#41

RE: "Versorgungsoasen"

in Leben in der DDR 19.03.2013 09:45
von Dedelebenberlin | 28 Beiträge

stimmt, aus der Tube,
auch mit Karamel- oder Schoko-Geschmack.
Gibt´s übrigens immer noch!



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#42

RE: "Versorgungsoasen"

in Leben in der DDR 19.03.2013 14:46
von StabsfeldKoenig | 2.648 Beiträge

Zitat von GKUS64 im Beitrag #31
Hallo erstmal,

ja auch in unserer Bezirksstadt DD gab es die bekannten Versorgungslücken. Manche konnte man mit Hilfe guter Freunde in Berlin mindern, z.B. zur Organisation von Kaffeemaschinen, Vorschalldämpfer und Auspuffrohre für den Trabbi. Dienstreisen nach Berlin zur Beschaffung von Schweizer Käse, waren immer begehrt.
Im Bereich der russischen Kasernen in DD befanden sich Läden, die zur „Sonderversorgung“ zählten. Diese Läden waren auch für die Zivilbevölkerung zugängig. Schnell sprach es sich dann herum wenn dort Bananen oder der begehrte, gemahlene und vakuumverpackte Kaffee Mocca-Fix im Angebot war.
Ja das waren Zeiten, man hatte wieder etwas „erwischt“ und hatte sein Erfolgserlebnis!

MfG

GKUS64



Die Öffnungszeiten waren in den sowjetischen Läden auch noch länger (ich glaube, bis 21.00 h), als bei Konsum und HO. Es gab auch Sonntagsöffnung (wir haben mal auf dem Rückweg von einem Sonntagsausflug in Eberswalde billige, gute Fischkonserven gekauft).



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#43

RE: "Versorgungsoasen"

in Leben in der DDR 19.03.2013 15:10
von Lutze | 8.039 Beiträge

habt ihr gar nicht daran gedacht,unsere armen und hungrigen Waffenbrüder
auch noch ihre Versorgungsoasen zu plündern?
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#44

RE: "Versorgungsoasen"

in Leben in der DDR 19.03.2013 15:28
von furry | 3.580 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #43
habt ihr gar nicht daran gedacht,unsere armen und hungrigen Waffenbrüder
auch noch ihre Versorgungsoasen zu plündern?
Lutze

@Lutze, die an Dienstgrad armen und hungrigen Waffenbrüder bekamen diese auf deutsch als Magazin bezeichneten Verkaufseinrichtungen auch nicht von innen zu sehen. Eher die, die mit Benzin und den von ihren Muschkoten handverlesenen Brikett gehandelt haben.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#45

RE: "Versorgungsoasen"

in Leben in der DDR 19.03.2013 17:41
von Unner Gräzer | 399 Beiträge

Wir haben auch immer auf der Rückfahrt von meiner Oma, übrigens immer sonntags nachmittags, in Grimma im "Russenmagazin" angehalten. Da waren mal drei solche aufgetakelten Offiziersmadkas drin (die hast du schon 100 Meter vor dem Laden riechen können), die haben da in rauhen Mengen Kaviardosen gekauft. Ich habe es aber auch erlebt, wie im selben Laden drei,vier kleine Soldaten zusammengelegt haben um sich ein paar Dörrfische für ein paar Pfennige zu kaufen. Die Unterschiede, die es ja im glorreichen Sozialismus gar nicht gab, waren beim großen Bruder noch um einiges größer als in der DDR.



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zuletzt bearbeitet 19.03.2013 17:43 | nach oben springen

#46

RE: "Versorgungsoasen"

in Leben in der DDR 19.03.2013 19:46
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Unner Gräzer das lag aber auch darin begründet, weil der kleine sowjetische "Muschkote" (Gott wie habe ich was gegen solche micheldeutschtumpen abfälligen Bezeichnungen...das ist bestimmt nicht bös gemeint) im Monat gerade mal 15,-Mark der DDR Wehrsold bekam. Man kann mich gerne berichtigen aber da blieb halt nicht viel übern Monat. Deswegen verkaufte man Uhren, Rasierapparate, Radios, Goldringe(leztere der Offizier als Verkäufer), der Soldat als der das Geschäft vollziehende.

