#301

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 17.03.2014 20:50
von Gelöschtes Mitglied
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Tendenzen zu der Aussage in "Wikimannia" sind schon richtig, nur wird da auch überspitzt.

Der "Gutmensch" in meinen Augen sind Menschen, die eine Strömung auf Grund von moralischen und ethischen Grundgedanken unterstützen bzw. propagieren, ohne die Richtigkeit und Anwendbarkeit dieser Thesen zu hinterfragen bzw. Menschen die hinterfragen mit der "Moralkeule" bearbeiten. Ganz deutlich wird das für mich bei dem Thema "Migration", jeder der nicht für die "totale Migration" ist wird mit der Keule der Ausländerfeindlichkeit und des Nazitums bearbeitet. Da hört doch auch die vielgepriesenen Toleranz der "Gutmenschen" auf.

So nun sind wir wieder bei der "alten Leier" und irgendwann schaukelt es sich hoch....


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#302

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 18.03.2014 10:38
von Barbara (gelöscht)
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Ich fand in Wiki unter dem Schlagwort Folgendes:

[...] Politische Machtfragen erhalten durch die Verwendung des Begriffes „Gutmensch“ eine moralisch polarisierende Form, die dazu geeignet ist, die Achtung vor dem politischen Gegner zu mindern und ihn zu diskreditieren.
In der politischen Rhetorik gibt es Strategien, politische Fragen entweder auf der Sachebene oder auf einer moralischen Ebene zu verhandeln. Fremdzuschreibungen des politischen Gegners durch Stigmatisierungen wie „pc“* oder „Gutmensch“ moralisieren die Kommunikation.
Damit ist die Position des politischen Gegners diskreditiert, und er ist gezwungen, sich auf die eine oder andere Seite zu stellen, wenn er sein Ansehen nicht (weiter) verlieren will.
Besonders offensichtlich wird diese Strategie, wo es (tatsächliche oder auch nur behauptete) Tabus gibt. Die Kunst der Rhetorik besteht dabei darin, mit stigmatisierenden Begriffen wie „Gutmensch“ oder „Moralkeule“, den politischen Gegner in der Auseinandersetzung in Situationen zu bringen, in denen die Alternative lautet: „meine Ansicht oder die tabuisierte“. Diese Rhetorik erweist sich oft als sehr wirkungsvoll, da hier nur unter schwierigen Umständen über Sachfragen analytisch gesprochen werden kann. Auf diesen Zusammenhang verweist der Sprachwissenschaftler Clemens Knobloch (Universität Siegen)[...]

*= political correctness





Wenn nun ein "Gutmensch" und ein "?mensch" (was ist das Gegenteil von "Gutmensch"?) sich gegenseitig mit "Moralkeulen" kommen, bleibt die sachliche Auseinandersetzung und damit die ggf. Lösung von Problemen auf der Strecke.

Man könnte auch aufgrund des Wiki-Auszugs oben fragen:

wenn man jemanden als "Gutmensch" bezeichnet, möchte man ihn vor allen Dingen persönlich diffamieren?
Kann man Kritik an einer Meinung/HAltung/Weltanschauung nicht anders äußern als durch solche Diffamierung?

Oder:
ist die Verwendung des Begriffs lediglich ein Ablenken von der Tatsache, dass es tatsächlich auf schwierige gesellschaftspolitische Fragen keine einfachen Antworten gibt?

Als Beispiel (ich hatte das im anderen Thread schon gefragt):
wenn es keine Asylbewerberheime mehr gibt, ist dann Arbeitslosigkeit, ALGII usw. Schnee von gestern?

Hier bitte keine Debatte über Migration, es geht mir hier darum, welche Themen miteinander verknüpft werden, und wie diskutiert wird.

