#81

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 16.04.2013 21:02
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Jobnomade im Beitrag #80
Zitat von Hackel39 im Beitrag #74
Zitat von Jobnomade im Beitrag #69
Na gut, ich spring noch mal über das hingehaltene Stöckchen, @Hackel39 und @ddr-bürger:

jetzt schlagen wir den Bogen von der DDR-Grenzsicherung zu Loveparade und irgendwie... vergleichen wir Äpfel mit Birnen.
Zur Loveparade muss ich nicht hingehen, also begebe ich mich auch nicht in Gefahr dort zu Schaden zu kommen.
Mit dem Einberufungsbefehl zu den Grenztruppen verhielt es sich ein wenig anders, zur Erinnerung:
Ich hatte die Alternative, Bausoldat zu werden - mit einer wasserdichten, glaubhaften Begründung. Und handfesten beruflichen Nachteilen, anschliessend.

Klar, das kann man mir heute vorwerfen, dass ich diesen Weg nicht gegangen bin. Das "Restrisiko", auf einen Grenzverletzter schiessen zu müssen, habe ich mit mir mitgetragen.
Damals war ich auch eher bereit, dies zu tun - heute denke ich anders darüber.
Und eine "besssere DDR" als Alternative zur schnellen Vereinigung mit der BRD hätte ich mir damals auch gewünscht. Dass ich nichts vorher (vor 89) dafür getan habe, um dahin zu kommen, brauche ich mir auch nicht vorzuwerfen.
Zu wenig, vielleicht.
Nachher weiss man's immer besser, klar.
Jedenfalls bemühe ich mich nach Kräften, wenigstens eine humane, menschliche Gesellschaft im gesamten Deutschland mit hinzubekommen.
Mit Erhalt der bürgerlichen Rechte und Freiheiten, die wir errungen haben.
Das scheint mir sinnvoller, als verlorenen Illusionen nachzutrauern.


Gruss Hartmut



Im Prinzip hast Du recht Hartmut, beim permanenten Blick in den Rückspiegel knallt man irgendwann vielleicht mal jemanden hinten drauf in der Kolonne.
Warum sollte ich mich für die Abgehängten noch interessieren, die schon in der DDR dagegen gewettert haben, daß es einen "exquisit- Laden" gab mit unerschwinglichen Produkten und heute auch bloß lamentieren, daß es alles zu kaufen gibt, man selbst aber kein Geld hat ?
Mein nächster nicht erfüllbare Wunsch würde ca. 300 Mio, kosten alles andere könnte ich mir leisten ohne auch nur annähernd so viel Geld zu besitzen.
Inzwischen bin ich ein zu 100% durchökonomisierter Privateisenbahner, der sein Glück so definiert wie ein Galeerensklave der am Ende eines anstrengenden Rudernachmittags froh darüber ist, nicht von seinem Aufseher verprügelt worden zu sein.
Man muß die Hürde einfach nur niedrig genug legen, um den Hopser darüber dann zur Heldentat deklarieren, einfach als Emil Pelle weitermachen, dann geht's auch.
http://derpostmann.blogspot.de/2012/07/e...emil-pelle.html
Gar kein so schlechter Tipp von Herrn Weinert, vor allem weil man nirgends aneckt.


Hallo Hackel39,

ja, das Gedicht vom Postbeamten Pelle - das kenn ich noch aus der Schule (sogar noch fast auswendig). Ich überlege gerade, ob ich mich mit dem vergleichen kann... Ein bisschen, vielleicht ?
Hattest Du nicht mal in einer anderen Diskussion geschrieben, dass Du Dich eher mit dem Löwenzahn als dem Spargel vergleichst (demzufolge auch mit kargen Böden zurechtkommst) ? Dann hast Du doch auch was von der Genügsamkeit des Pelle in Dir ?
Freilich, leider nicht so einen geregelten Feierabend wie der Pelle - ich würde es Dir von Herzen gönnen.
Du hast mich neugierig gemacht: 300 Mio sind eine Menge - was hast Du denn für einen Wunsch ?

Gruss Hartmut
(ich hätte für mich erstmal keine Idee, was ich mit 300 Mio mache - daher meine Neugier)


Nunja Gartenfreund Emil Pelle kann alles langsam angehen, da er sich die Arbeit gut dosieren kann, so daß es immer ein Hobby bleibt, während Gartenfreund Hackel alles an einem Nachmittag durchpeitschen muß, um vor dem nächsten Arbeitszyklus alles in die Erde zu bekommen und da artet es in Streß aus und das Hobby wird zur Last, so leicht sind die Zusammenhänge.
Deshalb ist und bleibt er auch DDR- Fan ,auch weil er beim Einkauf kein schlechtes Gewissen haben will, irgendwo Kinderarbeit am Laufen zu halten, weil er keine Angst haben will betrogen zu werden, weil er die Preise nicht kennt.
Viele von uns halten diese Betrügerökonomie doch tatsächlich für fortschrittlich, weil man einfach nur clever sein muß, um z.B. günstig einzukaufen, in Wirklichkeit kostet sowas Zeit und nervt ohne Ende, auch die Wachsamkeit über die Aktivitäten der Parteien, die nur dann im Dienste des Volkes stehen, wenn man ihnen auf die Füße tritt, ansonsten bedienen sie diejenigen, die am lautesten plärren, Lobbywirtschaft eben, was zum Teufel soll daran gut sein ?
Emil Pelle meint, laß die Politiker nur machen, ich kümmere mich um meine Angelegenheiten....was wäre denn so schlimm daran, wenn man solche Politiker hätte und ich gehe noch weiter, die SED war eine solche Partei.
Sie hat Raffkes eingesperrt, alle die durch Schachern und Mauscheln sich Vorteile verschaffen wollten, wurden korrigiert und drangsaliert, mit Recht.
Alle die andere für sich arbeiten lassen wollten, wurden vom Kollektiv an den Arbeitsplatz zurück geholt, was soll denn die Alternative dazu sein ?
In der hochentwickelten Zivilisation, die wir damals vor 25 Jahren auch schon waren, mußte es doch gar nicht sein, daß Waren über tausende km transportiert werden mußten, nur weil sich Zwischenhändler dumm und dämlich verdienen wollen mit ihrem Ramsch.
Genau das gilt es zu kritisieren, die große Gesamtbilanz eben und nicht z.B. der Laptop, von dem man zu DDR- Zeiten nicht mal zu träumen gewagt hätte, losgelöst vom makroökonomischen Umfeld, all das werden wir am Ende des Wachstums neu diskutieren, verlaß Dich drauf.

