#21

RE: Grenzwahnsinn

in Mythos DDR und Grenze 12.04.2013 18:04
von Thunderhorse | 3.997 Beiträge

Zitat von andy im Beitrag #2
Das ist bestimmt eine traurige Geschichte - wenn sie denn so passiert ist.
Ich habe zwar nie am Kanten gedient, habe aber auch noch nie gehört, dass die SM-70 stromgebunden funktionierten.

Ist da was dran?


andy


Dieser Unfall ist so passiert.

Zu den Anlagen 501 / 701 ginbt es einige Threds hier im Forum und u.a. im NVA-Forum (Technik der GT).


"Mobility, Vigilance, Justice"
zuletzt bearbeitet 12.04.2013 18:06 | nach oben springen

#22

RE: Grenzwahnsinn

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2013 01:27
von 82zwo | 123 Beiträge

Bei größeren Gewitter sind doch schon mal etliche Minen hochgegangen .
Deshalb wurden dann die Felder von der Führungsstelle ausgeschaltet . Also doch Strom ?
irgenwie ging das jedenfalls .



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#23

RE: Grenzwahnsinn

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2013 09:53
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von 82zwo im Beitrag #22
Bei größeren Gewitter sind doch schon mal etliche Minen hochgegangen .
Deshalb wurden dann die Felder von der Führungsstelle ausgeschaltet . Also doch Strom ?
irgenwie ging das jedenfalls .


Hallo 82zwo,

die Auslösung der Minen erfolgte zwar mechanisch über die Be- oder Entlastung des Spanndrahtes, aber die Zündung der Ladung erfolgte elektrisch. Die Mechanik schloss lediglich einen Zündstromkreis und. Beim Zünden einer Mine wurde zugleich ein Signal an die Führungsstelle gegeben.

Vielleicht nochmal zur Vorstellung des ganzen:
Auf der Führungsstelle stand pro Anlage ein Schaltkasten (nach meiner Erinnerung geschätzt ca. 80cm breit, 60-80cm tief und etwa 1,20m hoch). Die Anlage hatte eine Breite von ca. 5km und unterteilte sich in 2 Flanken mit je 10 Abschnitten. Ein solcher Abschnitt war ca. 230m breit, was also bei 20 Abschnitten zu der Breite der Anlage von 4,6-5 km führte. Die Stromversorgung und die Signalverkabelung lief direkt von der Führungsstelle in die Minen der Anlage. Das war also ein kilometerlanges Kabelnetz mit entsprechenden Verteilerkästen. Wenn in einen solchen Verteilerkasten ein Blitz einschlug, konnte der Abschnitt, die Flanke oder im ungünstigen Fall die ganze Anlage zur Auslösung gebracht werden, da die Induktionsströme aus den Spannungsspitzen ausreichten, die Zündstromkreise der Minen zu überbrücken.

Um diesen Effekt nicht bei einem normalen Stromausfall zu haben, gab es in den Schaltkästen der Anlagen eine Unterbrechungsstromversorgung (USV), die für wenige Sekunden dimensioniert war. Sie sorgte dafür, wenn sie funktionierte, dass es nicht zu diesen Spannungsspitzen kam. Im Übrigen wurde bei Gewitter nicht nur die Anlage abgeschaltet, sondern auch die USV "gezogen". Das Ding war wie der untere Einschub in einem Küchenherd. Man zog das ein Stück raus und somit war die USV ausgeschaltet. Die Wahrscheinlichkeit war zwar gering, aber es war durch Blitzschlag möglich, dass die USV die Auslösung der Anlage verursachte. Im Übrigen war es auch nicht ratsam, die USV bei angeschalteter Anlage zu ziehen oder wieder reinzuschieben. Auch dies konnte für Spannungsspitzen und somit Auslösungen sorgen.

Wie ich schon schrieb: Auf der Führungsstelle hatten wir alle Respekt vor diesen Anlagen. Da fummelte man nicht einfach so daran herum. Die Abschaltung, außer bei Gewitter, unterlag einem genauen Algorithmus: Der Verantwortliche im Abschnitt beantragte die Abschaltung bei der Führungsstelle (FüSt) - der Kommandeur Grenzsicherung (KGSi) auf der FüSt beantragte die Abschaltung beim Bataillon - das meldete weiter an der Operativen Diensthabenden der Regiments. Erst wenn auf dieser Kette die Bestätigung zur Abschaltung eingetroffen war, durfte der KGSi die Anlage abschalten. Und erst wenn er das getan hatte und die Anlage definitiv aus war, durfte er die Genehmigung erteilen, vor zur Anlage zu gehen. Der Verantwortliche im Abschnitt hatte genau diese Genehmigung abzuwarten.

