zum Glück nur am Telefon), bin noch ganz geschockt und hätte am liebstsen geschmissen. Kann ich aber nicht. Da hätte ich mal so ein richtig satte kämpferische Ansage brauchen können so wie du sie drauf hast, hach das hätte gut getan...






Guten Morgen Barbara und Danke für Deine optimistische Einschätzung des postum- Generalsekretärs Hackel, aber der war von Anfang an ausgesperrt von wirklichen Gestaltungsmöglichkeiten mangels Zugehörigkeit zu Funktionärsfamilien, aber egal.
Das mit der Hauptverantwortung am Systemversagen durch Honecker habe ich ja schon zugestanden, ihn als Vergeltung für dieses Scheitern wie einen reudigen Köter vom Hof zu jagen, war schon die Maximalstrafe, Gefängnis war auch in der Nachbewertung nicht angemessen.
Was müßte man denn dann mit den hundertfach höher bezahlten Gierbankern in den Glaspalästen machen, die für ihr Unvermögen, die Krise von ihren Geldhäusern fernzuhalten auch bloß Gehaltskürzungen hinzunehmen hatten und nicht in den Knast gesteckt worden sind ?
Die hatten im Gegensatz zu Honecker übermenschliche Einkommen aber eben keine übermenschlichen Fähigkeiten, während der Staatslenker in der Relation vergleichbarer Tätigkeiten im Arbeiter- und Bauernstaat monetär betrachtet nur ein Normalverdiener war.
Beide Kategorien sowohl der Bankmanager als auch der Staatslenker haben ganz andere Schwierigkeitsgrade in ihrem beruflichen Alltag zu bewältigen als beispielsweise der Lokführer, der sich vielleicht mal etwas mehr konzentrieren muß, wenn er bei dichtem Nebel und Höchstgeschwindigkeit seinen Zug trotzdem pünktlich vom Gegengleis wieder sicher aufs (rechte) Regelgleis bringen muß.
Genau wegen solcher Vorgänge um die personellen Konsequenzen dieses Bankenwahnsinns relativiert sich aus meiner Sicht eben auch im Nachhinein die Schuld des Politbüros, auch wenn die Sache längst durch ist.
Ein Staat, der so etwas durchgehen läßt, ein Staat, der dafür kein Strafmaß benennen kann ist genauso krank wie die Leck geschlagene DDR, das ist meine Meinung und solange systemrelevante Hasardeure diese Republik verzocken dürfen, wird die DDR ihren Wert zumindest in meinem Herzen erhalten können.




Bei dem Grün markierten sprichst Du mir aus dem Herzen.
(jetzt lila... Ba)





Guten Morgen liebe Landsleute,

zunächst mal möchte ich sagen:

FRÜHLING IST MÖGLICH!

ist das eine Wonne, wie die Natur jetzt den Turbogang einlegt nach dem langen stand-by
Luft, Licht, Sonne :-)))))




rosa markiert

Lieber Hackel und DDR-Bürger,

total egal was die "systemrelevanten Hasadeure tun" - die DDR ist in eurem Herzen, weil sie eurer Land war, eure Heimat, Teil "eurer Geschichte" ist, euer gelebtes Leben! Diese Anerkennung hat der Westen verpasst, nicht weil er böse kapitalistisch ist, sondern die Menschen gleichgültig waren, sich nicht hinein versetzen konnten oder wollten. Und ihr eure "Werte" in ihr verwirklicht saht, zumindest mehr als im heutigen Deutschland. Das ist "Haltung", die ich total nachvollziehen kann.
Ich glaube das ist ein ganz zentrales Thema!


Hackel ich finde jetzt verflixt nochmal nicht mehr die Stelle, wo du über den Lokomotiv-Führer geschrieben hast.

Denn was du schriebst ist nämlich eine wunderbare Metapher dafür, wie ein "Politiker" sein sollte:

jemand der in der Lage ist umsichtig und verantwortlich einen Zug zu führen, bei Wind und Wetter, durch Nacht und Nebel, diese schwere Maschine mit ihrer Dynamik jederzeit im Griff hat, auf jede Eventualität gefasst ist, und der sich seiner großen Verantwortung für die Mitfahrenden jederzeit bewusst ist.

Und wenn er irgendwann mal müde wird und merkt dass die Konzentration nachlässt, den Führerstand frei macht für "frisches Personal".

Ist jetzt bestimmt wieder naiv von mir, aber warum nicht mal solche Vorbilder sich zu Herzen nehmen?


(der "Kapitalist" ist ein Kunde von mir, wir sind im lfd. Projekt, und auf eineinander angewiesen, das hat er finanziell ausgenutzt, etwas was ich nie tun würde < das weiß er - ganz fies, aber ich habe es schon verwunden und wieder etwas dazu gelernt :-)




Siehst Du Barbara, jetzt kommt nämlich der entscheidende Punkt.
Lokführer Hackel fährt unfallfrei und gerne, selbst die 120 oder 150% die man manchmal bringen muß, sind ihm nicht zu viel, da auch die Technik vieles überwacht, so daß Unfälle wie in Hordorf (keine Gleismagneten für Zwangsbremsung bei Mißachtung von Signalen) eigentlich nicht mehr passieren können.
Gleichwohl passieren aber trotzdem Unfälle mit anderen Ursachen, wo man selbst überlegt, ob man selbst alles richtig gemacht hätte, obwohl man tausende km im Monat sicher und unfallfrei absolviert, genauso wie Honecker über Jahrzehnte Tag für Tag im ruhigen Fahrwasser unterwegs war und einfach nur Glück hatte, daß niemand vorher schon auf die Straße gegangen ist und das arbeitende Volk tüchtig genug war, das Chaos zu verhindern.
Und genauso wie es bei der Eisenbahn Basiseliten gibt es die auch in der Politik, in der Kommune, dem Landtag vielleicht sogar im Europaparlament und es ist keineswegs naiv, so etwas öffentlich auch zu äußern.
Die erste Ansage, die ich 2005 in meiner neuen und inzwischen marktführenden Privatbahn im Bereich Containertransport der Nord- Süd- Trasse von der Direktion erhielt war, daß jeder an seinem Platz das Optimale rausholen möge und Mißstände in anderen Bereichen zwar erwähnen kann, sie aber nicht eigenmächtig zu bekämpfen hat.
Ähnlich war auch die Ansage im Sozialismus ...."mein Arbeitsplatz- mein Kampfplatz für den Frieden...."ganz so dick trug man zwar nicht auf, aber die Botschaft ist die selbe.
Zwar möchte ich Dir nicht den wonnigen Frühlingstag verderben, aber die Einheitsrufer auf den Montagsdemos waren genau dieses Kaliber, denen ich nach wie vor die volle Verachtung entgegenbringe, da sie eigenmächtig etwas forderten ohne die Konsequenzen in Betracht zu ziehen nach dem Motto "Das Donnerwetter wird schon andere treffen" oder ähnliches.