Und vor allem: ab welchem Augenblick beginnt man in einer Diskussion den Meinungs-Gegner persönlich abzuwerten, statt sich mit dem eigentlichen Thema der Disukussion auseinander zu setzen. Und warum tut man das.
.



http://de.wikipedia.org/wiki/Gutmensch


zuletzt bearbeitet 18.03.2014 10:45 | nach oben springen

#303

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 18.03.2014 13:39
von Heckenhaus | 5.112 Beiträge

Sogenannte Gutmenschen sind in meinen Augen oft Personen, die sich aus humanitären Gründen, aus Gründen übertriebenen
Gerechtigkeitsgefühls, aus falsch verstandenem Mitleidsgedanken oft im Zusammenschluß mit Gleichgesinnten profilieren,
besonders gedanklich, und alles und jeden, der anderer Meinung ist, permanent und penetrant verbal attackieren und militant
versuchen, ihre Meinung als das einzig Richtige und Akzeptable darzustellen.
Mit gebetsmühlenartiger Ausdauer wird versucht, die Gedanken des "Gutmenschen" als unumstößlich zu presentieren.

So etwas erzeugt bei mir Ablehnung und Umbehagen, wenn sachlicher Gedankenaustausch an ideologischer Sturheit
scheitert .
Im weitesten Sinne kann man Gutmenschen mit SED-Kadern vergleichen, die ebenfalls stets vom Guten der Gesellschaft
sprachen und keine gegensätzliche Meinung zuließen. Auch wenn diese vielleicht hörenswert gewesen wäre.

Für mich ist Gutmenschentum einfach nur Schmalspurdenken, nicht links, nicht rechts, nur stur geradeaus in die strahlende
Sonne.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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#304

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 18.03.2014 14:07
von damals wars | 12.113 Beiträge

Für empathielose Schlechtmenschen habe ich auch nichts übrig.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#305

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 18.03.2014 15:08
von Heckenhaus | 5.112 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #304
Für empathielose Schlechtmenschen habe ich auch nichts übrig.


Gutmensch, Schlechtmensch, Empathie, Worte, die heutzutage sehr strapaziert werden, ohne das sie in unmittelbarem
Zusammenhang stehen müssen.
Ich kann sowohl als "Gutmensch" als auch als "Schlechtmensch" trotzdem Empathie empfinden, jedoch wird dieser Begriff
heute überall vorschnell zur Anwendung gebracht.
Oft wird vor lauter Empathie der normale Verstand ausgeschaltet. Soweit darf es aber nicht kommen, das rationale Denken
sollte immer Vorrang haben.


Alles Übrige im # 300


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
zuletzt bearbeitet 18.03.2014 15:16 | nach oben springen

#306

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 19.03.2014 09:09
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Heckenhaus im Beitrag #305
Zitat von damals wars im Beitrag #304
Für empathielose Schlechtmenschen habe ich auch nichts übrig.


Gutmensch, Schlechtmensch, Empathie, Worte, die heutzutage sehr strapaziert werden, ohne das sie in unmittelbarem
Zusammenhang stehen müssen.

Ich kann sowohl als "Gutmensch" als auch als "Schlechtmensch" trotzdem Empathie empfinden, jedoch wird dieser Begriff
heute überall vorschnell zur Anwendung gebracht.
Oft wird vor lauter Empathie der normale Verstand ausgeschaltet. Soweit darf es aber nicht kommen, das rationale Denken
sollte immer Vorrang haben.



Alles Übrige im # 300


fett:
das würde ja die These von oben bestätigen, nämlich sinngemäß: urteilen statt auseinandersetzen.

Was ist denn "rationales Denken", da hat ja möglicherweise jeder eine andere Vorstellung von.
.


zuletzt bearbeitet 19.03.2014 09:10 | nach oben springen

#307

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 19.03.2014 11:43
von Heckenhaus | 5.112 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #306
Zitat von Heckenhaus im Beitrag #305
Zitat von damals wars im Beitrag #304
Für empathielose Schlechtmenschen habe ich auch nichts übrig.


Gutmensch, Schlechtmensch, Empathie, Worte, die heutzutage sehr strapaziert werden, ohne das sie in unmittelbarem
Zusammenhang stehen müssen.

Ich kann sowohl als "Gutmensch" als auch als "Schlechtmensch" trotzdem Empathie empfinden, jedoch wird dieser Begriff
heute überall vorschnell zur Anwendung gebracht.
Oft wird vor lauter Empathie der normale Verstand ausgeschaltet. Soweit darf es aber nicht kommen, das rationale Denken
sollte immer Vorrang haben.



Alles Übrige im # 300


fett:
das würde ja die These von oben bestätigen, nämlich sinngemäß: urteilen statt auseinandersetzen.