Der hier geschilderte Unfall geschah, weil dieser Algorithmus nicht eingehalten wurde. Das klingt nach Alltagsroutine. Jedes mal Melden und Warten ... nee, da beantragt man mal die Abschaltung schon vorher und verlässt sich drauf, das alles klappt. Im Umgang mit Waffen und Munition ist solcher Schlendrian tödlich. Deshalb hätte im Mindestfall der Truppführer mit dem KGSi auf der FüSt kommunizieren und dessen Bestätigung haben müssen, dass die Anlage abgeschaltet ist. Der KGSi hatte die Schaltkästen in der Regel im Blick.

Es ist tragisch und furchtbar, dass ausgerechnet eine militärisch so wertlose Anlage, wie diese Minen so viel Leid über Menschen brachte.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#24

RE: Grenzwahnsinn

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2013 10:56
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Siehe Rainmains Vortext:

"Deshalb hätte im Mindestfall der Truppführer mit dem KGSi auf der FüSt kommunizieren und dessen Bestätigung haben müssen, dass die Anlage abgeschaltet ist. Der KGSi hatte die Schaltkästen in der Regel im Blick.

Es ist tragisch und furchtbar, dass ausgerechnet eine militärisch so wertlose Anlage, wie diese Minen so viel Leid über Menschen brachte.

Man kann mich gerne berichtigen, von mir aus auch textlich zusammenfalten gerade weil schon gute 36 Jahre her ist und Erinnerungen einem doch manchmal mächtig mitspielen, siehe man denkt, das war genau so aber irgendwie wars dann doch anders.

Unser Truppführer, ein Unterfeld fuhr stets erst zur FüST, wir warteten draußen oder fuhren schonmal vor wenn seine kurzen Beine anschließend nicht zu weit laufen mussten. Also der Truppführer seinen Schlüssel rein in den kleinen Kasten und ausgeschaltet, Schübe gezogen...ob Alle, keine Ahnung mehr. Im Hinterkopf und jetzt kommt das mit der trügerischen Erinnerung habe ich einen zweiten Schlüssel (auf der FüST)siehe wieder, nur so war Sicherheit gegeben und ich war nur einmal in den ganzen Monaten mit drin.

An der Anlage(Feldabschnitt) wurde zur Sicherheit gewartet, Unterfeld kam angelatscht(bzw. fuhr gleich mit und los gings. Selber Werdegang retour, wenn die Anlage wieder in Betrieb ging.
Auch bei uns war die Anlage (oder nur ein Feldabschnitt oder naher Nebenabschnitt?)"nur einmal scharf", warum, wieso, weshalb keine Ahnung mehr.? Ich denke mir, der Truppführer hatte sich auf die Info aus der FüST verlassen, das abgeschaltet ist? An dem Tag war ich irgendwie nicht mit draußen und es ist nichts passiert was wohl mehr Glück wie Alles andere war. Hinterher gab es mächtigen Ärger aber mehr durch die Wut der Gefreiten, die dran gearbeitet haben.

Klingt jetzt ironisch sollte es aber nicht sein, da flogen schonmal wütende Worte wie :" Dieser ganzer Mist heute morgen hätte uns voll den Abgang versauen können oder das nächste Mal schalte ich den Kasten persönlich aus Unterfeld (das Genosse wurde wohl vergessen)sonst kannst du deine verdammte Scheiße in Zukunft alleine anbauen."

Lebensläufer

Wenn man sowas liest wie im Eingangstext berührt einen das schon, muss ich ehrlich zugeben. Aber der Expionier kommt zurecht, Hut ab vor diesem Menschen kann ich da nur sagen.

Einen guten Sonnabend allen ins Forum


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#25

RE: Grenzwahnsinn

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2013 11:34
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von Lebensläufer im Beitrag #24
... Man kann mich gerne berichtigen, von mir aus auch textlich zusammenfalten gerade weil schon gute 36 Jahre her ist und Erinnerungen einem doch manchmal mächtig mitspielen, siehe man denkt, das war genau so aber irgendwie wars dann doch anders.