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#113

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 18.04.2013 15:27
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #111
Zitat von Jobnomade im Beitrag #33
Ach, liebe Barbara,

Du bist "Gesamt-Deutsche" - wenn Du schon so eine Schublade besetzen möchtest - ich auch.
Sicher erinnerst Du Dich an die unbequeme Wahrheit, die Oskar LaFontaine 1990 ausgesprochen hat: "es wird eine Generation dauern, bis wir in Deutschland Ost und West gleiche Lebensverhältnisse haben".
Deshalb hat er ja auch keine Mehrheit damals bekommen - die Zwecklüge von den "bühenden Landschaften" aus der "Portokasse" finanziert schien verlockender.
Nun ist es 23 Jahre -etwa eine Generation- her und immer deutlicher wird, dass wir kein Ost-West-Problem mehr haben, sondern ein soziales Gefalle arm-reich, welches nicht so einfach geografisch festzumachen ist.
Ich vergleiche mal vom Lebensniveau Orte und Gegenden, wo längere Zeit gelebt habe/lebe:
Dresden - Regensburg. Die Oberlausiz bzw Kreis Görlitz - der Vogelsberg-Kreis (und da schneidet der Vogelsberg vielleich sogar noch schlechter ab als die arme Oberlausitz).

Was Du über Deine Biografie schreibst - so gross ist der Unterschied zwischen uns gar nicht (na gut, als Freelancer hab ich mich noch nicht versucht, mein Auto ist erst 14 Jahre und hat Rostflecken, aber ansonsten ...)
Ach, wer hätte uns ex-Ossis 1990, nachdem die erste grosse Begeisterung vorbei war, am Händchen nehmen sollen und in die Marktwirschaft sanft einführen sollen ?
Die Gewerkschaften des Westens ?
Die Linken Parteien ?
Die Behörden ?
Ja, ich erinnere mich - gleich im Sommer 1990 solte ich beim Arbeitsamt einen Kurs belegen sollen "Einführung in die Marktwirtschaft". Ich hatte aber schon meinen "Praxisteil" bei einem Nürnberger Zeitarbeitsunternehmen "gebucht". War auch lehrreich.

Mir fällt niemand so wirklich ein, der die 16,5 Millionen neu hinzugekommenen Bundesbürger hätte auf ihr künftiges Leben im Kapitalismus vorbereiten können.
Darauf war auch die Bundesrepublik nicht so recht "strukturell vorbereitet".

Um den Bogen zum "Heute" zu schlagen - was können wir tun, um möglichst keinen in unserer Gesellschaft zurückzulassen ?
- Unsere Kinder optimal auf die "rauhe Wirklichkeit" vorbereiten, in ihre gute Ausbildung investieren
- Solidarität mit den Schwächeren in unserer Gesellschaft üben - was aber nicht zur Selbstaufopferung führen darf, sonst werde ich selbst zum Problem für andere.


Bestimmt gibt es hier noch ein paar mehr wichtige Sachen..


Herzlichen Gruss von Hartmut






Lieber Hartmut,

ich habe nochmal diesen Beitrag von dir nach vorne geholt. Das blau markierte ist ja genau der Hintergrund meiner Frage zu "Siegerjustiz". Macht so ein Begriff heute noch Sinn....
Ich finde deinen Verweis auf "unsere Kinder" sehr wichtig. Wie werden unsere Kinder, wenn sie älter werden, und sich nach der Geschichte "umwenden" (und das werden sie tun, da bin ich sicher!) - genau so wie wir das hier tun - das bewerten? Werden sie auf den Begriff "Siegerjustiz" stoßen? Was wird er ihnen sagen? Vielleicht, dass das Deutschland, in dem sie leben - das heutige - in der Geschichte ein tiefe Ungerechtigkeit birgt, dass nämlich der eine Teil der Bevölkerung den anderen Teil "feindlich" übernommen hat. Dass "Siegerjustiz" herrschte. Wie wird das auf sie wirken, je nachdem in welcher Situation unsere Kindern dann selbst sind. Vielleicht ein bisschen weit hergeholt von mir, aber dennoch.....


Ich teile deine Meinnung über die Verschiebung der Verantwortung von oben nach unten, wenn's letztlich drauf ankommt.
Die innerdeutsche Grenze war nicht einfach nur eine Staatsgrenze, sie war weit mehr als das. Wir haben über die Situation und ethischen möglichen Konsequenzen der Grenzer, und überhaupt von Soldaten generell ja schon in "Befehl, Gehorsam, Gewissen" viel nachgedacht. Letztlich allein gelassen zu werden durch den Staat, das ist nicht i.O. nach meiner Meinung.

Ich habe die Erklärung von Baumgarten auch gelesen, immerhin hat er Stellung bezogen!


--------------------

Oh ja, dann liest du "Pelle"!

Herzliche Grüße von Barbara, die gerne deine gesamtdeutsche Mitbürgerin ist!