Was ist denn "rationales Denken", da hat ja möglicherweise jeder eine andere Vorstellung von.
.


Mir scheint, niemand hat Interesse an einer Auseinandersetzung zu dieser Thematik und absolut kein Interesse, hierzu lange rumzulamentieren.
Wer ein Gutmensch ist, weiß es, es wurde ihm sicher ausreichend unterstellt. Ein Gutmensch denkt anders rational als andere Menschen,
sie bezeichnen ihre Einstellung selbstverständlich als einzig richtig, oder sehe ich das falsch ?
Hier wurde gestern das Thema Zuwanderung/Asylanten angesprochen. Wer hier bedingungslos und ohne jegliche Einschränkung zustmmt, der kann
nicht rationaler Denkweise unterliegen. Dagegen ist er ein Gutmensch im Sinne der Definitionen.
Nachteile, Grenzen oder Folgen solcher Handlungsweisen werden verdrängt oder gar völlig ausgeblendet.
Ohne Zweifel soll und muß geholfen werden, aber alles stößt an Grenzen. Und wer das dann öffentlich kundtut, wird als schlecht abgestempelt,
von eben diesen Gutmenschen, die meinen, allein das Richtige zu tun.


.
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— Abraham Lincoln –
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#308

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 19.03.2014 12:17
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Heckenhaus im Beitrag #307

Mir scheint, niemand hat Interesse an einer Auseinandersetzung zu dieser Thematik und absolut kein Interesse, hierzu lange rumzulamentieren.



Da gebe ich Dir recht

Wenn jemand in einer Diskussion eine/n andere/n als "Gutmensch" bezeichnet, dann weiß ich, aus welcher Ecke dieser jemand kommt. Eine von wenigen Schubladen, die ich gerne benutze.

Mir ist eigentlich noch nie eine Frau über den Weg gelaufen, die eine/n andere/n als "Gutmensch" bezeichnet hat. Weder in sozialen Netzwerken noch im realen Leben.

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 19.03.2014 12:48 | nach oben springen

#309

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 19.03.2014 13:11
von Heckenhaus | 5.112 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #308

Mir ist eigentlich noch nie eine Frau über den Weg gelaufen, die eine/n andere/n als "Gutmensch" bezeichnet hat. Weder in sozialen Netzwerken noch im realen Leben.



Zeugt das doch davon, das Männer und Frauen verschieden sind, sogar meist im Denken.


.
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— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
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#310

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 19.03.2014 13:25
von damals wars | 12.113 Beiträge

"Gutmenschen" ist ein Kampfbegriff gegen die Menschlichkeit.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#311

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 19.03.2014 13:32
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #308
Zitat von Heckenhaus im Beitrag #307

Mir scheint, niemand hat Interesse an einer Auseinandersetzung zu dieser Thematik und absolut kein Interesse, hierzu lange rumzulamentieren.



Da gebe ich Dir recht

Wenn jemand in einer Diskussion eine/n andere/n als "Gutmensch" bezeichnet, dann weiß ich, aus welcher Ecke dieser jemand kommt. Eine von wenigen Schubladen, die ich gerne benutze.

Mir ist eigentlich noch nie eine Frau über den Weg gelaufen, die eine/n andere/n als "Gutmensch" bezeichnet hat. Weder in sozialen Netzwerken noch im realen Leben.

LG von der Moskwitschka



Guten Tag,

es ist erstaunlich, dass es eine französische Übersetzung zu geben scheint, welche sehr zur Polemik gehört: Der Gut-Denkende (le bien pensant). Am Anfang hatte ich Probleme, denn die Übersetzung (die gut gedachte Übersetzung :-)) ins Englishe war viel zu gut für den Sinn des Begriffes «bien pensant» in den französischen Medien.

Eine «Gut-denkende» ist Frau Taubira, die Justizministerin, für die rechten Politiker. Es bedeutet in diesem Kontext «naiv», entfernt von der Realität. So kann es passieren, dass Kommentatorinnen (weiblich) weibliche Gegenüber als «Gutmenschen = gut denkende » bezeichnen...

