#1

Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch?

in Grenztruppen der DDR 01.04.2013 15:05
von Schlutup | 4.099 Beiträge

Moin Moin!
Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch?
Wurde darüber gesprochen in der Kompanie oder unter 4 Augen.
Wurden Auszeichnungen vor der Kompanie verliehen beim verhinderten Durchbruch?
Wie war der Sprachgebrauch? Das Schwein hat es geschafft!
Grenzdurchbrüche wurden ja millimetergenau ausgewertet, gab es dann später darüber auch Infos in der Kompanie?

gruß schlutup



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#2

RE: Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch?

in Grenztruppen der DDR 01.04.2013 15:43
von damals wars | 12.113 Beiträge

"Das Schwein hat es geschafft" hat sicher niemand gesagt. Ein Schwein hätte es nie über die Sperranlagen geschafft.

Es war wichtig, wann und wo der Durchbruch stattfand. Ob die Schusswaffe angewendet wurde.
Und wie von westlicher Seite reagiert wurde.
In dem Fall, an den ich mich erinnere, sagte die westberliner Polizei dem GV, wenn er noch 10 m weitergeht, ist er im Westen.
Er hatte es sich im Vorgelagerten bequem gemacht. Dort, wo sonst die Aufklatscher biwaquierten.

Bei einem Durchbruch wurden keine Orden verteilt. Es war ja der Auftrag, Grenzdurchbrüche zu verhindern.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#3

RE: Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch?

in Grenztruppen der DDR 01.04.2013 16:06
von Schlutup | 4.099 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #2
"Das Schwein hat es geschafft" hat sicher niemand gesagt. Ein Schwein hätte es nie über die Sperranlagen geschafft.



moin moin damals wars!
das glaube ich nicht so. Es soll ja auch kein Vorwurf von mir sein.

gruß schlutup



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zuletzt bearbeitet 01.04.2013 16:07 | nach oben springen

#4

RE: Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch?

in Grenztruppen der DDR 01.04.2013 16:51
von Mike59 | 7.939 Beiträge

Zitat von Schlutup im Beitrag #3
Zitat von damals wars im Beitrag #2
"Das Schwein hat es geschafft" hat sicher niemand gesagt. Ein Schwein hätte es nie über die Sperranlagen geschafft.



moin moin damals wars!
das glaube ich nicht so. Es soll ja auch kein Vorwurf von mir sein.

gruß schlutup


Gab sicher Personen die haben noch was ganz anderes gesagt. Wenn die ganze Truppe in der Abriegelung lag und es gab trotzdem einen Durchbruch haben alle erst mal schön die Schn**** gehalten und abgewartet. Gab's einen Durchbruch der einfach nur festgestellt wurde, war die erste Frage wohl meist; Wo - wars - einer von "Uns"- wie? Das einer sich so

Zitat
Das Schwein hat es geschafft

äußerte, habe ich selber nicht erlebt und ich habe auch etwas so nicht gehört. Das wir alle stink sauer waren, steht auf einen ganz anderen Blatt, besonders wenn dann die Info kam wer es wirklich war. Es waren ja doch "sehr oft" einfach nur Personen die weder politisch noch finanziell unter Druck standen.

Nachtrag zum eigentlichem Thema:

Nach der Auswertung wurden meist an der Durchbruchstelle ein paar S-Geräte oder eine HLA Aufgebaut (Aktionismus wie heute auch). Danach ging es meist wieder seinen gewohnten Gang.