Liebe Barbara,

in meinem Spachgebrauch gibt es den Begriff "Siegerjustiz" nicht.
Ich hab mal google nach dem Begriff befragt und bin auf die Webseite http://www.siegerjustiz.de/ gestossen.
Nun, da mag sich jeder sein Urteil bilden - aber ich habe mit solch Polemik und ihren Verfassern nichts am Hut.
Und ich würde auch das hier nicht als "Siegerjustiz" bezeichnen:
http://www.chronik-der-mauer.de/index.ph...le/Start/page/1
Auch wenn ich selbst in der Lage dieser ehemaligen Grenzer sein könnte - traurig, sie sind auf der Verliererseite gelandet und müssen sich ihr Leben lang Vorwürfe machen.
Was werden unsere Kinder (und Enkel - ich denke mal noch eine Generation weiter, ich bin ja auch schon Grossvater) mal darüber sagen ?
Nun, ich denke, diese Kalter-Krieg-BRD-DDR-Fragen berühren sie dann genau so wie uns, wenn wir heute vor einem Gedenkstein stehen, der an die Gefallenen des 1. oder 2. Weltkrieges erinnert. Die Zeitzeugen des Kalten Krieges wird es dann zwar teilweise noch geben, aber das Ganze ist dann schon eine Ewigkeit her.
Wird Europa dann schon wieder in 2 Lager zerfallen sein, die sich voneinander abgrenzen, vielleicht sogar militärisch bedrohen ?
Wird die nächste "Mauer" Nord- und Südeuropa voneinander trennen ? Als Folge der heutigen Euro-Krise ?
Hoffentlich nicht.
Meine Glaskugel gibt da keine Prognose.
Ich hoffe nur, das unsere Kinder und Enkel aus der Geschichte lernen und es besser machen. Dann hätte es sich auch für sie gelohnt, das wir die "Mauer" damals beseitigt haben.

Herzlichen Gruss von Hartmut


u3644_Jobnomade.html
zuletzt bearbeitet 18.04.2013 15:28 | nach oben springen

#114

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 18.04.2013 16:36
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #112
Zitat von Barbara im Beitrag #110
Zitat von ddr-bürger im Beitrag #104
Zitat von Hackel39 im Beitrag #103
Zitat von Barbara im Beitrag #101
Zitat von Hackel39 im Beitrag #93
Zitat von Barbara im Beitrag #87
Zitat von Hackel39 im Beitrag #49
Der Begriff "Siegerjustiz" ist mir noch im Zusammenhang mit dem politischen Prozeß gegen Erich Honecker an die Adresse der Berliner Justizsenatorin Limbach recht gut in Erinnerung und hier war er auch angebracht.
Stellvertretend für das wutschnaubende Volk der DDR mußte die Siegerökonomie BRD als Dienstleister für die mehr oder weniger lächerlichen Rachegelüste einer gewissen Klientel von DDR- Bürgern gegen den SED- Generalsekretär herhalten und das tun, was die Straße verlangte, so sehe ich das.
Hätte man auf diese Siegerjustiz verzichtet, wäre der Volkszorn möglicherweise sogar dem zaudernden und zögerlichen Westapparat entgegengeschlagen und vor einem Volk, daß eben noch hunderttausende mobilisiert hatte um einen übermächtigen Gegener aus dem Weg zu räumen, sollte man sich in der Tat vorsehen.




Hackel, es gibt aber doch auch viele ehem. DDR-Bürger die sagen, dass die "Oberen" der DDR viel zu wenig zur Rechenschaft gezogen worden sind. Das die "Kleinen" es immer sind, die letztlich die Zeche zahlen. Es gibt sehr unterschiedliche "Gruppen" die den Begriff Siegerjustiz für jeweils ihre Inhalte benutzen, das ist ganz schön verwirrend finde ich....




Liebe Barbara, ich hoffe daß es Dich nicht allzu sehr schockt, wenn ich Honecker nicht als Großen bezeichnen würde, zumindest nicht im ökonomischen Sinne.
Die 108.000 Mark, die er zuletzt auf dem Konto hatte, die waren im Raubtiersozialismus viel weniger spektakulär, als westdeutsche Bürger das damals für möglich gehalten hätten, jeder Autoschieber und Schwarzhändler von BHG- Waren (Baumarkt) hatte mehr und selbst Hackel, der Überstundenschrubber war in diesen Vermögenssegment schon fast angekommen.
Honecker war kein Verbrecher im Sinne des Strafgesetzbuches, er hat an seine Ideen geglaubt und niemand aus seinem unmittelbaren Umfeld hat ihn gestoppt und um mal ein wenig in die Welt hinauszublicken...was hat denn Duvalier aus diesem kleinen bettelarmen Haiti herausgepreßt oder andere Diktatoren, die von Anfang an Bereicherung als persönliches Ziel im Visier hatten.
Vor diesem Hintergrund muß man Honeckers Wirken auch mal betrachten und natürlich ist er hauptschuldig am Systemversagen, aber daß er Lebensjahre entwertet hat, kann und will ich nicht bilanzieren.
Die Einlassung eines Foristen, daß Honecker ja auch das Schicksal Ceausescus hätte ereilen können ist abwegig, da der SED- Generalsekretär zu keiner Zeit Visionen des totalen Krieges gegen sein Volk geäußert hatte, dazu war er schon viel zu schwach, Gott sei Dank möchte man da sagen, erst recht nicht kann man konstatieren, daß ein Leben in der DDR mit Knechtschaft gleichzusetzen wäre, zu tüchtig waren die meisten Werktätigen und zu robust die Selbstheilungskräfte gegen die Tücken der Mangelwirtschaft.
Ich wüßte nicht mal, ob man Schalk- Golodkowski überhaupt bestrafen sollte, er wäre vielleicht einer der ersten Milliardäre in einer nicht vereinigten DDR geworden und auch der Mord, den Mielke 1932 verübt haben soll kam in den bürgerkriegsähnlichen Zuständen der aufkommenden Nazidiktatur zustande.
Insgesamt habe ich meinen Frieden geschlossen mit den Verantwortlichen im SED- Staat, ich kann ja nur für mich sprechen, andere Geschichten von Opfern lassen zu viele wesentliche Fragen offen, auch hier im Forum, um sie abschließend zu bewerten.
Man traut sich viele davon auch gar nicht zu stellen, da es ja kein Vier- Augen- Gespräch ist und man nie weiß, ob die Frage selbst schon als Attacke verstanden wird, so ist das nun mal.



