#61

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 08.05.2013 21:57
von Unner Gräzer | 399 Beiträge

Wie ich in den vorangegangenen Beiträgen lesen kann gab es ja einige Möglichkeiten und Gründe, jemanden auf eine gewisse Art und Weise loszuwerden. Da sind ja wirklich Sachen zu lesen, an die ich noch gar nicht gedacht habe. Auf jeden Fall meinen Dank an alle, die sich ernsthaft mit diesem Thema auseinandergesetzt haben und sachlich ihr Wissen über gewisse Verfahrensweisen zur Verfügung gestellt haben.

@Barbara, danke daß du, wie auch andere, so denkst. Aber mit (An)zweiflern hat man es doch bei jedem Thema zu tun, das ist nun mal so. Andererseits ist das aber auch die Würze für ein solches Diskusionsforum und deshalb bin ich da auch keinem böse. Vielleicht erfahre ich ja den Grund für das Erlebte eines Tages noch, wer weiß.

Grüße an alle, Thomas



seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#62

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 10.05.2013 18:06
von schnatterinchen (gelöscht)
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Zitat von Vierkrug im Beitrag #58
[quote=schnatterinchen]

Seit wann hat die Stasi ihre Entscheidungen begründet? Wenn ja, wem bitteschön?

Das letzte Wort hatte doch immer die Stasi.

Das war ja das perfide, der DDR Bürger durfte sich nie sicher sein Reisen zu dürfen. Ausser als Rentner vielleicht.

Zitat Vierkrug:
Widerspruch, denn die führende Rolle im Staat und in der Gesellschaft der DDR hatte immer noch die SED und nicht das MfS. Das MfS bezeichnete sich zwar als Schild und Schwert der Partei, aber die Partei hatte letztendlich das Sagen.
Ein Beispiel. Leiter der MfS-Dienststellen, ob nun KD oder BV, wie auch das Ministerium konnten sich nicht über die zuständige Parteiführungsebene stellen. Die Mitarbeiter für Sicherheitsfragen bei den Kreis- und Bezirksleitungen der SED (hatten den Status eines Abteilungsleiters) unterstanden den jeweiligen
1. Sekretären und hielten nicht nur die Verbindung zu den betreffenden MfS-Diensstellenleitern.
Die jeweiligen Dienststellenleiter von KD und BV standen auch nicht den Kreis- bzw. Bezirkseinsatzleitungen vor, dass waren immer die 1. Sekretäre der KL und der BL der SED. Die Dienststellenleiter waren Mitglieder dieser Einsatzleitungen - auch bei der Sonderform der Koordinierunggruppen.

Einwände und Bedenken gegenüber bestimmten Personen mußten schriftlich begründet werden - ob Du es mir glaubst oder nicht - auch dafür gab es Bestimmungen und Regelungen - auch wenn man dem MfS in der DDR gerne alles unterjubeln möchte und es auch versucht.

Vierkrug
Zitat Ende


Wenn ich Dich richtig verstanden habe, hat also der Mitarbeiter für Sicherheitsfragen in der SED Kreisleitung entschieden wer fährt und wer nicht?
Nach welchen Kriterien und Informationen hat der denn seine Entscheidungen getroffen?
Woher hatte der die Informationen eine Entscheidung zu treffen?
War dieser Mitarbeiter alleine oder gab es da eine Abteilung für Sicherheitsfragen in jeder SED Kreisleitung?
Mal angenommen ich sollte dienstlich ,kommerziell ins NSW.
Dann beantragt mein Betrieb bei der VP Pass und Meldewesen diese Reise und die fragen dann das MfS und die wiederum die SED Kreisleitung ?
Und wenn der Mitarbeiter für Sicherheitsfragen in der SED Kreisleitung ja sagt und das MfS nein.
Dann wäre doch aus dieser Reise nichts geworden. Oder wie ging das damals?


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#63

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 10.05.2013 18:12
von Alfred | 6.849 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #62
Zitat von Vierkrug im Beitrag #58
[quote=schnatterinchen]

Seit wann hat die Stasi ihre Entscheidungen begründet? Wenn ja, wem bitteschön?

Das letzte Wort hatte doch immer die Stasi.

Das war ja das perfide, der DDR Bürger durfte sich nie sicher sein Reisen zu dürfen. Ausser als Rentner vielleicht.