Lebensläufer


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#47

RE: "Versorgungsoasen"

in Leben in der DDR 19.03.2013 20:00
von Unner Gräzer | 399 Beiträge

Eben das meinte ich auch damit, @Lebensläufer, hab mich vielleicht bissel blöd ausgedrückt. Die hohen Tiere haben gehökert und geschachert und haben in Saus und Braus gelebt und der kleine Soldat hat den ganzen Tag geackert und Kohldampf geschoben. Die haben einem schon leid getan. Noch verrückter mit der Schacherei wurde es dann in der Wendezeit. Da kamen dann nur die Offiziere und haben versucht, fabrikneue Waffen zu verhökern. Übelste Sorte



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#48

RE: "Versorgungsoasen"

in Leben in der DDR 19.03.2013 20:04
von silberfuchs60 | 1.458 Beiträge

Zitat von Lebensläufer im Beitrag #46
Unner Gräzer das lag aber auch darin begründet, weil der kleine sowjetische "Muschkote" (Gott wie habe ich was gegen solche micheldeutschtumpen abfälligen Bezeichnungen...das ist bestimmt nicht bös gemeint) im Monat gerade mal 15,-Mark der DDR Wehrsold bekam. Man kann mich gerne berichtigen aber da blieb halt nicht viel übern Monat. Deswegen verkaufte man Uhren, Rasierapparate, Radios, Goldringe(leztere der Offizier als Verkäufer), der Soldat als der das Geschäft vollziehende.

Lebensläufer


...Lebensläufer was den Sold für die sowjetischen Soldaten betrifft ist bzw war der ein Witz ( ich weiß von 20 Mark )
was die armen Kerle auch noch verkauften war Benzin, wenn jemand das Zeug getankt hatte....roch man es...man wußte auch nicht ob gepanscht.....
Hatte mal ein Versteck gefunden mit 5 Kanistern, hab sie aber da gelassen...


xxx
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#49

RE: "Versorgungsoasen"

in Leben in der DDR 19.03.2013 20:13
von Dedelebenberlin | 28 Beiträge

@ bester Lebensläufer,
Respekt für die Wertung von "Muschkote",
wir, zumindest ich, war(en) ja auch (Grund-) Wehrdienstleistende(r),
hartes Los, besonders mit dem CA auf der Schulter,
die Übersetzung "Charme und Anmut" ist mir noch im Ohr.

Die "Händler" waren wohl nie die einfachen "Muschkoten",
um "raus" zu kommen, musste man mindestens Starschina sein.
1981 hatte ich drei, viermal ein solches Erlebnis:
Stockfinsternachts klapperte die Haustür meiner Schwiegereltern
in einem Dorf bei Beeskow, es war gegen 23 h, die Straßenlaternen
waren aus, Grusel.
In der Diele standen zwei Uniformierte, Russen, wie man damals
sagte, freundlich und wegen des ungebetenen Eindringens wohl
ziemlich unsicher sprachen sie uns (Schwiegervater + mich) an,
ob wir Goldschmuck kaufen möchten. Alles sehr freundlich, das
Angebot war auf Verkauf ausgelegt: 2 x 2 Trauringe, 585 Gold,
ganz sicherlich echt, ich glaube es war 575 oder eine andere hier
nicht so übliche Legierung, jedenfalls hatte ich dergleichen bei
einem SU-Studentensommer-Einsatz so gesehen.
Dienstgrad höherer Unteroffizier oder Fähnrich, jedenfalls kein
Offizier (die kannte ich schulterstückmäßig), zwei, manchmal drei
Mann, immer im Dunkeln, immer durch die damals unverschlossene
Grundstückstür einfach hinein...
Jedenfalls hatten wir nichts gekauft, mein Russisch reichte für eine
freundliche aber bestimmte Verabschiedung - Schwiegervater hatte
einen Schnaps -na sdarowje- die Jungs trollten sich genau so ruhig
wie gekommen, sicherlich hatten sie bei irgend einem Nachbarn
Erfolg - die geforderten Preise waren wohl sehr günstig.



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#50

RE: "Versorgungsoasen"

in Leben in der DDR 19.03.2013 20:14
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Hier ist auch noch ein verwandter Thread.(Nicht durch die Überschrift irritieren lassen)

RE: Wegen Literaturschmuggels zwei Jahre lang in DDR-Haft!


zuletzt bearbeitet 19.03.2013 20:15 | nach oben springen

#51

RE: "Versorgungsoasen"

in Leben in der DDR 19.03.2013 20:19
von Unner Gräzer | 399 Beiträge

Zitat von Dedelebenberlin im Beitrag #49
@ bester Lebensläufer,
Respekt für die Wertung von "Muschkote",
wir, zumindest ich, war(en) ja auch (Grund-) Wehrdienstleistende(r),
hartes Los, besonders mit dem CA auf der Schulter,
die Übersetzung "Charme und Anmut" ist mir noch im Ohr.