Lieber Hackel, du bist einfach so großzügig. Wie schade dass du nicht Staatsratsvorsitzender geworden bist, wer weiß was dann gewesen wäre...., das meine ich ganz ehrlich.
Aber doch doch doch Herr Honecker war verantwortlich und die anderen Spitzenleute auch, man muss sich das ganz klar machen: wer die Macht will, muss die Verantwortung übernehmen. Jeder muss das in seinem persönlichen Leben auch tun.
Und es geht gar nicht um Geld - jedenfalls nicht nur. Ist Geld nicht sowieso nur eine Metapher für was ganz anderes? Darüber müsste man auch mal nachdenken.
Ich finde übrigens deine Idee mit der Bahnlinie total schön wenn du 3 Mios hättest, wer weiß was das Schicksal noch auf Lager hat :-)

Ich bin heute von den "Kapitalisten" dermaßen über den Tisch gezogen worden und musste noch nett und freundlch dabei sein (zum Glück nur am Telefon), bin noch ganz geschockt und hätte am liebstsen geschmissen. Kann ich aber nicht. Da hätte ich mal so ein richtig satte kämpferische Ansage brauchen können so wie du sie drauf hast, hach das hätte gut getan...






Guten Morgen Barbara und Danke für Deine optimistische Einschätzung des postum- Generalsekretärs Hackel, aber der war von Anfang an ausgesperrt von wirklichen Gestaltungsmöglichkeiten mangels Zugehörigkeit zu Funktionärsfamilien, aber egal.
Das mit der Hauptverantwortung am Systemversagen durch Honecker habe ich ja schon zugestanden, ihn als Vergeltung für dieses Scheitern wie einen reudigen Köter vom Hof zu jagen, war schon die Maximalstrafe, Gefängnis war auch in der Nachbewertung nicht angemessen.
Was müßte man denn dann mit den hundertfach höher bezahlten Gierbankern in den Glaspalästen machen, die für ihr Unvermögen, die Krise von ihren Geldhäusern fernzuhalten auch bloß Gehaltskürzungen hinzunehmen hatten und nicht in den Knast gesteckt worden sind ?
Die hatten im Gegensatz zu Honecker übermenschliche Einkommen aber eben keine übermenschlichen Fähigkeiten, während der Staatslenker in der Relation vergleichbarer Tätigkeiten im Arbeiter- und Bauernstaat monetär betrachtet nur ein Normalverdiener war.
Beide Kategorien sowohl der Bankmanager als auch der Staatslenker haben ganz andere Schwierigkeitsgrade in ihrem beruflichen Alltag zu bewältigen als beispielsweise der Lokführer, der sich vielleicht mal etwas mehr konzentrieren muß, wenn er bei dichtem Nebel und Höchstgeschwindigkeit seinen Zug trotzdem pünktlich vom Gegengleis wieder sicher aufs (rechte) Regelgleis bringen muß.
Genau wegen solcher Vorgänge um die personellen Konsequenzen dieses Bankenwahnsinns relativiert sich aus meiner Sicht eben auch im Nachhinein die Schuld des Politbüros, auch wenn die Sache längst durch ist.
Ein Staat, der so etwas durchgehen läßt, ein Staat, der dafür kein Strafmaß benennen kann ist genauso krank wie die Leck geschlagene DDR, das ist meine Meinung und solange systemrelevante Hasardeure diese Republik verzocken dürfen, wird die DDR ihren Wert zumindest in meinem Herzen erhalten können.




Bei dem Grün markierten sprichst Du mir aus dem Herzen.
(jetzt lila... Ba)





Guten Morgen liebe Landsleute,

zunächst mal möchte ich sagen:

FRÜHLING IST MÖGLICH!

ist das eine Wonne, wie die Natur jetzt den Turbogang einlegt nach dem langen stand-by
Luft, Licht, Sonne :-)))))




rosa markiert

Lieber Hackel und DDR-Bürger,

total egal was die "systemrelevanten Hasadeure tun" - die DDR ist in eurem Herzen, weil sie eurer Land war, eure Heimat, Teil "eurer Geschichte" ist, euer gelebtes Leben! Diese Anerkennung hat der Westen verpasst, nicht weil er böse kapitalistisch ist, sondern die Menschen gleichgültig waren, sich nicht hinein versetzen konnten oder wollten. Und ihr eure "Werte" in ihr verwirklicht saht, zumindest mehr als im heutigen Deutschland. Das ist "Haltung", die ich total nachvollziehen kann.
Ich glaube das ist ein ganz zentrales Thema!


Hackel ich finde jetzt verflixt nochmal nicht mehr die Stelle, wo du über den Lokomotiv-Führer geschrieben hast.

Denn was du schriebst ist nämlich eine wunderbare Metapher dafür, wie ein "Politiker" sein sollte:

jemand der in der Lage ist umsichtig und verantwortlich einen Zug zu führen, bei Wind und Wetter, durch Nacht und Nebel, diese schwere Maschine mit ihrer Dynamik jederzeit im Griff hat, auf jede Eventualität gefasst ist, und der sich seiner großen Verantwortung für die Mitfahrenden jederzeit bewusst ist.

Und wenn er irgendwann mal müde wird und merkt dass die Konzentration nachlässt, den Führerstand frei macht für "frisches Personal".

Ist jetzt bestimmt wieder naiv von mir, aber warum nicht mal solche Vorbilder sich zu Herzen nehmen?