Achso, die 300 Mio., naja ein kleiner Tagtraum von mir...ein Traditionsbahnnetz aufzubauen in dem Eisenbahnvereine ihre Technik aufgleisen können und so Attraktionen zur Schau stellen können, die ihnen wegen horrender Trassenpreise der DB Netz nie und nimmer möglich sind, die Hobbyeisenbahner sind mit Herzblut bei der Sache, investieren teilweise privates Gerd für ihre Projekte, lassen teilweise ihre Familie leiden, um dort in ihrer Freizeit aktiv mitzuwirken und sich einzubringen bis zur Schmerzgrenze, dazu hatte ich mal die Investitionssumme für Streckenkäufe und Bahnbauten, Signal- und Sicherungstechnik grob geschätzt, wobei es durchweg um stillgelegte Strecken Sachsen- Anhalts und ein paar Lückenschlußmaßnahmen gehen würde.
Da könnte man hier im ökonomisch sowieso zerstörten Morgenthau- Deutschland wenigstens noch ein paar Werte präsentieren und erhalten, die über kurz oder lang auch dem Verfall geweiht sein werden.



nach oben springen

#82

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 16.04.2013 21:16
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von DoreHolm im Beitrag #79

Gut, dann wäre aber die Konsequenz gewesen, wie wohl auch bei vergleichbaren Vorgängen anderswo in der Welt, mit einem bestimmten Stichtag wie z.B. 3.Oktober 1990, einen Strich zu ziehen und zu sagen: So, das war´s, was bisher war ist Vergangenheit und wird nicht juristisch vorgekramt, auch wenn das etliche Leute als verdammt ungerecht empfunden hätten.



Ein zweischneidiges Schwert:

Auf der einen Seite bin ich der Meinung, dass das, was aufgrund bestehender Gesetze und Verordnungen eines Landes geschehen ist, nach dessen Ende nicht durch ein anderes Land mit einem anderen Rechtsempfinden per Dekret zu Unrecht und verurteilt werden darf.

Auf der anderen Seite - und ich bitte, hier nicht missverstanden zu werden: Vieles, wenn auch nicht alles, was in der NS-Teit geschah, geschah auch aufgrund ebensolcher Gesetze und Verordnungen. Per Saldo fand ich die Nürnberger Prozesse gut und richtig - auch wenn hier der Begriff "Siegerjustiz" angebracht war. Auch wenn dennoch ein schaler Geschmack übrig bleibt.


nach oben springen

#83

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 16.04.2013 21:40
von DoreHolm | 7.687 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #82
Zitat von DoreHolm im Beitrag #79

Gut, dann wäre aber die Konsequenz gewesen, wie wohl auch bei vergleichbaren Vorgängen anderswo in der Welt, mit einem bestimmten Stichtag wie z.B. 3.Oktober 1990, einen Strich zu ziehen und zu sagen: So, das war´s, was bisher war ist Vergangenheit und wird nicht juristisch vorgekramt, auch wenn das etliche Leute als verdammt ungerecht empfunden hätten.



Ein zweischneidiges Schwert:

Auf der einen Seite bin ich der Meinung, dass das, was aufgrund bestehender Gesetze und Verordnungen eines Landes geschehen ist, nach dessen Ende nicht durch ein anderes Land mit einem anderen Rechtsempfinden per Dekret zu Unrecht und verurteilt werden darf.

Auf der anderen Seite - und ich bitte, hier nicht missverstanden zu werden: Vieles, wenn auch nicht alles, was in der NS-Teit geschah, geschah auch aufgrund ebensolcher Gesetze und Verordnungen. Per Saldo fand ich die Nürnberger Prozesse gut und richtig - auch wenn hier der Begriff "Siegerjustiz" angebracht war. Auch wenn dennoch ein schaler Geschmack übrig bleibt.



Stimmt, zweischneidig. Hier läuft man Gefahr, die NS-Zeit und die DDR-Zeit in einen Topf zu werfen und alles nach den gleichen Maßstäben zu messen.
Reine Juristen könnten da so argumentieren, Morde an Andersdenkenden vor 45 waren eben damals gesetzlich legitimiert und der Todesschuss eines Grenzers war ebenfalls juristisch nicht zu beanstanden wenn zur Abwendung der Flucht keine andere Möglichkeit mehr bestand. Ganz klares NEIN natürlich. Es ist eben ein himmelweiter Unterschied, ob Morde an Andersdenkenen, an "unwertem Leben", an "Nicht-Ariern" , Völkerhass und der Überfall auf andere Länder Staatsdoktrin ist oder ob von Staatswegen aus einem aus heutigen Kenntnissen übersteigertem Sicherheitsbedürfniss Menschen drangsaliert oder benachteiligt wurden oder sogar, wie eben dan der Grenze, ihr Leben verloren.



nach oben springen

#84

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 16.04.2013 21:44
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Zitat von Hackel39 im Beitrag #63
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #50
Zitat von Hackel39 im Beitrag #49
Der Begriff "Siegerjustiz" ist mir noch im Zusammenhang mit dem politischen Prozeß gegen Erich Honecker an die Adresse der Berliner Justizsenatorin Limbach recht gut in Erinnerung und hier war er auch angebracht.
Stellvertretend für das wutschnaubende Volk der DDR mußte die Siegerökonomie BRD als Dienstleister für die mehr oder weniger lächerlichen Rachegelüste einer gewissen Klientel von DDR- Bürgern gegen den SED- Generalsekretär herhalten und das tun, was die Straße verlangte, so sehe ich das.
Hätte man auf diese Siegerjustiz verzichtet, wäre der Volkszorn möglicherweise sogar dem zaudernden und zögerlichen Westapparat entgegengeschlagen und vor einem Volk, daß eben noch hunderttausende mobilisiert hatte um einen übermächtigen Gegener aus dem Weg zu räumen, sollte man sich in der Tat vorsehen.



Für Eltern eines Kindes das bei einem ungesetzlichen Grenzübertritt zu Schaden kam, wird sich wohl die Lächerlichkeit in Grenzen gehalten haben.
Muss da an das 17jährige Mädchen denken was von der Mauer geschossen wurde, da kannst ja mal hingehen zu der Mutter mit deiner Lächerlichkeit und dir paar Antworten abholen.