Die "Händler" waren wohl nie die einfachen "Muschkoten",
um "raus" zu kommen, musste man mindestens Starschina sein.
1981 hatte ich drei, viermal ein solches Erlebnis:
Stockfinsternachts klapperte die Haustür meiner Schwiegereltern
in einem Dorf bei Beeskow, es war gegen 23 h, die Straßenlaternen
waren aus, Grusel.
In der Diele standen zwei Uniformierte, Russen, wie man damals
sagte, freundlich und wegen des ungebetenen Eindringens wohl
ziemlich unsicher sprachen sie uns (Schwiegervater + mich) an,
ob wir Goldschmuck kaufen möchten. Alles sehr freundlich, das
Angebot war auf Verkauf ausgelegt: 2 x 2 Trauringe, 585 Gold,
ganz sicherlich echt, ich glaube es war 575 oder eine andere hier
nicht so übliche Legierung, jedenfalls hatte ich dergleichen bei
einem SU-Studentensommer-Einsatz so gesehen.
Dienstgrad höherer Unteroffizier oder Fähnrich, jedenfalls kein
Offizier (die kannte ich schulterstückmäßig), zwei, manchmal drei
Mann, immer im Dunkeln, immer durch die damals unverschlossene
Grundstückstür einfach hinein...
Jedenfalls hatten wir nichts gekauft, mein Russisch reichte für eine
freundliche aber bestimmte Verabschiedung - Schwiegervater hatte
einen Schnaps -na sdarowje- die Jungs trollten sich genau so ruhig
wie gekommen, sicherlich hatten sie bei irgend einem Nachbarn
Erfolg - die geforderten Preise waren wohl sehr günstig.


Ich dachte, das hieß Camping Allemagne



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#52

RE: "Versorgungsoasen"

in Leben in der DDR 19.03.2013 20:33
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Benzin, Goldkauf, habe ich alles hinter mir, wäre wohl heute Millionär wenn ich Letzteres gehortet hätte bis zur Neuzeit. Hatte einen SAS 968, war damit auch immer(fast immer) drin in der Kaserne(unsere Baustellen in den 70er/80er Jahren.) Den Geruch habe ich heute noch in der Nase. Die Soldaten schleppten den Benzin meistens in Feuerlöschern ran.

Aber wir sind eigentlich hier voll OT. Eine Kalaschnikow wurde mir einmal Anfang der 80er Jahre in Leipzig Schönau für runde 400,-Mark angeboten. War mir einfach zuviel Geld. Und ich Rindvieh sagte Nein, hatte wohl auch zuviel Bammel. Oder war ich eher ein Glückskind siehe MfS? Haben wir eigentlich hier einen Extrafred über die Kasernen der GSSD?

Lebensläufer


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#53

RE: "Versorgungsoasen"

in Leben in der DDR 19.03.2013 21:23
von Unner Gräzer | 399 Beiträge

Hier haben die für die Kaschi 150 M inkl. 100 Schuss und für die Makarov 50 M inkl. 20 Schuss verlangt. Handgranaten 5 M das Stück. Hatte eine Werksneue Kaschi, Fallschirmjägerausführung mit kürzerem Lauf, in der Hand. Und die Hosen hatte ich auch voll, eben auch wegen MfS . Andererseits, was willste mit so nem Ding, bringt doch nur Elend.



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#54

RE: "Versorgungsoasen"

in Leben in der DDR 19.03.2013 21:47
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Ärgere Dich nicht. Die fiele heute unters Kriegswaffenkontrollgesetz und könnte Dir eine Vorstrafe oder Schlimmeres einhandeln.


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#55

RE: "Versorgungsoasen"

in Leben in der DDR 19.03.2013 22:07
von Unner Gräzer | 399 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #54
Ärgere Dich nicht. Die fiele heute unters Kriegswaffenkontrollgesetz und könnte Dir eine Vorstrafe oder Schlimmeres einhandeln.


Eben, solche Sachen bringen in den falschen Händen doch nur Leid und Elend.



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#56

RE: "Versorgungsoasen"

in Leben in der DDR 19.03.2013 22:42
von DoreHolm | 7.703 Beiträge

Zitat von Unner Gräzer im Beitrag #53
Hier haben die für die Kaschi 150 M inkl. 100 Schuss und für die Makarov 50 M inkl. 20 Schuss verlangt. Handgranaten 5 M das Stück. Hatte eine Werksneue Kaschi, Fallschirmjägerausführung mit kürzerem Lauf, in der Hand. Und die Hosen hatte ich auch voll, eben auch wegen MfS . Andererseits, was willste mit so nem Ding, bringt doch nur Elend.