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zuletzt bearbeitet 01.04.2013 16:55 | nach oben springen

#5

RE: Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch?

in Grenztruppen der DDR 01.04.2013 17:13
von Lutze | 8.028 Beiträge

Zitat von Mike59 im Beitrag #4
Zitat von Schlutup im Beitrag #3
Zitat von damals wars im Beitrag #2
"Das Schwein hat es geschafft" hat sicher niemand gesagt. Ein Schwein hätte es nie über die Sperranlagen geschafft.



moin moin damals wars!
das glaube ich nicht so. Es soll ja auch kein Vorwurf von mir sein.

gruß schlutup


Gab sicher Personen die haben noch was ganz anderes gesagt. Wenn die ganze Truppe in der Abriegelung lag und es gab trotzdem einen Durchbruch haben alle erst mal schön die Schn**** gehalten und abgewartet. Gab's einen Durchbruch der einfach nur festgestellt wurde, war die erste Frage wohl meist; Wo - wars - einer von "Uns"- wie? Das einer sich so

Zitat
Das Schwein hat es geschafft
äußerte, habe ich selber nicht erlebt und ich habe auch etwas so nicht gehört. Das wir alle stink sauer waren, steht auf einen ganz anderen Blatt, besonders wenn dann die Info kam wer es wirklich war. Es waren ja doch "sehr oft" einfach nur Personen die weder politisch noch finanziell unter Druck standen.

Nachtrag zum eigentlichem Thema:

Nach der Auswertung wurden meist an der Durchbruchstelle ein paar S-Geräte oder eine HLA Aufgebaut (Aktionismus wie heute auch). Danach ging es meist wieder seinen gewohnten Gang.


steht HLA für Hundelaufanlage?und welche S-Geräte wurden aufgebaut?
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#6

RE: Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch?

in Grenztruppen der DDR 01.04.2013 17:41
von Mike59 | 7.939 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #5
Zitat von Mike59 im Beitrag #4
Zitat von Schlutup im Beitrag #3
[quote=damals wars|p243936]"

.....
......
Nach der Auswertung wurden meist an der Durchbruchstelle ein paar S-Geräte oder eine HLA Aufgebaut (Aktionismus wie heute auch). Danach ging es meist wieder seinen gewohnten Gang.

steht HLA für Hundelaufanlage?und welche S-Geräte wurden aufgebaut?
Lutze


HLA = HundeLaufAnlage
S-Geräte was gerade "In" war. SP1, R67, Signalmine oder GS1


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#7

RE: Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch?

in Grenztruppen der DDR 01.04.2013 19:37
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von Schlutup im Beitrag #1
Moin Moin!
Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch?
Wurde darüber gesprochen in der Kompanie oder unter 4 Augen.
Wurden Auszeichnungen vor der Kompanie verliehen beim verhinderten Durchbruch?
Wie war der Sprachgebrauch? Das Schwein hat es geschafft!
Grenzdurchbrüche wurden ja millimetergenau ausgewertet, gab es dann später darüber auch Infos in der Kompanie?

gruß schlutup



Hallo Schlutup,

ich selbst kann es ja am wenigsten leugnen, dass seitens einer Reihe von Offizieren abfällig über Grenzverletzer gedacht und gesprochen wurde. Schließlich stand die Erinnerung an solche Abfälligkeit auch im Jahre 2002 am Beginn meiner Auseinandersetzung mit der Thematik meiner Zeit an Grenze. Die Grenzverletzer waren in meiner damaligen Sicht nicht nur einfach Feinde und Leute, die gegen die Gesetze meines Landes verstießen, sie waren auch Leute, die uns einen Riesenstress bereiteten, wenn sie durchkamen. Unter solchen Umständen ziehen Verständnis und Nächstenliebe eher den Kürzeren.

Was kam nun als erstes? Die Untersuchungskommission. Die genaue Zusammensetzung war mir nicht bekannt. Aber es war die Kriminalpolizei dabei, die Spurensicherung, die Verwaltung 2000 und verschiedene Offiziere der vorgesetzten Stäbe, vor allem Operativoffiziere, die die Planung und den Einsatz der Grenzposten genau unter die Lupe nahmen, und natürlich auch Politoffiziere, die den politisch-moralischen Zustand der Einheit zu bewerten hatten. In der Regel endete das mit Strafen für die Kompanieführung, also KC und Politstellvertreter, es sei denn, es wurde eine eindeutige Fremdschuld nachgewiesen (falsche Lageinformationen, falsche Befehle seitens vorgesetzter Stäbe).