In deutschen Dokumenten ist mir das Wort « Systemnähe » aufgefallen. Mediziner in der Charité mussten Verringerungen ihrer Rente akzeptieren, weil sie «systemnahe» waren. Im Wahlkampf in Frankreich ist «System» ein Word des rechtsextremen Front National. Es bezeichnet das politische System jenseits des Front national, also auch die Parteien. Es gibt etwas ähnliches im Dritten Reich: «Systemzeit». Es bedeutet die Jahre des politischen Systems in der Weimarer Republik. Die «Systemzeit» war negativ, wie auch das «System» in Frankreich negativ ist, und man es zerstören muss.

Sackgassen-Sprache ist auch Sprache des politischen Kampfes. Häufig sind es Begriffe, welche eine killer assumption sind, also eine weitere Diskussion schwierig oder unmöglich machen.

Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


Damals87 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 19.03.2014 13:34 | nach oben springen

#312

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 19.03.2014 13:53
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #310
"Gutmenschen" ist ein Kampfbegriff gegen die Menschlichkeit.


Die Frage ist nun: Was ist «Menschlichkeit» ? Wann beginnt sie, wan endet sie? Ist es Menschlichkeit, wenn der Westen den Libyern die Last des Dikators hinwegbombt oder wen Mr Putin die Ukraine von der ökonomischen Last der Crimea befreit?

Daran hängt das Wort Humanismus und Humanist. Wikipedia hat das:
« „Wir sind nicht gefeit, leider, dass auch mal ein Schuft noch unter uns sein kann, wir sind nicht gefeit dagegen, leider. Wenn ich das schon jetzt wüsste, dann würde er ab morgen schon nicht mehr leben. Ganz kurz – Prozess. Aber weil ich Humanist bin, deshalb habe ich solche Auffassungen. Lieber Millionen Menschen vor’m Tode retten als wie einen Banditen leben lassen, der also uns dann also die Toten bringt. [… unverständlich …] mal richtig erklären, warum man so hart sein muss. All das Geschwafel von wegen nicht hinrichten und nicht Todesurteil – alles Käse is' Genossen. Hinrichten die Menschen ohne billige Sätze, ohne Gerichtsbarkeit und so weiter.“

– Erich Mielke: Originalton, wiedergegeben in MDR/ARTE: Alltag einer Behörde – Das Ministerium für Staatssicherheit: 1982, Ausschnitt eines Stasi-Tonbandprotokolls, auf einer Konferenz hoher Stasi-Offiziere, mit Bezug auf die Flucht von Werner Stiller»

http://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Mielke

Es gibt in StarTrek III einen Satz von James T Kirk : «Because the needs of the one outweigh the needs of the many.» (Weil das Wohl von Einzelnen genauso schwer wiegt wie das Wohl von Vielen.) Dieser schöne Spruch ist reversible und das betrifft dann auch das Wort Menschlichkeit...

Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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#313

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 19.03.2014 14:14
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Also erst einmal, gute Menschen sind mir allemal lieber als böse, von den guten kann es gar nicht genug geben.
Problematisch wird es für mich wenn zum Beispiel jemand warum auch immer jemanden umbringt und dann zu gute Menschen die Seele des "armen" Mörders durchforschen warum wieso weshalb und das eigentliche wahre Opfer gar keine Rolle mehr spielt.
Da kann einem die Art von Gutmenschentum, harsch ausgedrückt, schon mächtig auf den Kranz gehen.


zuletzt bearbeitet 19.03.2014 14:23 | nach oben springen

#314

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 21.03.2014 10:09
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #299
Gutmensch


ist ja ein inzwischen beliebtes Wort im Forum geworden, um einen anderen TN (meistens) abzuqualifizieren.

Daher möchte ich es gerne mal in die Debatte einwerfen.
Was ist darunter zu verstehen?
.