Zunächst mal hast Du Lächerlichkeit mit Grenze in Zusammenhang gebracht, ich habe diesen Begriff jedoch im Zusammenhang mit Honecker gebraucht und Leute, die ihn Wochen vorher noch geehrt und auf der Tribüne zugewunken hatten, wollten plötzlich den Parteibeitrag zurück haben und das ist einfach nur lächerlich, für die hab ich mich mich richtig geschämt, damals schon.
Leute, die entsetzt getan haben über den Betrug und die Täuschung, dabei haben die "Bonzen" sich nur in extrem wenigen Ausnahmefällen bereichert, die waren überwiegend mental vollkommen von der Rolle, so als hätte man sie gerade aus dem Tiefschlaf geholt und das war in der Tat auch nötig, und jeder der Empörten wußte selbst, daß der Kurs nicht mehr stimmte.
Leider waren die Empörten aber nicht in der Lage, konstruktiv zu kritisieren oder sie versuchten, das Beste daraus zu machen aber keiner hat so wutschnaubend wie nach der Wende das Politbüro so verdammt wie es vor der Wende schon nötig gewesen wäre.
Erst als die "Täter" gefesselt am Boden lagen, trat man auf sie ein, genau das meinte ich mit lächerlich.
Wir alle, die mitgemacht haben, ohne klare Ansagen über das eigene Mißfallen an der Entwicklung zu machen, waren Teil des Problems und heute wissen wir, daß eine weniger überstürzte Rettungsaktion besser gewesen wäre, das ist aber hier nicht das Thema.



Ein nicht unerheblicher Anklagepunkt beim Prozess gegen Herrn Honecker waren nun einmal die zu Tode gekommenen an der Grenze und da du von "lächerlichen Rachegelüsten" schriebst habe ich mich darauf bezogen.
Ich denke das ist schon so in Ordnung, denn er trug letztendlich die Verantwortung für diese ernsten Vorgänge und in dem Zusammenhang fand ich die Wortwahl "lächerlich" als etwas unangebracht.


Jobnomade hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#85

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 16.04.2013 22:26
von Barbara (gelöscht)
avatar

Zitat von ddr-bürger im Beitrag #39
@barbara

leider werden hier zwei verschiedene Situationen verknüpft. der Kampf gegen die soziale Ungerechtigkeit in der BRD betrifft die Arbeitnehmer unabhängig von der Wohnstääte, ob in "Dunkeldeutschland" oder den Altbundesländern (man beachte bitte der Begriff Dunkeldeutschland wurde von "Wessis" geprägt und bis heute genutzt). der Kampf um den Abbau der Schieflage zwischen Ost- und West betrifft leider nur die Ex-DDR - Bürger.



Der Begriff "Dunkeldeutschland" ist aller unterste Schublade, da hast du sehr Recht!


silberfuchs60 hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#86

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 16.04.2013 22:36
von Barbara (gelöscht)
avatar

Zitat von EK82I im Beitrag #41
Das hier oft wiederholte Wort hat doch schon lange seine Bedeutung verloren. Ging doch in allererstester Linie um die angeklagten ehemaligen Kameraden von uns,auch vorgesetzten bis hin nach ganz oben.Die Ergebnisse sind ja den meisten wohl bekannt.
Ich masse mir nicht an über Kameraden zu urteilen,die letztlich die Waffe benutzt haben und das taten,was täglich gepredigt/befohlen wurde.Jeder hätte in diese Situation kommen können.
Das mit der dann stadtfindenden strafrechtlichen Verfolgung westdeutsche Richter mit Aufhebung des Rückwirkungsverbotes befasst waren,hat diesen Begriff wohl erst hochkochen lassen.Ich hab aus dieser Zeit noch zwei damalige Illustrierte,wo man sich mit dieser Materie beschäftigt hat. Such ich mal raus.




Der Begriff kommt aber im Forum doch häufiger vor und nicht nur im Zusammenhang mit Justiz. Die unterschiedliche Einschätzung seiner Bedeutung und auch ob er heute noch "wichtig" ist, finde ich sehr interessant!

Was ist denn eigentlich ein "Rückwirkungsverbot"?


nach oben springen

#87

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 16.04.2013 22:44
von Barbara (gelöscht)
avatar

Zitat von Hackel39 im Beitrag #49
Der Begriff "Siegerjustiz" ist mir noch im Zusammenhang mit dem politischen Prozeß gegen Erich Honecker an die Adresse der Berliner Justizsenatorin Limbach recht gut in Erinnerung und hier war er auch angebracht.
Stellvertretend für das wutschnaubende Volk der DDR mußte die Siegerökonomie BRD als Dienstleister für die mehr oder weniger lächerlichen Rachegelüste einer gewissen Klientel von DDR- Bürgern gegen den SED- Generalsekretär herhalten und das tun, was die Straße verlangte, so sehe ich das.
Hätte man auf diese Siegerjustiz verzichtet, wäre der Volkszorn möglicherweise sogar dem zaudernden und zögerlichen Westapparat entgegengeschlagen und vor einem Volk, daß eben noch hunderttausende mobilisiert hatte um einen übermächtigen Gegener aus dem Weg zu räumen, sollte man sich in der Tat vorsehen.




Hackel, es gibt aber doch auch viele ehem. DDR-Bürger die sagen, dass die "Oberen" der DDR viel zu wenig zur Rechenschaft gezogen worden sind. Das die "Kleinen" es immer sind, die letztlich die Zeche zahlen. Es gibt sehr unterschiedliche "Gruppen" die den Begriff Siegerjustiz für jeweils ihre Inhalte benutzen, das ist ganz schön verwirrend finde ich....


nach oben springen

#88

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 16.04.2013 22:48
von Barbara (gelöscht)
avatar

Zitat von ddr-bürger im Beitrag #51
Nicht die Sprache ist die Sackgasse, die Sprache ist nur der Spiegel für die Denkweise. Ob der Begriff "Siegerjustiz" genutzt wird oder nicht ist doch erst mal zweitrangig. Das Lebensgefühl und die gedankliche Aufarbeitung sind doch das wichtigste. Dabei spielen viele persönliche Erfahrungen eine Rolle. ich persönlich kenne auch Menschen die sagen "eigentlich hast Du ja in vielen Dingen Recht, aber wessen Brot ess ich, dessen Lied sing ich".


Nein, das finde ich nicht. Sprache ist Macht, findest du nicht? Und "Siegerjustiz" ist ein sehr starkes Wort...


nach oben springen

#89

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 16.04.2013 22:52
von Barbara (gelöscht)
avatar

Zitat von ddr-bürger im Beitrag #64
Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #59
Ich habe auch so meine Probleme mit dem Wort "Siegerjustiz" und habe dieses Wort glaube nie in Mund genommen. Vielleicht bin ich auch zu naiv mit meinem Glauben an die Vernunft der Menschen, an ihre Offenheit aufeinander zu zugehen. In meinem Alltag habe ich da auch nur positive Erfahrungen gemacht, egal in welchem Teil unseres Landes.