Die Untersuchungen zogen sich über mehrere Stunden hin. Nach meiner Erinnerung dauerte das Ganze so um die 8 Stunden. Da wuselten 20-30 Mann zusätzlich in der Kompanie herum, brauchten Dienstzimmer für Besprechungen und Befragungen. Unter den Bedingungen der Kompaniesicherung war das ein Horror, denn in der Regel war man zu diesem Zeitpunkt noch in einer Lage (also große Teile oder sogar die gesamte Kompanie lag im Abschnitt) und man musste eigentlich versuchen, irgendwie wieder Ruhe reinzubringen, um den geregelten Dienst wieder aufnehmen zu können. Und während man geradeso die Befehle für den Grenzdienst in dieser Phase vorbereitet und versucht, die Posten dafür zu planen, kommt garantiert irgendeine Stabsflocke hereingeschneit und fragt: Wie war gestern das Thema der Aktuell Politischen Lageinformation und wer hat die für welchen Zug gehalten. Und wehe, Du hat nicht in 0,5 Sekunden die Antwort parat. Und das alles hat Dir ein Typ eingebrockt, der jetzt "drüben" abhängt ...

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#8

RE: Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch?

in Grenztruppen der DDR 01.04.2013 20:16
von DoreHolm | 7.677 Beiträge

Erfolgreiche Durchbrüche gab es in unserem Kompanieabschnitt keinen Einzigen, im Regimentsmaßstab wohl auch sehr,sehr wenige, wenn ich von vier abgängigen Grenzern in dieser Zeit absehe. Erinnern kann ich mich nur an die Auswertung eines versuchten Durchbruches. Der stand schon am Streckzaun und hat es nicht geschafft. Ein Offz. hat es vorgeführt, in Sekunden drüberzumachen. Es war schon erstaunlich, wie dämlich sich so manche angestellt haben.
Abfällige oder gar Hassbezeichnungen für GV, davon hat sich bei mir in der Erinnerung nichts eingegraben. Klar waren wir stinksauer auf GV, insbes. wenn wir dadurch eine menge Stress hatten, aus der Nachtschicht gleich wieder raus mußten und das bei Minusgraden und dann nach dem Hellwerden ein paar Jüngelchen aus dem Wald zu holen, die "ein neues Leben beginnen" wollten.



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#9

RE: Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch?

in Grenztruppen der DDR 01.04.2013 20:24
von Oss`n | 2.777 Beiträge

Zitat von Schlutup im Beitrag #1
Moin Moin!
Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch?
Wurde darüber gesprochen in der Kompanie oder unter 4 Augen.
Wurden Auszeichnungen vor der Kompanie verliehen beim verhinderten Durchbruch?
Wie war der Sprachgebrauch? Das Schwein hat es geschafft!
Grenzdurchbrüche wurden ja millimetergenau ausgewertet, gab es dann später darüber auch Infos in der Kompanie?

gruß schlutup




Meine Antwort steht genau unter der selben Fragestellung im "anderem" Forum !

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#10

RE: Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch?

in Grenztruppen der DDR 01.04.2013 20:28
von Oss`n | 2.777 Beiträge

Habe selber bei einem GD mit auf der FS gesessen......

War nicht so toll !

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#11

RE: Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch?

in Grenztruppen der DDR 01.04.2013 20:29
von Oss`n | 2.777 Beiträge

Schwein hat keiner von uns gesagt !
Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#12

RE: Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch?

in Grenztruppen der DDR 01.04.2013 20:40
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Also bei einem gelungenen Grenzdurchbruch wäre doch folgendes denkbar:

Der Grenzdurchbrecher dachte sich: "Man, hab ich ein Schwein gehabt, daß die mich nicht gesehen haben."
Der Grenzer dachte sich: "Man, hab ich ein Schwein gehabt, daß ich den GV nicht gesehen habe."