(der "Kapitalist" ist ein Kunde von mir, wir sind im lfd. Projekt, und auf eineinander angewiesen, das hat er finanziell ausgenutzt, etwas was ich nie tun würde < das weiß er - ganz fies, aber ich habe es schon verwunden und wieder etwas dazu gelernt :-)




Siehst Du Barbara, jetzt kommt nämlich der entscheidende Punkt.
Lokführer Hackel fährt unfallfrei und gerne, selbst die 120 oder 150% die man manchmal bringen muß, sind ihm nicht zu viel, da auch die Technik vieles überwacht, so daß Unfälle wie in Hordorf (keine Gleismagneten für Zwangsbremsung bei Mißachtung von Signalen) eigentlich nicht mehr passieren können.
Gleichwohl passieren aber trotzdem Unfälle mit anderen Ursachen, wo man selbst überlegt, ob man selbst alles richtig gemacht hätte, obwohl man tausende km im Monat sicher und unfallfrei absolviert, genauso wie Honecker über Jahrzehnte Tag für Tag im ruhigen Fahrwasser unterwegs war und einfach nur Glück hatte, daß niemand vorher schon auf die Straße gegangen ist und das arbeitende Volk tüchtig genug war, das Chaos zu verhindern.
Und genauso wie es bei der Eisenbahn Basiseliten gibt es die auch in der Politik, in der Kommune, dem Landtag vielleicht sogar im Europaparlament und es ist keineswegs naiv, so etwas öffentlich auch zu äußern.
Die erste Ansage, die ich 2005 in meiner neuen und inzwischen marktführenden Privatbahn im Bereich Containertransport der Nord- Süd- Trasse von der Direktion erhielt war, daß jeder an seinem Platz das Optimale rausholen möge und Mißstände in anderen Bereichen zwar erwähnen kann, sie aber nicht eigenmächtig zu bekämpfen hat.
Ähnlich war auch die Ansage im Sozialismus ...."mein Arbeitsplatz- mein Kampfplatz für den Frieden...."ganz so dick trug man zwar nicht auf, aber die Botschaft ist die selbe.
Zwar möchte ich Dir nicht den wonnigen Frühlingstag verderben, aber die Einheitsrufer auf den Montagsdemos waren genau dieses Kaliber, denen ich nach wie vor die volle Verachtung entgegenbringe, da sie eigenmächtig etwas forderten ohne die Konsequenzen in Betracht zu ziehen nach dem Motto "Das Donnerwetter wird schon andere treffen" oder ähnliches.




Hallo Hackel39,

ich möchte zu dem rot markierten eine Kleinigkeit anmerken, zur Chronologie, um mal Ursache und Wirkung etwas zu verdeutlichen:
Ich war auf vielen Montagsdemos dabei und habe "Wir sind das Volk" mitgerufen.
Der Ruf "Wir sind ein Vok" ertönte erst eine ganze Weile, nach die Grenze am 9.November 1989 geöffnet wurde.
Durch wen ?
Richtig, durch einen Beschluss der SED-Führung, stotternd vorgetragen von Günter Schabowski.
Die SED-Führung hatte gewissermassen die "Reissleine" gezogen.
Ich hab danach auch noch eine Weile an eine eigenständige, neue DDR geglaubt - meinst Du, dass das lange funktioniert hätte, mit offener Grenze zur BRD ?
Warum hat Ulbricht 1961 die Mauer bauen lassen ?
Schau mal bitte in die Chroniken, wie viele DDR-Bürger vor dem Mauerbau gen Westen gegangen sind.
Die Kurve hättest Du weiterrechnen können, bis "der Letzte das Licht ausmacht".
Meinst Du, es nach 89 anders gekommen ?
Und wenn ja - aus welchen Gründen ?
Nun können wir noch spekulieren, wen die offene Grenze eher zu Veränderungen im Berufleben gezwungen hätte: den Lokführer Hackel39 oder den Softwareentwickler Jobnomade.
Ich meine: die Reihenfolge ist fast egal - es hätte uns beide getroffen, ob wir wollen oder nicht. DIe Weichen waren gestellt mit der offenen Grenze. Meinst Du, irgendein Politiker hätte sich getraut diese Grenze wieder zu schliessen ?

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
zuletzt bearbeitet 18.04.2013 16:59 | nach oben springen

#115

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 18.04.2013 16:57
von Polter (gelöscht)
avatar

Für mich wird das Thema durch die ellenlange Zitiererei etwas unübersichtlich und es ist anstrengend zu lesen. Sorry !!


bendix und Pit 59 haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#116

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 18.04.2013 17:22
von Pit 59 | 10.164 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #112

Zitat von Barbara im Beitrag #110

Zitat von ddr-bürger im Beitrag #104

Zitat von Hackel39 im Beitrag #103

Zitat von Barbara im Beitrag #101

Zitat von Hackel39 im Beitrag #93

Zitat von Barbara im Beitrag #87

Zitat von Hackel39 im Beitrag #49Der Begriff "Siegerjustiz" ist mir noch im Zusammenhang mit dem politischen Prozeß gegen Erich Honecker an die Adresse der Berliner Justizsenatorin Limbach recht gut in Erinnerung und hier war er auch angebracht.
Stellvertretend für das wutschnaubende Volk der DDR mußte die Siegerökonomie BRD als Dienstleister für die mehr oder weniger lächerlichen Rachegelüste einer gewissen Klientel von DDR- Bürgern gegen den SED- Generalsekretär herhalten und das tun, was die Straße verlangte, so sehe ich das.
Hätte man auf diese Siegerjustiz verzichtet, wäre der Volkszorn möglicherweise sogar dem zaudernden und zögerlichen Westapparat entgegengeschlagen und vor einem Volk, daß eben noch hunderttausende mobilisiert hatte um einen übermächtigen Gegener aus dem Weg zu räumen, sollte man sich in der Tat vorsehen.




Hackel, es gibt aber doch auch viele ehem. DDR-Bürger die sagen, dass die "Oberen" der DDR viel zu wenig zur Rechenschaft gezogen worden sind. Das die "Kleinen" es immer sind, die letztlich die Zeche zahlen. Es gibt sehr unterschiedliche "Gruppen" die den Begriff Siegerjustiz für jeweils ihre Inhalte benutzen, das ist ganz schön verwirrend finde ich....