Aufmerksam darauf werde ich auf die "Siegerjustiz" nur in Medien gemacht oder wenn ich auf sehr verbitterte (aus was für Gründen auch immer) Menschen stoße.

Ich habe mal in meiner geliebten "ZEIT" gegoogelt. 1990 gab es dort nur einmal den Begriff. 1991 hat die Zahl der Erwähnungen schon zugenommen. Dabei bin ich auf einen sehr interessanten Artikel vom 04.10.1990 gestossen.

"Wer glaubt, nur die Deutschen im Osten hätten etwas zu lernen, der irrt sich. Auch die Westdeutschen müssen sich ändern! Nur wenn wir von beiden Seiten aufeinander zugehen, werden wir seelisch „ein Volk“ sein, wie das 1989 die Demonstranten in Leipzig gehofft und gerufen haben. Natürlich bleibt es wahr: Die Ostdeutschen haben sehr vieles zu lernen. Ihnen stehen noch viele schwierige Jahre bevor. Aber gerade deshalb darf niemand ihre Selbstachtung und ihren Stolz verletzen"

Das Gebot aus Artikel 1 des Grundgesetzes, die Würde des Menschen nicht anzutasten, gilt nicht nur für den Staat, es gilt für jedermann – auch für Presse und Fernsehen, auch für Politiker. Wenn jüngst die bedeutende Frankfurter Allgemeine Zeitung die Ostdeutschen ermahnte, sie sollten nicht die „Freiheiten vergessen und verdrängen, ... die sie unversehens gewonnen haben“, und ihnen „deutsche Weinerlichkeit“ attestierte, dann ist solche Überheblichkeit der Würde der Ostdeutschen nicht minder abträglich als einige Jahre früher der unerträgliche Satz in einem Papier über die sogenannte Streitkultur, nach dem „SED und SPD sich gegenseitig nicht in Frage stellen“."

Helmut Schmidt

http://www.zeit.de/1991/41/zur-lage-der-...komplettansicht

LG von der grenzgaengerin





@grenzgängerin

da kommen wir zum Thema zrück, der Begriff macht es nicht, sondern die Art des Umganges. Leider ist dies aufeinander zugehen nicht geschehen. ich persönlich habe 1989 eine Chance gesehen etwas zu ändern im Land, ohne eine "Angliederung" an die BRD. Wie gesagt ich habe die Zeit mit "gemischten" Gefühlen erlebt. Ich habe die Montagsdemos zuerst nicht verteufelt, bis der Ruf nach der D-Mark kam.
Nach der sog. Wende habe ich versucht meinen Frieden zu machen, nach dem Motto "sieh es sportlich, die anderen haben gewonnen" und lebe dein Leben. Heute gelingt mir das nicht mehr, ich sehe wie ständig die DDR "verteufelt" wird um von den eigenen Problemen abzulenken.
Ganz deutlich wird das vor Wahlen, wenn die Bilder der Demos in Leipzig wieder ausgegraben werden und kommentiert werden. man mache da mal ein Experiment, man nehme die Filme der Demos von "Stuttgart 21" und von 1989 in Leipzig und vertausche die Tonspur. Auf den Bildern die gleiche Gewalt und der Kommentar......
Das ist auch die Macht des "Wortes",:-))))
hier kommt auch die "Sprache als Sackgasse", bloß daran stört sich offenbar keiner...

"Wem nutzt es?"



... doch, ich! Lass uns auch über andere Begriffe reden, "Siegerjustiz" war von mir nur als Aufhänger gemeint....


nach oben springen

#90

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 16.04.2013 23:06
von Barbara (gelöscht)
avatar

Zitat von Hackel39 im Beitrag #62
Zitat von Jobnomade im Beitrag #52
"lächerliche Rachegelüste",

nun, Hackel39, so empfinde ich das auch nicht.
Die SED-Führung, die auch dieses grausame Grenzregime mit zahlreichen Todesopfern politisch zu verantworten hatte, ist mit ein paar Jahren Haft, oftmals aus gesundheitlichen Gründen zur Bewährung ausgesetzt, glimpflich davongekommen. Und dafür können sie der BRD-Justiz dankbar sein.
Der "Volkszorn" hätte auch zu einer "rumänischen Lösung" führen können.
Ich habe nie "Rachegelüste" empfunden - ich habe lange, viel zu lange auf Besserung und Reformen gehofft und dieser Führung die Treue gehalten.
Ich empfand jedoch Genugtuung und Erleichterung, als diese Führung die Macht abgeben musste.

Gruss Hartmut


Tut mir leid Hartrmut, so wie Du hatte ich bis vor 10-15 Jahren auch noch gedacht, möglicherweise war die Empörung über das Unrecht an der Grenze damals noch berechtigt.
Inzwischen weiß ich, was tatsächlich verloren gegangen ist, somit kann man tragische Einzelschicksale nicht Honecker persönlich anlasten.
Im Prinzip kann man es mit hunderten anderen Beispielen belegen, daß oft nur ein Verantwortlicher gefunden werden mußte, der zwar die Rahmenbedingungen geschaffen hat, in denen kriminelle Handlungen aber für die Ausführenden nicht zwingend vorgesehen waren, zumindest nicht unter Androhung hoher Strafen.
Das gilt für die Mauerschützen genauso wie für den Taxifahrer, der wegen eines dringenden Termins meinte, sein Anliegen wäre höherwertiger als die Warnblinkanlage am Bahnübergang, um dann sein Fahrzeug vom Güterzug zerstören zu lassen.
Ähnlich verhält es sich mit dem Strafverfahren gegen den Duisburger Oberbürgermeister, der für die Toten der loveparade verantwortlich gemacht werden sollte, irgendwer mußte Schuld sein.
Daß es möglicherweise das eigene Fehlverhalten war, darauf würde man im Traum nicht kommen. Niemand wird dazu gezwungen in einer Stadt zu feiern in die man am Ende nur noch mit körperlicher Kraftanstrengung einreisen konnte, niemand.

Mit dem Wissen von heute hat sich alles gewaltig verschoben in meiner nachträglichen Bewertung der damaligen Protestbewegung, das will ich nicht weiter ausführen und ich sage besser nicht, was ich mit dem Wissen von heute damals getan hätte.