Ari


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
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zuletzt bearbeitet 01.04.2013 20:41 | nach oben springen

#13

RE: Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch?

in Grenztruppen der DDR 01.04.2013 21:05
von Schlutup | 4.099 Beiträge

moin!

sagt nicht in der zdf Dokumentation “Geheimakte Mauerbau” der Polit-Offz.

Trotz SM70 hat das Schwein noch rüber geschafft?

gruß schlutup



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#14

RE: Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch?

in Grenztruppen der DDR 01.04.2013 21:42
von maxhelmut | 613 Beiträge

wenn du das erlebt hast
eine Ausgangsjacke PF Gefreiter auf dem Zaun zu finden ,wie ich
dann reicht der heutige Abend nicht aus um alles zu erzählen bzw schreiben
so mancher hier im Forum würde seine Zeilen überdenken was er schreibt

gruß maxhelmut
>ein Grenzer schläft nicht, er ruht<


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#15

RE: Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch?

in Grenztruppen der DDR 01.04.2013 21:54
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von Schlutup im Beitrag #13
moin!

sagt nicht in der zdf Dokumentation “Geheimakte Mauerbau” der Polit-Offz.

Trotz SM70 hat das Schwein noch rüber geschafft?

gruß schlutup

Hallo Schlutup,

deshalb kann ich es ja nicht leugnen. Aber ich habe es damals so oder so ähnlich gedacht. Das war ja eigentlich mein Erschrecken über meine eigene Haltung damals. Diese Menschen, die über die Grenze zu fliehen versuchten, waren für mich gesichtslose Feinde und nicht nur für mich.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#16

RE: Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch?

in Grenztruppen der DDR 01.04.2013 21:57
von Fritze (gelöscht)
avatar

Schreibe morgen zu diesem Thema,weil es heute fürn Aprilscherz gehalten würde .


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#17

RE: Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch?

in Grenztruppen der DDR 01.04.2013 22:08
von Schlutup | 4.099 Beiträge

danke Rainman, für deine Worte.

Ja, es waren schon verrückte Zeiten damals. Aber zum Glück können wir uns heute als "Freunde" austauschen.

gruß schlutup



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#18

RE: Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch?

in Grenztruppen der DDR 03.04.2013 15:54
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Ari@D187 im Beitrag #12
Also bei einem gelungenen Grenzdurchbruch wäre doch folgendes denkbar:

Der Grenzdurchbrecher dachte sich: "Man, hab ich ein Schwein gehabt, daß die mich nicht gesehen haben."
Der Grenzer dachte sich: "Man, hab ich ein Schwein gehabt, daß ich den GV nicht gesehen habe."

Ari


Variante 2 war verkürzt eher so:
"... dass er nicht bei mir durch ist!"
Die Langvariante ging schon mehr in´s Detail: Durchbruch - Sch...eibenkleister! Hoffentlich nicht bei mir, um Himmels Willen nicht in meiner Dienstzeit! Was kann man beweisen ("Grenzerruhe...", Ablösezeiten eingehalten)? Muss ich was mitbekommen haben? Wie erkläre ich das...?
Nicht gesehen zu haben war als Erklärung fast so schlecht wie bewußt durchgelassen zu haben. Notfalls musste als Erklärung eben etwas wichtigeres an anderer Stelle herhalten. Am Besten war dann eine BGS-Provokation, dito von den Alliierten oder etwas, was man mit einem bisschen "guten" Willen so deuten konnte. Bisserl stimmen sollte es schon weil es ja manchmal nachprüfbar war. Und der Weltfrieden war natürlich noch wichtiger...