Können Gutmenschen überhaupt tolerant sein und ist die Hochrechnung der Gutmenschentums auf ein Volk nicht sogar gefährlich, wenn man es als einzig gangbaren Weg in eine humanistische Gesellschaft sieht ?
Zwar weiß ich, daß Du es im Zusammenhang mit dem Sprachgebrauch zwischen Diskussionspartnern hier thematisiersen möchtest aber die Grundsatzdiskussion zum Begriff an sich scheint mir auch angebracht zu sein.
Bin ich ein Gutmensch, wenn ich auf Fernreisen mit dem Flugzeug verzichte um Ressourcen zu schonen, während Südseetouristen mit ihrem Geld am Urlaubsort andererseits Einheimischen eine Existenzgrundlage schaffen ?
Bin ich ein Gutmensch, wenn ich als letztmögliches Personal noch den Containerzug in den Terminal bringe, während andere sich weigern, weil sie zu Hause eine Familie haben, die den Vater nach einer Woche Arbeit auch mal wieder braucht ?
Dafür würde es Tag für Tag neuen Stoff geben und jeder, der sich für einen Gutmenschen hält, sollte sich immer vor Augen halten, daß niemand komplett unnütz, komplett parasitär oder was auch immer sein kann.
Es ist in der Verantwortung des Gemeinwesens, durch Vielfalt und Toleranz ein für alle Beteiligten angemessen großes Spielfeld zu schaffen, auf dem das hochgerechnete Gutmenschentum die breitestmögliche Einbeziehung des Volkes sowohl bei der Wertschöpfung als auch bei der Verteilung zu organisieren vermag.
Die Streber und Eiferer sollte man hin und wieder wegbeißen, wenn Streben und Eifern zum Selbstzweck wird, sonst ist man eines Tages so gut, daß man schon wieder schlecht ist, (you better, you better, you're bad) ein schöner Song fällt mir dazu ein, wenngleich der Textinhalt möglicherweise fernab vom Thema ist.
Möge es ein Gutmensch richtig stellen:
http://www.youtube.com/watch?v=9AuVfIP9F2Y



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#315

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 21.03.2014 10:36
von Freienhagener | 3.856 Beiträge

Jedenfalls meint der Begriff "Gutmensch" inzwischen das Gegenteil, d.h. beinhaltet den Vorwurf der Heuchelei.

Mir ist der Begriff suspekt, weil diejenigen, die ihn gegen andere verwenden, oft selbst Heuchler sind - gerade im Themenkreis DDR-BRD.

Wie heißt es doch in der Bibel?

"Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein..."


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 21.03.2014 10:39 | nach oben springen

#316

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 21.03.2014 11:38
von Heckenhaus | 5.112 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #315
Jedenfalls meint der Begriff "Gutmensch" inzwischen das Gegenteil, d.h. beinhaltet den Vorwurf der Heuchelei.

Mir ist der Begriff suspekt, weil diejenigen, die ihn gegen andere verwenden, oft selbst Heuchler sind - gerade im Themenkreis DDR-BRD.

Wie heißt es doch in der Bibel?

"Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein..
."


Rot Da fehlt mir jetzt jeder Bezug.

Lila Den werfen oft die sogenannten Gutmenschen zuerst. Wie sieht es dann mit der Schuld aus ?

Frage : Ist der ein Gutmensch, der am lautesten und beharrlichsten auf seiner vermeintlich richtigen Ansicht beharrt ?
Kann ein Gutmensch überhaupt vom Gegenteil überzeugt werden oder ist nicht jeder auch noch so gut mit Argumenten
hinterlegte Versuch von vorn herein zum Scheitern verurteilt ?
Mein persönlicher Eindruck ist, solche Menschen sind verbohrt und ohne Willen, die Gegenseite bzw. deren Argumente
auch nur zur Kenntnis zu nehmen.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
CASI hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 21.03.2014 11:39 | nach oben springen

#317

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 21.03.2014 11:52
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Heckenhaus im Beitrag #307
Zitat von Barbara im Beitrag #306
Zitat von Heckenhaus im Beitrag #305
Zitat von damals wars im Beitrag #304
Für empathielose Schlechtmenschen habe ich auch nichts übrig.


Gutmensch, Schlechtmensch, Empathie, Worte, die heutzutage sehr strapaziert werden, ohne das sie in unmittelbarem
Zusammenhang stehen müssen.

Ich kann sowohl als "Gutmensch" als auch als "Schlechtmensch" trotzdem Empathie empfinden, jedoch wird dieser Begriff
heute überall vorschnell zur Anwendung gebracht.
Oft wird vor lauter Empathie der normale Verstand ausgeschaltet. Soweit darf es aber nicht kommen, das rationale Denken
sollte immer Vorrang haben.