Lieber Hackel, hier muss ich widersprechen.Ich war kein Fan der Loveparade und so große Massenansammlungen machen mir eher Angst, aber so wie du sagst, dann dürfte man überhaupt keine Großveranstaltungen mehr machen. > Sport? Olympia? FUßBALL????
Wenn man politische Verantwortung trägt, hat man mehr Verantwortung als ein Einzelner, finde ich und dann hat man für die Konsequenzen seiner Entscheidungen auch gerade zu stehen.


nach oben springen

#91

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 16.04.2013 23:09
von ddr-bürger (gelöscht)
avatar

@barbara,

klar das mit der Siegerjustiz war ein Aufhänger, darum auch das Beispiel mit der vertauschten Tonspur.

- Ordnungskräfte gingen gegen gewaltbereite Demonstranten vor
oder
- Polizei prügelte auf Demonstranten ein

hört sich doch recht unterschiedlich an, so kann man auch Stimmungen erzeugen und Meinungen manipulieren.


nach oben springen

#92

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 16.04.2013 23:10
von Barbara (gelöscht)
avatar

Zitat von Polter im Beitrag #70
Noch mal zur Sackgassen - Sprache.
Egal wie lang die Sackgasse ist, wenn man raus will, dann muß man umkehren. Ich geb zu, daß meine oben angeführten Begriffe/Wörter provokant waren. Sie sind als geschichtliche Begriffe/Wörter zu werten. Und hier bin ich beim " Manifest der Kommunistischen Partei "
Friedrich Engels ( Vorwort zur vierten deutschen Ausgabe von 1890 ) schrieb: .....Sozialismus bedeutete 1847 eine Bourgeoisbewegung, Kommunismus eine Arbeiterbewegung. Der Sozialismus war,.....,salonfähig, der Kommunismus war das gerade Gegenteil. ....
Soweit so gut. In Beitrag 25 gewünschte Präzisierungen zu meinen willkürlichen Begriffen werde ich nicht vornehmen. Dann könnte ich für die heutigen linken Intellektuellen gleich das Wahlkampfprogramm 2013 schreiben.
Aber und da bin ich froh, daß sich auch andere Leute Sorgen um die deutsche Sprache machen und die Manipulationen mit dieser Sprache
anprangern. http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrh...da-sprache.html schöner Klick





Ich werde mir aber noch was zu deinen oben genannten Begriffen einfallen lassen, zum Beispiel was ich darunter verstehe. Das war nämlich eine gute Aufzählung fand ich.


nach oben springen

#93

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 16.04.2013 23:13
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #87
Zitat von Hackel39 im Beitrag #49
Der Begriff "Siegerjustiz" ist mir noch im Zusammenhang mit dem politischen Prozeß gegen Erich Honecker an die Adresse der Berliner Justizsenatorin Limbach recht gut in Erinnerung und hier war er auch angebracht.
Stellvertretend für das wutschnaubende Volk der DDR mußte die Siegerökonomie BRD als Dienstleister für die mehr oder weniger lächerlichen Rachegelüste einer gewissen Klientel von DDR- Bürgern gegen den SED- Generalsekretär herhalten und das tun, was die Straße verlangte, so sehe ich das.
Hätte man auf diese Siegerjustiz verzichtet, wäre der Volkszorn möglicherweise sogar dem zaudernden und zögerlichen Westapparat entgegengeschlagen und vor einem Volk, daß eben noch hunderttausende mobilisiert hatte um einen übermächtigen Gegener aus dem Weg zu räumen, sollte man sich in der Tat vorsehen.




Hackel, es gibt aber doch auch viele ehem. DDR-Bürger die sagen, dass die "Oberen" der DDR viel zu wenig zur Rechenschaft gezogen worden sind. Das die "Kleinen" es immer sind, die letztlich die Zeche zahlen. Es gibt sehr unterschiedliche "Gruppen" die den Begriff Siegerjustiz für jeweils ihre Inhalte benutzen, das ist ganz schön verwirrend finde ich....




Liebe Barbara, ich hoffe daß es Dich nicht allzu sehr schockt, wenn ich Honecker nicht als Großen bezeichnen würde, zumindest nicht im ökonomischen Sinne.
Die 108.000 Mark, die er zuletzt auf dem Konto hatte, die waren im Raubtiersozialismus viel weniger spektakulär, als westdeutsche Bürger das damals für möglich gehalten hätten, jeder Autoschieber und Schwarzhändler von BHG- Waren (Baumarkt) hatte mehr und selbst Hackel, der Überstundenschrubber war in diesen Vermögenssegment schon fast angekommen.
Honecker war kein Verbrecher im Sinne des Strafgesetzbuches, er hat an seine Ideen geglaubt und niemand aus seinem unmittelbaren Umfeld hat ihn gestoppt und um mal ein wenig in die Welt hinauszublicken...was hat denn Duvalier aus diesem kleinen bettelarmen Haiti herausgepreßt oder andere Diktatoren, die von Anfang an Bereicherung als persönliches Ziel im Visier hatten.
Vor diesem Hintergrund muß man Honeckers Wirken auch mal betrachten und natürlich ist er hauptschuldig am Systemversagen, aber daß er Lebensjahre entwertet hat, kann und will ich nicht bilanzieren.
Die Einlassung eines Foristen, daß Honecker ja auch das Schicksal Ceausescus hätte ereilen können ist abwegig, da der SED- Generalsekretär zu keiner Zeit Visionen des totalen Krieges gegen sein Volk geäußert hatte, dazu war er schon viel zu schwach, Gott sei Dank möchte man da sagen, erst recht nicht kann man konstatieren, daß ein Leben in der DDR mit Knechtschaft gleichzusetzen wäre, zu tüchtig waren die meisten Werktätigen und zu robust die Selbstheilungskräfte gegen die Tücken der Mangelwirtschaft.
Ich wüßte nicht mal, ob man Schalk- Golodkowski überhaupt bestrafen sollte, er wäre vielleicht einer der ersten Milliardäre in einer nicht vereinigten DDR geworden und auch der Mord, den Mielke 1932 verübt haben soll kam in den bürgerkriegsähnlichen Zuständen der aufkommenden Nazidiktatur zustande.
Insgesamt habe ich meinen Frieden geschlossen mit den Verantwortlichen im SED- Staat, ich kann ja nur für mich sprechen, andere Geschichten von Opfern lassen zu viele wesentliche Fragen offen, auch hier im Forum, um sie abschließend zu bewerten.
Man traut sich viele davon auch gar nicht zu stellen, da es ja kein Vier- Augen- Gespräch ist und man nie weiß, ob die Frage selbst schon als Attacke verstanden wird, so ist das nun mal.