...Ich denke mir, der Truppführer hatte sich auf die Info aus der FüST verlassen, das abgeschaltet ist? ...

Hallo Lebensläufer,

ich war ja ein paar Jährchen nach Dir draußen und ich denke mal, dass gerade die Unfälle zu einer Veränderung in den Vorschriften geführt haben. Aber wie man es auch dreht und wendet: In einer Armee gibt es keine Zuständigkeit, sondern Verantwortung. Und die Verantwortung lag in jedem Fall beim Truppführer. Ich denke gerade wieder an die 3 Schaltkästen auf unserer Führungsstelle im Stedtlinger Abschnitt. Was konnte passieren, wenn man einfach nur mal den falschen ausgeschaltet hat? Eine kleine Unaufmerksamkeit ... Eben deshalb waren die Abschaltungen ja so befohlen, wie ich es erlebte. Aber ich denke, auch zu meiner Zeit dürfte es häufig zur "Alltagsroutine" gekommen sein. Man macht ja nach vielen Jahren Dienst keine Fehler ...

Dir auch einen schönen Sonnabend!
ciao Rainman


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#26

RE: Grenzwahnsinn

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2013 12:09
von eisenringtheo | 9.157 Beiträge

Selber Sicherung herausschrauben, in den eigenen Sack stecken, Vorhängeschloss am Sicherungskasten anbringen, Schlüssel abziehen und Warntafel am Kasten anbringen "Nicht einschalten!". So würde es ein Elektriker heute machen. Damals war die Sicherheit wohl nicht so einfach so lösen.
Theo


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#27

RE: Grenzwahnsinn

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2013 12:35
von S51 | 3.733 Beiträge

Grundsätzlich ist es richtig, dass ein ordnungsgemäßes elektroseitiges Abschalten der Anlage diese entschärfte. Aber nicht sofort zu 100 %! Dazu hätte man sie mit dem Splint sichern müssen, was in meiner Zeit so nie passiert ist.
Nach u.a. Gartenschlägers Diebstählen hatten die 501 einen Kondensator erhalten. Der sorgte dafür, dass auch nach dem Abschalten eine gewisse Zeit Strom fließen konnte. So lange der Entladestrom eben reichte.
Die Qualität dieser Kondensatoren war nicht einheitlich. Pioniere wissen das besser in Werten auszudrücken als ich. Mir ist es im Frühsommer 1983 bei Stapelburg einmal passiert, dass eine 501, obwohl zu dem Zeitpunkt der Bereich schon ca. 20 Minuten wirksam abgeschaltet war, beim Öffnen der Gasse hochgegangen ist. Zum Glück die ganz oben. Nur mein Motorradhelm hatte ne Schramme und die Kradkombi war etwas angerissen.


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#28

RE: Grenzwahnsinn

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2013 12:44
von Mike59 | 7.939 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #26
Selber Sicherung herausschrauben, in den eigenen Sack stecken, Vorhängeschloss am Sicherungskasten anbringen, Schlüssel abziehen und Warntafel am Kasten anbringen "Nicht einschalten!". So würde es ein Elektriker heute machen. Damals war die Sicherheit wohl nicht so einfach so lösen.
Theo

Die Sicherung für die Zündspannung wurde auch damals entnommen. Gehörte zum normalen Prozedere. Vorher wurde ausgeschalten und der Konverterblock gezogen. Bei mir hatte der 501 Trupp mal die falsche Anlage abgeschalten. Erst nachdem meine Leuchter Tasche nur noch 2 x 1* Gelb hatte meldete sich der Trupp über GMN. Der Mensch ist eben nicht perfekt.


