#261

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 02.05.2013 16:41
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Jobnomade im Beitrag #259
"Parteigenossen".....

autsch, Hackel, das war aber ein sprachlicher Ausrutscher. Dieses Wort stammt aus einer Zeit, als die "führende Partei" zwar auch "sozialistisch" im Namen trug, aber noch viel schlimmeres verzapfte.
"Genossen" - heisst es nur, schlicht und einfach.

Ja, ich fühlte mich auch "verpflichtet" - ich kann's nachfühlen.
Die "Zehn Gebote der sozialistischen Moral und Ethik" hiessen auch so
http://de.wikipedia.org/wiki/Zehn_Gebote...Moral_und_Ethik
Insofern ist der Vergleich mit einer Religion gar nicht so weit hergeholt.
Und diejenigen, die "öffentlich Wasser predigten und heimlich Wein tranken" gab es auch, wie in jeder Religion.
(Quelle: Heinrich Heine "Deutschland, ein WIntermärchen")

Gruss Hartmut








So verbissen sah und sehe ich solche Ausrutscher eigentlich nicht, wahrscheinlich war deshalb auch die SED- Kreisparteischule für mich schon die Sackgasse, in der es nicht weiterging.
Provozieren wollte ich damals aber keineswegs, vielmehr habe ich den Dogmatismus, den z.B. unser Dienststellenleiter bei seinen Besuchen der FDJ- Versammlungen (2-3 mal pro Jahr) eingeschleppt hatte regelrecht verachtet, der wollte zu jedem Redebeitrag eines Jugendfreundes die Antwort aus dem "Neuen Deutschland" herauszaubern, das er immer mit hatte, so wie die Zeugen Jehovas jede Ausführung ihrer Gesprächspartner mit Bibelzitaten begegnen.
Wahrscheinlich war für ihn das ND das Schild der Partei, hinter dem man sich verstecken konnte.
Überhaupt herrschte im Betriebswerk oft ein lockerer Umgangston, so z.B. wenn mal wieder ein Schmiernippel fehlte hörte man von der Werkzeugausgabe: "Geh zu Neckermann", der 35 Pf.- Kantinenkaffe (Mausis Niedrigkonzentrat) die volle Krönung war oder wenn ein Motor beim Probelauf wie aus dem Westen klang.



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#262

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 02.05.2013 23:39
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #260
Zitat von Hackel39 im Beitrag #258


Kommunismus ist ja im Prinzip eine Art Religion, so weit würde ich hier gehen.

Hackel war somit ein kleiner Meßdiener und Marx der Allmächtige.




Der gute Marx würde jetzt im Grab rotieren:

Marx schrieb 1844 in der Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie: »Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes.« Das Volk berauscht sich also selbst und bekommt das Gift nicht verabreicht, wie es die Wendung »Opium für das Volk« suggerieren würde. Die Idee von der Religion als Rauschdroge stammt nicht von Marx selbst. Er war gut mit Heinrich Heine befreundet. Die beiden lernten sich 1843 kennen. Man kann daher davon ausgehen, dass Marx Heines Denkschrift für Ludwig Börne gut kannte, die im Jahr 1840 veröffentlicht wurde. Und darin heißt es sarkastisch: »Heil einer Religion, die dem leidenden Menschengeschlecht in den bittern Kelch einige süße, einschläfernde Tropfen goss, geistiges Opium, einige Tropfen Liebe, Hoffnung und Glauben!« Marx hat Heines Gedanken also aufgegriffen und noch einmal polemisch zugespitzt.

http://www.dober.de/religionskritik/marx1.html

LG von der grenzgaengerin

Hallo grenzgaengerin,

naja, da werden wieder die Begriffe nach Belieben durcheinandergebracht. In Bezug auf Marx und seine Religionskritik bin ich völlig bei Dir. Die Religionskritik ist eine der fundamentalen Säulen in der Entwicklung der Marx'schen Philosophie. Und da kommt's bei vielen durcheinander. Sie setzen den im verblichenen real existierenden Sozialismus praktizierten Marxismus-Leninismus mit einer Glaubensstruktur gleich und schon muss der Kommunismus in den Rang einer Religion erhoben werden. Das mit der Glaubensstruktur halte ich ja noch für halbwegs nachvollziehbar. Aber da hört es dann auch auf. Das Verfolgen eines Irrweges diskreditiert die zugrundeliegende Idee. Da kann man nix machen. Aber sie deswegen gleich mit allen anderen Sachen in einen Topf zu hauen, ist denn doch zu luschig. Danke für Deine klaren Worte zu dieser Sache.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#263

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 03.05.2013 06:43
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Was ich gemeint habe ist, daß der beste Pabst der Welt genauso weit weg ist vom idealen Christen wie der beste Parteisekretär vom idealen Kommunisten.
Für den einen ist Gott der Leuchtturm und für den anderen ist es Marx.
Pabst und Parteisekretär sind unvollkommen, so wie wir alle.