DoreHolm und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#94

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 16.04.2013 23:21
von Barbara (gelöscht)
avatar

Zitat von ddr-bürger im Beitrag #72
Ein Begriff aus dem Wortschatz der BRD:

"soziale Marktwirtschaft"

oder aus der bürgerlichen Ideologie:

"der dritte Weg"

Diese Begriffe waren eine "Sackgasse", genutzt um ein Illusionen zu erzeugen.

Die Sprache wird doch immer gezielt eingesetzt, egal von welchem System. Auch wir haben solch "Sprachleichen", wie "feindlich negative Kräfte". Eine herrliche Doppellung und konnte auf alles angewendet werden. Oder man mußte nur in einem Parteilehrjahr sagen: "wie Lenin schon in seinem Werk schrieb.....", keiner fragte wo und in welchem Werk, man hätte sich eine Blöße gegeben und was Lenin sagte war immer richtig...., egal ob man es versteht oder nicht....

Nur man kann nicht erwarten, Friede, Freude, Eierkuchen wenn wir die "bösen" Worte vermeiden und heile Welt spielen , das wir uns hier besser verstehen. Uns trennen andere Dinge als die Sprache - oft eine Weltanschauung.




Ich glaube, Veränderung fängt immer im Kleinsten an. Solche Worte sind oft Reflexe, und ein Reflex erzeugt den nächsten. Dabei redet man vielleicht aneinander vorbei und der eigentliche Inhalt geht verloren. Das ist doch schade.


nach oben springen

#95

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 16.04.2013 23:27
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #90
Zitat von Hackel39 im Beitrag #62
Zitat von Jobnomade im Beitrag #52
"lächerliche Rachegelüste",

nun, Hackel39, so empfinde ich das auch nicht.
Die SED-Führung, die auch dieses grausame Grenzregime mit zahlreichen Todesopfern politisch zu verantworten hatte, ist mit ein paar Jahren Haft, oftmals aus gesundheitlichen Gründen zur Bewährung ausgesetzt, glimpflich davongekommen. Und dafür können sie der BRD-Justiz dankbar sein.
Der "Volkszorn" hätte auch zu einer "rumänischen Lösung" führen können.
Ich habe nie "Rachegelüste" empfunden - ich habe lange, viel zu lange auf Besserung und Reformen gehofft und dieser Führung die Treue gehalten.
Ich empfand jedoch Genugtuung und Erleichterung, als diese Führung die Macht abgeben musste.

Gruss Hartmut


Tut mir leid Hartrmut, so wie Du hatte ich bis vor 10-15 Jahren auch noch gedacht, möglicherweise war die Empörung über das Unrecht an der Grenze damals noch berechtigt.
Inzwischen weiß ich, was tatsächlich verloren gegangen ist, somit kann man tragische Einzelschicksale nicht Honecker persönlich anlasten.
Im Prinzip kann man es mit hunderten anderen Beispielen belegen, daß oft nur ein Verantwortlicher gefunden werden mußte, der zwar die Rahmenbedingungen geschaffen hat, in denen kriminelle Handlungen aber für die Ausführenden nicht zwingend vorgesehen waren, zumindest nicht unter Androhung hoher Strafen.
Das gilt für die Mauerschützen genauso wie für den Taxifahrer, der wegen eines dringenden Termins meinte, sein Anliegen wäre höherwertiger als die Warnblinkanlage am Bahnübergang, um dann sein Fahrzeug vom Güterzug zerstören zu lassen.
Ähnlich verhält es sich mit dem Strafverfahren gegen den Duisburger Oberbürgermeister, der für die Toten der loveparade verantwortlich gemacht werden sollte, irgendwer mußte Schuld sein.
Daß es möglicherweise das eigene Fehlverhalten war, darauf würde man im Traum nicht kommen. Niemand wird dazu gezwungen in einer Stadt zu feiern in die man am Ende nur noch mit körperlicher Kraftanstrengung einreisen konnte, niemand.

Mit dem Wissen von heute hat sich alles gewaltig verschoben in meiner nachträglichen Bewertung der damaligen Protestbewegung, das will ich nicht weiter ausführen und ich sage besser nicht, was ich mit dem Wissen von heute damals getan hätte.


Lieber Hackel, hier muss ich widersprechen.Ich war kein Fan der Loveparade und so große Massenansammlungen machen mir eher Angst, aber so wie du sagst, dann dürfte man überhaupt keine Großveranstaltungen mehr machen. > Sport? Olympia? FUßBALL????
Wenn man politische Verantwortung trägt, hat man mehr Verantwortung als ein Einzelner, finde ich und dann hat man für die Konsequenzen seiner Entscheidungen auch gerade zu stehen.



Dann mache ich den kleinen Ausflug mal mit und frage Dich, was denn gewesen wäre wenn der OB die Party untersagte hätte, um kein Risiko einzugehen.
Provinziell wäre er gewesen, eine Spaßbremse der seine Stadt nicht würdig präsentiert und den profitierenden Geschäftsleuten die Bilanzen versaut.
Noch eine kleine Episode aus einem total überfüllten ICE im Mannheimer Hauptbahnhof.
Das Zugpersonal verweigerte die Abfahrt, wenn nicht wenigstens alle Fahrgäste aus den Gängen aussteigen würden, da andernfalls die Bremswirkung und Sicherheit des Zuges in Frage gestellt ist und was soll ich sagen, es ging solange, bis der nächste Stundentakt der nunmehr auf einem anderen Bahnsteig abfahren mußte als Alternative angeboten wurde, erst dann waren die "überzähligen" Leute bereit, den Zug zu wechseln.
Ich selbst wollte nur nach Offenburg und war 30 min länger im Regionalexpreß unterwegs, wie es mit den ICE's ausging erfuhr ich bei Drehscheibe online.
Vernunftbegabung sieht anders aus und in Duisburg war eben auch nur Spassssss angesagt...um jeden Preis.



zuletzt bearbeitet 16.04.2013 23:56 | nach oben springen

#96

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 16.04.2013 23:37
von Barbara (gelöscht)
avatar

Zitat von 94 im Beitrag #77
Ich hätte nie gedacht, das ich diesen Spruch (#10) mal andersrum gebrauchen kann, hier wäre er dann ...

Wer den Begriff Siegerjustiz nutzt, sollte auch mit dem Begriff Unrechtsstaat kein Problem haben?