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#29

RE: Grenzwahnsinn

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2013 12:51
von Lutze | 8.027 Beiträge

wer auch immer diese SM-70 Dinger am Zaun angebracht hat,gab es eine Möglichkeit,
sich dieser Aufgabe zu entziehen
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#30

RE: Grenzwahnsinn

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2013 13:50
von S51 | 3.733 Beiträge

Wie sollte das gehen? Befehl verweigern?
Denkbar wäre gewesen, ein Versetzungsgesuch zu schreiben oder bei den ab und an vorkommenden Fragen zu sagen, dass man die Waffe nicht anwenden würde. Ich weiß aber nicht, ob die Minen indirekt als solche dabei galten.
Ansonsten jedoch war Befehl eben Befehl.
Und überdies: Heutzutage wäre ein solches Abseilen von damals üblichen Aufgaben natürlich obercool und politisch höchst korrekt. Bundesverdienstkreuzverdächtig mindestens. Damals hätte man mit so etwas schlicht als Drückeberger gegolten, als abseits der Norm und Normverderber (Wettbewerb), faul und noch viel schlimmer als feige.
Die Vorstellung hat nichts Prickelndes.


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zuletzt bearbeitet 13.04.2013 13:50 | nach oben springen

#31

RE: Grenzwahnsinn

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2013 14:18
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Um das von S51 fortzsetzen, als Pionier wurdest du da hingesteckt, wo simpel ausgedrückt "Arbeitsnot" am Manne war. War der Zaun I umgekippt auf hunderte Meter weil der Sturm oder Überschwemmung der Grund dafür waren gingen alle verfügbaren Leutchen dran zum Neubuddeln und aufrichten. Wurde Kolonnenweg verlegt, gingen wieder Alle. Grenzsignalzaun selbes Spiel, da blieb nur Einer auf dem Stab, um für die Sackies Mittags den Tischdienst zu machen, der Rest werkelte voll mit am Kanten.

Auch die 501 Trupps waren nicht immer dieselben Leutchen, zumindest was den Fahrer und die Absicherung der Arbeiten betraf. Der "harte Kern von gut zwei Mann mit T-Führer" musste aber schon die Feinheiten der Anlage beherrschen.Und es war ja nun nicht jeden Tag was los damit, also siehe Vortext

Ich erinnere mich einfach nicht, ob du überhaupt gefragt wurdest und denke heute, da wurde nach Gutdünken zusammengestellt(außer harter Kern).

Lebensläufer

PS: Wie hieß das auf den Kompanien...."du musstest bestätigt sein für den Kanten vorn?" Die Pioniere waren Alle bestätigt ha ha ha und ne, ist ja ein ernstes Thema, wollte ich aber nur mal so einwerfen.


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#32

RE: Grenzwahnsinn

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2013 15:36
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von S51 im Beitrag #27
Grundsätzlich ist es richtig, dass ein ordnungsgemäßes elektroseitiges Abschalten der Anlage diese entschärfte. Aber nicht sofort zu 100 %! Dazu hätte man sie mit dem Splint sichern müssen, was in meiner Zeit so nie passiert ist.
Nach u.a. Gartenschlägers Diebstählen hatten die 501 einen Kondensator erhalten. Der sorgte dafür, dass auch nach dem Abschalten eine gewisse Zeit Strom fließen konnte. So lange der Entladestrom eben reichte.
Die Qualität dieser Kondensatoren war nicht einheitlich. Pioniere wissen das besser in Werten auszudrücken als ich. Mir ist es im Frühsommer 1983 bei Stapelburg einmal passiert, dass eine 501, obwohl zu dem Zeitpunkt der Bereich schon ca. 20 Minuten wirksam abgeschaltet war, beim Öffnen der Gasse hochgegangen ist. Zum Glück die ganz oben. Nur mein Motorradhelm hatte ne Schramme und die Kradkombi war etwas angerissen.

Hallo s51,

da muss ich jetzt mal nachhaken. Zu meiner Zeit hieß es, dass die Anlage 501 kurz nach dem Abschalten außer Gefecht ist. Von einer Verzögerung der Abschaltung war mir nichts bekannt. Auch nicht, dass das bewusst so eingebaut war. Es kann natürlich sein, dass ich in der entsprechenden Vorlesung an der Offiziershochschule geschlafen habe, aber auch bei den Vorgesetzten in unserem Abschnitt gab es keine Kenntnisse über das, was Du hier schreibst. Wir hatte zwei 501 und eine 701 bei uns. Die 701 brauchte nach Abschaltung etwa eine Stunde. Das war bekannt und nervte, wenn beim "Feindwärtseinsatz" die rechtzeitige Abschaltung vergessen worden war. Aber bei der 501 haben wir nicht lange gewartet. Von diesen Kondensatoren höre ich zum ersten mal.

ciao Rainman


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zuletzt bearbeitet 13.04.2013 15:37 | nach oben springen