DoreHolm hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#264

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 03.05.2013 10:48
von Moskwitschka (gelöscht)
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Hallo Hackel,

ich war ein wenig erschrocken als ich das gelesen habe. Ich habe in meinem DDR - Leben einige Parteisekretäre und andere Funktionäre kennen gelernt. Ich persönlich und auch andere aus meinem Bekannten und Freundeskreis haben an diese Menschen nie den Anspruch der Vollkommenheit gestellt. Sind es nicht eher selbstauferlegte Zweifel? Ich gebe zu, ich habe auch Selbstzweifel gehabt, als man mir in der DDR die rote Karte gezeigt hat. Zumal man ja fast täglich die "allseitig entwickelte Persönlichkeit" vor Augen geführt bekommen hat. Aber gerade dieser Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit des sozialistischen Menschenbildes der SED hat bei mir schon sehr früh Kritik hervorgerufen. Nicht an den Menschen, dem Parteisekretär oder dem Genossen der SED, sondern an der Theorie über die sozialistiche Persönlichkeit, die ständig "weiterentwickelt" wurde und den Alltag bestimmte.

"Getreu der von Erich Honecker auf dem VIII. SED-Parteitag vor zwei Jahren ausgegebenen Richtlinie, daß der DDR-deutsche Horno novus "eines der edelsten Ziele und eine der größten Errungenschaften der sozialistischen Gesellschaft" ist, machten sich alsbald linientreue Autoren an die Arbeit, um über den linken Umgang von Menschen mit Menschen zu schreiben. "Früher ist da bei uns zu wenig mit Psychologie gearbeitet worden", vergleicht ein Ökonomie-Funktionär aus dem Bezirk Cottbus: "Jetzt wird das anders, denn ohne psychologische Schulung wird keiner mehr Leiter."

Damit fortan "der psychologischen Seite" des DDR-Aufbaus "im Verhältnis zur physiologischen mehr Aufmerksamkeit" gewidmet wird, nahm sich etwa Karl Hecht* des "Menschen neben Dir" an, der, so Hecht, "bewußt und freier" lebt "als jemals ein Mensch zuvor". Allerdings: "Obwohl er mit Leib und Seele Sozialist ist, können überkommehe bürgerliche Denk und Reaktionsweisen manchmal noch sein Handeln beeinflussen.""

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-42601719.html

Was mich zusätzlich stutzig machte, war die Erfahrung, dass es z.B. in der Sowjetunion, dem Mutterland der sozialistischen Revolution, diesen "Druck" nicht gab oder ich ihn nicht spürte. Gut, dafür gab es andere Erscheinungen und Widersprüche, die hier nicht Thema werden sollten.

Marx war für mich ein Mensch, wie Du und ich, mit Ecken und Kanten. Aber ein Philosoph, der viel Wahres zu Papier gebracht hat. Zu Gott kann ich nichts sagen. Über den haben immer nur andere geschrieben.

LG von der grenzgaengerin


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#265

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 04.05.2013 11:43
von Barbara (gelöscht)
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Guten Morgen liebe "Sprach-Forscher"! ich freue mich sehr und lese gerne die ganzen unterschiedlichen Aspekte zu diesem komplexen Thema.

Hackel, ich habe "den Mohr" gesehen. Ich finde ihn gar nicht so schlecht, manchmal etwas holzschnittartig, aber einige Spielszenen haben mich an Charles Dickens erinnert, die Straßenszenen sogar an den ital. Neorealismus (de Sica "Fahrraddiebe",oder auch Pasolini). Ich bin Cineastin und liebe s/w-Filme.
Außerdem werden in dem Film die Marx'schen Grundideen von Gerechtigkeit und Menschlichkeit gezeigt, die Kausalität zwischen Armut und Kriminalität, die Profiteure von Armut, aber auch die Grundidee von"Gemeinsam sind wir stark".
Ganz deutlich wird aber auch nochmal in welchem historischen Kontext Marx sein Werk geschrieben hat, dem der Früh-Industrialisierung mit all den barbarischen sozialen Folgen für die Arbeiter und ihre Familien. Die hier gezeigten geknechteten Kinder (zu was der Mensch doch fähig ist...) ein Mahnmal dafür, dass es das ja auch heute immer noch gibt auf der Welt, (in diesem Fall) durch Arbeit missbrauchte und zerstörte Kinder.

Bei der Theoriedebatte um den Kommunismus ist daher nochmal meine Überlegung, hätte die Marx'sche Theorie im Hinblick auf die sich verändernden historschen Entwicklungen nicht angepasst werden müssen - in den sozialistischen Gesellschaften? In der Turbodynamik des 20. Jhdts.? Hier ist aber wiederum mein Wissen zu dünn, und ich wüsste nicht wo man hätte umsteuern können, das könnt "ihr" besser beurteilen.