Rot: Wie ich mich kenne, wäre ich wohl schwach geworden und hätte mir das Ding gekauft. Aber wo ausprobieren ? Höchstens mal im Keller auf einen Balken geschossen. Eine ziemlich heiße Sache wäre es trotzdem gewesen.



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#57

RE: "Versorgungsoasen"

in Leben in der DDR 20.03.2013 06:26
von furry | 3.580 Beiträge

@Lebensläufer, nun hast Du es ja geschafft, über die "micheldeutschtumpen Muschkoten", die nicht in den Genuss bestimmter Versorgungsoasen (siehe Thema) kamen, den Bogen bis zum Erwerb einer Kalaschnikow zu schlagen.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#58

RE: "Versorgungsoasen"

in Leben in der DDR 20.03.2013 08:48
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

ich habe mir mal kurz vorgestellt diese 3 bisher vollgeschriebenen Seiten liest ein Historiker, welcher sich mit der Versorgungslage der DDR-Bevölkerung befasst, in ferner Zukunft. So in etwa 150 bis 200 Jahren ......
Welche Erkenntnisse würde er aus dem, was er liest, ziehen?

Der DDR Bürger war wild nach gezuckerter Kondensmilch! Der Besitz und Verzehr solcher stellte für ihn höchstes irdisches Glück dar und er nahm alle nur bekannten Anstrengungen auf sich um an das Objekt seiner Begehrlichkeit zu gelangen....

Gegen Ende der DDR, besonders in der Phase ab Nov. '89 bis Okt. 90 und dann noch im Ostteil des vereinten Landes bis '92/93 war es dem Bürger problemlos möglich sich für wenig Geld umfassend zu bewaffnen ......
Inwieweit das Angebot, von Schußwaffen mal abgesehen, auch gepanzerte Gefechts-Fahrzeuge, leichte bis schwere Attillerie, bis hin zu militärischem Fluggerät umfasste läßt sich so genau nicht mehr eruieren ......

Mal weg von der gezuckerten Kondensmilch die deren Besitzer wahrscheinlich mit der erworbenen/ertauschten Makarow verteidigten hin zum Thema.

Wie es sich für eine ordentliche Planwirtschaft gehört war das Gebiet der DDR in Versorgungszonen eingeteilt.
Das galt nicht nur für die sogenannten Waren des täglichen Bedarfs sondern auch für langlebige Konsumgüter, selbst für Bücher/Schallplatten etc. .....

Einfach dargestellt:
Berlin als Hauptstadt: Versorgungsstufe I
Bezirksstädte: Versorgungsstufe II
Kreisstädte: Versorgungsstufe III
der 'Rest': Versorgungsstufe IV
Ausnahmen: Sonderversorgungseinrichtungen staatlicher Organe
so ist das ganz einfach dargestellt. Natürlich gab es bei diesen Versorgungsstufen noch zig Ausnahmen ......

Eine Bezirksstadt im einer Industrieregion wurde besser versorgt als eine in von Landwirtschaft geprägten Region.
Eine Industrieregion konnte, mußte nicht zwingend, besser versorgt werden.
Fand in einer, meist Bezirksstadt, ein Event (Neudeutsch für Volksfeste etc.) statt, gab es Sonderversorgungen; meist Güter des täglichen Bedarfs .....

Bedarfe wurden umfassend geplant.
Berücksichtigt wurden Bevölkerungsstruktur; Anzahl, Alterstruktur etc., Kaufkraft und vieles mehr um eine 'bedarfsgerechte Versorgung' zu gewährleisten.

Was nicht immer berücksichtigt wurde und das war vor allem bei der Lebensmittelversorgung zu spüren, war eine saisonale Binnenbewegung der Bevölkerung, auch Urlaub genannt.
Besonders in Erinnerung ist mir der Fastzusammenbruch der Lebensmittelversorgung im Kreis Rügen im Sommer 1980 rum, genau kann ich mich an das Jahr nicht mehr erinnern aber da war es extrem .....

Engpässe, und/oder unterdimensionierte Bereitstellungen von Waren führte in der Regel zu einem Kaufverhalten welches folgendermaßen aussah: sehen, kaufen, dann überlegen wozu brauch ich das .....
Durch den starken Abkauf "rarer" Güter kam es zu einer zusätzlichen Verknappung und dadurch wiederum zum erhöhten Abkauf sollte sich solch ein Artikel mal in den Handel verirrt haben .....

Um Bedarfe an hochwertigen Konsumgütern zu befriedigen, immer im Rahmen der Kapazitätsgrenzen der produzierenden Betriebe, führte der Handel das sogenannte Bestellsystem ein. Autos lasse ich außen vor ......,
Dies führte zum Beispiel zu der absurden Situation das im Bezirk Neubrandenburg der 'Bedarf' an Tiefkühlgeräten fast identisch mit der Einwohnerzahl war und demzufolge weit über der tatsächlichen Anzahl vorhandener Haushalte lag.
Wenn ich von der Annahme einer 100%gen Versorgung pro Haushalt ausgehe .....
Ein anderes Phänomen war das es in den 80gern an simplen Schirmen mangelte .......
Offensichtlich hatte es die Jahre davor nicht so viel geregnet und dementsprechend gering war der Neukauf von Regenschirmen .....
Produktion runter, ist ja wenig Bedarf und prompt fing es an zu regnen ........

Ein weiters Handycap waren die sogenannten Verteilerschlüssel.
Besonders fiel mir das persönlich im Buchhandel auf.
Bücher um die sich Teile der Berliner Bevölkerung prügelten lagen in ländlicheren Gegenden wie Blei in den Buchhandlungen ......
Beispiel: "Fürsorgliche Belagerung" von Heinrich Böll. Im "normalen" Buchhandel in Berlin nicht zu bekommen, in Eisenhüttenstadt lag es Stapelweise ......
Im Falle von Literaturbeschaffungen wurden teilweise von mir Kanäle angezapft welche Zugriff auf den MdI Buchladen hatten, die Genossen dort hatten wohl andere Leseinteressen und so wurden mir ein ganzer Teil begehrter Bücher aus diesem Laden beschafft.

Von Büchern wird man nicht satt und Fahrten von Berlin in die Heimat, besonders zu Feiertagen, mutierten teilweise zu Lebensmitteltransporten .....
Der Kofferraum war meist voll damit, gut man hatte "Beziehungen" so war das Besorgen der Begehrlichkeiten nicht das große Problem .....

Farbfernseher für Eltern und Oma in Berlin gekauft und zu ihnen transportiert ......
So war das ......

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#59

RE: "Versorgungsoasen"

in Leben in der DDR 20.03.2013 09:06
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

gute Zusammenfassung, Nostalgiker.

Und jetzt sage ich mal:
es geht doch auch einfacher: die Nachfrage steuert das Angebot....

Ach so, das Prinzip ist ja keine sozialistische Planwirtschaft mit zentraler Lenkung, sondern gewöhnliche Marktwirtschaft, auch unter dem Begriff "Kapitalismus" bekannt
Hmm.... scheint aber irgendwie besser zu funktionieren, zumindest was die Versorgung mit Waren betrifft.

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
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#60

RE: "Versorgungsoasen"

in Leben in der DDR 20.03.2013 09:40
von Dedelebenberlin | 28 Beiträge

Diss isses, bester Nostalgiker, perfekte Liste, launiger Anfang,
genau meine LIeblings-Sprache :) Lob vor der Front :)
aber einen habe ich noch, nee, keinen Waffenladen (den gab´s auch: Suhler Jagdhütte)
Spezial-Läden
In Berlin gab es da
- Import-Läden in denen gab es Dirkt-Importe z.B. Bulgar-Impex Karl-Marx-Allee Ecke Andreasstr. Feta-Käse, Weine, Schnäpse ...
- Industrieläden heute würde man Werksverkauf sagen z.B. "Schmalkalda-Werkzeug" Chausseestr. mit lecker Bohrmaschinen
- sonstige Spezialläden (kein Delikat!) z.B. den Gewürze-Laden in der Schönhauser Allee oder die Schnaps/Wein in der Rathausstr.
- spez. Lebensmittel-Geschäfte z.B. "Thüringer Fleisch und Wurst" und Läden von "Herstellern" z.B. Fischräuchereien, Fleischer, Bäcker
diese o.g. waren jedermann zugänglich und hatten oft wesentlich bessere Angebote zu "Nicht-Delikat-Preisen"

Stichwort Delikat: Kennt noch wer den ersten "Delikatladen",
damals hieß der noch garnicht so,
Unter den Linden Ecke Friedrichsstraße
da gab es schon Ender der ´60-er Bols-Schnaps, "Westzigaretten", -schokolade,
manches mit West-Label kam aus DDR-Fabriken ...

Der böse Spitznahme für den Laden war UWUBU
= Ulbrichts-Wucher-Bude



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