Ein erfolgreicher Grenzdurchbruch bedeutete immer anschließendes "Hammerwerfen". Der Hammer, das waren weiter oben die Bestrafungen, die durchreichbar waren. Weniger die offiziellen Sachen wie "Schwedt", Arrest oder so. Das war selten, habe ich eigentlich nie erlebt oder davon wirklich prüfbar gehört. Aber laufende Disziplinarverfahren hatten den Nachteil, dass es in dieser Zeit keine Beförderung geben konnte, Ausgang wegen der nun anstehenden Dienstbelastung unmöglich wurde, Waffenkontrolle ausgerechnet vor Urlaubsbeginn stattfand. Dito die Überprüfung der persönlichen Ausbildungspläne. Und wenn der Zug weg war, war er eben weg...
Dazu die extra Dienstbelastung weil irgend jemand auf die glorreiche Idee kam, den Fluchtweg zum dritten oder vierten Mal mit dem Diensthund absuchen zu lassen. Es könnte ja ein Tramp...tier vorher was übersehen haben. Natürlich zusätzlich zur sowieso angesetzten USM oder Schicht. Dann war ja mitunter der Fluchtweg gar nicht so einfach nachvollziehbar. Nicht im Oberharz, wo Spurenstreifen zwar oft steinreich aber arm an Möglichkeiten waren, wirklich Spuren zu hinterlassen. Nett, wenn dann BGS oder Zöllner (verbotenermaßen ???) einen Tipp durchreichten. Nicht nur, dass er "angekommen" ist sondern auch wo. Es hat sogar Fälle gegeben, wo dann plötzlich doch eine Spur da war, ein Ast am Zaun stand wo vorher sehr sicher (und ich bin da absolut sicher...) nichts war. Einfach, damit der ganze Sa...stand endlich aufhörte. Und die Batzen endlich mehr oder, vermutlich, weniger zufrieden waren. So ist mancher Flüchtling einen Weg gegangen, den er in seinem Leben noch nie gesehen hat. Natürlich solche Wege, wo dann vorzugsweise keiner wirklich schuld war.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#19

RE: Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch?

in Grenztruppen der DDR 03.04.2013 20:54
von Fritze (gelöscht)
avatar

So ,dann werd ich mal von einem "Danach " erzählen .Nach einem Grenzdurchbruch von 5 Personen im Bereich des GR 6 ,welcher eigentlich nur durch eine Verkettung von glücklichen Umständen für die "5"bestand ,wurde zwar gründlich ausgewertet ,aber auch belobigt. Ich gehörte zu einer Gruppe ,welche unmittelbar nach Entdeckung der Spuren am K6 und GZ 1 zur Suche eingesetzt wurde.Nach unserer ergebnislosen Suche ,begann ein Riesenbahnhof mit Einsatz von ca 130 AGT aus mehreren Kompanien.Der Einsatz dauerte von ca 06.30 Uhr bis 18.00Uhr .dabei wurden nur Spuren und Hilfsmittel festgestellt. Besagten 5 Personen war mit Hilfe eines BRD Bürgers die Flucht gelungen.
Es gab natürlich die wildesten Spekulationen,auch bezüglich wie der Dienst in der folgenden Zeit ablaufen würde.
Aber es kam nicht nur halb so schlimm,sondern ich konnte auch meinen geplanten EU am nächsten Tag antreten.Als ich aus dem Urlaub wiederkam,gab es für mich , sowie Einige der "ersten Maßnahmen " eine Prämie für unermüdlichen Einsatz.Ein nicht unerheblicher Betrag ,natürlich gestaffelt nach Dienstgrad.Na da waren wir aber baff . Zwar wurden Maßnahmen ergriffen ,damit es nicht wieder zu solch begünstigenden Umständen kam ,aber von einer Verschärfung des Dienstes konnte keine Rede sein.So geschehen Ende April 1988.


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#20

RE: Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch?

in Grenztruppen der DDR 03.04.2013 21:13
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #7
Zitat von Schlutup im Beitrag #1
Moin Moin!
Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch?
Wurde darüber gesprochen in der Kompanie oder unter 4 Augen.
Wurden Auszeichnungen vor der Kompanie verliehen beim verhinderten Durchbruch?
Wie war der Sprachgebrauch? Das Schwein hat es geschafft!
Grenzdurchbrüche wurden ja millimetergenau ausgewertet, gab es dann später darüber auch Infos in der Kompanie?