Ich finde den Satz gut "Jeder nach seinen Fähigkeiten, jeder nach seinen Möglicheiten". Und der Leuchtturm finde ich, ist ein schönes Motiv!
Ich glaube dass wir das brauchen - Utopien - Leit-Sterne - gerade auch heute.

Das bringt mich zu deiner Apfel-Ernte-Geschichte (ich mag deine Geschichten sehr, das weißt du!):
weißt du wer sich in deinem Beispiel gar nicht "kommunistisch" verhalten hat? Die Lehrerin! Eine ganz schlechte Pädagogin!

Ein Kind, dass sich soviel Mühe gibt, muss "belohnt" werden! Nicht um Konkurrenz zu fördern oder den Egoismus, sondern weil ein Kind Anerkennung braucht! Für sein Selbstgefühl. Zumal es durch seine Arbeitsleistung doch auch Vorbild ist. Also eine gute Pädagogin hätte das geschafft, dass Hackel erstens sein Schlauchboot bekommt und hätte es so vermitteln können, dass die anderen nicht neidisch darauf sind, sondern es ihnen Ansporn ist. Und eine gemeinsame Überlegung wegen eines Beitrags zur Klassenkasse hätte das gar nicht ausgeschlossen. - So aber ist der Eindruck entstanden, dass es dieser Lehrerin darum ging selbst eine guten "kommunistischen" Eindruck zu machen. Kommunismus hat sie sebst aber nicht befördert. Denn Hackel war demotiviert und die anderen wurden letztlich für ihren geringen Einsatz "belohnt".
(Alle Eltern wissen wovon ich spreche.)

Hier möchte ich meine Idee zum Kommunismus ein bisschen weiter spinnen:
ist das, was der Kommunismus zum Ziel hat - den "guten" und "gerechten" Menschen - nicht eigentlich die Voraussetzung für die Ziel-Erreichung?
Mein Bild vom Menschen: es liegt die Möglichkeit "des Guten" und "des Bösen" in jedem von uns drin. Kinder beginnen erst im Alter von 4-5 Jahren ein "moralisches Gefühl" zu entwickeln, vorher sind sie im Stadium des "hau-drauf und mach kaputt". "Wir" als Pädagogen geben ihnen darum Regeln und leben diese bestenfalls auch vor!

Dennoch ist nachgewiesen, dass bereits Babys auf der Ebene der Spiegelneuronen "emphatisch" reagieren: sie weinen, wenn das andere weint!

Das bedeutet, das "Gute" und das "Mitgefühl" sind in jedem bereits vorhanden, die Herausforderung ist, dass dieses entwickelt wird und gestärkt wird - damit es den Kampf gegen das "Böse" (Destruktive) gewinnen kann. Das ist aber eine Gegenwarts-Aufgabe. Kann man das durch "System" erreichen?

Die Grundvoraussetzung für die "gute" Entwicklung des Menschen ist, ihm individuell das Gefühl zu geben "gut" (gewollt, akzeptiert, wahrgenommen) zu sein und ihm damit eine Chance zu geben,eine Balance zu finden zwischen einem gesunden Egoismus und dem mitfühlenden Denken und Handeln.
Ich möchte damit nicht warten müssen, "bis irgendwann mal Kommunismus ist"!
Wir leben jetzt!


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#266

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 04.05.2013 17:21
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Barbara im Beitrag #265


Dennoch ist nachgewiesen, dass bereits Babys auf der Ebene der Spiegelneuronen "emphatisch" reagieren: sie weinen, wenn das andere weint!

Das bedeutet, das "Gute" und das "Mitgefühl" sind in jedem bereits vorhanden, die Herausforderung ist, dass dieses entwickelt wird und gestärkt wird - damit es den Kampf gegen das "Böse" (Destruktive) gewinnen kann. Das ist aber eine Gegenwarts-Aufgabe. Kann man das durch "System" erreichen?

Die Grundvoraussetzung für die "gute" Entwicklung des Menschen ist, ihm individuell das Gefühl zu geben "gut" (gewollt, akzeptiert, wahrgenommen) zu sein und ihm damit eine Chance zu geben,eine Balance zu finden zwischen einem gesunden Egoismus und dem mitfühlenden Denken und Handeln.
Ich möchte damit nicht warten müssen, "bis irgendwann mal Kommunismus ist"!
Wir leben jetzt!




Liebe Barbara,

rot

Durch "System" erreicht man heute genau das Gegenteil. Nur ein Beispiel. Kindergeld wird bei SGB II Empfängern als Einkommen angerechnet.