Zitat Vierkrug:
Widerspruch, denn die führende Rolle im Staat und in der Gesellschaft der DDR hatte immer noch die SED und nicht das MfS. Das MfS bezeichnete sich zwar als Schild und Schwert der Partei, aber die Partei hatte letztendlich das Sagen.
Ein Beispiel. Leiter der MfS-Dienststellen, ob nun KD oder BV, wie auch das Ministerium konnten sich nicht über die zuständige Parteiführungsebene stellen. Die Mitarbeiter für Sicherheitsfragen bei den Kreis- und Bezirksleitungen der SED (hatten den Status eines Abteilungsleiters) unterstanden den jeweiligen
1. Sekretären und hielten nicht nur die Verbindung zu den betreffenden MfS-Diensstellenleitern.
Die jeweiligen Dienststellenleiter von KD und BV standen auch nicht den Kreis- bzw. Bezirkseinsatzleitungen vor, dass waren immer die 1. Sekretäre der KL und der BL der SED. Die Dienststellenleiter waren Mitglieder dieser Einsatzleitungen - auch bei der Sonderform der Koordinierunggruppen.

Einwände und Bedenken gegenüber bestimmten Personen mußten schriftlich begründet werden - ob Du es mir glaubst oder nicht - auch dafür gab es Bestimmungen und Regelungen - auch wenn man dem MfS in der DDR gerne alles unterjubeln möchte und es auch versucht.

Vierkrug
Zitat Ende


Wenn ich Dich richtig verstanden habe, hat also der Mitarbeiter für Sicherheitsfragen in der SED Kreisleitung entschieden wer fährt und wer nicht?
Nach welchen Kriterien und Informationen hat der denn seine Entscheidungen getroffen?
Woher hatte der die Informationen eine Entscheidung zu treffen?
War dieser Mitarbeiter alleine oder gab es da eine Abteilung für Sicherheitsfragen in jeder SED Kreisleitung?
Mal angenommen ich sollte dienstlich ,kommerziell ins NSW.
Dann beantragt mein Betrieb bei der VP Pass und Meldewesen diese Reise und die fragen dann das MfS und die wiederum die SED Kreisleitung ?
Und wenn der Mitarbeiter für Sicherheitsfragen in der SED Kreisleitung ja sagt und das MfS nein.
Dann wäre doch aus dieser Reise nichts geworden. Oder wie ging das damals?





Die entsprechende Richtlinie ist hier zu finden:

http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/MfS-Do...publicationFile


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#64

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 10.05.2013 18:26
von schnatterinchen (gelöscht)
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Danke für den Link.
Papier und Realität klaffen ja manchmal etwas auseinander.
Ich dachte eher an einen kurzen 5Zeiler als Antwort. So zusagen kurz und präzise.
Aber wenns nicht geht.
Vielleicht ist es ja auch noch VS.


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#65

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 10.05.2013 18:35
von Thunderhorse | 4.016 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #63
Zitat von schnatterinchen im Beitrag #62
[quote=Vierkrug|p251716][blau][quote=schnatterinchen]

Seit wann hat die Stasi ihre Entscheidungen begründet? Wenn ja, wem bitteschön?

Das letzte Wort hatte doch immer die Stasi.





Die entsprechende Richtlinie ist hier zu finden:

http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/MfS-Do...publicationFile


Auszug:
Sicherheitsüberprüfungen sind politisch-operative Überprüfungsmaßnahmen des MfS.
Durch den zielgerichteten Einsatz der operativen Kräfte und Mittel sowie die Auswertung gespeicherter und von anderen staatlichen Organen und Einrichtungen bzw. gesellschaftlichen Organisationen erarbeiteter Informationen sind alle erforderlichen Informationen zu der zu überprüfenden Person, zu ihrem Umgangskreis und ihren Verbindungen zu erarbeiten bzw. zusammenzuführen, die eine Einschätzung der sicherheitspolitischen Eignung gemäß den an sie zu stellenden sicherheitspolitischen Anforderungen ermöglichen.
Zum Abschluss jeder Sicherheitsüberprüfung ist die Entscheidung zu treffen, ob dem vorgesehenen Einsatz bzw. der Erteilung der Erlaubnis oder Genehmigung zugestimmt werden kann.


