#1

bei der "Fahne"!

in Grenztruppen der DDR 10.04.2013 22:55
von Hans55 | 762 Beiträge

Hallo,zusammen!
Mal eine Frage an alle ,die gedient haben?
War es denn wiklich so schlimm,wie es hier steht? http://www.mdr.de/lexi-tv/neuere-geschic...tikel21112.html


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#2

RE: bei der "Fahne"!

in Grenztruppen der DDR 10.04.2013 23:35
von Dedelebenberlin | 28 Beiträge

das Übliche:
Ja es stimmt - und: nein es ist übertrieben!
Ja, es war hart und all die "Fakten" stimmen,
aber natürlich: der Blickwinkel bestimmt die Wertung,
und diese ist hier herzlich überzeichnet.
Auch ich habe die Jahre als "verlorene Zeit" wahrgenommen,
in der ich in mancher Woche so viel gelernt habe,
wie sonst in Monaten,
in der ich körperlich "rangenommen" wurde,
wie ich es mir selbst nie zugemutet hätte ...
Das Problem war ein Anderes: Alle, auch (und gerade) die ehrlich Überzeugten wussten,
dass es man ein Staatswesen, zumal ein fortschrittliches, nicht aufbauen kann,
wenn große Teile humaner und wirtschaftlicher Ressourcen für so etwas verballert werden,
und da sind wir wieder beim Igel und dem Stachelpelz ...

Übrigens habe ich (als Soldat/Gefreiter) nie in Uniform Anfeindungen erlebt,
der "einfache Soldat" hatte wohl eher freundliches Mitgefühl,
wurde z.B. per Anhalter "immer" gleich mitgenommen,
damit man die wenigen Urlaubstage baldigst zu hause sein kann.



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#3

RE: bei der "Fahne"!

in Grenztruppen der DDR 11.04.2013 04:29
von schulzi | 1.756 Beiträge

klar waren die 18 monate hart ,war halt ein notwendiges übel.da nach hat man drüber gelacht.wüsste nicht das wir als aussenseiter gesehen wurden den auch wir waren ein bestandteil des lebens in der ddr.


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#4

RE: bei der "Fahne"!