#33

RE: Grenzwahnsinn

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2013 15:39
von Lutze | 8.027 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #32
Zitat von S51 im Beitrag #27
Grundsätzlich ist es richtig, dass ein ordnungsgemäßes elektroseitiges Abschalten der Anlage diese entschärfte. Aber nicht sofort zu 100 %! Dazu hätte man sie mit dem Splint sichern müssen, was in meiner Zeit so nie passiert ist.
Nach u.a. Gartenschlägers Diebstählen hatten die 501 einen Kondensator erhalten. Der sorgte dafür, dass auch nach dem Abschalten eine gewisse Zeit Strom fließen konnte. So lange der Entladestrom eben reichte.
Die Qualität dieser Kondensatoren war nicht einheitlich. Pioniere wissen das besser in Werten auszudrücken als ich. Mir ist es im Frühsommer 1983 bei Stapelburg einmal passiert, dass eine 501, obwohl zu dem Zeitpunkt der Bereich schon ca. 20 Minuten wirksam abgeschaltet war, beim Öffnen der Gasse hochgegangen ist. Zum Glück die ganz oben. Nur mein Motorradhelm hatte ne Schramme und die Kradkombi war etwas angerissen.

Hallo s51,

da muss ich jetzt mal nachhaken. Zu meiner Zeit hieß es, dass die Anlage 501 kurz nach dem Abschalten außer Gefecht ist. Von einer Verzögerung der Abschaltung war mir nichts bekannt. Auch nicht, dass das bewusst so eingebaut war. Es kann natürlich sein, dass ich in der entsprechenden Vorlesung an der Offiziershochschule geschlafen habe, aber auch bei den Vorgesetzten in unserem Abschnitt gab es keine Kenntnisse über das, was Du hier schreibst. Wir hatte zwei 501 und eine 701 bei uns. Die 701 brauchte nach Abschaltung etwa eine Stunde. Das war bekannt und nervte, wenn beim "Feindwärtseinsatz" die rechtzeitige Abschaltung vergessen worden war. Aber bei der 501 haben wir nicht lange gewartet. Von diesen Kondensatoren höre ich zum ersten mal.

ciao Rainman

was ist der Unterschied zwischen 501 und 701?
Lutze


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#34

RE: Grenzwahnsinn

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2013 15:52
von S51 | 3.733 Beiträge

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#35

RE: Grenzwahnsinn

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2013 16:04
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #32
...da muss ich jetzt mal nachhaken. Zu meiner Zeit hieß es, dass die Anlage 501 kurz nach dem Abschalten außer Gefecht ist. Von einer Verzögerung der Abschaltung war mir nichts bekannt. Auch nicht, dass das bewusst so eingebaut war. Es kann natürlich sein, dass ich in der entsprechenden Vorlesung an der Offiziershochschule geschlafen habe, aber auch bei den Vorgesetzten in unserem Abschnitt gab es keine Kenntnisse über das, was Du hier schreibst. Wir hatte zwei 501 und eine 701 bei uns. Die 701 brauchte nach Abschaltung etwa eine Stunde. Das war bekannt und nervte, wenn beim "Feindwärtseinsatz" die rechtzeitige Abschaltung vergessen worden war. Aber bei der 501 haben wir nicht lange gewartet. Von diesen Kondensatoren höre ich zum ersten mal.

ciao Rainman


Ich war zwischen April 1983 und Mitte Juli 1983 im Abschnitt der damaligen GK II/Marholzberg (wurde danach aufgelöst und dem III. GB zugeschlagen) als GF tätig. In dieser Zeit hauptsächlich als KS und GF Alarmgruppe und dann auf dem Berge-LO bzw. als KS. Deshalb hatte ich damals, obwohl noch kein Kraftfahrer auch den Helm und die Kombi. Sonst ja nur FDU bzw. Stahlhelm.
Nach dem Unfall, bei dem außer den Knallfolgen aber nichts passierte, wurde mir als Ursache ein vermutlich defekter Kondensator genannt. Ich habe selber diese Teile außer beim Durchlassen oder Bergen nicht bedient. Da die Info sowohl von unserem Waffen-Uffz (der andere Bergetruppführer in der Kompanie - Battaillionssicherung) als auch von den Pio kam, denke, das hat auch gestimmt.
Offiziell war das nicht.
Wir haben nach einer Abschaltung immer 15 bis 20 Minuten gewartet, bis wir an die Gasse bzw. auf den K 10 sind. So wurde ich auch eingewiesen. Nach dem Unfall haben wir 30 Minuten gewartet. Wir hatten nur die 501, in diesem Bereich wurde sie im November 1983 abgebaut, da war ich aber schon nicht mehr in Ilsenburg.


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#36

RE: Grenzwahnsinn

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2013 17:04
von Thunderhorse | 3.997 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #5
Hallo Andy

die Minen wurden durch einen Zündstromkreis gezündet, der durch eine Mechanik, die auf Be- und Entlastung reagierte, geschlossen wurde. Die Anlagen wurden von den Schaltkästen in der Führungsstelle des Kompanieabschnitts ein- bzw. ausgeschaltet.

Wenn, wie im hier veröffentlichten Artikel dargestellt, die Anlage nicht ausgeschaltet war, dann hat zunächst der Truppführer des Minentrupps geschlampt. Dieser hatte die Abschaltung auf der Führungsstelle anzufordern und durfte erst nach vorn, wenn die Bestätigung der Abschaltung durch den Kommandeur Grenzsicherung erteilt worden war. Ob in diesem Fall der KGSi wusste, dass die Anlage abgeschaltet sein sollte, lässt der Artikel offen. Ich glaube nicht, dass er die Freigabe gegeben und dabei vergessen hat, die Anlage abzuschalten. Soviel Respekt hatten wir schon vor den Anlagen, dass wir da nicht leichtfertig damit umgingen. Die furchtbaren Verletzung waren das Ergebnis dieser Anlagen, aber die Verantwortung liegt hier bei konkreten Vorgesetzten.

ciao Rainman

Ab Juni 1979 wurden, auf Grund Diebstahl einer weiteren Mine SM70, kurzfristig weitere bauliche Veränderungen an den Anlagen 501 vorgenommen. dazu gehörte auch der Einbau von Speichergeräten für die Stromversorgung der Minen.
Bei diesen Wartungsarbeiten waren die Akkus nicht abgeschaltet gewesen.


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#37

RE: Grenzwahnsinn

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2013 17:10
von Thunderhorse | 3.997 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #32
Zitat von S51 im Beitrag #27
Grundsätzlich ist es richtig, dass ein ordnungsgemäßes elektroseitiges Abschalten der Anlage diese entschärfte. Aber nicht sofort zu 100 %! Dazu hätte man sie mit dem Splint sichern müssen, was in meiner Zeit so nie passiert ist.
Nach u.a. Gartenschlägers Diebstählen hatten die 501 einen Kondensator erhalten. Der sorgte dafür, dass auch nach dem Abschalten eine gewisse Zeit Strom fließen konnte. So lange der Entladestrom eben reichte.
Die Qualität dieser Kondensatoren war nicht einheitlich. Pioniere wissen das besser in Werten auszudrücken als ich. Mir ist es im Frühsommer 1983 bei Stapelburg einmal passiert, dass eine 501, obwohl zu dem Zeitpunkt der Bereich schon ca. 20 Minuten wirksam abgeschaltet war, beim Öffnen der Gasse hochgegangen ist. Zum Glück die ganz oben. Nur mein Motorradhelm hatte ne Schramme und die Kradkombi war etwas angerissen.

Hallo s51,

da muss ich jetzt mal nachhaken. Zu meiner Zeit hieß es, dass die Anlage 501 kurz nach dem Abschalten außer Gefecht ist. Von einer Verzögerung der Abschaltung war mir nichts bekannt. Auch nicht, dass das bewusst so eingebaut war. Es kann natürlich sein, dass ich in der entsprechenden Vorlesung an der Offiziershochschule geschlafen habe, aber auch bei den Vorgesetzten in unserem Abschnitt gab es keine Kenntnisse über das, was Du hier schreibst. Wir hatte zwei 501 und eine 701 bei uns. Die 701 brauchte nach Abschaltung etwa eine Stunde. Das war bekannt und nervte, wenn beim "Feindwärtseinsatz" die rechtzeitige Abschaltung vergessen worden war. Aber bei der 501 haben wir nicht lange gewartet. Von diesen Kondensatoren höre ich zum ersten mal.

ciao Rainman


Bei der Anlage 701 war durch das zusätzlich eingebaute Schaltelement die Anlage bis zu 30 min. nach der Abschaltung noch Einsatzbereit.
Weitere Veränderungen gegenüber der 501, u.a.:
Neuer Sprengzünder, Verbesserte Minenhalterung, Stichleitungsschutz, geänderte Schalt- und Prüfanlage, .....
Verkürzung der Minenabstände.