Der Rest steht in der Richtlinie Nr. 1/82.


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#66

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 10.05.2013 18:38
von Alfred | 6.849 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #64
Danke für den Link.
Papier und Realität klaffen ja manchmal etwas auseinander.
Ich dachte eher an einen kurzen 5Zeiler als Antwort. So zusagen kurz und präzise.
Aber wenns nicht geht.
Vielleicht ist es ja auch noch VS.



Diesen " 5 - Zeiler " wirst Du von mir nicht bekommen, dafür ist dieses Thema viel zu komplex.
In der Richtlinie steht doch alles drin, auch welche Rolle das MfS spielte. Sicher werden die Informationen des MfS immer eine wichtige Rolle gespielt haben, niemand wird dies abstreiten wollen. Aber - ich nenne dies mal so - die STAATLICHEN Stellen spielten keine geringe Rolle und da gab es - wie überall - solche und solche Menschen.
Wenn jemand als entsprechender Kader bestätigt werden sollte, hat man sich immer ernsthafte Gedanken zur Entscheidung - JA / NEIN - gemacht. Es war doch auch bekannt, dass eine Ablehnung weitere Probleme bringen konnte.


zuletzt bearbeitet 10.05.2013 18:50 | nach oben springen

#67

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 10.05.2013 18:42
von Alfred | 6.849 Beiträge

Zitat von Thunderhorse im Beitrag #65
Zitat von Alfred im Beitrag #63
Zitat von schnatterinchen im Beitrag #62
[quote=Vierkrug|p251716][blau][quote=schnatterinchen]

Seit wann hat die Stasi ihre Entscheidungen begründet? Wenn ja, wem bitteschön?

Das letzte Wort hatte doch immer die Stasi.





Die entsprechende Richtlinie ist hier zu finden:

http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/MfS-Do...publicationFile


Auszug:
Sicherheitsüberprüfungen sind politisch-operative Überprüfungsmaßnahmen des MfS.
Durch den zielgerichteten Einsatz der operativen Kräfte und Mittel sowie die Auswertung gespeicherter und von anderen staatlichen Organen und Einrichtungen bzw. gesellschaftlichen Organisationen erarbeiteter Informationen sind alle erforderlichen Informationen zu der zu überprüfenden Person, zu ihrem Umgangskreis und ihren Verbindungen zu erarbeiten bzw. zusammenzuführen, die eine Einschätzung der sicherheitspolitischen Eignung gemäß den an sie zu stellenden sicherheitspolitischen Anforderungen ermöglichen.
Zum Abschluss jeder Sicherheitsüberprüfung ist die Entscheidung zu treffen, ob dem vorgesehenen Einsatz bzw. der Erteilung der Erlaubnis oder Genehmigung zugestimmt werden kann.


Der Rest steht in der Richtlinie Nr. 1/82.




TH,

in der RL ist u.a. aber auch zu lesen :

"Erfolgt durch die staatlichen Leiter bzw. die zuständigen Funktionäre entgegen der Entscheidung des MfS der vorgesehene Einsatz bzw. die Erteilung der Erlaubnis oder Genehmigung, hat der Leiter der zuständigen Diensteinheit seinen übergeordneten Leiter zu informieren und weitere erforderliche Maßnahmen vorzuschlagen."

Sprich, es gab auch solche Fälle.


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#68

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 10.05.2013 18:43
von schnatterinchen (gelöscht)
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Ja sicher, steht alles drinn.
Papier ist ja bekanntlich geduldig.
Mich hätte interessiert wie das im Tagesgeschäft gehandhabt wurde.
Kann auch ein 10Zeiler oder größer werden.Schließlich war die Reisepolitik in der DDR eines der "brisantesten" Themen damals.


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#69

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 10.05.2013 19:07
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von schnatterinchen im Beitrag #62
Zitat von Vierkrug im Beitrag #58
[quote=schnatterinchen]

Seit wann hat die Stasi ihre Entscheidungen begründet? Wenn ja, wem bitteschön?

Das letzte Wort hatte doch immer die Stasi.

Das war ja das perfide, der DDR Bürger durfte sich nie sicher sein Reisen zu dürfen. Ausser als Rentner vielleicht.

Zitat Vierkrug:
Widerspruch, denn die führende Rolle im Staat und in der Gesellschaft der DDR hatte immer noch die SED und nicht das MfS. Das MfS bezeichnete sich zwar als Schild und Schwert der Partei, aber die Partei hatte letztendlich das Sagen.
Ein Beispiel. Leiter der MfS-Dienststellen, ob nun KD oder BV, wie auch das Ministerium konnten sich nicht über die zuständige Parteiführungsebene stellen. Die Mitarbeiter für Sicherheitsfragen bei den Kreis- und Bezirksleitungen der SED (hatten den Status eines Abteilungsleiters) unterstanden den jeweiligen
1. Sekretären und hielten nicht nur die Verbindung zu den betreffenden MfS-Diensstellenleitern.
Die jeweiligen Dienststellenleiter von KD und BV standen auch nicht den Kreis- bzw. Bezirkseinsatzleitungen vor, dass waren immer die 1. Sekretäre der KL und der BL der SED. Die Dienststellenleiter waren Mitglieder dieser Einsatzleitungen - auch bei der Sonderform der Koordinierunggruppen.

Einwände und Bedenken gegenüber bestimmten Personen mußten schriftlich begründet werden - ob Du es mir glaubst oder nicht - auch dafür gab es Bestimmungen und Regelungen - auch wenn man dem MfS in der DDR gerne alles unterjubeln möchte und es auch versucht.

Vierkrug
Zitat Ende


Wenn ich Dich richtig verstanden habe, hat also der Mitarbeiter für Sicherheitsfragen in der SED Kreisleitung entschieden wer fährt und wer nicht?
Nach welchen Kriterien und Informationen hat der denn seine Entscheidungen getroffen?
Woher hatte der die Informationen eine Entscheidung zu treffen?
War dieser Mitarbeiter alleine oder gab es da eine Abteilung für Sicherheitsfragen in jeder SED Kreisleitung?
Mal angenommen ich sollte dienstlich ,kommerziell ins NSW.
Dann beantragt mein Betrieb bei der VP Pass und Meldewesen diese Reise und die fragen dann das MfS und die wiederum die SED Kreisleitung ?
Und wenn der Mitarbeiter für Sicherheitsfragen in der SED Kreisleitung ja sagt und das MfS nein.
Dann wäre doch aus dieser Reise nichts geworden. Oder wie ging das damals?




Ich versuche es einmal richtig zu stellen - auch in wenigen Zeilen, wenn auch diese Thematik sehr komplex ist. Ich bin zwar bis dato nicht GVS-, VVS-, VS- und VD-entpflichtet, aber das tut nichts zur Sache.
Den Mitarbeiter für Sicherheitsfragen gab es in jeder Bezirks- und Kreisleitung der SED - im ZK war es der Abteilungsleiter für Sicherheitsfragen. Die Mitarbeiter für Sicherheitsfragen kamen in der Regel aus den bewaffneten Organen der DDR und hatten auch militärische Dienstgrade, bei den Kreisleitungen in der Regel Hauptmann bzw. Major, in der Bezirksleitung überwiegend Oberst. Sie unterstanden direkt dem jeweiligem 1. Sekretär und hielten zwischen diesem und den Dienststellen des MfS, der Volkspolizei, des Strafvollzuges usw. die Verbindung, d.h. auch den Informationsaustausch.
Sie entschieden jedoch nicht wer reisen darf und wer nicht.
Reisekader wurden auf der Grundlage einer Reisekadernomenklatur der staatlichen Leitungen ausgewählt und von ihnen auch zur Sicherheitsüberprüfung durch das MfS eingereicht. Das Dokument, das Alfred freundlicherweise hier hineingestellt hat. Im Vorfeld gab es aber schon entsprechende Konsultationen mit den entsprechenden Führungsebenen der Partei. Gab es dort schon Einwände und Bedenken, dann kam es auch nicht zur betreffenden Sicherheitsüberprüfung. Also entschied schon die Partei im Vorfeld, wer Reisekader wird und wer nicht.
Wenn die Sicherheitsüberprüfung stattgefunden hat, dann gab es seitens des MfS entweder Zustimmung, Bedenken oder Ablehnung aus unterschiedlichen Aspekten.
Wenn aber die Zustimmung aller Beteiligten vorlag, dann wurde seitens des Betriebes bei der zuständigen Meldestelle der VP (Pass-und Meldewesen) der Reisepass für den Betreffenden beantragt. Dieser Pass blieb Eigentum des Betriebes und wurde entweder bei der Betriebsleitung oder den dafür veranrtwortlichen Reisestellen hinterlegt und nur bei Dienstreisen in Verbindung mit einem Dienstreiseauftrag ausgehändigt.

Ist das jetzt verständlich ???

Vierkrug


damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 10.05.2013 19:09 | nach oben springen

#70

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 10.05.2013 19:46
von damals wars | 12.183 Beiträge

Vierkrug

Das ist doch für die Hubertusknaben viel zu kompliziert, das wollen die doch gar nicht begreifen.
Passt nicht in ihr einfaches Weltbild.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
seaman, Küchenbulle 79 und passport haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#71

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 10.05.2013 19:57
von schnatterinchen (gelöscht)
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Ich versuche es einmal richtig zu stellen - auch in wenigen Zeilen, wenn auch diese Thematik sehr komplex ist. Ich bin zwar bis dato nicht GVS-, VVS-, VS- und VD-entpflichtet, aber das tut nichts zur Sache.
Den Mitarbeiter für Sicherheitsfragen gab es in jeder Bezirks- und Kreisleitung der SED - im ZK war es der Abteilungsleiter für Sicherheitsfragen. Die Mitarbeiter für Sicherheitsfragen kamen in der Regel aus den bewaffneten Organen der DDR und hatten auch militärische Dienstgrade, bei den Kreisleitungen in der Regel Hauptmann bzw. Major, in der Bezirksleitung überwiegend Oberst. Sie unterstanden direkt dem jeweiligem 1. Sekretär und hielten zwischen diesem und den Dienststellen des MfS, der Volkspolizei, des Strafvollzuges usw. die Verbindung, d.h. auch den Informationsaustausch.
Sie entschieden jedoch nicht wer reisen darf und wer nicht.
Reisekader wurden auf der Grundlage einer Reisekadernomenklatur der staatlichen Leitungen ausgewählt und von ihnen auch zur Sicherheitsüberprüfung durch das MfS eingereicht. Das Dokument, das Alfred freundlicherweise hier hineingestellt hat. Im Vorfeld gab es aber schon entsprechende Konsultationen mit den entsprechenden Führungsebenen der Partei. Gab es dort schon Einwände und Bedenken, dann kam es auch nicht zur betreffenden Sicherheitsüberprüfung. Also entschied schon die Partei im Vorfeld, wer Reisekader wird und wer nicht.
Wenn die Sicherheitsüberprüfung stattgefunden hat, dann gab es seitens des MfS entweder Zustimmung, Bedenken oder Ablehnung aus unterschiedlichen Aspekten.
Wenn aber die Zustimmung aller Beteiligten vorlag, dann wurde seitens des Betriebes bei der zuständigen Meldestelle der VP (Pass-und Meldewesen) der Reisepass für den Betreffenden beantragt. Dieser Pass blieb Eigentum des Betriebes und wurde entweder bei der Betriebsleitung oder den dafür veranrtwortlichen Reisestellen hinterlegt und nur bei Dienstreisen in Verbindung mit einem Dienstreiseauftrag ausgehändigt.

Ist das jetzt verständlich ???

Vierkrug


Hmm na ja , weiß nicht recht.
wer waren denn die staatlichen Leitungen und die entsprechenden Führungsebenen der Partei?
Was wenn sich Partei und MfS nicht einig waren über einen Kandidaten? Wer hatte das letzte Wort?
Die VP hat dann nur noch abgestempelt, oder bestand da noch die "Gefahr" der Ablehnung?


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#72

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 10.05.2013 20:31
von Gelöschtes Mitglied
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Ich gebe es auf, hier weiter Nachhilfeunterricht zu geben, ein sinnloses Unterfangen !!!

Vierkrug


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#73

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 10.05.2013 20:34
von schnatterinchen (gelöscht)
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Zitat von Vierkrug im Beitrag #72
Ich gebe es auf, hier weiter Nachhilfeunterricht zu geben, ein sinnloses Unterfangen !!!

Vierkrug


Wieso Nachhilfe. Aufklärung!
War doch alles geheim.


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#74

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 10.05.2013 20:46
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von schnatterinchen im Beitrag #71
Ich versuche es einmal richtig zu stellen - auch in wenigen Zeilen, wenn auch diese Thematik sehr komplex ist. Ich bin zwar bis dato nicht GVS-, VVS-, VS- und VD-entpflichtet, aber das tut nichts zur Sache.
Den Mitarbeiter für Sicherheitsfragen gab es in jeder Bezirks- und Kreisleitung der SED - im ZK war es der Abteilungsleiter für Sicherheitsfragen. Die Mitarbeiter für Sicherheitsfragen kamen in der Regel aus den bewaffneten Organen der DDR und hatten auch militärische Dienstgrade, bei den Kreisleitungen in der Regel Hauptmann bzw. Major, in der Bezirksleitung überwiegend Oberst. Sie unterstanden direkt dem jeweiligem 1. Sekretär und hielten zwischen diesem und den Dienststellen des MfS, der Volkspolizei, des Strafvollzuges usw. die Verbindung, d.h. auch den Informationsaustausch.
Sie entschieden jedoch nicht wer reisen darf und wer nicht.
Reisekader wurden auf der Grundlage einer Reisekadernomenklatur der staatlichen Leitungen ausgewählt und von ihnen auch zur Sicherheitsüberprüfung durch das MfS eingereicht. Das Dokument, das Alfred freundlicherweise hier hineingestellt hat. Im Vorfeld gab es aber schon entsprechende Konsultationen mit den entsprechenden Führungsebenen der Partei. Gab es dort schon Einwände und Bedenken, dann kam es auch nicht zur betreffenden Sicherheitsüberprüfung. Also entschied schon die Partei im Vorfeld, wer Reisekader wird und wer nicht.
Wenn die Sicherheitsüberprüfung stattgefunden hat, dann gab es seitens des MfS entweder Zustimmung, Bedenken oder Ablehnung aus unterschiedlichen Aspekten.
Wenn aber die Zustimmung aller Beteiligten vorlag, dann wurde seitens des Betriebes bei der zuständigen Meldestelle der VP (Pass-und Meldewesen) der Reisepass für den Betreffenden beantragt. Dieser Pass blieb Eigentum des Betriebes und wurde entweder bei der Betriebsleitung oder den dafür veranrtwortlichen Reisestellen hinterlegt und nur bei Dienstreisen in Verbindung mit einem Dienstreiseauftrag ausgehändigt.

Ist das jetzt verständlich ???

Vierkrug


Hmm na ja , weiß nicht recht.
wer waren denn die staatlichen Leitungen und die entsprechenden Führungsebenen der Partei?
Was wenn sich Partei und MfS nicht einig waren über einen Kandidaten? Wer hatte das letzte Wort?
Die VP hat dann nur noch abgestempelt, oder bestand da noch die "Gefahr" der Ablehnung?


So letztmalig und dann ist Schluß für mich.
Staatliche Leitungen = Betriebs- und Kombinatsleitungen, Institutsleitungen, Leitungen wissenschaftlicher Einrichtungen etc.
Führungsebenen der Partei = BPO-Leitung, Kreis- und Industriekreisleitung, Institutsparteileitungen, Parteileitungen von Universitäten, Akademien u.ä.
Wenn die Partei im Vorfeld schon Bedenken gegenüber den von der staatlichen Leitung vorgeschlagenen Reisekader hatte und diesen abgelehnt hatte, dann kam es erst garnicht zur Sicherheitsüberprüfung des Betreffenden durch das MfS !!!
Und die Meldestelle (Pass-und Meldewesen) war nur noch ausführende Stelle für die Passangelegenheiten. Die VP konnte überhaupt nichts mehr drehen oder gar ablehnen !!!

Vierkrug


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#75

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 10.05.2013 21:41
von Thunderhorse | 4.016 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #69
[

Ich versuche es einmal richtig zu stellen - auch in wenigen Zeilen, wenn auch diese Thematik sehr komplex ist. Ich bin zwar bis dato nicht GVS-, VVS-, VS- und VD-entpflichtet, aber das tut nichts zur Sache.

Vierkrug





Anmerkung:

Immerhin gibt es eine Aufhebung der Schweigepflicht, die wohl auch die o.a. VVS, GVS, etc. beinhaltet.
Wimre könnte diese auf die eine oder andere Person hier sicherlich zutreffen.

http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/DDRGes...maerz_text.html

http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/DDRGes...218_list%253D10
http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/DDRGes...218_list%253D11
http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/DDRGes...0246_list%253D9
http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/DDRGes...246_list%253D21

Sind jetzt über 23 Jahre vergangen.


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#76

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 10.05.2013 21:42
von Thunderhorse | 4.016 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #67
Zitat von Thunderhorse im Beitrag #65
Zitat von Alfred im Beitrag #63
Zitat von schnatterinchen im Beitrag #62
[quote=Vierkrug|p251716][blau][quote=schnatterinchen]

Seit wann hat die Stasi ihre Entscheidungen begründet? Wenn ja, wem bitteschön?

Das letzte Wort hatte doch immer die Stasi.





Die entsprechende Richtlinie ist hier zu finden:

http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/MfS-Do...publicationFile


Auszug:
Sicherheitsüberprüfungen sind politisch-operative Überprüfungsmaßnahmen des MfS.
Durch den zielgerichteten Einsatz der operativen Kräfte und Mittel sowie die Auswertung gespeicherter und von anderen staatlichen Organen und Einrichtungen bzw. gesellschaftlichen Organisationen erarbeiteter Informationen sind alle erforderlichen Informationen zu der zu überprüfenden Person, zu ihrem Umgangskreis und ihren Verbindungen zu erarbeiten bzw. zusammenzuführen, die eine Einschätzung der sicherheitspolitischen Eignung gemäß den an sie zu stellenden sicherheitspolitischen Anforderungen ermöglichen.
Zum Abschluss jeder Sicherheitsüberprüfung ist die Entscheidung zu treffen, ob dem vorgesehenen Einsatz bzw. der Erteilung der Erlaubnis oder Genehmigung zugestimmt werden kann.


Der Rest steht in der Richtlinie Nr. 1/82.




TH,

in der RL ist u.a. aber auch zu lesen :

"Erfolgt durch die staatlichen Leiter bzw. die zuständigen Funktionäre entgegen der Entscheidung des MfS der vorgesehene Einsatz bzw. die Erteilung der Erlaubnis oder Genehmigung, hat der Leiter der zuständigen Diensteinheit seinen übergeordneten Leiter zu informieren und weitere erforderliche Maßnahmen vorzuschlagen."
Sprich, es gab auch solche Fälle.



Und letztlich kam die Entscheidung, wenn erforderlich, von ganz oben.


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#77

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 10.05.2013 21:45
von Thunderhorse | 4.016 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #70
Vierkrug

Das ist doch für die Hubertusknaben viel zu kompliziert, das wollen die doch gar nicht begreifen.
Passt nicht in ihr einfaches Weltbild.


Eher hab ich inzwischen den Eindruck, so mancher ehemaligen der "Firma" verstehet die eigenen Weisungen/Befehlen nicht oder nicht mehr.


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#78

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 10.05.2013 21:54
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Vierkrug im Beitrag #74
Zitat von schnatterinchen im Beitrag #71
Ich versuche es einmal richtig zu stellen - auch in wenigen Zeilen, wenn auch diese Thematik sehr komplex ist. Ich bin zwar bis dato nicht GVS-, VVS-, VS- und VD-entpflichtet, aber das tut nichts zur Sache.
Den Mitarbeiter für Sicherheitsfragen gab es in jeder Bezirks- und Kreisleitung der SED - im ZK war es der Abteilungsleiter für Sicherheitsfragen. Die Mitarbeiter für Sicherheitsfragen kamen in der Regel aus den bewaffneten Organen der DDR und hatten auch militärische Dienstgrade, bei den Kreisleitungen in der Regel Hauptmann bzw. Major, in der Bezirksleitung überwiegend Oberst. Sie unterstanden direkt dem jeweiligem 1. Sekretär und hielten zwischen diesem und den Dienststellen des MfS, der Volkspolizei, des Strafvollzuges usw. die Verbindung, d.h. auch den Informationsaustausch.
Sie entschieden jedoch nicht wer reisen darf und wer nicht.
Reisekader wurden auf der Grundlage einer Reisekadernomenklatur der staatlichen Leitungen ausgewählt und von ihnen auch zur Sicherheitsüberprüfung durch das MfS eingereicht. Das Dokument, das Alfred freundlicherweise hier hineingestellt hat. Im Vorfeld gab es aber schon entsprechende Konsultationen mit den entsprechenden Führungsebenen der Partei. Gab es dort schon Einwände und Bedenken, dann kam es auch nicht zur betreffenden Sicherheitsüberprüfung. Also entschied schon die Partei im Vorfeld, wer Reisekader wird und wer nicht.
Wenn die Sicherheitsüberprüfung stattgefunden hat, dann gab es seitens des MfS entweder Zustimmung, Bedenken oder Ablehnung aus unterschiedlichen Aspekten.
Wenn aber die Zustimmung aller Beteiligten vorlag, dann wurde seitens des Betriebes bei der zuständigen Meldestelle der VP (Pass-und Meldewesen) der Reisepass für den Betreffenden beantragt. Dieser Pass blieb Eigentum des Betriebes und wurde entweder bei der Betriebsleitung oder den dafür veranrtwortlichen Reisestellen hinterlegt und nur bei Dienstreisen in Verbindung mit einem Dienstreiseauftrag ausgehändigt.

Ist das jetzt verständlich ???

Vierkrug


Hmm na ja , weiß nicht recht.
wer waren denn die staatlichen Leitungen und die entsprechenden Führungsebenen der Partei?
Was wenn sich Partei und MfS nicht einig waren über einen Kandidaten? Wer hatte das letzte Wort?
Die VP hat dann nur noch abgestempelt, oder bestand da noch die "Gefahr" der Ablehnung?


So letztmalig und dann ist Schluß für mich.
Staatliche Leitungen = Betriebs- und Kombinatsleitungen, Institutsleitungen, Leitungen wissenschaftlicher Einrichtungen etc.
Führungsebenen der Partei = BPO-Leitung, Kreis- und Industriekreisleitung, Institutsparteileitungen, Parteileitungen von Universitäten, Akademien u.ä.
Wenn die Partei im Vorfeld schon Bedenken gegenüber den von der staatlichen Leitung vorgeschlagenen Reisekader hatte und diesen abgelehnt hatte, dann kam es erst garnicht zur Sicherheitsüberprüfung des Betreffenden durch das MfS !!!
Und die Meldestelle (Pass-und Meldewesen) war nur noch ausführende Stelle für die Passangelegenheiten. Die VP konnte überhaupt nichts mehr drehen oder gar ablehnen !!!

Vierkrug



Blau markiert bitte beachten !!!
Ansonsten konnten in letzter Instanz auch Entscheidungen von ganz oben getroffen werden - das stimmt. War aber nicht die Regel.

Vierkrug


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#79

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 10.05.2013 21:59
von Thunderhorse | 4.016 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #78
[Staatliche Leitungen = Betriebs- und Kombinatsleitungen, Institutsleitungen, Leitungen wissenschaftlicher Einrichtungen etc.
Führungsebenen der Partei = BPO-Leitung, Kreis- und Industriekreisleitung, Institutsparteileitungen, Parteileitungen von Universitäten, Akademien u.ä.
Wenn die Partei im Vorfeld schon Bedenken gegenüber den von der staatlichen Leitung vorgeschlagenen Reisekader hatte und diesen abgelehnt hatte, dann kam es erst garnicht zur Sicherheitsüberprüfung des Betreffenden durch das MfS !!!
Und die Meldestelle (Pass-und Meldewesen) war nur noch ausführende Stelle für die Passangelegenheiten. Die VP konnte überhaupt nichts mehr drehen oder gar ablehnen !!!

Vierkrug



Blau markiert bitte beachten !!!
Ansonsten konnten in letzter Instanz auch Entscheidungen von ganz oben getroffen werden - das stimmt. War aber nicht die Regel.

Vierkrug[/quote]


Aber auch kein Einzelfall!!!

Sollte es deinerseits wegen meiner Postings nochmal wiederholt worden sein, hätteste es Dir ersparen können.

Schöner wäre es wenn man gleich von sich aus auch auf die nicht unbedingt der Regel entsprechenden Verfahrensweisen hinweisen würde.

Wurde ja schon mal auf einen Beitrag hin nachgelöffelt.


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#80

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 10.05.2013 22:04
von Lutze | 8.039 Beiträge

mir hat man noch nicht einmal zu DDR-Zeiten ein Visum für
Ungarn erteilt
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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