in Grenztruppen der DDR 11.04.2013 08:34
von furry | 3.563 Beiträge

Bei der Bewertung des eingestellten Artikels sollte aber zwischen Grenztruppe und normaler NVA, ich meine hier z.B. Mucker, unterschieden werden.
Die Grenzer hatten ein halbes Jahr Grundausbildung und danach ging es in den Grenzkompanien doch einigermaßen gepflegt zu. Sicher hatten sie Tag-und Nachtschichten und mussten auch mal außer der Reihe raus, hatten aber auch schöne und gemütliche Momente in denen sie zu zweit und in Ruhe durch ihr Gebiet wanderten.
Wenn ich da auf meine Zeit bei der BePo zurückblicke, lief das Ganze dort etwas anders ab. So eine VP-Bereitschaft kann man mit einem Mot.-Schützenbattalion vergleichen. Jedes Diensthalbjahr hatte den gleichen Ablauf. Was die Grenzer einmal in der Grundausbildung machen mussten, hat sich da noch zweimal wiederholt. Der Tagesablauf fing mit Frühsport an, vor dem man sich als EK drücken konnte. Zu den Mahlzeiten latschte man jeden Tag kompanieweis im Gleichschritt. Wenn auf diesem Weg einem der "links-zwo-drei-vier"-brüllendnen Kapos oder dem Spieß etwas nicht passte, wurden noch ein paar Runden auf dem Ex-Platz gedreht. Anzumerken wäre aber hier, dass zu dieser Zeit die Genossen Unterführer (entspr. Uffz. bei der NVA) nicht die waren, die anschließend noch studieren wollten, sondern die waren von einem anderen Kaliber. Auf die Idee, den Studienwunsch mit einer 3 jährigen Dienstzeit in Zusammenhang zu bringen und damit die Qualität der Gruppenführer etwas aufzumöbeln, kam man ein paar Jahre später. Eingeleitet wurden diese Gänge an den Trog per Trillerpfeife und alle anderen unwichtigen Informationen an die Kompanie ebenso. Einige UvD teilten uns sogar um 22 Uhr per Trillerpfeife mit, dass Nachtruhe ist. Schön für die, die schon ein Auge von den Mühen des Tages zu hatten, dass sie nun auch das zweite schließen konnten.
Nach den ersten drei Monaten war man konditionsmäßig soweit fit, dass einem die Spielchen in der Taktikausbildung weniger gestört haben. Als Aufklärer hatte ich das Glück, dass unsere Ausbildung doch eine etwas andere war als die der Schützenkompaniene, die kaum von ihrem Taktikacker runtergekommen sind. Wie schon geschrieben, wiederholte sich alles im halbjährlichen Rhythmus. Höhepunkte am Ende jedes Halbjahres waren die Zugüberprüfung und Zuggefechtsschießen. Die Zugüberprüfung war ein ca. 30 km Marsch mit allen möglichen Einlagen, wie Suchtrupp, Hinterhalt, Wandern nach Kompaß, Überwinden von Wasserhindernissen. Die Krönung hier war im Oktober 1971. Hier musste unser Zug u.a. schwimmend einen Kiesteich überwinden. Hierzu war alles, was man am Mann hatte, in den Schutzumhang und Zeltplane zu packen, Knarre obenauf. Dieses Paket war dann schwimmend im Adamskostüm über den Teich zu befördern. Danach ging es flott weiter bis einer meinte, die frische Luft bekommt uns nicht. 7 oder 8 km duften dann noch unter Schutz mit anschließender Entaktivierung absolviert werden.
Diese Abläufe haben bei mir dazu geführt, dass ich zunehmend geistig abstumpfte, jedenfalls bezüglich der Ausbildung. Aufmucken brachte nichts, denn man wollte ja alle 4 Wochen in Urlaub. Am Ende meines Ehrendienstes stellte ich an mir eine gewisse Gleichgültigkeit, einen auf wenige Worte reduzierten Sprachschatz und gewisse Tischunsitten fest.
Ich trauere diesen 18 Monaten nicht hinterher, habe keine Verbindung zu Ehemaligen (Kameraden verkneife ich mir hier bewußt), habe kein EK-Tuch aufgehoben und kann nicht verstehen, wie Einige heute noch stolz auf das Blech sind, dass man ihnen mal überreicht hat.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#5

RE: bei der "Fahne"!

in Grenztruppen der DDR 11.04.2013 08:34
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Siehe aus dem Link kopiert...."nicht in die verrotteten Unterkünfte. Plakate aufhängen, eigenes Radio, ein paar Grünpflanzen - "

Na gut, Radios und Grünpflanzen, auch mal Plakate gabs glaube nur im Klubraum aber waren unsere damaligen Unterkünfte verottet, also ich weiß nicht so Recht? Zumal da tagtäglich geputzt wurde das es eine Freude fürs Auge war...manchem auch keine Freude war(und zwar dem, der putzen musste) Man kann natürlich auch nur Negativ schreiben über die NVA siehe der vorstehende Link, wahrscheinlich, weil es heute besser, richtig gut in die Zeit passt. Und ohne Frage, in dieser NVA gabs unheimlich viel Negatives aber eben auch Positives.

Der Bundeswehrsoldat in selber Zeitschiene von der Gründung an war natürlich der selbstbestimmte Held, diente wohl auch gänzlich freiwillig aus ganz vernarrter Liebe zum eigenen Vaterland. Der freiheitsverliebte Bürger in Uniform eben hahaha und mal ganz laut gelacht vom Rainer der übrigens heute ein vehementer Verfechter der Wehrpflicht ist. Nur, in dem Staat hier ist da leider schon Hopfen und Malz verloren, schlicht ausgedrückt, es ist ein Trauerspiel auch ganz ohne Kapelle.