"Dass das Kindergeld in voller Höhe als Einkommen im Sinne von § 11 Abs. 1 SGB II auf die Leistungen nach dem SGB II angerechnet wird, ist mit dem Grundgesetz vereinbar. Das Bundesverfassungsgericht hat bereits entschieden, dass die vollständige Anrechnung des Zuschlags zum Kindergeld nach § 11a Bundeskindergeldgesetz a.F. auf die Sozialhilfe nicht gegen Art. 1 Abs. 1 in Verbindung mit dem Sozialstaatsprinzip des Art. 20 Abs. 1, Art. 6 Abs. 1 und Art. 3 Abs. 1 GG verstieß (vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 24. Oktober 1991 - 1 BvR 1159/91 -, juris, Rn. 7 ff.). Dies gilt entsprechend für das Kindergeld (vgl. insoweit auch BVerwGE 94, 326 <329>) und seine Anrechnung auf die Leistungen nach dem SGB II."

http://www.bundesverfassungsgericht.de/e...1bvr316309.html

grün

Du musst nicht warten. Lebe und gestalte Dein Leben so, wie es Deinen "Werten" entspricht und gib diese Werte weiter. Der Radius der Wirksamkeit solchen Verhaltens ist zwar nicht sehr groß und man wird im besten Fall belächelt, doch das nimmt ein wenig das Gefühl der Hilflosigkeit. Man wird zwar auch auf Widerspruch stoßen oder anecken. Doch das "Reiben" mit anderen erzeugt auch Wärme. Und wenn man andere nur zum Nachdenken erwärmt.

LG von der grenzgaengerin


Hackel39 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#267

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 05.05.2013 12:16
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #266
Zitat von Barbara im Beitrag #265


Dennoch ist nachgewiesen, dass bereits Babys auf der Ebene der Spiegelneuronen "emphatisch" reagieren: sie weinen, wenn das andere weint!

Das bedeutet, das "Gute" und das "Mitgefühl" sind in jedem bereits vorhanden, die Herausforderung ist, dass dieses entwickelt wird und gestärkt wird - damit es den Kampf gegen das "Böse" (Destruktive) gewinnen kann. Das ist aber eine Gegenwarts-Aufgabe. Kann man das durch "System" erreichen?

Die Grundvoraussetzung für die "gute" Entwicklung des Menschen ist, ihm individuell das Gefühl zu geben "gut" (gewollt, akzeptiert, wahrgenommen) zu sein und ihm damit eine Chance zu geben,eine Balance zu finden zwischen einem gesunden Egoismus und dem mitfühlenden Denken und Handeln.
Ich möchte damit nicht warten müssen, "bis irgendwann mal Kommunismus ist"!
Wir leben jetzt!




Liebe Barbara,

rot

Durch "System" erreicht man heute genau das Gegenteil. Nur ein Beispiel. Kindergeld wird bei SGB II Empfängern als Einkommen angerechnet.

"Dass das Kindergeld in voller Höhe als Einkommen im Sinne von § 11 Abs. 1 SGB II auf die Leistungen nach dem SGB II angerechnet wird, ist mit dem Grundgesetz vereinbar. Das Bundesverfassungsgericht hat bereits entschieden, dass die vollständige Anrechnung des Zuschlags zum Kindergeld nach § 11a Bundeskindergeldgesetz a.F. auf die Sozialhilfe nicht gegen Art. 1 Abs. 1 in Verbindung mit dem Sozialstaatsprinzip des Art. 20 Abs. 1, Art. 6 Abs. 1 und Art. 3 Abs. 1 GG verstieß (vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 24. Oktober 1991 - 1 BvR 1159/91 -, juris, Rn. 7 ff.). Dies gilt entsprechend für das Kindergeld (vgl. insoweit auch BVerwGE 94, 326 <329>) und seine Anrechnung auf die Leistungen nach dem SGB II."

http://www.bundesverfassungsgericht.de/e...1bvr316309.html

grün

Du musst nicht warten. Lebe und gestalte Dein Leben so, wie es Deinen "Werten" entspricht und gib diese Werte weiter. Der Radius der Wirksamkeit solchen Verhaltens ist zwar nicht sehr groß und man wird im besten Fall belächelt, doch das nimmt ein wenig das Gefühl der Hilflosigkeit. Man wird zwar auch auf Widerspruch stoßen oder anecken. Doch das "Reiben" mit anderen erzeugt auch Wärme. Und wenn man andere nur zum Nachdenken erwärmt.

LG von der grenzgaengerin








... und was ist - bildhaft gesprochen - mit dem "Schneelball-Effekt"? Mit dem Stein der ins Wasser fällt und dessen konzentrische Kreise prinzipiell ins Unendliche gehen? Was ist mit dem Flügelschlag des Schmetterlings, der damit einen Tornadeo auslösen kann?
Was sind die Gesetzmäßigkeiten für zwischenmenschliches Verhalten? Sind die ganz anders?
Was ist mit denen die in diesem Forum "nur" lesen, und bei denen genau durch dieses unser Gespräch ein winzige Verhaltensänderung eintritt? Die vielleicht Wirksamkeit in ihrem eigenen Leben und Umfeld hat?

Ich weiß, dass ich ein absolut hoffnungsloser Optimist bin :-)

Liebe Grüße
Barbara


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#268

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 05.05.2013 14:51
von Moskwitschka (gelöscht)
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Bilder sind so wunderschön. Ich stelle mir gerade vor, wie ich mit Dir, Barbara, am Rande eines Sees sitze und die Kreise beoachte, die unsere Steinchen erzeugen, die wir ab und zu beim Unterhalten ins Wasser fallen lassen.