Das ist klasse 94! Beide Begriffe sind sehr interpretationsfähig und eher "gefühlig" finde ich.


nach oben springen

#97

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 16.04.2013 23:48
von Barbara (gelöscht)
avatar

Zitat von Jobnomade im Beitrag #80
Zitat von Hackel39 im Beitrag #74
Zitat von Jobnomade im Beitrag #69
Na gut, ich spring noch mal über das hingehaltene Stöckchen, @Hackel39 und @ddr-bürger:

jetzt schlagen wir den Bogen von der DDR-Grenzsicherung zu Loveparade und irgendwie... vergleichen wir Äpfel mit Birnen.
Zur Loveparade muss ich nicht hingehen, also begebe ich mich auch nicht in Gefahr dort zu Schaden zu kommen.
Mit dem Einberufungsbefehl zu den Grenztruppen verhielt es sich ein wenig anders, zur Erinnerung:
Ich hatte die Alternative, Bausoldat zu werden - mit einer wasserdichten, glaubhaften Begründung. Und handfesten beruflichen Nachteilen, anschliessend.

Klar, das kann man mir heute vorwerfen, dass ich diesen Weg nicht gegangen bin. Das "Restrisiko", auf einen Grenzverletzter schiessen zu müssen, habe ich mit mir mitgetragen.
Damals war ich auch eher bereit, dies zu tun - heute denke ich anders darüber.
Und eine "besssere DDR" als Alternative zur schnellen Vereinigung mit der BRD hätte ich mir damals auch gewünscht. Dass ich nichts vorher (vor 89) dafür getan habe, um dahin zu kommen, brauche ich mir auch nicht vorzuwerfen.
Zu wenig, vielleicht.
Nachher weiss man's immer besser, klar.
Jedenfalls bemühe ich mich nach Kräften, wenigstens eine humane, menschliche Gesellschaft im gesamten Deutschland mit hinzubekommen.
Mit Erhalt der bürgerlichen Rechte und Freiheiten, die wir errungen haben.
Das scheint mir sinnvoller, als verlorenen Illusionen nachzutrauern.


Gruss Hartmut



Im Prinzip hast Du recht Hartmut, beim permanenten Blick in den Rückspiegel knallt man irgendwann vielleicht mal jemanden hinten drauf in der Kolonne.
Warum sollte ich mich für die Abgehängten noch interessieren, die schon in der DDR dagegen gewettert haben, daß es einen "exquisit- Laden" gab mit unerschwinglichen Produkten und heute auch bloß lamentieren, daß es alles zu kaufen gibt, man selbst aber kein Geld hat ?
Mein nächster nicht erfüllbare Wunsch würde ca. 300 Mio, kosten alles andere könnte ich mir leisten ohne auch nur annähernd so viel Geld zu besitzen.
Inzwischen bin ich ein zu 100% durchökonomisierter Privateisenbahner, der sein Glück so definiert wie ein Galeerensklave der am Ende eines anstrengenden Rudernachmittags froh darüber ist, nicht von seinem Aufseher verprügelt worden zu sein.
Man muß die Hürde einfach nur niedrig genug legen, um den Hopser darüber dann zur Heldentat deklarieren, einfach als Emil Pelle weitermachen, dann geht's auch.
http://derpostmann.blogspot.de/2012/07/e...emil-pelle.html
Gar kein so schlechter Tipp von Herrn Weinert, vor allem weil man nirgends aneckt.


Hallo Hackel39,

ja, das Gedicht vom Postbeamten Pelle - das kenn ich noch aus der Schule (sogar noch fast auswendig). Ich überlege gerade, ob ich mich mit dem vergleichen kann... Ein bisschen, vielleicht ?
Hattest Du nicht mal in einer anderen Diskussion geschrieben, dass Du Dich eher mit dem Löwenzahn als dem Spargel vergleichst (demzufolge auch mit kargen Böden zurechtkommst) ? Dann hast Du doch auch was von der Genügsamkeit des Pelle in Dir ?
Freilich, leider nicht so einen geregelten Feierabend wie der Pelle - ich würde es Dir von Herzen gönnen.
Du hast mich neugierig gemacht: 300 Mio sind eine Menge - was hast Du denn für einen Wunsch ?

Gruss Hartmut


(ich hätte für mich erstmal keine Idee, was ich mit 300 Mio mache - daher meine Neugier)


ich auch nicht, das ist dermaßen abstrakt....



Können wir bitte das Gedicht vom Postbeamten Pelle "hören" Hartmut? Bittttteee!


nach oben springen

#98

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 16.04.2013 23:54
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #97
Zitat von Jobnomade im Beitrag #80
Zitat von Hackel39 im Beitrag #74
Zitat von Jobnomade im Beitrag #69
Na gut, ich spring noch mal über das hingehaltene Stöckchen, @Hackel39 und @ddr-bürger:

jetzt schlagen wir den Bogen von der DDR-Grenzsicherung zu Loveparade und irgendwie... vergleichen wir Äpfel mit Birnen.
Zur Loveparade muss ich nicht hingehen, also begebe ich mich auch nicht in Gefahr dort zu Schaden zu kommen.
Mit dem Einberufungsbefehl zu den Grenztruppen verhielt es sich ein wenig anders, zur Erinnerung:
Ich hatte die Alternative, Bausoldat zu werden - mit einer wasserdichten, glaubhaften Begründung. Und handfesten beruflichen Nachteilen, anschliessend.

Klar, das kann man mir heute vorwerfen, dass ich diesen Weg nicht gegangen bin. Das "Restrisiko", auf einen Grenzverletzter schiessen zu müssen, habe ich mit mir mitgetragen.
Damals war ich auch eher bereit, dies zu tun - heute denke ich anders darüber.
Und eine "besssere DDR" als Alternative zur schnellen Vereinigung mit der BRD hätte ich mir damals auch gewünscht. Dass ich nichts vorher (vor 89) dafür getan habe, um dahin zu kommen, brauche ich mir auch nicht vorzuwerfen.
Zu wenig, vielleicht.
Nachher weiss man's immer besser, klar.
Jedenfalls bemühe ich mich nach Kräften, wenigstens eine humane, menschliche Gesellschaft im gesamten Deutschland mit hinzubekommen.
Mit Erhalt der bürgerlichen Rechte und Freiheiten, die wir errungen haben.
Das scheint mir sinnvoller, als verlorenen Illusionen nachzutrauern.