Lebensläufer


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#6

RE: bei der "Fahne"!

in Grenztruppen der DDR 11.04.2013 08:38
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Tja, mal die Denkschraube 30 Jährchen zurückdrehen.
Es war halt einfach so, meist zwischen 18 und 28 hat er einen jungen Mann in der DDR ereilt, der Ehrendienst in der NVA und da nun das Demokratisch im Landesnahmen nicht unbedingt wörtlich zu nehmen war, war das eben kein Zuckerschlecken, wäre ja auch untypisch für die Formung eines Soldaten wenn es anders gewesen wäre.
So in Preußischer Tradition war das dort schon, die gedient haben wissen das.
Die Kasernen waren aber keine verfallenen Höhlen, zweckmäßig und soldatisch einfach halt, Bett zum Schlafen, Spind für die Sachen, Wasser zum Waschen, alles da und genug zu essen gab es auch.
Das auf die ideologische Bearbeitung des Soldaten gesteigerter Wert gelegt wurde, wo wenn nicht dort sollte oder musste man "auf Linie" gebracht werden, Zeit und Mittel waren ja genug vorhanden.
War einfach ein Dienst in einer Armee, in einem Land mit leichten bis mittleren diktatorischen Strukturen, also für damalige Verhältnisse ganz normal.


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zuletzt bearbeitet 11.04.2013 08:40 | nach oben springen

#7

RE: bei der "Fahne"!

in Grenztruppen der DDR 11.04.2013 10:45
von Duck | 1.741 Beiträge

Zitat von furry im Beitrag #4
Bei der Bewertung des eingestellten Artikels sollte aber zwischen Grenztruppe und normaler NVA, ich meine hier z.B. Mucker, unterschieden werden.
Die Grenzer hatten ein halbes Jahr Grundausbildung und danach ging es in den Grenzkompanien doch einigermaßen gepflegt zu. Sicher hatten sie Tag-und Nachtschichten und mussten auch mal außer der Reihe raus, hatten aber auch schöne und gemütliche Momente in denen sie zu zweit und in Ruhe durch ihr Gebiet wanderten.
Wenn ich da auf meine Zeit bei der BePo zurückblicke, lief das Ganze dort etwas anders ab. So eine VP-Bereitschaft kann man mit einem Mot.-Schützenbattalion vergleichen. Jedes Diensthalbjahr hatte den gleichen Ablauf. Was die Grenzer einmal in der Grundausbildung machen mussten, hat sich da noch zweimal wiederholt. Der Tagesablauf fing mit Frühsport an, vor dem man sich als EK drücken konnte. Zu den Mahlzeiten latschte man jeden Tag kompanieweis im Gleichschritt. Wenn auf diesem Weg einem der "links-zwo-drei-vier"-brüllendnen Kapos oder dem Spieß etwas nicht passte, wurden noch ein paar Runden auf dem Ex-Platz gedreht. Anzumerken wäre aber hier, dass zu dieser Zeit die Genossen Unterführer (entspr. Uffz. bei der NVA) nicht die waren, die anschließend noch studieren wollten, sondern die waren von einem anderen Kaliber. Auf die Idee, den Studienwunsch mit einer 3 jährigen Dienstzeit in Zusammenhang zu bringen und damit die Qualität der Gruppenführer etwas aufzumöbeln, kam man ein paar Jahre später. Eingeleitet wurden diese Gänge an den Trog per Trillerpfeife und alle anderen unwichtigen Informationen an die Kompanie ebenso. Einige UvD teilten uns sogar um 22 Uhr per Trillerpfeife mit, dass Nachtruhe ist. Schön für die, die schon ein Auge von den Mühen des Tages zu hatten, dass sie nun auch das zweite schließen konnten.
Nach den ersten drei Monaten war man konditionsmäßig soweit fit, dass einem die Spielchen in der Taktikausbildung weniger gestört haben. Als Aufklärer hatte ich das Glück, dass unsere Ausbildung doch eine etwas andere war als die der Schützenkompaniene, die kaum von ihrem Taktikacker runtergekommen sind. Wie schon geschrieben, wiederholte sich alles im halbjährlichen Rhythmus. Höhepunkte am Ende jedes Halbjahres waren die Zugüberprüfung und Zuggefechtsschießen. Die Zugüberprüfung war ein ca. 30 km Marsch mit allen möglichen Einlagen, wie Suchtrupp, Hinterhalt, Wandern nach Kompaß, Überwinden von Wasserhindernissen. Die Krönung hier war im Oktober 1971. Hier musste unser Zug u.a. schwimmend einen Kiesteich überwinden. Hierzu war alles, was man am Mann hatte, in den Schutzumhang und Zeltplane zu packen, Knarre obenauf. Dieses Paket war dann schwimmend im Adamskostüm über den Teich zu befördern. Danach ging es flott weiter bis einer meinte, die frische Luft bekommt uns nicht. 7 oder 8 km duften dann noch unter Schutz mit anschließender Entaktivierung absolviert werden.
Diese Abläufe haben bei mir dazu geführt, dass ich zunehmend geistig abstumpfte, jedenfalls bezüglich der Ausbildung. Aufmucken brachte nichts, denn man wollte ja alle 4 Wochen in Urlaub. Am Ende meines Ehrendienstes stellte ich an mir eine gewisse Gleichgültigkeit, einen auf wenige Worte reduzierten Sprachschatz und gewisse Tischunsitten fest.
Ich trauere diesen 18 Monaten nicht hinterher, habe keine Verbindung zu Ehemaligen (Kameraden verkneife ich mir hier bewußt), habe kein EK-Tuch aufgehoben und kann nicht verstehen, wie Einige heute noch stolz auf das Blech sind, dass man ihnen mal überreicht hat.