Alles Übrige im # 300


fett:
das würde ja die These von oben bestätigen, nämlich sinngemäß: urteilen statt auseinandersetzen.

Was ist denn "rationales Denken", da hat ja möglicherweise jeder eine andere Vorstellung von.
.


Mir scheint, niemand hat Interesse an einer Auseinandersetzung zu dieser Thematik und absolut kein Interesse, hierzu lange rumzulamentieren.
Wer ein Gutmensch ist, weiß es, es wurde ihm sicher ausreichend unterstellt. Ein Gutmensch denkt anders rational als andere Menschen,
sie bezeichnen ihre Einstellung selbstverständlich als einzig richtig
, oder sehe ich das falsch ?
Hier wurde gestern das Thema Zuwanderung/Asylanten angesprochen. Wer hier bedingungslos und ohne jegliche Einschränkung zustmmt, der kann
nicht rationaler Denkweise unterliegen. Dagegen ist er ein Gutmensch im Sinne der Definitionen.
Nachteile, Grenzen oder Folgen solcher Handlungsweisen werden verdrängt oder gar völlig ausgeblendet.
Ohne Zweifel soll und muß geholfen werden, aber alles stößt an Grenzen. Und wer das dann öffentlich kundtut, wird als schlecht abgestempelt,
von eben diesen Gutmenschen, die meinen, allein das Richtige zu tun.




1. fett
offensichtich doch - du zum Beispiel :-)

2. fett
tut das nicht jeder?


Wenn man etwas klassifiziert braucht man einen Maßstab - welcher ist das in diesem Kontext?

Der "richtig" rational denkende Mensch?
.


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#318

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 21.03.2014 11:57
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Stringer49 im Beitrag #311
Zitat von Moskwitschka im Beitrag #308
Zitat von Heckenhaus im Beitrag #307

Mir scheint, niemand hat Interesse an einer Auseinandersetzung zu dieser Thematik und absolut kein Interesse, hierzu lange rumzulamentieren.



Da gebe ich Dir recht

Wenn jemand in einer Diskussion eine/n andere/n als "Gutmensch" bezeichnet, dann weiß ich, aus welcher Ecke dieser jemand kommt. Eine von wenigen Schubladen, die ich gerne benutze.

Mir ist eigentlich noch nie eine Frau über den Weg gelaufen, die eine/n andere/n als "Gutmensch" bezeichnet hat. Weder in sozialen Netzwerken noch im realen Leben.

LG von der Moskwitschka



Guten Tag,

es ist erstaunlich, dass es eine französische Übersetzung zu geben scheint, welche sehr zur Polemik gehört: Der Gut-Denkende (le bien pensant). Am Anfang hatte ich Probleme, denn die Übersetzung (die gut gedachte Übersetzung :-)) ins Englishe war viel zu gut für den Sinn des Begriffes «bien pensant» in den französischen Medien.

Eine «Gut-denkende» ist Frau Taubira, die Justizministerin, für die rechten Politiker. Es bedeutet in diesem Kontext «naiv», entfernt von der Realität. So kann es passieren, dass Kommentatorinnen (weiblich) weibliche Gegenüber als «Gutmenschen = gut denkende » bezeichnen...

In deutschen Dokumenten ist mir das Wort « Systemnähe » aufgefallen. Mediziner in der Charité mussten Verringerungen ihrer Rente akzeptieren, weil sie «systemnahe» waren. Im Wahlkampf in Frankreich ist «System» ein Word des rechtsextremen Front National. Es bezeichnet das politische System jenseits des Front national, also auch die Parteien. Es gibt etwas ähnliches im Dritten Reich: «Systemzeit». Es bedeutet die Jahre des politischen Systems in der Weimarer Republik. Die «Systemzeit» war negativ, wie auch das «System» in Frankreich negativ ist, und man es zerstören muss.

Sackgassen-Sprache ist auch Sprache des politischen Kampfes
. Häufig sind es Begriffe, welche eine killer assumption sind, also eine weitere Diskussion schwierig oder unmöglich machen.