Liebe Barbara, ich hoffe daß es Dich nicht allzu sehr schockt, wenn ich Honecker nicht als Großen bezeichnen würde, zumindest nicht im ökonomischen Sinne.
Die 108.000 Mark, die er zuletzt auf dem Konto hatte, die waren im Raubtiersozialismus viel weniger spektakulär, als westdeutsche Bürger das damals für möglich gehalten hätten, jeder Autoschieber und Schwarzhändler von BHG- Waren (Baumarkt) hatte mehr und selbst Hackel, der Überstundenschrubber war in diesen Vermögenssegment schon fast angekommen.
Honecker war kein Verbrecher im Sinne des Strafgesetzbuches, er hat an seine Ideen geglaubt und niemand aus seinem unmittelbaren Umfeld hat ihn gestoppt und um mal ein wenig in die Welt hinauszublicken...was hat denn Duvalier aus diesem kleinen bettelarmen Haiti herausgepreßt oder andere Diktatoren, die von Anfang an Bereicherung als persönliches Ziel im Visier hatten.
Vor diesem Hintergrund muß man Honeckers Wirken auch mal betrachten und natürlich ist er hauptschuldig am Systemversagen, aber daß er Lebensjahre entwertet hat, kann und will ich nicht bilanzieren.
Die Einlassung eines Foristen, daß Honecker ja auch das Schicksal Ceausescus hätte ereilen können ist abwegig, da der SED- Generalsekretär zu keiner Zeit Visionen des totalen Krieges gegen sein Volk geäußert hatte, dazu war er schon viel zu schwach, Gott sei Dank möchte man da sagen, erst recht nicht kann man konstatieren, daß ein Leben in der DDR mit Knechtschaft gleichzusetzen wäre, zu tüchtig waren die meisten Werktätigen und zu robust die Selbstheilungskräfte gegen die Tücken der Mangelwirtschaft.
Ich wüßte nicht mal, ob man Schalk- Golodkowski überhaupt bestrafen sollte, er wäre vielleicht einer der ersten Milliardäre in einer nicht vereinigten DDR geworden und auch der Mord, den Mielke 1932 verübt haben soll kam in den bürgerkriegsähnlichen Zuständen der aufkommenden Nazidiktatur zustande.
Insgesamt habe ich meinen Frieden geschlossen mit den Verantwortlichen im SED- Staat, ich kann ja nur für mich sprechen, andere Geschichten von Opfern lassen zu viele wesentliche Fragen offen, auch hier im Forum, um sie abschließend zu bewerten.
Man traut sich viele davon auch gar nicht zu stellen, da es ja kein Vier- Augen- Gespräch ist und man nie weiß, ob die Frage selbst schon als Attacke verstanden wird, so ist das nun mal.




Lieber Hackel, du bist einfach so großzügig. Wie schade dass du nicht Staatsratsvorsitzender geworden bist, wer weiß was dann gewesen wäre...., das meine ich ganz ehrlich.
Aber doch doch doch Herr Honecker war verantwortlich und die anderen Spitzenleute auch, man muss sich das ganz klar machen: wer die Macht will, muss die Verantwortung übernehmen. Jeder muss das in seinem persönlichen Leben auch tun.
Und es geht gar nicht um Geld - jedenfalls nicht nur. Ist Geld nicht sowieso nur eine Metapher für was ganz anderes? Darüber müsste man auch mal nachdenken.
Ich finde übrigens deine Idee mit der Bahnlinie total schön wenn du 3 Mios hättest, wer weiß was das Schicksal noch auf Lager hat :-)

Ich bin heute von den "Kapitalisten" dermaßen über den Tisch gezogen worden und musste noch nett und freundlch dabei sein (zum Glück nur am Telefon), bin noch ganz geschockt und hätte am liebstsen geschmissen. Kann ich aber nicht. Da hätte ich mal so ein richtig satte kämpferische Ansage brauchen können so wie du sie drauf hast, hach das hätte gut getan...





Guten Morgen Barbara und Danke für Deine optimistische Einschätzung des postum- Generalsekretärs Hackel, aber der war von Anfang an ausgesperrt von wirklichen Gestaltungsmöglichkeiten mangels Zugehörigkeit zu Funktionärsfamilien, aber egal.
Das mit der Hauptverantwortung am Systemversagen durch Honecker habe ich ja schon zugestanden, ihn als Vergeltung für dieses Scheitern wie einen reudigen Köter vom Hof zu jagen, war schon die Maximalstrafe, Gefängnis war auch in der Nachbewertung nicht angemessen.
Was müßte man denn dann mit den hundertfach höher bezahlten Gierbankern in den Glaspalästen machen, die für ihr Unvermögen, die Krise von ihren Geldhäusern fernzuhalten auch bloß Gehaltskürzungen hinzunehmen hatten und nicht in den Knast gesteckt worden sind ?
Die hatten im Gegensatz zu Honecker übermenschliche Einkommen aber eben keine übermenschlichen Fähigkeiten, während der Staatslenker in der Relation vergleichbarer Tätigkeiten im Arbeiter- und Bauernstaat monetär betrachtet nur ein Normalverdiener war.
Beide Kategorien sowohl der Bankmanager als auch der Staatslenker haben ganz andere Schwierigkeitsgrade in ihrem beruflichen Alltag zu bewältigen als beispielsweise der Lokführer, der sich vielleicht mal etwas mehr konzentrieren muß, wenn er bei dichtem Nebel und Höchstgeschwindigkeit seinen Zug trotzdem pünktlich vom Gegengleis wieder sicher aufs (rechte) Regelgleis bringen muß.
Genau wegen solcher Vorgänge um die personellen Konsequenzen dieses Bankenwahnsinns relativiert sich aus meiner Sicht eben auch im Nachhinein die Schuld des Politbüros, auch wenn die Sache längst durch ist.
Ein Staat, der so etwas durchgehen läßt, ein Staat, der dafür kein Strafmaß benennen kann ist genauso krank wie die Leck geschlagene DDR, das ist meine Meinung und solange systemrelevante Hasardeure diese Republik verzocken dürfen, wird die DDR ihren Wert zumindest in meinem Herzen erhalten können.




Bei dem Grün markierten sprichst Du mir aus dem Herzen.

(jetzt lila... Ba)





Guten Morgen liebe Landsleute,

zunächst mal möchte ich sagen:

FRÜHLING IST MÖGLICH!

ist das eine Wonne, wie die Natur jetzt den Turbogang einlegt nach dem langen stand-by
Luft, Licht, Sonne :-)))))




rosa markiert

Lieber Hackel und DDR-Bürger,

total egal was die "systemrelevanten Hasadeure tun" - die DDR ist in eurem Herzen, weil sie eurer Land war, eure Heimat, Teil "eurer Geschichte" ist, euer gelebtes Leben! Diese Anerkennung hat der Westen verpasst, nicht weil er böse kapitalistisch ist, sondern die Menschen gleichgültig waren, sich nicht hinein versetzen konnten oder wollten. Und ihr eure "Werte" in ihr verwirklicht saht, zumindest mehr als im heutigen Deutschland. Das ist "Haltung", die ich total nachvollziehen kann.
Ich glaube das ist ein ganz zentrales Thema!


Hackel ich finde jetzt verflixt nochmal nicht mehr die Stelle, wo du über den Lokomotiv-Führer geschrieben hast.

Denn was du schriebst ist nämlich eine wunderbare Metapher dafür, wie ein "Politiker" sein sollte:

jemand der in der Lage ist umsichtig und verantwortlich einen Zug zu führen, bei Wind und Wetter, durch Nacht und Nebel, diese schwere Maschine mit ihrer Dynamik jederzeit im Griff hat, auf jede Eventualität gefasst ist, und der sich seiner großen Verantwortung für die Mitfahrenden jederzeit bewusst ist.

Und wenn er irgendwann mal müde wird und merkt dass die Konzentration nachlässt, den Führerstand frei macht für "frisches Personal".

Ist jetzt bestimmt wieder naiv von mir, aber warum nicht mal solche Vorbilder sich zu Herzen nehmen?


(der "Kapitalist" ist ein Kunde von mir, wir sind im lfd. Projekt, und auf eineinander angewiesen, das hat er finanziell ausgenutzt, etwas was ich nie tun würde < das weiß er - ganz fies, aber ich habe es schon verwunden und wieder etwas dazu gelernt :-)



Siehst Du Barbara, jetzt kommt nämlich der entscheidende Punkt.
Lokführer Hackel fährt unfallfrei und gerne, selbst die 120 oder 150% die man manchmal bringen muß, sind ihm nicht zu viel, da auch die Technik vieles überwacht, so daß Unfälle wie in Hordorf (keine Gleismagneten für Zwangsbremsung bei Mißachtung von Signalen) eigentlich nicht mehr passieren können.
Gleichwohl passieren aber trotzdem Unfälle mit anderen Ursachen, wo man selbst überlegt, ob man selbst alles richtig gemacht hätte, obwohl man tausende km im Monat sicher und unfallfrei absolviert, genauso wie Honecker über Jahrzehnte Tag für Tag im ruhigen Fahrwasser unterwegs war und einfach nur Glück hatte, daß niemand vorher schon auf die Straße gegangen ist und das arbeitende Volk tüchtig genug war, das Chaos zu verhindern.
Und genauso wie es bei der Eisenbahn Basiseliten gibt es die auch in der Politik, in der Kommune, dem Landtag vielleicht sogar im Europaparlament und es ist keineswegs naiv, so etwas öffentlich auch zu äußern.
Die erste Ansage, die ich 2005 in meiner neuen und inzwischen marktführenden Privatbahn im Bereich Containertransport der Nord- Süd- Trasse von der Direktion erhielt war, daß jeder an seinem Platz das Optimale rausholen möge und Mißstände in anderen Bereichen zwar erwähnen kann, sie aber nicht eigenmächtig zu bekämpfen hat.
Ähnlich war auch die Ansage im Sozialismus ...."mein Arbeitsplatz- mein Kampfplatz für den Frieden...."ganz so dick trug man zwar nicht auf, aber die Botschaft ist die selbe.
Zwar möchte ich Dir nicht den wonnigen Frühlingstag verderben, aber die Einheitsrufer auf den Montagsdemos waren genau dieses Kaliber, denen ich nach wie vor die volle Verachtung entgegenbringe, da sie eigenmächtig etwas forderten ohne die Konsequenzen in Betracht zu ziehen nach dem Motto "Das Donnerwetter wird schon andere treffen" oder ähnliches.




Hallo Hackel39,

ich möchte zu dem rot markierten eine Kleinigkeit anmerken, zur Chronologie, um mal Ursache und Wirkung etwas zu verdeutlichen:
Ich war auf vielen Montagsdemos dabei und habe "Wir sind das Volk" mitgerufen.
Der Ruf "Wir sind ein Vok" ertönte erst eine ganze Weile, nach die Grenze am 9.November 1989 geöffnet wurde.
Durch wen ?
Richtig, durch einen Beschluss der SED-Führung, stotternd vorgetragen von Günter Schabowski.
Die SED-Führung hatte gewissermassen die "Reissleine" gezogen.
Ich hab danach auch noch eine Weile an eine eigenständige, neue DDR geglaubt - meinst Du, dass das lange funktioniert hätte, mit offener Grenze zur BRD ?
Warum hat Ulbricht 1961 die Mauer bauen lassen ?
Schau mal bitte in die Chroniken, wie viele DDR-Bürger vor dem Mauerbau gen Westen gegangen sind.
Die Kurve hättest Du weiterrechnen können, bis "der Letzte das Licht ausmacht".
Meinst Du, es nach 89 anders gekommen ?
Und wenn ja - aus welchen Gründen ?
Nun können wir noch spekulieren, wen die offene Grenze eher zu Veränderungen im Berufleben gezwungen hätte: den Lokführer Hackel39 oder den Softwareentwickler Jobnomade.
Ich meine: die Reihenfolge ist fast egal - es hätte uns beide getroffen, ob wir wollen oder nicht. DIe Weichen waren gestellt mit der offenen Grenze. Meinst Du, irgendein Politiker hätte sich getraut diese Grenze wieder zu schliessen ?

Gruss Hartmut

Grenzsoldat von Oktober 1978 bis April 1980
BedankenBedanken
zuletzt bearbeitet vor 20 Minuten | nach oben springen
Zitatzitieren


So eine lange Sackgasse gibts auch gar nicht.


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#117

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 18.04.2013 17:31
von 94 | 10.792 Beiträge

lol, hat ebend jeder seine Cul-de-sac
(upps, da fällt mir gleich noch was für die Mucke_zwischendurch ein)


Quelle: http://www.spatium-magazin.de/page/63/


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#118

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 18.04.2013 19:57
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Die Sackgasse ist wie eine Fischreuse, das Flossenwild schwimmt und schwimmt und schwimmt und ahnt erst wenn das Wasser weg ist, daß alles vorbei ist.
Mit dem Wissen um dem synchron zum Untergang des Bundesostens verlaufenden Aufstiegs der Chinesen wird klar, daß es perspektivreichere Modelle hätten geben können, als bei der fetten Glucke drunterzukriechen.
Die Grenze hätte man natürlich wieder schließen müssen, jedoch die Urlaubsreise zur Verwandtschaft zulassen können, das Problem der Aussiedlungsbewegung wird viel zu stark überschätzt, die meisten wollten nur sehen was läuft in der Glitzerwelt, selbst aus meiner damaligen Reisegruppe nach Hamburg ist nur einer drüber geblieben, obwohl reale Chancen zum Wegbleiben vorhanden waren und man hat für diese Gruppen keineswegs nur familiär gebundene und 100%ige Genossen ausgesucht, ich weiß selbst, mit wem ich dort war.
Die Startbedingungen bezüglich der fachlichen Ausbildung und das Ende der Cocomliste waren so desolat nicht und man hätte einen recht großen Aderlaß an Bevölkerung, den wir ja trotzdem im Osten hatten, kompensiert.
Die größere Gefahr, die aus einer uneingeschränkt offenen Grenze gedroht hätte wären die Schiebereien oder Sozialgeldpendler (Weststütze kassieren und im Osten residieren), das hätten ehrlich arbeitende DDR- Bürger eingesehen, meine ich und es waren auch nicht alles Konsumidioten.
Wenn die ihren Westautokauf und ihren Mallorcaurlaub für die schrittweise konvertierbaren Einkommen erledigt hätten, wäre der Blick wieder frei für die Chancen der reformierten DDR gewesen, so schlimm war es nicht.
Ich hatte meine Vorstellungen schon an anderer Stelle ausführlicher geäußert.
Es ist ein Riesenfehler, diese Minderheitenproblematik rebellischer Künstler und verunglückter Maueropfer als relevant für die ganze Nation zu betrachten im Bezug auf die Lösungsansätze fernab der Vereinigungsfantasien die unter Gleichen nicht zu haben war.
Die Vereinigung an sich war ja nicht zu verteufeln, wir hätten aber mit 10-20 Jahren freiem Training in der Marktwirtschaft erheblich bessere Verhandlungschancen gehabt, allein darum geht es.
Ich möchte nicht allzu weit abdriften, aber es gibt auch heute noch stumme Schreie im ostdeutschen Alltag, mithin auch eine Minderheitenproblematik.
http://www.mdr.de/mediathek/fernsehen/a-...s-dea15b49.html (bitte "Echt- Magazin vom 26.03.13 anklicken)
Wer jetzt behauptet, eine solche Willkür tue nichts zur Sache, der kriegt von mir jeden Tag eine neue Geschichte geliefert, bis er glaubt, wieder in der DDR zurück zu sein, wenn er sich nur die Mühe macht, seinen Einheitsgewinn realistisch zu analysieren.
Bei der Inventur lege ich jeden ans Herz, gewisse Rückstellungen für das was uns noch bevorsteht, zu kalkulieren.
...Sagt nicht der Guru, sondern jemand, der sehr sehr wachsam ist....



94, DoreHolm, bendix und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#119

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 18.04.2013 20:43
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Polter im Beitrag #115
Für mich wird das Thema durch die ellenlange Zitiererei etwas unübersichtlich und es ist anstrengend zu lesen. Sorry !!


Entschuldigung, technisches Versagen im zwischenmenschlichen Gedankenaustausch aber vielleicht wollten wir nur prüfen, ob es wirklich eine Sackgasse ist.



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#120

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 19.04.2013 10:33
von ddr-bürger (gelöscht)
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Eigentlich müßte es doch richtig lauten - "Redewendungen und Begriffe als Sackgasse". Die werden doch immer zu einem Zweck "kreiert", um etwas zu verdeutlichen und einprägsam zu gestalten. Jede Gesellschaft schaft sich Ihre "Zentralorgane" und "Sprachrohre". das Thema ist nicht systemgebunden, aber hier wird versucht zu suggerieren, das dies nicht gewollt sei.
Das finde ich nicht, es ist gewollt. Gestern / Vorgestern kam in HR 1 (glaube ich) ein Beitrag über die ehemalige US Außenministerein. Dort wurde von Vertreibungen / Fluchten geredet.
Einmal vor der Verfolgung der Juden in der Tschechei und das zweite mal nach dem Krieg (kann nur sinngemäß aus der erinnerung zitieren, evtl hat das ja noch ein anderer User gehört) und das aus dem befreiten Tschechien wo die Kommunisten die Demokratie unterdrückt hätten. Habe da leider nur so nebenher beim Reifenwechsel zugehört, aber das kommt mir bei dem Thema wieder in den Sinn.

Mit solchen Äußerungen kann man schon wieder Stimmung gegen eine Ideologie erzeugen. keine sachliche Wertung- Stimmungsmache.

Wie gesagt das hat es in der DDR auch gegeben, da sitzt wohl jeder im "Glashaus".

Und allem zum Trotz - es gibt eine Siegerjustiz


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