Anlagen 501 / 701
http://www.nva-forum.de/nva-board/index....opic=2238&st=30
http://www.nva-forum.de/nva-board/index....topic=5694&st=0
http://www.nva-forum.de/nva-board/index....wtopic=788&st=0

Natürlich nur mit Anmeldung.


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zuletzt bearbeitet 13.04.2013 17:33 | nach oben springen

#38

RE: Grenzwahnsinn

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2013 17:19
von Thunderhorse | 3.997 Beiträge

Zitat von S51 im Beitrag #34
Hier mal gucken. Artikel 2 von Rainmann:

Die Sicherung der Innerdeutschen Grenze und der Berliner Mauer




Mal einige Hinweise/Korrekturen:
Daten zur Sperranlage 501:

Gesamtlänge eines Abschnitts, bis zu 5 km.
Der Gesamtabschnitt war in 2 Zonen mit bis zu 9 Abschnitten untergliedert.
Länge eines Abschnitts in der jeweiligen Zone max. 280 m.
Jeder Abschnitt untergliederte sich in bis zu 12 Teilabschnitte mit jeweils eigenem Verteilerkasten für 3 - 4 Geräte 501 (SM 70).
Montage der Geräte für die Anlage 501 auf 3 Ebenen.

Die Zonen und Abschnitte waren mittels Symbolen und Nummernschilder gekennzeichnet.
Anbringung am GZI bzw. Betonsäule.

Zusätzlich beiderseits der Sperranlage Minenwarnschilder.
Diese waren so aufgestellt, dass die Zwischenräume gleichzeitig die Abschnittsgrenzen markierten.

Berechnungsbeispiel für die Anzahl der A- / B- und C-Verteilerkästen einer Anlage 501/701.

Als Berechung diente die ehemalige Anlage im Abschnitt der damaligen 10. GK - III GB des GR3.

Anlage 501, nw bis sw Frankenheim eine Gesamtlänge von 4,3 km mit 648 Minen in 3 ML

Ausgehend von 3 SM70 (3 ML)je Teilabschnitt.
648 : 3 (SM70) = 216 C-Verteilerkästen
216 : 12 (C-Kästen) = 18 B-Verteilerkästen

Die Anlage GR3 / 24/ 79 hatte 2 Zonen;

je Zone 108 C-Verteilerkästen, je Abschnitt 36 Minen SM70 = 12 C-Kästen = 12 Teilabschnitte,
je Zone 9 Abschnitte, jeder Abschnitt mit einem 1 B-Verteilerkasten,
2 Verteilerkästen A, je Zone 1 A-Kasten.



Der Abbau der ersten Anlagen 501/701 erfolgte im Herbst 1983.

An der ehemaligen innerdeutschen Grenze gab es mehr als 2 Anlagen 701.


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Rainman2 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 13.04.2013 17:20 | nach oben springen

#39

RE: Grenzwahnsinn

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2013 17:37
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Ich kann mich noch vage entsinnen das auf der FüSt der Minen-Uffz. immer hochkam und selbst aus- und angeschalten hat.


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#40

RE: Grenzwahnsinn

in Mythos DDR und Grenze 14.04.2013 15:12
von EK82I | 869 Beiträge

[url][/url]Ein Stück aus dem Grenzlandmuseum Sweenmark.Solche "Muffen" lagen doch sicher in der Erde.Wenn man daran rumwerkelte,muss das doch aufgefallen sein ,unseren Feldpostnummern gegenüber.
Im sogenannten "Bergesatz" soll ja was enthalten gewesen sein,um die Dinger zu blockieren.Inhalt selber nie gesehen,war ja verplombt. Zum anderen wurde man ja selber nie geschult,weder in der ABK oder in der GK,falls es doch mal passieren sollte,jemanden zu helfen.

Angefügte Bilder:
zuletzt bearbeitet 14.04.2013 15:14 | nach oben springen


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