gruß schlutup



Hallo Schlutup,

ich selbst kann es ja am wenigsten leugnen, dass seitens einer Reihe von Offizieren abfällig über Grenzverletzer gedacht und gesprochen wurde. Schließlich stand die Erinnerung an solche Abfälligkeit auch im Jahre 2002 am Beginn meiner Auseinandersetzung mit der Thematik meiner Zeit an Grenze. Die Grenzverletzer waren in meiner damaligen Sicht nicht nur einfach Feinde und Leute, die gegen die Gesetze meines Landes verstießen, sie waren auch Leute, die uns einen Riesenstress bereiteten, wenn sie durchkamen. Unter solchen Umständen ziehen Verständnis und Nächstenliebe eher den Kürzeren.

Was kam nun als erstes? Die Untersuchungskommission. Die genaue Zusammensetzung war mir nicht bekannt. Aber es war die Kriminalpolizei dabei, die Spurensicherung, die Verwaltung 2000 und verschiedene Offiziere der vorgesetzten Stäbe, vor allem Operativoffiziere, die die Planung und den Einsatz der Grenzposten genau unter die Lupe nahmen, und natürlich auch Politoffiziere, die den politisch-moralischen Zustand der Einheit zu bewerten hatten. In der Regel endete das mit Strafen für die Kompanieführung, also KC und Politstellvertreter, es sei denn, es wurde eine eindeutige Fremdschuld nachgewiesen (falsche Lageinformationen, falsche Befehle seitens vorgesetzter Stäbe).

Die Untersuchungen zogen sich über mehrere Stunden hin. Nach meiner Erinnerung dauerte das Ganze so um die 8 Stunden. Da wuselten 20-30 Mann zusätzlich in der Kompanie herum, brauchten Dienstzimmer für Besprechungen und Befragungen. Unter den Bedingungen der Kompaniesicherung war das ein Horror, denn in der Regel war man zu diesem Zeitpunkt noch in einer Lage (also große Teile oder sogar die gesamte Kompanie lag im Abschnitt) und man musste eigentlich versuchen, irgendwie wieder Ruhe reinzubringen, um den geregelten Dienst wieder aufnehmen zu können. Und während man geradeso die Befehle für den Grenzdienst in dieser Phase vorbereitet und versucht, die Posten dafür zu planen, kommt garantiert irgendeine Stabsflocke hereingeschneit und fragt: Wie war gestern das Thema der Aktuell Politischen Lageinformation und wer hat die für welchen Zug gehalten. Und wehe, Du hat nicht in 0,5 Sekunden die Antwort parat. Und das alles hat Dir ein Typ eingebrockt, der jetzt "drüben" abhängt ...

ciao Rainman


Danke, Rainman für diese realistische Beschreibung. Ich war selbst einmal in dieser Situation, wir waren "4 Erfolgreiche". Als wir am Morgen bei der bayrischen Grenzpolizei Fladungen im Büro ankamen und erste Kontaktaufnahme mit der westd. Polizei hatten, liessen sich 2 Grenzpolizisten beschreiben, wo wir die Grenze überschritten hatte. Sie holten aus einem Panzerschrank Maschinenpistolen, hängten sie um und stiegen in einen Dienst VW Käfer der bay. Polizei. Wir erhielten inzwischen durch einen anderen Grenzer ein großes Tablett belegte Brötchen und jeder einen halben Liter Kulmbacher. Dieses Frühstück werde ich nie vergessen. Nach 1 1/2 Stunden kamen die Grenzpolisten zurück und erzählten, das unsere Flucht entdeckt worden ist und " da drüben die Hölle los ist ". Es tat mir ein bischen leid für die Soldaten dort, dass wir ihnen einen solchen " Sackstand " ( den Begriff kannte ich 1965 noch nicht )am frühen Morgen verursacht hatten, aber die Offizieren taten mir nicht leid. Ich konnte mir vorstellen, dass es mächtig gefunkt hat beim KC und auch Polit wegen dieses Grenzdurchbruchs. War mir aber wurscht.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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