Stringer49










Du meinst allein schon die Thread-Überschrift ist ein "Kampfbegriff"?
So war es allerdings von mir nicht gemeint.
Vielleicht müsste ich es umformulieren:
Wörter oder Begriffe, die eine echte Diskussion verhindern und somit in eine kommunikative Sackgasse führen.

Der aktuell diskutierte Begriff bezeichnet aus meiner Sicht sein eigenes Gegenteil.
Man sagt "Gutmensch" und meint "Blödmann".
:-)


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#319

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 21.03.2014 12:02
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Heckenhaus im Beitrag #316
Zitat von Freienhagener im Beitrag #315
Jedenfalls meint der Begriff "Gutmensch" inzwischen das Gegenteil, d.h. beinhaltet den Vorwurf der Heuchelei.

Mir ist der Begriff suspekt, weil diejenigen, die ihn gegen andere verwenden, oft selbst Heuchler sind - gerade im Themenkreis DDR-BRD.

Wie heißt es doch in der Bibel?

"Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein..
."


Rot Da fehlt mir jetzt jeder Bezug.

Lila Den werfen oft die sogenannten Gutmenschen zuerst. Wie sieht es dann mit der Schuld aus ?

Frage : Ist der ein Gutmensch, der am lautesten und beharrlichsten auf seiner vermeintlich richtigen Ansicht beharrt ?
Kann ein Gutmensch überhaupt vom Gegenteil überzeugt werden oder ist nicht jeder auch noch so gut mit Argumenten
hinterlegte Versuch von vorn herein zum Scheitern verurteilt ?
Mein persönlicher Eindruck ist, solche Menschen sind verbohrt und ohne Willen, die Gegenseite bzw. deren Argumente
auch nur zur Kenntnis zu nehmen.





Du beschreibst jemanden, der verbohrt, engstirnig, einseitig, und vielleicht auch ein bisschen doof ist, weil Argumenten nur bedingt zugänglich.
Warum nennt man so jemanden "Gutmensch"?
.


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#320

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 21.03.2014 12:10
von Heckenhaus | 5.112 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #317

Mir scheint, niemand hat Interesse an einer Auseinandersetzung zu dieser Thematik und absolut kein Interesse, hierzu lange rumzulamentieren.
Wer ein Gutmensch ist, weiß es, es wurde ihm sicher ausreichend unterstellt. Ein Gutmensch denkt anders rational als andere Menschen,
sie bezeichnen ihre Einstellung selbstverständlich als einzig richtig
, oder sehe ich das falsch ?
Hier wurde gestern das Thema Zuwanderung/Asylanten angesprochen. Wer hier bedingungslos und ohne jegliche Einschränkung zustmmt, der kann
nicht rationaler Denkweise unterliegen. Dagegen ist er ein Gutmensch im Sinne der Definitionen.
Nachteile, Grenzen oder Folgen solcher Handlungsweisen werden verdrängt oder gar völlig ausgeblendet.
Ohne Zweifel soll und muß geholfen werden, aber alles stößt an Grenzen. Und wer das dann öffentlich kundtut, wird als schlecht abgestempelt,
von eben diesen Gutmenschen, die meinen, allein das Richtige zu tun.




1. fett
offensichtich doch - du zum Beispiel :-)

2. fett
tut das nicht jeder?


Wenn man etwas klassifiziert braucht man einen Maßstab - welcher ist das in diesem Kontext?

Der "richtig" rational denkende Mensch?
.[/quote]

Rot Nein, habe ich nicht. Meine Meinung ist hinreichend dazu dargelegt. Ich weiß auch, das ich mit dieser meiner Meinung nicht als Außenseiter
dastehe.

Noch eins : der "richtig" rational denkende Mensch denkt nicht nur aus dem Bauch heraus, d.h. spontan und voller demonstrativer Güte,
sondern er überlegt auch die Folgen, die eintreten würden, wenn er seinem Bauchgefühl bzw. den seiner Meinung nach positiven Gedanken bedingungslos nachgeben würde. Das Betrifft nicht nur unmittelbare Folgen, sondern auch spätere.

Der Gutmensch denkt allgemein nur spontan, ohne die Bewältigung eventueller Folgen in Betracht zu ziehen und Lösungen für Probleme parat zu haben. .


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
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