Doch oh Schreck, am anderen Ufer tauchen böse Buben auf und fangen an zu Ditschen, Steinschnellen, Pfitscheln, Steineflitschen, Flippen, Klippen, Platteln, Schiefern und heben unsere Wellen auf.

Was nun? Fangen wir an mit Steine werfen?

So ist das mit Bildern. Mit Steine werfen hat schon manche Revolution begonnen.

Da fällt mir die "friedliche Revolution" von 1989 ein. Lenin hätte wahrscheinlich gebrüllt:" Das ist Konterrevolution! " Und was hätte Marx gesagt? Garnicht so einfach, wenn Begriffe fehlbesetzt werden. Aus der Sackgasse muss man erst mal rauskommen.

LG von der grenzgaengerin

PS Das soll hier übrignes kein Mädchenkränzchen werden


EDIT Schreibfehler


zuletzt bearbeitet 05.05.2013 17:25 | nach oben springen

#269

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 05.05.2013 20:37
von ddr-bürger (gelöscht)
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@grnzverletzerin

wer bestimmt die Richtigkeit von Begriffen? "Friedliche Revolution", Das hört sich so schön nach einem Fortschritt an, für mich paßt auch der Begriff "Umsturz", es hat ja eine Änderung gegeben dadurch auch passend.


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#270

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 06.05.2013 10:14
von ddr-bürger (gelöscht)
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Sprache ist eigentlich nie "neutral", sie entspricht unserer Prägung und unserem Erleben und auch der momentanen Stimmung. Nicht die Sprache ist die "Sackgasse", sondern die Auslegung.

Zwei Begriffe, nur welcher ist richtig?

"friedliche Revolution" - was wurde neues, welche neue Qualität wurde erreicht?
"Konterrevolution" - harter Begriff, und eigentlich gab es keine Revolution in dem bekannten Sinn vorher, es war nach einem Zusammenbruch einer "1949 neu entstandene Gesellschaft bzw. Staat", der wiederrum aus welchen Gründen auch immer zusammenbrach, ohne dabei irgend eine "Rolle" oder "Schuld" oder "Verdienst" zu berücksichtigen
"Umsturz" - ja, ein System wurde zugunsten eines anderen beseitigt

Was lösen diese 3 Worte für ein und dasselbe Geschehen aus, Emotionen und mit Emotionen kann man Menschen besser lenken als mit Tatsachen.


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#271

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 06.05.2013 10:51
von Moskwitschka (gelöscht)
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Ich weiß es nicht, ddr -bürger. Da hat es irgendjemand irgendwann den Begriff in den Ring geworfen, weil es sich gut anhörte und einen Vorgang beschrieb, der etwas umwälzendes in Bewegung setzte. Und wer setzte sich während der Wendezeit schon pingelig mit Begrifflichkeiten auseinander? Und wenn, dann hätte man ihn wahrscheinlich gefragt, ob er keine anderen Probleme hat.

Und eins ist doch unstrittig, friedlich war es doch im Vergleich zu Entwicklungen in anderen ehemaligen sozialistischen Ländern. Und "friedlich" bauchpinselt doch die deutsche historische Seele nach allem was im 20. Jahrhundert im Namen der Deutschen alles passiert ist.

Die Deutschen waren doch wahre Humanisten im Vergleich zu den Rumänen, wo die Ceaușescus Weihnachtenn 1989 exekutiert wurden. In Deutschland wurde minitiös dokumentiert, dass man auf der Grundlage der Rechtsstaatlichkeit mit dem ehemaligen Staatsoberhaupt der DDR umgegangen wurde.

Auch Jugoslawien war, wo die Wende nicht nur den Nationalismus aufleben ließ, der zum Krieg führte, ein eher abschreckendes Beispiel. Hat doch mehr oder weniger auch der letzte DDR - Bürger angenommen, das Jugoslawien, das fortschrittlichste und am weitesten geöffnete der sozialistischen Länder sei, und eine Wende am besten bewältigen würde. In der DDR war man noch im "Dornröschenschlaf" da wurden in Serbien bereits kommunistische Machthaber von den Massen wegdemonstriert. So etwa bei der „Joghurtrevolution“ in Novi Sad, im Herbst 1988. Die Führung der Vojvodina trat zurück, nachdem 15.000Menschen aufmarschiert und Joghurtbecher als Wurfgeschosse verwendet hatten.

Und nicht zu vergessen Polen, wo 1981 nach den Unruhen das Kriegsrecht verhängt wurde.

Nicht zuletzt war doch jeder froh, dass es im Oktober 1989 unblutig ausgegangen ist. Da stellt sich aber bei mir die Frage: Warum? Es ist doch alles aufgeboten und in Gefechtsbereitschaft versetzt worden, was Arme und Beine hatte. Ich gebe zu, ich habe mir damals nicht diese Frage gestellt. Ich war nur froh, dass es nicht eskaliert ist.

Doch was hat letztendlich diese friedliche Revolution in Bewegung gesetzt? Ich würde sagen eine neue Qualität des Kapitalismus, der nach und nach immer mehr Rechte der Arbeitnehmer beschneidet, die mühsam seit dem 19. Jahrhundert errungen wurden.

Das neueste Beispiel ist folgende Meldung:

"Mittelständler wollen Streikrecht einschränken

Berlin (AFP) Viele Mittelständler wollen Streiks im Flug- oder Bahnverkehr nicht länger hinnehmen und fordern Einschnitte beim Streikrecht. In einer Umfrage zweier Wirtschaftsverbände für die neue Ausgabe der "Wirtschaftswoche" forderten 71 Prozent der 530 befragten Firmenchefs eine gesetzliche Beschränkung des Streikrechts im Verkehrs- und Transportwesen, etwa auf Flughäfen und bei der Bahn. Nur 19 Prozent der Befragten waren gegen Beschränkungen."

http://www.zeit.de/news/2013-05/04/deuts...aenken-04134206

An dieser Stelle bekomme ich Probleme mit der friedlichen Revolution.

LG von der grenzgaengerin


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#272

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 06.05.2013 11:04
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #268
Bilder sind so wunderschön. Ich stelle mir gerade vor, wie ich mit Dir, Barbara, am Rande eines Sees sitze und die Kreise beoachte, die unsere Steinchen erzeugen, die wir ab und zu beim Unterhalten ins Wasser fallen lassen.

Doch oh Schreck, am anderen Ufer tauchen böse Buben auf und fangen an zu Ditschen, Steinschnellen, Pfitscheln, Steineflitschen, Flippen, Klippen, Platteln, Schiefern und heben unsere Wellen auf.

Was nun? Fangen wir an mit Steine werfen?

So ist das mit Bildern. Mit Steine werfen hat schon manche Revolution begonnen.

Da fällt mir die "friedliche Revolution" von 1989 ein. Lenin hätte wahrscheinlich gebrüllt:" Das ist Konterrevolution! " Und was hätte Marx gesagt? Garnicht so einfach, wenn Begriffe fehlbesetzt werden. Aus der Sackgasse muss man erst mal rauskommen.

LG von der grenzgaengerin

PS Das soll hier übrignes kein Mädchenkränzchen werden


EDIT Schreibfehler




Liebe Grenzgängerin, welch ein kluger Einwand!
Aber: haben wir die "bösen Buben" nicht längst "im Griff"? :-)


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#273

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 06.05.2013 11:30
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von ddr-bürger im Beitrag #270
Sprache ist eigentlich nie "neutral", sie entspricht unserer Prägung und unserem Erleben und auch der momentanen Stimmung.

Nicht die Sprache ist die "Sackgasse", sondern die Auslegung.

Sehr richtig, und deshalb sollte man, wenn man etwas erreichen will (und sei es "nur" ein "Gesprächsverständnis)" , sehr präzise formulieren!



Zwei Begriffe, nur welcher ist richtig?

"friedliche Revolution" - was wurde neues, welche neue Qualität wurde erreicht?
Das ist kein Sack-Gassen-Begriff aus meiner Sicht, denn er besagt zunächst im Wort-Sinn etwas konkretes und allgeimen verständliches:
Veränderung ohne Gewalt.
Was du glaube ich meinst ist die Bewertung der Veränderung oder? Der eine empfindet sie positiv und der andere negativ.


"Konterrevolution" - harter Begriff, und eigentlich gab es keine Revolution in dem bekannten Sinn vorher, es war nach einem Zusammenbruch einer "1949 neu entstandene Gesellschaft bzw. Staat", der wiederrum aus welchen Gründen auch immer zusammenbrach, ohne dabei irgend eine "Rolle" oder "Schuld" oder "Verdienst" zu berücksichtigen
"Umsturz" - ja, ein System wurde zugunsten eines anderen beseitigt

"Konterrevolution" ist für mich ein bestimmt definierter politischer Begriff aus der sozialistischen Theorie- somit kein Sack-Gassen-Begriff.

Er "bewertet" die Veränderung "politisch"



Was lösen diese 3 Worte für ein und dasselbe Geschehen aus, Emotionen und mit Emotionen kann man Menschen besser lenken als mit Tatsachen.


Dein letzter Satz trifft sehr genau was ich ursprünglich meinte. Je unpräzieser desto manipulativer.
Ein Wort, das mehrere Bedeutungen und Inhalte zulässt, muss genauer angesehen werden, wenn man "gut" miteinander sprechen will.

Aber ich will das nochmal ganz deutlich sagen: mir geht es nicht um die "Abschaffung" von Sprache, auch um keinerlei Einschränkungen, das steht mir überhaupt nicht zu!


Du hast zwischendurch in einem vorherigen Beitrag nochmal ganz deutlich gesagt, dass "Siegerjustiz" in der sprachlichen Verwendung immer noch richtig sei. Ich teile deine Meinung zwar nicht, habe aber verstanden, was du damit sagen willst (das ist das Wichtige, nicht der Begriff m.E.) aber erst, nachdem wir seitenlang "diskutiert" haben. Selbstverständlich repektiere ich deine Meinung dazu!

Wären wir beiden Gewerkschafter mit unserem unterschiedlichen biografischen Hintergrund: wie würden wir gemeinsam sprechen im Hinblick auf unsere gemeinsamen sozial-poltischen Ziele?


zuletzt bearbeitet 06.05.2013 11:39 | nach oben springen

#274

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 06.05.2013 11:32
von Barbara (gelöscht)
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Ich möchte gerne den Begriff

"Wirtschaftsflüchtling"

in die Diskussionsrunde werfen.

Was verstehen wir eigentlich darunter?


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#275

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 06.05.2013 11:37
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

ob es nun eine Revolution war oder nicht.... darüber mögen sich die Gelehrten streiten.
Mir - als unmittelbar Beteiligten und Betroffenen ist es wichtiger, dass es friedlich verlief.

Was war Jahre zuvor bei solchen Szenarien in den sozialistischen Ländern passiert ?
Ich blättere mal in den Geschichtsbüchern:

17.Juni 1953, DDR: Die Arbeiter streiken - die Sowjetarmee fährt ihre Übermacht auf, die Angelegenheit ist beendet.
Die Kampfgruppen werden als Armee der Partei gegründet, um als SED zukünftig über eigene militärische Mittel in solchen Situationen zu verfügen.
Ein Umstand, der mich veranlassste, dieser Truppe aus dem Weg zu gehen - ich wurde mehrfach aufgefordert, beizutreten.

1956 Ungarn: Der Aufstand wird von der Sowjetarmee blutig niedergeschlagen.

1968, CSSR: der "Prager Frühling" wird von den einmarschierenden Truppen des Warschauer Vertrages infolge militärischer Übermacht erstickt.

1981, Polen: Arbeiter streiken - das Kriegsrecht wird ausgerufen.

1988, Peking: demonstrierende Studenten werden auf dem "Platz des Himmlischen Friedens" gemetzelt - die SED-Führung spendet Beifall.

Herbst 89 in der DDR ????

Ja, nun dürft ihr raten, welche Vorahnungen das damals-noch-SED-Mitglied Jobnomade hatte ?
Zum Glück hatte Gorbatschow in dieser Situation den verbohrten, greisen Honecker und seine engsten Genossen alleingelassen - die 2 Millonen Sowjetsoldaten, die in der DDR stationiert waren, blieben in den Kasernen.

Nennt es Revolution oder nicht - ist mir egal. Ich bin froh, dass es friedlich verlief !
Auch wenn es Leute geben mag, denen ein Blutbad damals lieber gewesen wäre - für die habe ich nur Verachtung übrig.

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
zuletzt bearbeitet 06.05.2013 11:47 | nach oben springen

#276

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 06.05.2013 12:37
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Jobnomade im Beitrag #275


Auch wenn es Leute geben mag, denen ein Blutbad damals lieber gewesen wäre - für die habe ich nur Verachtung übrig.

Gruss Hartmut




Hallo Hartmut,

ich verstehe Deine Gefühle. Doch dieser Satz ist sehr anonym und plakativ.

Und im ersten Moment hat er bei mir folgende Reaktion ausgelöst, die ich nicht verschweigen will: "Ich verachte all die, die in der DDR Andersdenkende mund tot gemacht haben". Und da kann ich aus eigener Erfahrung sogar konkrete Namen nennen und Situationen beschreiben.

Aber komischerweise, sind bei mir seit 1989 noch nicht einmal Gedanken der Schadenfreude oder Genugtuung aufgekommen, dass ich mit meinem Denken mehr oder weniger recht hatte. Eher eine Traurigkeit, dass eine Idee von einer Partei so instrumentalisiert wurde, dass sie letztendlich gescheitert ist.

LG von der grenzgaengerin


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#277

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 06.05.2013 13:23
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

"Aber: haben wir die "bösen Buben" nicht längst "im Griff"? :-)"

nun, teilweise, liebe Barbara. Mach Dir da mal nicht zu viel Illusionen

Du fragst nach "Wirtschaftsflüchtlingen" ?