Gruss Hartmut



Im Prinzip hast Du recht Hartmut, beim permanenten Blick in den Rückspiegel knallt man irgendwann vielleicht mal jemanden hinten drauf in der Kolonne.
Warum sollte ich mich für die Abgehängten noch interessieren, die schon in der DDR dagegen gewettert haben, daß es einen "exquisit- Laden" gab mit unerschwinglichen Produkten und heute auch bloß lamentieren, daß es alles zu kaufen gibt, man selbst aber kein Geld hat ?
Mein nächster nicht erfüllbare Wunsch würde ca. 300 Mio, kosten alles andere könnte ich mir leisten ohne auch nur annähernd so viel Geld zu besitzen.
Inzwischen bin ich ein zu 100% durchökonomisierter Privateisenbahner, der sein Glück so definiert wie ein Galeerensklave der am Ende eines anstrengenden Rudernachmittags froh darüber ist, nicht von seinem Aufseher verprügelt worden zu sein.
Man muß die Hürde einfach nur niedrig genug legen, um den Hopser darüber dann zur Heldentat deklarieren, einfach als Emil Pelle weitermachen, dann geht's auch.
http://derpostmann.blogspot.de/2012/07/e...emil-pelle.html
Gar kein so schlechter Tipp von Herrn Weinert, vor allem weil man nirgends aneckt.


Hallo Hackel39,

ja, das Gedicht vom Postbeamten Pelle - das kenn ich noch aus der Schule (sogar noch fast auswendig). Ich überlege gerade, ob ich mich mit dem vergleichen kann... Ein bisschen, vielleicht ?
Hattest Du nicht mal in einer anderen Diskussion geschrieben, dass Du Dich eher mit dem Löwenzahn als dem Spargel vergleichst (demzufolge auch mit kargen Böden zurechtkommst) ? Dann hast Du doch auch was von der Genügsamkeit des Pelle in Dir ?
Freilich, leider nicht so einen geregelten Feierabend wie der Pelle - ich würde es Dir von Herzen gönnen.
Du hast mich neugierig gemacht: 300 Mio sind eine Menge - was hast Du denn für einen Wunsch ?

Gruss Hartmut


(ich hätte für mich erstmal keine Idee, was ich mit 300 Mio mache - daher meine Neugier)


ich auch nicht, das ist dermaßen abstrakt....



Können wir bitte das Gedicht vom Postbeamten Pelle "hören" Hartmut? Bittttteee!



Mit den Millionenbetrag wollte ich nur zum Ausdruck bringen, daß es mir materiell an nichts fehlt, das war auch schon zu DDR- Zeiten der Fall.
Im o.g. Link kannst Du das Gedicht nachlesen und vielleicht ist eine solche Lebensweise schon billiger zu haben....
Gruß Hackel.



nach oben springen

#99

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 17.04.2013 00:00
von Barbara (gelöscht)
avatar

Zitat von Dandelion im Beitrag #82
Zitat von DoreHolm im Beitrag #79

Gut, dann wäre aber die Konsequenz gewesen, wie wohl auch bei vergleichbaren Vorgängen anderswo in der Welt, mit einem bestimmten Stichtag wie z.B. 3.Oktober 1990, einen Strich zu ziehen und zu sagen: So, das war´s, was bisher war ist Vergangenheit und wird nicht juristisch vorgekramt, auch wenn das etliche Leute als verdammt ungerecht empfunden hätten.



Ein zweischneidiges Schwert:

Auf der einen Seite bin ich der Meinung, dass das, was aufgrund bestehender Gesetze und Verordnungen eines Landes geschehen ist, nach dessen Ende nicht durch ein anderes Land mit einem anderen Rechtsempfinden per Dekret zu Unrecht und verurteilt werden darf.

Auf der anderen Seite - und ich bitte, hier nicht missverstanden zu werden: Vieles, wenn auch nicht alles, was in der NS-Teit geschah, geschah auch aufgrund ebensolcher Gesetze und Verordnungen. Per Saldo fand ich die Nürnberger Prozesse gut und richtig - auch wenn hier der Begriff "Siegerjustiz" angebracht war. Auch wenn dennoch ein schaler Geschmack übrig bleibt.




Ich muss bitte nochmal nachfragen: dass was es an Prozessen gab bzgl. der DDR wurde doch aufgrund ihres eigenen Strafrechts verhandelt oder?


Dandelion, das ist ein sehr interessanter Aspekt bzgl der Nazi-Rechts, sehr sehr schwierig.

Bzgl.Nürnberg: Siegerjustiz weil faktisch die "Sieger" Recht sprachen oder auch als "Kampfbegriff?
Das Wort "Siegerjustiz" beinhaltet irgendwie einen Unrechts-Vorwurf... puh ist das kompliziert.....


nach oben springen

#100

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 17.04.2013 00:10
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Zitat von Barbara im Beitrag #96
Zitat von 94 im Beitrag #77
Ich hätte nie gedacht, das ich diesen Spruch (#10) mal andersrum gebrauchen kann, hier wäre er dann ...

Wer den Begriff Siegerjustiz nutzt, sollte auch mit dem Begriff Unrechtsstaat kein Problem haben?



Das ist klasse 94! Beide Begriffe sind sehr interpretationsfähig und eher "gefühlig" finde ich.



Liebe Barbara,

wieviele Millionen Menschen vor uns haben sich Gedanken gemacht über Recht und Unrecht? Muss man wirklich so weit in der Geschichte zurück gehen, um zu verstehen, wo der Ursprung liegt? Wahrscheinlich schon.

"Der große Freibrief – Magna Carta vom 15. Juni 1215

Es ist wohl nicht übertrieben in der Magna Carta jene Urkunde zu sehen, die die Voraussetzung dafür geschaffen hat, dass sich mehr und mehr bürgerliche Freiheiten und Rechte durchsetzen konnten. Zuerst auf der britischen Insel und später auf dem europäischen Kontinent."

http://www.dw.de/der-gro%C3%9Fe-freibrie...-1215/a-3858129

In den letzten 8 Jahrhunderten wurde die Magna Carta immer weiterentwickelt, bis sie in der Allgemeine Erklärung für Menschenrechte der UNO aufgegangen ist.

http://www.un.org/depts/german/grunddok/ar217a3.html

Und da ist nichts interprätationsfähig. Es müssten sich nur alle daran halten.

LG von der grenzgaengerin


nach oben springen



Besucher
16 Mitglieder und 56 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: loryglory
Besucherzähler
Heute waren 3688 Gäste und 192 Mitglieder, gestern 3414 Gäste und 170 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14363 Themen und 557418 Beiträge.

Heute waren 192 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen