#81

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.07.2009 21:54
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo Thomas,
danke für die Antwort. Bei den Transitstrecken meinst du sicher die durch die DDR.

So ganz stimmt das aber nicht, denke ich. Bei mir gab es zumindest 2 Ausnahmen aufgrund von schwerer Erkrankung bzw. Sterbefälle.
Allerdings war ich zu der Zeit schon fast 3 Jahre im Westen. Ich sollte zu einer Beerdigung fahren. Die Genehmigung kam per Telegramm. Dieses hat man aber erst dann abgeschickt, als man sicher war, das ich es zeitlich nicht mehr schaffen würde.
Heute weiß ich den Grund. Ein entfernter Verwandter war Stadtrat und wollte ein Zusammentreffen mit mir verhindern.
So kam ich erst 3 h später an.
Danach hatte ich wieder Einreiseverbot. Ein Jahr später erlebte ich es nochmal so ähnlich.

Gruß, Augenzeuge


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#82

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.07.2009 22:20
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo Thomas und Augenzeuge,
Nach meiner Flucht 1968 gab es im Oktober 1972 in der DDR eine Amnestie.Von da ab durfte ich wieder einreisen! Allerdings von 1976-1983 wurde mir die Einreise ohne Angabe von Gründen wieder verweigert. Meine Mutter beantragte jedes Jahr den Berechtigungsschein zum Empfang eines Einreisevisums in die DDR. 1984 durfte ich plötzlich wieder einreisen. In der Zeit meiner erneuten Sperre durfte ich nicht einmal die Transitstrecke benutzen! Ostberlin war natürlich auch gesperrt! Gruß Peter(Turtle)


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#83

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.07.2009 22:22
von Bunkerkommandant (gelöscht)
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In Antwort auf:
Bei den Transitstrecken meinst du sicher die durch die DDR.


Also ich kenne aus Lehrfilmen auch die Observation, gerade in solchen Fällen auch bis ins Ausland.
Beispielsweise wurde bis in die ČSSR, VR Polen u.ä. weiterobserviert durch "mitreisende" Mitarbeiter, die die Observierung im Ausland weiterführten. Nur ein Zugriff durch "DDR-Personal" wäre dort nicht erfolgt worden.

Im Sterbefall hat man dann sicherlich die Einreise gestattet, das kann sein. Das war dann die Ausnahme, da konnte sich die Firma mal menschlich" zeigen... wenn ich das mal so ausdrücken darf. Sicher unglücklich gewählt, der Ausdruck, für Deine Verhältnisse...

Wir lesen uns,
Thomas.


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#84

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 04.07.2009 09:59
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von Augenzeuge
Ein paar Fragen an unsere MfS-Experten:

Dinge die mich schon immer interessiert haben:

Wie lief das eigentlich mit den ausgereisten DDR-Bürgern in Bezug auf Wiedereinreise ab?
Gab es hier eine Verordnung/ Verfügung? Wer konnte über eine besuchsweise Einreise überhaupt entscheiden?
Waren besondere Familienereignisse relevant? Wieso gab es hier große Unterschiede bei den Genehmigungen?
Was passierte, wenn man sich auf den Transitstrecken mit DDR-Bürgern traf, aber sonst nicht einreisen durfte?

Gruß, Augenzeuge


grundsätzlich wurden diese bürger für mindestens 2 jahre bzgl. der widereinreise gesperrt. ausnahme war hier die eheschliessung. alle 2 jahre wurde die sperre auf notwendigkeit überprüft und wenn nötig verlängert.
meines erachtens war hier für zuständig die bkg bzw. zkg (will mich dort aber nicht genau festlegen) in absprache mit dem operativen mitarbeiter auf den die erfassung der betreffenden person lief.

die raststätten an den transitstrecken wurden durch die ha VIII bzw. abt. VIII überwacht. eine kontaktaufnahme (wenn man sie als solches erkannte) wurde dokumentiert. wenn dabei nicht noch schmuggel eine rolle spielte passierte in der regel nichts.


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#85

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 04.07.2009 10:14
von dein1945 (gelöscht)
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Wie lief das eigentlich mit den ausgereisten DDR-Bürgern in Bezug auf Wiedereinreise ab?

Hallo und guten Morgen,

es traf nicht nur ausgereiste, sondern auch ausgewiesene ehemalige DDR-Bürger. Ich hatte anfang 1973 jemanden eingestellt, der auf Grund der Amnestie oder Freikauf nach West-Berlin ausgewiesen wurde. Der gute Mann hatte irgentwann als Grenzer die Flucht in den Westen gewagt, was ihm auch glückte. Seine Eltern haben ihn immer wieder zur Rückkehr aufgefordert, als man ihm auch noch Straffreiheit zugesichert hat, ist er, ich glaube 1968 in die DDR zurück. Nichts mit Straffreiheit, es gab 7 Jahre, nach 3 1/2 Jahren dann Abschiebung nach WB. Anfangs konnte er auch einige Male wieder einreisen, warum er ständig dahin wollte konnte ich nicht nachvollziehen. Irgentwann war damit Schluß, von Heut auf Morgen keine Einreise mehr. Es wurden auch Anträge von seiner Schwester in der DDR gestellt, alle abgelehnt. Anfang der achtziger Jahre hat er es anderweitig versucht, er hatte einen Doppel-Vornamen, in seinem Ausweis war aber nur der erste Vorname eingetragen, also Antrag gestellt und es wurde genehmigt. Am Übergang bei der Einreise wurde ihm gesagt, daß er doch K-D. wäre, er hat dies bestritten und konnte Einreisen. Einige Zeit danach wieder Antrag, diesmal aus Dieter, einfach Diter gemacht, wieder das selbe Spiel, es hat geklappt, beim dritten Versuch wurde ihm klipp und klar gesagt, sie können auf den Antrag schreiben was sie wollen, wir wissen wer sie sind und nun ab zurück nach WB.


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#86

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 06.07.2009 06:15
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von GilbertWolzow
Zitat von Augenzeuge
Ein paar Fragen an unsere MfS-Experten:
Dinge die mich schon immer interessiert haben:

Wie lief das eigentlich mit den ausgereisten DDR-Bürgern in Bezug auf Wiedereinreise ab?
[snip]
Gruß, Augenzeuge

grundsätzlich wurden diese bürger für mindestens 2 jahre bzgl. der widereinreise gesperrt. ausnahme war hier die eheschliessung. alle 2 jahre wurde die sperre auf notwendigkeit überprüft und wenn nötig verlängert.
[snip]


Hmm, wuerde mich auch interessieren: Was waren denn da fuer Notwendigkeiten notwendig um die Sperre zu verlaengern? (Unsere Familie ist ganz am Anfang der 80er legal ausgereist, mir wurde die Einreise bis zum Ende verwehrt).
-Th


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#87

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 06.07.2009 09:24
von dein1945 (gelöscht)
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Hmm, wuerde mich auch interessieren: Was waren denn da fuer Notwendigkeiten notwendig um die Sperre zu verlaengern? (Unsere Familie ist ganz am Anfang der 80er legal ausgereist, mir wurde die Einreise bis zum Ende verwehrt

Hallo und guten Morgen,

ich hatte ja schon über einen ehemaligen Mitarbeiter geschrieben, nun auch dazu meine Erinnerungen. Sein Schwager betrieb in einem kleinen Ort bei Frankfurt/Oder einen Handwerksbetrieb, eines Tages kam ein ehemaliger Schulkamerad, er wollte im Ort bauen. Jedem war bekannt, der ist bei der Stasi ! Nach dem Motto, eine Hand wäscht die Andere, fragte er ihn warum kann K-D., nicht einreisen ? Nach einigen Tagen dann die Antwort, die Eltern wollen es nicht. Anschließend Familienkrach, die Eltern zogen ihre Ablehnung zurück und K-D. konnte ab mitte der achtziger Jahre wieder einreisen. Das ging ohne weitere Unterbrechung bis zur Wende so weiter. Es war nicht immer der Staat, auch von anderer Stelle konnte man das Einreisen verhindern. Übrigens schon bald hat er bei mir gekündigt und zog in die Neuen Bundesländer, das Heimweh war wohl doch sehr groß.


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#88

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 06.07.2009 09:28
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

da konnten mehrere dinge zusammenkommen.
1. negative grundeinstellung zur ddr im rahmen des antragsverfahren auf ständige übersiedlung
2. durch wiedereinreise in die ddr wurde eine sog-wirkung innerhalb des familienkreises befürchtet
3. die postkontrolle o.ä. erbrachte weiterhin eine negative grundeinstellung zur ddr

alle 3 von mir aufgeführten gründe sind sehr oberflächlich. es können auch andere, mir nicht bekannte gründe, dahinter stehen.


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#89

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 06.07.2009 09:33
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

In Antwort auf:
fragte er ihn warum kann K-D., nicht einreisen ? Nach einigen Tagen dann die Antwort, die Eltern wollen es nicht. Anschließend Familienkrach, die Eltern zogen ihre Ablehnung zurück und K-D. konnte ab mitte der achtziger Jahre wieder einreisen. Das ging ohne weitere Unterbrechung bis zur Wende so weiter. Es war nicht immer der Staat, auch von anderer Stelle konnte man das Einreisen verhindern.


danke dein1945, auch das war alles möglich. heute wird aber zu gerne alles auf´s mfs (als allgemeiner sündenbock) geschoben.
die ablehnungsgründe die ich aufführte betrafen ausschliesslich das mfs. auch andere konnten ablehnungsgründe vortragen u.a. die familienangehörigen oder auch das mdi.


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#90

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 06.07.2009 17:13
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Ergänzend ist noch mitzuteilen, daß bei Antragstellungen (für Übersiedler mit Einreisesperre) zu besonderen Anlässen durch die DDR-Verwandten, die Einreisesperren gesondert überprüft wurden. Ablehnungsgründe durften in so einem Falle nicht pauschal erklärt werden, sondern mußten intern gesondert und schriftlich begründet werden. In unserem Fall ist das passiert. Angabe für die weitere Verweigerung der Einreise nach 2 Jahren und in wichtigen Familienangelenheiten war die "besonders hartnäckige Durchsetzung des Ausreisebegehrens" bei den zuständigen DDR-Behörden....

Anlaß für diese Beurteilung des "Sündenbock"-Schreiberlings scheint jedoch eher die Tatsache gewesen zu sein, daß ich mich den Erpressungsversuchen des MfS zu einer Mitarbeit widersetzte. Und sich wegen der abgrundtiefen Dämlichkeit der Stasi im wiederholten Falle, nun in unserer Ausreise-Angelegenheit die humanitären Beauftragten v.d.Schulenburg (West) und Vogel (Ost) in den Ausreise-Ablauf einschalteten und die beschleunigte Abwicklung ermöglichten....

Insofern mutierte die Stasi zu Helfern einer schnelleren Ausreise. Da soll einer noch sagen, daß die Tschekisten nicht von einer tiefen Menschenliebe beseelt waren! Ihr Chef hat es doch selbst zu Protokoll gegeben, daß er "alle liebt"....


zuletzt bearbeitet 06.07.2009 17:21 | nach oben springen

#91

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 06.07.2009 18:23
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

In Antwort auf:
Ergänzend ist noch mitzuteilen, daß bei Antragstellungen (für Übersiedler mit Einreisesperre) zu besonderen Anlässen durch die DDR-Verwandten, die Einreisesperren gesondert überprüft wurden. Ablehnungsgründe durften in so einem Falle nicht pauschal erklärt werden, sondern mußten intern gesondert und schriftlich begründet werden.


nur bei ablehnungsgründe durch das mdi. bei ablehnungsgründen durch das mfs wurden die ablehnungsgründe bei der pass-und meldestelle nicht begründet. dies führte oft zu unmut bei den mitarbeitern der pass-und meldestelle.

In Antwort auf:
In unserem Fall ist das passiert. Angabe für die weitere Verweigerung der Einreise nach 2 Jahren und in wichtigen Familienangelenheiten war die "besonders hartnäckige Durchsetzung des Ausreisebegehrens" bei den zuständigen DDR-Behörden...


das dies einer der gründe sein konnte, hatte ich oben genannt.

In Antwort auf:
Anlaß für diese Beurteilung des "Sündenbock"-Schreiberlings scheint jedoch eher die Tatsache gewesen zu sein, daß ich mich den Erpressungsversuchen des MfS zu einer Mitarbeit widersetzte.


lt. richtlinien für die zusammenarbeit mit im´s sollte die erpressung nur in sonderfällen genutzt werden, da man sich klar war, dass dies keine dauerhafte und vertrauensvolle zusammenarbeit sein konnte...

In Antwort auf:
Und sich wegen der abgrundtiefen Dämlichkeit der Stasi im wiederholten Falle,


kannst du das bitte etwas konkretisieren ?
In Antwort auf:

Da soll einer noch sagen, daß die Tschekisten nicht von einer tiefen Menschenliebe beseelt waren! Ihr Chef hat es doch selbst zu Protokoll gegeben, daß er "alle liebt"...


sollten wir uns billige polemik nicht sparen? ich glaube es reicht, wenn die zeitung bereits voll ist damit.


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#92

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 06.07.2009 18:49
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

hier der foliensatz für die schulen des höchsten derzeit vorhandenen kompetenz-zentrums:

http://www.bstu.bund.de/cln_012/nn_71416...nsatz_farbe.pdf


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#93

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 06.07.2009 19:40
von manudave (gelöscht)
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In Antwort auf:
sollten wir uns billige polemik nicht sparen? ich glaube es reicht, wenn die zeitung bereits voll ist damit.



Damit wird man immer wieder hier rechnen müssen. Nicht jeder ist bereit, mirnix dirnix mit Stasi-Mitarbeitern zu reden, als ob niemals etwas gewesen wäre und man das einfach sachlich behandeln kann.
Dafür ist zuviel passiert - man sollte auch für manch scharfen Kommentar eines Opfers Verständnis haben.


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#94

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.07.2009 07:46
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von GilbertWolzow
da konnten mehrere dinge zusammenkommen.
1. negative grundeinstellung zur ddr im rahmen des antragsverfahren auf ständige übersiedlung
Nun, das eine setzte einfach das andere voraus. Eine "negative grundeinstellung" (wieder ein schoenes DDR Wort) wurde einem ja immer bei den entsprechenden Gespraechen vorgeschoben, egal wie sehr man beteuerte das einem die ganze DDR eigentlich egal ist und man nur zu seiner Familie moechte. Von daher war eine "negative grundeinstellung" bei Ausreisewilligen praktisch immer der Fall.
Zitat von GilbertWolzow
2. durch wiedereinreise in die ddr wurde eine sog-wirkung innerhalb des familienkreises befürchtet
War bei uns nicht eher nicht der Fall, wir waren praktisch die letzten.
Zitat von GilbertWolzow
3. die postkontrolle o.ä. erbrachte weiterhin eine negative grundeinstellung zur ddr
Auch eher unwarscheinlich, nachdem wir die Post und Telefongeschichte (als gebrannte DDR-Angehoerige) eher gemieden, und uns dann eher ausserhalb der DDR getroffen haben.

Ich glaub' das hat dann eher was mit dem zu tun was FSK-Veteran da erwaehnt, naehmlich das es Anwerbungsversuche der Stasi gegenueber meinem Vater gab. Anscheinend hat sich die Stasi da auch etwas "unvorsichtig" (clumsy) verhalten, auf jeden Fall waren auf einmal die Rechtsanwaelte v. Wedel und Vogel involviert, ab da ging die Geschichte ziemlich zuegig (allerdings nicht ueberstuerzt). Allerdings glaub' ich das man damit automatisch auf 'ner schwarzen Liste landete.
Allerding, ich war zu diesem Zeitpunkt 15, man hat mich als ich dann volljaehrig war trotzdem nicht wieder 'reingelassen (ausser ein paar mal mittels Tagesvisa in Berlin). Das hat dann immer so ausgeschaut wie unten angehaengt:

-Th

Angefügte Bilder:
Einreise-Ablehnung 003.jpg

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#95

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.07.2009 08:15
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von manudave
In Antwort auf:
sollten wir uns billige polemik nicht sparen? ich glaube es reicht, wenn die zeitung bereits voll ist damit.



Damit wird man immer wieder hier rechnen müssen. Nicht jeder ist bereit, mirnix dirnix mit Stasi-Mitarbeitern zu reden, als ob niemals etwas gewesen wäre und man das einfach sachlich behandeln kann.
Dafür ist zuviel passiert - man sollte auch für manch scharfen Kommentar eines Opfers Verständnis haben.



genau @manudave, zwischen billiger polemik und nicht reden wollen ist ein himmelweiter unterschied. auch dürften wir in der lage sein zwischen einem "scharfen kommentar" und polemik zu unterscheiden.


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#96

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.07.2009 08:20
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

In Antwort auf:
Nun, das eine setzte einfach das andere voraus. Eine "negative grundeinstellung" (wieder ein schoenes DDR Wort) wurde einem ja immer bei den entsprechenden Gespraechen vorgeschoben, egal wie sehr man beteuerte das einem die ganze DDR eigentlich egal ist und man nur zu seiner Familie moechte. Von daher war eine "negative grundeinstellung" bei Ausreisewilligen praktisch immer der Fall.


@captdelta, intern wurde von anfang an sehr wohl unterschieden. leider war es oftmals so, dass die damen und herren von inneres dem antragsteller was anderes vorhielten als sie anschliessend notierten. ich glaube, nur höchstens 10 - 20 % aller antragsteller hatten eine negative grundeinstellung, allen anderen ging es um eine materielle besserstellung (was völlig normal war).

danke für deine antworten und dem scan von der abt. pass-und meldewesen. ich habe so etwas noch nie gesehen.


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#97

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.07.2009 10:28
von FSK-Veteran (gelöscht)
avatar

Zitat von GilbertWolzow
In Antwort auf:


In Antwort auf:
Anlaß für diese Beurteilung des "Sündenbock"-Schreiberlings scheint jedoch eher die Tatsache gewesen zu sein, daß ich mich den Erpressungsversuchen des MfS zu einer Mitarbeit widersetzte.


1)lt. richtlinien für die zusammenarbeit mit im´s sollte die erpressung nur in sonderfällen genutzt werden, da man sich klar war, dass dies keine dauerhafte und vertrauensvolle zusammenarbeit sein konnte...

[quote]Und sich wegen der abgrundtiefen Dämlichkeit der Stasi im wiederholten Falle,


2)kannst du das bitte etwas konkretisieren ?
In Antwort auf:

Da soll einer noch sagen, daß die Tschekisten nicht von einer tiefen Menschenliebe beseelt waren! Ihr Chef hat es doch selbst zu Protokoll gegeben, daß er "alle liebt"...


3)sollten wir uns billige polemik nicht sparen? ich glaube es reicht, wenn die zeitung bereits voll ist damit.


---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Zu 1)
Nach meinen Erfahrungen war es dem MfS vollkommen egal, ob die "Zusammenarbeit" erpresst wurde, oder ob jemand durch Zureden für eine Mitarbeit gewonnen werden konnte. Oft war es ja gar nicht möglich, ohne Erpressung eine denunziatorische Bereitschaft bei Menschen zu wecken. Menschen, die es von ihren natürlichen Anlagen her eher ablehnen, in der Frage "Recht und Gerechtigkeit" andere Menschen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen (z.B. "Freundschaft") hinter´s Licht zu führen und zu belügen. Sie auszuforschen. Sie zu denunzieren. Da war Erpressung (unter Bezugnahme auf Verfehlungen oder auf berufliche Ziele) sehr oft ein probates Mittel dieser Herrschaften...

zu 2)
Jetzt kann ich es ja klarstellen: in unserer Ausreiseangelegenheit war ich natürlich als Westler auf solche primitiven Schritte des MfS angewiesen, wenn ich unsere Ausreise-Angelegenheit (unter damals geschätzten ca.100.000 Antragstellern) wirksam befördern wollte. Durch diesen Anwerbungsversuch wurde ich in die Lage versetzt, im Westen die Dringlichkeit in unserer Sache enorm zu forcieren. Lange genug haben mich die Herren ja beschnüffelt, ehe sie (endlich!) tätig wurden. So konnte unsere Übersiedlungs-Angelegenheit nach erfolgreicher Abwehr dieser (ünrigens sehr dümmlich aufgezogenen) MfS-Geschichte von mir Westen dertig forciert werden, daß die Übersiedlung (unter nun bevorzugter Vermittlung der RA-Büros Jäger-v.d.Schulenburg(West)/Vogel(Ost) wenig später über die Bühne ging.
Ich habe ja gehofft, daß derartige oder ähnliche widerrechtliche Maßnahmen von Seiten der DDR-Machthaber schneller initiiert werden...

Wenigstens in dieser Hinsicht konnte man zuverlässig mit ihnen rechnen....

zu 3)Das war keine Polmik! Das war eine spaßhafte, korrekte Wiedergabe der Worte des Ministers für Staatssicherheit. Wenn ich Aufzeichnungen hörte, was dieser (der deutschen Sprache scheinbar nicht ganz mächtige) Prolet in seinen Sitzungen vom Stapel gelassen hat, kann ich nur sagen: so, wie er sich darstellte, hat er auch seinen Laden aufgezogen. Es ist immer wieder erstaunlich, daß Leute vom Format eines Großmann oder Wolff sich so einer Witz-Figur willig unterordneten (siehe Doku-Bilder). Das spricht auch ihnen eine gewisse Klasse ab (die man bei der Art ihrer öffentlichen Auftritte fasst vermuten könnte)....


zuletzt bearbeitet 07.07.2009 10:51 | nach oben springen

#98

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.07.2009 11:21
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

In Antwort auf:
Zu 1)
Nach meinen Erfahrungen war es dem MfS vollkommen egal, ob die "Zusammenarbeit" erpresst wurde, oder ob jemand durch Zureden für eine Mitarbeit gewonnen werden konnte. Oft war es ja gar nicht möglich, ohne Erpressung eine denunziatorische Bereitschaft bei Menschen zu wecken. Menschen, die es von ihren natürlichen Anlagen her eher ablehnen, in der Frage "Recht und Gerechtigkeit" andere Menschen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen (z.B. "Freundschaft") hinter´s Licht zu führen und zu belügen. Sie auszuforschen. Sie zu denunzieren. Da war Erpressung (unter Bezugnahme auf Verfehlungen oder auf berufliche Ziele) sehr oft ein probates Mittel dieser Herrschaften...


na du scheinst ja ein profi zu sein, dass du alles weisst. das es für die im- arbeit sagar richtlinien gab, ist dir nicht bekannt? und was richtlinien in einem militärisch geführten organ bedeuten, düfte eigentlich jedem klar sein, in dieser art von forum, oder etwa nicht ?

In Antwort auf:
zu 2)
Jetzt kann ich es ja klarstellen: in unserer Ausreiseangelegenheit war ich natürlich als Westler auf solche primitiven Schritte des MfS angewiesen, wenn ich unsere Ausreise-Angelegenheit (unter damals geschätzten ca.100.000 Antragstellern) wirksam befördern wollte. Durch diesen Anwerbungsversuch wurde ich in die Lage versetzt, im Westen die Dringlichkeit in unserer Sache enorm zu forcieren. Lange genug haben mich die Herren ja beschnüffelt, ehe sie (endlich!) tätig wurden. So konnte unsere Übersiedlungs-Angelegenheit nach erfolgreicher Abwehr dieser (ünrigens sehr dümmlich aufgezogenen) MfS-Geschichte von mir Westen dertig forciert werden, daß die Übersiedlung (unter nun bevorzugter Vermittlung der RA-Büros Jäger-v.d.Schulenburg(West)/Vogel(Ost) wenig später über die Bühne ging.
Ich habe ja gehofft, daß derartige oder ähnliche widerrechtliche Maßnahmen von Seiten der DDR-Machthaber schneller initiiert werden...

Wenigstens in dieser Hinsicht konnte man zuverlässig mit ihnen rechnen....


sorry fsk-veteran, ich verstehe kein wort davon. hier gibt es immer noch keinen zusammenhang. evtl. solltest du das noch einmal tiefgründiger erklären. deuten könnte ich deine zeilen wie folgt: es gab einen werbungsversuch vom mfs und auf grund dessen konntest du ra von schulenburg und ra vogel einschalten. wie gesagt, den zusammenhang bekomme ich noch nicht hin.


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#99

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.07.2009 14:04
von FSK-Veteran (gelöscht)
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zu 1) Da muß man kein Profi sein. Da reichen allein schon meine Erfahrungen aus Akteneinsichten aus. Und die Ergebnisse von Akteneinsichten mir befreundeter Bekannter und deren Erfahrungen mit anderen Fällen. Allein die Richtlinie, daß IM-Kandidaten keine politisch-negative Einstellung ggü.der DDR etc. besitzen dürfen, war ja die reinste Lachnummer! Vollkommen unberührt der Flut von DDR-Negativ-Statements in den Aussprachen/Ausreiseantragstellern erwogen lt. Aktenlage unbeeindruckt die mit dem Fall beauftragten Hanseln des MfS weiterhin, solche Person zu werben, wenn ein Interesse vorlag.

zu 2)
Richtig gedeutet, GilbertWolzow! Zur Erklärung:
Aufgrund von Vorkommnissen, die in den Augen der westlichen "Beauftragten für humanitäre Angelegenheiten" eine außergewöhnliche (negativ-dringliche) Qualität hatten, hatten diese "Beauftragten" (West) die Möglichkeit, die Dringlichkeit (auf den übergebenen Listen mit DDR-Ausreiseantragstellern, für die sich die Bundesregierung einsetzte) zu erhöhen. Und einzelne Fälle auf der Dinglichkeitsliste der Bundesbeauftragten ganz nach oben zu setzen. Die DDR-Seite hat in der Regel die von der Bundesregierung als "dringend" eingestuften Fälle auch berücksichtigt, wenn dem nicht außergewöhnliche Versagungsgründe entgegenstanden.

Als ich der Bundesbeauftragten von der vesuchten MfS-Erpessung berichtete (nach dem Motto: "... machen sie mit, oder wir schlagen die Ausreiseakte augenblicklich zu..."), waren wir auf einmal ganz oben. Ich hatte schon früher gehofft, daß sich die DDR-Seite widerrechtliche Aktionen leistet, die in den Augen der für mich zuständigen Beauftragten (West) eine erhöhte Dringlichkeit begründet. Dann schließlich war das MfS endlich so nett....

Die Bundesbeauftragte signalisierte mir dann auch, daß in unserer Angelegenheit aufgrund der Vorkommnisse eine besondere Dringlichkeit angemahnt wurde. Dementsprechend veränderte sich dann auch bei Abt. Inneres der Ton. Ich konnte (garantiert durch RA Vogel/DDR) wieder einreisen. Und es fand wenige Monate später die Übersiedlung statt.

Irgendwo zu mußten die Milliarden ja gut sein...


zuletzt bearbeitet 07.07.2009 14:34 | nach oben springen

#100

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.07.2009 15:17
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

In Antwort auf:
Allein die Richtlinie, daß IM-Kandidaten keine politisch-negative Einstellung ggü.der DDR etc. besitzen dürfen, war ja die reinste Lachnummer! Vollkommen unberührt der Flut von DDR-Negativ-Statements in den Aussprachen/Ausreiseantragstellern erwogen lt. Aktenlage unbeeindruckt die mit dem Fall beauftragten Hanseln des MfS weiterhin, solche Person zu werben, wenn ein Interesse vorlag.


sorry fsk-veteran, diese aussage finde ich in der gesamten richtlinie nicht. kannst du mir da weiterhelfen ?
p.s. ein interesse wird wohl immer vorgelegen haben


ansonsten danke für deine ausführungen bzgl. punkt 2. dadurch wurde es endlich für mich etwas klarer...(obwohl ich noch immer nicht nachvollziehen kann, wie man bei einer ablehnung eine webeversuches, auf der prioritätenliste ganz nach oben kommt)


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