Ich trauere den 18 Monaten auch nicht hinterher aber ich habe diese Zeit an der Grenze auch nicht vergessen, denn es gab halt auch schöne Tage. Ich freue mich auch das ich dank dieses Forums wieder auf Ehemalige aus meiner GK getroffen bin und so ist es schon zu einer schönen Tradition geworden, das wir uns einmal im Jahr meistens ein Wochenende in der Rhön treffen, über Gott und die Welt quatschen, eine kleine Wanderung machen und uns Orte angucken wo man zu Grenzzeiten nicht hingekommen ist. Sicherlich gab es auch bei mir schlechte Zeiten, speziell die ersten 3 Monate in Eisenach muss ich nicht mehr wiederhaben aber irgendwie vergisst man das mit der Zeit.


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


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#8

RE: bei der "Fahne"!

in Grenztruppen der DDR 11.04.2013 11:24
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

Klar kann man die GK nicht mit den Motschützen vergleichen. Torgelow und Eggesin waren keine wohlklingenden Namen. Habe mal kurz in der Vita des Herrn Schmittbetz nachgeschaut. Von einem Dienst in der NVA oder gleichartigen Einheiten, wie BePo keine Spur erwähnt. Sein Bericht ist ist m.E. sehr tendenziös getönt. Würde mich mal interessieren, wenn er es selbst nicht erlebt hat, wen hat er denn dann befragt ? Ich glaube nicht, daß er von hundert ehemaligen Soldaten mehrheitlich solche Auskünfte erhalten hat. Klar war es manchmal hart, aber es ist eben eine Armee und da unterscheidet sich weltweit keine so wesentlich davon. Es gab Vorgesetzte, zumeist in den unteren Dienstgraden in den Ausbildungskompanien zu finden, die meinten ihre Minderwertigkeitskomplexe durch besonders fiese Spielchen mit ihren Soldaten kompensieren zu können, sicher war das nicht die Regel und so einer konnte durchaus im Ausgang mal gegen eine Faust gelaufen sein. Technisch, physisch und ideologisch muß eine Armee auf der Höhe der Zeit sein, um Sinn zu machen. Alles Andere wäre eine Freizeitgestaltungs e.V. Der Herr Schmittbetz hat bewußt negativ besetzte Adjektive gewählt.
Für meinen Teil muß ich sagen, wir haben in dieser relativ kurzen Zeit noch nie so viel gelacht und erlebt wie damals und die meisten von uns hatten nie wieder so viel Sport getrieben (auch wenn es zumeist unfreiwillig war). Auch wenn einem die Suppe manchmal bis zur Nase stand, das war hinterher fast vergessen, um so schöner wurde dann die "Kampfpause" empfunden. Wie beim Schmerz, der ist am schönsten, wenn er nachläßt.
Die Zeit hat wohl den Wenigsten geschadet, die 1 1/2 Jahre kann man verschmerzen und auf diese Lebenserfahrung möchte ich nicht verzichten. Es gab natürlich den Spruch : 18 Monate Armee und immer noch geistig rege", wenn dann der Entlassungstag nahte. Wer kein Sensibelchen war, konnte diese Zeit ohne Blessuren an Leib und Seele überstehen. In diesem Sinne bedaure ich es etwas, daß die Wehrpflicht abgeschafft ist. Dieser Artikel reicht sich m.E. ein in die ganze offizielle Darstellung des Lebens in der DDR .