Oh, das ist ein weitgefasster Begriff...... ich bin auch einer.
Als Jobnomade, logisch.
Ich bekam im letzten DDR-Betrieb im Sommer 1990, mit der EInführung der D-Mark gleich mal "Kurzarbeit Null Stunden" verordnet.
Und bin gleich vor der DDR-Wirtschaft "geflüchtet".
Ich hab mich vor dem Aufbau der "blühenden Landschaften" im Osten (Originalton Kohl) gedrückt, bin nach Nürnberg zum Zeitarbeitsunternehmen gegangen, habe dort "Kapitalismus pur" kennengelernt.
Statt in der Folge auf Kosten der Allgemeinheit von ALG1/2 zu leben, hab ich lieber meinen Teil an Steuern und Soli-Beitrag in den allgemeinen Topf getan - und konnte immer noch ganz gut vom Rest leben. Und wenn Du ahnst, was für dumme Sprüche ich mir am WE in Dresden von meinen inzwischen Dauer-arbeitslosen Nachbarn im Plattenbau anhören durfte.....ob meiner unverschämten Lebensweise.
Nur.... die nachfolgende Entwicklung hatte meine Ahnungen irgendwie bestätigt.... und für mich hatte ich schon die richtigen Entscheidungen getroffen.
Oder.... hattest Du das mit den "Wirtschaftsflüchtlingen" anders gemeint ?

Herzlichen Gruss von Hartmut


u3644_Jobnomade.html
Lutze hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.05.2013 13:25 | nach oben springen

#278

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 06.05.2013 13:31
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #276
Zitat von Jobnomade im Beitrag #275


Auch wenn es Leute geben mag, denen ein Blutbad damals lieber gewesen wäre - für die habe ich nur Verachtung übrig.

Gruss Hartmut




Hallo Hartmut,

ich verstehe Deine Gefühle. Doch dieser Satz ist sehr anonym und plakativ.

Und im ersten Moment hat er bei mir folgende Reaktion ausgelöst, die ich nicht verschweigen will: "Ich verachte all die, die in der DDR Andersdenkende mund tot gemacht haben". Und da kann ich aus eigener Erfahrung sogar konkrete Namen nennen und Situationen beschreiben.

Aber komischerweise, sind bei mir seit 1989 noch nicht einmal Gedanken der Schadenfreude oder Genugtuung aufgekommen, dass ich mit meinem Denken mehr oder weniger recht hatte. Eher eine Traurigkeit, dass eine Idee von einer Partei so instrumentalisiert wurde, dass sie letztendlich gescheitert ist.

LG von der grenzgaengerin




Liebe Grenzgängerin,

ich habe wirklich Leute kennengelernt, die in die Demonstrationszüge des Herbst 89 - auch dann, als die schon völlig friedlich verliefen - am liebsten hineingeschossen hätten. Diese meine ich mit meinen Worten.
Nicht die überzeugten Sozialisten, die in ihrem Eifer für die Sache blind und für die Meinungen und Argumente Andersdenkender taub waren.

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
zuletzt bearbeitet 06.05.2013 13:33 | nach oben springen

#279

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 06.05.2013 13:43
von ddr-bürger (gelöscht)
avatar

Das "friedliche" ist mir richtig und wichtig, nur das Ganze als Revolution verkaufen, das ist nicht meins....

Wandlungen waren nötig und es wäre nie so weit gekommen, wenn der Staat nicht das Volk "verloren" hätte.

Nur im Bereich der Sprache ist mir auch Klarheit wichtig. Man muß auch seine Gedanken aussprechen und nicht sich hinter "Worthülsen" verstecken. Eine natürliche Grenze sind für mich Beleidigungen. Leider wird mit Sprache zu oft verfälscht und manipuliert. warum wurde aus dem 1. Mai der "Tag der Arbeit", weil es ist so schön wertneutral, es gibt ja keinen Kampf mehr um mehr soziale Gerechtigkeit, wir sitzen doch alle im gleichen Boot....

Was ist mit dem Begriff "Wirtschaftsflüchtlinge", sind das die in ein "Steuerparadies" gehen oder sind das Menschen aus der dritten Welt oder gar DDR Bürger die aus wirtschaftlichen Gründen über die Grenze sind, für jeden hat das gleiche Wort einen anderen Maßstab. Diese Worte können nur im Zusammenhang mit der Situation bewertet werden und dann sind sie wieder abhängig vom Denkmuster des Bewerters.


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#280

RE: Sackgassen-Sprache

in Themen vom Tage 06.05.2013 15:29
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Zitat von Jobnomade im Beitrag #278


Liebe Grenzgängerin,

ich habe wirklich Leute kennengelernt, die in die Demonstrationszüge des Herbst 89 - auch dann, als die schon völlig friedlich verliefen - am liebsten hineingeschossen hätten. Diese meine ich mit meinen Worten.
Nicht die überzeugten Sozialisten, die in ihrem Eifer für die Sache blind und für die Meinungen und Argumente Andersdenkender taub waren.

Gruss Hartmut



Lieber Hartmut,

ich habe schon verstanden wen Du meintest. Ich habe auch einige persönliche Erlebnisse aus der Zeit. Für mich zählte schon damals, und heute nach vielen Augenzeugenberichten um so mehr, dass NICHT auf Demonstranten geschossen wurde. Und das finde ich erinnerungswert.

LG von der grenzgaengerin


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