Und noch was zum Nachtrag: Wenn die Ehemaligen diese Zeit so einfach abtun würden, gäbe es nicht dieses Forum



zuletzt bearbeitet 11.04.2013 11:26 | nach oben springen

#9

RE: bei der "Fahne"!

in Grenztruppen der DDR 11.04.2013 12:12
von furry | 3.563 Beiträge

@DoreHolm, die körperliche Belastung hat mich während dieser Zeit in keiner Weise gestört. An irgendeiner Stelle war ich sogar gern Aufklärer. Das waren die Momente, in denen wir zu zweit oder als Gruppe eine Aufgabe zu erfüllen hatten, bei denen Körper und Geist gefordert wurden. Da konnte man sogar mal über viele Stunden auf Essen und Trinken verzichten und hat trotzdem seinen Hintern bewegt. Um so besser hat dananch ein trockener Kanten Brot geschmeckt.
Und ganz so dämlich habe ich mich wahrscheinlich auch nicht angestellt, denn in meinem alten Wehrpass stand zu meiner Entlassung, geeignet für Dienststellung: Aufklärungszugführer.
Was mir maßlos gegen den Strich gegangen ist, war dieses sinnlose Brüllen und Schikanieren von einigen der Vorgesetzten der unteren Chargen. Somit war dann für mich mit der Entlassung das Thema beendet. Einzig ein paar Fotos von unseren Ausflügen habe ich mir zur Erinnerung aufgehoben. So wie wir zusammengekommen sind, sind wir auch wieder auseinandergegangen. Jeder hatte für die Zeit danach Pläne und Ziele und die galt es zu verfolgen. Ich könnte mich auch nicht erinnern, dass ich mit irgendeinem mir Gleichgestellten in den 18 Monaten Probleme hatte. Wir haben Freud und Leid geteilt und sollte mir mal ein Ehemaliger zufällig über den Weg laufen, ich werde nicht auf die andere Strassenseite gehen.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#10

RE: bei der "Fahne"!

in Grenztruppen der DDR 11.04.2013 18:06
von PF75 | 3.291 Beiträge

Na ja kann man nur zu dem Artikel sagen,paßt doch gut ins Bild über die DDR.Uns wurde mal erklärt "ein Soldat muß funktionier" wenn es drauf ankommt,da braucht man keine Staatsbürger in Uniform die erst alles abwägen und ausdikutieren müssen.
Übrigens 3 mal Ausgang die woche hätte ich auch gerne mal gehabt,waren schon froh mit 3-mal im Monat.


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#11

RE: bei der "Fahne"!

in Grenztruppen der DDR 11.04.2013 19:36
von berlin3321 | 2.515 Beiträge

Hallo,

ich habe 15 Monate Bund abgerissen, für mich eine verlorene Zeit. Beibringen konnten sie mir technisch nichts, militärisch, na ja, was solls.

20 km, dass auf einem Freitag, danach war Schluss. Jedes WE zu Hause, Ausgang 3 x die Woche gab´s nicht, jeder ging nach 18 Uhr in Zivil, wohin er wollte. Es sei denn, es war Ausgangssperre befohlen, dann war Übung angesagt, 1 Woche, 14 Tage, das war´s.

Im Vergleich zur NVA, dass was ich hier lese, ein Witz.

Gedient bei der Instandsetzung unter einem beknackten Hauptfeld als Zugführer, der hatte in seinem Bergeleo Teppichboden.

Sowohl in der Ausbildung wie nachher Sechs- Mann Stuben, zum Essen marschiert wurde nur in der Ausbildung, in der Stammeinheit ging jeder, wann und wie er wollte und gegrüßt wurde nur der Spieß und der Chef. Sonst nur Moin, Schleswig- Holstein halt.

Mfg Berlin


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
EK 70 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 11.04.2013 19:38 | nach oben springen

#12

RE: bei der "Fahne"!

in Grenztruppen der DDR 11.04.2013 19:59
von Ex-Huf (gelöscht)
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Nicht vergessen wird man wohl immer schreiende Berufssoldaten , die Mangels eigener Kompetenz so handelten?
Bei uns im GAR war dies teilweise schon ausgeprägt, Insider verstehen meinen Beitrag all zu gut!

VG Ex-Huf


DoreHolm und EK 70 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#13

RE: bei der "Fahne"!

in Grenztruppen der DDR 11.04.2013 20:03
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Zitat von Ex-Huf im Beitrag #12
Nicht vergessen wird man wohl immer schreiende Berufssoldaten , die Mangels eigener Kompetenz so handelten?
Bei uns im GAR war dies teilweise schon ausgeprägt, Insider verstehen meinen Beitrag all zu gut!

VG Ex-Huf


Nannte sich Brüllaffe.
Wie schrieb der sowjetische Pädagoge "wer schreit hört auf zu denken"


zuletzt bearbeitet 11.04.2013 20:04 | nach oben springen

#14

RE: bei der "Fahne"!

in Grenztruppen der DDR 11.04.2013 20:49
von Ex-Huf (gelöscht)
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Vielleicht kann man sich meinungsübergreifend dahingehend verständigen, dass die Zeit bei "der Fahne" die jungen Männer, also uns schon geformt hat fürs Leben.
Der Sinn für Kameradschaft, das Denken und Handeln im Sinne der Gruppe, ich meine auf der Stube, wurde erlernt und angewendet. Nur so, ich vermute es , war es in den GK der GT möglich, schnell und umfassend Vertrauen zu gewinnen, oder nicht?
Das, was wir hier besprechen, möge uns und unsere Nachkommen nicht treffen; Das Leben auf ein Mindestmaß eigener Individualität zu reduzieren, das Gemeinschaftliche im vorausschauenden Handeln zu erkennen und dem folgenden Unvermeidbaren gemeinsam ertragend zu gestalten.

Für @Mutz, ich sag das sonst nicht so deutlich!

VG Ex-Huf


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#15

RE: bei der "Fahne"!

in Grenztruppen der DDR 11.04.2013 20:52
von Acki | 169 Beiträge
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#16

RE: bei der "Fahne"!

in Grenztruppen der DDR 11.04.2013 21:09
von SCORN | 1.455 Beiträge

auch Eisen muss man glühend machen bevor man es formen kann! Fakt ist: nur unter Belastung entwickelt sich der Mensch weiter! So solte man die Zeit bei der "Fahne" sehen! gleichgültig ob NVA, GT, BEPO, Wachregiment oder von mir aus auch Bund, BGS oder Fremdenlegion!

Was man mir dort beibrachte ist mir heute noch von Nutzen!

ist natürlich nur meine unmaßgebliche subjektive Meinung!

SCORN


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zuletzt bearbeitet 11.04.2013 21:30 | nach oben springen

#17

RE: bei der "Fahne"!

in Grenztruppen der DDR 11.04.2013 21:24
von Kurt | 933 Beiträge

Bezugnehmend zur Threadüberschrift, möchte ich folgendes beisteuern:

Diesen Text aus dem "MDR Lexi TV" halte ich für einseitig übertrieben.

Es war eben ein richtiger Wehrdienst, in welchem man lernte, wie man an seinem Platz zu funktionieren hatte.
In einem echten Krieg ist wahrscheinlich auch keine Zeit, um basisdemokratische Entscheidungen zu treffen.

Meine Ausbildung an der Unteroffiziersschule war auch hart, ich kam sogar in's Krankenhaus, wegen eines Nierenschadens (bei einer Übung zugezogen), durch welchen ich plötzlich Blut pinkelte. Ja, auch untereinander gab es Auseinandersetzungen. Ein "Stubenkamerad", der heute Chemieprofessor in Erlangen ist, weckte mich nachts, um mir Haarspray in die Augen zu sprühen usw. Eigentlich schon krank, was es da an Erlebnissen gab....von Auswüchsen der E-Bewegung ganz zu schweigen. In Groß Glienicke war es dann angenehmer.
Aber trotzdem gebe ich nicht dem Staat die Schuld. Es waren einzelne Menschen, die mir das angetan haben. Es hätte in jeder anderen Armee auch passieren können.

Ich bin stolz und froh in meinem Heimatland DDR gelebt zu haben, wenn auch nicht alles optimal war, ich wegen eines Musikwunsches beim RIAS fast von der EOS geflogen wäre und auch sonst manches Mal aneckte. Kindheit und Jugend waren schön, das Bildungssystem war sehr gut und das zwischenmenschliche Leben insgesamt angenehmer. Für mich waren GT und NVA damals Garanten dafür, daß wir in Frieden leben durften.
Die Zeit bei der Fahne gehört zu meiner Biografie, und diese lasse ich mir nicht entwerten.

"Das MDR-Wissensmagazin - Bildung für alle" steht dort geschrieben. Als persönliche Meinung lasse ich den Text gern gelten, aber Allgemeingültigkeit hat er für mich nicht.

Gruß, Kurt


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#18

RE: bei der "Fahne"!

in Grenztruppen der DDR 12.04.2013 10:08
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Mein "Stolz" hält sich hier in Grenzen...
Aber, ich geb zu: nachhaltigen Schaden, bezogen auf mein weiteres Leben, haben die 18 Monate nun auch nicht angerichtet
Ausgangssituation: ich war 25, hatte studiert und war frisch verheiratet, als ich Rekrut wurde. Dem Staat DDR stand ich positiv gegenüber.

Am ersten Abend meines Soldat-Seins im GAR Eisenach hiess es "Befehl: Duschen"
Mit ca. 30 anderen, nackt in einen Kellerraum, so 5x5 Meter, 10 Duschen, kockendheisses Wasser, alles voll Dampf.
Ein kleiner Kerl, so 1,60 Meter, Berufsunteroffizier brüllte, der Raum schallte, es schien ihm Spass zu bereiten.

Und ich dachte: "Mann, wo bist Du hier nur gelandet.."
Irgendwie drängten sich im meinem Kopf die Bilder aus Erzählungen von den Gaskammern der Vernichtungslager.

Nun, derartiges war - auch in den folgenden Wochen - die Ausnahme. Und in der Grenzkompanie hab ich so etwas ohnehin nicht mehr erlebt - dort waren die Vorgesetzten (und auch wir) froh um jeden Tag ohne unangenehme Zwischenfälle.

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
zuletzt bearbeitet 12.04.2013 10:10 | nach oben springen

#19

RE: bei der "Fahne"!

in Grenztruppen der DDR 12.04.2013 10:25
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

Zitat von berlin3321 im Beitrag #11
Hallo,

ich habe 15 Monate Bund abgerissen, für mich eine verlorene Zeit. Beibringen konnten sie mir technisch nichts, militärisch, na ja, was solls.

20 km, dass auf einem Freitag, danach war Schluss. Jedes WE zu Hause, Ausgang 3 x die Woche gab´s nicht, jeder ging nach 18 Uhr in Zivil, wohin er wollte. Es sei denn, es war Ausgangssperre befohlen, dann war Übung angesagt, 1 Woche, 14 Tage, das war´s.

Im Vergleich zur NVA, dass was ich hier lese, ein Witz.

Gedient bei der Instandsetzung unter einem beknackten Hauptfeld als Zugführer, der hatte in seinem Bergeleo Teppichboden.

Sowohl in der Ausbildung wie nachher Sechs- Mann Stuben, zum Essen marschiert wurde nur in der Ausbildung, in der Stammeinheit ging jeder, wann und wie er wollte und gegrüßt wurde nur der Spieß und der Chef. Sonst nur Moin, Schleswig- Holstein halt.

Mfg Berlin




Salonsoldaten ! . Aber da haben sicherlich trotzdem einige gemeint, daß sie es sehr schwer hatten. Aber ich glaube, selbst unseren Muckern in Eggesin ging es immer noch besser als den sowjetischen Soldaten.
Bei mir war es mit Urlaub im Durchschnitt alle 9 Wochen. Kürzester Abstand 5 Wochen, längster 13 Wochen. Wie oft Ausgang, weiß ich nicht mehr, aber mehrfach Wöchentlich ganz sicher nicht, eher mehrfach monatlich. Dann ging es in die Kneipe, wo sollte man auch sonst hin. Tanz war da auch nicht drin.



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#20

RE: bei der "Fahne"!

in Grenztruppen der DDR 12.04.2013 12:04
von Rüganer (gelöscht)
avatar

Grundwehrdienst – was will man da für das spätere Leben mitgenommen haben? Den Bau eines Päckchens auf dem Hocker?
Das Einräumen und auf Kante bringen der Unterhemden mittels Zeitungen? Macht dies heute auch noch jemand? Das Bettenmachen mit Abzählen der Karos?
Sicher gab es einen Zusammenhalt der Wehrdienstleistenden, sicher hat man da auch Erfahrungen im Umgang miteinander machen können, der eine und der andere hat wahrscheinlich auch das erste mal einen Knopf angenäht, annähen müssen. Als das Muss weggefallen ist, wird er es auch wieder verlernt haben.
Nein, diese 18 Monate waren verlorene Zeit, man musste sie absolvieren, wollte man nicht anecken. Man musste einiges in diesen 18 Monaten tun, um nicht anzuecken, denn wahrscheinlich ging es allen, so wie mir, ich wollte diese Zeit rumkriegen und schnell wieder nach Hause, Mensch sein.
Ja, ich habe mich nur selten in diesen 18 Monaten als Mensch gefühlt, dieses Herumkommandieren, dieses: Diskutieren Sie nicht – treten Sie weg, „Können Sie nicht grüßen“, all dieses militärische Gehabe war und ist nicht mein Ding. Ausgang in Berlin nur ganz Selten, es endete immer nur in der Kneipe mit Druckbetankung, wie ich schon an andere Stelle schrieb, dieses Totschlagen der Freizeit mit dem Bau von Schmuck aus Kupferdraht oder dem Verbauen von abgebrannten Streichhölzern und Wäscheklammern. Sinnvoll war dies alles nicht, etwas anderes gab es aber nicht.
Man war fast froh, wenn man draußen war, wenn man seine Ruhe hatte und einem keiner auf den Zünder ging.
Dies ist mit großer Sicherheit bei Längerdienenden und militärisch Interessierten ganz anders gewesen, die konnten schon mal ganz anders das Objekt verlassen, vielleicht sogar irgendwo draußen zivile Klamotten anziehen. Wenn ich dieses Leben zu meinem Beruf mache, dann sehe ich solche Dinge ganz anders, aber ich habe diesen Beruf nicht gewählt und tausende andere Grundwehrdienstler auch nicht. Die sind zum allergrößten Teil mit Abneigung zum Ort der Einberufung angetreten und haben da dann das erste mal sofort den richtigen Eindruck bekommen, wie die nächste Zeit aussehen wird. Entsprechende Schilderungen sind hier im Forum doch schon vorhanden.


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